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Walking down the line — Blind bei der SBB

  • Wie bildet man das Typische der Schweiz ab?
  • Das „Miniatur-Wunderland“ in Hamburg ist die grösste Modelleisenbahnanlage der Welt. Ein Fan dieser Anlage schrieb mir im September 2006:

    Im nächsten Sommer soll in Hamburg ein großer neuer Abschnitt der Modellbahnanlage eröffnet werden. Auf ca. 200qm sollen Motive aus der Schweiz dargestellt werden. Wir als Fans planen im Forum des Miniturwunderlandes virtuell mit an dieser Anlage. In einem Thread ist der „Schweizer Nationalcharakter“ das Thema. Hierbei ist natürlich auf so einer Miniatureisenbahnanlage die Dinge wichtig, die schweizspezifisch sind u n d sich auf einer Anlage in 1 : 87 darstellen lassen.

    Hierbei ist zum Beispiel Gegenstand: Kunst im Verkehrskreisel, Bauvisiere, „Kantönligeischt„, Schweizer „Langsamkeit“, Präzision, Umständlichkeit. Nur fehlen oft Beispiele, wie sich z. B.“Kantönligeischt“ in der Schweizer Landschaft wiederspiegelt. Zu solchen Dingen suche ich nach Material für Ideen, u. a. in deinem Blog. Das Miniaturwunderland stellt nicht einfach nur eine Modelleisenbahn dar, (das würde fast nur Männer interessieren) auf der Anlage werden in kleinen Szenen 1000 Geschichten erzählt, dies interessiert vor allem auch das weibliche Geschlecht.
    (Quelle: Private Elektropost)

    Im erwähnten Internetformum war die Diskussion, wie die Schweiz in solch einer Anlage repräsentiert werden könnte, bereits voll im Gange, siehe hier.

  • Bauvisiere ohne Helme
  • Mir fiel neben den erwähnten „Baugespannen“ als typisches Merkmal für das Schweizer Landschaftsbild noch die Strassen ohne Laternenparker am Strassenrand aber mit gelben Velo-Fahrstreifen an der Seite auf (vgl. Blogwiese) ein, und die merkwürdigen Kreisel ohne Kreisverkehr in Zürich (vgl. Blogwiese)

  • Fühlen Sie die weissen Linien?
  • Aber eine optische Besonderheit lässt uns in der Schweiz an einem SBB Bahnhof stets sofort erkennen, in welchem Land wir uns befinden: Die weissen Linie auf den Bahnsteigen, in der Schweiz unter dem Decknamen „Perron“ bekannt.

    Weisse Linien in Bülach
    Foto: Weisse Linien in Bülach

    Weisse Linien in Zürich
    Foto: Weisse Linien auch in Zürich

    Wir fanden die Erklärung hierfür auf der Homepage der SBB:

    Sicherheitslinien auf den Perrons
    Auch wenn Sie sehbehindert sind, zeigen Ihnen weisse Sicherheitslinien parallel zu den Perronkanten an, bis wo Sie sich sicher auf dem Perron aufhalten können. Auf den Bahnhöfen Biel/Bienne, Muntelier-Löwenberg, Murten, Neuchâtel, Rapperswil und Yverdon sind diese Sicherheitslinien auch taktil ausgelegt.
    (…)
    In den unterirdischen Bahnhöfen Zürich HB Museumstrasse und Sihltalbahn ermöglichen Ihnen drei leicht vorstehende, ertastbare Metallleisten quer über dem Perronboden, den Treppenaufgang zu finden. In Zürich HB und Bern (ab Mitte 2003) ist ein Wegleitungssystem für Blinde verlegt, das Ihnen den autonomen Zugang zu den Perrons ermöglicht. In den Doppelstockwagen (IC2000) und in den Neigezügen (ICN) zeigen Metallplättchen an den Handläufen beim Einstieg taktil die Wagenklasse an.
    (Quelle: railticketing)

    Übrigens wieder ein besonders hübscher Name für eine Webseite zu den Fahrkarten der Deutsch/Franz./Italien./Rätoromanisch sprechenden Schweizer Bundesbahnen: www.railticketing.ch Das tickt so richtig nach.

