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Die Grenze des Erträglichen — Wieviel Deutsche erträgt die Uni Zürich?

  • Furcht vor „Germanisierung“
  • Unter diesem Aufmacher brachte die Süddeutsche am 28.12.07 einen Artikel über die Deutschen in der Schweiz:

    Schweizer beklagen die Welle deutscher Einwanderer. Nach Ärzten und Managern stehen jetzt die deutschen Wissenschaftler in der öffentlichen Kritik: Vielen Schweizern sind sie zu dominant.
    (Quelle für dieses und alle folgenen Zitate: Sueddeutsche.de)

    Der Autor Gerd Zitzelsberger reagiert damit auf die Berichterstattung des Tages-Anzeigers kurz vor Weihnachten:

    25 Schweizer, 24 Deutsche
    Auslöser der jüngsten Diskussion sind Entscheidungen der Universität Zürich. Kurz vor Weihnachten hat sie acht neue Professoren berufen. In allen acht Fällen kamen deutsche Bewerber zum Zuge. Im Jahr 2007 hat die Universität 57 Professoren-Stellen neu besetzt. Bei 25 Auswahlverfahren kamen Schweizer zum Zuge, in 24 Fällen Deutsche, und acht Stellen wurden mit Ausländern aus anderen Staaten besetzt. Jeder dritte Hochschullehrer an der Uni Zürich stammt mittlerweile aus „dem großen Kanton im Norden“, wie die Schweizer Deutschland ironisch titulieren.

    Die Ironie muss erklärt werden. Dass Schweizer einfach so Ironie verwenden, wenn sie über Deutschland sprechen, erwartet dort tatsächlich niemand.

    Ausgangspunkt der Diskussion war ein Interview mit Stefan Fischer, dem Präsidenten des Studentenrates der Uni Zürich:
    Wir erreichen – zumindest in einzelnen Fächern und Instituten – die Grenze des Erträglichen„. An manchen Instituten werde praktisch nur noch hochdeutsch gesprochen. Die Studenten fühlten sich arrogant behandelt und es sei frustrierend, wenn die Professoren kein Schwyzerdütsch verstünden oder verstehen wollten.

    Im ursprünglichen Interview konnte Stefan Fischer noch so oft betonen, dass der Studentenrat grundsätzlich migrationsfreundlich und weltoffen eingestellt sei, und dass die meisten Deutschen sich wunderbar anpassen in Zürich. Das Zitat von der „Grenze des Erträglichen“ wurde dennoch mehrfach wiederholt.

    Wurde im Januar noch vom BLICK gefragt „Wieviele Deutsche verträgt die Schweiz“, sind sie nun nicht mehr „erträglich“, obwohl sie fleissig am Ertrag und Bruttosozialprodukt des Landes Anteil haben. Gerd Zitzelsberger bringt noch ein weiteres Beispiel aus Bern:

    Umgekehrt klagen auch die Deutschen in der Schweiz mittlerweile über ein ruppiges Klima und Schwierigkeiten, private Kontakte zu finden. Die Ärztin Bettina Wild etwa beschwerte sich per Leserbrief, dass die Uniklinik Bern ihre Stellenverlängerung abgelehnt habe, weil sie eine „dütsche Frau“ sei. Sie habe bereits auf verschiedenen Kontinenten gearbeitet und sich überall willkommen gefühlt, nur in der Schweiz nicht.

    Kann man nur hoffen, dass die Uniklinik Bern aus dem reichhaltigen Angebot von Schweizer Bewerbungen eine passende neue Ärztin gefunden hat, die keine „dütsche Frau“ sei. Soll zur Zeit immer noch ziemlich schwierig sein.

    Interessant an der ganze Debatte der „Erträglichkeit“ von Deutschen finden wir, dass sie gleich postwendend in Deutschland sprich in einer grossen Deutschen Tageszeitung reflektiert wurde. Aufhalten wird es den Zustrom aus dem Nachbarland kaum. Der Akademikernachwuchs geht dorthin, wo er die besten Konditionen findet. Das ist für Deutsche auf dem Weg in die Schweiz nicht anders wie für Schweizer, die sich an einer Hochschule in Deutschland bewerben. Vielleicht sollten sie zuvor ein Seminar für Verkaufstraining besuchen, um besonders erfolgreiches „self-marketing“ zu betreiben, denn auch dieses Argument wurde erneut zitiert. So stand in einem Leserbrief:

    Die Deutschen könnten sich einfach nur „besser verkaufen“. Schweizer Nachwuchswissenschaftlern werde „aus fadenscheinigen Gründen die Professur verweigert“, behauptete einer.

    Klar, die eidgenössischen Hochschullehrer, die in der Auswahlkommission sitzen, sind eben leicht zu blenden und mit ein bisschen hochdeutscher Rhetorik sofort über den Tisch gezogen:

    Offizielle Stellen betonen zwar, dass es geradezu ein Qualitätsmerkmal sei, wenn eine Universität ausländische Akademiker anziehe, und dass man keinesfalls Ausländerquoten einführen wolle. „Für uns steht die Qualität der Lehre und Forschung im Vordergrund, nicht die Nationalität der Professoren“, betonte etwa Kurt Reimann, der Generalsekretär der Universität Zürich.

    Vielleicht ist „Qualität“ gar nicht mehr so gewünscht, wenn sie nicht „Swiss Quality“ ist, und vielleicht ist heute „Swissness“ viel angesagter? Wo hatte ich noch gleich den Bauplan für die Zugbrücken hingelegt?

    

    43 Responses to “Die Grenze des Erträglichen — Wieviel Deutsche erträgt die Uni Zürich?”

    1. Tellerrand Says:

      Hatte den Artikel in der Süddeutschen wegen der Ferien (=Computer bleibt aus) doch glatt übersehen. Sehr interessant. Was mir wohl auf ewig verschlossen bleiben wird, ist die schizophrene Haltung deutschschweizer Wissenschaftler und Studenten an deutschweizer Hochschulen. Niemand zwingt sie, deutsche Bewerber auf Professorenstühle zu setzen. Tun sie es doch, beschweren sie sich über deren Arroganz und die Arroganzvermutung resultiert selbstredend aus der Tatsache, dass diese deutschen Professoren Hochdeutsch sprechen. Von ihnen zu verlangen, sie sollen Hochdeutsch sprechen ist absurd, jedefalls solange, wie ein schwyzerdütscher Sprachtest nicht Bestandteil des Auswahlverfahrens ist.

