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Mit dem Kopftuch in Zürich unterwegs — Nicole antwortet

  • Keine Langfassung aber eine Stellungnahme
  • Ich hatte Nicole gefragt, ob sie aus dem Material, das sie bei der Recherche zum Kopftuch-Artikel gesammelt hatte, nicht eine Langfassung für die Blogwiese erstellen könnte. Für diejenigen, die den Artikel im Tagesanzeiger verpasst haben, hier eine PDF-Version. Da Nicole die Geschichte des Versuchs nicht noch einmal erzählen wollte, nimmt sie stattdessen die Gelegenheit war, zu den vielen Leserbriefen im Tagi und Reaktionen auf der Blogwiese Stellung zu beziehen:

  • Nicole antwortet
  • Liebe Blogwiese- und Tagi-Leser!

    Ich möchte die Gelegenheit, die Jens Wiese mir freundlicherweise bietet, nützen, zu Euren kritischen Anmerkungen Stellung zu nehmen. Folgende Punkte sind am heftigsten und am häufigsten kritisiert worden:

  • Punkt 1:
  • Der Artikel sei generalisierend – vom Verhalten einiger weniger Leute würde auf die Einstellung einer ganzen Bevölkerungsgruppe geschlossen.
    Am häufigsten war der Vorwurf, ich würde alle Schweizer pauschal der Fremdenfeindlichkeit bezichtigen (Jonas Ruf, TA-Leserbrief; Christian Coradi, TA-Leserbrief u.a.), es wurde aber auch spezifisch darauf hingewiesen, dass nun alle Uni-Beamten (Brun(o)egg, Blogwiese) und alle Migros-Kassiererinnen als Rassisten gelten würden. Es wurde in diesem Zusammenhang auch angemerkt, dass das Experiment wegen der zu kleinen Stichprobenmenge nicht repräsentativ und deshalb sozialwissenschaftlich unbrauchbar sei (Christian Coradi, TA-Leserbrief). Wenn ich ein solches Experient ernsthaft durchführen wolle, müsse ich das Ganze statistisch aufbauen und Zahlen liefern (Walter Kaufmann, TA-Leserbrief).

  • Punkt 2
  • Ich wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass nicht die Schweizer sich den Ausländern gegenüber falsch oder unhöflich oder überheblich oder sogar bösartig verhielten, sondern dass umgekehrt den Ausländer genau dies vorzuwerfen sei – sowohl Schweizern als auch anderen Ausländern gegenüber. Somit seien sie die eigentlich Fremdenfeindlichen (Nica Plüss, TA-Leserbrief).

  • Punkt 3
  • Eigentlich keine Kritik, sondern eine Unterstellung: Die ganze Geschichte sei in sich nicht stimmig und wohl gar nicht wahr, sondern „getürkt“ (neuromat, Blogwiese; Tellerrand, Blogwiese) – das Wortspiel ist immerhin gelungen!

  • Zuerst zu Punkt 1:
  • Die Implikation, von den drei beschriebenen Erlebnisse auf die ganze Schweizer Bevölkerung oder zumindest auf alle Beamten und Kassiererinnen zu schliessen, stammt nicht von mir und geht meiner Meinung nach auch in keinster Weise aus meinem Artikel hervor. Sollte dieser dies wirklich implizieren, möchte ich mich dafür in aller Form entschuldigen.

    Natürlich habe ich dieses Experiment nicht nur eine halbe Stunde lang durchgeführt, sondern über anderthalb Jahre hinweg immer wieder. Natürlich habe ich für diesen Artikel aus unzähligen Beispielen drei ausgewählt. Natürlich haben sich die meisten Leute, die ich angetroffen habe, neutral verhalten. Wie interessant und aufschlussreich wäre aber ein Artikel, der so beginnen würde: Ich ging in die Migros. Im Eingangsfoyer waren etwa fünfzig Menschen. Fünf davon schauten mich ganz normal an, als ich an ihnen vorüber ging. Die anderen fünfundvierzig reagierten nicht. Als ich mich an der Kasse anstellte, sagte sowohl der Kunde vor mir als auch der Kunde hinter mir nichts. Dann müsste man ja, wenn man beispielsweise über einen Ausländer berichtet, der irgend etwas verbrochen hat, auch mit dazu schreiben: Die restlichen 110’959 Einwohner der Stadt Zürich ohne Schweizer Pass haben sich gestern nichts zu Schulden kommen lassen. Das ist nun einmal nicht üblich. Über das Nicht-Ereignis, über neutrales Verhalten wird nicht berichtet.

    Und natürlich war die Prozentzahl der Menschen, die sich mir gegenüber neutral verhalten haben, sehr hoch. Aber, und das ist mein zentrales Anliegen, es gab eben auch immer (und das heisst wirklich: jedes Mal, wenn ich das Experiment gemacht habe) Reaktionen, wie ich sie im Artikel beschrieben habe – an dieser Stelle kurz zu Punkt 3: Ich kann es niemandem beweisen, aber getürkt ist nichts. Und die Tatsache, dass diese Reaktionen vorkommen, ob nun ein Mal pro Tag, ein Mal pro Woche oder ein Mal pro Monat, finde ich doch immerhin erwähnens- und beschreibenswert. Ich weiss, Günter Wallraff hat das alles schon vor 20 Jahren beschrieben und bewiesen (Hat man ihm eigentlich geglaubt? Hat er ein sozialwissenschaftlich-statistisch korrektes Experiment durchgeführt, hat er Zahlen geliefert? Hat ihn niemand verdächtigt, dass alles nur getürkt war?), ich weiss, es ist bekannt, dass es „in keinem Land der Erde lustig [ist], Ausländer zu sein“ (Tellerrand, Blogwiese), aber ist es deshalb wirklich berechtigt, zu sagen: Wir wissen das alles doch schon längst, also ist es sinnlos und redundant, darüber noch weiter zu sprechen?

