Rettet die Cervelat? — Rettet den Schweizerdeutsch!
Jetzt haben wir mühsam und in grammatikalischer Schwerstarbeit endlich begriffen, dass der Schweizer Cervelat eine hochheilige und „erst noch“ äusserst männliche Angelegenheit ist, da müssen wir dies in einer Anzeige lesen:

(Quelle Foto: Rettet die Cervelat
Das ist falsch. „Die Cervelat“ will niemand retten, sonst könnten wir auch gleich aufrufen zur Kampagne „Rettet den Schweizerdeutsch“. Es gibt keine weibliche Cervelat in der Schweiz. Es gibt eine Wurst, das ist richtig, aber die nennt sich „der Cervelat“. Da haben wir den WurstSalat. Was soll nun gerettet werden? Die Sprache, das richtige Wurstgeschlecht oder doch die Wurst selbst? Als alte Currywurstfans bleiben wir dann doch lieber bei unser echten “Bratzwurst” mit einem ordentlichen “tz” in der Mitte, so wie in “getz ist genug”.
February 8th, 2008 at 1:08 am
Ganz so eindeutig ist die Sache nicht. Man hört tatsächlich beides, DIE Cervelat und DER Cervelat, möglicherweise regional bedingt. So oder so, eine Grillsaison ohne Servela ist undenkbar. Nichts gegen Currywurst, Thüringer Bratwurst usw. aber jedes Ding an seinem Ort. Wir wollen doch nicht auch noch unsere Würste unter die Globalisierungsgleichmacherdampfwalze werfen .
February 8th, 2008 at 1:53 am
Ich denke die meisten Schweizer würden bei der Frage, ob es sich um die oder der Cervelat handelt, sich für “die” Cervelat entscheiden. Im Schweizerdeutschen sagen wir auf jeden Fall “die Cervelat”. Und da es sich bei dieser Aktion um eine Schweizer Kampagne für ein Schweizer Produkt handelt, ist diese Schreibweise durchaus gerechtfertigt. Schliesslich sind wir hier ja in der Schweiz (und gehen hier in Bibliotheken und nicht in Büchereien)
February 8th, 2008 at 7:59 am
Die Cervelat in Verbindung mit Wurst ist nicht falsch sondern schriftdeutsch. “dr Servela” Dialekt. Ist halt so.
February 8th, 2008 at 8:19 am
@Daniel
“Im Schweizerdeutschen sagen wir auf jeden Fall “die Cervelat”.”
Hm.. lebe seit 36 Jahren in der Schweiz und ich sage dä Cerelat (alse der)
Gut zu wissen, das ich kein Schweizerdeutsch spreche.
Ich bin da eher der Ansicht wie Jannies. Es ist regionalbedingt. Den es gibt nicht das eine korrekte Schweizerdeutsch…
February 8th, 2008 at 8:23 am
Spannend diese Kontroverse. Hier gehts um die Wurst! Und doch beschleicht mich ein mulmiges Gefühl, wenn Leute darum streiten ob es nun die oder der Cervelat heisst. Für mich ist es DAS Cervelat, einfach so, vielleicht um dieser Sprachheimattümmelei eins auszuwischen. Sonst noch jemand für das?
February 8th, 2008 at 9:12 am
@ Jannis
Ganz egal, welche Wurst man unter die Globalisierungsgleichmacherdampfwalze wirft - heraus kommt dabei immer ein Hamburger. Nicht nur die Schweiz hat in diesem Spiel des frei flottierenden Kapitals eine Identität zu verlieren.
February 8th, 2008 at 9:56 am
Kann Brun(o)egg nur unterstützen. Cervelat ist in den meisten, Schweizer Dialekten – aber vielleicht nicht um Bern herum – sehr klar männlich.
Ich habe auch das Gefühl, in der Schriftsprache müsse ich DIE Cervelat schreiben, was mcih jedes Mal befremdet.
February 8th, 2008 at 10:10 am
“Der” oder “die” ist mir eigentlich egal. Wieso muss es heute um Cervelat gehen? Ich bekomme schon wieder Hunger.
February 8th, 2008 at 10:13 am
@Daniel: nö, es isch dr servela, oder dr servila. Wenn du eine Zeitung oder Artikel liest, die sich dem Thema Rinderdärme und Cervelat annimmt, und die in ihren Artikeln ‘die’ schreibt, dann würde ich das Abo wechseln.
Aber es sagen tatsächlich viele heutzutage ‘die’. Kommt wohl vom ‘die Wurst’.
February 8th, 2008 at 10:37 am
Als gebürtiger Saarländer wundert mich die Cervelat immer wieder:
Bei uns ist Cervelat nämlich Salami, und keine Fleischwurst.
Die heißt im Saarland Lyoner.
February 8th, 2008 at 11:26 am
Auch einer der derzeit grössten Poeten der Schweiz, Gabriel Vetter, sagt ganz klar DER Cervelat. http://www.youtube.com/watch?v=F0hbnAo_0XY
February 8th, 2008 at 11:49 am
Als Aargauerin eingequetscht zwischen Züri- und Baaslerdütsch sage ich “d’Cervelat” und hab keine Ahnung, ob das “d” für “der” oder “die” steht…ist ja auch Wurscht, ich mag Cervelats eh nicht.
…und dass sie echte Rinderdärmen aus Brasilien enthalten, bringt mich auch nicht auf den Geschmack…;)
February 8th, 2008 at 11:49 am
@ugugu
DAS Cervelat scheint mir eindeutig österreichisch. Denn in Österreich ist im Zweifelsfall immer alles “das”. Sogar “das Teller” auf dem die Cervelat zu liegen kommt. Soweit meine persönliche sprachliche Erkenntnis als in Deutschland geborene, aufgewachsene und sozialisierte Österreicherin mit österreichischem Vater und plattdeutsch sprechender deutscher Mutter.
