Ist denn Deutsch ein Edelstein?
Februar 12th, 2009(reload vom 22.03.06)
Die Deutschen empfinden den französischen Akzent als „süss“. Harald Schmidt begriff dies schnell, als er seiner die Französin Nathalie Licard zum festen Bestandteil seiner Latennight-Show machte:
Nathalie. Die FAZ sah Nathalie Licard, die sympathische Französin mit dem landestypischen Akzent, schon als Stationsansagerin („Nächst ‚altestelle ‚auptbahn’of“) in irgendeiner U-Bahn versauern. Doch sie kehrt aus einer nur minimal verlängerten Kreativpause zurück und ist seit der Sendung am 19. Januar 2005 wieder regelmäßig im Einsatz.
(Quelle: wdr.de)
Die Franzosen hingegen pflegen den typisch Deutschen Akzent dadurch nachzuahmen, dass sie alle stimmlosen Konsonanten stimmhaft aussprechen, und alle stimmhaften hingegen stimmlos: Aus „bourg“ wird „pourg“ aus „les gens“ wird „les schooon“. Das Problem mit den stimmlosen und stimmhaften Konsonanten haben im Französischen in Wirklichkeit nicht alle Deutschen, sondern vor allem Schwaben, Badener (die sich selbst nicht Badenser nennen) und andere Alemannisch Sprechende, also auch die Deutschschweizer.
Und Deutsch? Wie ist kann deutsche Aussprache charakterisiert werden? Immer „geschliffen“, wie ein Edelstein. Ein Rohdiamant muss erst geschliffen werden, damit sein Form zur Geltung kommt. Offensichtlich gilt das auch für die Deutsche Sprache. Sie ist hart genug, um sie zu schleifen wie einen Diamanten
Google findet 165 Belege.
Und unser Duden erklärt uns:
geschliffen [2: eigtl. = abgeschliffen, geglättet]:
1. 1 schleifen.
2. (Adj.)
a) vollendet, tadellos in Bezug auf die äußere Form, überzeugend kultiviert wirkend:
Seine Sätze tragen etwas von geschliffenen Aphorismen an sich (Niekisch, Leben 187); Ein intelligenter Film mit subtilen, geschliffenen Dialogen (Nordschweiz 29. 3. 85) durch unermüdliches Engagement und dynamisches Auftreten, gepaart mit geschliffener Intelligenz (Caravan 1, 1980, 5);
b) (in der Formulierung) scharf:
sie hat eine geschliffene Zunge.
(Quelle: duden.de)
Dabei gibt es in Deutschland kaum jemanden, der einen „elaborierten Code“ freiwillig sprechen würde, es sei denn er will beim Theater Karriere machen. Wir Deutsche erkennen bei einer Diskussion auf Hochdeutsch den Schweizer immer daran, dass er „hyperkorrekt“ spricht, keine Laute verschleift, keine Endungen auslässt. Deutsche hingegen sprechen gern den „restringierter Code“:
Der restringierte Code ist üblicherweise die Sprache bildungsferner Gesellschaftgruppen. Hier einige Beispiele:
• Watt kuckse?
• Sach mich dat nochma!
• Aufe Fresse?
• Gehma am Telefon, ey
• Ey Olle, wie is? Muss! Und selbst?Merkmale für den restringierten Code:
• kurze, grammatikalisch einfache, häufig unvollständige Sätze
• begrenzte Anzahl von Adjektiven und Adverbien
• Verwendung von Sprichwörtern
• unpersönliche Sprechweise
(Quelle Wiki)
Besonders die Verwendung von Sprichwörtern ist für Nicht-Muttersprachler extrem schwierig zu lernen. Passiv werden sie beherrscht, aber aktiv wird dann leicht „Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum“ draus. Fehler, die auch einem Deutschen Muttersprachler leicht unterlaufen können:
„Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht“
Diese Redensart ist eine Verballhornung, gebildet aus mehreren anderen:
Das schlägt dem Fass den Boden aus
das setzt dem Ganzen die Krone auf
das ist ein Schlag ins Gesicht
Gemeint ist einerseits, dass der Böttcher die Fassreifen zu stark aufschlägt und so der Fassboden herausspringt. Andererseits wurde früher Weinverkäufern, die schlechten Wein angeboten hatten, die Böden ihrer Fässer zerschlagen, damit sie ihre Ware wirklich niemandem mehr anbieten konnten.
(Quelle: detlev-mahnert.de)
Doch zurück zum „deutschen Edelstein“. Wir finden, dass der Ausdruck „geschliffenes Deutsch“ sprechen, also sehr klar und ohne jeglichen Akzent zu sprechen, ohne Verschleifung, ohne einen hörbaren Fehler, nur Wunschdenken ist und in der Realität kaum existiert. Auch die viel zitierten Niedersachsen aus Hannover, die so perfekt „Hochdeutsch“ sprechen sollen, obwohl sie im „Nieder“-Deutschen Gebiet leben, sind an ihrer Aussprache erkennbar. Zitieren wir zur Abwechslung mal aus der Alemannischen Wikipedia:
Die eigentlich Sproch in Niedersaxe isch aber nit Hochdytsch, sundern Platt. Es isch au nit so, dass Hochdytsch de Dialekt vu Hannover sei, sundern d’Hannoveraner chönne ihre aigene Dalekt fascht nimmi. Es git au plattdytschi Wikipedia, wo derzitt größer wie die Alemannisch isch. Plattdytsch giltet under Germaniste als eigeständige germanischi Sproch un numme nit als (ober)dytscher Dialekt.
(Quelle Wikipedia)
Also auch hier Fehlanzeige, was „geschliffenes Hochdeutsch“ angeht. Wer sich als Schweizer mit seinem Deutsch verbessern will, tut gut daran, ein bisschen auch den „restringierten Code“ zu üben, was wirklich nicht schwer ist, wenn man Deutsches Fernsehen „guckt“ (auch das ist offiziell kein Wort, das man schreiben darf) und nicht „schaut“. Nur leider wurde es den Schweizern ja schon in der Schule antrainiert, dass sie Schriftdeutsch langsam, korrekt und genau auszusprechen haben. Darum jetzt zum Schluss einen typischen Satz aus dem Ruhrgebiet zum Üben für alle:
„Datte mich dat nich gleich alle Leute verklickern tus, wat ich dir da gesacht habe,wa!“ (Phipu, einmal übersetzen ins Bärndütsche bitte!)







