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Schreibe auf Hochdeutsch, aber lies Schweizerdeutsch — Die Kunst der Übersetzung in der Schweiz

  • Simultandolmetschen à la Suisse
  • Schweizer Mütter beherrschen die hohe Kunst der Simultanübersetzung. Bei unterschiedlichen Gelegenheiten, z. B. im Wartezimmer einer Arztpraxis oder in einem Grossraumwagen der SBB durften wir beobachten, wie Schweizer Mütter ihren Kindern aus einem auf Deutsch gedruckten Bilderbuch vorlasen. Zum Beispiel aus „Henriette Bimmelbahn“.

    Henriette Bimmelbahn
    (Quelle Foto: james-kruess.de)

    Das hört sich dann bei „Henriette Bimmelbahn“ so an:
    (Original von James Krüss)

    Henriette heißt die nette, alte, kleine Bimmelbahn. Henriette, Henriette fuhr noch nie nach einem Plan.

    Dabei hört man aber nicht den bekannten und gewohnten Text von James Krüss, sondern eine „on the fly“ Übersetzung in den jeweiligen Schweizer Dialekt. Das geschieht mit einer minimalen Verzögerung von 1-2 Sekunden zwischen dem Prozess des Lesens und der Aussprache. Auf ihre Kunst des Simultanübersetzens angesprochen antworteten die Mütter meist: „Meine Kinder würden sonst nichts von der Geschichte verstehen“. Das könnte sich dann so anhören:

    „Heiriett heisst das nätte, aute, chline, Glögglizügli. Henriette, d’Henriette isch no nie noch emne Plan gfahre“
    (Quelle: Privater Übertragungsversuch)

    Zugegeben, ich finde die Schweizer Fassung auch hübsch, auch wenn sie sich „im Fall“ nicht reimt. Ich liess sie von einem Spezialisten übersetzen, und der kommentierte diesen Text so:

    Es ist gar nicht so einfach, „Bimmelbahn“ auf Schweizerdeutsch zu übersetzen. Schon die Generation der heutigen Senioren haben vorwiegend elektrische Bahnen erlebt. Viele Schmalspurbahnen fuhren schon zu Beginn ab etwa 1900 elektrisch. Die Rohstoffknappheit (Kohle) im ersten Weltkrieg half mit, dass auch alle Hauptlinien zwischen 1920 und 1945 elektrifiziert wurden. So sind Lokomotiven mit Glocken (ausser Trams) hier schon im ersten halben 20. Jahrhundert rasch verschwunden und finden sich auch in keinem Kindervers wieder. Mir fällt leider wirklich kein vergleichbares Kinderlied ein.
    (Quelle: Private E-Mail)

  • Lerne Deutsch mit TKKG und „Die Drei Fragezeichen“
  • Ob Schweizer Mütter bei der „Sendung mit der Maus“ oder beim Anhören von TKKG Cassetten auch neben ihren Kindern sitzen und simultan übersetzen? Damit das nicht notwendig ist, wurden viele Kinderbücher gleich von Schweizern auf Schweizerdeutsch eingespielt, so zum Beispiel geschehen mit Astrid Lindgrens „Karlson vom Dach“ oder „Michel aus Lönneberga“, in einer Dialektfassung aufgenommen von Emil Steinberger.

    Beim Vorlesen von „komplizierten“ Märchen aus dem Sammelband der Gebrüder Grimm geschieht das Simultanübersetzen regelmässig. „Märchen“ gibt es eigentlich gar nicht in Schweizerdeutschen Kinderzimmern, nur noch „Märli„. Bei Google-CH finden sich 34’000 Erwähnungen von „Märli„. Hörkassetten für Kinder im Vorschulalter (in der Schweiz also bis sieben Jahre) werden in Dialektform angeboten. Ganz nebenbei lernen die Kinder dabei auch weitere Dialektvarianten, denn Emil Steinberger hat seine Karlson-Fassung sicher nicht auf Züridütsch vorgetragen.

  • Folie Hochdeutsch, Vortrag Schweizerdeutsch
  • Neulich waren wir in einem Schweizer Vereinsheim zu einem Vortrag eingeladen, der ganz altmodisch ohne Kraftpunkt-Präsentation mit Folien und einem Überkopf-Projektor abgehalten wurde. Der Text auf den Folien war auf Hochdeutsch und leicht zu lesen, doch vorgelesen wurde er dann auf Schweizerdeutsch. Die vortragende Schweizerin übersetzte Wort für Wort, ebenfalls „on the fly“ (auf Deutsch hübsch als „aus dem Stegreif“) ins Schweizerdeutsche. Warum? War es zu merkwürdig, in einem Saal voller Schweizer, in dem wir die einzigen Deutschen waren, etwas auf Hochdeutsch vorzulesen?