@phoboid
für mich als Westfälin ist eine Cervelatwurst auch eine Salami.
@alle Currywurst-Fans
gegen eine “Olma” so nenen die St. Galler ihre St. Galler Kalbsbratwurst, sieht jede Currywurst (geschmacklich) blass aus. Da hilft auch keine Currysoße.
Die “Olma” (benannt nach der Ostschweizer Land- und Milchwirtschaftlichen Ausstellung) ist nämlich einfach ein geschmackliches Highligt. Kein Besuch in St. Gallen, ohne am Wurststand eine Olma zu genießen! Aber wer Senf zur Olma bestellt, erntet mindestens ein konsterniertes Augenbrauenhochziehen ob dieser frevelhaften Absicht, manchmal aber auch gleich die direkte Ansage, dass es zur Olma keinen Senf gibt. Da geb ich halt hier meinen Senf dazu…
Aber eine Frage: ist eine St. Galler Kalbsbratwurst denn auch ein Cervelat? (in der Ostschweiz eindeutig “der” Cervelat)
February 8th, 2008 at 11:57 am
wenn ich sehe, was für inhaltsstoffe in einer cervelat stecken, hmmm. fein…..frage ich mich schon, warum die überhaupt gerettet werden soll
.
http://www.codecheck.ch/fleisch_fisch/wurstwaren/P7610200014146/Migros_Riesen_Cervelats.pro
offenbar lebt die blogwiese wieder, oder ist das nur ein test?
.
schönen gruss
der wolfi usäm aargau
February 8th, 2008 at 12:29 pm
Rechtschreibeduden und Fremdwörterduden bezeichnen “Cervelat” als männlich, und demnach ist er es auch. Die eingedeutschte Schreibweise “Servela” hingegen ist gemäss denselben Wörterbüchern männlich oder weiblich. Ich vermute mal, weiblich auch deswegen, weil die Endung -a gewissermassen das Femininum nahelegt. Der Streit um die Männlich- oder Weiblichkeit dieser Wurst wird also nicht eindeutig entschieden, da beide Wörter gleich ausgesprochen werden. Das gilt demnach ganz besonders für Mundartformen, also auch für “Serbila” oder gar “Serwula”.
Die Ähnlichkeit von Zervelatwurst und Cervelat beschränkt sich meines Wissens auf nicht viel mehr als die Namensverwandtschaft.
Auf Französisch ist der Cervelat erstens männlich und endet zweitens auf -s statt -t. (Woher im Deutschen die t-Endung kommt, hat mir noch niemand erklären können. Vielleicht weidet auf der Blogwiese auch mal ein Wurstfachmann bzw. -historiker…)
Ganz allgemein: Bevor man irgendetwas behauptet, lohnt es sich bei Diskussionen über Orthografie und Grammatik fast immer, Nachschlagewerke zu konsultieren. Das hätten eigentlich auch die Leute von “SOS - Rettet-die-Cervelat” tun sollen. Aber abgesehen von ihrer Wurst ist denen vermutlich alles andere wurst…
February 8th, 2008 at 12:55 pm
Der Wiese oder die Wiese, das ist hier die Frage!
February 8th, 2008 at 12:57 pm
Hab’ gerade mal im Duden nachgesehen:
Cervelat, der; -s, -s (schweiz. für Brühwurst aus Rindfleisch mit Schwarten und Speck)
Daneben gibt es noch die
Zervelatwurst [auch: …] die; -, …würste: Dauerwurst aus Schweinefleisch, Rindfleisch u. Speck (Schlackwurst)
Das ist die feinkörnige Salami-Art die phobid erwähnt hat. Anscheinend schreibt sie sich mit “Z”. Ich hätte sie allerdings auch mit “C” geschrieben.
Der schweizer Cervelat ist für mich eher mit der im Frankfurter Raum verbreiteten Rindswurst vergleichbar. Mit der Lyoner hat sie nichts zu tun.
February 8th, 2008 at 1:32 pm
ist das gleiche mit giraffe….
der giraff oder doch die giraffe?
das oder die tram?
February 8th, 2008 at 1:49 pm
@Doro: Die Olma-Wurst ist ken Highlight, sondern eine Zumutung. Geschmacksneutral und von einer widerlichen schlabbrig-schlonzigen Konsistenz. Ohne Senf bekommt man die gar nicht runter.
February 8th, 2008 at 2:09 pm
@phoboid und @Doro
Die Überlegungen wg. des Unterschiedes / Nichtunterschiedes der Cervelat und Salami haben schon einen vernünftigen / historischen Grund.
Die Cervelat-Wurst war entsprechend meiner Hypothese ursprünglich eine luftgetrocknete Rohwurst, hergestellt aus Hirschfleisch. Dies ist im Namen noch erkennbar.
(Siehe: http://www.blogwiese.ch/archives/609#comments ).
Habe soeben mit einem austriakischen Dozenten für Wurst- und Fleischtechnik gesprochen, der sagte: Die luftgetrockneten Rohwürste (Salami, Hirschwurst uä.) würden „Cervelat-Gewürze“ erhalten. Im Land Kärnten würde man z. B. die „Cervelat-Wurst“ nicht kennen / essen, aber die Bezeichnung „Cervelat-Art“ sei in Verwendung für luftgetrocknete Rohwurst. Man erkennt hier noch die verbliebene mittelalterliche Namensgebung.