      Soll das „Problem“ wirklich von der Wurzel angegangen werden, muss die Schweiz in den sauren Apfel beissen und ein Bildungssystem etablieren, dass ausreichend eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs generiert. Es ist natürlich billiger selbigen aus den Nachbarländern abzuwerben und wer zahlt schon gerne mehr Steuern als nötig…

    2. Philipp Sury Says:

      Ich kann das Problem teilweise (nicht) nachvollziehen.

      Was definitiv nicht stimmt, ist, dass die Deutschen unangenehmer resp. die Schweizer angenehmer seien an unseren Hochschulen. Während meines Studiums hatte ich viele Deutsche ProfessorInnen und AssistentInnen und alle waren professionell und freundlich, als Student konnte man sich wahrlich nicht beklagen. Und auch für Schweizer Dozenten gehört es schon fast zum guten Ton, einmal im deutschsprachigen Ausland gelehrt zu haben.

      Allerdings ist es so, dass wer ProfessorIn wird, dies immer in einer Seilschaft oder Community erarbeitet, denn allein ist sowas gar nicht machbar. Logisch, dass dann deutsche ProfessorInnen ihren Mittelbau in die Schweiz mitnehmen und bei weiteren Bewerbungen von KollegInnen ein gutes Wort einlegen, man kennt sich halt. Eigentlich ist auch das nicht aussergewöhnlich, wird schliesslich überall so gemacht, aber es kann Neid wecken und hier liegt der Hund begraben.

      Ich möchte last but not least Tellerrand widersprechen, denn die Schweiz generiert genügend eigenen akademischen Nachwuchs. Sowieso muss bei dieser Frage immer die Frage der Qualität vor der Frage der Quantität gestellt werden. Das Ziel der Schweiz kann es nicht sein, eine gewisse Akademikerquote zu erreichen, sondern nur jene in eine akademische Laufbahn zu schicken, die sich dafür qualifizieren.
      Ausserdem zwingt tatsächlich niemand die Schweizer, Deutsche BewerberInnen auf die Stühle zu setzen, aber selbst wenn mehrere KandidatInnen zum Vorsingen antanzen, hat das beratende Fachgremium immer einen Favoriten oder eine Favoritin. Wenn dieses Fachgremium mehrheitlich aus Deutschen ProfessorInnen besteht oder (wie an der ETH auch schon vorgekommen) ein abtretender Deutscher Professor einen Deutschen Berufskollegen als Wunschnachfolger aufbaut, ist die neue Besetzung schon sehr stark vorgespurt.

    3. Doro Says:

      Ich kann Angst der Schweizer durchaus nachvollziehen. Dabei geht es sicherlich nicht um die Verfremdung durch Deutsche an sich sondern um Verfremdung allgemein. Gäbe es keine Deutschen in der Schweiz, sondern eine Überflutung durch – sagen wir mal – Basler an der Zürcher Hochschule, würde das sicher auch irgendwann Unmut auslösen. Gäbe es jetzt eine Welle gut ausgebildeter arabischer Professoren, würden die Schweizer vermutlich wiederum gerne wieder mit Deutschen Gastarbeitern näher zusammenrücken. Immerhin ist man sich ja etwas weniger fremd. Es steckt immer Angst dahinter. Angst, die jedoch oft irrational und eigentlich nicht wirklich begründbar sondern oft eher abstrakt zu sehen ist. Denn die, die jammern, sind nicht unbedingt arbeitslos (sind in der Schweiz ja aktuell nur 2,8 Prozent und bestimmt nicht viele Akademiker), sondern sitzen vielleicht sogar auf einem entsprechenden und durchaus sicheren Posten. Das kann nun ein Professorensessel sein oder auch „nur“ ein einfacher Bürostuhl.
      Dazu eine interessante Erkenntnis: Mein Vater, ein in Deutschland verheirateter und lebender Österreicher war in den 90er Jahren kurz davor, als Krankenpfleger „in Rente zu gehen“. Zu diesem Zeitpunkt kamen viele „Ossis“ als neue Arbeitskollegen an das westdeutsche Universitätskrankenhaus . Sehr wütend entrüstete er sich: „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“ Ich musste sehr lachen und habe ihn erst mal darauf hingewiesen, dass die „Ossis“ im Gegensatz zu ihm selbst immerhin Deutsche seien und dass ihm so kurz vor seiner Rente auch niemand mehr den Arbeitsplatz wegnehmen wird und kann.

    4. Tellerrand Says:

      @ Philipp Sury

      Wenn es wirklich so wäre, dass die Schweiz ausreichend eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs generiert, sollte sich die Ausländerquote in akademischen Berufen an Hochschulen, an Krankenhäusern und in der Wirtschaft auf etwa demselben Niveau bewegen, wie in der Grundgesamtheit der Bevölkerung der Schweiz. Das ist jedoch nicht der Fall, die Quote ist erheblich höher. Innerhalb der Akademiker ausländischer Herhunft wiederum dominieren Deutsche – siehe das Beispiel der Uni ZH.

      Deine Behauptung bedeutet in der Konsequenz, dass Schweizer weniger für eine akademische Laufbahn qualiziert sind als Deutsche und das ist wohl kaum der Fall. Tatsache ist, dass das Schweizer Bildungsystem die Priorität nicht auf die Ausbildung von Akademikern setzt, die aber unter heutigen Arbeitsmarktbedingungen immer gefragter sind. Spätestens, wenn sich die deutsche Wirtschaft Akademikern wieder bessere Perspektiven bietet, kann das für die Schweiz zu einem Problem werden.

    5. Frank Says:

      @Philipp Sury: Ziel der Schweiz muß es sein, genügend Leute für eine akademische Laufbahn zu qualifizieren, Qualifikation ist ja nicht etwas Angeborenes wie du anzunehmen scheinst. Zudem geht es nicht nur um akademische Laufbahnen, sondern überhaupt um Akademiker – der Mangel an solchen in der freien Wirtschaft oder in den Krankenhäusern ist ja unübersehbar.

