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Bin ich mich selbst oder bin ich selbst? — Identitätsfindung von Schweizern und Deutschen

(reload vom 16.03.07)

  • Ich will mich selbst sein
  • Ein merkwürdiges Kapitel Deutsch-Schweizer Selbstfindung kam uns unter. „Ich“ oder „Mich“ sein, dass ist hier die Frage, speziell in Verbindung mit dem Selbst. So lasen wir auf uma´s welt:

    Darf ich mich sein? Mit allem was ich bin? Mit meinen Rundungen, meiner empfindsamen Seele? Mit meinen Ecken und Kanten?
    (Quelle: www.tell-it.net)

    Mich selbst sein“ ist wundervoll, und viel eindeutiger als „ich selbst sein“. In der Schweiz ist man viel lieber „mich“ als „ich“. So fanden wir auf bl.ch:

    Grundmotivation So-Sein: Ich bin mich selbst

    (Quelle:< www.bl.ch)

    Ich bin mich selbst, du bist dich selbst, er/sie/es ist sich selbst, wir sind uns selbst, ihr seid euch selbst, sie sind sich selbst. Alles klar? Willkommen bei den Schweizern!

    Der Deutsche Regisseur Robert Schwentke, dessen bekanntester Film „Flightplan“ (2005) mit Jodie Foster ein grosser kommerzieller Erfolg in den USA war, ist offensichtlich davon schon angesteckt, denn er meint in einem Interview mit dem emagazine der Bank Credit-Suisse:

    Ich kann als Regisseur nur mich selbst sein. Ich versuche, die Stoffe, die mich interessieren, zu eigenen zu machen, und die Geschichten dann auf meine eigene Art zu erzählen
    (Quelle: credit-suisse.ch)

    Demnach ist das also doch nichts spezifisch Schweizerisches? Leider hilft uns Google bei der Beantwortung dieser heiklen Frage nicht wirklich viel weiter, denn die Suchmaschine findet bei der Eingabe von „ich bin mich selbst“ nur Lessings Nathan der Weise: „Du hörst, ich bin mich selbst zu loben, auch nicht faul“.

    Oder sie findet ein anderes Mal denkwürdige Songtexte: „UND ICH BIN MICH SELBST AM FRAGEN WANN ICH ENDLICH WIEDER FREI HAB“ des deutsch-tunesischen Rappers Bushido .

    Da bin ich mich doch selbst am fragen, ob der Autor dieser Zeilen nicht auch aus dem Ruhrpott kommt, wo dat da ständig „am regnen“ ist (Fehlanzeige, Bushido lebt in Berlin).

    Die Leute im Pott sprechen sowies echt lupenreines Hochdeutsch. So sagt die Mutter: Kind, sach mal wat mit „Wamama“ und „Hattata“! Antwort: „Wamama auf Schaalke, hattata gereechnet .“

    

    5 Responses to “Bin ich mich selbst oder bin ich selbst? — Identitätsfindung von Schweizern und Deutschen”

    1. Gute-Chance Says:

      Ja haben Sie recht, in der Schweiz sagt man am meistens Mich als Ich.
      Haha super artikel.

    2. Brun(o)egg Says:

      Von der Philo-Seite her betrachtet gibts da schon Unterschiede: Wenn ich mich bin, bin ich alleine, sictz am Waldrand und denk über die Blogwiese nach. Wenn ich ICH! bin, bin ich meistens nicht alleine sondern setze mich durch. Gegen was auch immer.

    3. Simone Says:

      Die Aufforderung „Sei dich selbst!“ finde ich noch markanter. Aber wie heißt es in einem meiner Lieblingslieder im 2. Teil des Refrains:
      „Das geht raus an alle Spinner
      Weil alles ohne Sinn wär
      Ohne Spinner wie dich und mich“ (Revolverhelt: Spinner).

    4. Simone Says:

      http://www.youtube.com/watch?v=kR4MI_8WIrw
      Hier ist noch der Link zum schönen Lied für alle zum Mitsingen. Die Gruppe heißt „Revolverheld“ mit „d“ am Ende. Nach vier Jahren „Sei dich selbst“ bin ich eben nicht merhr „mich“ selbst, habe Grammatik und Syntax hinter mir gelassen und komme um die Frage nicht herum: „Wer hat mir einen Duden?“

    5. Tino Says:

      Schön ist auch „Wenn ich dich wäre…“ 🙂

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