Do you speak Swiss? — Sendung auf 3SAT heute 8.10.07 um 21:00 Uhr

Oktober 8th, 2007
  • Sendung über die Vielsprachigkeit der Schweiz
  • Auf 3sat beginnt heute eine Themenwoche:
    Die viersprachige Schweiz
    Es sind sieben Sendungen zum Thema vom 8. bis 12.10.07. Heute Sendung heute um 21:00 Uhr heisst:
    Do you speak Swiss?

    Vier Landessprachen, unzählige Dialekte und dann noch das ungeliebte Englisch – manchmal verstehen die Schweizer sich selbst nicht. Zum Auftakt des 3sat-Themenschwerpunkts „Die viersprachige Schweiz“ berichtet die Dokumentation „Do you speak Swiss?“ von der Schweizer Sprachfront. Neben vier Spielfilmen zeigt 3sat zudem den Dokumentarfilm „ZwischenSprach“ von Samir, der sich um die „fünfte“ Landessprache – eben Englisch – dreht.

    Do you speak swiss?

    Begrüssung in der Schweiz (Teil 2) — Heu und Stroh, das macht uns froh

    Oktober 8th, 2007

    (reload vom 10.11.05)

  • Hoi kommt von A-Hoi
  • Bei unserem ersten Spaziergang durch Bülach wurden wir auf der Strasse freundlich mit „Grüezi“ begrüsst, die Kinder jedoch mit „Hoi„. Wir merkten: Die Schweizer sind ein Volk von verkappten Seeleuten. Nach den sensationellen Siegen im America’s Cup des Schweizer Team Alinghi träumen die Schweizer immer noch davon, ihre Gebirgsmarine auf allen Weltmeeren zum Einsatz zu bringen. Bis es dann endlich so weit ist, wird schon mal der zünftige Seefahrergruss „A-Hoi“ geübt, allerdings in der angepassten Alpenversion ohne „A„.

    Ich pflege diesen Gruss gern zu entgegnen mit „Getrocknetes Gras miteinander!“. Worauf mich die Schweizer dann schräg anschauen, und meinen, ich würde sie zu einer Runde Marihuana einladen. Weit gefehlt. Es ist einfach nur eine Umschreibung von Heu=Hoi.

  • Was für Tiere sind die Ramseyer?
  • Durch ein Schweizer Volkslied, das unsere Tochter aus der Schule heimbringt, lernen wir den echten Schwiizerdütschen Satz: „s’Ramseyer wei go grase“ und fragen uns in der Folge, welche merkwürdigen Tiere in den Alpen, die da auf den Berghängen und Almwiesen leben, sind wohl die „Ramseyer„? Mag es ein besondere Art von Steinbock sein? Oder eine Art Bergziege? Bis wir herausfinden: Gemeint ist die „Familie Ramseyer„, die zum Heu machen auf die Alm zieht. Später habe ich gelernt, dass das alles Quatsch ist. Die Ramseier gehen nicht grasen, sondern sie machen rote Ohren.

  • Beim Heuen kommt man sich näher
  • Wenn Schweizer in grosser Anzahl und in der Freizeit aufeinander treffen, denken sie gern an die Tage zurück, an denen sie gemeinsam im Sommer auf einer Alm das Heu eingeholt habe. Sie grüssen sich daher mit „Heu-z’amme„, oder kürzer „Hoi zäme“

  • Abschiednehmen in der Schweiz
  • Geht es dann nach einem gemütlichen Abend unter Schweizern schliesslich und endlich ans Abschiednehmen, kommt die Saaltochter oder Serviertochter oder Frau Oberin an den Tisch und möchte „einziehen“, dann pflegen die Schweizer diese Situation mit einem einfachen Gruss zu klären und beenden, wenn es ans Zahlen geht. Sie sagen einfach: „Zahl-i-z’amme„, um damit auszudrücken, dass alles zusammen gezahlt wird.

    Merke: Heu und Stroh, das macht uns froh!

    Begrüssung in der Schweiz — Wie outet man sich als Deutscher?

