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Füessball in de wörld — Zum Fegen braucht man keinen Besen

  • Nicht Joseph sondern Sepp
  • Wir lasen im „Magazin 49-2007“ einen Beitrag von FIFA-Präsident Sepp Blatter, überschrieben mit dem original Schweizerdeutschen Titel „Füessball in de wörld“:

    Und was ich bemängle in diesem Jahr ist, dass der Enthusiasmus, den man in andern Ländern spürte, nicht da war. Man hätte in der Schweiz 2007 etwas ganz Verrücktes machen sollen um anzuheizen.
    Aber tant pis, die Euro 08, das wird fegen. Jedoch nur, wenn die Schweizer Mannschaft etwas leistet. Sie ist auf jeden Fall zu so viel fähig wie die Deutschen 2006, die hatten auch keinen grossen Kredit davor, dann haben sie ein super Startspiel gemacht, und das war wie ein Funken im Strohfeuer, hoblalätz

    Sepp Blatter im Magazin.ch
    (Quelle: DasMagazin.ch)

  • Wenn Schweizer etwas Verrücktes machen
  • Enthusiasmus? Etwas Verrücktes machen? In einem Land, das das Silvesterfeuerwerk über dem Zürichsee immer erst 20 Minuten nach Mitternacht abfeuert, damit bis dahin völlig verrückt und enthusiastisch den Kirchenglocken der Zürcher Frauenmünsters gelauscht werden kann? (vgl. Blogwiese)

    Als echter Schweizer baut Blatter natürlich welsche Ausdrücke in seinen Ausführungen ein. „Tant pis“ für „dumm gelaufen“ findet sich erstaunlicher Weise in keinem Duden, nicht mal in der Fremdwörterausgabe. Dort ist nur „tant mieux“ als „um so besser (veraltet)“ verzeichnet.

  • Das fegt ganz ohne Besen
  • Ganz besonders angetan sind wir von „das wird fegen“. Da braucht es keinen Besen oder Kehrichtschaufel, wenn die Schweizer loslegen. Das „fegt“ ganz von allein. Eine Redewendung, die wir in verschiedenen Varianten in der Schweiz entdeckten:

    (…) die Einsatzfahrten sind voll cool gemacht, das fegt so richtig …
    (Quelle: outnow.ch)

    Oder hier, ein Beispiel aus Chur:

    Do losi wieder amol kli radio mx3 und denka nüt böses und uf zmol jodlet do eina mim ma offasichtlicha khurer dialekt us mina boxa. sofort bohrt sich das liad in mini ohra… ouuuyeeeahhh, schlohn mr eis…. das fegt jo uu huara! natürlich muass i grad amol go luaga wär denn do dia übeltäter sind.
    (Quelle: Mx3.ch)

  • Fegen immer mit Objekt
  • Die Deutschen hingegen gebrauchen „das fegt“ immer noch mit einem Objekt, wie diverse Fundstellen bei Google-DE belegen:
    Das fegt Sie glatt vom Stuhl
    Das fegt dich (und die Nachbarn) weg
    Das fegt das Popcorn von den Strassen

  • Und was heisst „hoblalätz“?
  • Ist das ein „hoppla“ plus „jetzt“? Oder lässt sich dieser spontan verrückte Ausdruck von unkontrolliertem Enthusiasmus gar nicht verhochdeutschen? Wir werden ihn uns merken für die Public Viewing Events im Juni 2008. Immer wenn es richtig abgeht auf der Leinwand werden wir spontan, laut und schrill ein „hoblalätz“ in die Runde brüllen, um so die Stimmung zum Siedepunkt zu treiben. Wenn das dann „der Funke im Strohfeuer“ war, sorry, dann können wir da nix für. Sepp Blatter hatte es so gewollt.

    

    14 Responses to “Füessball in de wörld — Zum Fegen braucht man keinen Besen”

    1. franz Says:

      das heisst ohalätz und nöd hoblalätz. Wo hast du denn das her?

      [Antwort Admin: Aus dem Magzin-Artikel, den Herr Blatter selbst geschrieben hat. Quelle ist doch deutlich zitiert und aufgeführt]

    2. soso Says:

      stimmt, das ist gut beobachtet… tatsächlich ein rätsel.
      also fegen ist ja ein grundtätigkeit in diesem land.
      die fussgängerwege – auf denen nie ein mensch oder fahrrad sich befindet – (weil sie A zuhause sind oder im Cafe sitzen, und B weil sie auf der Strasse fahren) sind ja so sauber das man dort sich zum schlafen legen kann und so sauber – eigentlich fast perlwoll reingewaschen – wieder aufsteht.

      und fegen bringt die stimmung zum sieden, versetzt sie gewissermassen in extase. Also ich seh da schon einen zusammenhang.

