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Begrüssung in der Schweiz (Teil 2) — Heu und Stroh, das macht uns froh

(reload vom 10.11.05)

  • Hoi kommt von A-Hoi
  • Bei unserem ersten Spaziergang durch Bülach wurden wir auf der Strasse freundlich mit „Grüezi“ begrüsst, die Kinder jedoch mit „Hoi„. Wir merkten: Die Schweizer sind ein Volk von verkappten Seeleuten. Nach den sensationellen Siegen im America’s Cup des Schweizer Team Alinghi träumen die Schweizer immer noch davon, ihre Gebirgsmarine auf allen Weltmeeren zum Einsatz zu bringen. Bis es dann endlich so weit ist, wird schon mal der zünftige Seefahrergruss „A-Hoi“ geübt, allerdings in der angepassten Alpenversion ohne „A„.

    Ich pflege diesen Gruss gern zu entgegnen mit „Getrocknetes Gras miteinander!“. Worauf mich die Schweizer dann schräg anschauen, und meinen, ich würde sie zu einer Runde Marihuana einladen. Weit gefehlt. Es ist einfach nur eine Umschreibung von Heu=Hoi.

  • Was für Tiere sind die Ramseyer?
  • Durch ein Schweizer Volkslied, das unsere Tochter aus der Schule heimbringt, lernen wir den echten Schwiizerdütschen Satz: „s’Ramseyer wei go grase“ und fragen uns in der Folge, welche merkwürdigen Tiere in den Alpen, die da auf den Berghängen und Almwiesen leben, sind wohl die „Ramseyer„? Mag es ein besondere Art von Steinbock sein? Oder eine Art Bergziege? Bis wir herausfinden: Gemeint ist die „Familie Ramseyer„, die zum Heu machen auf die Alm zieht. Später habe ich gelernt, dass das alles Quatsch ist. Die Ramseier gehen nicht grasen, sondern sie machen rote Ohren.

  • Beim Heuen kommt man sich näher
  • Wenn Schweizer in grosser Anzahl und in der Freizeit aufeinander treffen, denken sie gern an die Tage zurück, an denen sie gemeinsam im Sommer auf einer Alm das Heu eingeholt habe. Sie grüssen sich daher mit „Heu-z’amme„, oder kürzer „Hoi zäme

  • Abschiednehmen in der Schweiz
  • Geht es dann nach einem gemütlichen Abend unter Schweizern schliesslich und endlich ans Abschiednehmen, kommt die Saaltochter oder Serviertochter oder Frau Oberin an den Tisch und möchte „einziehen“, dann pflegen die Schweizer diese Situation mit einem einfachen Gruss zu klären und beenden, wenn es ans Zahlen geht. Sie sagen einfach: „Zahl-i-z’amme„, um damit auszudrücken, dass alles zusammen gezahlt wird.

    Merke: Heu und Stroh, das macht uns froh!

    

    8 Responses to “Begrüssung in der Schweiz (Teil 2) — Heu und Stroh, das macht uns froh”

    1. Thomas Says:

      mmh.. ich weiss nicht, ob dr „gümmlige bärg“ eine Alm ist…

    2. ch.atzefrey Says:

      „Alm“ – das gibts in der Schweiz ausschliesslich beim österreichischen Blööterliwasser „Almdudler“ – und das findet man nach einem kurzen Boom in den 90er-Jahren unterdessen auch kaum mehr.

      In den Schweizer Alpen heissen die Weidegründe für Sömmerungsvieh (ab ca. 1500 m ü.M.) noch immer „Alp“.

      Dort wachsen darum auch Alpenkräuter und Alpenblumen, dort wirkt der Alpöhi und trinkt vielleicht mal ab und zu einen Alpenbitter.

    3. Kaspar Says:

      Es gibt im Kanton Zürich ausserdem zwei Alpen, die noch tiefer liegen: http://www.alp-scheidegg.ch/ und einen „Alphof“ auf der Nordseite der Lägern (Gemeinde Schleinikon). Beides könnten auch einfach Flurnamen sein, die die „Flachland“-Bevölkerung den Hügeln gegeben hat.

    4. Bac Says:

      @Thomas

      Der Berg heiss richtig „Gümligenberg“, und ist defintiv keine Alm!
      (hat ja auch nur eine Höhe von ca 750m ü. M. …)

      und für alle Schweizer dies interessiert: die Familie Ramseyer lebt wirklich auf dem Gümligenberg!

      Gruss aus Gümligen
      Bac

    5. samarla Says:

      apropos verabschieden, was mir auch immer wieder auffällt: einmal ciao sagen reicht nicht. nein, man sagt „ciao, ciaociao, ciahao, ciaociao, ciao. ciao.“ will man sicher gehen, dass der/die andere wirklich und ganz sicher geht oder auflegt? denkt man, der/die andere sei schwerhörig? stottern?

      [Anmerkung Admin: Was Du das sehr schön beobachtest hast, ist das typisch schweizerische „Langsame, verzögerte Herausgehen aus einer Kommunikation“, verzögert, nicht abrupt und mit einem radikalen Tschüss wie in Deutschland üblich.]

    6. lapsus4711 Says:

      @Tellerrand
      Die Sprachgrenzen sind nur für die Denkfaulen hermetisch. Man soll eine Fremdsprache benutzen, auch wenn man sie nicht perfekt beherrscht.
      Bis zur Matura lernte ich 9 Jahre Französisch und Latein und je 3 Jahre Italienisch und Englisch. Ich lebe seit 20 Jahren im Tessin, und das Italienisch ist für mich halt leider Gottes immer noch eine Fremdsprache, inzwischen die erste allerdings.
      Gruss ww

    7. Thomas Says:

      @Bac: war ja auch nur ironisch gemeint. Item, das Ding heisst ‚Gümligeberg‘, ohne ’n‘, oder? Wie stehts auf der Wanderwegplatte?
      Gruss nach Gümligen.

    8. Alettoria Says:

      Hier in der Ostschweiz gibt es eine versprengte Insel jenseits des Rheins (was ja der guten Ordnung halber zu Österreich gehören würde, wie alles, jenseits des Flusses), auf der sich das Örtchen Diepoldsau befindet. Dieser ort hat die seltsame Angewohnheit, statt „Hoi“ „Hopp“ zu sagen. Was wohl den Niederschlag im nationalen „Hopp Schwiiz“ gefunden hat. Als ich das erste Mal von einem Diepoldsauer so begrüsst wurde, musste ich an mich halten, um ihm nicht „übers Maul zu fahren“ (verbal, natürlich) – sonst werden ja Deutsche schief angeguckt, weil sie so schnell und effizient sind und nun muss ich auch noch zur Eile gedrängt werden von einem Schweizer?!? Pfffff!!! 😉

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