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Machen Sie auch klein in Mode? — Mödelis in der Schweiz

(reload vom 30.10.06)

  • Mödeli sind nicht immer aus Butter
  • Grosse Mode kennen wir, die kommt aus Mailand oder aus Paris. Kleine Mode muss verkleinert werden, in der Schweiz hilft uns da ein „li“ am Ende. Kein „Mödchen“ oder „Modilein“ sondern ein „Mödeli“ soll es sein, wenn man von der kleinen Mode spricht. Oder in der Mehrzahl von „den kleinen Mödeli“. Die sind uns in der Schweiz häufiger zu Ohren oder vor die Augen gekommen, die „Mödeli“. Zeit also, diesem Modewort einmal nachzugehen. Unser Slängikon sagt uns, „es Mödeli“das sei Anke. Nein, nicht die Anke Engelke, sondern die Butter-Anke. „Für mich auch Butter“ = „anche per me“, wie die Italiener sagen.

    Gemeint ist eigentlich nicht die Butter selbst, sondern die hübsche Form, mit der man apart aussehende Butterstückchen formt und auf einem Frühstücksbuffet präsentier.
    Butter Mödeli
    (Quelle Foto: zumbiline.ch). Man könnte natürlich auch einfach einen Kamm nehmen und damit ein paar hübsche Linien ziehen in die Butter, aber so sieht es einfach viel netter aus.

    Mödeli definiert Kurt Meyer so:

    Das flach rechteckig (in einem Model) gepresste Stück zu 100 oder 200 g, in dem die Butter im Einzelhandel verkauft wird. Artikel 103 der Eidgenössischen Lebensmittelverordnung verlangt, dass Margarine modelliert nur in Würfelform in den Handel gelangen darf. Die Mödeliform wurde ausdrücklich der Butter vorbehalten, um Verwechslungen auszuschliessen (NZZ 2.10.68)
    (Quelle: Schweizer Wörterbuch, S. 184)

    Wenn man Sie also einst zum „Modelschnitzen“ einlädt, dann will man nicht an der Model-Karriere der Haustochter arbeiten, sondern diese Holzteile herstellen. Hiermit werden sie geformt, die Mödeli:
    Mödeli für die butter
    (Quelle Foto: wyyparadiesli.ch)

  • Wenn die Form zum Inhalt wird
  • Form und Inhalt tauschten die Bedeutung, das passiert in Sprachen beim Bedeutungswandel nicht selten. Aus dem dicken Tongefäss, dem „testa“ = Tonscherbe, wurde in Frankreich der Kopf, der aussah wie ein Tongefäss, also „tête“ (diese kleinen Zirkumflexe stehen immer für ein früheres „s“ hinter dem Vokal, so wie bei Hostel > Hôtel). Doch zurück zur Butter, zur Anke, zum Mödeli! Gibt es neben der Butter nicht noch eine andere Bedeutung?

    Wir lasen im Internet über den Radiomoderator Pat Stöpper:

    das schreibt Laurent Rueff über die Mödeli von Patrick Stöpper
    (Quelle: www.basel1.ch)

    Ob der Mann Butter ins Haar tut, weil er Mödeli hat?
    Oder:

    Mödeli: Unterhose im Badezimmer liegen lassen
    Mödeli: Haar zwirlä
    Mödeli: Bi mängmal chli en Chaot und mach oft alles im letschte Moment
    (Quelle: Verein junger Skifahrer „jungschi.ch„)

    Hier geht es definitiv nicht um Butter oder Mode, sondern um „Modus“ = lat. Art und Weise etwas zu tun, um Macken, Angewohnheiten, kleine Eigenarten. Der Kontext der Verwendung von „Mödeli“ lässt diesen Schluss zu, so ganz sicher sind wir aber nicht bei der Beantwortung der Frage, wie aus einer „kleinen Mode“ ein „grosser Tick“ werden konnte.