    Ich finde ganz entschieden, es ist von grösster Wichtigkeit, gerade mit diesem Wissen nicht aufzuhören, darüber zu sprechen. Und mal ganz ehrlich: Wenn man einen sozialwissenschaftlich korrekten Weg fände, ein Experiment wie dieses zu verarbeiten, und als Ergebnis präsentieren würde: xx% der Schweizer verhalten sich Ausländern gegenüber anders als Schweizern gegenüber, schön illustriert mit einem zweifarbigem Kuchendiagramm, wer hätte dafür mehr als ein resignierendes Schulterzucken übrig? Würde diese Statistik viele Leute zum Nachdenken anregen? –

    Und um nun alle Fragen nach dem Sinn meines Artikels zu beantworten: Genau darum ging es mir, und nur darum – zum Nachdenken anzuregen, zu einer gewissen Selbstreflexion. Und um dieses Ziel zu erreichen, sind Beispielgeschichten meiner Meinung nach weitaus illustrativer als das schönste, korrekteste Kuchendiagramm. Statt illustrativ, wie ich es nenne, wurde der Artikel selbstverständlich auch als plakativ und provokant, als „Stimmungsmache“ und „Benzin ins Feuer“ (Johann Schällibaum, TA-Leserbrief) bezeichnet, aber das ist eigentlich nur ein Streit um Worte. Tatsache ist, dass ich mein Ziel erreicht habe – was verheissen denn die vielen Reaktionen anderes als dass sich die Leserschaft Gedanken über das angesprochene Thema gemacht hat? Viele Vorwürfe und Lobsprüche (ja, die hat es auch gegeben!) lassen sich auf Fragen wie diese zurückführen: Verhalte ich mich Ausländern gegenüber ähnlich wie die Protagonisten in den Beispielgeschichten? Verhält sich die Mehrheit der Schweizer (die Mehrheit der Beamten, die Mehrheit der Kassiererinnen) so? Hat dieses Verhalten eine gewisse Berechtigung? etc.

  • Ergo: Vielen Dank für Eure Reflexionen!
  • Bei manchen haben diese sogar noch ein wenig Selbstkritik bzw. Selbsterforschung beinhaltet – ist es denn so verkehrt und so abwägig, sich einmal zu überlegen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält und sich darüber bewusst zu werden, warum man sich so verhält? Ist es denn gar nicht erschreckend, dass man sich manchmal von unbewussten Schlussfolgerungen beeinflussen lässt, die, wenn man einmal gezwungen würde, sie explizit auszuformulieren, gar nicht dem entsprächen, was man spontan als seine Meinung bezeichnen würde? – Ich möchte niemandem unterstellen, dass ich seine unbewussten Schlussfolgerungen durchschaue – ich habe, ganz geisteswissenschaftlich, eine These formuliert (kommen die Sozialwissenschaften ohne aus?).

    Nun noch etwas zu den Begrifflichkeiten: Ich habe weder den Begriff „Rassismus“ noch den Begriff „Political Correctness“ verwendet, wurde aber in der Kritik ständig mit ihnen konfrontiert. Wenn man noch einmal ganz ehrlich darüber nachdenkt, sind Kommentare wie

    * „N.M. spricht es zwar nicht explizit aus, doch impliziert sie es: Die Schweizer sind fremdenfeindlich.“ (Christian Coradi, TA-Leserbrief),

    * „Auch der Begriff Rassismus geht mir hier zu weit.“ (neuromat, Blogwiese),

    * „ […] dann kann sie es dann doch wieder nicht lassen, den Vorwurf der bewussten Diskriminierung oder gar Rassismus in den Raum zu stellen.“ (giacometti, Blogwiese),

    * „Ich kanns nicht mehr hören die PC und Rassismussprüche bei allem was nicht gerade comme il faut läuft!“ (Brun(o)egg, Blogwiese) in Bezug auf meinen Artikel nicht doch etwas übertrieben?

    Ich unterstelle niemanden, und schon gar nicht der gesamten Schweizer Bevölkerung, rassistisches Verhalten, nur weitgehend unbewusste Mechanismen, die dazu führen, dass man sich manchmal anders verhält. (Und dies ist doch sehr vorsichtig ausgedrückt: Schlimmer wäre es, wenn ich diese Mechanismen als bewusst betrachten würde!) – „Anders“ heisst übrigens nicht immer bösartig – ich habe eigentlich geglaubt, gerade am Beispiel der Kassiererin gezeigt zu haben, wie sich Leute manchmal bereitwilliger, zuvorkommender, bemühter verhalten als normal und als nötig wäre. Es stellt sich natürlich die Frage, ob das überhaupt zu kritisieren ist, aber meiner Meinung nach kritisiere ich nicht einmal, sondern stelle nur fest – und stelle fest aus einer ungewöhnlichen Perspektive, aus der man erst begreift, dass manchmal eben auch ein solches übertrieben zuvorkommendes Verhalten verletzend sein kann, weil man dadurch immer wieder an seine Andersartigkeit erinnert wird.

    Nicht über Extrembeispiele wie das geforderte Minarettverbot oder eine abgebrannte Synagoge wollte ich berichten, sondern ganz im Gegenteil über die kleinen, subtilen Erlebnisse im Alltag einer Fremden, die diese nämlich in ihrem kulturellen Selbstverständnis und in ihrem Integrationsprozess mindestens so beeinträchtigen wie gross angelegte politische Initiativen und Gesetzesänderungen.

