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Kleine Typologie der deutschfreundlichen Schweizer

  • Die aus dem „grossen Kanton“
  • Wir haben auf der Blogwiese viel über die versteckten und von den Deutschen zum Grossteil nicht wahrgenommenen Aversionen mancher Schweizer gegenüber den zugezogenen Einwohnern aus dem nördlichen Nachbarland berichtet. Schon die Umschreibung „die aus dem grossen Kanton“ zeigt uns eine Dichotomie auf, welche die uns bekannten Schweizer in zwei Gruppen teil. Wir nennen sie die „Integrierer“ und die „Abgrenzer“. Wer von Deutschland als vom „grossen Kanton“ spricht, ist ganz offensichtlich ein Integrierer, denn hier wurde ganz Deutschland bereits zum Teil der Schweiz erklärt, natürlich nur im Spass, oder sollten wir ein Referendum „Beitritt Deutschland als 27. Kanton der Eidgenossenschaft“ ins Leben rufen? Warum nicht gleich alle Länder der EU? „Confoederatio Europae“ oder CE, mit Sitz in Bern, wo sonst, wäre doch kein schlechtes Staatenmodell für die Zukunft, oder?
    Aber es gibt noch mehr als nur diese beiden Grundtypen. Darum heute eine kleine Typologie der deutschfreundlichen Schweizer und wie Sie sie erkennen können.

  • Fragen Sie: „Soll ich Schweizerdeutsch lernen?“
  • Diese einfache Frage müssen Sie Ihren Schweizer Nachbarn, Kollegen, Freunden oder Bekannten stellen, um sie schnell und einfach in unsere kleine „Typologie der deutschfreundlichen Schweizer“ einordnen zu können:

  • Der Abgrenzer
  • „Ach nee, lass das lieber. Das tönt sowieso ganz furchtbar, wenn ein Deutscher versucht Schweizerdeutsch zu lernen. Bleib Du bei Deinem Heimatdialekt.“ Und im stillen denkt er sich noch: „… und lass uns den unsrigen, denn den geben wir nicht her, den wollen wir nicht teilen. Wenn wir den nicht hätten, wie sollten wir uns dann noch von Euch unterscheiden?“
    Abgrenzen, unterschieden, eine klare Trennlinie ziehen, dass ist die Vorgehensweise des „Abgrenzers“. Die Angst vor der Ähnlichkeit mit dem anderen, vor dem Verlust der eigenen Identität, die vielleicht nur auf die Sprache begründet ist, das mag hier die tiefenpsychologische Grundlage für die Denkweise des Ausgrenzers sein.

  • Der Integrierer
  • Na klar, lerne so schnell wie möglich Schweizerdeutsch! Aber geh erst in die Öffentlichkeit damit, wenn Du es perfekt kannst..“ Dann wirst Du so wie wir, einer von uns, kaum mehr zu unterscheiden.
    Der Integrierer hat erkannt, dass die Schweiz sowieso eine permanente Durchmischung und Vermischung von Dialekten erlebt, wie es im Begriff „Bahnhofbüffet-Olten-Dialekt“ zum Ausdruck kommt. Vielleicht hat er selbst schon mehrfach den Kanton gewechselt in jungen Jahren und stets wieder von vorn begonnen mit dem Dialektlernen. Das prägt fürs Leben.

  • Der Ungeduldige
  • Wie, Sie sind schon zwei Jahre hier und haben immer noch nicht den Schweizerpass beantragt? Wann lernen Sie endlich Dütsch sprechen so wie alle hier?“ . Auch solchen Menschen kann man in der Schweiz begegnen. In der Regel sind diese Menschen entweder nie aus der Schweiz herausgekommen, oder sie kamen selbst als Secondos hierher, und sind nun glühende Verteidiger der neuen Heimat. Alle Nachzügler müssen es ihnen gleich tun.