    

    7 Responses to “Machen Sie auch klein in Mode? — Mödelis in der Schweiz”

    1. Stella Says:

      Aber klar! Mödeli, mit der Betonung auf dem ö sind eben Macken, Eigenarten. Man sagt es liebevoll, dass jemand Mödeli hat. So einfach ist das. Aber woher die Verbindung vom Anke-Mödeli zu den Mödeli kommt, kann auch ich nicht sagen.
      aber was soll das heissen Für mich auch Butter“ = „anche per me“? Anche per me hat überhaupt nichts mit Butter oder mit einem Mödeli zu tun. Das heisst schlicht und einfach: „auch für mich“.

    2. AnFra Says:

      @Stella

      In der Schweiz wird Anke in „Mödeli“ ausgeformt. D. h., die Butter (Anke!) wird in die Hohlformen hineingedrückt und der Überschuss wird am oberen Rand angestrichen. Nun liegt ein wohlgeformtes Stück Butter (Anke) mit dem jeweiligem Gewicht vor.

      Teil 1: Modus
      Die Verbindung zum „Mödeli, Model und Mode, Modelform, Modus = Art und Weise usw., usw.“ muss man m. E. im 1. oder sogar bis ins 2. Jahrtausend VOR Chr. suchen. Wenn man „Model“ ableitet, erhält man über lat. “modus“ für „Maß“ und auch „Maßstab“. Dieses „Maß“ hat seinen Ursprung im indogerm. „me(d)“. Da die ollen alten Griechen auch nur als indogermanische Zuwanderer in das Land gekommen sind, welche jetzt Griechenland genannt wird, ist dieses „me / med“ also die Mutter aller maßgebenden, maßtechnischen, maßstabsvergleichenden, maßstabsbewertenden usw. usw. Benennungsvorgänge, wie z. B. Meter, Metronom, Modul, Model, modulieren uam in allen europ. und meisten weltweiten Sprachen.

      Die folgende sehr „verkürzte“ und vereinfachte Auflösung muss man bei den alten historischen Griechen suchen, denn die haben solcherlei Modele / moduli verwendet. Sie haben natürlich keine „ Model-.Märklin-Schiffe und Model-Faller-Häuschen“ in den „Model-Häfen“ für ihre sicher nicht immer modellhafte Kinder verwendet, aber einen sehr wichtigen Bezug hat der reale Hafen wirklich gehabt.

      Wenn ein mediterraner Fernhändler Waren und Güter mit dem Schiff versenden wollte, so wurden von den zu verschickenden Objekten kleine Abbildungen (maßstabsverkleinerte Ansichten) aus Ton hergestellt, d.h. nachgebildet, verkleinert geformt und gebrannt. Aus solchen „modulierten“ Darstellungen konnte dann der Empfänger die Ware überprüfen, ob er auch wirklich alles erhalten hat. Dadurch war die Größe z. B. Stück, Menge, Gewicht sowie die Qualität, Art und Weise z. B. von Bronze, Buntmetallen, Schmiedeeisen, Edelmetalle, Korn, Waffen usw. erkennbar.
      Diese „moduli“ wurden in ein hohles Tongefäß hineingelegt, dieses Gefäß wurde nochmals gebrannt. Diesem Gefäß konnten nur durch Zerstörung die innenbefindlichen „moduli“ entnommen werden. Solch ein Gefäß hat der Kapitän des Schiffes als „Frachtschein“ erhalten und wenn besonders wertvolle Fracht transportiert wurde, erhielt der begleitende Händler / Händlergehilfe ebenfalls solches als „Lieferschein“. Eigentlich eine recht sichere und „modelhafte“ Sache, um so die Ware in der Zusammensetzung, Stückzahl, Menge und Gewicht, also nach dem gemeinten „Modus = Art und Weise“ zu beschreiben, kontrollieren und übergeben.

      So schließt sich der Kreis: Der Begriff in der dt. Sprache: „Art und Weise“ bedeutete im mittelhochdt. „ maze“ = angemessene Art und Weise, ab dem 14. JH als „maze“ die entsprechende „zugemessene Menge“! Also ist die Frage nach dem „Anke-Mödeli“ somit sinnvoll erklärbar: Die Form (hier dieses besagte „Mödeli“) ist jenes Model, in welche die Butter (Anke) eingebracht wird, an der Oberkante mit einem Messer od. Schaber glattgestrichen, um so ein bestimmte Menge und ein bestimmtes Gewicht (!) zu erhalten. Das es auch noch eine schön gestaltete Oberfläche erhält, ist sicherlich erst eine recht späte Erscheinung nach dem Mittelalter.

