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Heu, Häiw, oder Heuw — Bei Ortsnamen bitte kein Schweizerdeutsch

  • Meteo auf Schweizerdeutsch ist in Ordnung
  • Vor einiger Zeit wurde hier auf der Blogwiese die Diskussion geführt, ob die Sendung METEO im Schweizer Fernsehen auf Schweizerdeutsch oder auf Hochdeutsch gesendet werden sollte. Eine grosse Gruppe sprach sich dafür aus, diese Sendung nicht auf Hochdeutsch sondern im heimischen Idiom hören zu wollen. Die wenigen Tessiner oder Westschweizer Zuschauer könnten ja entweder ihre eigenen Landessender über Kabel sehen, oder wie die ausländischen Touristen einfach nur die grafischen Symbole betrachten.

  • Landeskarten in welcher Sprache?
  • Die anregende Diskussion zum Thema „Hochdeutsch im Kindergarten“ zeigte weiterhin, wie emotionsgeladen jeder Bereich verteidigt wird, in dem das Schweizerdeutsche vom Hochdeutschen ersetzt werden soll. Es gibt jedoch einen Bereich in der Schweiz, da empfinden alle einhellig Hochdeutsch als eine ganz prima Sprache, und jede Bestrebung hier Dialekt im grossen Stil einzuführen, stösst auf erbitterten Widerstand. Die Rede ist von der Landeskarten, die Frage der Schreibweise von Flurnamen. So lasen wir in einem Artikel der NZZ vom 24.01.06, S. 13:

    [So] legt das Bundesamt für Landeskarten (Swisstopo) einen Entwurf zu neuen Richtlinien für die Schreibweise der Lokalnamen (Flurnamen) vor. Auf 57 Seiten werden wissenschaftliche Grundsätze und Regeln für die Schreibweise von Lokalnamen in der Schweiz, sogenannte «Toponymische Richtlinien», aufgestellt – und das in einer Rigidität, die an die Mundarttümelei der geistigen Landesverteidigung erinnert. So sollen in Zukunft folgende exotische Namen auf den Landeskarten stehen: Wannili, Bidumji, Glettiritza, Ghöcht, Chäästaal, Frooi Uusicht, Höje Laas, Düüheltor, Sundloue ne, Grüobini, Bir Heejen Schirr, Besch Hieti, Totuflieji.
    (Quelle: lokalnamen.ch)

    Bravo! Wenn schon die Schriftsprache aus dem Alltag verbannen, dann aber auch richtig. Wer braucht denn überhaupt noch Hochdeutsch? Wer „Wulche“ und „Ragge“ versteht, der kommt auch mit diesem Lieblingszitat unserer Schwester im Geiste, Frau Eichenberger-Reichmuth zu Rande:

    Deet, wotzunä tuät fürägüxlä, ischäs mäischtsunnig. Ond übrau viumiudr, wenns mitem näbu de nit chewtr wiird. Metem hööätüüf öberde naupä.
    (vgl. Blogwiese)

    Bei Meteo muss man das ja nicht lesen, sondern nur hören. Und beim Verstehen helfen uns die kleinen hübschen Piktogramme auf der Wetterkarte. Gegen die Schweizerdeutsche Schreibung von Flurnamen hingegen regt sich Widerstand:

    Was soll nun der einfache Kartenbenützer, was soll der Tessiner und Westschweizer mit diesen unlesbaren Namen auf den Landeskarten und Plänen anfangen?
    Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. 1947 entfachte sich ein Streit zwischen dem Linguisten der Landestopografie und Sprachwissenschaftlern und Kartographen. Die Landestopografie entwarf 1947 – ähnlich wie nun 2005 wieder – Richtlinien, wonach auf Landeskarten und Grundbuchplänen die lokalen Namen (Flurnamen) in extremmundartlicher Schreibung erscheinen sollten, das heisst, die Namen sollten so geschrieben werden, wie sie am entsprechenden Ort gesprochen werden.

  • Sprechen Sie auch extremmundartlich?
  • Den Ausdruck „extremmundartliche Schreibung“ müssen wir uns merken. Ob es auch eine „extremmundartliche Sprechweise“ gibt? Wir werden demnächst unser Schweizer Gegenüber bitten, weniger „extremmundartlich“ zu sprechen, und drauf aufpassen, wie die extreme Reaktion ausfällt.

    Diese starke dialektale Ausprägung des Regionalen hätte aus den Landeskarten sozusagen einen Dialektatlas mit mundartlichen Varianten gemacht. Allein im kleinen Kanton Obwalden wären so oft drei bis vier Schreibweisen (Heu, Häiw, Heuw) auf Karten zu schreiben.

    Na und? Endlich wird mal die Vielfalt der Schweizer Dialekte gehörig gewürdigt? Begeben Sie sich am nächsten Herbstsonntag auf eine Wanderung durch den Kanton Obwalden und lernen Sie Dialektologie hautnah und lebensecht kennen! Sie brauchen nur eine dieser aktualisierten Karten.

    Gegen ein solch dialektales Experimentierfeld erhoben schon 1947 bedeutende Linguisten und Kartographen Einspruch. So schrieb der bedeutende Kartograph und ETH-Professor Eduard Imhof an den Direktor der Eidgenössischen «Die Meinungsverschiedenheiten beziehen sich auf die Grenzzone zwischen mundartlicher Schreibung und schriftlichem Sprachgebrauch. Man darf sich über gewisse feste, allgemein vertraute Schreibgebräuche und über den Hauptzweck der Pläne und Karten nicht hinwegsetzen. Dieser Hauptzweck ist die Orientierung. Das Haupterfordernis ist möglichst leichte, allgemeine Lesbarkeit, und zwar nicht nur durch Ortsansässige, sondern in erster Linie auch durch Ortsfremde. Die allgemeine Schreibgewohnheit, die leichtere und allgemeine Verständlichkeit muss höher bewertet werden als sprachliche Einheitlichkeit, sprachliche Ästhetik und wissenschaftliche Einsicht.»