      Vor kurzem war ein Zeitungbericht über den besuch eines journalisten bei einer deutschen… sein gesamter bericht drehte sich um das pähnomen das die kinder lachen im haus, das spagettiteller rumstehen…
      Das – oh wunder!! – in diesem haus g e l e b t (!!!!) wird und nicht nur wie in „schöner wohnen“ möbel ausgetestellt werden (originalzitat).

      Das fegen als selbstdefinition einer nation herhalten muss, und dies der sammelbegriff ist, mit dem andere menschen und nationen betrachtet werden ist schon merkwürdig genug. Und das es als synonym für exstase bzw. deren auslöser dient… ist dann eigentlich wieder verständlich.

      man könnte auch mal untersuchen die eigenheiten von schweizern in den singlebörsen: auffallend ist die eilige selbstbeschreibung man/frau sei „gepflegt“. Und man/frau sucht einen ebensolchen partner.
      Ist da eine Angst man könnte in den verdacht geraten, man kennt das wort seife und deo nicht? Gepflegt ist eigentlich ein Auto, immer schön poliert und im service. Aber wieso ist dies ein balzkriterium das die chancen erhöhen soll?

      man nehme 100 inserate von deutschen frauen und CH frauen und zähle dieses wort…

      die rätsel nehmen kein ende 🙂 zum glück sorgt die blogwiese für einen durchblick!

    3. Holger Says:

      @soso: „gepflegt“ habe ich in Deutschland bisher nur in einer ganz bestimmten Sorte Bekanntschaftsanzeige gelesen. Und das ist nicht die, in der jemand zum Heiraten gesucht wird. 😉

    4. neuromat Says:

      @ soso

      sehr schöner Comment…

      bei uns leben die Spaghettiteller auch schon. Das heisst es lebt in den Spaghettitellern – da ist immer was los. Nur zum Lachen holen wir die Kinder nicht unbedingt ins Haus; die dürfen das auch draussen. Manchmal mache ich auch was ganz Verrücktes und fahre schon um achti hei. In diesem Jahr war ich auch fünf Mal zum Mittag dahei.

      Ich wurde dann jedoch immer sorgenvoll darauf angesprochen, ob auch alles in Ordnung sei. Ob es bei mir laufe. Ich bin dann rein, hab in den Spiegel geguckt und gesehen, nee, da läuft nichts, nicht einmal die Nase.

      Das Wort „gepflegt“ steht für mich ziemlich bei „gediegen“. Es wurde früher von uns ausschliesslich ironisch gebraucht, wenn wir „mal ganz gepflegt die sau raus gelassen haben.“

      Die Deutschen waren doch von ihrer WM und ihrer WM Stimmung selbst überrascht. Der Unterschied liegt für einmal nicht in der Mentalität. Das Problem ist, dass sich wieder einmal keiner drum kümmert. Wir hatten das Thema schon einmal mit der Hoffnung dass die Ochsen den Weg vor dem Karren schon selber machen.

      Der Chef des zuständigen Departements ist uns allen ja bekannt – eine gepflegte und gediegene Erscheinung. Wenn ich das mal richtig gelesen habe, beauftragte er einen ebenfalls gediegenen und gepflegten Menschen, sich mal um das Ganze zu kümmern. Der Beauftragte hat zu Fussball wohl keine Beziehung. Also bitte, das war doch was ganz Verrücktes Herr Blatter, Sie FIFA-Sepp.