Die heutige Cervelat-Wurst in CH ist meiner Meinung erst nach dem Aufkommen (verm. im 19. JH) der neuartigen Kutter auf den Markt geworfen worden und hat den „edlen“ Namen der Hirsch-Wurst „Cervelat“ erhalten / übernommen. Der mittelalterliche Name für die Hirschwurst lautete in Italien „Cervellat“.
Der uralte Trick auch hier: Aus Himbeeren macht man Kaviar und nennt sie auch so!
February 8th, 2008 at 2:14 pm
Aufgrund der Kommentare geht ziemlich eindeutig hervor, dass es regional bedingt ist, ob man „die“ oder „der“ Cervelat sagt. Ich selbst (Grossraum Bern) finde „der“ Cervelat einfach als zu Zürich- Luzern- oder noch weiter östlich-lastig.
Beim Googeln bin ich zwar auf leicht mehr „der Cervelat“ als „die Cervelat“ gestossen. Ersteres schliesst aber auch alle Genitiv-, Akkusativ- und Dativ-Fälle ein, in denen von „der Cervelat“ (also im Nominativ „die“) die Rede ist. Es sollen also alle, die nun gleich wegen „falschem“ Gebrauch des Artikels eine Zeitung abbestellen wollen, genau hinschauen, ob eine der Quellen bei den „Falschbrauchern“ nicht zufällig aus ihrem favorisierten Presserzeugnis stammt.
Aber da alles, was Dialektwurzeln hat, auf mündlicher Überlieferung basiert, ist lediglich das Gefühl bestimmend. Und das bleibt solange so, wie es kein juristisch bindendes „Globalschweizerdeutsch“ gibt. So scheinen mir selbst z.B. die ebenfalls im Internet gefunden Orthographien „CervAlat“ oder „CervelaS“ falsch.
Recht hat Jens zweifellos für unsere lateinischstämmigen Landessprachen. Auf Französisch ist es „le cervelat“, also „der“ (und mit T am Ende!), auch wenn es sonst „la saucisse“ (die Wurst) heisst. Die italienische Variante ist „il cervelat“; womit sich der Name auch im Artikel von der italienischen Spezialität „la cervellata“ unterscheidet. Beim nach „la cervelat“ suchen, stiess ich auf nicht landessprachliche, nämlich spanische Einträge.
Ach ja, und warum ich oben einen bestimmten Artikelgebrauch nicht dem Baslerdialekt zuscheide, ist, dass diese Wurst dort sowieso „der Klöpfer“ heisst.
An Doro
Eigentlich sollte sich jemand aus der Ostschweiz verteidigen. Aber „die Olma“ ist eine Ausstellung (deshalb „die“). Die Olma-Wurst oder die Olma-Bratwurst verdient ++immer++ das Prädikat-„Wurst“ hinter „Olma“, da ich nämlich deinem Appetit nicht zutraue, die ganze Ausstellung mit allen lebenden Kühen und Äpfeln aufessen zu wollen.
Und „nein“, eine Bratwurst ist keine Cervelat. Der Unterschied besteht darin, dass eine Bratwurst im Gegensatz zur Cervelat vom selber geschnitzten Stock fällt, wenn man sie im Wald über dem offenen Feuer „brätelt“. http://is.blick.ch/img/gen/s/A/HBsAobD9_Pxgen_r_700×401.jpg . Dass wir als Kinder noch solchen Spass haben durften (ja sogar mit dem Sackmesser selber den Stock spitzen und die Wurst einschneiden), darf ich heutigen Eltern gar nicht mehr erzählen, denn bei der nächsten Schramme in einer Kinderhaut werde ich es mit einer Schadenersatzforderung nach amerikanischen Dimensionen zu tun bekommen, sollte man erfahren, dass ich der Urheber dieser Zeilen bin.
February 8th, 2008 at 2:20 pm
@wolfit: der giraff wird in Schriftsrpache zu die Giraffe.
Das Tram wird sogar zu die Strassenbahn
Der Cervelat wird zu die Wurst
February 8th, 2008 at 2:30 pm
An Doro:
Beim Linktest durchgefallen:
Ich versuch es nochmals, damit du dir ein Bild machen kannst, welche gefährlichen Sachen wir als Kinder noch machen durften:
http://media.schweizerbauer.ch/images/17261_cervelat.jpg
http://is.blick.ch/img/gen/s/A/HBsAobD9_Pxgen_r_700×401.jpg
http://bundblog.espace.ch/files/images/2007/9/mob20_1189695017.jpg
http://www.vol.be.ch/site/fr/print/beco-imm-bild-wurst.gif
Stellt man übrigens auf einer Wanderung auf z.B. 2300m.ü.M. überrascht fest, dass es an diesem Picknickhalt ja weder Holz für ein Feuer noch für einen Wurstspiess hat (oberhalb Baumgrenze), kann man die Cervelat zur Not immer noch kalt essen. Die Bratwurst nicht!
February 8th, 2008 at 2:39 pm
Wenn Cervelat männlich ist müsste es also “Schweizer frönen dem Cervelat” und nicht “Schweizer frönen der Cervelat” heißen?
February 8th, 2008 at 2:59 pm
Angesichts Form und Bekleidung kann es ja eigentlich nur der Servelat heissen. Die Olma hat aber eindeutig den Grösseren
February 8th, 2008 at 3:32 pm
Ist doch ganz einfach: Wenn die Wurst einen Zipfel hat, ist sie männlich.
February 8th, 2008 at 3:36 pm
Der Cervelat, aber da auf dem Plakat mehrere drauf sind meinten die Initianten evtl. Die Cervelat(s)…
February 8th, 2008 at 4:09 pm
@ phipu
Wenn mich nicht sämtliche Kenntnisse und Wörterbücher im Stich lassen, heisst es auf Französisch wirklich le cervelas.