    Warum diese Erkenntnis sich lediglich auf die Flurnamen und Karten erstreckt, bleibt uns ein Rätsel. Rücksicht auf Ortsfremde, Lesbarkeit, Verständlichkeit — Beim Thema „Förderung der Hochdeutsch-Fähigkeit“ wurden diese Argumente nie angeführt. Da gilt es sich zu integrieren, einen Kurs zu besuchen, und so schnell wie möglich Schwiizertüütsch verstehen zu lernen, alles ganz ausser Frage.
    Der Beobachter schreibt:

    «Flurnamen leben in und aus dem Dialekt, darum müssen wir sie in der Mundart schreiben», beharrt Sprachwissenschaftler Erich Blatter. Sprichts und schickt sich an, mit neuen Richtlinien und einer Vernehmlassung der 60-jährigen Laissez-faire-Praxis Paroli zu bieten. Harmonisierung heisst das Zauberwort, und «Schreib, wie du hörst und sprichst» lautet das Motto.

    So wie wir es von den E-Mails der Schweizer Jugendlichen kennen, aus der SMS-Kommunikation und auch aus immer mehr Blogs.

    (…) Hochdeutsch? Spricht keiner. Also weg mit der Teufelsküche, her mit der Tüüfels-Chuchi. Dialektnah, wie es sich gehört. Kein Problem, was die Landeskarten betrifft: Sie werden alle sechs Jahre nachgeführt. «Und die Wanderwegweiser, Bergkarten, Tourismusführer und Interneteinträge», hakt Martin Schlatter abermals ein. «Bis die angepasst sind, dauert es Jahrzehnte und kostet Unsummen.»

  • Probleme gibt es bei der Verschriftung kaum. Oder doch?
  • Nicht nur dem Hochdeutschen geht es an den Kragen. Selbst an der regionalen Mundart wird gefeilt. In den Kantonen, in denen Volkes Mund Bärg sagt statt Berg, soll künftig der Bärg auch auf der Karte stehen. Bloss: Wie Volk selber hört, dass es spricht, die Experten ihrerseits aber meinen zu wissen, wie es korrekt sprechen und damit auch schreiben soll – das sind nicht selten zwei Paar Schuhe. (…)
    Mehr Harmonie sollen die neuen Richtlinien doch schaffen. Wie bloss, wenn selbst aus dem gewohnten «Hochbüel» ein «Hoochbüül», das «Rifeld» zum «Riifäld» und die «Lehmgrueb» zur «Laagrueb» werden muss? Dann ist es mit der Einsicht der Ortsansässigen in Sachen Erhalt des Kulturguts schnell vorbei.
    (Quelle: Beobachter 23/05, zitiert nach lokalnamen.ch)

    Das Umstellen der Karten kostet Geld. Die Lesbarkeit und Verwendbarkeit für Ortsfremde sollte das geringere Problem sein. Die könnten ja
    1.) endlich mal den lokalen Dialekt anständig lernen, wenn Sie hier schon Urlaub machen wollen und
    2.) alle paar Jahre eine neue Karte oder einen neuen Reiseführer kaufen, um die Binnennachfrage zu beleben.

  • Wer gefunden werden will, soll gefälligst einen Kurs machen
  • Aber es gibt noch ein drittes Argument, welches gegen die Veränderung der Flurnamen spricht:

    Robert Frey ist bei all dem gar nicht zum Lachen. Der Projektkoordinator bei Schutz & Rettung Zürich sieht das neue Regelwerk skeptisch. Der Rettungsdienst stützt sich auf die Namensdatenbank von Swisstopo, die – regelmässig aktualisiert – den neuen Richtlinien folgen soll. «Für uns ist jede Minute kostbar», sagt Frey. «Müssen wir lange nach korrekten Ortsangaben recherchieren, kann das gefährlich sein.» Was aber, wenn sich der Verunfallte erinnert, dass auf dem Wegweiser «Beim Babental» stand, die Datenbank aber nur noch die Form «Boobedel» kennt?

    Sollte das wirklich ein so grosse Rolle spielen? Wer mit dem Handy unterwegs den Rettungsdienst alarmiert, der soll gefälligst zuvor den ortstypischen Dialekt gelernt haben, sonst ist es nix mit Rettung. Deswegen nun Hochdeutsch bei Ortsnamen beibehalten? Nein, das braucht es wirklich nicht. Ausserdem sind Handys heutzutage sowieso leicht zu orten.

  • Wird das wirklich kommen? Aber sicher doch…
  • Die Sachlage hat sich seit dem Erscheinen der Artikel im Beobachter und in der NZU leicht geändert. Die swisstopo hat die „Toponymischen Richtlinien“ von 2005 im Mai 2006 ersetzt durch den „Leitfaden Toponymie 2006“, welcher zwar etwas weniger schlimm ist wie die „Toponymischen Richtlinien“, „Bärg“ (wo so gesprochen wird) wird immer noch propagiert anstelle immer „Berg“ zu schreiben. Den weiterern Verlauf der spannenden Diskussion kann jeder bei lokalnamen.ch verfolgen. Paul Märki fasst dort am 06.08.06 die momentane Situation so zusammen:

    Das Bundesamt stützt sich in diesen Richtlinien (2005 und 2006) ausschliesslich auf sprachwissenschaftliche Überlegungen und blendet nach meiner Meinung die zahlreichen praktischen Probleme aus. Die bisherige Schreibweise hat sich mehr oder weniger bewährt. Es geht nun nach meiner Überzeugung nicht darum abzuwägen, ob die revidierte Schreibweise besser ist als die bisherige. Es geht vielmehr darum zu realisieren, dass die fraglichen Vorteile einer revidierten Schreibweise die klaren Nachteile einer jahrzehntelang dauernden Umstellungsphase nicht rechtfertigen. Die Lokalnamen (Flurnamen) auf der Landeskarte und in der Amtlichen Vermessung sind heute in erster Linie eindeutige Lagebezeichnungen und erst in zweiter Linie ein Spiegel der Mundarten. Darum soll die gegenwärtige Schreibweise der Lokalnamen (Flurnamen) unverändert bleiben.
    (Quelle: lokalnamen.ch)

