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Keine Leberwurst in der Schweiz — das ist Parfait

  • Es gibt keine Leberwurst in der Schweiz
  • Schreibt mir doch eine Baslerin (das sind die Schweizer jenseits der Leckerli-Linie), dass sie des Deutschen liebste Streichwurst, die „Leberwurst“, noch nie in einer Schweizer Fleischtheke gesehen hat. Es gäbe dieses Produkt nur in Deutschland (Und Theken oder „Theks“ werden in der Schweiz auf dem Rücken ohne Fleisch getragen, aber das hatten wir schon).

  • Mögen Sie Leberwurst?
  • Wir nannten diese Spezialität als Kinder nur „Omastrumpfwurst“, weil wir fanden, dass die Farbe dieser Wurst genauso aussieht wie die Strümpfe unserer Oma. Hört sich richtig lecker an, nicht wahr? Das Konzept „Oma“ war auch lecker, denn sie brachte stets was Süsse mit zu Besuch. Dann erinnere ich mich noch sehr deutlich an ein Kinderbuch, in welchem ein kleiner Junge gern seine selbstgemalten Bilder aufhängen wollte, ihm dazu aber Tesafilm oder Heftzwecken fehlten. Also nahm er ebenfalls Leberwurst als Kleberersatz. Ist vielseitig verwendbar.

  • Parfait nur für die Hunde?
  • Als „Hündeler“ in der Schweiz lernten wir dann die handliche Tubenwurst „Parfait“ von Nestle kennen, einer Schweizer Firma. Sie wird hier gern beim Hundespaziergang mitgeführt, weil man daraus so schön praktisch in Miniportionen seinem Hund bei Wohlverhalten eine Belohnung spendieren kann. Es soll Hunde geben, die haben sogar schon das „Nuckeln“, also Wurst aus der Tube saugen, gelernt, und sie stehen genauso auf Tubennahrung wie die Astronauten, welche in der Schwerelosigkeit auf herumfliegende Krümel und Brotaufstrich gut verzichten können.

    Le Parfait
    (Quelle Foto: nestle.ch)
    laut Webseite enthält diese Tube:

    Hefe, Wasser, Pflanzenfett und -öl, Schweinleber (12%), Stärken, Kochsalz, Herbsttrompeten, Gewürzextrakte. Kochsalz, Gesamtgehalt: 1.3 g / 100 g

    Immerhin 12% Schweineleber. Deswegen ist da unser Hund so scharf drauf! Wie „Herbsttrompeten“ schmecken, möchte ich lieber nicht so genau wissen. Wie Totentrompeten, habe ich mir sagen lassen.
    Als Kinder liebten wir diesen Abzählvers:

    Ich kenne eine Frau, hat Haare wie Kakao, hat Beine wie ne Leberwurst, ich kenn‘ sie ganz genau. Sie heisst: Zie-zippeli-zippelonika, und wer’s nicht glaubt der bleibt gleich da

    Und wenn wir schon beim Reimen sind, hier noch ein Leberwurst-Gedicht:

    Die Leberwurst
    Du fragst, warum die hausgemachte Wurst
    mancher Bauern man so achte,
    dass – man behauptet frank und frei –
    sie besser als vom Metzger sei!
    Mein Freund, das kann ich Dir erklären,
    ich hoffe gern, Du lässt Dich lehren:
    Dem Metzger war seit alter Zeit
    ein hoher Grundsatz – Reinlichkeit.
    Sein Arbeitsraum ist hell und proper,
    er sorgt dafür mit Bürst‘ und Schrobber,
    und ganz besonders frisch und rein
    muss allererst der Kessel sein.
    Hingegen: Wo der Bauer schlachtet –
    das hab‘ ich manchmal schon beachtet! –
    da kocht man Fleisch vom Schwein und Bock
    im Pott, wo vorher Unterrock
    nebst Hemd und Hos‘ und Socken schäumte
    und Kuhstallgrün den Rand besäumte!
    Und solch‘ Aroma als Extrakt das bleibt der Metzgerzunft versagt!
    (Quelle: SWR4)

    

    23 Responses to “Keine Leberwurst in der Schweiz — das ist Parfait”

    1. Rainer2401 Says:

      Sorry, da muss ich widersprechen.