    Wir bestaunten die sprachliche „Leischtig“, sorry „Leistung“ wollte ich schreiben. Verstanden haben wir den Sinn dieser mühsamen Aktion aber nicht.

  • Wetterbericht bei Tele-Züri auf Schweizerdeutsch
  • Janine Eggenschwiler , die seit Jahren den Meteo-Bericht auf Tele-Zürich gekonnt auf Schweizerdeutsch präsentiert, verriet uns einmal, dass sie vor der Sendung sorgsam ihren Text auf Schweizerdeutsch niederschreibt und auf dem Teleprompter angezeigt bekommt. Keine improvisierte Übersetzung in eine andere Sprachvariante, sondern eine sehr sorgfältige vorbereitete Schweizer Schriftversion. Wäre bei der knappen Zeit von 60 Sekunden pro Meteo auch gar nicht möglich. Oder doch? Sind nicht alle Schweizer trainierte Simultanübersetzer?

    

    35 Responses to “Schreibe auf Hochdeutsch, aber lies Schweizerdeutsch — Die Kunst der Übersetzung in der Schweiz”

    1. solanna Says:

      Ach Jens, Du hast wieder Probleme!

      Leistung heisst auf Schweizerdeutsch „Leischtig“ nicht „Liistig“.

      Was Simultanübersetzen angeht, beherrschen das nicht alle gleich. Als meine Kinder noch im Erzähl- und Vorlesealter waren, habe ich mich oft genervt über andere Mütter, die relativ lieblos versuchten, schriftsprachliche Texte in Mundart zu transponieren, aber dies nur unvollständig taten.

      Für mich ist es kein Problem, schriftsprachliche Texte fast ohne merkbare Zeitverzögerung sogar in verschiedene Schweizerdeutsche Dialekte zu übersetzen (ausser z.B. wissenschaftliche Texte, die in Fachjargon und mit komplizierten Sätzen gespickt sind). Ich mache das sogar unglaublich gern. Ich weiss nicht, wieviele Bilderbücher ich den eigenen, Nachbarskindern, Nichten und Neffen schon erzählt habe. Ja erzählt, obwohl ich den Text laufend gerade eben deutsch gelesen habe. Man kann fast jeden Text trotz Übersetzung auch noch dramatisch gestalten und in den Gesichtern der Zuhörenden auch noch die Reaktionen kontrollieren. Ungezählte dicke Kinder- und Jugendbücher habe ich so – teils mehrmals – innerhalb meiner Sippe vorgelesen. Meine Neffen (14 und 12), die nach Otfried Preusslers „Krabat“ zurzeit gerade Michael Endes „Momo“ zu hören bekommen („wann kommst endlich wieder zu Besuch um vorzulesen?“), wünschten bis vor einem Jahr alle Bücher in Zürichdeutsch vorgelesen=erzählt zu bekommen. Der Ältere war schon im Gymnasium (7.Schuljahr) und beiden hätten die Bücher problemlos selber lesen können. Aber offenbar schuf ich mit meiner Übersetzerei eine speziell begehrte Art, in eine Geschichte tauchen zu können.

      Für mich und für sehr viele SchweizerInnen bedeutet es keine Mühe, schriftdeutsche Texte simultan zu übersetzen! Viel grösser wäre die Mühe, Folientexte in korrekte Mundart zu verschriften, v.a. bei den verschiedenen Zürcher Dialekten mit ihrer Vielfalt von Vokalabstufungen, für die die Schriftzeichen schlicht fehlen. Ausser man schreibe transkribiert, was den Wert einer Folie wieder gegen null absinken liesse.

      Je nach Umfeld könnte man ja dann angesichts schriftdeutscher Folien gleich auch Standardsprache sprechen. Wenns nicht durch Fremdsprachige, eine offizielle Situation oder Wissenschaftsanspruch in Lehrbereich/Business erforderlich ist, wird das aber kaum jemand tun. Denn das Übersetzen in die Schriftsprache und das Rückübersetzen in Mundart sind für uns keine Mühe. Aber eines muss man können: ein bisschen vorauslesen mit den Augen, während der Mund noch einen Satz schweizerdeutsch neu formuliert – vielleicht notwendigerweise sogar grammatikalisch umgedreht.