      Deutsche Professoren nehmen ihre Assistenten übrigens nicht aus Netzwerkgründen mit, sondern aus sozialer Verantwortung, da ein Doktorand/Habilitand in D in der Regel seine Stelle verliert, wenn der Prof geht. Zudem ist ein sofort einsatzfähiges Team auch für die neue Uni von Vorteil, Schweizer werden dann mit der Zeit schon dazukommen, wenn sich denn welche finden (was bei uns am Lehrstuhl in den letzten zweieinhalb Jahren noch nicht vorgekommen ist, weil sich schlicht keiner bewirbt – siehe Akademikermangel).

    6. Simone Says:

      Die Situation, Deutsche zunächst einzustellen und sich dann über sie zu beschweren, empfinde ich als absurd. Überhaupt, was soll das Argument, deutsche Professoren würden kein Schweizerdeutsch verstehen? Offiziell wird an deutschschweizer Universitäten doch auf Hochdeutsch kommuniziert. Und wer die Matur erfolgreich hinter sich gebracht hat, sollte eigentlich in der Lage sein, Hochdeutsch zumindest zu verstehen. Ist dies nicht der Fall, erschliesst sich, warum deutsche Professoren bevorzugt eingestellt werden. Aber das kann doch eigentlich gar nicht sein…

    7. Christoph Says:

      Als deutscher Doktorand an der ETH (in einer von einer deutschen Professorin geleiteten Forschungsgruppe mit 3 weiteren deutschen Kollegen) bin ich von dieser „Problematik“ betroffen. Habe allerdings bisher keine direkten Anfeindungen irgendwelcher Art zu spüren bekommen.
      Interessanterweise erzählen einige Schweizer KollegInnen, dass es für viele Schweizer Absolventen im Moment einfach unattraktiv zu sein scheint, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben, weil man in Wirtschaftsunternehmen gleich mit viel höherem Gehalt (und besseren Aufstiegschancen) einsteigen kann. Gleichzeitig ist die Situation für DoktorandInnen in Deutschland momentan sehr schlecht (es gibt kaum volle Stellen, und eine halbe Doktorandenstelle bringt gerade 1000 Euro).
      Mein Eindruck (zumindest auf der Doktoranden-Ebene) ist, dass es hauptsächlich finanzielle Gründe sind, die dazu führen, dass viele Deutsche und wenig Schweizer sich an Schweizer Unis bewerben.

      Das bei derartig vielen Deutschen bei den Schweizern ein wenig Irritation entsteht, kann ich zum Teil nachvollziehen, halte aber Kommentare wie „Grenze des Erträglichen“ für ziemlich daneben. Was ist denn bitte so schwer zu ertragen an uns Deutschen?
      Das Argument mit dem Schweizerdeutsch zieht meiner Meinung nach überhaupt nicht. Man stelle sich mal vor, ein Bayrischer Student würde sich beklagen, dass er mit seinem Professor aus Hamburg keinen Dialekt sprechen kann. Ja ja, ich weiss, für die Schweizer ist das Schweizerdeutsche mehr als nur ein Dialekt, trotzdem find ich’s an dieser Stelle übertrieben, an einer Hochschule (!) unbedingt mit jedem Dialekt sprechen zu wollen. Ausserdem sind es ja meist nur die ersten Monate, in denen man als Deutscher den Dialekt nicht versteht.
      Fazit: Dass grössere Veränderungen Irritation auslösen, kann ich nachvollziehen, aber Gejammere und unfreundliche Kommentare müssen nicht sein.

    8. neuromat Says:

      In den Comments war zu lesen von Neid und Angst.

      Angst vor allgemeiner Überfremdung. Merkwürdigerweise hat sich noch nie jemand über all die ausländischen Fussballspieler beschwert, die den einheimischen Kickern den Platz weg nehmen. Auch die zahlreichen Secondos, die mittlerweile zur diesbezüglichen Elite zählen und die Nation vertreten sind ohne Probleme für die Schweiz erträglich.

      Es wurde der Begriff „Schizophrenie“ gebraucht für den Umstand, dass deutsche Akademiker geholt werden und man sich anschliessend über sie beklagt, wenn sie da sind.

      Dies alles ist nicht schizophren – es findet (und daher ist es schlimmer) ganz bewusst statt. Es gibt die Situation im akademischen Bereich immer wieder, dass für eine Professorenstelle drei oder vier Bewerber in der engen Wahl sind. Drei SchweizerInnen und ein(e) Deutsche(r) – wer wird genommen … nicht die oder derjenige mit dem besten „Selbstmanagement“ sondern das kleinere Übel. Und das ist dann eben die deutsche Kollegin oder der deutsche Kollege, denn der kommt ja nicht aus Basel oder aus Bern oder aus Zürich und wäre somit je nach Standort der Universität automatisch aufgrund dieser Herkunft disqualifiziert.

      Der Neid auf die eigene Verwandtschaft ist stets grösser als auf das „Fremde“. Auszüge dieser Lebenseinstellung lassen sogar in der Bibel nachlesen (hier: Das Neue Testament). Böse Zungen sprechen in diesem Zusammenhang von einer Schweizer (N)eidgenossenschaft.

      Ein weiteres Thema betrifft den Umstand, dass jedoch „fremde Leistung“ nicht anerkannt werden kann. Vor Jahren hämmerten die Italiener Stufen in die Berge und schlugen Löcher – schufen Wege … es wurde immer darauf geachtet, dass die Meriten jedoch anders verteilt wurden. Ein typisches Beispiel sind die endlosen Kehren auf den Grossen Mythen.

      Nein, im Gegenteil – hier waren schon Stimmen zu lesen, man erwarte ja schliesslich Dankbarkeit für die „Gastfreundschaft“, denn diese unendliche Dankbarkeit gehöre ja schliesslich zur Gastrolle.

      Sicher – das hat alles mit Neid und Angst zu tun. Aber in der übersteigerten Art, wie diese in bestimmten Bereichen auftreten, darf davon ausgegangen werden, dass diese Probleme „hausgemacht“ sind. Umdenken würde jedoch so viele traditionelle Facetten betreffen, dass ich mittlerweile der Schweiz keine Chance mehr einräume. Wir werden Zeuge eines tragischen Unterganges, weil man nicht bereit ist zu akzeptieren, dass es Wilhelm Tell nicht gegeben hat, dass in Basel, Bern, Zürich, Welschland je nach Standort des Betrachters auch Menschen leben. Die Liste liesse sich fortsetzen.