@AnFra
Ich fürchte, der Cervelat war nie eine Hirschwurst, sondern eher eine Hirnwurst (italienisch il cervello, französisch le cerveau = das Gehirn). Siehe folgender Link:
http://www.cnrtl.fr/etymologie/cervelas
Zwar essen wir Eidgenossen die Intelligenz nicht mit Löffeln, aber vieles deutet darauf hin, dass wir sie mindestens teilweise dem Verzehr an der Verwesung gehinderter Leichenteile, abgefüllt in brasilianische Rinderdärme, verdanken. Spätestens jetzt sollte auch der Hinterletzte begreifen, wie wichtig die Rettung des Schweizer Cervelats ist: Andernfalls dräut uns ab Mitte 2008, dass uns beispielsweise die Deutschen nicht nur im Fussball, sondern auch in den PISA-Tests endgültig abhängen.
February 8th, 2008 at 4:56 pm
@Phipu
Es braucht keine Ostschweizer Verteidigung. Denn die “Olma” (das es sich bei dem Begriff um die Abkürzung der Ostschweizer Land- und Milchwirtschaftlichen Ausstellung handelt, darauf hatte ich ja bereits hingwiesen) wird in St. Gallen am Bratwurst-Stand definitiv als “Olma” bestellt. Also ohne das Prädikat “Wurst”. Auch wenn es sich bei der “Olma” durchaus um eine Wurst handelt, die ein Prädikat verdient hätte!
February 8th, 2008 at 5:14 pm
@ Guggeere
Nicht zu vergessen das ganze Hirnschmalz das hier in Sachen Servelat auf die Blogwiese fliesst
In meiner norddeutschen Heimat gab es übrigens früher Bregenwurst (bregen ist platt für Hirn, vgl. Eng. brain) zu essen, die ist allerdings infolge BSE ein wenig aus der Mode gekommen. Mit der Servelat hat die Bregenwurst aber nur den Zipfel gemein
February 8th, 2008 at 5:53 pm
Mit was Ihr Euch hier die Zeit vertreibt, während ich mich auf der Skipiste bei profanem Sonnenschein und bestem weissen Pulver langweilen muss
Reload vom 16.12.2007
Dann lese ich in der Currywurst Diaspora muss man sich selber an den Herd stellen, Schweizer Kalbsbratwurst sei ganz gut geeignet, und wenn man die süddeutschen Currywürste mag, sei man auch mit einer Cervelat ganz gut bedient. Sicher lässt sich Wiener Schnitzel auch aus Tofu zubereiten, aber dann stell ich doch am liebsten eine Schweizer Kalbsbratwurst oder eine Cervelat an , in die gehört auf jeden Fall Rindfleisch, Speck, Schweinsschwarte, Eis, Salz und Gewürze. Dieser Mix wird in Därme abgefüllt, leicht geräuchert und anschliessend gebrüht – das Billig Doping für das Industrieproletariat (Berner Zeitung). Etwas, von dem auch niemand so richtig weiss, wie es geschrieben wird, Cervelas oder Cervelat oder Servela oder Zervelat?, kann doch keine Currywurst werden. Eher stellt sich Ueli Maurer hinter den Herd. Der Schweizer Metzgermeisterverband hat sich 1998 für «der Cervelas» ausgesprochen, und das gilt für Ein- und Mehrzahl (dann hätte ich das mit dem Plural auch noch eingebaut. Der Duden beharrt aber – auch in der neuen Rechtschreibung – auf Cervelat und Cervelats (Blick online). Das mit dem Plural läuft in Deutschland, in einer pluralistischen Gesellschaft eben ganz anders. Schnitzel ist hierfür ein gutes Beispiel: ein Schnitzel, zwei drei, vier Schnitzel aber fünf Schnitzels, erst ab einer Menge von fünf wird das Plural S gebraucht, Ausnahmen sind der Lehrer (Sing.) und die Lehrers (Plur.), das Fahrrad (Sing.) und die Velos (Plur.), nein kann ja nicht sein, muss ja die Velo (Plur.) heissen, ist doch kein Fremdwort. Aber im Vertrauen: Bei Fremdwörtern kommen die gleichen Pluralendungen vor wie bei deutschen Wörtern. Also sind alle deutsche Wörter Fremdwörter.
reload Ende
und hat irgendeiner sich von Mitte Dezember bis getz merken können wie der Cervelas nun richtig geschrieben wird. Gilt der Schweizer Metzgermeisterverband in der Schweiz weniger als dieser alles germanisierende Duden … ?… dann lackiert das Ding doch gleich schwarz-rot-gold
In einer monotheistischen, patriachalischen Gesellschaft, in der Olma weder eine koptische Gebetsrolle (obwohl sie so schmeckt) noch ein Frauenname ist, heisst es DER Wurst, es heisst ja auch der Dampf und beide heissen Hans und zwar nicht mit sondern zum Vornamen.
Mein Vorschlag: Wir treffen uns nächstes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Freiburg und (fr)essen uns dort durch allle verschiedenen Wurstsorten. Das hilft erstens über den Verlust der Cervelas hinwegzukommen (ein paar Cervezas helfen da auch…) und zweitens darf man feststellen, wie viel unterschiedliche, gute Speisen es gibt, wenn man sie nicht gerade nach hurrapatriotischen Gesichtspunkten beurteilt.