      [Anmerkung Admin: Danke für den „Leischtig“ Hinweis 🙂 Mir war klar, dass das schief gehen würde, aber ich konnte es wieder nicht lassen, sorry]

    2. sumo Says:

      Bei uns (Kandertal BE) sagt man übrigens tatsächlich „Liischtig“, respektive bei den über 30-jährigen hört man das noch oft so. Die jüngere Generation, die ausserhalb des Tals die Berufsschule/Lehre/Matura gemacht hat, sagt aufgrund des „undenuus“-berndeutschen Umfelds mittlerweile aber auch eher „Leischtig“

    3. Phipu Says:

      Hallo Jens

      Erzähl uns doch bitte „keine Märchens“ oder eben „käni Märlis“. Auch in der Mehrzahl bleibt dieses Nomen unverändert: „äis Märli, vili Märli“. Wörter mit „-li“ bekommen auch in der Mehrzahl kein S. Weitere Ausführungen in diesem Sinne gibt es schon auf der Blogwiese:

      http://www.blogwiese.ch/archives/442#comment-13564
      http://www.blogwiese.ch/archives/583#comment-86107

      Zur Inhaltlichen Frage:
      Ich glaube, die meisten Schweizerdeutsschsprecher haben das Talent, entsprechende Simultanübersetzungen vorzunehmen. Dazu sagt Solanna auch viel Interessantes, z.B. zur Satzstellung. Ich denke dabei besonders an die Stolpersteine, die schon in Kindertexten vorkommen können, wie z.B. beim Teutonismus „Bimmelbahn“. Die Kinder werden schon nachfragen, wenn sie etwas lernen wollen, bzw. sich über das komische Wort amüsieren. …
      Bei einem Vortrag, der aus Deutschland stammt, kann es natürlich noch umso mehr solche Wörter drin haben, wie „Schornstein, Tischler, Krad, Eisdiele, Autobahnkreuz, Kfz-Zulassungsstelle, zentralem Omnibusbahnhof, Parkscheinautomat, etc.“. Falls ein solcher Text ohne jede schriftliche Anpassung auf Schweizerdeutsch vorgelesen wird, dürften etwa die einen oder anderen Einschübe vorprogrammiert sein, die im Dialekt als Fremdkörper wirken. Aber die deutschen im Saal merken das dann ja nicht…

      Ich habe mal gehört, man soll als Elternteil mit Kindern von verschiedensprachigen Eltern möglichst die eigene, also die akzentfreie Sprache sprechen. In diesem Sinne, auch bei durchwegs schweizerdeutsch sprechenden Eltern, kann es ja nicht nur schlecht sein, dass Kinder die Märchenbücher nicht – im GAU (grössten anzunehmenden Unglücksfall) – in einem Schriftdeutsch à la Justizminister unseres Landes ertragen müssen. Wenn sie dann mal im Alter sind, hochdeutsche Kassetten anzuhören, lernen Sie gleich das Hochdeutsch, das von „richtigen deutschen Sprechern“ aufgenommen wurde.

      [Anmerkung Admin: Danke für den Hinweis, ist schon geändert. Es fanden sich noch 58 andere im Net, die „Märlis“ mit „s“ am Ende schreiben 🙂 ]

    4. Tellerrand Says:

      Da uns Schweizer Freunde immer wieder auch Kinderbücher in Mundart schenken, muss ich beim Vorlesen, den entgegengesetzten Weg beschreiten und simultan von Mundart auf Hochdeutsch übersetzen. Beim ersten Vorlesen ist die Zeitverzögerung sicher grösser als die beschriebenen zwei Sekunden, weil ich mir den mundartlichen Text quasi „laut“ vorlesen muss, damit ich die „Lautschrift“ des Textes überhaupt dekodieren kann. So wird dann aus dem Rägebogefisch der Regenbogenfisch und aus dem kline Issbär wieder der kleine Eisbär.

      Schade finde ich, dass nicht alle Kinderfilm-DVD in mindestens zweisprachiger Version (Mundart und Hochdeutsch) angeboten werden. Wir lassen uns deshalb vieles von den Grosseltern aus Deutschland mitbringen.

      Bei Pingu ist das kein Problem. Sehr weise von dessen Machern, eine Universalsprache zu entwickeln. Allgemeinverständlichkeit war ja auch der Grund für die Etablierung eine deutschen Hochsprache. Schade, dass deren Gebrauch in der Schweiz so oft mit Hochnässigkeit verwechselt wird.