  • Der Ungläubige
  • Die Deutschen sind sowieso nicht in der Lage, überhaupt irgendeine Fremdsprache zu lernen. Manche der jüngeren können Englisch, aber auf Mallorca bestellen Sie ihren Kaffee Haag mit Eisbein und Sauerkraut immer noch ausschliesslich auf Deutsch.“
    Der Ungläubige kennt die Deutschen gut, denn er gucke ja immer deutsches Fernsehen, da weiss man bald alles über das Land und die Menschen. Vor allem über das Schulsystem und die erste und zweite Fremdsprache dort. Die Filme sind seiner Meinung nach in Deutschland immer in der Originalfassung zu sehen, weil niemand dort Englisch oder Französisch kann.

  • Der Tolerante
  • Ach, du kannst reden wie Du willst. Soll ich auch Hochdeutsch reden oder kommst Du klar, wenn ich Schweizerdeutsch spreche?“. Der Tolerante hat unter Garantie selbst Jahre im Ausland verlebt, vielleicht seine Ehefrau von dort mitgebracht, und spricht 3-4 Sprachen fliessend.

  • Der Germanophile (aus der Westschweiz)
  • Oh, sprich doch bitte weiterhin Hochdeutsch mit mir! Es klingt so schön. Endlich kann ich reden, wie ich es jahrelang in der Schule gelernt habe. Hier in Zürich sprechen alle sofort Französisch mit mir, wenn ich nur den hochdeutschen Mund aufmache, dabei will ich doch mein Deutsch nicht verlernen. Ich werde wohl doch so einen Kurs bei der Migros-Klubschule besuchen müssen, wenn ich noch länger hier leben und arbeiten möchte.“

  • Und was meint der Wissenschaftler dazu?
  • Werner Koller ist Zürcher, Sprachwissenschaftler und hat die sprachsoziologische Untersuchung «Deutsche in der Deutschschweiz» veröffentlicht.
    Werner Koller auf seiner Homepage
    (Quelle Foto: hf.uib.no)
    In einem Interview mit dem Bund wurde er zu der Situation der Deutschen in der Schweiz befragt:

    «bund»: Manche Deutschen, die schon lange in der Schweiz leben, fühlen sich immer noch nicht heimisch – wie kommt das?
    Werner Koller: Deutsche haben beste Voraussetzungen für das «Heimisch-Werden» in der Schweiz: Sie unterscheiden sich weder vom Aussehen noch vom kulturellen Hintergrund stark von den Schweizern. Paradox ist: Gerade wegen der Ähnlichkeiten werden die Unterschiede umso stärkerer wahrgenommen. Es gibt viele Deutsche, die die ersten Jahre als problematisch, ja belastend empfinden. Sie erleben die Situation in der Schweiz verschiedener, als sie es erwartet haben. Das betrifft Mentalität und Charakter, die Art und Weise, wie Schweizer miteinander umgehen, und vor allem die Stärke der Vorurteile, die sie gegenüber Deutschen haben. Die Unterschiede müssen nicht gross sein, damit man in der Schweiz als Ausländer behandelt wird.
    (Quelle: Der Bund vom 17.06.06, auch alle weiteren Zitate dort)

    Streng nach der alten Devise: Jeder ist fast überall auf der Welt ein Ausländer. Wir erinnern noch einmal an die Bekannten aus Ostdeutschland, die hier in der Schweiz alles sehr schön fanden, „bis auf die schrecklich vielen Ausländer“. Kein Witz, bittere Realität ohne Selbsterkenntnis.

    Auf die Frage, ob die Deutschen Schweizerdeutsch lernen sollen, meint Werner Koller:

    Natürlich kann man Schweizerdeutsch, wie jede andere Sprache, lernen. Es gibt viele in der Schweiz wohnhafte Deutsche, die Schweizerdeutsch sehr gut sprechen. Bei einigen denken Schweizer höchstens, dass sie «aus einem anderen Kanton» stammen. Das Problem liegt nicht beim Können, sondern bei der Motivation: Man kann sich in der Deutschschweiz mit Hochdeutsch verständigen.