    9. Branitar Says:

      Hmm, wenn die „Grenze des Erträglichen“ nur erreicht, aber noch nicht überschritten wurde, ist doch alles in Ordnung, oder? 😉

    10. Tellerrand Says:

      @ neuromat

      Ich habe nie eine Schweizer Uni von innen gesehen, kann mir also kein unmittelbares Urteil bilden. Dass sich in gewisser Weise der Kantönligeist in den schweizer Hochschulen fortsetzt, wundert mich jedoch wenig.

      Der Vergleich der akademischen Welt mit dem Sport ist eigentlich ganz treffend, nur kann ich nicht finden, dass die fremden Fussballstars hier wirklich willkommener sein sollen als die fremden Akademiker. Das gilt nur für das Stadion, ganz ähnlich wie im Höhrsaal und Labor, wo die Anfeindungen wohl eher selten sein dürften. Ausserhalb dieser geschützen Räume sieht’s leider oft ganz anders aus.

    11. Elunzo Says:

      Veränderungen werden im ersten Moment (und ggf. auch drüber hinaus) von fast allen Menschen fast immer fast nur negativ empfunden – egal worum es geht. Und der aktuelle Zustrom an Deutschen in die Schweiz ist eine Veränderung, die gar so intensiv ist, dass sie im Alltag regelmässig von den meisten erlebt werden kann. Daher wird die Feststellung des Sachverhaltes an sich durch Klagen, Jammern und Meckern ausgedrückt. Interessant dabei ist, dass Deutsche, die schon lange hier leben und diese Welle an Neuzuzügern erleben, zu einem recht grossen Teil das gleiche Verhalten zeigen. Inhaltlich sind diese Aussagen letztlich nur haltloser Blabla. Die an den besagten Orten und Stellen vermissten Schweizer sind auf dem Markt gar nicht vorhanden. Ich kenne keine Schweizer, der in den letzten Jahren auch nur graduell in seiner akademischen oder professionellen Entwicklung behindert worden wäre durch den Zuzug der Deutschen.

    12. rs Says:

      das ganze mal nach Deutschland verlagert:

      Man stelle sich vor das Asta-equivalent an einer der Münchner Unis gibt eine Interview und beschwert sich, das die Mehrheit der Professoren kein bayrisch kann… ich würde mal behaupten, die hätten dann ein Problem.

      Und Bayrisch ist nicht viel näher am Hochdeutsch als Schweizerdeutsch, und Hochdeutsch ist in beiden Fällen die Amtssprache…

      Im Artikel 701 der Schweizer Verfassung soll es heissen: «Die Amtssprachen des Bundes sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch das Rätoromanische Amtssprache des Bundes.»

      Natürlich ist die Uni Z eine kantonale Einrichtung, wäre aber überrascht wenn es da mit der Amtssprache anders wäre…

      r.

    13. sumo Says:

      So ein Chabis. Meine Dozenten sind/waren zu 50% Deutsche und zeichneten sich fast durchgängig durch eine Hilfsbereitschaft und didaktische Kompetenz aus, die ich so bei vielen ihrer Schweizer Kollegen selten erleben durfte (natürlich gibts in beiden Lagern solche und solche). Beim Wort „arrogant“ fällt mir auf Anhieb nur ein Dozent ein, der dieses Prädikat verdient hat und der war Zürcher… (soll nicht heissen dass Zürcher arrogant sind 😉 )
      Zur Sprachpolitik an deutschschweizer Hochschulen: Hochdeutsch wird nur geredet, wenn mindestens eine des Schweizerdeutschen nicht mächtige Person anwesend ist. Dies ist allerdings meistens der Fall, da der Ausländeranteil auch bei den Studenten recht hoch ist (natürlich nicht nur Deutsche). Aber ab und zu kommt es doch vor, dass eine Veranstaltung durchgehend auf Schweizerdeutsch abgehalten wird. Und ja – auch wenn es jetzt wieder hämische Kommentare regnen wird – das ist sehr befreiend! 🙂 Klar ist jeder „in der Lage“ sich auf Hochdeutsch auszudrücken, aber es ist dennoch schön, mal die gesamte Hirnkapazität auf den Inhalt verwenden zu können und nicht noch nen Teil auf die Sprache abzweigen zu müssen…

    14. Tellerrand Says:

      @ rs

      Ich bin hier schon in so manchen Napf getreten, mein Gegenüber daran zu erinnern, dass er gefälligst die Amtssprache mit mir sprechen soll, ist mir allerdings noch nicht in den Sinn gekommen. Das dürfte in etwa sie selbe Wirkung zeitigen, als würde man einen Niederbayern mitten in Passau zwingen wollen, sich doch bitte in Konversation des Preussischen (=Hochdeutsch) zu bemächtigen 😉

    15. Brun(o)egg Says:

      Eine Notizchen eiens vermutlich frustierten Studenten Verbands Ober-Jehudi im TA das von einer deutschen Zeitung aufgenommen wird und schon ist wieder ein Feuerchen im Dach. Man fragt sich wer daran interessiert ist solchen Müll zu publiziert zu sehen.
      Die Deutschen Akadais brauchen einen gescheiten Job den sie zuhause nicht finden und wir haben zuwenig qualifiziertes Personal. Ganz einfach.
      Und wenn sie uns nicht verstehen antworten wir auf Hochdeutsch. Das Geseires, dass man an Unis nicht mehr schweizerdeutsch sprechen kann ist lächerlich. In vielen Bereichen dürfte so oder so englisch das Mass aller Dinge sein.

      @ Tellerand

      Wir winken dann, wenn wir untergehen.

    16. Uniuniuni Says:

      Die Diskussion ist absurd. Schuld sind im Fall nicht die bösen deutschen Professoren, die uns „überschwemmen“, sondern die Berufungsregeln der Schweizerischen Universitäten.

      Zwei Faktoren wirken zusammen:
      – Sehr hohe Ansprüche an die Bewerber
      – Hausberufungsverbot, d.h. das Verbot, jemanden auf seine erste Professur zu berufen, der an der eigenen Hochschule promoviert hat.