    5. sylv Says:

      Auso, auch ich gehöre in die Fraktion der Simultanübersetzerinnen:) aufs Risiko hin nun etwas angegriffen zu werden von meine lieben co-commentatoren…mein Hauptgrund dies zu tun war ,weil in meinen Ohren das Hochdeutsche irgendwie kalt tönt(e).

      Ich kann auf Berndeutsch Gefühle und ähnliches wesentlich besser ausdrücken als in Hauchdeutsch,viellecht beherresche ich eben hochdeutsch auch zuwenig gut………..
      Wer das Totemüggerli kennt,weiss was ich meine:):)punkto fantasievoller Ausdrücke.

      Zudem war und ist es mir auch wichtig das meine Kinder und Gottenkinder UNSEREN Dialekt auch verstehen und sprechen können,erst recht mit der zunehmenden ‚verslangung‘ der Sprache,plus der zunehmenden Angliszierung der Dialekte oder eben auch der hochdeutschen Sprache

      (Super Jens, deine Beschreibung der Kraftpunkt-Präsentation!!)

      Ich würde übrigens Bimmelbahn mit ‚Tutschere‘ gleichstellen,das ist dann zwar ein Dampflokomotive aber die Kinder können sich darunter auch etwas vorstellen

    6. Videoman Says:

      Als ich beim Lokalfernseh NW5 noch gerabeitet habe, da haben wir alle Texte die gesprochen wurde, auf Schweizer Deutsch niedergeschrieben. Als der sender noch kleiner war, hat der es gesprochen hat, selber geschrieben, oder zu mindest übersetzt, damit es seinem Dialekt/Ausprache am nächsten kommt. Einer Berner kann natürlich keinen Baselerdeutschen Text fliessend vorlesen.

      In unserem Film haben wir den ganze Drehbuch auf Hochdeutsch geschrieben. Natürlich waren ziemlich Helvetismen darin verpackt, damit die Gags auf Schweiozer Deutsch dann lustig werden. Der Schweizerdeutsche gepsrochenen Text wurde auf dem Set mit den Schauspielern erarbeitet, damit es mit ihrem Dialekt kompatibel war.

    7. neuromat Says:

      ich glaube es handelt sich nicht um Uebersetzungen – zumindest nicht im eigentlichen Sinne von einer Sprache in die andere. Ansonmsten wären ja alle Deutsche, die hier nach 2-3 Monaten nicht nur Frauen – sondern auch Schweizerdeutsch- versteher sind.

    8. neuromat Says:

      ach ja sylv wollte ja unbedingt noch angegriffen werden. Muss doch nicht sein. Nur mir geht es genau andersherum in meinen Ohren tönt oder eben klingt Schweizerdeutsch rauh, kalt, eisig es tönt (täteräätää) eben und kling nicht, hat keinen feinen Klang – es berührt mich nicht – jedem das Seine …

    9. neuromat Says:

      meine Güte heute habe ich es echt schwer (wahrscheinlich gestern beim Halbmarathon s Hirni abgää)

      Henriette Bimmelbahn kann ueberhaupt nicht in irgendeinen Schweizerdeutschen Dialekt uebersetzt werden. Man beachte die zweite Zeile: Henriette, Henriette fuhr noch nie nach einem Plan. Das gibt es in der Schweiz nicht; es muss sich um eine deutsche Eisenbahn handeln, allenfalls noch indisch, vielleicht auch afrikanisch, albanisch, griechisch, italienisch, spanisch oder marrokanisch, niemals jedoch helvetisch

    10. Tellerrand Says:

      @ neuromat

      Mal ganz ehrlich: kann man überhaupt Gefühle in Hochdeutscher Sprache ausdrücken. Das geht doch nun wirlich ausschliesslich in Schweizer Mundart! Gerade ein Promille der Weltbevölkerung kann sein Innenleben adäquat verbalisieren, deshalb herrscht nur hier sein Jahrhunderten Frieden und Eintracht, während die restliche Welt von Krisen und Kriegen geschüttelt wird.

    11. Phipu Says:

      Jens,
      Siehst du, etwas in diesem Sinne hat Sylv gemeint. Das ist eben die Verslangung und Anglifizierung der Sprache. Die, denen zuwenig Dialekt-Märli erzählt wurden, schreiben aus lauter Unwissen Wörter ins Internet, die es nicht gibt bzw. wissen nicht mehr, dass man Mehrzahlen auch ohne englisches s bilden kann.