  • Wo geht es hier zur Randesstroos?
  • Die Umstellung ist derzeit im vollen Gange. Der Kanton Schaffhausen hat Schleitheim bereits im Kartenwerk umgestellt. 66% aller Namen mussten angepasst werden. Hier die derzeitige Karte von Schleitheim, der Lendenberg heisst noch Lendenberg.
    Schleitheim bei Swisstopo
    (Quelle: Ortsplan Schleitheim)

    So lasen wir zu Schleitheim SH auf der Geometa.info Seite:

    Änderungen in der Amtlichen Vermessung in der Gemeinde Schleitheim SH
    2002 / 2003 wurden in Schleitheim Kanton Schaffhausen von 315 Lokalnamen deren 209 geändert (66%) vgl. Flurnamenliste. Die Lokalnamen wurden von einer mundartlichen Schreibweise (Weisungen 1948) auf eine lautnahe Mundarschreibweise geändert. Gemäss Leitfaden Toponymie 2006 wäre es wegen der restriktiveren Handhabung von Doppelvokalen möglich, dass sich ca. 30 Lokalnamen weniger ändern würdern (es wären dann insgesamt 179 geänderte Lokalnamen, was 57% aller Namen entspricht)
    72 Veränderungen weglassen stummes –n z.B. Brüelgarten > Brüelgaarte (alle Beispiele)
    34 Veränderungen Schriftsprache -> Mundart z.B. Altes Schulhaus > Aalts Schuelhus (alle Beispiele)
    30 Veränderungen einfacher Vokal -> Doppelvokal z.B. Auhäldeli > Auhääldili (alle Beispiele)
    23 Veränderungen e -> ä z.B. Gähweg > Gääwäg (alle Beispiele)
    50 Veränderungen Diverses z.B. Ischlag > Iischleg (alle Beispiele)

    (Quelle: geometa.info)

  • Vom Pflägheim zum Alprestorã
  • Hier die komplette Flurnamenliste der 2003 beschlossenen Namensänderungen als PDF. Sie sollen auf den nächsten Karten gedruckt werden. Der auf der abgebildeten Karte von Schleitheim gezeigt „Lendenberg“ soll also in der nächsten Fassung zu „Lendebärg“ mutieren. Dann muss auch der „Lendenbergsteig“ zum „Lendebärgstiig“ werden, und die „Lendenbergstrasse“ zur „Lendebärgstroos“. „Under em Lendebärg“ gibt es bereits. Underberg auch, ist lecker.
    Aus Lendenberg wird Lendebärg
    (Quelle neue Flurnamenkarte: museum-schleitheim.ch)

    Hübsche Aufträge für die Hersteller von Strassenschilder und eine Reihe von Adressänderungen wären die praktische Folge. Aber es gibt ja sonst nichts zu tun als Flurnamen anzupassen.

    Auf der Liste der beschlossenen Änderungen steht, dass aus dem Alters- und Pflegeheim ein „Aalters- und Pflägheim“ wird. Wenn das auf der Karte steht und Sie wollen Ihren „Aalten“ oder die Oma im Altersheim besuchen, dann viel Spass beim Suchen.

    Das „Alpenrestaurant Babental“ heisst zukünftig „Alprestorã Boobedel„. Ob da dann noch ein Ausflügler aus dem Schwarzwald hinfindet? Zumindest werden sie endlich begreifen, dass das da ein handfester Nasal am Ende vom „Restorã“ ist. Auf der neuen Karte steht unten links noch „Alprestaurant Babental„, aber es liegt nicht mehr dort im Babental, sondern schon im „Boobedel„, unweit der „Brüggliquäll„, die ganz ungequält dort hervorquellt. Ob der Wirt sich da quergestellt gegen das neue Restorã?
    Babental oder Boobeldel
    (Quelle neue Flurnamenkarte: museum-schleitheim.ch)

    Und ob unser „Bobbele“ Boris Becker vom „Boobeldel“ weiss? Vielleicht tät er ja sonst hierhin umziehen?

  • Wir machen eine Uusbilding
  • Zivilschutzuusbildingszentrum
    (Auszug aus der Flurnamenliste, Original siehe hier)

    Wir hoffen sehr, dass die Bildung im „Zivilschutzuusbildingszentrum“ nicht leiden muss, so lange sie unter Zivilschutz steht.

    Wir können uns nicht sattsehen an dieser fantastischen Karten, müssen unbedingt in nächster Zeit mal eine Wanderung durch diese Gegend einplanen. Zum „Staabruch Harnischbogg“, wo die Stare oder Stars gebrochen werden, zum „Rachistelwääldli“, zum Röötebärg und zum „Randestroossbrunne“, in dem die Randen (Rotebeete in der Schweiz), gewaschen werden? Gelebte Dialektologie an jeder Waldecke, das fängt richtig an Spass zu machen.
    Staabruch und Randestrooss

    

    33 Responses to “Heu, Häiw, oder Heuw — Bei Ortsnamen bitte kein Schweizerdeutsch”

    1. dissident Says:

      Abartig. Und das alles nur deswegen, wenn sie sich um Identität beraubt fühlen. Mein Gott, bewahre mich. Aber lange muss ich dies hier auch nicht mehr ertragen!

    2. Administrator Says:

      @dissident
      wart’s ab, das kommt sicher auch in Deutschland in Mode. Bin gespannt, wann sich die schwäbische Landeshauptstadt in „Schtuagart“ umbenennen lässt. Oder Freiburg im Breisgau sich nur noch „Friiburg im Briisgaü“ schreibt.

    3. kaba Says:

      totaler unsinn so etwas. wenn verstehen die leute endlich, dass sie auf ihre dialekte stolz sein können UND wo es nützlich und praktisch ist hochdeutsch reden und schreiben sollen.