    Richtig. Ein Deutscher muss hierfür einsehen, was es bedeutet, in der Schweiz den nicht einfachen Lokaldialekt tatsächlich lernen zu wollen. Die wochenlangen Reportagen einer Deutschen bei Blick haben die Leser nicht nur amüsiert, sondern auch aufgezeigt, wie schwierig es ist, nicht verschriftete Sprachen systematisch zu lehren und zu lernen.
    Katia Murmann bei Mundart-Kurs
    (Quelle Foto: Blick.ch 02.10.06)

    Sprache ist mehr als ein Kommunikationsmittel. Werner Koller meint:

    Sprache markiert Identität, meine Sprache und ich – wir gehören zusammen. Zur sozialen Identität gehört auch die Zugehörigkeit zu einer Region, einem Dorf – und die Sprache verrät, «woher man kommt». Wenn Deutsche, die hauptsächlich Hochdeutsch sprechen, die Grussformeln Grüezi, Uf Widerluege verwenden, signalisieren sie die Bereitschaft, an den sprachlichen Ritualen teilzunehmen, sich den Gewohnheiten der Schweizer anzupassen.

    Warum kann beim Versuch, Deutsch zu lernen, auch das Gegenteil bei den Schweizern auslösen?

    (bund): Deutsche, die Schweizerdeutsch sprechen, kommen nicht gut an . . .
    (W. Koller) Das kann man so allgemein nicht sagen. Tatsächlich werden Deutsche mit zwei Haltungen konfrontiert. Einerseits geben Schweizer zu erkennen, dass sie durchaus sprachliche Anpassung erwarten. Andererseits hören Deutsche auch, sie sollten «bei ihrer Sprache bleiben». Die Abwehrreflexe kommen in Aussagen zum Ausdruck wie: Deutsche sollen ihre Identität bewahren und sich nicht «ins Schweizerische drängen». Deutsche sollen nicht Dialekt reden, weil der Dialekt der Abgrenzung gegenüber «dem grossen Bruder im Norden» dient.

    Da wären wir bei unserem Lieblingstypen, dem Abgrenzer. Es ist nicht leicht zu wissen, wie man mit all diesen verschieden Typen umgehen sollte, es gibt auch kein Patentrezept, denn nicht jedem fällt das Sprachenlernen leicht. Ich persönlich habe beschlossen, als nächstes mindestens zwei rätoromanische Sprachen zu lernen, um so mitzuhelfen, diese Varianten vor dem Aussterben zu bewahren. Mal sehen wie weit ich dann in Zürich komme, wenn auf Rumantsch nach dem Weg frage.

    

    23 Responses to “Kleine Typologie der deutschfreundlichen Schweizer”

    1. patrick Says:

      Es ist noch lustig. Wenn Deutsche versuchen Schweizerdeutsch zu sprechen, entsteht meist etwas, das zwar nicht mehr Hochdeutsch ist, jedoch auch keinem der Schweizer Dialekte zugeordnet werden kann. Wir haben also in der Schweiz einen neuen Dialekt (Hochschweizerdeutsch?). Einige wenige (Junge haben es sicher leichter) Deutsche schaffen es aber natürlich auch, unsere Sprache nahezu perfekt zu erlernen.

      Die Frage die sich mir stellt ist, ob einem Deutschen damit geholfen ist, wenn er eine Sprache spricht, die weder in seiner alten noch in seiner neuen Heimat gesprochen wird. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass auch viele Schweizer, die den Kanton gewechselt haben einen komischen Misch-Dialekt sprechen (z.B. Alain „Marzipanheiland“ Sutter).

    2. tyrannosaurus Says:

      Kennt Ihr Klaus J. Stöhlker?
      Er ist ein hervorragendes Beispiel für einen seit vielen Jahren in der Schweiz lebenden Deutschen mit diesem unnachahmlichen „Hochschweizerdeutsch“ -Akzent.

    3. ksandra Says:

      Ich werde nächste Woche in die Schweiz ziehen und dort arbeiten und bemühe mich (ganz vorbildlich deutsch 😉 ) mich ordentlich vorzubereiten. Dazu lese ich seit einiger Zeit diesen Blog, der mir total gut gefällt (vom Schreibstil, den Themen und auch den Kommentaren/Komentatoren her), also Lob an den Verfasser und die Leser!!!!
      Genau diese Frage, soll ich Schwiizertütsch lernen oder nicht, beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Jetzt werde ich nächste Woche einfach mal allen diese Frage stellen und schauen, was dabei herauskommt und es Euch wissen lassen.