Gibt es nördlich von uns eigentlich eine Matjesdiskussion? Könnte man die Cervelashülle nicht vielleicht auch aus Matjes gewinnen, dann liesse sich das Ding nicht nur ohne Feuerstelle in 2300 Meter Höhe sondern auch noch unter Wasser essen. Allerdings hat jemand schon mal einen Schweizer gesehen, der ohne Grill auf dem Rücken in 2300 Meter auf dem Nepali Highway unterwegs ist. Die mit der Oma hinten drauf sind die Holländer, die haben nämlich keine Wurst sondern nur Erdnussbutter, und die darf in Deutschland nur Creme heissen weil keine Milch drin ist, wie in der Cervelas.
February 8th, 2008 at 7:11 pm
@Guggeere
Offensichtlich könnte man es so annehmen, aber die etymologische Ableitung und die Verwendung des Namens Cervelat für und in Verbindung mit luftgetrocknete Rohwurst und Hirschwurst deuten extrem in Richtung der Hirsche.
Bei der Etymologie muss man richtigerweise sehr aufpassen, da das Eis hierbei oft sehr dünn ist. Aber einige Falschbewertungen haben die Eigenschaft, in alle Ewigkeit zu gelten. Namensähnlichkeiten sind brisant. Mythen brauchen niemals Beweise. Bin jetzt aber auf der Jagd nach der Quelle und Herkunft dieser Sache / Mythosbildung. Als Deutscher möchte ich ketzerisch sagen: Viele Schweizer lieben ihre Cervelat,…… aber auch ihre Mythen.
Die „schweizer Cervelat“ ist nach meiner Hypothese erst in dieser Art und Qualität aufgetaucht, als die modernen Kutter in das Metzgerhandwerk eingeführt wurden. Eigentlich konnte man dann erst durch diese Kutter die großen Mengen an feingearbeiteten Brät für die „neuartige schweizer Cervelat“ in der notwendigen Menge und Art erzeugen. Möglicherweise folgt die schweizer Cervelat der technischen Vorgabe durch die Kuttertechnik.
Die Namensgebung bzw. vermutete Namensübertragung „Cervelat“ auf diese neuartige Wurst könnte ein extrem gutes Marketing gewesen sein.
Auch wenn ich mich bis auf die Knochen blamiere und eventuell wie ein damischer Hirsch dastehe, möchte ich trotzdem beim Herkunftshintergrund Hirsch bleiben.
Die Verwendung von Hirn in dieser Wurst (Hirsch und /oder Cervelat ) ist natürlicherweise auch hier Standart gewesen. Bis vor einiger Zeit wurde in D und A (??CH??) auch Hirn in Gelbwurst verkuttert. Nun ist dies nicht mehr wg. des BSE-Problematik möglich.
Habe einige Leserbriefe und Schreiben von Schweizern in Zeitungen und anderen Blogs wg. des Einfuhrverbotes der Därme in die CH ( und EU ) gelesen. Die EU wird auf übelste und in unwahrer Weise für dieses „sogenannte Scheinproblem“ angegriffen. Die CH und die EU haben GEGENSEITIGE Abkommen geschlossen und diese sind nun mal zum Schutze des Konsumenten rigoros einzuhalten. Statistisch gesehen hat meines Wissens die CH mehr BSE-Fälle bei Menschen gehabt als in D.
Fortsetzung folgt, ….. eventuell.
Siehe:
http://www.blogwiese.ch/archives/609#comment-102528
http://www.svevi.com/prodotti_salami_cervelat.asp
http://books.google.com/books?id=O4RM8S-sU_oC&pg=PA26&dq=cervelat&hl=de&sig=WseLKO1bEO9oiD5KZtbr5FaG_DQ#PPA25,M1
February 8th, 2008 at 7:57 pm
Ich würde jetzt mal kühn behaupten, das ist von Kanton zu Kanton verschieden
Im Berner Oberland bis und mit Bern selber, ist die Cervelat im allgemeinen weiblich. Wie weit das allerdings noch nach Norden/Osten reicht, ist mir nicht bekannt. Allgemein gilt wohl “je Zürich desto männlich”
February 8th, 2008 at 9:09 pm
An Guggere
Auf deinen Hinweis hin wurde ich dann zu recht verunsichert. Tatsächlich schreibt man im Internet, inkl. dortige Wörterbücher die französische Cervelat als „le cervelas“. Ich hätte das also so falsch geschrieben, wie alle Fundstellen auf Französisch, die ich mit „le cervelat“ aufgerufen erhielt. Vielen Dank für „das Rettung meines Französischem“. Ich nehm dann nächstes Mal den Mund erst wieder voll (Cervelat natürlich), wenn ich mich vergewissert habe.
February 9th, 2008 at 1:42 am
@Phipu
Dein Hinweis auf die spezielle Bezeichnung der Basler für den Cervelat ist fast goldrichtig. Sie sagen aber natürlich “Glepfer”.
In Zürich gab es (jedenfalls bis zu meinem Auszug Mitte 70er-Jahre) auch noch die Schützenwurst – etwas kürzer und “finer” als der “Servila”, und fast ohne Krümmung (vielleicht, weil zu dick und kurz dafür). Weil die “Schützewurscht” nicht nur “finer”, sondern dadurch auch feiner (= leckerer) war, schien er mir immer ein Mini-Lyoner zu sein. Ein Lyoner ist aber normalerweise viel grösser als ein Cervelat, eher so wie eine Berner Zungenwurst.
Früher kaufte man Cervelats oft als Kranz von vielleicht 8 oder 10 Stück. Heute sind sie meist paarweise verschweisst.