    Vielleicht gibt es diese Linien in Deutschland oder Frankreich ja auch schon, war dort lange nicht mehr mit dem Zug unterwegs. Für Inline-Skater oder Kickboard-Fans sind die übrigens auch angenehm „taktil“ unter den Rädern.

  • Die „Linie halten“ war schon Thema
  • Mitunter wird in der Schweiz die „Linie gehalten“, aber diese Linien läuft man besser entlang, wie im Song „Walking down the line“.

  • Walking down the line mit fliegenden Füssen
  • Der ultimative Song zum Thema stammt von Bob Dylan. Arlo Guthrie hatte ihn u. a. 1975 in einem Konzert zusammen mit Pete Seegers gesungen. Seine damalige Erklärung zum Text: „He’s got a troubled mind ’cause he’s got a flyin’ feet …“. Logisch, nicht wahr?

    Well I’m walking down the line
    I’m walking down the line
    I’m walking down the line
    My feet’ll be a flyin‘
    To tell about my troubled mind
    (Quelle: lyrics)

  • Walking down the Line in Woodstock 1969
  • Hier die Aufnahme, wie Arlo diesen Song in Woodstock 1969 vor einigen hundertausend Zuschauern singt:

    Wer Freude hat an Arlos Guthries Geschichten hat, die er als „talking blues“ zur Gitarre erzählt, der sollte sich keine Linie sondern lieber diesen „Motorcycle Song“ in Ruhe reinziehen. Nicht ganz so bekannt wie „Alice’s Restaurant“, aber ebenso gut! Arlo ist heute mit knapp 60 Jahren immer noch regelmässig auf Tour, mit schlohweissen Haaren, begleitet von seinem Sohn. Hier eine aktuelle Live-Aufnahme bei YouTube: Highway in the wind.

    

    6 Responses to “Walking down the line — Blind bei der SBB”

    1. Urs Müller Says:

      Darf, wer Arlos Namen in den Mund nimmt, seinen Vater Woody auslassen?
      http://de.wikipedia.org/wiki/Arlo_Guthrie
      http://de.wikipedia.org/wiki/Woody_Guthrie
      Und mir persönlich sagt auch sein Song „City of New Orleans“ sehr zu. Da geht es übrigens nicht um die Stadt, sondern um den Zug der New Orleans mit Chicago verbindet. Und damit den Delta Blues mit dem Chicago Blues.
      http://www.youtube.com/watch?v=ZaQX572xKi4
      Was nicht besungen wird, ist die Tatsache, dass Amtrak chronisch verspätet ist. Durfte das eben vor zwei Tagen erleben.

      [Anmerkung Admin: Nein, und auch Pete Seegers sollte nicht unerwähnt bleiben. Der Unterschied zwischen Woody und Arlo ist, dass es von Arlo viel mehr Videos bei YouTube gibt. Und das Arlo auch mit fast 60 Jahren noch nicht der unheilbaren Erbkrankheit „Chorea Huntington“ erlegen ist, an der sein Vater lange litt und dann starb.]

    2. Bürli Says:

      Auch der Man in Black läuft der Linie entlang

      Johnny Cash – I walk the line
      http://www.youtube.com/watch?v=krVACUbciJE

    3. bine Says:

      Apropos „Line“…hat sich das mit der Langsamkeit der Schweizer in letzter Zeit eigentlich verbessert? Ich hab gelesen, daß die Schweizer Kühe jetzt nicht mehr mit Hanf gefüttert werden dürfen.

      Milch macht eben nicht immer munter 😉

    4. Barbarella Says:

      Nun ja – also diese Linien für Sehbehinderte sind allerdings NICHT ausschließlich schweizerischer Natur .. die gibt’s auch bei uns :o)

    5. Brun(o)egg Says:

      @Bine

      Isch find das nüscht witzig. Wir sind Euch wieder mal voraus. Langsamkeit ist angesagt. Slow Food z.B. Kommt allerdings aus Italien. Eigentlich nur ein Image Problem.
      Aber auch sonst ziehen sich unsere Kühe die weissen Linien ganz langsam rein. Es sei denn im Norden wird „Fast Kiffing“ erfunden. Würde die Milch ein bisschen munterer machen.

    6. Jürgen Says:

      In Stuttgart gibt es solche Linien in jedem S-Bahnhof.

      [Anmerkung Admin: Ich schrieb doch, dass ich lange nicht mehre dort war. 🙂 ]

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