    4. Der Wilderer Says:

      Na, das mit dem Uusbildigszentrum geht ja schon ein bisschen weit. Dass Flurnamen auf Dialekt geschrieben werden, ist aber höchst sinnvoll. Wie sollte denn der im Umgang mit Sprachvariationen eher ungeübte Bundesdeutsche die Haltestelle Krautacker finden, wenn der ungehobelt bäuerisch sprechende Schweizer partout nur vom Chruutacher sprechen will?

    5. sylv Says:

      supi zu sehen für was meine Steuergelder verschwendet werden……………

      Flurnamen die schon seit Jahrhunderten so existieren haben m.E. das recht so zu bleiben und müssen nicht ‚umgenamst‘ werden,neue Strassen/ Quartiere etc könnten ohne weiteres moderner,sprich allgemein verständlicher benennt werden.

      Sogar ich die ich doch sprachlich gewandt bin,habe Mühe die neuen Namen auf der SH karte zu verstehen……fertigeChutzemischt!

    6. Kiki Says:

      Landkarten und Flurnamen auf Schweizerdeutsch – womöglich eine Maßnahme, um potentielle Invasoren zu verwirren? 😉

    7. Fäbu Says:

      Buchtipp: Obwaldner Mundartwörterbuch von Karl Imfeld

    8. Rouven Says:

      Ok…das ganze ist gelide gesagt lächerlich. Da haben wohl die Töpflischeisser die Macht in so manchen Institutionen übernommen. Kein Wunder, wer arbeitet den sonst noch bei Behörden, als die Leute, die Ihr Heimatdorf oder auch Heimatland noch nie verlassen haben.

      Traurig für die Schweiz und erst Recht für die anderssprachigen Landesteile. Hoffentlich siegt die Vernunft über diesen schwachsinnigen Nationalismus.

      Der Dialekt bleibt auch so erhalten. Allerdings könnte man über eine Karte in Dialekt nachdenken, die es NEBEN der normalen Karte zu kaufen gibt. Da müsste man aber wieder festlegen, dass die normaldeutsche Karte erhältlich bleibt.

      Wieso? Wieso nur werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Schweiz damit nicht nur in Österreich und Deutschland (und den anderen zig-Millionen deutschsprechenden in der Welt) lächerlich macht…

      PS: Bin doch etwas schockiert darüber. Als ob es keine anderen Probleme gebe.

    9. renegade Says:

      sag mal jens, hast du nicht richtig auf swisstopo nachgeschaut? Ich sag nur mach die Glotzen uff 😉

      Hier mal ein kleiner Auszug der Stellungnahme TR05, komplett zu lesen unter
      (http://www.swisstopo.ch/pub/down/basics/topo/topogrund/TR05_Rueckmeldungen_de.doc):

      Einige Stellungnahmen gingen von der irrtümlichen Annahme aus, mit der Einführung der TR05 müssten sämtliche Namen abgeändert werden. Wir stellen deshalb klar: Wie schon die W48, so beziehen sich auch die TR05 einzig auf „Namen von geringer und lokaler Bedeutung“ (Lokalnamen; kleinste Einheit von Namen wie kleine Weiler, kleinere Täler, Wälder, Alpen, Fluren, Bäche, Hügel und Berge, etc.). Alle anderen Toponyme werden von den Richtlinien nicht angetastet, so etwa die amtlich festgelegten Namen von Gemeinden, Bahnstationen und Poststellen. Es kann also beispielsweise keine Rede davon sein, alle Wegweiser oder Ortstafeln abzuändern. Lokalnamen erscheinen draussen im Gelände ohnehin kaum auf Schildern, abgesehen von einzelnen Wanderwegweisern – und gerade dort herrschte ja bisher Uneinheitlichkeit in Sachen Schreibweise. Die in einigen Stellungnahmen geäusserten Bedenken, die Namenstabilität würde durch solch breit angelegte und tief greifende Abänderungswellen leichtfertig aufs Spiel gesetzt, oder der Umstellungsaufwand wäre zu gross und würde zu hohe (Folge-) Kosten verursachen, können demnach klar entkräftet werden.
      Zum andern: die TR05 verfolgen natürlich nicht die Absicht, die Kantone zur Überarbeitung ihrer gesamten Nomenklatur zu verpflichten. Vielmehr sollen die Richtlinien vor allem bei Ersterhebungen zum Zuge kommen. Der Bund sieht nicht vor, grossflächige Revisionen der Nomenklatur zu subventionieren.

    10. myl Says:

      Ich finde, es geht keinen „fremden Fötzel“, ob deutschsprechend oder nicht, etwas an, WIE eine Strasse, ein Berg, eine „Flur“ bezeichnet ist. Es ist auch egal, ob es ein schriftdeutscher Name, oder eine Dialektbezeichnung ist –

      Hauptsache

      1. dass der Name zum jeweiligen Gebiet passt und von der regionalen Bevölkerung allgemein akzeptiert ist
      2. Er auf JEDEM (!) Kartenwerk gleich ist (wie ich schon einige Blogs zuvor angemerkt habe)

      Ich möchte ja nicht wissen, wie viele dialektale Namen in anderen Sprachgebieten vorhanden sind, welche wir mit Garantie auch nicht einwandfrei aussprechen und wahrscheinlich schon gar nicht verstehen können.

    11. Branitar Says:

      Das mag ja eine dumme Frage sein, aber wie gehen die angesprochenen Rettungsdienste damit um? Die benutzen ja meist Navigationssysteme. Woher weiss der Bedienende, was die richtige Schreibweise der Strasse/der Wiese/des Hügel ist, besonders, wenn er aus einem anderen Dialektgebiet stammt? Die meisten Datenbanken suchen ja nicht phonetisch sondern beginnen mit dem ersten Buchstaben und gehen dann alle weiteren durch, bis sie einen Treffer haben (oder zumindest etwas ähnliches.) Was, wenn der lokale Dialekt eher phonetisch ein „oo“ schreibt, der Dialekt des Mitarbeiters trotz ähnlichem Höreindruck aber eher „aa“ benutzen würde?