Der grosse Vorteil des Cervelats – abgesehen von Geschmack und Konsistenz – ist seine vielseitige Verwendbarkeit – wie Phipu erwähnte, als Figgi-Mühli-Picknick, wenn man nicht sicher ist, ob ein Brätelfeuer möglich sein wird. Aber auch die “Arbeiter-Gottlett” (Arbeiter-Koteletten, längs in Scheiben geschnitten gebraten, auch z.B. in Senf, Mehl und gewürztem Ei gewendet, Oder Arbeiter Cordon-bleu: zwei Längsscheiben mit einem Käsestreifen dazwischen mit Zahnstochern zusammengesteckt, etc. etc.) sind beliebt, oder Cervelats in heissem Wasser erwärmt wie Wienerli.
Cervelats gehören einfach immer in den Kühlschrank-Notvorrat aller Nicht-Vegetarier.
Wer in einer Beiz ein “Waldfest” bestellt, bekommt Cervelat, Senf und Brot; eventl. ist auch ein Bier mitgemeint.
February 9th, 2008 at 8:54 am
@neuromat Weihnachtsmarkt Freiburg? GERNE!! Da gibts echte MARRONI.
Sowas findet man in Deutschland ja sehr selten, und wenn,dann schreiben die Banausen MaRRoni nur mit eimem “R” und verkaufen Edelkastanien ( Castanea Sativa, Esskastanien ) als MARRONI. Der einzige Marronistand weit und breit!
February 9th, 2008 at 11:51 am
@ Neuromat
Die Olma war zwar keine koptische Gebetsrolle, wie du argwöhnst, aber so weit daneben liegst du auch wieder nicht: Es gibt ein katholisches Andachtsbuch aus dem Bündner Oberland mit dem Titel “Consolaziun dell’olma devoziusa” (surselvisches Rätoromanisch für “Tröstung der frommen Seele”, olma = Seele), das erstmals im 17. Jahrhundert herausgegeben wurde und in seinem Sprachgebiet jahrhundertelang in fast jedem katholischen Haushalt vorhanden war. Wenn Bündner Oberländer Olma-Bratwürste verzehren (was häufig vorkommt, nicht nur im Oktober während der Olma-Messe in St.Gallen), ist das durchaus heute noch Anlass für den einen oder anderen Witz.
February 9th, 2008 at 3:18 pm
Wenn ein Cervelat eine Salami ist, dann bin ich der Schah von Persien. Und Lyoner ist nie eine Cervelat, sondern viel feiner in der Mischung. Beides erhältlich in der Schweiz. Säuberlich getrennt.
Mir scheint nördlich des Rheins herrscht einige Begriffsverwirrung bezüglich Lebensmittel. Am meisten amüsier ich mich, dass Pepperoni standhaft als Paprika bezeichnet werden. Pepperoni kann man mahlen solange man will - es wird nie Paprika - Pulver daraus.
February 9th, 2008 at 8:17 pm
@ Brun(o)egg
na dann schütteln wir uns doch gleich mal so richtig mit:
http://de.wikipedia.org/wiki/Paprika
February 10th, 2008 at 11:59 am
@Bruno, Schah von Helvetien und Großwesir von Argovia
Aufgrund meiner zwischenzeitlichen Recherchen möchte ich Dir einen ersten Zwischenbescheid geben, damit Du als südlicher Bewohner des Rheines etwas aus den Tagträumen bezügl. des Nationalheiligtums Cervelat aufgeweckt wirst. Möchte aber voraussenden: Dies ist nicht bösartig gemein, es soll Deine stolze schweizer Seele nicht brechen, es ist keine Schmähung am schweizer Volk, es soll keine nachbarschaftliche Beleidigung und es soll auch keine nationale Selbstüberschätzung sein! Usw, usw. Du kennst es ja: Wissen bricht Vorurteil!
Zwischenerkenntnis:
Cevelat kommt wohl namentlich aus dem romanischen Sprachraum. Etymologisch ist der Name näher beim Hirsch (Wikipedia: „Echter Hirsch (Cervinae) ist eine Unterfamilie der Hirsche (Cervidae)“) als beim Hirn (Wikipedia: „lateinisch cerebellum, der Verkleinerungsform von cerebrum, „Gehirn““).
Im Mittelalter war die luftgetrocknete Rohwurst (wie hier die Cervelat-Wurst in etwa salamiartig Konsistenz) auf lange Haltbarkeit ausgerichtet. Hierbei wurde vermutlich KEIN Hirnanteil mitverarbeitet wg. produktionsbedingten Problemen, da es hierfür andere Wurstarten gab. Das normale Volk wurde zwischenzeitlich von der Hirschjagd ausgeschlossen. Der Name Cervelat aus der Hirschwurst kommend, blieb als etwas Besonderes („Schmackhaftes, Deliziöses, Leckeres“) im Volksgedächnis haften. Das Volk konnte nun keine Hirschwurst mehr essen, da dies den hochgestellten Herrschern vorbehalten blieb!
Jetzt gibt es ein „Volk ohne Cervelat“, ist fast so schlimm wie ein „Volk ohne Raum“. Wo so etwas endet wissen wir Deutsche zwischenzeitlich.
Jetzt meine (vorläufige) Hypothese mit Erkenntnishintergrund:
Findige Metzger, Fleischer, Wurster habe in Lyon (!?!) eine fein-/feinstgeschnittenes (gekuttertes) Wurstbrät in kleine Därme mit kleinen Kaliber von ca. 1 ½“ bis 2“(ca. 35 bis 50mm) gefüllt und dieser „einfachen“ Wurst einen „neuen edlen“ Namen gegeben, „Cervelat“.
Mein Verdacht richtet sich auf die Möglichkeit, eventuell diese Vorgänge in der napolionischen Zeit einzuordnen, da es bei dieser Wurstart einige Vorteile in der Produktion, Konvektionierung und Verteilung gibt. So eine Wurst hätte für das Militär einige Vorteile. Denn die Einfachheit dieser Wurst ist auch ihr größter Vorteil.