      Die schweizerische Hochschullandschaft ist übersichtlich. Für jedes Fachgebiet hat es nur eins oder zwei Hochschulen, die in der Topliga mitspielen, aus der die neuen Profs kommen sollen. Für den akademischen Nachwuchs aus ebendiesen Hochschulen besteht aber Hausberufungsverbot, d.h. no chance. Überhaupt hat es in jedem Fachgebiet schweizweit nur wenige Stellen, das Land ist eben klein.

      Strebt jemand nach dem Doktorat die wissenschaftliche Karriere an, die zwingend in einer Professur enden muss (oder der Arbeitslosigkeit), muss er also zuerst ins Ausland. Das ist prinzipiell keine schlechte Idee. Frage ist aber, ob man angesichts der globalen Konkurrenz, siehe hohe Ansprüche, je eine Chance hat, in die Heimat zurückberufen zu werden. Die konsequente Verfolgung einer wissenschaftlichen Karriere birgt also eine grosse Gefahr, nie mehr in die Schweiz zu kommen. Die meisten möchten sich dieser Gefahr nicht aussetzen. Ich denke, das wäre in DE oder AT oder sonstwo auch so.

      Hinzu kommen die auch hier immer unattraktiver werdenden Anstellungsbedingungen (Salär im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten und der freien Wirtschaft).

      Sieht man es global, haben Deutsche sogar einen Vorteil: Sie sprechen (teilweise 😉 unsere Sprache und können Vorlesungen und Übungen geben, die der Schweizer Student sprachlich versteht.

      Trotzdem darf man den Effekt der Netzwerke, wie in einigen Kommentaren beschrieben, nicht unterschätzen. Dieser verstärkt aber letztlich nur einen Umstand, den die Schweizer Hochschullandschaft selber geschaffen hat.

    17. neuromat Says:

      @ Brun(o)egg

      das mit dem Untergang war Neuromat und nicht Tellerrand, der ist schon genügend angeeckt…

      ich meine das durchaus ernst. Zuwenig qualifiziertes Personal ist ein hausgemachtes Problem. Eine andere Stellenbesetzung wäre durchaus im Bereich des Möglichen. Zunächst müsste natürlich die akademische Karriere bereits an der Schule einen anderen Stellenwert erhalten, dann sollte nicht automatisch jemand als Besserwisser oder arrogant gelten nur weil seine grauen Zellen besser funktionieren, dann dürften die Schweizer auch mal wieder das eine oder andere Kind mehr zeugen … kurz es sind die Schweizer, die auf diese Art und Weise sich selbst ihrer Möglichkeiten berauben und somit die eigenen Stellen wegnehmen .. und wenn das nicht geändert wird … dann führt das zum Untergang … Europa winkt dann zurück, wenn der Euro zum Kurs von fünf Franken übernommen wird …

    18. Murat Says:

      Ich verstehe das Problem nicht ganz. Als ich an der Uni Zuerich in Irchel war haben wir einige Deutsche gehabt und die Schweizer Studenten haben sich damals schone beschwert, dass wir kein Schwyzerduuuuuuuuuutsch verstehen. Nun ist es leider so, dass die Lehrsprache DEUTSCH ist und nicht Schwytzerduutsch. Wir haben gemaess den Richtlinien gehandelt und unseren Unterrich auf Deutsch gehalten. Wir haben uns jedoch nicht beschwert, wenn bei der Vorlesung die Schweizer Studenten ihre Fragen in ihrem Lokaldialekt gestellt haben. Das fuehrte zu merkwuerdigen Begenbenheiten, und es kam so weit, ein Tessiner Student den Dialekt des Zurchers nicht verstanden hat und die Frage auf Hochdeutsch wiederholt werden musste. Die Tessiner Studenten mussten Deutsch (und nicht Schwytzerduuuetsch) koennen um sich an der Uni ZH einschreiben zu koennen. Es ist reiner Neid, muss ich leider feststellen. ZUm anderen ist die Frage berechtight, warum so viele Deutsche Bewerber angenommen werden? Vielleicht gibt es nicht genug ausreichend qualifizierte Schweizer?

    19. lapsus4711 Says:

      @Neuromat
      -Arrogant sind eher die Dummen als die „Grauzellner“
      -Die Geburtenrate ist in Deutschland beinahe die tiefste von Europa,
      die schweizerische liegt etwas darüber.
      Vor ca 20 Jahren habe ich mir als Europhoriker einige tausend Ecu
      gekauft. Dies zu einem Kurs von ca Fr.1.70. Zwischenzeitlich war der Ecu dann 1.45 getaucht. Ich habe es durchgestanden und nähere mich wieder dem Einstandpreis.
      Inzwischen bin ich zum Euroskeptiker geworden. Bei 1.70 verkaufe ich.
      Eine Wirtschaftskrise wird die EU nicht überstehen, auch wenn sich die Politiker unserer Nachbarländer wie Renaissancefürsten benehmen.

      Übrigens, was die legendäre supergute Ausbildung der Profs. betrifft: Die ist eher die Ausnahme denn die Regel. In der Chirurgie, da habe ich etwas Übersicht, findet man Oberärzte, die bringen’s auf 100 Publikationen, können aber keinen vernünftigen Knoten legen.

      Zum Schluss noch einen Gratistipp: Von einem Arzt, der nur noch doziert und schreibt, soll man sich nicht operieren lassen.

    20. Guggeere Says:

      @ Lapsus
      Als ob es beim jetzigen Blogwiese-Thema um EU(ro)phorie ja oder nein ginge … und ebenso wenig gehts darum, ob ein brillanter akademischer Forscher in der Praxis seines Fachgebiets auch mal eine Niete sein kann (oder ein guter Alltags-Chirurg ein schlechter Forscher). Unseren eigenen Führer hat unser Parlament soeben auf sein Schloss in Rhäzüns geblocht, und Entsprechendes werden die Parlamente bzw. Wähler unserer Nachbarländer tun, sobald ihre Regierenden sich selber mit dem Roi-Soleil oder mit Lorenzo Magnifico verwechseln oder andere Cäsarenwahn-Symptome entwickeln. Einen schönen Teil deiner Skepsis kannst du dir also sparen.
      Aber vielleicht fragst du dich auch mal, was denn wäre, wenn die Eidgenossenschaft beispielsweise keine Informatiker oder Veterinärmediziner mehr aus der EU «importieren» (welch garstig Wort – excusez!) könnte. Wie wärs etwa mit Selberausbilden?