      Hinterher sind wir immer klüger, natürlich wäre da vieles besser zu machen gewesen. Aber auf mich hört einfach niemand. Damals als Klinsmann ausstieg hätte er direkt in die Schweiz verpflichtet werden müssen, Köbi Kuhn wäre EM-Botschafter geworden. Verona Feldbusch hätte die Physioabteilung übernommen – ein ganz flotter Feger. Feldbusch hätte im Feldschlösschen gewohnt, die Engländer hätten sich den Arsch aufgerissen, um dabei zu sein, die Maskottchen wären Calmy-Rey und Couchepin gewesen, den Oesterreichern hätten wir deren Spiele abgekauft, im Wankdorf Stadion gäbe es jetzt 80000 Sitzplätze und im St. Jakob 100000, lustig die Bälle mit dem Konterfei von den Maskottchen, Team-Manager DJ Bobo würd in Personalunion die Hymne schreiben, da bräuchte es keine Mannheimer Klageelegien …

      Ja, es ist vergeigt – wieder einmal. Und wisst Ihr wo der fehler liegt? Ihr lasst mich nicht ran, solche Sachen umsetzen. Dabei wäre das ein ganz gepflegte Veranstaltung geworden …

    5. Fiona Says:

      ‚Allo, ‚Allo!

      Re Sepp (tant pis, tant mieux) Blatter : erst seit 1815 gehört Valais der CH, vorher war Valais un départment français (Simplon).

    6. Phipu Says:

      Ein Wort ist mir hier aufgefallen: Mir schien „Kehrricht“ mit zwei R bisher immer so falsch. Auf der beschränkten Ausgabe, die Duden.de gratis freigibt, finde ich tatsächlich unter „Kehrricht“ keine Einträge. Über „Kehricht“ mit einem R findet man es dann doch. Unter Google hat es 15x soviele Einträge mit 1 R. In Grimms Wörterbuch schrieben sie zwar noch „das Kehricht“, während heute „der Kehricht“ verbreiteter ist, aber auch das immer mit einem R. Die doch ziemlich vielen Einträge mit zwei R verunsichern mich aber doch. Ist nun dank Internet „Kehrricht“ etwas „richtiger“ geworden? Nun, das ist ja eine Kleinigkeit, aber meine pädagogosche Ader zwingt mich einfach, das allen Wissensdurstigen, die gerne richtig schreiben, mitzuteilen.

      Hier nun mal die ernsthafte Frage des Tages: Soso erwähnt ja die unterdessen zum Klischee verkommene Meinung, es sei so wahnsinnig sauber in der Schweiz. Aus diesen Zeiten stammt noch das unzertrennliche Paar … Haushaltsgeräte. Nämlich „Schüfeli und Bürsteli“ oder „Bäseli“. Ich musste das mal auf Hochdeutsch regelrecht aus den hintersten Gehirnzellen hervorklauben, weil ich das wirklich nicht aktiv wusste. Gehören in der Standardsprache „Kehrichtschaufel und Handbesen“ auch so unzertrennlich zusammen? Bzw. nennt man die wirklich so?

      Übrigens, wer wirklich nicht weiss, was „lätz“ heisst, kann im Referenzwerk für besondere Schweizer Ausdrücke nachschauen. dieser Site heisst … Blogwiese: http://www.blogwiese.ch/archives/3#comment-323 Übrigens geht es bei diesem Eintrag um Kehren, wobei wir also immer wieder beim Reinemachen bleiben.

      Zu meiner Jugendzeit habe ich den Ausdruck „das fägt“ (auch mal nach dieser Dialektvariante googeln. Im Bündnerdialekt kann man halt wie auch im schönen Hochdeutsch richtige Mundaufsperr-Ä nicht von E unterscheiden) nach Hause gebracht, und meine Mutter damit belustigt. Ob das nach heutigem Slangikon immer noch aktiv benutzt wird, wage ich zu bezweifeln. Aber tatsächlich ist das eine Variante, um „das macht Spass“ oder „das bringt Stimmung“ auszudrücken. Aber Neuromat hat uns ja schon darauf hingewiesen, dass man besser wissen sollte, wie man Stimmung macht, anstatt das so originell wie möglich auszudrücken.

      [Anmerkung Admin: Ach Phipu, warum sagst Du nicht einfach: „Jens, da ist ein Fehler“ 🙂 Ist schon korrigiert. Ich tendiere bei „Kerr“ immer zu doppeltem „r“, weil ich in meinem Heimatdialekt gar kein „r“ habe und ein alter Fan von Alfred Kerr bin. Der hat aber auch nicht die falsche „Kerrichtschaufel“ erfunden.]

    7. Holger Says:

      @Phipu:
      Da, wo ich herkomme, [1] sagt man „Handfeger“ anstatt „Handbesen“. Und wenn ich früher was zerdeppert hatte, sagte Mama zu mir einfach nur: „Hol‘ mal den Handfeger und mach‘ das weg.“ Da es klar war, daß ich die Scherben nicht unter den Teppich kehren sollte, sondern sie in den Müll verfrachten, war auch klar, daß ich auch das „Kehrblech“ mitbringen mußte. Auch, wenn das nicht explizit erwähnt wurde.