  • Zu Punkt 2:
  • Mein Artikel war der Versuch, in dieser ganzen Ausländer-Debatte (gut, dieses Wort ist nun wirklich undiffernziert) ein Mal eine andere Perspektive einzunehmen. Es wird so viel über das missliche Verhalten von Ausländern geschrieben, und ich möchte den Grad der Pauschalisierung, den mein Artikel gegen meine Absicht zu enthalten scheint, nicht mit der expliziten Pauschalisierung vergleichen, der von gewissen Parteien und von gewissen Medien in diesem Zusammenhang praktisch tagtäglich praktiziert wird. Es ist schon interessant, was für ein Aufschrei durch die Leserschaft geht, wenn ein Thema, zu dem alle eine Meinung zu haben scheinen, einmal von einer etwas anderen Seite beleuchtet wird. Auch in diesem Punkt scheint mein Artikel etwas zu implizieren, was ich nicht im Geringsten beabsichtigt habe: Ich habe doch mit keinem Wort bestritten, dass es durchaus auch Ausländer gibt, die sich ganz eindeutig unangemessen bis vermessen verhalten. Aber darüber wird so viel und so häufig berichtet, dass, mit Verlaub, ein weiterer Artikel mit dieser Aussage schon eher redundant wäre als ein Artikel, der mit einem anderen Blickwinkel offensichtlich etwas Schwung in die einseitig gewordene Debatte bringt.

    Mir ist im Übrigen klar, dass ich gemessen an der Subtilität der Ereignisse, die ich beschreibe, eine sehr starke, durchaus auch provokante Sprache gewählt habe. Auch dies soll gewissermassen die Tatsache repräsentieren, wie grosse Auswirkungen kleine Bemerkungen bei den Betroffenen haben können – auch wenn ein blöder Spruch vielleicht nur achtlos hingeworfen wird, nimmt ihn der oder die Angesprochene oft doch sehr ernst. Auch darüber sollte man meiner Meinung nach nachdenken.

  • Zu Punkt 3:
  • Es ist schon erstaunlich, dass sogar bei diesen relativ harmlosen Geschichten Zweifel an deren Wahrheit aufkommen. Ich bin von mehreren Lesern darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie – als Ausländer – oft viel Schlimmeres erleben und deshalb meine Erlebnisse den Sachverhalt im Grunde fast verharmlosen. Ich habe aber ganz bewusst nicht über Extrembeispiele berichtet, weil ich eben gerade keine „Stimmungsmache“ zelebrieren, sondern eher auf gewisse subtilere alltägliche Situationen hinweisen wollte. Wenn mir nun sogar auf Grund dieser vergleichsweise harmlosen Beispiele genau dieser Wille zur Stimmungsmache und Provokation vorgeworfen und bereits diese Geschichten offensichtlich als unglaubwürdig betrachtet werden, frage ich mich schon, ob der Vorwurf, ich hätte alles nur „getürkt“, nicht einem radikalen Augenverschliessen vor Tatsachen gleichkommt.

    Die kritische Beurteilung von Medienberichten in allen Ehren – aber findet diese auch statt, wenn über das Fehlverhalten von Ausländern berichtet wird, oder zweifelt man den Wahrheitsgehalt eines Berichts nur dann an, wenn man die Meinung des Autors nicht teilt, wenn man an den Inhalt seines Berichts nicht glauben will, wenn er nicht dem Weltbild entspricht, das man gerne hätte, wenn man sich auf irgend eine Weise selbst angegriffen fühlt?

    Nun möchte ich noch auf zwei Einzelkommentare aus der Blogwiese eingehen:

    @ giacometti, Blogwiese: Ist interessant, aber ein wenig widersprüchlich. Zuerst erklärt sie das Verhalten der Frau mit unbewussten, kulturellen Kodizes – dann kann sie es dann doch wieder nicht lassen, den Vorwurf der bewussten Diskriminierung oder gar Rassismus in den Raum zu stellen. Ja, was denn nun?
    Erstens, wie gesagt, spreche ich weder von Diskriminierung noch von Rassismus, vor allem nicht von bewusstem. Ausserdem sehe ich keinen Widerspruch: Meine These lautet: Die Frau empfindet den kurdischen Studenten durch unbewusste Schlussfolgerungen als unhöflich, weil er sprachliche Codices aus Unkenntnis nicht einhält und verhält sich deshalb (sachlich!) ablehnend. Möglicherweise stellen ähnliche Schlussfolgerungen auch die Grundlage für wirklichen Rassismus dar – ich bin überzeugt, dass dieser oft gerade nicht bewusst-rational begründet (und deshalb vermeidbar) ist.

    @ Brun(o)egg: Wieso hat die Dame nicht gleich von Anfang an selbst für ihren Begleiter gefragt? Sie kennt ja die Codizes und wusste um seine Sprachschwäche!? Gings einfach wieder einmal um Provokation, um den Beweis wie rasisstisch wir doch alle sind.
    In diesem Zusammenhang hat bereits Lieschen Müller (Blogwiese) eine Antwort geliefert:
    Es hilft in vielen Situationen des Lebens ungemein, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Mal ganz abgesehen von dem unterschiedlichen Rollenverständnis von Mann und Frau, das dieser Mann aufgrund seiner Herkunft vermutlich haben wird, er würde sicher ganz gerne alles selber hinbekommen und es gar nicht schätzen, wenn ihm ständig jemand anbietet, es für ihn zu erledigen, bevor er es versucht hat. Mir ginge es jedenfalls genauso.