Es kann aber nicht ausgeschlossen werden: Auch hierbei wurden die Hirne mit verarbeitet, aber bei dem Verhältnis Muskelfleisch zum Hirn kann man hier von einer Hirnwurst wirklich nicht sprechen.
Diese Wurstart ist in leicht verschiedenen inhaltlichen Zusammensetzungen und Namensgebungen großflächig in Europa verteilt. In den zugehörigen Wurstrezepten ist mir noch niemals das angeblich zugegebene Hirn aufgetaucht. Bin in der rückwärtigen Zeit bei etwa 1900 gekommen. Historisch gesicherte Spuren kann man nur extrem schwierig finden und zurückverfolgen. Suche aber weiter.
Bemerkung:
So ein vergleichbarer Mythos liegt auch bei der bayerischen Weiswurst vor. Habe vor ca. 20 Jahren fast mein Leben verloren, als ich in einer bay. Runde sagte, die nationale bayerisch-heilige Weißwurst sei ein ausländisches zugewandertes Produkt, welches sich halt nun in Bayern sehr wohlfühlt. Als Halbpreuße wurde ich aus dieser Runde auf Lebzeit ausgeschlossen. Aber neueste historische Erkenntnisse besagen: Die bay. Weiswurst ist ein Zuwanderer! (Ironie: Auch Frankreich scheint der Geburtsort der bay. Weißwurst zu sein!!!).
Schlussbemerkung:
Natürlich wird zwischen den verschiedenen Wurstarten in inhaltlicher und produktiver Form, Art und Weise unterschieden, aber unsere Diskussion richtet sich auf die Herkunft der Wurst, den Namen und auch die Namensverwirrung in halb Europa.
Drum lieber Bruno: Deine Cervelat ist EINE Cervelat (namentlich), genau so wie sie KEINE Cervelat (historisch und qualitativ) ist. Dies ist hier das (in Wirklichkeit eigentlich sinnlose) Problem.
February 10th, 2008 at 12:34 pm
Die dem Cervelas in Hinblick auf die Verwendbarkeit überlegene Variante ist die Mettwurst (seit dem 16. Jahrhundert aus dem Niederdeutschen als metworst bekannt) Hier ist die in Nord- und Ostdeutschland ist Mettwurst durch längeres Räuchern oder monatelange Lufttrocknung härter und nur noch so eben streichfähig ist. Wir haben es hier mit einer Rohwurst aus Schweinemett, einem kräftig gewürzten Hackfleisch, zu tun, die meist durch Räuchern oder Trocknung haltbar gemacht wird.
Je nach Rezept und Region variieren Größe, Feinheit des Hackfleischs, Würzung und Dauer der Trocknung. Geräuchert wird sie Nord- und Ostdeutschland auch Knackwurst bzw. Knacker genannt oder in einer kleineren, weicheren und schwächer geräucherten Variante Mettende. Bekannte luftgetrocknete Mettwürste sind z. B. die Eichsfelder Kälberblase oder der Feldgieker.
Mettwürste werden je nach Art direkt aus der Hand gegessen z. B. Knacker oder Landjäger, die in der Schweiz für Recht und Ordnung zuständig sind. Sie können auch als Brotbelag verwendet (z. B. Streichmettwurst, Ahle Wurst, Aalrauchwurst) oder in Eintöpfen und anderen würzigen, einfachen Gerichten (z. B. Grünkohl -> Kohlwurst) als Einlage gegart (z. B. Mettenden, Knacker, Bregenwurst).
Sicher lassen sie sich auch ueber dem Feuer erhitzen
Quelle „http://de.wikipedia.org/wiki/Mettwurst“
Der eigentliche Verlust besteht natürlich im nationalen Symbol. Erst die Swissair, dann die Swiss, Rütli-Krise und IV-Pleite (kleiner Tipp die SUVA kränkelt massiv), vor kurzem die sing a poor, oohhps, UBS und jetzt auch noch die Wurst…
February 10th, 2008 at 2:36 pm
Beitrag zu „gächti“
Josef Villiger, verstorbener Mundartpoet aus dem aargauischen Freiamt, hat zwei wunderschöne Gedicht (bzw. Värsli-)bändchen herausgegeben. Im einen, „Jfäll und Usfäll“ (Baden Verlag, 1974) steht auf Seite 64 ein 43-zeiliger Monolog unter dem Titel „Konjunktivisches Geplänkel“ mit gut 40 (!) Verben im Konjunktiv in Freiämter Mundart.
und zu „Cervelat“
Zum grammat. Geschlecht rund ums Essen: Da ich Cervelat fast ausschliesslich mit unbest. Possesiv gebrauche und in meinem Dialekt „e“ ohne Bindungs-N gesprochen wird, bedeutet das sowohl „ein“ als auch „eine“. Ich bin selbst unsicher, neige aber eher zur weiblichen Variante.
Aber das Geschlecht wie auch andere Normen werden selbst in der Mundart sowieso immer häufiger von den Werbefritzen bestimmt, siehe z.B. die Glace, die von der Werbung bald flächendeckend zu „das Glace, es Glace“ entweiblicht und versächlicht wurde. Wenn die Zürcher das Wort „Teller“ sächlich gebrauchen würden wie im Bernbiet üblich „gang reich mer no gschnäu es Täuller“ (=geh mir noch schnell einen Teller holen), hätten die Werbefritzen schon längst den Teller ins Neutrum getrieben.