      Ab dem Mittelalter hat sich der Modus-Begriff in sehr viele Unterarten aufgegliedert und ist sicherlich über die „Modus, Model, Mode“ als eine besondere persönliche Extravaganz zum „Mödeli“ geworden. Die eidgenössische Vorliebe für die extrem vielen umlautigen „ö“ und natürlich das niedliche„li“ sprechen eindeutig dafür.

      Der Teil 2. über „Anke“ folgt später.

    3. AnFra Says:

      Hier der 2. Teil über „Anke“.

      Vorbemerkung: Dies schreibe ich mit größter Vorsicht und mit einer starken Beklemmung, denn es scheint so zu sein, die Aussage, „Anke“ sei in Wirklichkeit KEINE Butter, sondern tatsächlich BUTTERSCHMALZ, wird mir den eventuell letztendlichen Todesstoss aus einigen Schweizerecken bringen!

      Es gibt hierzu einige Punkt technischer und historischer Art, die diese Aussage bezüglich des falschen Namens bekräftigen können.
      Es erscheint sehr seltsam, der Name Anke im allem. sei für die „Butter“, obwohl er im lateinischen und germanischen Sprachumfeld fast überall sehr ähnlich klingt / tönt. Nur bei den Alemannen eben sei es „Anke“.

      Bei den Brüdern Grimm wird klar geschrieben: BUTTERSCHMALZ, n. butyrum eliquatum, ausgelassene butter: anken oder butterschmalz…… Im Werk werden viele Beschreibungen zum Anke / Butterschmalz immer wieder als Butter, welches geläutert ist, ausgekocht wird oder anstelle von Butter verwendet wird, aufgeführt.
      Habe vor vielen Jahren eine Ableitung gelesen, die Bezeichnung Anke könne eventuell vom Griechischem stammen, welches ein Begriff für „Schmiere, Fett, Schmotz, Einfettungsmittel“ benennt. Kann momentan leider diese Quelle nicht finden. Da ein gewisser Anteil der Römer auch griechischer Abstammung gewesen ist und diese oft die Verwaltung und der Bautechnik beeinflussten, ist diese Überlegung recht glaubhaft.

      Wenn man diese Sache im technischen und historischen Vergleich zur Butter untersucht, kann folgendes festhalten werden: Butterschmalz („Anke“) hat eine höhere Festigkeit, eine bessere pH-Stabilität, geringe Fäulnis- und Ranzigkeitsbildung, einen höheren Schmelz-, Siede-, Brenn-und Verkohlungspunkt, eine bessere Anwendungsfähigkeit, länger Stand- und Nutzungszeit und eine extrem längere Lagerfähigkeit. Er dient also zugleich als Nahrung, Schmier- und Pflegemittel.
      Ein gewisser Nachteil ist: Damals konnte Anke nur durch Erwärmung der Butter hergestellt werden. Die Butter lässt sich jedoch sofort und kalt herstellen. Was den Anke für das Militär trotzdem interessant machte, ist: Gutes und stabiles Langzeitverpflegungsmittel, bei Überhitzung gutmütiger und weniger ranziger als Butter, hochkonzentriertes Fett, welches auch als Fett- und Gleitmittel für Fahrzeuge geeignet war und auch noch zur Pflege von Ledergeschirr der Pferde und der Waffen der Legionäre dienen konnte.

      Und nun zum springendem Punkt: Zur Herstellung des Anken musste ein Model als Giesform (aus Ton / Keramik, Metall, Holz uam) verwendet werden, weil dann der heiße Anke in dieser erkalten musste. Bei Butter ist dieser zusätzliche Arbeitsaufwand nicht notwendig.
      Darauf basierend ist m. E. folgend Schlussfolgerung möglich: Im alemannischem Gebiet ist diese griechisch-römische Technik am längsten in Anwendung gewesen, weil sich diese Südgermanen nicht selbst von den Römern befreit haben, da sie von den militärischen Erfolgen der Germanen nördlich des Limes partizipierten! An einem bestimmten Punkt könnte der Wechsel zum Butter erfogt sein und die Model / Formen wurden weiter verwendet. Die Tradition und die Bräuch irren sich machmal.
      Eine gewisse Restreaktion für römisch-lateinisch-welsche Extravakanzen im Sprachbereich von Helvetien schimmern ja immer noch durch!

