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Wenn es brennt, dann muss man löschen, oder? — „Feuer im Dach“

Wir lasen in Standardwerk für unverfälschte Schweizer Sprichwörter und Redensarten, dem Tages-Anzeiger vom 21.01.06:

Bei der Walliser Polizei ist Feuer im Dach

Nun, wenn es brennt, da hilft nur löschen, sollte man meinen. Aber hier brennt es gar nicht, hier wird Brauchtum gepflegt in Form von original Schweizerischen Redewendungen.
Feuer im Dach

Wir testen ein wenig, wie häufig es bei Google-Schweiz „Feuer im Dach“ gibt, und kommen auf immerhin 298 Fundstellen , von denen kaum eine etwas mit echten heissen Bräuten Bränden zu tun hat.

Interessant finden wir, dass diese Redewendung im Deutschen Sprachraum nicht überall das Gleiche bedeutet. Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm interpretiert den Ausdruck „Feuer im Dach“ ganz anders:

In niedriger sprache für kopf, hirnschädel, da ist gleich feuer im dach er ist ein hitzkopf.
(Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm)

Sind also die Walliser Polizisten alles Hirnschädel und Hitzköpfe? Wir hoffen nicht.
Im Lauf der Zeit muss sich das Feuer langsam vorgearbeitet haben, denn ursprünglich war nicht „Feuer im Dach“, sondern nur „am Dach“. Solches Feuer kennt auch der Duden, für Österreich und die Schweiz, und bringt ein Zitat aus der NZZ:

es ist/dann ist Feuer am Dach
(österr.,schweiz.): dann/es herrscht grosser Aufruhr:
„Wenn jedoch auch in der so genannten Paradedisziplin des österreichischen Skiwettkampfsports derart enttäuschende Ergebnisse wie jene in Kitzbühel auftreten, dann ist Feuer am Dach, beim Skiverband, aber auch bei der Industrie“
(NZZ 29.1.1983, 33)
Quelle: Duden-Band 11 (Redewendungen) S. 203

Wie gesagt, mittlerweile brennt es wesentlich häufiger „im Dach“ als „am Dach“, denn auch Redewendungen unterliegen offensichtlich physikalischen Gesetzen. Immerhin brennt es hier, und „mottet“ nicht nur. (vgl. Blogwiese)

Die alte Formulierung „Feuer am Dach“ gibt es bei Google-Schweiz nur noch 141 Mal. Also sind das jeweils keine Hitzköpfe mehr, aber dafür herrscht stets eine grosse Aufruhr. Na dann können wir ja den Feuerlöscher ungebraucht zurück in die „Nasslöschstelle“ bringen
und warten, bis sich der Rauch im oder am Dach verzogen hat.

  • Im Ruhrpott brennt es nicht, da dampft es
  • Wie würden wir in Deutschland ausdrücken, das „Feuer im Dach“ ist? Nun, da bieten sich einige Redewendungen an. Zum Beispiel: „Dann ist Polen offen“. Laut Duden steht das für:

    „da/dann ist Polen offen (da/dann kann alles Mögliche passieren, kann es Ärger geben)
    (Quelle: Duden)

    In meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, also „tief im Westen, wo die Sonne verstaubt„, bevorzugt man etwas drastischere Ausdruckformen. Da es dort die selige Erfindung des Robidog Hundebriefkastens noch nicht gibt, und häufiger mal eine Tretmine auf dem Bürgersteig zu finden ist, würde der typische Ruhrpöttler eine grosse Aufregung so ankündigen:

    „Dann is aber die Kacke sowat von am dampfen, eh“.

    In diesem Sinne… lassen wir es einfach dampfen.

    

    8 Responses to “Wenn es brennt, dann muss man löschen, oder? — „Feuer im Dach“”

    1. Sandra-Lia Says:

      geili sach dass.. 🙂 naja, es gibt noch so ein Beispiel: Es brennt im Restaurant. hat auch nix mit feuer zu tun 🙂

    2. Peter Says:

      In Süddeutschland sagt man entsprechend „Feuer unterm Dach“, also Streit im Haus.
      Gruß Peter

    3. Dan Says:

      Das mit „Polen offen“, weisst Du wo das herkommt? Ich traue mich das nicht zu sagen, ich habe es meist in der Bundeswehr gehört und deswegen an einen unheilvollen Ursprung gedacht. Da ich im Norden gedient habe, war dann politisch korrekter „Da brennt die Heide“ oder „Da kreist der Hammer“.

    4. yäni Says:

      vom offenen polen hab ich auch noch nie etwas gehört 😉 ich glaub ich halte mich von nun an eher an die redewendunges des ruhrgebiets ;D

    5. Administrator Says:

      @Dan
      Die Herkunft ist nicht geklärt, der Duden meint zu Polen:

      Polen; -s:
      Staat im östlichen Mitteleuropa:
      Redewendung: noch ist P. nicht verloren (noch ist nicht alles verloren; die Lage ist noch nicht ganz aussichtslos; nach den Anfangsworten der 1797 von Jósef Wybicki [1747-1822] gedichteten polnischen Nationalhymne); da/dann ist P. offen (da/dann kann alles Mögliche passieren, kann es Ärger geben).

      Gruss, Jens

    6. HalbCH/HalbD Says:

      Wenn es Feuer unter dem Dach hat, ist es manchmal auch Feuer im Dach.^^

    7. Administrator Says:

      @HalbCH/HalbD
      Das war mir jetzt irgendwie zu hoch, könntest Du das noch mal ganz langsam und genau erklären?
      Gruss, Jens

    8. HalbCH/HalbD Says:

      Einfach Peters Comment anschauen, danach sollte es klar sein, wenn nicht entschuldige ich mich hiermit für meinen zu kompliziert Gedankengag.
      Gruss

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