    21. neuromat Says:

      @ lapsus

      betreffs der Geburtenrate: Es gibt nur e chli wenig mehr Düütsche als Schweizer… das kann man dann langfristig ausrechnen…

      Deine Ausführungen zur Medizin … absolut zutreffend… leider stehst Du recht einsam auf weitem Feld

    22. Simone Says:

      @Lapsus:
      Die Geburtenrate in Deutschland steigt. Es gibt einen Ort in Hessen, da ist sie im Dezember 07 um 20% gestiegen. Kein Wunder, dass andere neidisch werden bei einem derartigen Kindersegen. Empfohlen sei zu diesem Thema Horst Eberhardt Richters „Umgang mit Angst“.

    23. Phipu Says:

      Der Artikel der Süddeutschen Zeitung basiert auf denselben Aussagen wie folgende ähnliche Artikel anderer Zeitungen (hier nun auch der Tag-Artikel als Initiator):

      http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/zuerich/825389.html

      http://www.20min.ch/news/schweiz/story/19132390

      Im 20Minuten steht wenigstens, dass das Problem nicht an allen Universitäten des Landes gleich negativ betrachtet wird. Deshalb glaube ich einmal mehr an eine journalistische Vermarktung der Aussage einiger weniger Personen. Das kennen wir doch schon von „Wieviele Deutsche verträgt die Schweiz“. Deshalb hier mein Kommentar nur noch, um zu belegen, auf wie wenigen Aussagen wieviele Zeitungen Schlachtrufe produzieren können.

    24. Tellerrand Says:

      @ lapsus

      Schau Dir die Geburtsstatistik noch einmal genau an: es sind die Ausländer, welche die schweizer Geburtsstatistik leicht über die deutsche befördern. Nicht vergessen sollte man dabei: Die Schweiz ist das Land in dem Milch und Honig fliessen während Deutschland seit 1989 (was war da doch gleich?) mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat (und dabei im Moment ganz erfolgreich zu sein scheint). Wenn ich mit meine drei Kindern durch Schweizer Städte marschiere, werde ich manchmal wie ein Ausseridischer angestarrt 😉

      zu den Ärzten:
      ich kenne die Ärzteschaft nur aus der dilettantischen aber ziemlich häufig eingenommenen Aussenperspektive. Grundsätzliche Unterschiede in der Qualität deutscher und schweizer Ärzte kann ich nicht feststellen.

    25. Marroni Says:

      Sturm im Wasserglas!
      Wir Schweizer prifitieren ja vom Brain Drain, die Deutschen Steuerzahler bezahlen die Ausbildung, die Professoren und ihre Deutschen Assistenten bilden Schweizer aus, ( und bezahlen Steuern in der Schweiz )die dann in der Privatwirtschaft viel mehr Kohle verdienen. Das ganze funktionierte Jahrelang umgekehrt, die Erfindungen in der Solarindustrie wurden in der Schweiz gemacht, die Erfinder bekamen in der Schweiz keine Kohle zur Auswertung der Patente, so stehen die Solarfabriken heute im Süden Deutschlands. So kommt jetzt wenigstens was zurück, unter dem Strich verdienen die Schweizer mehr. Gruss.

    26. rs Says:

      @tellerand

      da bin ich wohl missverstanden worden.
      Ich habe keine Problem damit, wenn Dialekt gepflegt und gesprochen wird.

      Ich finde es hingegen absurd, wenn sich Leute beschweren, das Angestellte einen Landes ( z.B. Uni-Profs) die offizielle Landessprache benutzen.

      r.

    27. Simone Says:

      Auch wenn ich mir das eigentlich verkneifen wollte…
      Selten habe ich das Wort „arrogant“ so häufig gehört wie im Uniumfeld. Als Doktorand kann man es eigentlich nicht richtig machen:

      Promoviert man „in time“ und wird in einem Alter fertig, in dem einem der ausseruniversitäre Arbeitsmarkt noch offen steht, fehlt einem häufig der kritische Abstand zur behandelten Forschermeinung, man zeigt angeblich zu wenig an eigener Meinung und will trotzdem den Titel…Das wird von professoraler Seite als arrogant bezeichnet.

      Entwickelt man eine eigene These und kritisiert die Forschermeinung, gilt man ebenfalls als arrogant.

      Greift man zu anderen Displinen, um einen Gegenstand für ein weiteres Feld interessant zu machen, werden einem häufig masslose Selbstüberschätzung und Arroganz unterstellt.

      Wenn ich mir die alten Zöpfe bezüglich Obrigkeitsgehorsam an deutschen Universitäten ansehe, kann ich die Schweizer Studenten verstehen, dass sie den einen oder anderen deutschen Dozent nicht wirklich ins Herz schliessen. Manchmal frage ich mich, wofür die 68er auf die Strasse gegangen sind. Mir ist aufgefallen, dass die angeblich so überzeugten 68er häufig die arrogantesten Professoren darstellen.

    28. Tellerrand Says:

      @ rs

      Die Schweiz hat vier Landessprachen und die Träger der Universitäten sind die Kantone. Und das mit der einen Landessprache, Deutsch, ist so ein ganz spezieller Fall, besonders wenn es gesprochen wird 😉

    29. rs Says:

      @ tellerand:
      OK, im Artikel geht es um die Uni Zürich, also schaun wir mal in der Züricher Verfassung:

      und da nach „Sprache“ suchen, ist aus meiner Sicht eindeutig.

      Danach dürfte es schwierig werden den Anteil an nicht schweizerdeutsch sprechenden Professoren juristisch sauber zu begrenzen (ohne Verfassungsänderung). Bliebe nur noch die Alternative die Züricher Uni für entsprechend hochqualifizierte Schweizer (die gibt es ausreichend) so attraktive zu machen, dass diese sich dort auch bewerben. Alles andere ist Augenwischerei.
      Es ist nicht der Fehler der deutschen Professoren, dass sich kein gleich guter Schweizer beworben hat.

