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Sorgen Sie auch manchmal für Mais? — Nicht jeden Ärger kann man essen

  • Mais im Bundeshuus
  • Es ist schon ein paar Jahre her, dass wir den ausgezeichneten Schweizer Dokumentarfilm „Mais im Bundeshuus“ sehen durften, der für die Westschweiz den französischen Titel „Le génie helvétique“ bekam. Der Film führt eindrücklich vor, wie Lobbyisten im Berner Bundeshaus ihrer Arbeit nachgehen. Es ging damals um Gentechnik-Forschung, und der Titel war eine Anspielung auf den gentechnisch veränderten Mais, so meinten wir verstanden zu haben. Das wir dieses Verständnis heute, gut 7 Jahre nach Erscheinen des Films, noch einmal überdenken müssen, dafür sorgte unser Leib und Seelen Hausblatt für das moderne Schweizerdeutsch der Gegenwart, der Tagesanzeiger, in dem am 18.09.2010 zu lesen war

    „Couchepin sorgen schon bald für Mais“.

    Sorgten schon bald für Mais
    (Quelle: Tagesanzeiger vom 18.9.10)

  • Was alles für Mais sorgt
  • Schmeckt denn Mais so gut? Klar, ein goldig gedünsteter Kolben im Herbst, mit viel Butter und Salz genossen, ist wirklich nicht zu verachten. Auch in der Pendlerzeitung 20Minuten fanden wir die Schlagzeile:

    „Fluglärm sorgt für Mais“

    Fluglärm sorgt für Mais
    (Quelle: 20min)

    Immerhin diesmal in „Gänsefüsschen“, als ob sich die Zeitung nicht so ganz sicher ist, ob man das schreiben darf oder nicht.

    Und schnell waren weitere Mais-Fundstellen beisammen getragen:

    „Mais ums Putz-Personal im Bundeshaus“

    Mais ums Putz-Personal
    (Quelle: Tagi 27.03.2009)

    Blocher schlug vor einem Jahr vor, das man Polanski bei der Einreise in der Schweiz besser heimlich gewarnt als verhaftet hätte,

    „Und der Mais wäre uns erspart geblieben“

    Mais erspart
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Sogar Handys verursachen Mais:

    „Mais um Ökohandys“

    Mais um Handys
    (Quelle: Tages-Anzeiger 16.10.2008)

  • Knatsch oder Zoff?
  • Kurzum: Der Film von 2003 hätte auch „Knatsch“ im Bundeshaus, oder „Zoff im Bundeshaus“ heissen können, denn Mais ist in der Schweiz ein Synonym für Streit und Ärger. Doch warum? Das konnte uns niemand erklären. Mais ist doch so ein harmloses Gewächs. Als die Amerikaner nach dem Ende des 2. Weltkriegs die Deutschen fragten, welche Güter sie dringend benötigten, baten diese: „Schickt uns Korn“ um es anzupflanzen, zu ernten, zu mahlen und Brot zu backen. Gedacht war an Roggen- und Weizenkorn. Doch die Amerikaner verstanden „You want to have corn!“ and sandten Säcke voll goldgelben Mais, so gab es monatelang Polenta und Maisbrot, statt Roggenbrot in Deutschland. Begann hier der Ärger um den Mais, der Mais um den Zoff?

    Wieder bleiben wir ahnungslos und hoffen auf sinnvolle Erklärungen von Phipu oder Anfra. Vielleicht hat der „Mais im Bundeshuus“ ja gar nichts mit dem Getreide zu tun sondern kommt von einem ganz anderen Wort?

    

    14 Responses to “Sorgen Sie auch manchmal für Mais? — Nicht jeden Ärger kann man essen”

    1. Töchterlein Says:

      Phipu und Anfra scheinen gerade das Wochenende zu geniessen!
      Wo bleibt die Antwort? Netter Artikel, doch ohne richtige „Aufklärung“ für den Ursprung dieser „Maiserei“ irgendwie unvollständig…
      Gibt es vielleicht auch:
      Sesam um die Blogwiese…
      oder Bündnerfleisch (Püpüüüntnerfleisch) um Hans-Rudolf Merz?