    Ich möchte hinzufügen: Es geht hier nicht einmal um Männer- und Frauen-Rollen (auch ein kleines unbewusstes Vorurteil?). Brun(o)egg schlägt genau das Verhalten vor, dass ich in meinem Artikel kritisiere. Wenn ein Ausländer so gut Deutsch kann, dass die Verständigung normalerweise reibungslos abläuft, wäre es doch unerhört, wenn ich ihn derart bevormunden und einfach für ihn sprechen würde. Es würde doch genau wieder implizieren, dass ich seinen sprachlichen oder intellektuellen Fähigkeiten nicht traue. „Ich mach das schon.“ heisst manchmal eben auch „Du kannst das nicht.“

    Ich hoffe, ich konnte mit dieser Stellungnahme meinen Standpunkt noch einmal besser erklären, als das vielleicht im Artikel gelungen ist. Nicht, dass ich das Gefühl hätte, irgend jemand würde nun seine Meinung ändern, sondern mehr um zu zeigen: Die Autorin ist nicht tot, sie liest Eure Kommentare und macht sich weiterhin Ihre Gedanken. Die Illusion von neuromat (Blogwiese) („Und Nicole, die läuft morgen den ganzen Tag im Top und im Minirock durch Diyabakir und wir werden sie nie wieder sehen.“) bewahrheitet sich also nicht ganz.

    Es grüsst herzlich
    Nicole

    

    21 Responses to “Mit dem Kopftuch in Zürich unterwegs — Nicole antwortet”

    1. neuromat Says:

      Zunächst einmal: Warum bewahrheitet sich neuromats Illusion nicht „ganz“. Flug schon gebucht? Ich fange aus dem Grunde so ein wenig flapsig an, da es mir notwendig erscheint, gleich etwas ernster zu werden.
      1.
      Du sprichst von einem Experiment, und ich nehme an, der Begriff geht über seine lateinische Bedeutung „Erprobung“ hinaus; denn Du erwähnst zum Beispiel die Menge der Stichproben. Ein Experiment ist dann eine methodisch-planmässige Herbeiführung von meist variablen Umständen zu deren Beobachtung, welche wieder unter definierten Methoden stattfindet. Es reicht nicht aus, dass Du dieses „Experiment“ anderthalb Jahre durchgeführt hast, um ernst genommen zu werden, musst Du Deine qualitativen und quantitativen Methoden möglichst prozessbezogen zur Orientierung darlegen. Du betonst sogar besonders, dass Dir quantitative Ergebnisse nicht gleich wichtig seien, wie die qualitativen. Qualitative Forschung beinhaltet ein besonders spezifisches Verständnis des Verhältnisses von Gegenstand und Methode. Ansonsten ist Deine Arbeit nichts wert.
      Du springst dann selbst zu Punkt 3. Das ist eben die Verknüpfung. Du verzichtest auf eine nachvollziehbare Darlegung und wunderst Dich, dass Deine Ergebnisse angezweifelt werden. Andererseits könnte von einigen bereits der experimentelle Charakter dieser „ganzen einzelnen Uebungen“ als getuerkt aufgefasst werden. Woher dieser Begriff stammt, bleibt zwar etymologisch unklar. Getuerkt bedeutet jedoch nicht unbedingt erfunden oder ausgedacht, sondern eher etwas wie nachgestellt.
      Ich erspare es mir, auf Deinen unangemessenen Vergleich mit Günter Wallraff einzugehen.
      Den Rassismusbegriff hat, soweit ich die Situation überblicke, auf der blogwiese vor allem Herr Wiese hineingebracht. Das solltest Du vielleicht bei Deinem Dank in Erwägung ziehen. Manchmal ist es nicht schlecht, seine Texte gegenseitig nochmals zu lesen. Wie Du mich schon ganz richtig zitierst: mir geht in diesem Zusammenhang der Begriff Rassismus nämlich zu weit. Ich sage also nichts anderes, wie eine Nicole Maron, nämlich, dass ich den Begriff in diesem Zusammenhang übertrieben finde. Nochmals hineingebracht hat ihn auf der blogwiese Herr Wiese. Das ist jetzt zumindest bezogen auf meinen Kommentar peinlich. Es erweckt den sicherlich nicht zutreffenden Eindruck, es könnte da nämlich an gewissen Fähigkeiten des Verständnisses mangeln. Die Sache mit Herrn Wiese überlasse ich Euch.
      2.
      „Mein Artikel war der Versuch, in dieser ganzen Ausländer-Debatte ein Mal eine andere Perspektive einzunehmen.“ Das ist richtig. Es ist auch so wie es sich bis jetzt darstellt beim Versuch geblieben. Allein, die Versuchsanordnungen bleiben uns unbekannt. Die Perspektive ist eine subjektive. Dies bedingt das, was Bias genannt wird. Das ist eigentlich schade. Mir missfällt jedoch bereits diese Anordnung. Was muss eigentlich in einem Land noch versucht werden, in welchem seit etwa einem halben Jahr von Seiten der Medien, ein Nachbarland derart öffentlich attackiert wird. Der Versuch einmal ein Fussballtrikot der Deutschen Damen-Nationalmannschaft zu tragen, hätte sicherlich auch einige sehr interessante Aufschlüsse gegeben – gerne kann ich Dir auf Wunsch (Grössenangabe) eines zukommen lassen; anbei die Liste der vorgeschlagenen Einsatzorte. Wir können auch ganz einfach mal gemeinsam „einen Trinken gehen“, Bedingung, den ganzen Abend wird „perfekt hochdeutsch“ gesprochen, nicht mit dieser „diskriminierenden“ Betonung, die merkwürdigerweise in alten Schweizer Wochenschauen wie auch bei vielen Kindern noch nicht vorhanden war und ist. Ich will damit sagen, Du bewegst Dich in einem harmlosen Terrain. Du berichtest dann tatsächlich belanglose, niedliche Geschichten, über die im Grunde keine Aufregung lohnt. Die Aufregung bringst Du selbst rein, durch Deine „Auswertung“, wobei uns Dein Weg der Kodierung und Kategorisierung und das Vorgehen der sequentiellen Analyse wieder verschlossen bleibt. Und wieder ist es ein methodischer Fehler, der Deine „Ergebnisse“ im Hinblick auf deren Validität, Reliabilität und Triangulation, wertlos macht. Schlicht gesagt: Du gibst einige provokante Erklärungen ab, und hältst den Aufschrei, den Du erzeugst für den Beweis deren Richtigkeit.
      3.
      Du fragst Dich schon, ob der Vorwurf, Du hättest „alles nur getürkt“, nicht einem radikalen Augenverschliessen vor Tatsachen gleichkommt. Du schreibst selbst, dieser Vorwurf sei im Prinzip keine ernst zu nehmende Kritik, sondern eine Unterstellung. Und Du reagierst: Mit einer Unterstellung. Stell Dir einmal vor, oder versetzt einmal in meine Lage: Dann wird Dir als Ausländer unterstellt, dass Du die Augen verschliesst vor den Tatsachen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in der Schweiz, oder wovor sonst verschliessen wir da die Augen. Das ist nach meinem Empfinden die gleiche Form der persönliche Beleidigung, wie sie von einer Reihe ehrbarer Schweizer Bürger ausgesprochen wird und nahezu unkommentiert öffentlich gemacht wird (arrogant, arrogant)
      In diesem Zusammenhang kommst Du durch das Herausgreifen zweier Zitate nochmals auf den Begriff Rassismus zu sprechen und verwendest hier Begriffe aus der Psychoanalyse, nämlich „unbewusst“ und „bewusst“, ohne dass ich weiss, ob hier ein entsprechend psychoanalytisches Verständnis vorliegt.