      Noch mal 2 Punkte zum Thema Schweizerdeutsch/Schriftdeutsch:
      1. ich wohne hier in der Romandie und meine Schweizer Kollegen sind sehr frustriert, das Ihre Deutschkenntnisse aus der Schule in der Deutschschweiz nur mässig nützlich sind.
      2. Ich sehe es als Vorteil für Kinder zweisprachig aufzuwachsen, dazu zählt für mich auch Dialekt/Schriftdeutsch. Alle meine Freunde die in einem Gebiet mit ausgeprägten Dialekt kommen, sind VIEL besser in Fremdsprachen als ich.

      nichts für ungut
      r.

    30. starz in your eyes Says:

      zum thema arrogant:

      ich glaube, dass nicht die Deutschen arrogant sind, sondern die Art wie sie sich ausdrücken, arrogant erscheint. für uns schweizer kommt es manchmal einfach zu direkt rüber, wenn der der Deutsche etwas sagt. Dieser sprachliche Umgang ist für uns eher ungewohnt und deshalb empfinden wir das schnell als unangehnem.
      kurz und gut: es besteht ein „sprachliches Missverständnis“

      versuchte meine Gedanken zu formulieren. hoffe es kommt irgendwie an 😉

    31. Simone Says:

      @Starz:
      Sorry, aber die Diskussion über die sprachliche Arroganz der Deutschen ist wirklich ziemlich breitgetreten. Je mehr ich darüber höre und lese, desto arroganter werde ich. Wer in der Deutschschweiz sprachlich auch nur halbwegs „auf Level“ ist, gewöhnt sich über kurz oder lang an den hochdeutschen Sound und die Deutschen passen sich ein wenig an, sofern sie nicht vollkommen wahrnehmungsgestört sind.
      Generell geht es weniger um die Sprache als solche als vielmehr um das Unvermögen, das ins Besondere einige Schweizer Männer an den Tag legen, wenn ihnen Frau mal ganz direkt eine Ansage erteilt. Da kann es durchaus schon mal vorkommen, dass sogar akademische Würdenträger sprachlich und emotional auf die Primatenstufe zurückkehren.

    32. Konstantin Says:

      Als Papierschweizer, der mit der Verschiedenheit der beiden Kulturen doch einigermassen vertraut ist, möchte ich auch meinen Senf dazu abgeben.
      Das Problem mit den deutschen Professoren ist, dass die Schweizer das Gefühl haben, die deutsche und die schweizerische Kultur seien sich sehr ähnlich, weil es zwischen den beiden Ländern keine signifikante Sprachbarriere gibt. Deshalb werden Lehrstühle an der UZH oft mit deutschen Professoren aufgefüllt, ohne dass die Berufungskomissionen die fremdländische Herkunft der Professoren kritisch hinterfragen.
      Erst im Nachhinein stellt sich dann heraus, dass der kulturelle Background der Deutschen von Grund auf verschieden ist: Deutsche denken in Hierarchien, selbstbewusstes Auftreten ist in Deutschland eine Tugend und es ist auch erlaubt, Personen öffentlich blosszustellen und niederzumachen. Schweizer sind da deutlich harmoniebedürftiger und konfliktscheuer. Ein stark zur Schau gestelltes selbstbewusstes Auftreten wird in der Schweiz deshalb schnell mal als „Arroganz“ aufgefasst, auch wenn das wahrscheinlich unbeabsichtigt so abläuft. Schweizer sind zudem schneller beleidigt, wenn sie persönlich kritisiert werden. In der Schweizer Kultur ist Bescheidenheit eine Tugend, was in krassem Gegensatz zur deutschen Selbstverwirklichungsmentalität steht. Kritik gegenüber Personen muss in der Schweiz so geäussert werden, dass die betreffende Person trotzdem ihr Gesicht wahren kann. Konflikte werden in der Schweiz mit Kompromissen beigelegt. In Deutschland geht es eher darum, „Stärke“ zu zeigen und sich gegen allfällige Konkurrenten durchzusetzen. Schweizer sind dagegen Kollektivisten, die lieber in der Gruppe entscheiden. Die Schweiz tut sich deshalb naturgemäss schwer mit Alpha-Tieren.
      Ich glaube die Deutschlandskepsis der deutschsprachigen Schweizer rührt daher, dass die gemeinsame Schriftsprache darüber hinwegtäuscht, dass spürbare kulturelle Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland existieren. Für viele Schweizer ist es ein Schock, festzustellen, dass diese Leute, die fast dieselbe Sprache sprechen, sich trotzdem in ihrer Mentalität deutlich von den Einheimischen unterscheiden.
      Aus diesem Grund werden an der UZH so viele Professoren einberufen, obwohl es sich dann im Nachhinein als problematisch herausstellt. Klar ist das teilweise auch ein Problem der Schweizer Hochschulpolitik. Nur muss man verstehen, dass die Schweizer Hochschulfunktionäre sich weitgehend aus immigrationsfreundlichen Alt-68ern rekrutieren, die gerne dazu neigen, die Integrationsproblematik zu unterschätzen.
      Zusammenarbeit zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern ist jedoch nie unproblematisch. Es braucht Anpassung von beiden Seiten. Dazu gehört auch, dass die deutschen Professoren im Umgang mit Mitarbeitern und Studenten ihre streng hierarchische Sichtweise ablegen und einen kollegialeren Umgang mit ihren Mitmenschen erlernen. Ein Stück weit muss der kulturelle Unterschied allen Beteiligten bewusst gemacht werden. Dann könnten auch viele Missverständnisse geklärt werden.

    33. Tellerrand Says:

      @ Konstantin

      Keine Hierarchien in Schweizer Unternehmen und Universitäten und Bescheidenheit als Schweizer Kardinalstugend? Ähem, von welcher Schweiz ist die Rede?

      Nur weil sich hier alle mit Du ansprechen heisst das noch lange nicht, dass keine Hierarchien existieren. In vielen Unternehmen gilt noch immer der Dienstgrad in der Schweizern Armee als Indikator der Führungstauglichkeit (deswegen die wenigen Frauen in den höheren Gefilden?). Wenn ich mir den Laden so anschaue, in dem ich tätig bin, kann ich nur ziemlich klare Hierarchien konstatieren.