      Aldi-Suisse führt Leberwurst, genau solche wie in Deutschland. Also nicht in der Tube, sondern als ganz normale Wurst, die man mit dem Messer aus der Pelle nehmen und verstreichen kann.

    2. Solanna Says:

      Diese Leberwurst in der Farbe von Altfrauenstrumpfbeinen gibt es in der Schweiz sehr wohl, allerdings nur in Metzgereien, nicht bei Grossverteilern. Und zwar unter der Bezeichnung „Streichleberwurst“. Man kauft ein Stück davon, das vom Verkaufspersonal in der gewünschten Breite bzw. Länge abgeschnitten wird. Der Preis ist dann gewichtsabhängig.

    3. mirach Says:

      Ach Quatsch – Leberwurst gibts sogar in der Migros:
      Als kleine Wurst, etwa in der Grösse einer Schützenwurst zum einen, aber dann noch als Miniwurst zusammen mit Teewurst im Doppelpack.

      Hingegen hab ich sie nie an der Fleischbank beim Grossverteiler gesehen – eher dann in Delikatessenläden.

      Oder gibts diese Wurst nicht in der ganzen Schweiz – mir auch wurst.

    4. Brun(o)egg Says:

      Tja, und dann gibts noch die Blut – und Leberwurst, – „Metzgete“. Da ist die Leberwurst noch einmal anderst. Schweineleber, Fleisch, in Basel noch Rosinen, Pfefferkörner und gut gewürzt.
      Also Lebermässig sind wir schon auch dem Laufenden. Allerdings ist Leber wurst hir etwas anderes als in D.

    5. Thomas Says:

      woher kommt eigentlich die beleidigte Leberwurst?

      [Anmerkung Admin: Vielleicht hat jemand „Omastrumpfwurst“ zu ihr gesagt, das war sie eingeschnappt? ]

    6. Administrator Says:

      Das weisst doch alles in die Richtung, dass die Leberwurst-Kultur in der Schweiz eine andere ist. Nicht in der Fleischtheke, aber beim Importeur Aldi zu finden, etc.
      @Mirach
      War diese Wurstsorte schon immer in er Migros zu finden, oder erst seit wenigen Jahren?

    7. AnFra Says:

      @Thomas

      Folgend eine Variante: Siehe http://www.geo.de/GEOlino/mensch/redewendungen/4955.html

    8. AnFra Says:

      @thomas

      Noch ne Variante der Variante: Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Beleidigte_Leberwurst

    9. Dirtbag Says:

      Also ich schliesse mich der Aussage von mirach an! ist relativ klein, sieht so aus wie beschrieben und liegt irgendwo zwischen Aufschnitt und den Steaks. sehr schmackhaft, auch wenn mir die Metwurst besser schmeckt 😛 und ja, so viel ich weiss, gibts die schon länger!

    10. Mare Says:

      Wie ist es mit der Blutwurst in Deutschland? In der Schweiz wird die Blutwurst genau wie die klassische Leberwurst – wie Brun(o)egg es meint, gebraten gegessen mit Apfelschnitzli.

    11. Neuromat Says:

      Alles genau gleich wie in Deutschland – nur … ernährungsbewusst wie wir mittlerweile geworden sind trinken wir nur noch Actimel, den gibt es in CH und D und ein in D schaffender CH macht(e) dafür Reklame.

      Beleidigte Leberwürste gibt es jedoch wahrscheinlich in der CH etwas mehr. Könnte sich aber ja auch mal ändern.