    4. sylv Says:

      hmmmmmmmm,diese Typologien sind auch anwendbar auf andere Völker 🙂 die in die Schweiz emigrieren.
      Super Post, denn es hat viel Wahres daran!

    5. Sonja Says:

      Hallo Jens

      Passend zum Thema Sprache: Gestern habe ich mir eine Sendung eines deutschen Fernsehsenders angesehen. Dabei wurde ein Bericht über ein Schweizer Unternehmen gezeigt und der Chef dieses Unternehmens hat auch alles in Hochdeutsch erklärt. Natürlich war dieses Hochdeutsch nicht perfekt, sondern sehr „schweizerisch angehaucht“, auch mit vielen Helvetismen gespickt. Der Sender sah sich deshalb gezwungen, die Aussagen zu untertiteln!
      Natürlich darf man nicht alle in den selben Topf schmeissen, trotzdem finde ich es sehr schade, wenn so der Eindruck vermittelt wird, Schweizer Hochdeutsch sei sowieso nicht zu verstehen… irgendwie widerspricht das all Deinen Forderungen nach einem lockereren Umgang der Schweizer mit der Standartsprache.
      Wieso sollen wir Deutsch als gleichberechtigte Sprache sehen, sie lieb gewinnen, sie schon im Kindergarten unterrichten, wenn wir danach doch untertitelt werden müssen? Wir werden nie perfektes Hochdeutsch sprechen, ich glaube, wir sind uns einig, dass dies auch nicht sein muss. Wenn die Deutschen uns dann aber sowieso nicht verstehen, können wir auch gleich beim Dialekt bleiben 😉

    6. viking Says:

      @ksandra
      Du wirst wahrscheinlich alle obengenannten Variationen zu hören kriegen 😉

      Interessant ist doch auch, dass das (mehr oder weniger) eingefärbte Schweizerdeutsch von „Fremdsprachigen“ (Italiener, Engländer, Franzosen etc.) von den meisten überhaupt nicht unangenehm empfunden wird. Eher als „herzig, nett, witzig“. Spricht aber ein Deutscher mit Schweizer Akkzent, hört man schnell mal die oben genannten Argumente der Abgrenzer, Integrierer und Ungeduldigen.

    7. Friederike Says:

      Bei mir haben sich über die Arbeit und den neuen Bekannten- und Freundeskreis in der Schweiz sehr schnell immer mehr Schweizerdeutsche Ausdrucksweisen in die Sprache eingeschlichen und als dann die Kinder kamen, bin ich vollends in das Schweizerdeutsche (Züridütsch) gekippt. Eine Nicht-Akzeptanz von den Schweizern habe ich nie erlebt. Heute finde ich die schweizerdeutschen Dialekte spannend, manchmal amüsant in manchem auch zutreffender oder einfacher als im Hochdeutschen. Ein besonderes High-Light ist für uns, aber auch für viele Schweizer der Walliser-Dialekt, bei dem man sich mächtig anstrengen muss, wenn man alles verstehen will. Es bleibt dann nicht aus, dass man auch die oft etwas andere Art sich auszudrücken oder Sätze zu bilden auch in Hochdeutsch übernimmt. Das kann dau führen, dass bei einem Familientreffen im Münsterland sich ein paar besonders witzige Menschen sich den ganzen Abend mit lustigen Sprüchen in Emil-Deutsch in Szene setzen und dabei denken dass sie sich ganz schön schweizerisch ausdrücken können.

    8. Administrator Says:

      @Friederike
      Habe Geduld und Nachsehen mit Deutschen, die im Emil-Deutsch sprechen. Sie sind meistens fest davon überzeugt, dass sei jetzt Schweizerdeutsch.
      Vgl: http://www.blogwiese.ch/archives/256
      Gruss, Jens

    9. Branitar Says:

      Gegenfrage: sollte ein Schweizer in Norddeutschland Plattdeutsch lernen?

