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Heimatfreunde für die Swissair — Vom Munitionieren und der Munot

  • Heute schon jemanden munitioniert?
  • Constantin Seibt schreibt in einem sehr interessanten Hintergrundartikel zum Niedergang der Swissair im Tages-Anzeiger vom 16.01.07:

    Die Überlebensstrategie der Swissair 1992 hiess Alcazar: eine Fusion mittelgrosser europäischer Fluglinien – AUA,KLM, SAS und Swissair. Dieses Projekt – im Nachhinein wurdes es von vielen als letzte Chance der Swissair begriffen – scheiterte. Schuld waren zwei Kräfte: erstens die Heimatfreunde, angeführt von Verkehrsmininster Adolf Ogi, der einst sagt. „Wenn ich im Ausland ein Swissair-Flugzeug sehe, fühle ich mich wie auf dem Rütli.“ Sein Verbündeter war der „Blick“, der (munitioniert von Crossair-Chef Moritz Suter) auf das Projekt schoss. Er schrieb: „Die Swissair ist bei dieser Ehe nicht die schönste Braut. Sie ist die Beute.“

  • Sagen Sie AUA oder Aiiih oder Argh oder Ita?
  • An dieser Passage gefallen mir ein paar Begriffe und Wendungen ganz ausserordentlich. Nein, ich rede nicht von dem schmerzhaften Namen östereichischen Fluggesellschaft „AUA“, die heute „Austrian“ heisst. Diesen Sprachwitz versteht sowieso nur ein Leser aus dem deutschsprachigen Raum. Denn glauben Sie bloss nicht, alle Menschen dieser Welt sagen, wenn Sie plötzlich Schmerzen fühlen, „AUA“. Das ist etwas typisch Deutsches. In Frankeich und in der Westschweiz würde man „Aiihh“ sagen, was wie „EI“ klingt, in anderen Ländern sind es wiederum andere Lautfolgen. Wer kennt nicht den Schmerzensruf „arrgh„, zu lesen in jedem zweiten amerikanischen Comic?. Die Japaner hingegen rufen „Itai Ita!!“ wenn sie Schmerz empfinden. Ich möchte jetzt nicht wissen, was bei denen die Lautfolge „AUA“ bedeuten mag. Vielleicht: „Ich Rindvieh„? Das jedenfalls bedeutet „JA-WOHL“ in den Ohren von Serben und Kroaten, wenn sie Deutsche diesen Ausruf in einem Film über den Zweiten Weltkrieg sagen hören.

  • Sind sie auch ein Heimatfreund?
  • Nein, es gefallen uns die „Heimatfreunde“, die wir so noch nicht kannten in der Schweiz. Nur dem „Heimatwerk“ sind wir schon begegnet. (vgl. Ein Stück Heimat, schon ab Werk)

    Die „Heimatfreunde“ fanden sich bei Google-CH 167 Mal, was erschreckend wenig ist im Vergleich zu den 69‘900 Heimatfreunden bei Google-DE. Ist es wohl doch eher eine Deutsche Tugend, ein Freund der Heimat zu sein? Wenn schon nix Heimatwerk in Deutschland, dann wenigstens viele Freunde?

    Laut dem Artikel im Tagi äusserte sich die Heimatfreude des Alt-Bundesrats Adolf Ogi im Satz: „Wenn ich im Ausland ein Swissair-Flugzeug sehe, fühle ich mich wie auf dem Rütli.“ Es ist still auf der Rütliwiese am Urnersee. Ausser, Sie begehen den Fehler und gehen dort am 1. August hin nachdem sie zuvor schriftlich per Antrag bestätigt haben, dass Sie keinen Unsinn anstellen werden dort. So was wie Hitlergruss zeigen oder Parolen Rumgröhlen oder Politiker ärgern. (siehe „Per Antragformular Ruhe auf dem Rütli schaffen“) Da seit den Zeiten von Adolf Ogi die Verwendung des Schweizerkreuzes orbitant zugenommen hat, müsste er sich jetzt eigentlich permanent aufs Rütli versetzt fühlen. (Siehe: Die Schweizer Flagge und der Erste Hilfe Koffer).

  • Und wem munitionieren Sie?
  • Der Blick wurde „munitioniert“ von Crossair-Chef Moritz Suter. Als „nicht an der Waffe ausgebildet“ müssen wir scharf nachdenken, um was es bei dieser Tätigkeit geht. Nein, es ist kein spezifisch schweizerischer Ausdruck, dieses „munitionieren“, auch wenn man das meinen könnte. Auch in Deutschland wird Munition angereicht, im übertragenen Sinne selbstverständlich.
    Munot in Schaffhausen
    (Quelle Foto: swisscastles.ch)
    Gewiss hat es auch nichts mit dem „Munot“ zu tun, unserer Lieblingsburg in Schaffhausen:

    Der Munot ist eine Zirkularfestung im Zentrum der schweizerischen Stadt Schaffhausen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde im 16. Jahrhundert gebaut; kurz nach der Fertigstellung gab es die ersten Zweifel, ob die Anlage dem Stand der Militärtechnik entspricht. Daher diente sie nur einmal zur Verteidigung: Im Jahre 1799 während des Rückzugs der französischen Truppen vor den Österreichern.
    (Quelle: Wikipedia)

    Moment mal, Wahrzeichen von Schaffhausen? Wir dachten, dass sei der Rheinfall! Stimmt nicht so ganz, denn der liegt in Neuhausen. Und wo liegt das? Im Kanton Schaffhausen! Also sollten wir da nicht so kleinlich sein. Wiki meint:

    Er befindet sich in der Schweiz auf dem Gebiet der Gemeinden Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen (rechtsufrig) und Laufen-Uhwiesen im Kanton Zürich (linksufrig), rund vier Kilometer westlich unterhalb der Stadt Schaffhausen.