      Blutwurst wird auch angebraten in die Linsensuppe (Eintopf) geworfen – dies nur am Sonntag, damit man merkt, dass es Wochenende ist.

      Woher kommt eigentlich: Das ist mir wurscht. ??

    12. Daniel Says:

      Was es aber auch in der Schweiz nicht gibt, das sind beleidigte Le Parfaits…

    13. Heloise Ripley Says:

      Leberwurst gabs bis vor wenigen Jahren an jeder Wursttheke – zeitweise sogar in der deutschen (groben) Hausmachervariante. Heute kann man verschiedene Leberwurstsorten in den Feinkostabteilungen der grossen Warenhäuser kaufen – allerdings sackteuer. Die Original Rügenwalder Teewurst gibts aber neuerdings bei der Migros.

      Deutsche Leber-, Gelb- und Blutwurst, Griebenschmalz, Lachsersatz und die grossspurig „Trinkhalle“ genannten Kioske: Wichtige Erinnerungen für mich Schweizerin mit Frankfurter Mutter.

    14. Dirtbag Says:

      @ mare, oder mit röschti und öpfelmues 😀 hmmmmmmm, ich will herbscht!!! 😛

    15. balzercomp Says:

      @Neuromat
      „und D und ein in D schaffender CH macht(e) dafür Reklame.“
      Der aber als Deutscher geboren wurde.

    16. Phipu Says:

      Zur „beleidigten Leberwurst“ kann man auch das „beleidigte Brötchen“ gesellen. Im Sandwich-, Toast- und Snack-Zeitalter muss man wohl schon fast erklären, dass es ja mal den Ausdruck „belegte Brötchen“ („beleiti Brötli“) gab, und dass daraus humorvoll die „beleidigte Brötli“ geworden sind. Und diese Brötchen kann man natürlich auch mit Le Parfait beleidigen, … äh belegen, … d.h. bestreichen.

      Mit dem „Le Parfait“ (ja, richtig, in der Umgangssprache mit doppeltem Artikel [das + le]) sind wir bei den landesabhängigen Artikeln. Als Schweizer braucht es schon etwas Geistesgegenwart, wenn man z.B. einem Deutschen erklären will, das Brot sein mit Le Parf… äh, mit Leberstreichpaste bestrichen. Das ist etwa so, wie wenn sich erklären lassen muss, etwas werde mit Tesa-Film geklebt (siehe obigen Artikel von Jens). Diesen Film habe ich jedenfalls noch nie im Fernsehen oder Kino gesehen. Das war jetzt etwas provokativ. Ich weiss natürlich schon, dass damit „Klebstreifen“ gemeint ist, auch wenn ich selbst wohl noch nie eine Rolle der Marke Tesa in Händen hielt. Mit solchen Klebstreifen kann man „scotcher des dessins au mur“, wenn man sie nicht gleich auf einen Karton bostitchen will: Siehe auch
      http://www.blogwiese.ch/archives/192

    17. Neuromat Says:

      @ Phipu

      „Das ist etwa so, wie wenn sich erklären lassen muss, etwas werde mit Tesa-Film geklebt (siehe obigen Artikel von Jens). Diesen Film habe ich jedenfalls noch nie im Fernsehen oder Kino gesehen.“

      Zum „Film“:

      http://www.film.ch/

      zu manchem Film sagt man auch Streifen. Manchmal auch Fimstreifen. Das, was Du vielleicht mal im Kino siehst, dürfte heute in den meisten Fällen nicht mehr vom „Film“ kommen.

    18. AnFra Says:

      @Neuromat

      Deine Frage ist mir nicht wurst.
      Grundlage gibt es bei den Grimms: Siehe hier A.) 5.) c.)