    Oktober 5th, 2007

    (reload vom 09.11.05)

  • Grüezi sagen beim Zeitungskauf
  • Ich stand in einer fremden Stadt in der Ostschweiz an einem Bahnhofskiosk, trug keinen Bundeswehrparka mit aufgenähter Deutschlandflagge, hatte keine Bildzeitung in der Hand, keine Pickelhaube auf dem Kopf, keinen Lodenmantel an und auch keinen Tirolerhut mit Gamsbart.

    Ich sagte einfach nur „Grüezi“ zu der Verkäuferin und händigte ihr die gewünschte Schweizer Zeitung aus. Ich schwöre, ich habe die Vokale Ü und E langsam und deutlich voneinander getrennt als Diphthonge ausgesprochen, auch die Sprachmelodie war dem schweizerischen Ausdruck angepasst. Dennoch wurde ich sofort erkannt und in perfektem Hochdeutsch bedient: „Darf es sonst noch etwas sein? Vielen Dank und Auf Wiedersehen„. Anschliessend sprach die gute Frau sofort auf Schweizerdeutsch mit dem nächsten Kunden weiter.

    Woran hatte sie mich erkannt? Gab es da noch ein Merkmal, das mir entgangen war? Frustriert beschloss ich, in Zukunft wieder meinen Norddeutschen Lieblingsgruss zu äussern: „Moin Moin„, wobei das erste „Moin“ so viel heisst wie „einen guten“ und das zweite „Moin“ dann für „Morgen“ steht.

  • Zur Begrüssung „Tschüss“ sagen
  • Die Basler, habe ich mir sagen lassen, sind bereits ziemlich von den Deutschen und ihren Unarten infiziert worden und werden deswegen von den restlichen Schweizern meist skeptisch beäugt. Dort in Basel erlebte ich, dass das norddeutsche „Tschüss„, welches bekanntlich eine Abkürzung und Variante des frommen Wunsches „Ad Deus“ = mit/zu Gott ist, auch zur Begrüssung verwendet wird. Ich vermute aber, da hat irgend jemand zu viel „Ciao“ zur Begrüssung und zum Abschied gesagt, und das dann auf das „Tschüss-Sagen“ übertragen. Warum auch nicht. Sagen wir uns zur Begrüssung einfach „Tschüss„, dann brauchen wir uns später nicht mehr umständlich zu verabschieden.

  • Wer Tschüss sagt, mit dem war man schon Pferde stehlen
  • Das ist, nebenbei bemerkt, der klassische „faux pas“, den man sich als Deutscher in der Schweiz leisten kann. Kunden oder Vorgesetzte bei der Verabschiedung, auch am Telefon, darf man nie mit „Tschüss“ verabschieden. Warum? Weil dies von den Schweizern als sehr persönliche Verabschiedung empfunden wird. Man sagt nur Tschüss zu jemanden, mit dem man schon mal Pferde stehlen war. Schweizer, die viel mit Norddeutschen zu tun haben, sind es allerdings langsam gewohnt, von denen mit dem kurzen und knappen „Tschüss“ verabschiedet zu werden, auch ohne immer erst ein Pferd zusammen zu stehlen. Soviel Pferde gäbe es in der ganzen Schweiz nicht, die wären dann alle schon gestohlen.

    Allfällige Umtriebe treiben uns um — Von Triebtätern, Triebwagen und Betreibungen

    Oktober 4th, 2007

    (reload vom 8.11.05)

  • Was treiben die Umtriebe
  • Triebe können so manches in Bewegung halten. Zum Beispiel einen Triebtäter. Auch der Triebwagen bei der Eisenbahn treibt so einiges vor sich her. „Treiben“ heisst auf Englisch übrigens „to drive„, darum ist „the driver“ = „der Treiber„, und wir müssen immer an den kleinen Kuhjungen (= cowboy) denken, der mit einer Weidenrute bewaffnet, die Kühe vor sich her auf die Weide „treibt„. Später sitzt er auf dem Kutschbock des Ochsenkarrens und treibt die Ochsen an, „he is driving„, und so wurde ein Fahrer draus.