    12. Friederike Says:

      Flurnamen, auch für Zugereiste unnachvollziebare, sind Teil einer lokalen, regionalen oder auch nationalen Identität. Und das soll auch so bleiben. Mundartlich gehaltene Flurnamen gibt es in allen Sprachen. Wo ich herkomme, gibt es Strassennamen, die überhaupt nicht in Standard-Deutsch daherkommen. Beispiele gefällig? Diekmanns Wätken, Krassens Wätken, Vikarien Diek, Depenbrockerskamp, Kivitstegge, Kusenhook … usw. Es wirkt schon ein bisschen borniert, bei Jahrhunderte alten Bezeichnungen eine alleinseeligmachende Standart-Deutsch Bezeichnung anzumahnen. Dass so etwas mit Nationalismus etc. gleichgesetzt wird, wirkt beinahe schon pathologisch.

    13. Feustel Says:

      Wahrung des Schweizer Dialekts in Ehren, aber bei der Idee hatt doch manch einer seinen Verstand bei der letzten Sauftour in der Kneipe vergessen!
      Ausserdem höre ich persönlich etwas Egoismus aus dieser Aktion heraus.

      Wobei ich mir das aber lustig vorstelle wenn zig Otto-Normalbürger in ihren Autos mit Navi völlig verwirrt durch die Gegend fahren.

    14. widi Says:

      Ich halte das auch für einen Blödsinn.

      Vor allem, weil ich es zum Beispiel für fraglich halte, ob den „Lendebärg“ im Schaffhausischen richtig ist. Gerade im Ostschweizerischen sind doch die Vokale ab und zu einiges spitziger, und ich hätte jetzt eher gesagt, auch da müsste man „Lendeberg“ sagen, da „berg“ gleich ausgesprochen wird wie „Lende“…

      „Pfopf-ond-Näbu“ sage ich da nur!

    15. Thomas W. Says:

      Das System auf Deutschland übertragen könnte dann ganz lustig werden. Man sollte dann Wegweiser zu Großstädten unbedingt noch regional staffeln. Auf den Autobahnen wird folglich im Bereich Hannover hochdeutsch „Nach München“ angegeben, während es in Niederbayern plötzlich heißt „uf Minga“, nur um dann im Großraum München, beispielsweise bei Frötmaning, wieder auf „Münchn“ zu wechseln. Dafür dürfen wir dann bis zur Schweizer Grenze „Richtung Züricher See“ schreiben, hurra, ätsch!

    16. TL Says:

      Also die Flurnamen in Dialekt umzuschreiben ist ganz bestimmt nicht identitätsstiftend. Jahrhundertelang stand es schliesslich in Standarddeutsch in den Karten. Allerdings gibt es in Schweizer Landkarten durchaus, regionale Begriffe. Ist mir schon oft auf Wanderkarten aufgefallen. So was muss sich allerdings entwickeln. So eine Hau-Ruck-Methode ist bestimmt nicht identitätsstiftend.
      Ich halte diesen Vorschlag allerdings für den Wunsch, von leuten, die mit Deutsch in der Schule Schwierigkeiten hatten. Und daneben muss ich der Idee zustimmen, dass der Vorschlag von Leuten stammt, die wirklich nicht all zu oft aus Ihrem Heimatkaff rauskamen. In Deutschland gibts ja auch so Spezialisten.
      Wieso macht man die Karten nicht gleich in englisch? Acho das müsste man wieder Schreibregeln lernen. *Achtung Sarkasmus*.

      @Frederike:
      Da Du schon mit medizinischen Begriffen um Dich wirfst solltest Du allerdings wissen, dass die Pathologie, die Ursachenforschung ist, nicht das Krankhafte. Dein Kommentar bewirkt also sozusagen das Gegenteil von dem was Du ausdrücken wolltest. *lol*

      Was der Schreiber mit dem Nationalismus, meinte, war vermutlich, der ständig wachsende Einigelungseffekt in Europa, anstatt sich mal an einen Tisch zu setzen und was gemeinsam zu planen.
      Aber Nationalismus ist natürlich das falsche Wort. Seh ich auch so.

      Ist mir aber auch egal, da ich kein Schweizer bin. Sollen die doch machen was Sie wollen. Hauptsache ich finde das Bergrestaurant bzw. Bärgrestora…

      Ok…ich wär als Schweizer auch dagegen. 😉

    17. Dada Says:

      @ Jens,
      was verstehst du unter Ragge? Denkst du da an „Regen“ ? Das wird wohl kaum in einem Dialekt so ausgesprochen. Ich habe schon oft festgestellt, dass du grosse Probleme hast, Mundart in Schriftsprache umzuschreiben. Lass es doch einfach sein, auch wenn du es so verstehst. Ich schreibe ja auch nicht in irgendeinem fremdsprachigen Forum von Wörtern so wie ich sie verstehe. Entschuldige, aber wenn du uns Schweizern ständig unsere Fehler und Unzulänglichkeiten vorwirfst, musst du auch mit einer Retourkutsche rechnen! Gruss Dada

      [Antwort von Jens:
      Das war ein Eigenquote… in der Frühzeit der Blogwiese habe ich mal in meinem laienhaften naiven Unverstand versucht aufzuschreiben, wie wir die Meteo-Sendung auf Tele-Zürich akustisch wahrgenommen haben, als wir noch nicht lange in der Schweiz wohnten. Der Artikel ist hier noch zu finden. Du hast ganz recht mit der Feststellung, das ich grosse Probleme habe, Mundart in Schriftsprache umzuschreiben, auch das wurde schon auf der Blogwiese diskutiert: http://www.blogwiese.ch/archives/59

      Ich habe es dann auch sein gelassen, bzw. Schweizer um Rat gefragt, um dann erneut festzustellen, dass die sich auch alles andere als einig darüber sind,
      ob es nun Schweizerdeutsch, Schwiizerdütsch, Schwyzerdütsch oder Schwiiztertüütsch heissen muss.