    Um kommen sie nun bloss nicht auf die Idee, diese letzten vier Kilometer von Schaffhausen bis Neuhausen auf dem Rhein mit dem Schlauchboot oder schwimmend zurückzulegen, um sich den Rheinfall mal von nahen anzusehen. Sie hätten sonst gute Chance auf den nächsten Darwin Award (vgl. hier). Abgesehen davon ist es streng verboten, auf diesem Flussabschnitt mit dem Boot zu fahren oder zu baden. Unter 200 Franken Busse kommen Sie bei „fehlbarem“ Verhalten nicht weg.

    

    5 Responses to “Heimatfreunde für die Swissair — Vom Munitionieren und der Munot”

    1. Selma Says:

      Auf dem Munot werden übrigens noch heute die Waffen gekreuzt. Allerdings nicht mit Schusswaffen und Munition, sondern mit Degen und vollkommen ungefährlich. Das sieht dann ungefähr so aus: http://www.fechtgesellschaft.ch/turniere/bilder_munot_030914.htm

    2. lapsus4711 Says:

      Was ist den los? Man erfährt nichts mehr aktuelles. Nur noch Zeugs aus der Konserve.
      Komplikationen gehabt? Hat der Dr. Mengele einen Tupfer vergessen?
      Thrombose, Embolie, Gangrän oder plötzlicher Exitus?
      Könnte man evtl. den Sptalpfaffen zuschalten?

      [Anmerkung Admin: Es kommt morgen wieder was zum Helvetischen Spitalswesen.
      Konserve? Heh, ich habe nur den Tagi als Input und das „under cover Leben“ hier im Spital. Da gibt es kein Frischfleisch sondern nur Schonkost.
      Ja, ich liege immer noch flach und das braucht alles seine Zeit. Knochen verheilt, aber Bein muss noch abschwellen.
      Werde morgen abend um 20:00 Uhr SF1 hier vom Krankenbett aus sehen. ]

    3. Michael Says:

      @ you: Gewiss hat es auch nichts mit dem „Munot“ zu tun, unserer Lieblingsburg in Schaffhausen.

      Ich hab dass mal beim durchfliegen so gesehen, eigentlich ist ja der Munot gar keine Burg sondern eine Festung, und Schaffhausens geliebtes Wahrzeichen, sowie der Rheinfall.

      Also wir Schaffhauser haben dem Munot noch niemals Burg gesagt, der Hohenklingen ist eine Burg, aber der Munot war zum Schutz der Stadt im Mittelalter in Betrieb, folglich ist er eine Festung.

      Besuch doch mal mein Blog, hier wirst du mehr übers schöne Leben in Schaffhausen/Neuhausen und der Schweiz erfahren 🙂

      Grüsse

      Mike

      [Anmerkung Admin:
      Nun, was die tatsächliche militärische Bedeutung angeht, das kann man ja schön bei Wikipedia nachlesen. Du hast Recht, es ist mehr eine Festung als eine Burg. Fand sich aber bei „Swiss Castles“, dadurch der Fehler. Sieht aber stark aus, der Munot. Leider habe ich noch keine genaue Erklärung für den Namen gefunden. Weisst Du da mehr?]

    4. Michael Says:

      Ja, ist aber nicht so ganz einfach habe mal gehört dass es Ursprünglich îm alten Deutschen mal Unnot hiess, mit der Zeit wurde dann Munot drauss, weil die Bevölkerung von Schaffhausen mit dem Munot keine Not im Krieg fürchten müssten, denn hats auch massiv viel Stauraum, wo heute aber Kultur statt findet.

    5. Paul Says:

      kleine Anmerkung zum Rheinabschnitt zwischen dem Schaffhauser Kraftwerk und dem Rheinfall.
      Dass baden und böötle (boot fahren) streng verboten ist, ist so nicht ganz richtig.
      Unterhalb des Kraftwerks liegt auf Zürcher seite die sogenannte Flurlinger Badi. Auf der rechten Seite gibt es desweiteren noch einen Pontonierverein der ebenfalls oft von diesem Rheinabschnitt gebrauch macht.
      Meines wissens ist das „Fahrverbot“ erst ab der Flurlinger Brücke, hinter der auch ziemlich bald die Strohmschnellen beginnen.

      Betreffend Munot kann ich noch sagen, dass der Hauptgrund für die Zweifel seines Nutzen davon rühren, dass es sich beim verwendeten Baumaterial um Kalkstein handelt. Das wäre zu Planungszeiten noch gut gewesen, jedoch wurden um die Bauzeit auch die Kanonen grösser und stärker, und die Kugeln wären da durch, wie durch Butter.
      Allerdings muss ich auch sagen, dass der Munot schon ein schöner Ort ist von dem man auch einen super Blick über die Stadt hat.

      [Anmerkung Admin: Kann sein, dass die Pontonniers ne Ausnahmegenehmigung haben. Gibt es eigentlich beim Kraftwerk eine „Schleuse“ oder so eine Rutsche, wo Boote auf einem Schlitten hochgezogen werden? Kann ich mich nicht dran erinnern. Die vielen Bootsfahrer im Sommer müssen alle beim Kraftwerk raus, das ist sicher, und dort sind auch „ab jetzt Fluss gesperrt“ Schilder]

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