    2. Susanne Says:

      Wo wären wir ohne Tante Wikipedia 😀

      „Mais (Begriffsklärung)
      aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

      Mais steht für:
      * Mais, ein Getreide
      * Krach (Lärm bzw. Streit; Helvetismus)
      * MAIS (Verletzungsskala)“

      Gruß, Adsartha

      [Anmerkung Admin: Das ist eine Feststellung, aber immer noch keine Erklärung, warum „Mais“ in der Schweiz Lärm bzw. Streit bedeutet. Festgestellt hatte ich das im Posting auch schon, aber wer kann es uns nun erklären? ]

    3. AnFra Says:

      Mais als Sprache wird nicht nur im schweizerischen Bundeshaus verwendet, sondern teilweise auch auf der Blogwiese!

      Als pawlowscher Reflexbeißer gibts hier den erleuchtenden Text ins dunkle Helvetien hineingetragen.

      Nicht von ungefähr ist das vom „Mais reden“ mit den Herren Blocher und Couchepin ein wunderbares Beispiel von Brüdern im besonderen Geiste. Denn das z. T. kafkaeske Geschwätzt solcher Polit-Granden steckt voller verbaler Geheimnisse, unverstandener und unbegreiflicher Inhalte, Botschaften, zweideutiger Signale, Miss-, Doppel- und Mehrdeutigkeiten, die natürlich nur erlauchte Wissende verstehen und demzufolge begreifen können. Also haben sich diese Sprach-Kryptologen untereinander verstanden, wahrscheinlich nicht wehgetan, köstlich amüsiert und über Unverständnisse sowie auch über die wohl beabsichtigten Verwirrung für die übrige Zuhörerschaft innerlich fast totgelacht.

      Dadurch eröffnet sich auch das scheinbare Geheimnis, warum etliche schweizerische Politiker wiederholt versuchen, „Mais zu reden“.

      Die Quelle zu dem „Mais reden“ kann man m. E. in den alten Bezeichnungen innerhalb des deutschen Sprachraumes für Mais (turcograno) finden, wie z. B. beim Kukuruz, Turkkorn, Türkenweizen, turcograno uam. sowie uns das besonders interessierende „Welschkorn“!
      „Welsch“ als althergebrachter Begriff der germanischen Völker für die fremdländischen Nachbarn, die u.a. gälisch-keltisch und/oder romanisch, also unverständlich und unbegreiflich gesprochen haben. Wie die Wallonen, Welsche, Wallachen, Waliser, spanische und polnische Galizier uam, die man eigentlich nicht so richtig verstanden hat. Das „Welsche“, abgeleitet aus der Bezeichnung für die gälische/keltische Völker und Sprachen.

      Der hier gemeinte Begriff „Welsch“ und die hier später gemeinte Benennung „Welschkorn = Mais“ haben in der Zeitenentwicklung die Inhalte von unverstandenen, problematischen, schwierigen und verbergen wollenden Inhalten und Werten sowie den daraus entwickelnden Missverständnissen und folgenden Irrtümern erhalten.
      Nicht nur in der Politik gilt: Wer „Mais“ redet, spricht eigentlich Kauder-Welsch, welches zu den o.g. Problemen führen kann.

      Wie der Herr Kauder, der Volker, der aus dem deutschen Bundestag, dessen seltsames „Kauder-Welsch“ kaum ein Mensch versteht.

      PS: Eine Super-Ironie: Der Name „Volker“ solle sich aus der alten Benennung für „welsche“ Kelten/Gälen ableiten können.
      Unser Volker Kauder, ein doppelter Welscher, ein doppelt Unverstandener, sogar ein doppelter Doppelgänger, wenn man das Vorhandensein seines Bruders, des Siegfried, mit dabei berücksichtigt.

      Und es geht also doch: Die Quadratur des politisch quartierten Kreises! Aus Nichts wird ein Etwas.

    4. Guggeere Says:

      Warum wir Mais sagen und Lärm, Durcheinander oder Streit meinen, weiss ich auch nicht. Zwei Dinge fallen mir dazu ein:

      Maiskolben mussten nach der Ernte irgendwann entblättert werden. Da früher beim Maisblättern (das hiess je nach Gegend auch «Türggeblättere») ziemlich viele Hände gebraucht wurden, die Arbeit aber nicht gerade anspruchsvoll war, war das jeweils ein Anlass zu fröhlichen Abenden in dicht bevölkerten Stuben oder Scheunen, wobei es anscheinend ziemlich laut und turbulent zuging. Vielleicht kommen daher Redensarten wie «wieso machsch wider sonen Mais» oder «do isch jo en Riisemais, we z Züri im Baanhof» usw.

