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Machen Sie Dampf oder setzen Sie Druck auf? — Neue alte Schweizer Redewendungen

  • Drucken mit dem Druckknopf
  • Die Norddeutsche Langnase Mike Krüger, von Haus aus gelernter und praktizierender Betonbauer, beteiligt am Bau des Elbtunnels, schrieb in jungen Jahren nicht nur Erfolge wie „Mein Gott Walter“, sondern auch Kalauer und Schüttelreime wie „Er würgte eine Klapperschlang bis ihre Klapper schlapper klang“ oder „Siehst Du dort den schlappen Lappen in seinen schlappen Lappenschlappen“.
    In einem seiner Nonsens-Lieder von 1975 ging es um einen „Drucker“. Das war damals ein Beruf, und nicht so ein Billigteil das Tinte verbraucht und auf dem Schreibtisch neben dem PC steht:

    Er kaufte sich einen Druckknopf
    und begann zu drucken,
    denn er war viel zu dumm
    um aus nem Bus zu gucken

    Mike Krüger schuf auch recht spassige Nachdichtungen von amerikanischen Songs, so wurde aus „Mama Leone“ bei ihm „Seit ich hier wohne“, und „A boy named Sue“ von Jonny Cash dichtete er nach als „Junge namens Susi“. Ausserdem verballhornte er Jürgen Drews „Ein Bett im Kornfeld“ zu „Wenn die nach vorn fällt“, usw.

  • Es baut sich ein Tiefdruckgebiet auf
  • In Deutschland wird mitunter unter „Hochdruck“ gearbeitet, oder es „baut sich ein Tiefdruckgebiet auf“. Druck kann man grundsätzlich „machen“, so wie man mit einem Druckkopf drucken kann, und Kaffee kann man „aufsetzen“. Die Schweizer haben diese beiden Tätigkeiten geschickt kombiniert, und setzen einfach „Druck auf“. So lasen wir im Tages-Anzeiger vom 20.06.07.:

    Dann setzte er Druck auf

    Das es sich um keine journalistische Ente oder einen Druckfehler handelt, beweist uns der Google-Test. Es fanden sich 79 Stellen in Google-CH. Beispiele:

    Für Straffreiheit des Drogenkonsums. Nationalratskommission setzt Druck auf.
    (Quelle: parlament.ch)

    Womit die Kommission hoffentlich am Drücker bleibt. Oder auch die SP:

    Road Pricing: SP setzt Druck auf
    (Quelle: 20min.ch)

    Auch in einem Reisebericht findet sich dieser Ausdruck:

    Keiner stresst uns (ausser wir uns selbst), niemand setzt Druck auf
    (Quelle: moniundrolli.ch)

  • Scotty, we need more power
  • Das war der klassische Befehl von Captain Kirk auf der Enterprise an seinen Schottischen Maschinisten Montgomery „Scotty“ Scott, so bekannt wie das tatsächlich nie gesagte „Beam me up, Scotty“. Ob das „Druckaufsetzen“ ein Vorläufer für „Power machen“ ist, ein Überbleibsel aus der Zeit der Dampflokomotiven, als durch Anfeuern des Kessels der Wasserdruck erhöht wurde, also tatsächlich „mehr Druck aufgesetzt“ wurde? In Deutschland würde man in einer vergleichbaren Situation eher „Dampf machen“. Also wird hier vergleichsweise nur „heisse Luft“ erzeugt, viel Wind um nichts, ohne damit den Druck wirksam zu erhöhen.
    Unser Variantenwörterbuch meint:

    Druck: „Druck hinter etw. machen“ A D; „Druck aufsetzen“ CH D-mittelost: Dampf: „Dampf aufsetzen“ CH; „Dampf hinter etw. machen“ D

    Demzufolge ist „Druck aufsetzen“ in D-mittelost auch gebräuchlich, „Dampf aufsetzen“ rein schweizerisch und „Dampf machen“ nur in Deutschland gebräuchlich. Gar nicht so einfach. Das braucht uns jetzt nicht bedrücken, ganz ohne Druck geht es auch.

    

    6 Responses to “Machen Sie Dampf oder setzen Sie Druck auf? — Neue alte Schweizer Redewendungen”

    1. Chlöpf'n'Tätsch Says:

      Muss wohl der älteste Star Trek-Witz sein:
      Kirk: „Very funny, Scotty… Now beam down my clothes!“

    2. solar Says:

      Druck machen? Wo wir (jedenfalls in der CH doch gelernt haben, machen sei ein zu vermeidendes Unwort in der Schriftsprache …

      Gleich wie „sagen“, für das es doch viel anschaulichere Synonyme gebe. Dabei ist sagen ein absolut wertfreies Verb, während etwa „meinen“ als Ersatz bereits Interpretation bedeutet.