  • Allfällige Umtriebe
  • In der Schweiz gibt es die Umtriebe. Die sind immer unangenehm, und für die muss man sich entschuldigen. Meistens in Kombination mit allfällig. „Allfällige Umtriebe“ findet sich bei Google 9.840 Mal.

    „Für allfällige Umtriebe bitten wir Sie um Entschuldigung“. So tönte (es tönen die Lieder…) es aus dem Lautsprecher der S-Bahnlinie 5, als im Oktober 2000 kurz vor dem Bahnhof Bülach die Strecke Zürich-Schaffhausen durch einen Erdrutsch unterbrochen war. Bauarbeiten an Bülachs neuem Postverteilzentrum genau neben den Bahndamm hatten den Erdrutsch ausgelöst. Die Schweizer sprachen dann vom „Unterbruch“ der Strecke, nicht von der Unterbrechung. Wir Deutsche denken bei „Unterbruch“ an den berühmten Professor Sauerbruch oder an „Schwangerschaftsunterbruch“. Vier Wochen lang mussten die Fahrgäste dieser Strecke die Unannehmlichkeit in Kauf nehmen und zwischen Niederglatt und Bülach auf Einsatzbusse (die ohne Strafzettel) ausweichen. Oh wie war das der SBB unangenehm, oh wie wurde sich da für die Umtriebe entschuldigt. Als die Strecke endlich wieder befahren werden konnte, gab es am Morgen Gipfeli und heissen Kaffee zum Mitnehmen für alle, umsonst und als Wiedergutmachung gedacht für das erlittene Ungemach.

    Verkehrsunterbrüche (ist das tatsächlich die Mehrzahl von „Unterbruch“, klingt ja wie „Einbrüche“) werden im Netz des Zürcher Verkehrsverbunds ZVV über Funk an alle Busse und Trams weitergegeben. So kann man im Bus von Oerlikon nach Wallisellen mithören, dass mal wieder am Bellevue ein Tram (die Strassenbahn ist sächlich in der Schweiz!) mit einem Auto einen Verkehrsunfall hat, genauer gesagt: „verunfallt ist„. Das passiert in Zürich fast täglich, denn die Trams fahren oberirdisch.

  • Warum fährt das Tram in Zürich nicht unter der Erde?
  • Hätte sie ja mal sollen, es gab diese Idee, doch dann hat man dazu das Volk, den Souverän, gefragt, und das Volk fand diese Idee nicht gut. Zu teuer und zu unbequem.

    2001 hat der Stadtrat eine neue Mobilitätsstrategie verabschiedet. Zentral ist das Wohl des langsamen Verkehrs – zu Fuss Gehende sollen wieder Teil des Verkehrs werden und nicht mehr wie in den 70er Jahren oft unter die Erde verbannt sein. (Quelle)

  • Und wie lief das im Ruhrgebiet?
  • Im Ruhrgebiet wurde in den 80er Jahren das Volk nicht gefragt, ob es damit einverstanden sei, die Strassenbahnlinien tief unter die Erde zu legen. Viele Jahre wurde gebuddelt und gegraben, für Millionen, die die Kommunen eigentlich gar nicht hatten. Nun kann man von Bochum nach Gelsenkirchen oder nach Wanne-Eickel weite Strecken unter der Erde fahren. Die wenigsten Menschen im Ruhrgebeit nutzen diese schnellen Verbindungen, sondern setzen sich lieber ans eigene Steuer um in einem Dschungel von Autobahnen, die den Kohlenpott von Ost nach West und von Nord nach Süd durchziehen, den Überlebenskampf aufzunehmen.

    Öffentliche Verkehrsmittel benutzen? Das ist etwas für Rentner, Schüler, Studenten und Minderbemittelte, die sich kein Auto leisten können. Das erste, was man in der Autometropole Essen sieht, wenn man den Bahnhof verlässt, ist eine Stadtautobahn. So müssen sich die Menschen in Los Angeles fühlen. Essen bekam 1991 vom ADFC, dem Fahrradclub Deutschlands, die Rostige Speiche verliehen für die fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands.

