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Deutsche stürmen unsere Tankstelle — und kaufen einfach unser Benzin

(reload vom 8.1.2007)

  • Benzin in Zukunft nur für Schweizer?
  • Wir lasen in der Pendlerzeitung 20Minuten vom 05.01.07 die Überschrift:

    Deutsche stürmen unsere Tankstellen

    Deutsche stürmen unsere Tankstellen
    (Quelle Foto: 20Min vom 5.1.07)

    Jetzt ist es also soweit. Sie nehmen den Schweizern auch noch das Benzin weg! Sie zahlen dreist und ungeniert die Schweizer Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer, weil die ihnen seit dem 1. Januar 2007 im eigenen Land zu teuer geworden ist! Wie soll das weitergehen, wohin soll das führen, wenn die Schweizer sich nicht gegen diesen Ansturm zur Wehr setzt?
    Das Manager-Magazin schrieb:

    Im August 2006 waren insgesamt 166.146 Deutsche in der Schweiz registriert – damit liegen sie an vierter Stelle hinter Portugiesen, Serben und Italienern. Einerseits füllen Deutsche einfach Lücken auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, sei es in der Gastronomie, auf der Baustelle oder in der Pflege. Andererseits sind viele von ihnen überdurchschnittlich ausgebildet und arbeiten in der Schweiz als Ärzte, bei Banken, Versicherungen, als Uni-Professoren oder in der Beraterbranche.
    (Quelle: Manager-Magazin 5.1.07)

    Jetzt im Jahr 2010 sind es über 262.000 Deutsche. Wie die Zeit vergeht …

  • Mehrarbeit für die eidgenössischen Finanzbehörden
  • Verschwiegen wird hingegen, dass diese 166’146 Deutsche, die jetzt in der Schweiz registriert sind, auch einfach hier ihre Steuern bezahlen, und nicht dort wo sie herkommen, in ihrem Heimatland! Was für ein Aufwand, den die Schweizer Steuerbehörden da betreiben müssen! Das sind dann auch noch in den meisten Fällen Quellsteuern, die monatlich berechnet und eingezogen werden müssen. Nicht so wie bei den Schweizer Steuerzahlern, die ihre Steuern in der Regel nur einmal jährlich oder in 2-4 Teilzahlungen berappen.

  • Migros und Coop leergekauft
  • Doch damit nicht genug. Da nicht alle Deutschen in der Schweiz in Grenznähe wohnen, gibt es immer noch einen beachtlichen Anteil, der bei den Schweizer Detaillisten Migros oder Coop einkauft und der so die Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung noch schwieriger macht, womöglich sogar die Preise nach oben treibt. Denn wo mehr Nachfrage ist, da steigt der Preis, das weiss jeder Erstsemester-Student der Volkswirtschaft. An den „Nudeltagen“ in Kreuzlingen, wenn die Migros doppelte Cumuluspunkte für den Einkauf gutschreibt, soll es bereits zu Engpässen in der Pasta-Versorgung gekommen sein. Hier wird bald ein „Nudel-Vorkaufsrecht“ für Kunden mit dem roten Pass notwendig.

  • Wenn die Vignetten nicht mehr nur für Schweizer sind
  • Um sich rasch in und durch die Schweiz auf den Autobahnen bewegen zu dürfen, bedarf es bekanntlich einer Vignette. Bei dem Ansturm aus Deutschland ist auch hier zu befürchten, dass die Druckereien mit der Erstellung von Vignetten für die Schweizer nicht mehr nachkommen.

    Die Autobahnvignette wurde 1985 eingeführt. Der Preis belief sich von 1985–1994 auf 30 Fr. pro Jahr. Seit 1995 kostet die Autobahnvignette in der Schweiz 40 Franken. Der Preis in Deutschland beläuft sich seit dem 01.Dez.2006 auf 26,50 €. Der Gültigkeitszeitraum beträgt 14 Monate, jeweils vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres. (…)
    Wer abgabenpflichtige Autobahnen und Autostraßen in der Schweiz ohne gültige Vignette benutzt, muss mit einer Buße von 100 Franken und dem Preis einer Vignette rechnen.
    (Quelle: Wikipedia)

    Die Quelle enthält einen Fehler im letzten Satz. Nicht mit „Buße“ muss gerechnet werden, wenn man in der Schweiz ohne Vignette auf der Autobahn erwischt wird, sondern mit „Busse“. Denn in der Schweiz gilt der Merksatz: „Tut Busse und seid unfehlbar“ , sonst werden Sie „verzeigt“ und womöglich noch „einvernommen“. Als „fehlbarer Lenker“ kann das ohne kompetenten „Fürsprecher“ vor Gericht teuer werde.