      Gegen eins wehre ich mich aber mit aller Deutlichkeit: Ich habe nie Schweizern „Fehler“ oder „Unzulänglichkeiten“ vorgeworfen, sondern bin permanent damit beschäftig, Varianten unserer wunderbaren gemeinsamen Deutschen Sprache zu entdecken, zu beschreiben und darzustellen. Wenn Du das Gefühl hast, ich möchte „Fehler“ feststellen, dann sag mir bitte, an welcher Stelle das geschieht. Ich werde diesen Passus dann gleich löschen. Wer bin ich denn, dass ich mir anmasse, es sei richtiger oder falscher wenn wir Hitzgi oder Glugski statt Schluckauf, wenn wir Estrich statt Bühne statt Dachboden sagen, oder wenn „sich ändern“ besser als „das Wetter ändert“ sein soll.
      Also nochmal: Zeig mir wo Du das Gefühl hast, ich würde Dir Unzulänglichkeiten vorwerfen. Wir sprechen doch alle unsere Varianten, und die meinige ist garantiert niemals fehlerfrei, denn soetwas gibt es nicht, weil es sich hier um lebendige Sprache und kein totes Regelwerk geht.]

    18. SUI 66 Says:

      Muess do no öpper noch e chlich „dialäkt“ lere?

      Irgendwie ha i z’gfüehl, das sie dochnid z’wätter uf em SF vestönd. E chline dipp: i jedere nachrichte chunt uf em DRS 1, DRS2 und DRS 3 z’wätter uf schwyzerhochdütsch. Ach übringens uf em DRS2 düents nume standartsprache rede.

      Mi erstunts immer wieder wi viu sinvoui komentaer uf iri textli gschriebe wärde. An u fürsich wäri z’thema flurnäme jo scho interssant. Verstöhnd sie vielich doch key schwyzerschriftdütsch? Renegade het en interessante link anghängt. I minie ouge steit i dem aoues umissverschtädli, aoues wo me zu dem thema wüsse muess. I dou en no e mol hiee hie (voraouem söt me de letzi abschnit lässe): http://www.swisstopo.ch/pub/down/basics/topo/topogrund/TR05_Rueckmeldungen_de.doc

      Für alle die, die noch einen Denkanstoss nötig haben:

      Muss ich einen Namen wirklich verstehen um zu Wissen wo ich bin? Ich denke sicher nicht. Sonst wäre ich in Finnland, Schottland, Deutschland und wo auch immer, sicher Orientierungslos. Oder kann mir vielleicht jemanden hier aus dem Stegreif sagen was Caol Ila, Oban, Talisker, Cottbus, Zürich oder Luzern bedeutet?
      Wenn ich Beispielsweise dem Rettungsdienst sage, dass sie zur Schiffstation Seeburg kommen sollen, finden sie mich sicher. Die haben Kartenmaterial (Kartenplotter), mit dem sie sich orientieren und mich finden können.
      Ein weiteres Beispiel:
      Man befindet sich auf einer Bergtour. Jemand von der Gruppe kann nicht mehr weiter gehen. Der Rettungsdienst muss gerufen werden. Zu den Koordinaten (selbstverständlich hat jeder heutzutage ein GPS dabei)gibt man auch noch den Lokalnamen (aus Karte, wenn nicht verständlich, dann im Internat. Funkalphabet buchstabieren)durch. Somit hat der Rettungsdienst eine Plausibilitätskontrolle zu den Koordinaten. Ach ja, wenn der Flurname per Zufall Steinschlagsschlucht oder Wolfsschlucht heisst, so sollte man sich fragen, ob man sich nicht leicht verirrt hat.

      Deutsche Ortschaften:

      Kann mir jemand von der deutschen Fraktion sagen was:
      Bremen oder München bedeutet?
      Hamburg ist klar, dass kommt von Hamburger (Bitte jetzt nicht an die Geschichte denken. Ich bin mir bewusst was es bedeutet, wenn man über diesen Namen weiter nachdenkt.).

      Rassismusgesetzt und Gemeindenamen:

      Vermutlich muss die Gemeinde Möriken in naher Zukunft den Namen ändern. Das geht doch nicht, dass man in der heutigen Zeit so einen diskriminierenden Namen wie More als Gemeindenamen hat. Dazu kommt noch, dass sie einen schwarzen Kopf als Gemeindewappen hat.

      Es wäre interessant zu wissen, von wo die Endung „kon“ kommt.

      Achtung hier wird mit einem Präzisions-Sturmgewehr scharf geschossen!:

      Ob mit Töpflischeisser ein Töpflischisser oder doch eher ein Tüpflischisser gemeint ist? Vor langer Zeit (etwa um 1950) meinte eine ital. Haushaltsgehilfe zu einem Verwandten von mir, er sei ein Punktscheisser. Somit hätten wir eine Übersetzung. Tüpfli bedeutet nichts anderes als Punkt………..
      Tüpflischisser ist eine „übergenaue“ Person, die auf jeden Punkt achtet.

      Gewisse Sachen brauchen halt ihre Zeit. Wie ich gehört habe, so sollen bis 2010 alle Gemeinden von der Schweiz digitalisiert worden sein. Was das auch immer bedeuten mag (Erstverm., Zeitverm. Usw.). Normalerweise finden solche Flurnamenbereinigungen während einer Bearbeitung eines Verm. Werkes statt.

    19. Stefan Says:

      @ Branitar
      für die Einsatzdisposition der Rettungsdienste ist dies tatsächlich ein Problem, vor allem bei grossen Einsatzzentralen, welche verschiedene Dialekte bedienen müssen. Da wird auch auf Schriftdeutsch zurückgegriffen.

    20. ak Says:

      Bitte Jens, sag mir das dies ein Aprilscherz ist!

      [Anmerkung Admin: Was denn? Das Ganze? Meine positive Grundhaltung bezüglich „Dialekt lernen um seinen Standort im Wald deutlich angeben zu können?“ Die tatsächlich existierende Liste der Flurnamen von Schleitheim? Nein, das ist alles wahr und nichts dazuerfunden. Nur dass das Zivilschutzausbildungszentrum im Endeffekt doch auf Schriftdeutsch belassen wurde, das habe ich erst später auf der Karte entdeckt]

    21. solar Says:

      Chapeau, Jens, was Du da wieder als Problemgebiet aufgeworfen und umfangreich recherchiert hast!