      An Sumo:
      Tatsächlich sagt man auch im freiburgischen Seislerdialäkt, der ja einiges an Lauten mit dem benachbarten Berner Simmental gemein hat, auch „Leeschtig“. So zumindest würden meine in Solothurn getrimmten Ohren es erfassen und niederschreiben. Darüber haben wir doch schon beim „Gleis“ referiert http://www.blogwiese.ch/archives/661#comment-141990 . Jens müsste jeweils bloss ganz „kuuhl“ auf seine aufgedeckten Fehler entgegnen, er habe natürlich im Kandertalerdialekt geschrieben. Ob wir ihm das jedoch abnähmen, nachdem er sein tägliches Züritütsch-Training in Bülach geniesst, ist eine andere Frage.

    12. Ingo Says:

      Kleine Korinthenkackerei (wie heisst das wohl auf Mundart???):
      Es heisst zwar „Michel aus Lönneberga“, aber dann doch „Michel in der Suppenschüssel“. Auch wenn er am Ende dieser Episode wieder aus der Schüssel raus kommt… 😉

      [Anmerkung Admin: Ist bereits geändert. Es lebe der Purismus!]

    13. Mario Says:

      Ich versuche immer wieder meinen Kindern (7, 5 und 2 jahre alt) die Geschichten auf Hochdeutsch unterzujubeln, was regelmässig zu Protesten führt. Manchmal bestehe ich aber darauf, schliesslich ist das Verstehen nur eine Übungssache. Je früher die Kleinen (Hoch)deutsch sprechen lernen desto besser.

      Als kürzlich eine Freundin von mir (aus Norddeutschland) zu besuch war schlug mein Sohn (5) vor, sie im Kindergarten zum Logopäden zu schicken damit sie endlich richtig deutsch lernt. Wie’s aussieht habe ich noch einiges an (Sprach)erziehungsarbeit vor mir… 😉

    14. Marroni Says:

      @Tellerrand “ kline Issbär “ Das geht höchstens im Bündnerland (Kanton Graubündeben ) knapp durch als Schweizerdeutsch !, ( Wenn das “ I “ etwas länger ausgesprochen und das “ s “ nicht zu scharf betont wird ) Sonst aber Heisst es “ Chliinä Iisbäär “ oder, Richtung Westen “ Ischbär „, Richtung Basel “ glainä Iisbäär “ ev. noch s‘ Iisbäärli.

    15. neuromat Says:

      @ Mario

      vermutlich sprach sie Alltagssprache mit norddeutscher Dialekteinfärbung, wie zum Beispiel diese „Sache mit dem spitzen Stein“, gelegentlich fällt in dieser Region auch der sch-Laut schwer und man hört Fich statt Fisch, dafür aber sehr feucht ausgesprochen (so genannter Schetismus – wobei das Wort selbst für die Betroffenen ja schon wieder Strafe genug ist .. es gibt dann da noch eine Szene in „das Leben des Brian“ …). Der Schetismus wird tatsächlich logopädisch therpiert.

      Wer weiss, vielleicht hast Du ja auch ein paar logopädische Naturbegabungen daheim

    16. Tellerrand Says:

      @ Marroni

      Mein erster Versuch, Mundart zu schreiben ging (natürlich) komplett in die Hose. Ich tu’s nicht wieder, versprochen.

      Gibt’s irgendwo eine dem schwabulator vergleichbare Übersetzungsmaschine, die Hochdeutsch verlässlich in Mundart übersetzt?

    17. Mario Says:

      @ neuromat:

      Die gute Frau spricht sehr neutrales Hochdeutsch, ganz und gar ohne Schetismus. Mein Kleiner ist ganz einfach der Meinung Züridialekt sei richtiges Deutsch und ihr Hochdeutsch müsse therapiert werden. Keine Spur von Naturbegabung 😉

    18. Schnägge Says:

      Deutsche Kinder kennen wohl auch eher ICEs als Bimmelbahnen. Wegen der Lokführerstreiks im Moment eventuell noch Bummelbahnen, die nicht nach Plan fahren.

      Und das Rotkäppli wird in D sicher auch nicht in der Grimmigen Originalversion vergelesen: „Es war einmal eine kleine süße Dirne, die hatte jedermann lieb …“ Das ist dann doch nicht so recht jugendfrei. 🙂

    19. neuromat Says:

      @ schnägge

      Rotkäppchen – endlich die erste vernünftige Erklärung zum Begriff Rotlichtviertel.