      In der hermeneutischen Auslegung kann man hier den Lebenswandel der durchschnittlichen Menschen aus der mittelalterlichen bzw. barocken Zeit in die beginnende Neuzeit erkennen.
      Die „Wurst“ als ehemals gewisses Statussymbol für die breiten Massen beim Essen von „Fleisch und Fleischprodukten“ hat ab der napoleonischen Zeit den lange eingehaltenen Sinninhalt (sich was leisten und gönnen können) entgültig verloren. Das „Fleisch“ als solches war nun das Ziel der Menschen. Die Wurst hat immer mehr den Charakter eines mittelalterlich-zurückgebliebenen Symbols erhalten.
      Man kennt es ja: Für die Engländer waren (sind) die Deutschen nicht nur Kraut- sondern auch Wurstfresser!

      Deshalb ist es eigentlich logisch: Die damals modernistisch eingestellte Burschenschaften verwenden in ihrer sich „geheimen und bündisch“ gebenden Sprech- und Ausdrucksweise über und zu dieser „alten Wurst“ nun zu diesen nun überholt seienden, einen neuen und zugleich etwas negativen Sinninhalt. Im Mittelalter spielte der Hanswurst (gewisse Spiegelung des dt. Michels!) bereits eine dumpfe, dümmliche und trottelige Rolle.
      Auf etlichen Gemälden der niederl. und dt. Maler ist die Wurst fast immer im Mittelpunkt des Prassens. Diese Prasserei geht nun ihrem Ende entgegen. Die Sitten verfeinern sich und die Wurst verliert auch noch ihre bisher dominante Rolle beim Essen.
      Auch meine ich: Die größer werdenden Bevölkerungsschichten mit ihrem „Fleischhunger“ und dem dramatisch steigenden Lebensmittelbedarf führten viele Wurstmachern in die Versuchung nach dem Motto: „Füllen wir die Wurst mit schnittfestem Fett und Wasser“. So hat die Wurst ihren alten und guten Ruf / Wert verloren. Sie ist nicht mehr die gute alte Wurst. Sie wird wertlos.
      Das „gute Fleisch“ ist mehr Menschen erschwinglich, die „„schlechte
      Wurst““ ist nun diesen „„gleichgültig““. Die ist ihnen deshalb „„wurst““!

      Kleine Nachbetrachtung:
      Da die CH all die europ. Kriege und Revolutionen ab der nachnapoleonischen Zeit nicht mitgemacht hat, ist möglicherweise deshalb erklärbar, warum hier die „alte Wurstkultur“, besonders mit der
      „Cervelat“, noch immer diese für die übrigen Europäer nicht nachvollziehbaren Emotionen auslöst.

    19. Martin Says:

      Und dann noch der Leberwurstwitz:
      Kommt ein Mann in die Metzgerei. „Ich hätte gerne 100g Leberwurst. Aber von der Groben Fetten.“ Sagt der Metzger: „Das geht nicht, die hat heute Berufsschule.“

    20. Brun(o)egg Says:

      @ Dirtbag

      Mettwurst hat mit Leberwurst gar nichts zu tun: Brät, Farbstoffe, viel Glutamat und Gewürze. Kaufen und wegschmeissen! Ist ungesund!

    21. Dirtbag Says:

      @brun(o)egg, hehe ist mir nur so eingefallen, ist schon klar, dass die beiden nicht viel gemeinsam haben 😛 ich mag die mettwurst trotzdem 😉 *händereiblippenschleck*

    22. stephan Says:

      Leberwurst gibt es durchaus in der Migros an der Theke. Kalbsleberwurst mit oder ohne Trüffel. Fragt einfach nach Läbberewurscht!

    23. Gery us büüli. Says:

      Kennen die im „grossen Kanton“ eigentlich keine Hofmetzgete?. Da gibts Blut- und Leberwurst frisch ab Bauernhof. Wie es sich bei einer richtigen Metzgete auf dem Bauernhof gehört. Warum das Vieh auf den Schlachthof führen wenn der Metzger auf den Hof kommen kann…

      Oder wie wärs mit einer deftigen „Berner Platte“. mjam mjam. da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

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