      [1] das ist übrigens schön falsches Deutsch

    8. Phipu Says:

      Ach so, stimmt ja, Jens, mit Deutschen darf man ja direkt sein. Vielleicht kann ich dann nächstes Mal über meinen Schatten springen.
      Aber wie wahr ich dann mein Gesicht, wenn mir ein Sprachwissenschaftler (was ich nicht bin) in den nächsten Stunden belegt, das andere (10’000 Google-Einträge verunsichern mich tatsächlich!) sei auch richtig? Immer einen Schachzug weiter denken!

    9. Neuromat Says:

      @ Phipu

      ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube an diesen beiden Begriffen scheitert die Standardsprache. Nur Kehrichtschaufel tönt sehr konstruiert. „Wir“ sagen Kehrblech und Kehrbesen, auch Handbesen – sorry, ich kann das Posting nicht abschicken. Jens will von mir wissen, was gibt 0+0, ich habe mal WC eingegeben – auch Handfeger ist mir irgendwie in den Ohren.

      Zu den Zeiten, als das Kehrblech noch aus Blech war hing der Handbesen oder Kehrbesen mit einem Faden befestigt am Blech. Heute sind Schaufel und Besen aus Plastik, das Blech redet dafür ein Blatter.

      Für den Germanisten Wiese hätte es noch einen anderen Grund gegeben, nämlich den Kehrreim, der wird im Unterschied zum Kehr ein mit zwei r geschrieben.

    10. AnFra Says:

      @Phipu

      Mit dem Kehricht ist das son Mist. Wenn der Blatter Sepp nur Blech redet, so redet der Blocher Christof auch nur Kehrricht!

      Jetzt wirst Du fragen warum ich auch den Kehricht zuvor mit zwei „r“ geschrieben wurde. Dat is ganz einfach. Habe tief in der etymologischen Krabbelkiste gewühlt und bin auf aufschlussreiche Ergebnisse gestoßen / getroffen.

      Dieser Kehricht hat was hochinteressantes an sich. Eigentlich ist der von Dir beschriebene Begriff „Das Kehricht“ nicht der vom Blocher Christof produzierte Kehrricht, der im hermeneutischem Sinne „Mist, Dreck, Schmutz, Abfall, Müll, Schutt, Seich, Schitt uam.“ vergleichbar ist, sondern es ist ursprünglich ein Tätigkeitswort „der kehricht“ welches uns sagt: kehren, fegen, säubern (wischen). Man ist also beim „kehren seiend“!
      Im Wortdschungel der Brüder Grimm findet man die Erlösung zum Kehricht. Man muss das Wort Kehricht in die beiden Bestandteile „Kehr“- und „icht“ zerlegen.

      Das Wort „kehren“ würde hier dem Sinninhalt des wieder zurückkehren, d. h. des wieder zur Ausgangsstelle zurückbringen haben. Man kehrt den Dreck wieder zur Straße zurück. Siehe: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=kehren&lemid=GK03122&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GK03122L0

      Kehren ist nun in Gebieten des ehem. HRR(DN) der Hausfrau HÖCHSTE Pflicht, um sich selbst, der Familie, der Nachbarschaft und der gesamten Gemeinde zu zeigen und damit zu beweisen: Auch ICH, der KEHRENde, bin wieder zum alten, papistischem und somit wahrem Glauben zurückgeKEHRT! Somit wird die alte, bisherige und zukünftige Ordnung auch durch mich vorbehaltlos anerkannt. Der wahre Glaube ist auch bei mir EingeKEHRT!!!!!