      Rassismus ist nicht unbewusst. Die von jedem wahrgenommene Ablehnung des allgemein Unbekannten ist wohl tatsächlich neurobiologisch. Hier muss ich mich mit Ausführungen zurückhalten. Diese Überlegenheit auszunutzen wäre nicht fair. Aber Rassismus nimmt dieses Unbehagen und setzt es gezielt und bewusst gegen eine Rasse oder ein Volk ein. Rassismus ist wirklich nicht so ein belangloses Ereignis an einem Schalter. Rassismus ist: „Wieviel Deutsche verträgt die Schweiz“. Rassismus ist: „Gott sei Dank nicht Deutschland!“ Im Übrigen gleichzeitig mit Blasphemie. Rassismus ist Deutsche öffentlich und wiederholt, klischeehaft zu beschimpfen, ohne sich davon zu distanzieren. Rassismus ist, dass bis heute hierfür nicht eine akzeptable Entschuldigung geäussert wurde.

      Vielleicht muss ich ja doch noch zu Herrn Aeschbacher, gemeinsam mit Dir, und wir diskutieren das dort. Ich könnte dann das Trikot mitbringen.
      Vieles habe ich nicht geschrieben, meine eigenen Erfahrungen mit Kurden bei früherer pro kurdischer Einstellung (Vur guerilla vur, kudistan ekur – Du kannst Deinen Freund fragen, was das heisst – für die Verfassungsschützer in Deutschland: Natürlich distanziere ich mich von dieser PKK-Parole), meine Zeit für ein ¾ Jahr auf einer griechischen Insel – da lernt man richtigen Fremdenhass kennen… na ja, das interessiert ja auch keinen Tagi

    2. Tellerrand Says:

      @ Nicole Maron

      Was Sie als eine Unterstellung meinerseits bezeichnen, ist darauf zurückzuführen, dass ich nicht den ganzen ganzen Artikel, sondern nur das Zitat desselben auf der Blogwiese gelesen hatte und da ist von den Problemen bei der Einschreibung keine Rede, da das Zitat erst mit dem nächsten Satz beginnt.

      Im weiteren wundern mich die Ergebnisse Ihrer Untersuchung nicht, da ich selbst seit nunmehr acht Jahren den Feldversuch „Ganz offen als Deutscher unterwegs in der Schweiz“ am Laufen habe. Mein Kopftuch ist die Sprache und da rutscht einem schon mal ein „getürkt“ raus, wenn einem etwas spanisch vorkommt.

      Ihr Versuch, die latente und offene Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz öffentlich zu machen in allen Ehren. Ich wage jedoch zu bezweifeln, dass Sie auf dem gewählten Weg eine Verbesserung der Situation erreichen. Glauben Sie mir, dass ich das als durchaus Betroffener bedaure.

    3. widi Says:

      Hmm, warum schlagen eigentlich die Wellen so hoch? Nicole hat ein Experiment gemacht – nie den Anspruch erhoben, dies sei wissenschaftlich, nie verneint, dass es sich dabei um eine subjektive Erfahrung handelt – und es wird verdiskutiert wie weiss ich nicht was.

      Ich denke, die subjektive Erfahrung dass in der Schweiz recht häufig eine regelrechte Hetzjagd auf Nicht-Schweizer gemacht wird von vielen hier geteilt.