      Eine von mehreren abschätzigen Bezeichnungen für Italiener, jetzt allerdings nur noch selten zu hören, ist/war in der deutschen Schweiz «Maiser». Vielleicht weil sie als laut, gesprächig und hektisch galten und nicht nur wegen ihrer Polenta?

    5. AnFra Says:

      @Töchterlein

      Ob das Onkelein Phipu sein Wochenende genießen konnte wird sicherlich sein Geheimnis bleiben.
      Liebes Töchterlein, es bleibt wenig Zeit für nette Antworten. Warum schreibst du netterweise nicht selber die nette Beantwortung zu dieser netten Sasamstraße auf dieser netten Blogwiese?
      Natürlich treibst einen als Abhängigen manchmal um die Ecke auf die Blogwiese, um durch die Nase so ne richtig nette Priese, bei guten Themen sogar ne kräftige Briese ins Hirn zu ziehen um dann für einige wenige Minuten dieser netten Welt zu entfleuchen und sich im güldenen Nirwana auszutoben.

      Der eine böse Ochse aus Zürich ist notgeschlachtet, die jungen Stiere sind weiter gewandert, die alten Munis (und auch Mulis) bleiben da und erhalten ihr Grandenbrot bzw. Gnadengras. Die Blogwiese hat sich hoffentlich von den Verdauungs- und Ausscheidungsprodukten regenerieren können.
      Was mit dem netten Merzelein, dem Hans-Rudolf in Bern geschieht, dass wissen nur die netten Metzger, Fleischer und Fleischhauer!

      Die Blogwiese bleibt halt weiterhin ein sozio-kultureller Leuchtturm in der helvetischen Finsternis inmitten der von Volkstümlichkeit trunkenen CH-Gesellschaft, wie es leider der CV so fälschlich meint.

      Dein großdeutsches Papilein

    6. Brun(o)egg Says:

      Eine Erklärung habe ich auch nicht woher sich der Begriff Mais für Lärm und „Lämpen“ ableitet.
      Aber Lärm ists auf jeden Fall, heissen doch Italiener, – neben dem schweizweit beliebten Tschingg -, auch Maiser. In Basel mindestens. Machen halt eben Mais.

    7. Phipu Says:

      Meine Forschung ergab keine wirklich wissenschaftliche These. Ich möchte als Dialektsprecher lediglich den Artikel noch mit folgender Überlegung ergänzen.

      AnFra widersprechend, würde ich nicht von „Mais reden“ (Blödsinn, Stuss, Unverständliches schwatzen) sprechen, sondern bevorzuge die handfeste Formulierung „Mais machen“. Häufig gehörte Formeln: „Mach nicht so einen Mais! – Das kaputte Auto macht einen verdammten/ höllen/ riesen/ Sau- Mais.“
      „Mais“ ist daher in seiner ersten Bedeutung als „Lärm“ oder „Krach“ zu verstehen. Hier ein paar Beispiele aus dem Net, wo es auch so verwendet wird.

      ++++++++++++
      Später dann sattelte der Töff-Hausi auf Rasenmäher um. Dieselben veränderte der handwerklich Begabte zu gehörschädigenden Lärmschleudern, was die Umgebung eine Zeitlang toleriertet, dann offerierte ihm ein pensionierter Kranzschütze eine Ladung Wildsauenschrot in den Allerwertesten, wenn der Saumais nicht aufhöre.
      http://www.turf-freunde.ch/downloads/200918.8.hausisneueerfahrung.pdf

      Die Delfinkappelle Hochwasser übte jeden Mittwochabend in der Meeresenge von Gibraltar. Dabei machte sie so einen Saumais, dass die Affen von den Felsen purzelten und sich die Knie aufschürften.
      http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2009/nr24/Kultur/17992.html

      War das ein riesen „Mais“ die ganze Nacht. Es war der Start ins Wochenende und die „jungen“ Engländer/-innen im CabanaCopa Hostel verhielten sich unter Alkoholeinfluss wie Idioten.
      http://www.minas-life.ch/page_25.html?id_bericht=60

      Aber macht doch den lärmigen Nacht-Teil mit Geschrei, Guggenbummbumm und Besäufnis ab 2011 irgendwo in einer gut isolierten Halle weit draussen. Warum “dä huere Mais” mitten in der Altstadt stattfinden muss, ist mir schleierhaft.
      http://blog.jacomet.ch/?p=4536