  • Die Vignette bezahlt den Strassenbau
  • Während man in Deutschland Jahre brauchte, um ein viel zu teures und störanfälliges Hightech-Mautsystem zu etablieren, das nun kein weiteres Land der Welt zu brauchen scheint (denn als „Export-Schlager“ wurde es ursprünglich konzipiert), druckten die Schweizer seit 1985 einfach diese Vignetten. Und das rechnet sich:

    So werden zum Beispiel die jährlichen Kosten im Bereich Straßenbau und -Unterhalt (4,2 Milliarden Euro) mehr als vollständig durch die Einnahmen aus Steuern und Autobahnvignetten (4,9 Milliarden Euro) gedeckt.
    (Quelle: Spiegel-Online vom 5.1.07)

    In Deutschland müssen beim PKW-Verkehr nach wie vor die Kraftfahrzeug- und die Mineralölsteuer ausreichen, um den Strassenbau und -Unterhalt zu finanzieren. Nur leider tankt niemand freiwillig in Deutschland. Der Fernverkehr, der auf dem Weg von Skandinavien nach Sizilien durch Deutschland rollt, tankt dort, wo es am günstigsten ist. Diesel in Deutschland, Benzin in der Schweiz.

  • Der Verkehr kostet mehr als er bringt, und niemanden kümmert das in der Schweiz
  • Trotzdem ist der Verkehr, der durch die Schweiz fliesst, für das Land ein Verlustgeschäft:

    Eine jährliche gesamtvolkswirtschaftliche Wertschöpfung von 46 Milliarden Schweizer Franken (28,5 Milliarden Euro) (knapp 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts) steht einem Kostenblock von 65 Milliarden (40,3 Milliarden Euro) gegenüber. Mit anderen Worten: Der so oft als „Motor der Wirtschaft“ gepriesene Straßenverkehr ist in Wahrheit ein Verlustgeschäft – zumindest in der Schweiz.
    (Quelle: Spiegel-Online vom 5.1.07)

    Die Schweizer geben sich in ihr Schicksal und zahlen:

    Interessanterweise hat die Bekanntgabe des Defizits unter den Schweizer Bürgern keine Beunruhigung ausgelöst – eher im Gegenteil. Viele Experten von Umweltverbänden und wissenschaftlichen Instituten waren von deutlich höheren wirtschaftlichen Verlusten ausgegangen.
    (Quelle: Spiegel-Online vom 5.1.07)

    Vielleicht wird ja in Zukunft sogar Werbung in den Nachbarländern gemacht für eine Butterfahrt Tankfahrt in die Schweiz, um diese Defizite zu mindern? Käse, Schoggi, Gewürze, Uhren und Benzin. Jetzt lohnt sich der Ausflug zu den Eidgenossen! Reservekanister nicht vergessen einzupacken. Siehe auch: Was ist billig in der Schweiz?

    

    2 Responses to “Deutsche stürmen unsere Tankstelle — und kaufen einfach unser Benzin”

    1. Georges Says:

      Das erinnert mich an die Konflikte zwischen „Ostdeutschen“ und Polen: In der DDR ärgerte man sich über die Polen, die in den DDR-Kaufhäusern alles weggekauft haben, nach der Wende ärgerte man sich darüber, dass viele Ostedeutsche nach olen fuhren um dort billig einzukaufen, heute ärgert man sich darüber, dass die Polen in Deutschland viel zu billig arbeiten etc. etc.

    2. Archer Says:

      Natürlich ist so etwas wie die Unterhaltung eines relativ wenig befahrenen Straßennetzes in einem Nicht-EU-Transitland wie der Schweiz ein Minusgeschäft. Was durch Vignetten finanziert wird.

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