      Und Bescheidenheit ist das letzte, was ich einigen unserer GL-Mitglieder bescheinigen würde. Das Verhalten der Wohlhabenden, die im gut sortierten Supermarkt um die Ecke einkaufen, könnte man herablassend und protzig nennen. Sollte ich ich in einem Sonderfall des Sonderfalls Schweiz gelandet sein?

      Ich habe an einer kleinen deutschen Uni studiert, die sich kurzer Zeit sogar Eliteuni nennen darf. Mein Eindruck von der Sozialtauglichkeit der meisten Professoren dort steht Deinem Urteil diametral entgegen.

    34. Flaneur Says:

      Nun… im Grunde verwundert das alles nicht.

      Lebensqualität und monetäre Bezahlung, wie auch Forschungsumfeld sind in der Schweiz auf (mindestens) ähnlichem Niveau, wenn nicht höher. Und im Grunde sind – global gesehen – sich Deutschland und die Deutschschweiz kulturell ziemlich ähnlich. Die Qualifikation universitärer Ausbildung ist in Deutschland auf ähnlichem Level, und auch aufgrund geringstmöglicher Sprachbarriere ist die Anpassung deutscher Dozierender an den Standort Schweiz relativ gering und einfach zu bewerkstelligen. Und selbst wenn das einzelne Leute anders, also als eine grössere kulturelle Distanz empfinden werden: Ich denke, viele deutsche Bewerber tun das nicht.

      Ist doch letztlich einfach eine Frage der Zahlenverhältnisse, aus welchem Land die meisten, und auch, woher die (meisten) qualifiziertesten Bewerber kommen:

      Deutschschweiz: 5 – 6 Millionen Einwohner.
      Deutschland: über 80 Millionen

      Was kann man dagegen tun?
      Am Ende gar nichts.
      Entweder „patriotisch einstellen“ und öfter auf „die besten“ Leute (aus Deutschland) verzichten, oder eben damit leben, dass viele Dozenten Ausländer sind.

    35. Matthias, Lausanne Says:

      Die Abneigung der Deutschschweizer vor den Deutschen kommt doch daher weil diese oft in Führungspositionen tätig sind, und mit ihnen konkurrieren oder ihnen anschaffen. Normalerweise sind es die Schweizer doch wohl eher gewohnt dass Ausländer einfache schlecht angesehene Dienstleistungsjobs haben. Mit diesen Leuten muß man sich dann auch nicht groß abgeben, und ein näherer Kontakt tritt eh kaum ein.

      Ich denke da besteht die Furcht nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein, das wäre in Deutschland aber wohl genauso wenn so viele Führungspositionen von Ausländern besetzt wären.

    36. Konstantin Says:

      @Matthias
      Auf den Punkt läuft’s hinaus. Wie wird doch unser lieber Joe Ackermann in Deutschland von den Medien fertig gemacht, nur weil er Schweizer ist? Wenn ein Deutscher Vorgesetzter von einem Schweizer ist, dann ist’s in Ordnung. Aber umgekehrt? Niemals.
      Da muss man Realist sein: die Deutschen sind genauso skeptisch gegenüber „Fremdherrschaft“ wie die Schweizer. Niemand ist gerne der Untergebene eines „Fremden“ und die kulturellen Barrieren spielen dann eben doch eine Rolle, auch wenn sie scheinbar gering sind.

    37. balzercomp Says:

      @Konstantin
      Deine Einschätzung des Verhältnisses von Joe Ackermann und der Presse ist falsch. Es interessiert in Deutschland so gut wie niemanden, dass Herr Ackermann Schweizer ist. Er hat schlicht und gelassen Probleme mit seinem öffentlichen Auftreten. Zum Beispiel das Victory-Zeichen zum Auftakt seines Prozesses und die Ankündigung von Massenentlassungen bei gleichzeitigen zeugen nun nicht gerade von optimalen Kommunikationsfähigkeiten.

    38. Tellerrand Says:

      @ Konstantin

      Ich bin ziemlich sicher, dass in Deutschland die wenigsten interessiert, ob Herr Ackermann Schweizer ist. Es wird in Deutschland schlicht nicht als Makel wahrgenommen, dass jemand Schweizer ist, umgekehrt hingegen schon.

    39. Richard Dähler, Zürich Says:

      Das Recht sich über etwas zu beklagen, zu jammern, gehört zu den wichtigsten, also wird es auch wahrgenommen. Wenn es mit einer gehörigen Portion Weinerlichkeit, gepaart mit lächerlichem Nationalismus, gewürzt wird, besteht sogar die Aussicht, dass das sogenannte Problem
      ernstgenommen wird.

    40. Konstantin Says:

      In der Schweiz laufen eben bereits fortgeschrittenere Diskussionen zu dem Thema Ausländerintegration an, während diese in Deutschland eben erst beginnen: wie viele Ausländer verträgt eine Gesellschaft, bevor sie daran zerbricht? Vor ein paar Jahren wurde die SVP sogar in der Schweiz noch belächelt, als diese die schleichende Überfredung zu ihrem Wahlkampfthema Nummer 1 machte. Damals wurde sie von anderen konservativen Parteien Europas massiv kritisiert. Mittlerweile fängt aber sogar die CDU in Deutschland an, umzuschwenken und die Ausländerproblematik ernst zu nehmen. Dies vor allem wegen der jüngsten Ereignisse in der Münchener U-Bahn. Es ist trotzdem interessant zu sehen, dass in Deutschland inzwischen Konzepte und Parteiprogramme kopiert werden, die in der Schweiz schon lange üblich sind. Ich denke in zwei bis drei Jahren werden die Deutschen selber anfangen, über den hohen Ausländeranteil in Führungspositionen nachzudenken.

    41. Tellerrand Says:

      @ Konstantin

      Die schon ziemlich in die Jahre gekommene Überfremdungsangst als fortgeschrittene Diskussion zum Thema Ausländerintegtation zu machen – Respekt!

      Zum Thema Kopieren: das Copyright auf Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass im deutschsprachigen Raum haben die deutschen Nationalsozialisten. Schwarzenbach ist da nicht mehr als ein verhältnismässig harmloser Epigone.

    42. Daniel Says:

      Ihr habt die Polen, wir haben die Deutschen.

      so what.

    43. Tellerrand Says:

      @ Daniel

      Bravo! Noch kürzer kann man Dummheit nicht auf den Punkt bringen.

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