      Ich selbest meine, dass in den ehemaligen papistisch-römischen und habsburgischen Gebieten der katholisch Glaubensrückeroberungen (dt. Reconquista) in deutschen Landen dieses KEHREN, d.h. ordentliche Lebensführung, gesittete Lebensverhältnisse, zurückgeKEHRT zum „rechten“ Glauben, weg von der verwerflichen Lebenseinstellung des neuen lutheranischen Glaubens eine extrem starke Rolle noch heute spielt! Die römisch-deutschen apostolischen Kaiser in Wien haben hier „die Reinlichkeit“ als erste Bürgerpflicht im Gegensatz zu den schmuddeligen Protestanten einKEHREN lassen. Es gibt sehr viele Detailbeispiele hierzu, deren Aufführung hier den Platz sprengen würde.
      Wenn man es genauer betrachtet, kann man diese eigenartige „Kulturlinie“ in D noch gut erkennen. Südlich der Main-Linie scheint der Putzteufel seine heftigsten Anhänger zu haben. Man beachte die in Baden-Württemberg in der Gemeindeverordnung festgeschriebene KEHRpflicht der Gehwege an den eigenen Grundstücksgrenzen. In Anlehnung an den bad.-württb. Spruch gilt für Norddeutschland: „Wir können Hochdeutsch, außer KEHREN!“. Die gilt analog auch in der CH.

      So lässt sich auch psychologisch, sittengeschichtlich und realistisch das Problem des NichtKEHRENS und/oder des FalschKEHRENs durch norddeutsche Zuzügler in Süddeutschland und der Schweiz glaubhaft erklären. Da scheinbar noch alte Echos und Reflexe aus den Religionskriegen einwirken, erscheint es mir schon als „normal“, wenn hierbei, d.h. dem NichtKEHREN der Neubürger, die Altbürger schon fast in religiös-beKEHRENder Weise die KEHRwoche Saktosankt hochhalten!
      Zusammenfassend kann im o. g. Sinne gesagt werden: „Ich kehre, drum bin ich.“

      Der Zusatz –„icht“ hat was eigentümliches an sich. Dieser Suffix scheint arg verzwickt zu sein. In den anderen etymologischen Büchern wird Kehricht aus den fmhd. Keracht, kerecht, smhd. kerach mit dem Auslaut „t“ abgeleitet.
      Bei den Grimms wird auf diesen Suffix verwiesen, der hier u. a. in dem Zusammenhang des Tätigkeitswortes und des Suffix „icht“ dargestellt wird.
      Siehe u.a.: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=icht&lemid=GI00046&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GI00046L0

      Es scheint sich in laufe der Zeit das Tätigkeitswort „das kehricht“ (Kehren, fegen) in ein Hauptwort „Der Kehricht“ (Dreck, Abfall) gewandelt zu haben.
      Da dieses Thema zu groß ist, bitte selber bei den Grimms nachlesen.

      Sprachlich erscheint das zweite „r“ hier richtig zu sein, da man phonetisch vor und nach dem „r“ Vokale hat. Hier kommt schon fast automatisch das rollende süddeutsche rrrrrr ins Spiel.
      Dies ist vergleichbar der sprachlichen Veränderung, Einschleifung und Anpassung beim „Züricher“ zum „Zürcher“ ohne dem „i“!

    11. Schnägge Says:

      @Phipu: Bei uns hieß (und heißt es immer noch) Handfeger und Fegeblech. Wobei man sich damit allerdings selten die Hände fegt, eher den Fußboden und das Blech aus Plastik ist.
      Und der Blogwiese werde ich jetzt für heute den Rücken fegen.
      Äh, kehren.

    12. Phipu Says:

      An AnFra

      An solche Forschungsthesen habe ich im Hinterkopf gedacht, als ich meiner Meinung so vorsichtig formulierte, dass mich Jens aufforderte, ich solle es direkter sagen.

      Hut ab, für deinen langen „Behricht“. Ich bleibe aber lieber bei meiner Meinung und fühle mich dennoch nicht „töricht“, wenn ich „Kehricht“ schreibe. Ich füge mich einfach der Google-Mehrheit, die gingen ja alle auch zur Schule. Weiteres bildungsfernes Argument: meine Version spart Tastenabnützung, wie beim „Zürcher“!

    13. AnFra Says:

      @Phipu

      Da es kein Ironiezeichen gibt, will ich nachschieben:
      „Kehricht“ ist auch für mich die richtige Schreibweise, jedoch der „Kehrricht“ a la Blocher Christof ist die Retoure seines Mülls d.h. „Zurück an den Absender“ („„Geradlinig zurück den Dreck““).

      http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=richt&lemid=GR05038&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GR05038L0

    14. Chlöpf'n'Tätsch Says:

      Zur Ergänzung und mit gratis Jöööh-Bonus: Bei uns zuhause hies Handfeger und Fegeblech schlicht und unergreiflich „Schüüfeli und Wüschli“ 🙂

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