Anderes Beispiel gefällig? „I weiß nid, wenn (werum, wohäre usw) i söu goh“ heisst in der werbeverseuchten Mundart regelmässig „I wäiss nöd wänn (worum, wohii usw. I ga söll“. Der Text wird zuerst deutsch verfasst und dann in Zürich-lastige Mundart übersetzt und vorgetragen, womit das Modalverb und der Infinitiv des Hauptverbs den Platz vertauschen, leider …
February 10th, 2008 at 4:49 pm
42 reponses, arme Cervelat. Habe Hunger bekommen, esse jetzt einen Klöpfer. Er schmeckt mir, auch ohne Klarstellung ob der, die, das richtig ist!!!
February 10th, 2008 at 5:45 pm
@ anfra
bin mir jetzt nicht mehr so ganz sicher, ob wenigstens die Mettwurst daher stammt, wo sie her stammen sollte, wenngleich nicht aus Mettmann so doch aus good old Germany. Womit uebergeleitet wäre zu den Beziehungen gerade der Hannoveraner zum englischen Königshaus und sich die Frage stellt, ob es sich dann doch um eine Madwurst handeln könnte. Womit wieder zur Cervelas übergeleitet wäre; denn wenn ueberhaupt etwas vernünftiges in dieser Wurst war, dann doch Hirn.
February 10th, 2008 at 10:22 pm
Alles hat ein Ende nur die Wurst hat keins… 44 Kommentare zu diesem Posting, ich weiss jetzt echt, um was es in der Schweiz geht: Um die Wurst.
Gruss, Jens
February 11th, 2008 at 9:30 am
Mal über den Rhein, z.B. nach Freiburg oder Konstanz fahren und dort in ein gutes Metzgereifachgeschäft gehen und über die Vielfalt und Qualität der dort verkauften Wurst- und Fleischwaren wundern. Kann sein, dass da etwas verkauft wird, das Servelat heisst und mit dem Schweizer Pendant nicht die geringste Ähnlichkeit hat und trotzdem schmeckt.
February 11th, 2008 at 11:23 am
Wow! Jetzt weiss ich es. Danke für den Aufwand mit Wiki.
February 11th, 2008 at 1:47 pm
@phipu und all diejenigen, die behaupten, östlich einer linie luzern-zürich heisse es “der” cervalat, ihr liegt falsch. ich komme aus dem südlichen teil des kantons st.gallen, also fast schon an der österreichischen grenze. und bei uns heisst es eindeutig “die” cervalat,
February 11th, 2008 at 7:16 pm
Danke Kathrinb,
Da bin ich ja froh und solidarisch mit dir, dass nicht nur wir im Grossraum Bern - Solothurn von der vorherrschenden allgegenwärtigen Zürcher Meinung plattgewalzt, bzw. durch den Fleischwolf gedreht werden.
February 12th, 2008 at 9:43 am
@ phipu
Das war hoffentlich ein Scherz. Wenn je eine Vereinheitlichung der Schweizer Mundart versucht werden sollte, scheitert die am Ende doch sowieso am Ständemehr
February 13th, 2008 at 9:27 am
Aus aktuellem Anlass hier eine Schnitzelbank frisch von der Basler Fasnacht:
So wies usgseht, kennt Ihrs doch glatt vergässe,
im näggschte Summer ab em Grill e Glepfer zässe.
Bi unserer Lieblings-Wurscht bestoht - ob kalt oder warm,
wäge dääne z Brüssel en akute Darm-Alarm.
Sehr wohrschynlig griegsch denn d Wurscht als flüssigs Breili uff e Disch,
und wird erscht denn zum Glepfer, wenns denn dur e Maage duure isch.
(von den Schnitzelbänklern “Bangg-Ghaimnis”)
February 24th, 2008 at 1:50 am
Wow, weisst ihr was?
wenn ihr in der Schweiz seid! ihr sollt einfach geniessen, was ihr hört!
das schweizerdeutsche ist das beste, was ihr lernen kannt!
hahaha! Tciao!
February 25th, 2008 at 10:45 am
aber hallo - hier eine meldung aus der ostschweiz! die olma-wurst ist das grösste an kalbsbratwurst, das es hierzulande gibt - nur übertroffen von der sanggaller kinderfestbratwurst, die satte 220 gramm auf die waage bringt. die olma-bratwurst ist also die zweitgrösste mit 160 gramm, während eine normale bratwurst etwa 115 gramm wiegt. und über geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten - also finger weg vom thema olma-bratwurst und senf! da sind wir sanggaller unheimlich heikel - wie kann man/frau nur den geschmack einer bratwurst vom sanggaller metzger derart verfälschen? banausen….
und die cervelat hat den namen eher vom Schweinehirn, das in die wurstmasse gehörte - siehe wikipedia: “grosse kurze Wurst, gefüllt mit Fleisch und Schweinehirn”.
na ja - nebst sprachlichen eigentümlichkeiten verfügen wir schweizer - wie auch andere länder - auch über kulinarische finessen, die nicht von allen goutiert werden. Und im schweizerdeutschen ist es mit vielen worten so, dass in der einen region von der in der andern von die die rede ist. das ist eine eigenart des jeweiligen dialektes. und sollte auch nicht korrigiert werden wollen - jede region ist mit recht stolz auf seine dialektfassung und es wäre schade, da eine grammatik reinbringen zu wollen. dafür haben wir ja das schriftdeutsch….
February 26th, 2008 at 1:14 am
VOLKSABSTIMMUNG: Die oder Der?
Was meint das Initativkomitee?
March 7th, 2008 at 10:47 pm
Lasst mich eine Vermutung anstellen und gebt eure Meinung dazu:
In den Kantonen nahe der französischen Sprachgrenze wäre es deR Cervelat (in Anlehnung an das Französische). In den östlichen Kantonen wäre es die Cervelat (ist halt eine Wurst!)