      Alle Norddeutschen verstehen Hochdeutsch (auch mit schweizerischem Akzent) und viele sprechen es ausschließlich. Trotzdem würde niemand erwarten, dass zum Beispiel der Professor aus dem kleinen Bundesland im Süden (ja, man kann die Sache auch umkehren 😉 ), den ich an der Uni Rostock traf, Plattdeutsch lernt. Es hätte aber auch niemand etwas dagegen. Aber vielleicht sind die Norddeutschen auch nur zu stur/dickköpfig/indifferent, um die Integration davon abhängig zu machen, ob der lokale Dialekt gesprochen wird 😉

    10. Daniel Says:

      @ksandra

      Als kleiner Tip wenn du in die Schweiz ziehst: Lerne zu schnell wie möglich Schweizerdeutsch zu verstehen! sprechen ist nicht so wichtig. Die Helvetismen werden (wie oben schon erwähnt) schnell von selber in deine Sprache einfliessen… 😀 bis du am schlussendlich von alleine Schweizerdeutsch sprichst.

      Ich weis jetzt nicht in welche Kategorie ich gehöre, da ich den langsamen, automatisch anpassenden Weg vorschlage… 😉

    11. Thomas W. Says:

      @Sonja: einige deutsche Fernsehsender machen dies generell, wenn jemand mit Akzent spricht. Habe dies erst diese Tage wieder gesehen, wo ein Deutscher aus Franken gut verständliches Hochdeutsch mit leichtem Akzent gesprochen hat und sofort alles Untertitelt wurde.
      Kurt Felix und Paola hingegen wurden während Ihrer Karriere in Deutschland nicht untertitelt.

    12. Administrator Says:

      @Thomas,
      ach, sprachen Kurt Felix und Paola nicht Schweitzerdeutsch im TV? Das konnte ich so gut verstehen.

    13. Gerald Says:

      @Thomas: Insbesondere die Drei-Länder-Kooperation 3Sat untertitelt sämtliche SD-Varianten. Selbst bei der Wiederholung der Rundschau des SF werden die Moderationsteile neu aufgenommen.

      Gerald

    14. Phipu Says:

      An Ksandra:

      Nach längerem Suchen habe ich den Blogwiesen-Kommentator gefunden, der genau deine Frage schon gestellt hatte. Hier auch die Antworten dazu:

      http://www.blogwiese.ch/archives/95

    15. Peter Says:

      Hallo zusammen!

      Ich finde, den Gedanken von Branitar sehr interessant – wenn man die Situation umdreht, merkt man, dass es wohl doch nicht ganz das Gleiche ist… In Deutschland wurde die Mundart zu Gunsten des Hochdeutschen viel stärker in eine Art „Folkloreecke“ gedrängt als dies in der Schweiz der Fall ist. Allgemein gilt in Deutschland Hochdeutsch als „Muss“, Dialekt dagegen als „Kann“. Eine starke Mundart, wie das Platt, wird landläufig so betrachtet, dass man das schon als Kind lernen muss um es ordentlich sprechen zu können.

      Obwohl ich selbst eine gewisse Begabung für diverse Mundarten habe vermeide ich es aber lieber, diese in Anwesenheit von „Muttersprachlern“ zu sprechen, aus Angst, dass sich diese von mir vereimert fühlen könnten. Denn auch wenn ich für meine Begriffe gut spreche, merkt mein Gegenüber natürlich sofort, dass die Mundart erlernt ist und ich nicht darin aufgewachsen bin. Es ist wohl doch ein großer Unterschied eine Fremdsprache zu erlernen und diese dann mit Akzent zu sprechen, als eine Mundart, eine regionale Ausprägung einer Sprache.

      Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema, das! 😉

      Grüße

      Peter

    16. RSuave Says:

      Selber mit einer zugezogenen Deutsch-sprechenden Ausländerin verheiratet, aus Österreich allerdings, kann ich die Überlegungen nur schmunzelnd nachvollziehen. Ich kann mich dabei guten Gewissens zu den „Toleranten“ zählen.
      Eine Bemerkung allerdings: Nachdem schon zahlreiche Einträge über das direktdemokratische System der Schweiz geschrieben wurden, dürfte auch Dir, Jens, klar sein, dass es sich bei der Idee „oder sollten wir ein Referendum ‚Beitritt Deutschland als 27. Kanton der Eidgenossenschaft‘ ins Leben rufen?“ nicht um ein Referendum, sondern wenn schon um eine Initiative handeln würde.
      Ein (fakultatives oder obligatorisches) Referendum bezieht sich immer auf eine bereits im Parlament gutgeheissene Gesetzesvorlage, während eine Volksinitiative eine Änderung oder Ergänzung der Schweizerischen Bundesverfassung fordert – was die Integration Deutschlands als 27. Kanton darstellen würde…
      Grüsse,
      RSuave