    3. Nightflyer Says:

      Wenn schon „Druck ausüben“…

    4. Jean-Louis Says:

      „Dampf ablassen“ fand ich noch nicht… in dieser Diskussionsrunde…

      Doch ist dies – das „Dampf ablassen“ – schon längst geschehen! Da stehen die Dampfloks – einfach so – ohne „Dampf“ in der Landschaft herum… (Irgendwo… in einer „europäischen Hauptstadt“….)

      http://www.mavnosztalgia.hu/uber-den-bahnhistorischen-park

      @Nightflyer…..
      Wer will da schon „Druck ausüben“?

      Bruxelles „macht Druck“…. Kraft der vermeintlichen „Macht“…

      Und es „köchelt weiter“ auf diesem Kontinent…
      Die Einen „machen Dampf“… Andere wiederum „lassen Dampf ab“… Und Angela „vermittelt“….

      Auf diese „Weise“…. bleibt auf der „BlogWiese“ alles im „Gleich-Gewicht“…

      Nemde?
      Nicht wahr?
      N’est-ce pas?
      „isent it“? – fragte Tony – „before leaving“…

      Er ist ja noch jung… Somit bleibt ihm Zeit, um eben „Dampf ab-zu-lassen“…
      Zurückgezogen… auf der Insel, welche stets das Gleichgewicht auf dem Kontinent sucht…..

      [Bin gespannt, was Tony (B.) an der Pressekonferenz nach der aktuellen Bruxelles-Runde – eingekleidet im „dritten Hemd“ – sagt…]

      Anschliessend können sich sogar in der CH lebende Deutsche überlegen, wie es weiter gehen soll…. „mit unserem Europa“!

      Wir könnten durchaus „beitreten“, sobald die Konstruktion „EU der 27“ zerfällt…

      Wir könnten doch die „Europa-Union“ (1934) wiederbeleben… oder der NEBS beitreten… Also – gemeinsam – aus dem „geographischen Zentrum Europas heraus“…. einfach mal „ein bisschen Druck aufsetzen“…

      Bis zum Nächsten
      JLS

    5. Jean-Louis Says:

      Nur im Rückblick stellt man fest, dass in einer – so genannt – „globalen Welt“ die Meinung „Einzelner“ bestenfalls „heisse Luft“ …
      [Also wird hier vergleichsweise nur „heisse Luft“ erzeugt, viel Wind um nichts >> blogwiese.ch… s.oben, Shakespeare?? ] sein könnte.

      Die „Meinung“, vielleicht auch „Deine“, sofern nicht „nachträglich-nachhaltig vertreten“, verhallt in der globalen Halle dieser PISA-geschädigten Zeitgenossen (for political correctness: Zeitgenossinnen!)

      Bleiben wir – trotzdem – bei „unserer Meinung“!

      Europaweit wünschen sich doch die politisch Verantwortlichen (m. & w. Wortform….. also „politically correct“….) eine „Partnerschaft“ mit „mündigen BürgerInnen“…

      Doch was bedeutet wohl „mündig“?
      Sind jene „mündig“, die nach dem Munde der Obrigkeit(en) reden?
      Oder jene, die eben eine „eigene Meinung ent-wickeln“….??

      Was hat eigentlich „Dampf“ mit solchen Gedanken zu tun?

      Bis zum Nächsten
      JLS

    6. Jean-Louis Says:

      Nachfolgende Zeilen habe ich eben in FAZ.net „geklaut“….

      „Merkels Mitternachtsmarathon

      Als Ratspräsidentin hat Angela Merkel beim EU-Gipfel eine schwierige Aufgabe: Sie muss erreichen, dass 27 Sieger aus Brüssel heimreisen. Dafür begibt sie sich in einen Gesprächsmarathon, von dem niemand weiß, wie lange er dauert und wohin er führen wird.“

      Bei allem Respekt für die FAZ!
      Es ist doch alles „gesagt“: Nachdem die NationsVertreter dampfgeladen Bruxelles erreichten, lassen sie nun Dampf ab… Eingekleidet im „dritten Hemd“…

      Alle werden als „Sieger aus Brüssel heimreisen“…
      Da lohnt es sich schon, sich in einen Gesprächsmarathon einzulassen, auch wenn niemand weiss, wie lange er dauert und wohin er führt….

      Ich bitte zu beachten, wie „medienwirksam die Medien sind“…

      Nach der „on-line-Nacht“ werden die Zeitungen berichten.
      Heerscharen weden die Zeitungen „lesen“…. Zum Frühstück, vielleicht auch später, im Büro…

      Morgen werden sie das Gelesene vergessen haben….
      EUROPA und die EU bleibt demnach auf „Erfolgskurs“….

      Weil Vergessen die „Chancen der Zukunft fördert“…

      Bis zum Nächsten
      JLS

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