      Da kommt nun Nicole Maren und erzählt mal eine etwas andere Sichtweise, als sie immer von den mit viel Geld gesponserten auf riesigen in der ganzen Schweiz verteilten Plakaten vertreten wird, und es wird gezetert und verurteilt und verdiskutiert und so weiter.

      Offensichtlich bedarf dieser Text/Erfahrungsbericht einer Gebrauchsanleitung. Ich erlaube mir, eine solche zu erstellen, ohne Anspruch auf Richtigkeit, sondern als Diskussionsansatz – lasse mich von Nicole gerne korrigieren 🙂
      1. Artikel lesen
      2. überlegen: „Wo habe ich sowas auch schon gesehen/erlebt“
      3. überlegen: „Habe ich auch schon so gehandelt?“
      4. weiter überlegen: „Warum? Ist das korrekt? Entspricht das meinen eigenen Moral-/Ethik-Vorstellungen? Handle ich so, wie ich es eigentlich richtig fände?“

      Soweit denke ich sollte jeder in der Lage sein. Kostet sicher nicht viel Zeit – Kommt ein wenig darauf an, wie tiefgreifend man sich damit befassen möchte. Je nach Resultat bis Schritt 4 könnte es noch weitergehen:
      5. Nochmals überlegen: „könnte ich bei mir selber etwas ändern? Was?“
      6. Schritt 5 in die Tat umsetzen

      So, dazu befarf es keiner wissenschaftlichen Vertiefung und 25-jährigen Studie, begleitet von einem Professor und so weiter…

      Ich finde das Experimen intressant und bedenkenswürdig…

      Gruss
      Widi

    4. Simone Says:

      Liebe Nicole,

      es sind die alltäglichen Situationen, in denen wir unser gewohntes Verhalten hinterfragen müssen. Sie haben mir einen Denkanstoss gegeben. Vielen Dank dafür! Seit ich in der Schweiz lebe, versuche ich, mein eigenes Verhalten anderen Nationalitäten gegenüber zu ändern, auch wenn es sicher nicht in irgendeine Weise extrem war. Mein Umzug hierher hat mir einen Spiegel vorgehalten. So etwas braucht man manchmal.

    5. Claudia Says:

      Ich finde den Artikel und das Experiment ebenfalls interessant, doch meiner Meinung nach bringt das Ganze nicht wirklich neue Erkenntnisse. Wie schon jemand in der ersten Diskussion zu diesem Thema geschrieben hat: Jeder hat es als Ausländer in einem fremden Land nicht leicht. Dies liegt aber nicht unbedingt am fremden Aussehen oder einem fremden Akzent, sondern oft auch an den kleinen kulturellen Unterschieden, die den betroffenen Parteien oft gar nicht bewusst sind. Linguisten beschäftigen sich ausführlich mit diesem Phänomen und es existiert ein sehr aufschlussreiches Video aus England, welches genau diese Schwierigkeiten aufzeigt („Crosstalk“ von John Gumperz, Celia Roberts und T.C. Jupp; 1979). In dem Video führt eine Gruppe von Engländern ein Bewerbungsgespräch mit einem Mann indischer Abstammung und für ihn läuft so ziemlich alles schief, weil er Konventionen nicht beachtet, die für uns ganz selbstverständlich sind. So erwähnt er zum Beispiel die relevanten Informationen auf eine Frage immer erst zum Schluss seiner Antwort, wir würden aber genau diese ganz zu Beginn geben, usw. Wer also Zeit und Lust hat: das Video lohnt sich wirklich. Was nämlich dort in für uns offensichtlichen Ausmassen geschieht, passiert uns tagtäglich auch mit Leuten von kulturell weniger ferner Herkunft. Mich stört einfach ein bisschen, dass dieses Phänomen nur auf die Schweiz gemünzt wird, klar es ist ein subjektiver Bericht, der die Erfahrungen aus der Schweiz darstellt. Trotzdem wäre es aber interessanter gewesen, solch ein Experiment auch in anderen Ländern durchzuführen mit je einem Einheimischen und dann vielleicht Frau Maron als Ausländerin? 🙂

    6. Tellerrand Says:

      @ Claudia

      Der Taggi erscheint in der Schweiz und der Bericht wurde für eine (vorwiegend) Schweizer Leserschaft geschrieben. Man kann dem Taggi oder Frau Maron also kaum vorwerfen, es sei hier bewusst die internationale Dimension der Problems ausgeblendet worden. Es macht die Situation hier in der Schweiz in keiner Weise besser, wenn es anderswo auch nicht gut ist. Im Gegenteil ist ein „sollen-es-doch-erstmal-die-anderen-besser-machen“ der Tod jeder Anstregung, der alltäglichen Fremdenfeindlichkeit beizukommen.

      Wenn ich will, dass sich etwas ändert, muss ich selber damit anfangen. Zum Beispiel mal dem Ausländer direkt in einer Situation helfen, in der er gerade wegen seiner Sprache, Hautfarbe, Religion oder sonstwas diskriminiert wird. Das wird zwar dem Ausländerfeind in der Regel keinen nachhaltigen Denkanstoss versetzen, aber vielleicht fühlt sich wenigstens der gerade diskriminerte Mensch besser, wenn er weiss, dass seine Umgebung nicht nur feindlich ist.

      Es kommt übrigens besonders gut, wenn man dies als Deutscher in der Schweiz tut. Praktisch jedesmal, wenn ich in der Öffentlichkeit einem Menschen ausländischer Herkunft zur Seite gestanden bin, wenn dieser gerade ganz offensichtlich diskrimiert wurde, bekam ich postwendend den Rat doch zurück nach Deutschland zu gehen, wenn es mir hier nicht passt.