    17. Dominik Says:

      Jens, kannst sicher bei uns in den Romanischkurs kommen – lerne es als Freifach (Uni Fribourg). Hat schon noch ein Plätzchen. Und hast gleich zwei Idiome: Eines (Sursilvan) lernen wir und dann macht noch eine Engadinerin den Fremdsprachenkurs – um das andere Idiom zu lernen…

    18. blah Says:

      @ksandra

      Ich habe einen Kollegen aus Deutschland der seit einer weile hier lebt und ich halte die Lösung die er gefunden für das „Sprachproblem“ gefunden hst eigentlich sehr gut. Er versteht perfekt Berndeutsch aber selber spricht er mit uns Hochdeutsch (obwohl er wohl Dialekt könnte, wenn er wollte). So ergeben sich für beide Seiten keine Probleme.

    19. Andrea Says:

      Auf 3sat sind die deutschen Moderationen zu den Schweizer Beiträgen manchmal auch richtig belustigend. Wenn aus dem Ueli plötlich ein Üli wird oder aus dem Hans-Ruedi ein Hans-Rüdi. 🙂

    20. wolfi Says:

      ich kann nach wie vor nur jedem deutschen raten, schwyzerdütsch zu lernen, alter spielt keine rolle. mittlerweile kenne ich drei deutsche, immerhin schon drei, richtig, die perfekt schwyzerdütsch sprechen.
      interessant ist, dass sich die geschichten gleichen:
      1.
      nach 1 jahr aufenthalt versteht man alles perfekt, redet aber logischerweise weiterhin hochdeutsch.
      2.
      nach und nach beginnt man, einige wörter zu „kopieren“ bzw. sogar, ganze – wenn auch kurze – sätze auf schweizerdeutsch zu sagen.
      3.
      nach ca. 2 jahren…. die kollegen sind teilweise belustigt, fragen, welche sprache man da spricht, teilweise machen sie aber auch mut und loben…….eben, jeder ist verschieden und nimmt das entsprechend ernst oder mit humor auf 🙂
      4.
      hartnäckigkeit wird belohnt, nach nunmehr 3 jahren schweiz kommen erste rückfragen „sind sie deutscher?“ erst im laufe eines gespräches…diese unsicherheit der eidgenossen spornt an….
      5.
      alle mühen haben sich nach 5 jahren schweiz gelohnt!!!
      tägliches sprechen oder hören haben sich ausgezahlt. man kann nun mühelos zwischen hoch-und schwyzerdütsch varrieren und hat den eidgenossen da sogar einiges voraus.

      also 6.
      kopf hoch und fangt an, je eher, desto besser!

      grüssli
      wolfi

    21. Sauschwob Says:

      > Es ist (noch) lustig. Wenn (Deutsche) Schweizer
      > versuchen (Schweizer-) Hochdeutsch zu sprechen,
      > entsteht meist etwas, das zwar nicht mehr (Hoch-) Schweizerdeutsch ist,
      > jedoch auch keinem der (Schweizer) deutschen Dialekte
      > zugeordnet werden kann.

    22. Diti Says:

      ich haett noch ne Variante:
      Den intoleranten Toleranten.
      Als ich letztens mit ner Kollegin ueber Sprachenlernen gesprochen hatte meinte die: Ich finds gut, dasse schweizerdeutsch lernen willst.
      Darauf fragte ich (hab gelernt, dass man das individuell bei einzelen kollegas abcheken sollte), ob ichs denn auch versuchen duerfte.
      „Klar“ meinte sie. Also tat ich…..
      Nach 10 Minuten kam dann die Frage: „Sag mal, machst Du dich lustich ueber uns?“ – und ich war sprachlos…..und beschloss mit ihr nur noch Hochdeutsch zu sprechen…