      Ich finde die Situation, von der ich auch schon anderswo gelesen habe, ziemlich problematisch und vor allem nie korrekt durchführbar. Ganz abgesehen von Unsicherheiten für die Rettungsdienste (wie bereits verschiedentlich erwähnt), wo vielleicht wirklich Sekunden zählen.

      Die Schweizer Dialekte haben unendlich viele Vokalabstufungen, die schriftlich nicht sichtbar gemacht werden können. Allein das Wort „Abend“ gibt es in allen erdenklichen Abstufungen zwischen „Aabe“ und „Oobe“. Jedenfalls noch vor einer Generation konnte man Personen aus dem Nachbardorf allein daraus erkennen, dass sie einen Vokal in bestimmten Wörter etwas offener oder geschlossener aussprachen.

      Als Kind prüfte mich mein Glarner Grossvater, ob ich das Wort Föhn (warmer Fallwind in Süd-Nord-Tälern der Alpennordseite) korrekt glarnerisch aussprechen könne. Das ist nämlich eine präzise Stufe irgendwo zwischen „Füü“ und „Föö“. Man stelle sich nun vor, wie unterschiedlich ein St.Galler, ein Basler und ein Berner mein geschriebenes Beispiel artikulieren werden. Rund um diesen markanten Südwind gibt es bestimmt auch Flurnamen, die wiederum auf Karten oder Wegweisern geschrieben werden sollten. Aber wie? Doch wohl „Föhn…“, weil das zweifelsfrei verstanden wird.

      Nochmals: Die ganze Verdialektisierung von Orts- und Flurnamen scheitert nur schon am Mangel an Vokalunterscheidungszeichen.

      Darum soll sie – falls überhaupt – in einem Rahmen gehalten werden, in dem jede Bezeichnung für alle Dialekte noch blitzschnell und ohne lautes Buchstabieren und Ausprobieren verständlich ist. Vielleicht ist das dann im gleichen Wort teils Mundart, teils Standardsprache wie schon bisher. Standard bedeutet ja auch einen quasi gemeinsamen Nenner für alle und beruht auf Abmachungen. Also kann man etwas Vernünftiges auch abmachen, ohne dass Sprachpuristen gleich aufheulen.

      Werden dann Vokal noch verschliffen, wird es für Aussenseiter ziemlich schwierig. Den Flurnamen „Chöupu“ oder „Chüupu“ (Kirchbühl) müssen sie quasi Buchstaben für Buchstaben aussprechen, um zu erraten, was damit gemeint sein müsste. Wollen sie dann fragen, wo es nach Kirchbühl gehen, fragen sie wohl nach Ch-ö-u-pu (mit fast identischer Betonung auf jedem Laut), was wiederum für den Befragten eine kurze Verstehensübung bedeutet). Solche Orts- und Flurnamen, die standardsprachlich viel leichter verständlich sind, sollen auch so geschrieben werden. Vor allem „…tal“ statt „…tau“, „…bühl“ statt „…büäu“ und vergleichbare allgemein topografisch wichtige Bezeichnungen.

      Und sollten irgendwo Ortsansässige so stolz auf besondere Flurnamen sein, dass sie sich an der bisher üblichen Regelung stossen, ist es ihnen unbenommen, da und dort ein Schild auf eigene Kosten „zweisprachig“ gestalten zu lassen.

    22. Headcount Says:

      @sui66:
      München soll sich laut unbestätigten Quellen wohl von Mönche = Mehrzahl von Mönch ableiten.

    23. Thomas W. Says:

      @Headsount & sui66: Genauer gesagt von „beibd demb munichen“ oder so, also „bei den Mönchen“. Und Hamburg von der Hammaburg oder Hammer Burg. Berlin hingegen ist wohl ein slawischer Ortsname. Köln kommt von Colonia Agrippina, Bonn von castra bonum, Augsburg von castra augusta etc. Ich hoffe, das war jetzt alles halbwegs korrekt wiedergegeben.

    24. Branitar Says:

      # Stefan Said:
      „für die Einsatzdisposition der Rettungsdienste ist dies tatsächlich ein Problem, vor allem bei grossen Einsatzzentralen, welche verschiedene Dialekte bedienen müssen. Da wird auch auf Schriftdeutsch zurückgegriffen.“

      Ja, aber was nützt es, wenn im Funkverkehr auf Schriftdeutsch zurückgegriffen wird, wenn das Kartenmaterial im Navigationsgerät die Lokalnamen im Dialekt enthält? Wie Solar schon bemerkte, dürfte da die Rückübertragung in den lokalen Dialekt und die notwenige phonetische Verschriftung meist scheitern, speziell, wenn der Rattungssanitäter, der das Navi bedient eben nicht aus der Gegend ist…

    25. Branitar Says:

      P.S. ein Beispiel zu meinem Kommentar: Hegelstraße (Hochdeutsch) wird in Platt wohl zu Heechelstraat oder Heejelstraat, der Berliner sagt wahrscheinlich Hejelstraße, der Bayer (das ist geraten und wahrscheinlich falsch) Heagalstroaßn. Da nützt mir der Hochdeutsche Funkverkehr, wenn ich in Hessen diese Straße suche, die aber in der Karte als Hegelstroß eingetragen ist?

    26. Dada Says:

      @ Jens
      Die Fehler und Unzulänglichkeiten bezog ich nicht auf die Mundart, sondern auf das Standarddeutsch. Immer wieder machst du uns sehr fein darauf aufmerksam, dass unser Hochdeutsch verbesserungswürdig ist. Das zeigt sich in all deinen Blogs, wo du Verbesserungsvorschläge gibst, wie z.B. Standartdeutsch schon im Kindergarten zu sprechen. Auch ich finde, dass Deutsch immer mehr auf den Hund kommt, vor allem die Jungen haben scheinbar ihre Probleme damit. Ich sehe darin aber keinen Zusammenhang mit unserer Muttersprache Schweizerdeutsch. Wie ist denn der Zerfall des Deutschen in Deutschland zu erklären? Laut Spiegel sind ja die Grammatik und Orthographie bei den Jungen katastrophal!
      Gruss Dada

    27. Administrator Says:

      @Dada
      „dass unser Hochdeutsch verbesserungswürdig ist“.