      Retour geht’s dann dem Woolloomoolloo Finger Wharf entlang – ein ehemaliges, riesiges Marinegebäude, das heute ein Top-Hotel und exklusive Appartements beherbert – durch den botanischen Garten wo die Kakadus einen „Riesenmais“ vollführen…
      http://www.moro-downunder.com/_ad_content_all/templates/publish.php?filename=Sydney_3
      ++++++++++++++++

      Gleich wie beim Wort „Krach“ kann darin auch die Bedeutung von „Streit“ gesehen werden, da bei diesen Gelegenheiten der Gesprächston eben auch etwas lauter wird. Insbesondere in der Verbindung „Mais veranstalten“ ist die treffendste hochdeutsche Übersetzung eher im Sinne von „Lärm um nichts machen, Trara veranstalten, Theater machen“ zu verstehen. Da sind wir wieder bei der Politik angelangt.

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      Ein riesiger ‚Mais‘ für die Schweiz wird veranstaltet
      http://www.google.ch/search?hl=de&q=veranstalten+mais&btnG=Suche&meta=cr%3DcountryCH&aq=f&aqi=&aql=&oq=&gs_rfai=

      … nämlich dass die am meisten Stimmen bekommen, die das grösste Budget haben und den grössten Mais veranstalten.
      http://www.genox.ch/notify-Orange?aHR0cDovL3d3dy5nZW5veC5jaC9ibG9nLzIwMDcvMTAvYmFsZC1zaW5kLXdhaGxlbi8=

      Da gibt es eine Menge Schwätzer an grüner und roter Sauce, die den grössten Mais veranstalten, wenn wir ein paar Flügerli exportieren.
      http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-20/artikel-2009-20-editorial-obwalden.html?tx_comments_pi1%5Bpage%5D=8&cHash=fc2beeef2a
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      Hier noch die einzige mir begegnete Quelle, die einen geschichtlichen Hinweis liefern kann, weshalb „Mais“ in der schweizerischen Umgangssprache negativ besetzt ist:

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      Schon vor dem Ende des 16. Jahrhunderts schaffte der Mais den Sprung über die Alpen, zunächst ins Bündnerland, wo er heute noch, gröber gemahlen, als Bramata auf den Tisch kommt; dann weiter hinab ins Rheintal, wo der Türggenribel – gekochter, dann getrockneter und zerstossener Mais – Suppen ebenso bereicherte wie die Tasse warmer Milch zum Frühstück. Erst der Siegeszug der Kartoffel brachte den Mais im 19. Jahrhundert in den Verruf, ein Arme-Leute-Essen zu sein. Das mundartliche «Mais machen» für «Krach schlagen» lässt vermuten, dass es eine Zeitlang um den Ruf der Maisesser nicht zum besten bestellt war.
      http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/0a15b38e-cbcf-4ccc-bf67-f8e9e636d52a.aspx
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    8. Marroni Says:

      Ja, stimmt, in meiner Jugendzeit wurden die Italiener neben „ Tschingg „auch als „ Maiser“ bezeichet, Horgen Zürichsee, also ist dieser Ausdruck nicht nur in Basel verwendet worden. WERBESPOT: Soeben hat die 36 Marroni Saison begonnen! Jürg A. Soldan

    9. Daddy Cool Says:

      Mi Frau und Iich händ drum grad italiänischi Wuche – Jeede Tag Mais!

    10. Brun(o)egg Says:

      @ Daddy Cool

      Mach einen Coniglio zur Polenta, dann habt ihr wieder Frieden.

    11. AnFra Says:

      @Phipu

      Deinem Widerspruch möchte ich nun etwas widersprechen, denn die Aussage bezüglich „Mais“ als Lärm machen ist wohl richtig, aber im Grundsatz ist dadurch die Frage auch nicht beantwortet, wo und wie die Quelle dieses Mais-Sinnspruches zu finden sei.