      PS: Fazit aus diesem Geschmiere: Schon damals vor 2.000 Jahren kam für die Ober-, Hoch- und Höchst-Alemannen die Freiheit und der Segen vom Norden!

    4. Phipu Says:

      Apropos „Mödelis“:
      Hier wieder einmal mehr der Hinweis, dass der Plural von Wörtern, die auf -li enden, kein s bekommen, sondern invariabel auch in der Mehrzahl -li heissen. Beispiel: „eis Mödeli, zwöi Mödeli“. Als ob auch auf Hochdeutsch die Mehrzahls von Nomens (Substantivs) bei einheimisch deutschen Worts mit angehängten -s gebildet würden. Daran ist die Saumode (hier ohne Diminutiv) „Anglophilie“, der der deutsche Sprachraum verfallen ist, nicht ganz unschuldig.

      Leider gibt es auch immer mehr Dialektsprecher, die bei „-lis“ keine Hühnerhaut (DE: Gänsehaut) mehr bekommen. Immigranten, die Dialekt-Wörter verwenden wollen, können nun dank diesem Wissen gewisse „Fettnäpfchens“ (Fettnäpfli) verhindern, damit sie sich dann nicht in den stillen „Kämmerleins“ (Chämmerli) dafür schämen müssen. Und dass ich euch keine „Mächens“ (Märli) erzähle, belegt, dass nicht nur ich auf diesen Fehler reagiere:
      http://www.blogwiese.ch/archives/18#comment-2145
      http://www.blogwiese.ch/archives/583#comment-86107
      http://www.blogwiese.ch/archives/35#comment-3246
      http://www.blogwiese.ch/archives/442#comment-13111

    5. AnFra Says:

      @Kein Züricher

      Na, wenn in der Schweiz die Wagenschmiere für die Ochsenkarren so schön „Anke“ genant wird, ist es dadurch nun erklärlich, warum es diesen Fuhrleuten aus Zürich so vorzüglich schmecket. Oh wie schön, über 2.000 Jahre fressen sie Wagenschmiere.
      Da lob ich mir doch das „deutsche Kraut“, welches aber die Franzosen in Europa in der Küche etabliert haben!!! Aber das ist dir ja bekannt.

      Bezüglich der „Anke“ erwarte ich deine qualifizierte Gegenrede, ansonsten schweige!

    6. AnFra Says:

      @Kein Züricher

      Mit „Anke“ hast du wohl nix am Hut?

      Da beantworte ich lieber selbst:
      Die Ableitung zur Schweizer“Butter“ Anke kann folgend mit lat. Benennungen erarbeitet werden:
      Schmiere / Salbe = unguentum. Wagensalbe = anxigena, Wagenschmiere = axungia. salben / schmieren = unguere.
      Beim Stiefelfett / Gamaschenfett = unguen ocrearum findet man m. E. den Lösungsansatz. Als genannte Schmiere, Salbe oder Fett führt es über die 1. Lautverschiebung von „g zum k“ und mit der Aussprachenanpassung vom u zum e, ea oder a als „unguen, unken, eanken, anken“ zum gesuchten Begriff „Anke = Fett = Butterfett = Butterschmalz = also kein echtes Butter“.

      PS: Etwas Anken ins Gehirn und an die Radnaben, und die Kältestarre ist behoben.
      Dies sollte man als Ochsentreiber aber wissen!

    7. Maxi Says:

      Ich liebe die Schweizer Sprache. Ich selber wohne in Deutschland, aber an der Grenze zur Schweiz. Jedes mal wenn ich zum tanken rüber fahre und die Kassierer oder der Zoll mit mir spricht muss ich grinsen.

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