      Hier im Blog wurde mir bei einer anderen Gelegenheit bereits bestätigt, dass man sich in der Schweiz so nicht verhält. Ich habe mich dann immer gefragt: wie denn sonst. Nach Hause gehen und dort im stillen Kämmerlein über die Ungerechtigkeit der Welt ärgern?

    7. Dave Says:

      Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin hat mal den „Kippa-Test“ empfohlen. Und wie könnte es anders sein, einige „Tester“ konnten keine anti-semitischen Signale bemerken:
      http://www.tagesspiegel.de/dritte-seite/archiv/08.03.2007/3125678.asp

      …und einige Tester fühlten sich in bestimmten Vierteln von Berlin nicht sicher:
      http://www.taz.de/pt/2007/03/02/a0203.1/text.ges,1

      kommt halt auch auf die Tester drauf an …

      ps: Bin kein Mathe – Genie, bin aber sicher den Anti-Spam Test zu schaffen und er schmeisst mich trotzdem raus

    8. Selma Says:

      @widi: Sehe ich genau so. Vielleicht ist der Name Experiment ungünstig gewählt, weil er v.a. im wissenschaftlichen Kontext verwendet wird und dort klar definiert ist. Diesen Ansprüchen kann Nicoles Aktion nicht genügen, aber zum Nachdenken kann sie alleweil anregen.

      @alle (inkl. JRW): Ich wünsche mir wieder weniger „gehaltvolle“ Themen auf der Blogwiese, die ich eher als linguistische Spielwiese nutze. Ich bin ein politisch interessierter und sozial engagierter Mensch. Aber diese Themen diskutiere ich lieber im direkten Gespräch und nicht über einen Blog, das scheint mir nicht das richtige Medium.

      @Tellerrand: Apropo zurück zu den sprachlichen Spitzfindigkeiten: Tagi schreibt sich nur mit einem „g“…

    9. Selma Says:

      Nachtrag: Meine Bitte nach weniger ernsthaften Themen scheint beim zweiten Hingucken nicht so ganz gerechtfertigt. Der ZVV-Nachtzuschlag oder Flauder sind ja durchaus keine politisch brisanten Themen. Ich habe nur in den letzten Tagen sehr viel gearbeitet und daher bei Roger de Weck und der Europafrage das letzte Mal so richtig mitgelesen…

    10. Tellerrand Says:

      @ Selma

      Es gibt sie also doch, die Schweizerdeutsche Rechtschreibung!

      Ich schrieb Taggi, weil das Wort meines Wissens mit einem kurzen Vokal „a“ gesprochen wird und dafür wird in der Deutschdeutschen Rechtschreibung meist der anschliessende Konsonant verdopppelt.

      Aber sory, ich werde mich besern und inskünftig keine dopelten Konsonanten mehr verwenden, um den Vokalen die Länge zu nemen. Vorsichtshalber schreibe ich auch kein h „mehr“, um sie zu streken 😉

    11. Claudia Says:

      @Tellerrand: Du hast offensichtlich aus meinem Beitrag etwas herausgelesen, das ich nicht so gemeint habe. Klar ist es schlimm, wenn Menschen diskriminiert werden, egal aus welchen Gründen, alles was ich sagen wollte ist, dass dies nicht immer mit Rassismus / Fremdenhass zusammenhängen muss, sondern auch darauf zurückzuführen ist, dass sich die Menschen unbewusst „bedroht“fühlen, wenn sich einer nicht den Konventionen entsprechend verhält. Linguisten nennen dies „Face threatening acts“ und diese „Bedrohungen“ werden vom „Verursacher“ in diesen Fällen natürlich nicht absichtlich herbeigeführt, sondern entstehen, wie gesagt, aus den Konventionsunterschieden zwischen den Kulturen. Ich möchte das Problem auf keinen Fall verharmlosen, war einfach nur ein sachlicher Beitrag. Also bitte nicht angegriffen fühlen… 😉

    12. Selma Says:

      @Tellerrand: Heisst Du dann ab heute Telerand? 😉 Der Tagi schreibt sich eben selber so, es gibt die Domain tagi.ch Taggi würde ich als Schweizerin so aussprechen, dass die zwei g fast wie ein k klingen. So wie in Höngg (falls Du schon mal von diesem Zürcher Quartier gehört hast)

    13. Tellerrand Says:

      @ Claudia

      Mich störte die Aussage, der Artikel sei zu sehr auf die Schweiz gemünzt. Xenophobie, Angst vor Überfremdung, Fremdenhass und Rassimus haben alle die selben psychologischen Wurzeln und es ist die Pflicht einer jeder modernen Gesellschaft diese zu überwinden. Interessanter als ein Vergleich der kulturellen Ausformungen, wäre doch eine Vergleich, welche Lösungsansätze in unterschiedlichen Gesellschaften verfolgt werden, um dem alltäglichen Rassismus Einhalt zu gebieten.