      Die ursächliche Quelle von „Mais“ in diesem spachlichen Umfeld ist m. E. logischerweise im Ursprung des Namens und dem soziologischen Umfeld des Maises zu suchen und auch zu finden.
      Bei der einen von dir zitierten Quelle “…..Ende des 16.JH schaffte der Mais über die Alpen ….. auf den Tisch ….“ dürfte es meinem Bauchgefühl nach sich hierbei um eine Zeitverfehlung von mindestens 100 Jahren vor der tatsächlichen Gegebenheit, also eher am Ende des 17. JH, handeln.
      Da im Süden des deutschen Sprachraumes die Benennung von Mais zunächst Türkenweizen, Türkenkorn war und die Italiener diesen auch granoturco nannten, deutet darauf hin, dass der Mais erst in einer zweiten Zuwanderungswelle dann auch von Italien gekommend ins röm.-deut. Reich gelangt ist und dort einen „italienischen“ Namen erhalten hat.
      Die 1. Welle jedoch dürfte man aus dem türkischen Herrschaftsgebiet über Ukraine, Balkan, Ungarn und die Donau in den südöstlichen dt. Raum kommend verorten. Die Benennung ist zunächst Türkenkorn uäm., nicht Welschkorn wie im dt. Süden, sondern dort in späterer bis heurigen Benennung Kukuruz.
      In der 2. Zuwanderung dürfte der Mais mit landwirtschaftlichen Arbeitern aus Italien über den Alpenkamm gelangt, durch diese Welschen den germanisch-alemannischen Bauern bekannt gemacht worden sein und dann erst die Benennung dann die logische Benennung „Welschkorn“ erhalten haben.

      Und hier ist m. E. der springende Punkt. Die Ernte und Nutzung vom Mais ist lange Zeit nicht mechanisierbar gewesen wie z. B. die übrige Kornernte. Erst 1872 gab es ein (US)-Patent auf ein mechanisches Gerät, welches als Mais-Schäler funktionierte. Der Einsatz von solchen Mais-Schälern erfolgte in Europa viel später, frühestens ab 1900!
      Das bedeutet, dass bei der Mais-Ernte die Körner nur händisch vom Kolben entfernt werden konnten und dadurch logischerweise eine große Helferschar notwendig war und dadurch einer großflächigen Nutzung entgegen stand. Dadurch war das die Domäne der welschen Wander- und Erntehelfer-Arbeiter für die manuelle Ernte.
      Aus dieser Situation leite ich die ursprüngliche Quelle der Benennung für sprachliches Wirrwarr, Miss- und Unverständnisse, Spannungen, Rempeleien und Streitereien mit diesem „Mais“ ab. Das in laufe der Zeit sich die originalen Zusammenhänge und Ableitungen verwischen ist doch fast schon ein Gesetz der Logik. Die meisten Sinnsprüche haben ihre sprachlichen und inhaltlichen Quellen und Sinninhalte offensichtlich überlagert und verborgen!

      Der Hinweis von @Marroni auf „Maiser“ für gewisse Italiener ist für mich erhellend gewesen, da ich auch in grauer Vorzeit so eine vergleichbare Benennung mal gehört habe, jedoch in einer etwas veränderten Form als „Mauser“ interpretierte. Aber nicht als der Name für die besagte Pistole, sondern im Siggis Freud Sinne wohl aus „mausen“ abgeleitet.
      Was damit gemeint sein könnte, möge sich jeder selber zusammenreimen.

    12. Phipu Says:

      An Anfra:
      Deinen geschichtlich fundierten Hintergrund will und kann ich gar nicht in Frage stellen. In diesem Thema kann ich dir ein keiner Weise das Wasser reichen. Vielleicht kann ich höchstens mal ein aufgeschnapptes Element davon in eine Konversation einstreuen, um einen gebildeten und geschichtlich bewanderten Eindruck zu erwecken. Folglich kann ich auch keine wirkliche Antwort auf die Ursprungsfrage liefern.

      Es geht mir nur um die Klarstellung, dass unserem Dialekt nur mal ja niemand fälschlicherweise den nicht existierenden Ausdruck „Mais sprechen, Mais erzählen“ in den Mund legt. Es heisst wirklich „Mais machen, Mais veranstalten“. Zur Kontrolle sollte man es durch „Krach“ ersetzen können, dann ist es richtig angewandt.

      Zum Sprechen und Erzählen haben wir andere Nahrungsmittel wie Hafenkäse, Kabis, aber auch Unappetitliches wie Geld, Seich uäm. Siehe hier:

      http://www.blogwiese.ch/archives/600
      http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fkohl
      http://www.blogwiese.ch/archives/1070
      http://www.blogwiese.ch/archives/242
      http://www.blogwiese.ch/archives/15

      Bei dieser Gelegenheit an Jens und alle Französischlerner:
      „helvétique“ hat nur auf der zweiten Silbe einen accent aigu; das steht halt auch auf der verlinkten deutschen Wikipedia-Seite falsch. Ein akzentbelasteter Vokal gefolgt von zwei Konsonanten sollte einen sowieso misstrauisch machen.