      @ tellerrand

      so hatte ich das noch gar wahrgenommen. Überflüssig, Dir als Historiker die

      http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Schweizer_Schlachten

      hier einzustellen.

      Einigen wir uns doch darauf, dass Liebe durch den Magen (war beim bösen Wolf nicht anders) geht. So bei den ersten Kappelerkriegen, die gar nicht ausbrachen, weil es zunächst mal ein Versöhnungsessen gab. Der Topf ist ja heute noch Kult. Manchmal macht es offensichtlich Sinne, alles in einen Topf zu schmeissen.

      Irgendwie zufällig geriet ich bei dem Thema Schweiz und Emotion auf das hier

      http://schweiz.think-systems.ch/plattform/lektion/021_schweiz.htm
      „Die emotionale Degeneration des Verhältnisses der Schweizer zur Schweiz“. Wie konnte das nur passieren.

    20. Tellerrand Says:

      @ neuromat

      Ja. Liebe geht durch den Magen und meine Frau kocht viel zu gut.

      Danke für den Link. Ein schönes Beispiel für eine schwieriger werdende intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Problem, Schweizer zu sein, findet man in den Tagebüchern Max Frisch’s, wenn’s auch nicht mehr taufrisch ist, was das thematisiert wird.

      Über das Problem, Deutscher zu sein, ist die Literatur natürlich umfangreicher…

    21. DaniDo Says:

      @Ingo: Korinthenkacker = Tüpflischisser

      Was das Simultanübersetzen angeht, da sind die Schweizer wirklich geübt. Es gibt, wie schon festgestellt, verschiedene Stufen der Perfektion. Ich denke aber, es ist schon am schönsten, wenn man die Geschichten wirklich in gesprochene Sprache übersetzen kann. Ich stehe dazu, dass wir ein gutes, schönes Schweizerdeutsch sprechen und lernen wollen!

      Leider gelingt dies nicht immer: unser Gemeindepräsident übersetzt jeweils die gesamte niedergeschriebene Vorlage mündlich ins Schweizerdeutsche an der Gemeindeversammlung. Das ist dann je nachdem eher peinlich, denn Wort-für-Wort-Übersetzungen machen wie gesagt eher wenig Sinn.

      Es befremdet mich etwas, dass sich Jens darüber wundert, dass es Schweizerdeutsche Kassettengschichtli gibt…das ist doch selbstverständlich! Und wir haben hier so wunderbare Gestalten wie Trudi Gerster, die uns als Kinder Märchen erzählten…ich werde ihre Stimme nie vergessen.

    22. AnFra Says:

      @Schnägge
      @neuromat

      Rotkäppchen eine Prostituierte? Da lachen sogar die Brüder Grimm.
      „Dirne“ (mhd. thiorna (Dienerin), nd. Deern, bay. Dirndl) ist in aller Unschuld halt auch nur ein „Mädchen, Jungfrau oder virgo“. Wenn dies so mach einer der Freier glauben wollte, so sei´s.
      Siehe: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=dirne&lemid=GD02672&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GD02672L0.

      Jedoch muss man dagegen beim Rotkäppchen durch die starke Betonung / Beklingung der roten Kleidungsstücke eine radikale links-sozialistische Gesinnung (brigate rosse infans) erkennen.
      Experten haben inzwischen ermittelt, sie sei die Großmutter einiger fr. Jakobiner gewesen.
      Auch hat sie den unter Artenschutz stehenden Wolf auf äußerst brutale tierquälerische Art zu Strecke gebracht. Hier liegt ein Verbrechen gegen das Tierschutzgesetzt vor.

    23. Marroni Says:

      @ Tellerrand “ Glois Eisbäärle “ ?? Falls das nicht stimmen sollte, ich versuchs NIE wieder, versprochen, meine Frau ist schliesslich Badenserin und nicht Schwäbin.

    24. neuromat Says:

      @ Anfra

      empfehle das „Märchenverwirrbuch“ – gibt es tatsächlich … habe aber den Inhalt nahezu komplett vergessen

    25. Phipu Says:

      An Tellerrand

      Für den „Kleinen Eisbär“ habe ich dir – leider zu spät – einen Kontrollhinweis für die Dialekt-Verschriftung: schau hier nach: http://www.rex-freizyt.ch/index.php?action=product_show&var=1479&PHPSESSID=caf5e3741ce436b5c4a5dee897cb59b6 . Aber Achtung, nach angegebener Leseprobe ist es auf Zürichdeutsch, es können sich also immer noch viele andere, wie es Marroni vorweggenommen hat, melden, „man“ schreibe das anders.