      @ Selma

      Eigentlich bin ich ja eine Reinkarnation des guten alten Talleyrand. Mit einem derart europäischen alias in einem Blog aufzutreten, in dem auch Schweizer verkehren, war mir dann doch zu viel Provokation 😉

    14. Phipu Says:

      An Selma
      Perfekt argumentiert. Obwohl ich kein Grammatikbuch für Schweizerdeutsch habe, in dem ich nachschauen könnte, hätte ich es genau gleich gesagt. Da du gerne Sprachspitzfindigkeiten hast, gehe ich noch weiter:

      Dem deutschen Zielpublikum angepasst müsste man eher „Daki“ schreiben, damit das T um Himmels Willen nicht etwa aspiriert wird [Tttthh] (sondern eher wie ein französisch/italienisch/spanisches T tönt), und mein verwendetes K kann aus deutschem Mund nie so kratzen, dass es wie ein Zürcher K tönt. Für einen Zürcher müsste man aber eben K-Wörter die ja im Basler- oder Bündnerdialekt nicht kratzen sollen, mit G schreiben. (z.B. Gghindergghrippe)

      An Tellerrand
      (für Schweizer: schön deutsch ausgesprochen: [Tthela-and]),
      Lies auch das oben an Selma, und klick hier:
      http://www.blogwiese.ch/archives/290
      Es soll Kommentatoren geben, die noch nicht alle fast 600 Blogwiesen–Einträge mit allen dazugehörenden Kommentaren durchgekämmt haben. Dann mal auf der Startseite auf Inhaltsverzeichnis klicken und los geht’s! (dauert nur etwa 3 volle Nächte).

    15. Tellerrand Says:

      @ Phipu

      Danke für die Belehrung. Und wieder ein bisschen schlauer!

      Ich wohne weder in Zürich, noch lese ich den Tagi. Nur so konnte sich meine Unkenntnis so lange halten. Gibt’s ähnliche Übernamen für andere Schweizer Tageszeitungen? Und wie spricht man die korrekt aus? Nur damit ich wieder in irgendein Fettnäpchen trete…

      Die alten Beiträge und Kommentare dazu les‘ ich, wenn ich mir mal das Bein breche 😉

    16. Claude Says:

      Nicole, war ein interessanter und auch mutiger Test. Du brauchst dich überhaupt nicht zu verteidigen. Dass die Schweizer sich kollektiv angegriffen fühlen, wenn sie einmal jemand nicht ganz so toll findet, wie sie sich selber fühlen, ist nicht neu. Die Schweizer holen halt immer noch ihren etwas vermurksten Nationalismus nach, den die übrigen Europäer, gottseidank, im letzten Jahrhundert schon hinter sich gebracht haben.

    17. Tellerrand Says:

      @ Claude

      Wäre schön, wenn Du mit dem zweiten Teil Deiner Aussage recht hättest. Leider jedoch sind Nationalismus, Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit jedoch immer noch in ganz Europa verbreitet. Die Schweiz bildet hier keine Ausnahme.

    18. Christian (der Andere) Says:

      @Claude: Nationalisten gibt es fast überall in Europa – Pauschalisierungen übrigens auch.

      @Wiki: Um den Anspruch eines Experiments zu erfüllen brauch es schon mehr als einen Versuch. Den Blick-Mainstream kann ich hier wirklich nicht erkennen. Benötigtst du vielleicht noch eine Erläuterung oder gar eine Anleitung zum Verstehen des Begriffs Experiment? Übernehme besser keine Argumentation, bevor du nicht den zugrundeliegenden Text gelesen hast – den ganzen.

    19. Selma Says:

      @Tellerrand: Hm, es gibt noch die NZZ. Ein berliner Freund von mir kam mal auf die Idee zu sagen „Guck mal, der liest die Neue Züricher“. Das klang nicht nur wegen dem „i“ in Zürcher komisch… Aber dafür bist Du bestimmt schon zu lange in der Schweiz und Blogwiese-sozialisiert. 😉

      @Phipu: Danke für den Link, wusste nicht, dass das Tagi-Daggi-Maggi-Thema scohn behandelt wurde. Und ja, aspirierte Konsonanten sind nicht immer etwas schönes. Komischerweise legen die meisten Deutschen sie ab, wenn sie in England sind. Dabei wimmelt es im britischen Englisch von aspirierten Konsonanten.

    20. Phipu Says:

      An Tellerrand

      Ich schulde dir noch die Antwort zu den anderen Zeitungsnamen:
      Natürlich gibt es viele Zeitungen, die Ihre abgekürzten Namen haben und nach wie vor so auftreten. Die wirtschaftlichen Strukturen der Presselandschaft entwickeln sich zwar eher in Richtung Kartell oder gar Monopol, weil die grossen Verlagshäuser nach und nach alle kleineren aufkaufen. Die Namen der Zeitungen bleiben aber und lassen einen an ein unabhängiges Blatt glauben. Die meisten Abkürzungen für die Titel sind oft nicht so phantasievolle Anagramme. Die Aussprache hingegen macht den Kenner aus. Hier nur ein paar Beispiele: die BZ (Berner Zeitung) Das [Bee] muss ein richtig französisches „è grave“ sein, fast ä, weisst du, so ein extrem offenes ä wie in „Chuehblätter“ (Kuhfladen) oder in „Chuchichäschtli“. Eben im [Zätt] brauchst du dann erneut das ä mit aufgespreiztem Mund, nein, nicht a! Nun, das ist ziemlich schwierig, ich habe wohl mit Lektion 4 angefangen. Probieren wir es mit der BaZ (Basler Zeitung). Das spricht sich etwa [Batz] aus. Na, das klappt ja schon recht gut. Oder dann die „Züri-Ziitig“ (NZZ, Neue Zürcher Zeitung). Die Lektion dazu findest du in den Kommentaren hier:
      http://www.blogwiese.ch/archives/421

      Dir „Hals- und Beinbruch“ zu wünschen, wäre etwas unfair. Aber jetzt weiss ich wenigstens, dass dieser Wunsch auch seine positive Seite haben kann.

    21. Tellerrand Says:

      @ Phipu

      Jetzt weiss ich endlich nicht nur, dass die Schweizer das Riccola erfunden haben, sondern auch warum 😉

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