    13. AnFra Says:

      Lieber Phipu,
      es wird doch nicht aller Kabbes so heiß gegessen wie er gekocht wird!

      Bedingt durch meinen temporären Verlust der Erinnerungen und der sturzartigen Reduktion der Beherrschung der Worte als Resultat einer Zecken-Borreliose und der dann folgenden Beschäftigung zur Wiedererlangung eines ausreichenden Wortschatzes bin ich ins teilweise unbekannte Terrain vorgestoßen.
      Habe als ein selbstgestricktes Übungsprogramm innerhalb von 18 Monaten der damaligen Arbeitsunfähigkeit täglich riesige Berge von Wörterbüchern, sprachlicher, etymologischer und hermeneutischer Literatur durchgearbeitet und inhaliert.
      Dann gabs einen somnambulen Traum (war es etwa doch ein Erlebnis ?) mit einer Sprachengöttin als archetypische Anima nach Art wie vom C.G. Jung beschrieben mit einem tollen Kick. Durch das erlernte Ritual dieser Göttin kann man alle eigenen gespeicherten, angelegten, verschüttet geglaubte und verdrängte Erinnerungen, Infos und Erkenntnisse aus dem Erinnerungspool herausholen, logisch, chronologisch und im inneren Zusammenhang interpretieren, darstellen und sehr schnell auch mit anderem externen Informationen verarbeiten.

      Dieser Vorgang hat m. E. jedoch mit Wasser reichen nichts zu tun. Dies würde ich sogar fast mit dem sog. „Idioten-Wissen“ titulieren. Aber zur Überwindung der Vergesslichkeit und Wortverluste eine wunderbare Lösung. Wie sagte danach der Arzt: „Na, das Praktikum beim Dr. Alzheimer haben Sie letztendlich doch gut überwunden!“
      Nach dem Wiedererlangen der Worte haben diese eine gigantische Macht entwickelt, wie man sich diese kaum vorstellen kann. Es ist ein mächtiger Sog, der da zieht und einen an phantastischen Dingen vorbeiziehen lässt. Fast wie ein Wasserwirbel. Die leeren Flecken in der Erinnerung sind weg, die ehemals diffusen Informationen sind jetzt glasklar, es gibt nun in der Erinnerung blühende Landschaften, nicht die im Osten Deutschlands wie vor 20 Jahren von der pfälzer Birne versprochen, sondern in der eigenen Birne. Sollte jedoch etwas bei einer schnellen Beschreibung nicht passend sein, so kann man es in der Schnelle für die Blogwiese auch noch mit einem 15 kg schweren Vorschlaghammer ziseliert zurechtdengeln.

      Letztendlich ist auch der gemeinte Mais-Begriff auch nur einer aus dem von dir apostrophierten Bereich der Lebensmittel. Wenn man die Sprache und Worte atomisiert, gelangt man zu deren Molekülen und Atomen. Geht man weiter, tauchen dann die zugehörigen verbalen Neutronen, Elektronen und Protonen auf. Als Steigerung der Aufspaltung gelangt man dann zwangsläufig zu den elementarsprachlichen Quarks. Und hier wird spannend. Wie z. B. den D-, CH- oder A-Quarks mit all den hunderten Varianten von sehr starken bis schwächlichen Wort- und Sprachbindungen untereinander.

      Du siehst, man kann nicht nur die Gesinnung beugen, sondern auch das verbale Nichts. Es ist sehr spannend. Und dann sage einer, dies sei alles Käse, das mit dem verbalen Quark!

    14. Bernhard Says:

      Die Tessiner wurden wohl als „Maiser“ bezeichnet, weil es für Deutschschweizer sehr ungewohnt war, dass sich diese Miteidgenossen hauptsächlich von einer Pflanze ernährten, die bei uns nur als Hühnerfutter galt.
      Ich vermute, dass der Begriff „Mais“ dann auf die Gewohnheit der Tessiner übertragen wurde, Auseinandersetzungen viel lautstärker auszutragen als in der Deutschschweiz üblich.

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