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Increase your stamina — Large ist nicht gross

(reload 20.4.07)

  • Englisch for runaways
  • Ein grosser Vorteil digitaler Kommunikation via Elektropost ist die kostenlose tägliche Erweiterung unseres angelsächsischen Alltagsvokabulars. So lernte ich durch stetige Wiederholung und immer wieder notwendiges aktives Löschen der mir unaufgefordert zugeschickten Englischlektionen, meinen Wortschatz der Englischen Sprache massiv zu erweitern. Zum Beispiel mit dieser Nachricht, die mir heute ungefragt ins Postfach flatterte:

    Loophole topsy-turvy inversion, of civil service, birch or GMAT coalition, and enlarge a the is was inoffensive that free-for-all, drug addiction perception of as strata the as angle in exorcism conservatism, yourselves subpoena was tug of war of potluck metal, of book skateboard egotistical a the half-baked by was that tactic, a zillion: idiosyncratic leap to originally malevolent of this fruits, delusion play-by-play outsourcing luster conquer brand-new tape deck with rating, clarinet as brawn, aghast the folder matchbook allegory.
    (Quelle: Private Elektropost)

    Ist das nicht ein fantastischer Stil? Ich denke, ich werde mal nach einem Buch dieses begnadeten Schreibers recherchieren. Er könnte als Redenschreiber in die Politik gehen, so klar und präzise werden hier die Dinge auf den Punkt gebracht!

    Bis vor kurzem hatte ich auch keinen blassen Schimmer davon, was „increase your stamina“ eigentlich bedeutet. Klar, es kommt aus dem Fachjargon der Marathonläufer. Alles gelernt in der Zwischenzeit.

  • Kein Englisch im Tages-Anzeiger
  • Dann lasen wir im Tages-Anzeiger vom 18.04.07 den Satz

    „Die Regelung wurde zu large gehandhabt“.

    Erst dachten wir, dass muss ein Schreibfehler sein, und es sei „zu lasch“ gemeint gewesen. Aber nein! Wir sind ja in der viertelsfranzösischen Schweiz, die den „Exploit“ auch nicht als „ausgebeutetes Programm-Schlupfloch“ in einem Browser versteht, sondern als sportliche Gelegenheit zum wahren Heldentum, und in der die „barrage“ keine Staumauer und kein Sperrfeuer ist, sondern ein besonderes nettes Fussballspiel gegen die trittsicheren Freunde aus der Türkei (vgl. Blogwiese) .

  • Large ist französisch
  • Unser Duden und Kurt Meyers Schweizer Wörterbuch bestätigen mir:

    large [frz. large < lat. largus = freigebig; reichlich] (schweiz.): großzügig: der large Schiedsrichter.
    (Quelle: duden.de)

    Beispiele aus dem Tages-Anzeiger:

    Der automatische Zugang mittels Maturität sei «zu nachlässig und zu large», was den Hochschulen das Mithalten mit internationalen Spitzenuniversitäten erschwere
    (Quelle: tagesanzeiger.ch)

    Die IV-Stellen waren zu large
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Aus dem Kantonsrat Zürich:

    Die Verordnung der Gesundheitsdirektion muss verhindert werden. Sie brächte eine zu large Zulassung und wäre kostensteigernd
    (Quelle: www.kantonsrat.zh.ch)

    Am Largo Maggiore
    (Quelle Foto: Wikipedia. Am Largo Maggiore)

  • Was sonst noch large ist
  • Ganz logisch, dass die Schweizer das verstehen, haben sie doch auch einen Largo Maggiore. Oder haben wir da jetzt was verwechselt?

    Dann kennen wir noch den Deutschen Rockmusiker Klaus Large, die Sicherheitslarge, die Wetterlarge, Braunlarge im Harz und die österreichische Musiksendung X-Large, womit wir wieder beim Ausgangspunkt dieser Betrachtung angekommen sind: „Enlarge your English!“, und was man sonst noch so vergrössern kann durch Lektüre von Werbepost.

  • Faust auf Faust — Musik zum Schimanski-Tatort
  • Bis zur nächsten englischen Elektropost für alle Nostalgiker und BiVis (=Bis Vierzigjährige) hier der Song „Faust auf Faust“ von Klaus (1985) bei YouTube.

    Nein, das ist kein nachgemachtes 80er-Jahre-Video wie der Clip neulich mit Hugh Grant, das ist echt 27 Jahre alt.

    

    3 Responses to “Increase your stamina — Large ist nicht gross”

    1. Marroni Says:

      Wusstet ihr eigentlich, dass es ein Alemannisches Wikipedia gibt?

    2. Brenno Says:

      @Marroni

      Klaro. Für Anfänger ein sehr aufschlussreicher Beitrag. Eher noch aufschlussreicher sind jedoch die Informationen unter dem Stichwort „Alemannische Dialekte“. Dort erfährt man nämlich, dass Alemannisch in sechs europäischen Ländern von Einheimischen gesprochen wird (!). Leider ist es aber vielerorts auf dem Rückzug.

      Es gibt übrigens im Wikipedia auch einen vorzüglichen Artikel über Helvetismen

    3. Beobachterin Says:

      Ja und? Weshalb sollten wir dieses Wort, das aus einer unserer Landessprachen stammt und unseren Wortschatz bereichert, nicht mehr verwenden? Weil die zugewanderten Deutschen es englisch interpretieren? Müssen wir jetzt unsere Sprache künstlich verarmen, damit auch der letzte Teutone alles versteht? Wir verstehen ja auch nicht jeden deutschen Ausdruck, die „Verständnislosigkeit“ hält sich in etwa die Waage.

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