    Und in Zürich? Da verlassen Sie den Bahnhof um zur Fussgängerzone der Bahnhofsstrasse vorzudringen, doch eh Sie sich versehen, sind Sie schon von einem Tram überfahren worden, den die kommen hier von allen Seiten.
    Nun, es wäre ja auch möglich gewesen, unterirdisch durch die Shop Ville (wo ein Wille ist, ist auch ein Shop) zur Bahnhofsstrasse zu gelangen.

  • Wie soll man mit Umtrieben umgehen?
  • Am besten immer dafür entschuldigen, und zwar schon im Vorfeld, bevor sie überhaupt auftreten. So las ich in einer Einladung zu einer Hauseigentümerversammlung den Satz:

    „Sollte der Termin aus noch nicht bekannten Gründen nicht zustande kommen können, bitte wir Sie jetzt schon um Entschuldigung für die allfälligen Umtriebe…„

    Wohlgemerkt: Es war noch gar nichts Schlimmes passiert! Aber es hätte ja etwas passieren können.

    Neulich bei Postmail (Teil 2) — Rechtzeitig an Ostern denken!

    Oktober 3rd, 2007

    (reload vom 7.11.05)
    Screenshot Postmail:
    Postmail Erinnerungen

  • Achtung: Ostern ist nahe!
  • Dann bekam ich Post von Postmail am 7.10.2005

    Betreff: Ostermontag
    Guten Tag Jens-Rainer Wiese,
    http://www.postmail.ch möchte Sie an den folgenden Termin erinnern:
    ———————————————————–
    Termin: Ostermontag
    Am: 17.04.2006 00:00 Uhr
    Ort: Schweiz

    Das fand ich äusserst nett und zuvorkommend, dass ich schon im Oktober 2005 an Ostern 2006 erinnert wurde. Ich hätte wirklich mit dem Eier-Anmalen anfangen sollen, es war höchste Zeit. Und die Schokoladehasen schmeckten auch im Oktober viel frischer als im April 2006, als sie 6 Monate alt waren.

    Ich schrieb gleich an den Support, und fragte, warum der Termin so zeitig verkündet wurde.
    Die Antwort:

    Sehr geehrter Herr Wiese
    Besten Dank für Ihre Mitteilung. Gerne helfen wir Ihnen weiter. Dürfen wir Sie bitten uns Ihren Benutzernamen sowie Ihr Passwort mitzuteilen? Wir werden dies dann überprüfen und an die Technik weiterleiten. Für Ihr Feedback danken wir Ihnen im voraus und wünschen einen angenehmen Tag.
    Freundliche Grüsse
    Samia Houas

    Nun war ich beruhigt und hatte bestätigt bekommen: Die wissen mein Login und Passwort nicht! Die können also gar nicht an den Geburtstag und die geheime Adresse von Tante Hilda aus Braunschweig kommen, auch wenn sie es wollten! Hah, ich werde ihnen natürlich diese Daten nicht verraten. Und auch nicht, dass System-Administratoren immer gleich nach dem lieben Gott kommen und im Prinzip solche Daten auch einsehen oder wenigstens zurücksetzen könnten, wenn sie wollten. Mussten die ganz allein drauf kommen.

    Habe natürlich später, neugierig wie ich bin, selbst mal in meinem Postmail Organizer nachgeschaut, wie das mit den Termin-Erinnerungen dort geregelt wird.

    Alle Erinnerungen, chronologisch ab heute
    Name nächste Erinnerung Termin am Art Erinnerung Art
    Ostermontag 17.04.2006 einmalig 4602 Stunden vorher

    Ostermontag 09.04.2007 einmalig 422739 Stunden vorher

    Jetzt weiss ich: Auch zu Ostern 2008 wird es eine Erinnerung geben, und zwar 422.739 Stunden zuvor. Die Zeit läuft, Freunde! Unbarmherzig. Nichts wie los und Eier kaufen gehen.