      Diti

    23. yvi Says:

      Hallochen aus der zeitlichen Ferne! Es wird übrigens auch in Österreich nicht nur reines Schriftdeutsch gesprochen und geschrieben: so wird bei ihnen „auf dem Berg“ zu „am Berg“ oder wenn du einen Blumenkohl möchtest, musst du Karfiol bestellen – wie wir Schweizer haben auch sie Wörter aus dem umliegenden Ausland eingedeutscht, manches ist auch Überbleibsel von vorübergehenden feindlichen Besatzungen. Zudem erstreckte sich das KuK Österreich ja über diverse Sprachgrenzen hinweg in Richtung Osten wie auch Süden.

      Ich gehöre – wie ich grad so merken musste – zu den Abgrenzern! Aber auch zu den Toleranten. Wir SchweizerInnen haben so den Hang, uns sprachlich umgehend an unser Gegenüber anzupassen – das nervt mich zunehmend, weil ich darin eine Unterwürfigkeit orte, die mir nicht passt. Egal, ob wir – vor allem in den urbanen Gebieten, weniger auf dem urtümlichen Land – englisch, französisch, italienisch oder eben Schriftdeutsch angesprochen werden, umgehend versuchen wir, in ebenjener Sprache zu radebrechen, die uns entgegenschallt. Das finden wir sonst eigentlich nirgends auf der Welt! In der Regel wird erwartet, dass, wer sich ins Ausland begibt, auch wenigstens rudimentär die Landessprache beherrscht.

      Dass Deutsche in der Deutschschweiz ruhig bei ihrer Sprache bleiben können, versteht sich von selbst. Da wir Schweizer den Deutschen gegenüber Vorurteile haben – wie z.B., dass sie arrogant seien, sich zu wichtig nehmen – müssen wir uns aus unserem eigenen Minderwertigkeitsgefühl heraus (und das ist leider eine Tatsache, liebe Landsleute) ziemlich schroff abgrenzen. In unseren Ohren tönt das Schriftdeutsche oftmals geschraubt, „hochgestochen“ und intellektualisierend – während der Dialekt halt nah bei den Gefühlen ist. Und da wir als eine unserer höchsten Tugenden die Bescheidenheit auf unsere Fahne geschrieben haben, möchten wir uns deutlich unterscheiden von „den Deutschen“! jaja – die lieben Vorurteile!

      Und die geheimen Kämmerlein der Volksseele! Kommt noch hinzu, dass die Schweiz noch immer leicht traumatisiert ist von den Ereignissen im 2. Weltkrieg – und der Rolle, die sie damals gespielt hat! Leider war die nicht ganz so rühmlich, wie es uns die Altvorderen Glauben machen wollten und es hat sich rausgestellt, dass nicht die Grenzbewehrung uns den Hals gerettet hat, sondern die Rolle als Hüterin von gestohlenem Hab und Gut und die Sicherung des Alpentransits. Tja – da steckt noch viel Selbsterkenndnis und Stärkung des Selbstvertrauens drin für uns SchweizerInnen! Nichtsdestotrotz finde ich gerade die deutsche Sprache in ihren vielfältigen Ausprägungen wahnsinnig spannend und ich liebe es geradzu, mich mal wieder in der Schriftsprache unterhalten zu können und dabei auf meine Helvetismen zu stossen!

      Auch wenn ich zugeben muss, dass es halt einfach eine Fremdsprache ist und dementsprechend ermüdet, sie perfekt sprechen zu wollen. Ja – und wie ist nun mein Verhältnis zu den Deutschen im Allgemeinen? Wohlwollen vorsichtig, nehm ich an. Da mein Schatz zur Hälfte (mütterlicherseits) bayerisch ist, aber im breitesten Bärndeutsch spricht, muss ich ja wohl mikro-kosmopolitisch offen sein! Und ich bin von Natur aus jemand, die den Menschen kennenlernen will, nicht den Deutschen, Franzosen, Engländer etc.! Differenzierung ist gefragt – allerdings – Vorurteile sind so herrlich einfach und immer für einen Lacher und eben Selbsterkenntnis gut!

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