      Nach meiner Kenntnis gibt es keine solche Übersetzungsmaschine Deutsch – „Schweizerdeutsch“. Eben, welcher Dialekt soll denn das Prädikat „allgemeingültig“ als Vertretung der ganzen Deutschschweiz erhalten? Stell dir nur mal die Programmierungsarbeit vor. Am Eingangsportal müsste man dann wählen, welchen Dialekt man spricht mit den Eingaben: Kanton, Wohngemeinde, obere oder untere Dorfhälfte; und kaum ist es eingegeben, erscheint ein grauer Hinweisbalken: „Site under construction: Der gewünschte Dialekt wurde leider noch nicht vollständig programmiert, versuchen Sie es erneut mit leicht anderem Dialekt! Tipp versuchen Sie ‚Stadt Zürich, Kreis 4’ [ok]“

      Übrigens, wozu braucht man denn solche Übersetzungsmaschinen? Für diese Art Bedürfnis hat man noch keine günstigere und effizientere Arbeitskraft als Menschen gefunden, auch in unserem Hochlohnland noch nicht. Das anspruchsvollste Kundensegment würde übrigens geschriebene Texte gar nicht goûtieren. Das Abnehmerpotential „Kinder im Vorschulalter“ legt Wert auf qualitativ hochstehende gesprochene Simultanübersetzungen und ist erst noch sehr anbietertreu. In der Regel lassen sich die Kunden nicht von irgendjemandem Texte übersetzt vorlesen.

    26. Brun(o)egg Says:

      @ Ingo + Danido

      Da muss ich doch eingreifen: Wenn schon Baseldytsch denne richtig!
      Korinthenkacker = Dipflischisser und nicht @DaniDo: Tüpflischisser

    27. Tellerrand Says:

      @ Phipu

      Schon klar, dass eine Schweizerdeutsch-Deutsche Übersetzungsmaschine auf keinen Fall eine einfache Programieraufgabe wäre. Nicht nur wegen des Variantenreichtums der Schweizerdeutschen Dialekte, sondern vor allem wegen der vielen, vielen Dialektsprecher, die ungeheuren Wert darauf legen würden, dass auch noch ihre Variante in der Programmierung berücksichtigt wird. Standardisierung hat halt doch ein, zwei Vorteile 😉

      Nach der Übersetzungsmaschine habe ich gefragt, um beim nächsten Versuch Schweizerdeutsch zu schreiben:
      a) auf eine solche Hilfe zurückgreifen und
      b) alle Schuld an Fehlern von mir weisen zu können.

      Den Schwobufying-Proxy der Uni Heidelberg gibt’s leider nicht mehr, aber die ja auch von Google und Altavista aufgegriffene Idee, ganze Internetseiten von einer Spache in die anderen zu übersetzen, hat natürlich schon etwas für sich. Bei meinen Kindern hilft mir das freilich nicht, aber die verzeihen mir Überstzungsfehler ohne weiteres, weil sie den Schweizerdeutschen Text ja zum Glück noch gar nicht lesen können.

    28. Guggeere Says:

      @ AnFra: Apropos Dirne: Als ich am Gymnasium war, wurde noch allen Schülern irgendwann Goethe-Literatur verabreicht. Der Deutschprofessor eines meiner Freunde gab jener Klasse die Aufgabe, einen Aufsatz mit einem von jedem Schüler selbst gewählten Goethe-Zitat als Titel zu schreiben. Erwartungsgemäss wollten natürlich viele das berühmte Götz-v.-Berlichingen-Zitat verwenden. Und mein Freund erzählte mir, er habe „Blitz, wie die wackern Dirnen schreiten!“ aus Faust I vorgeschlagen, sei damit beim Lehrer leider aber nicht durchgekommen…

    29. DaniDo Says:

      @bruno(e)gg
      Sag Du Dipflischysser, ich sag tüpflischisser!

    30. AnFra Says:

      @neuromat

      Soll dieses auch das Märchen von Schneeflittchen und Dornhöschen enthalten?

    31. Schnägge Says:

      @ AnFra: Das ist natürlich Unsinn, da bist du wohl auf eine falsche Übersetzung hereingefallen. Der Jäger wars!