      Also es ist nicht die Absicht der Blogwiese, das Hochdeutsch der Schweizer zu korrigieren oder zu kritisieren. Hingegen habe ich mich mehrfach dafür ausgesprochen, die Schweizer darin zu ermutigen und zu bestärken, Standarddeutsch auch als ihre Sprache zu akzeptieren, zu gebrauchen, darin zu fluchen, zu trösten, zu lieben, zu dichten, zu leben, was auch immer, und es nicht stets mit „spitzen Finger“ anzufassen, als das Ding in dem man nur schreibt, das man eh nicht kann, das am besten abgeschafft gehört, etc. etc.

      Du hast recht wenn Du kritisierst, dass auch in Deutschland die Fähigkeit im Gebrauch vom Hochdeutschen abnimmt. Es lesen ja auch Deutsche hier mit. Ich verstehe mich auch nicht als „Oberlehrer“ oder „Sprachpurist“, der irgendein Ideal verwirklicht sehen möchte, was nur in einer geschriebenen Grammatik oder im Duden steht. Sprache ist lebendig, lebt in Varianten und ändert sich permanent. Das versuche ich zu beobachten, und die Schweiz mit all ihren Besonderheiten ist ein ganz wunderbares Untersuchungsgebiet für solche Betrachtungen.

      Ich meine, dass die Schweizer zwei Muttersprachen haben: Ihren Dialekt und den Standard, in dem sie schreiben und hoffentlich auch sprechen. Sprache „zerfällt“ nicht, sondern wandelt sich. Selbst das berühmte „klassische Latein“, was so durchnormiert ist, war mal eine gesprochene Sprache die zu einem Zeitpunkt X aufgeschrieben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon jede Menge Ausnahmen und Verschleifungen eingeschlichen, die nicht mehr einer Norm entsprechen.

      Standarddeusch im Kindergarten zu sprechen sehe ich als gute Übung zur Zweisprachigkeit. Sollte auch in Deutschland praktiziert werden, und es gibt weiss Gott genügend Kindergarten im Schwabenland oder Baden, in denen kein Hochdeutsch gesprochen wird.

    28. Paul Märki Says:

      Danke, Jens-Rainer Wiese, dass Sie das Thema Lokalnamen auf Ihrer Blogwiese so ausführlich dargestellt haben. Ihr Ausführungen und die Antworten aus dem Publikum bestätigen mich in meiner Forderung: „Die heutige Schreibweise der Lokalnamen auf der Landeskarte soll unverändert bleiben.“ Mehr darüber auf http://www.lokalnamen.ch

    29. Chimaera Says:

      Sollte auch in Deutschland praktiziert werden, und es gibt weiss Gott genügend Kindergarten im Schwabenland oder Baden, in denen kein Hochdeutsch gesprochen wird.

      Das bezweifle ich ehrlich gesagt aber mal ganz stark…. Ich komm‘ auch aus nem Dorf mit 2200 Einwohnern….. Aber unverständlichen Dialekt sprachen wir dort schon ’90 nimmer. Leicht eingefärbt ja. Aber breites Schwäbisch, nee. Existiert nimmer.

      [Anmerkung Admin: Private Erfahrung steht gegen private Erfahrung. Dürfte schwer sein, das allgemeingültig zu belegen. Meine Erfahrung datiert tatsächlich auf 1997-1998, dass sind fast 10 Jahre her. Gebe Dir gern die Anschrift des Kindergartens.]

    30. Phipu Says:

      Ich hoffe, dass alle Lokaldialektpuristen, die seit Jahrzehnten verschriftete Ortsnamen unbedingt abändern wollen, sich aller kostenintensiven Konsequenzen und der verwirrlichen Übergangsphasen bewusst sind. Ohne eine vollständige Liste erstellen zu können, denke ich an:
      – Haltestellen für öffentlichen Verkehr und Folgen (Fahrplanimprimate, Haltestellenschilder, Anzeigen und Ansagen, Internetfahrplan)
      – Internet-Landkarten
      – Firmenschilder
      – Visitenkarten
      – Adressänerungen ohne Umzug – von allen Ämtern und Dienstleistern für die betroffenen Anwohner/Kunden durchzuführen

      Es verbietet ja niemand den alteingesessenen Einwohnern „Hopperste“ auszusprechen, wenn er innerhalb des hochdeutschen Ortsschilds „Hubersdorf“ wohnt. Den überregionalen Sanitätsdienst würde ich halt dennoch nach „Hubersdorf“ lenken. Gerade bei den vielen deutschen Mitarbeitern in Pflegeberufen kann das lebensrettend sein.

      Zum Glück wurde, wie oben beschrieben, das „Uusbild-INGS-zentrum“ nun nicht genau so geschrieben. Das hochdeutsche Wort „Ausbildungszentrum“ würde nämlich meines Wissens auch im Schaffhauser Dialekt als „Uusbild-IGS-zentrum“ gesprochen. Nur ein fast folgenschwerer Tippfehler?

      Willkommen in der Schildbürgerei Seldwyla (oder eher Seldwiile, Säldwiila, Säudele oder so?)

    31. Hansruedi Says:

      Wir verscherbeln so unsere Indendität. Wir leiden unter den Gleichmachern

    32. Nadja Says:

      @phipu:
      neinei, uusbild-INGS-zentrum ist völlig korrekt, wird aber, meines erachtens, v.a. in schleitheim (schlaate) so ausgesprochen…

    33. Severin Kunz Says:

      Werden hier eigentlich Schweizerdeutsche Posts gelöscht?

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