      In der Schweiz müsste die Geschichte natürlich ganz anders erzählt werden:
      ( – Im Bedarfsfall bitte simultan übersetzen – )

      Also, man muss ja auch schon ganz schön blöd sein, um einen Wolf mit einer Großmutter zu verwechseln. Und blöd war unser Rotkäppchen ganz sicher nicht, soviel hatte sie aus dem Teutonischen Werbefernsehen gelernt.
      Als Rotkäppchen nun gerade an die Tür des Häuschens geklopft hatte, und von drinnen ein raues „Herein!“ klang – und keinesfalls tönte -da wusste sie natürlich sofort, dass hier was nicht stimmte. Von Aussehen und Geruch her wäre ihr wahrscheinlich nicht so bald etwas aufgefallen, zumal sich der Wolf mit einem schwarzen Schafspelz getarnt hatte. Aber an der hochdeutschen Aussprache hatte sie natürlich gleich erkannt, dass hier nicht die liebe Großmutter aus dem Wallis im Bettchen lag, und hatte natürlich noch draußen vor der Tür mit dem Natel, äh, Handy, ich meine: Mobiltelefon den Jäger informiert.

      Zu dem Wolf sagte Rotkäppchen: „Hoi, ich bin die Fränzi. Kannst aber auch Rotkäppchen zu mir sagen. Und wer bist du.“
      Wolf (verdattert): „Äh, ich heiße Wolfgang Kleinmüller und komme aus Wolfsburg.“
      Rotkäppchen: „Das hab ich mir schon gedacht, dass du aus dem Großen Kanton kommst. Kennst du vielleicht die Heidi, meine Cousine? Die hat auch mal einige Zeit da gewohnt. Hat ihr aber, glaube ich, nicht so gefallen.“
      Wolf: „Äh, nö, die kenn ich nicht. Aber, sag mal, Rotkäppchen, willst du nicht zu mir ins Bett kommen? Hier ist es schön warm. Deine Oma hab ich übrigens auch schon vernascht.“
      (Man sieht merkwürdige Bewegungen unter der Bettdecke.)
      Rotkäppchen: „Sorry, Wolfgang, aber dein Hochdeutsch tönt so rau, das finde ich mega unerotisch. Das törnt mich voll nicht an.“
      Wolf (bricht in Tränen aus): „Uuuuuuuuh, keiner hat mich lieb. Und alles nur, weil ich Norddeutsch spreche. Uuuuuh…“
      Rotkäppchen (mit ehrlichem Bedauern): „Hm. Vielleicht solltest du mal zum Logopäden gehen? Vielleicht kann der dir lernen, anständig Mundart zu reden?“

      In diesem Moment fliegt die Tür auf und der Jäger stürzt herein mit seinem Präzisions-Sturmgewehr und fängt an, wie wild in der Gegend herumzuballern. Der Wolf sackt leblos in den Kissen zusammen. Rotkäppchen hat zum Glück nur einen Streifschuss abgekriegt, aber die Großmutter, die unter der Bettdecke gesteckt und dem Wolf einen ge… eine Geschichte erzählt hatte, war damit auch hinüber. Das, liebe Kinder, nennt man dann einen Kollateralschaden.

      Rotkäppchen aber erbte einen schönen Batzen und lebte mit dem Jäger glücklich bis an ihr Lebensende. Was freilich nicht sehr lange war, wie ihr euch sicherlich denken könnt…

    32. neuromat Says:

      @ brun(o)egg @ DaniDo

      sagt ruhig Topfscheisser. Ich sag Sprungturmschiffer.

    33. Neuromat Says:

      @ Anfra

      das „Dings“ (Original Berndeutsch) ist von Iring Fetscher und heisst „Wer hat Dornröschen wachgeküsst. Behalten habe ich bei den Interpretationen u.a., dass „Frosch“ für einen „einfachen Mann aus dem Volk“ stehen soll. Irgendwann wird dann so eine Königin schwanger, an der sich der König vergeblich abgemüht hatte, nachdem sie offensichtlich mit dem Frosch im Bad war.

      Seit 36 Stunden suche ich jetzt dieses kleine Fischer Taschenbüchlein …

    34. Neuromat Says:

      @ schnägge

      nicht ganz richtig erzählt:

      nicht der Jäger, sondern der Gärtner, genauer gesagt der Gartenmann stürmte herein: „Ha, jetzt ist es Zeit, die Taschenmunition abzugeben“ .. der Rest ist bekannt

    35. Tim Schielke Says:

      alle die erpresst oder beleidigt werden sollen sie nicht löschen sondern erst von dem off.-minister killerinsect27 einen rat nehmen.
      die IGMs (nachrichten) spielt manchmal eine große rolle!!

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