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Verstehen Sie Ruhrpott-Deutsch? — Tu ma dat Mäh ei

  • Verstehen Sie Ruhrpott-Deutsch?
  • In Deutschland spricht man Deutsch. Genauer gesagt „Hochdeutsch“, gern auch als „geschliffenes Hochdeutsch“ bezeichnet. Versteht jeder in der Schweiz, und mit der Rückfrage: „Verstehen Sie Hochdeutsch, oder soll ich Schweizerdeutsch sprechen“ können Sie schon lange niemand mehr bei den Eidgenossen schocken.

    Da müssen Sie stärkere Sprach-Kaliber auffahren, vielleicht so einen Satz aus dem Ruhrpott, wie er aus Bochum berichtet wurde: „Tu ma dat Mäh ei“, so gesprochen vom Opa zu den Enkeln im Zoo. Was das heissen mag? Jetzt können Sie sich fühlen wie ein Deutscher unter Zürchern (ohne „i“) oder Baslern im Zolli (mit zwei „l“ und einem „i“) auf der Streichelwiese: „Streichel mal das Schaf“ hört man da sicher auch nicht auf Hochdeutsch.

    Tu mal dat Maeh ei
    (Quelle Foto: wingst.de)

  • Dialog in einer Imbissbude
  • Noch zwei wundervolle Beispiele:
    Sind Sie dat Schnitzel? Nee, ich bin nur die Pommes Mayo. Dat Schnitzel is meine Frau“

    Gleich noch die passende beschriftete Lokalität dazu:
    Futtern wie bei Muttern
    (Quelle: einzelhandelspoesie.de)

    Dort könnte auch dieser Dialog aufzeichnet worden sein:
    Hörma, weiste waste bist?“ Frage eines älteren Herrn an seine vor ihm laufende Gattin. Antwort: „Du bist deinen Absatz am verlieren“
    (Quelle: Kopfnote aus Bochum)

    Wir suchen jetzt nach dem Schleifpapier und schleifen fleissig weiter an unserem Hochdeutsch. „Datte mich dat aber nich alle Leute verklickern tus“.

    

    21 Responses to “Verstehen Sie Ruhrpott-Deutsch? — Tu ma dat Mäh ei”

    1. M.Weigel Says:

      Isch denke, wenn man so ne Schweizer Ische hat, gewöhnt man sich dat allet schnell ab irgendwie. Einiges bleibt erhalten, anneres wiederum eben nicht. 🙂

      Wobei ich sagen muss, daß ich glaube auch nicht wirklich „hochdeutsch“ spreche. Wenn man in Moers und Umkreis aufgewachsen ist, läßt sich das auch schwer vermeiden.

    2. neuromat Says:

      aufgewachsen in Moers und Umkreis – fast hätte ich gesagt, ha muss man da nicht froh sein wenn man ueberhaupt sprechen gelernt hat 😉 nein, nein so ungefähr aus dem grösseren Umkreis stamme ich – sorry ig – ja auch her.

      Die Bezeichnung „Ische“ ist nun – falls dies so gemeint war – kein nd. Relikt sondern jidd. Ischa mit langem (!) i – wie lang genau weiss ich leider nicht, man möge mir dies von seiten der CH-Blogger verzeihen – und wird im Berlinerischen noch gerne gebraucht.

      Auf der Blogwiese beginnt nun endlich eine neue Ära: Befreit Euch von der arroganten neuhochdeutschen und höchstalemannischen Bevormundung! Weg mit den überflüssigen Lautumbildungen und zurück zu den Wurzeln der Sprache!

      Hmpf als Gruss reicht aus: Dor warrt narms mehr lagen, as wo snackt warrt.

    3. Simone Says:

      @M. Weigel: Was ist denn „Ische“?

      Ildiko von Kürthy bildet das Westfälische recht gut ab. Einer der Standardsätze von Müttern mit Kleinkindern lautet da „Gibbet der Mama!“
      (Zitat aus „Höhenrausch“)

    4. neuromat Says:

      @ Simone

      Ische heisst Frau ; Asche ueber mein Haupt, das hatte ich vergessen zu sagen – weiss doch auch jede(r) Blogwieser

    5. Says:

      Lassen wir doch alle reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

      Übrigens: Der Tierpark in Basel heisst im Volksmund „Zolli“, nicht „Zooli“…

      [Antwort Admin: Danke für den Hinweis, ist schon geändert.]

    6. Guggeere Says:

      Mäh? Ische? narms? Bitte gaaanz laaangsam! Bin Alpenalemanne und erst noch naturblond.

      @ neuromat: Ja, befreit euch! Am besten gründet ihr eine Selbsthilfegruppe für von dieser Krankheit 😉 Betroffene. Logopädische Beratung gibts in jedem Kanton beim Erziehungsdepartement.

    7. Tellerrand Says:

      Apropos Logopädie:

      Bevor ich in die Schweiz kam, ging in meiner grenzenlosen Unwissenheit selbstverständlich davon aus, dass das eine Wissenschaft ist und dass folglich die Anwendung derselben in der Standardsprache erfolgt. Ein Irrtum, die Logopädie bei meinem Sohn erfolgt selbstverständlich in Mundart und meine Frage, ob die Diglossie zwischen Elternhaus und heilpädagogischen Kindergarten dem Kind nicht zusätzliche Schwierigkeiten beim Spracherwerb bereiten würde, hat die Logopädin sehr verwirrt…

    8. Ostwestfale Says:

      >Dor warrt narms mehr lagen, as wo snackt warrt.

      Heisst das soviel wie „Es wird nirgends mehr gelogen, als dort wo geredet wird.“?

    9. neuromat Says:

      @ Ostwestfale

      Gratuliere, Du wirst Präsident unserer BFND (Befreiungsfront Nedderdüütsch).

      @ Tellerrand

      kommt drauf an was therapiert werden soll. Wahrscheinlich ist es jedoch grundsätzlich eher von Vorteil so früh wie möglich diglottisch, bi-oder multilingual zu sein.

    10. Raphael Says:

      Off-Topic, muss das einfach schnell loswerden

      Mit ganz viel Überzeugung haben ich Chantal Galladé im erste Wahlgang gewählt. Ihr Rücktritt zugunsten von Diener, die Mittig ausgerichtet ist und gegen Maurer, den Schlingel, mehr Stimmen mobilisieren kann, ist absolut folgerichtig, finde ich.

    11. Phipu Says:

      Mir schien doch, dass der verklickern-Satz schon mal irgendwo stand. Jetzt habe ich ihn gefunden: Hier ganz am Schluss des Eintrags: http://www.blogwiese.ch/archives/219 .

      Ich bin aufgrund meiner (logopädisch bisher nicht kurierten) Diglossie zum Urteil gekommen, dass „tu datt Mäh ei“ etwas mit „eintun“ zu tun hat. In landwirtschaftsverwandtem Wortschatz kennt man dieses Verb noch als „capere et includere, einfangen, einsperren, eng einbeschliessen, circumcludere“.

      Diese lateinischen Weisheiten stammen nicht etwa von mir – das könnte ich gar nicht, ich bin nämlich eine männliche Blondine – sondern diese Wörter stehen unter dem Begriff „einthun“ in Grimms Wörterbuch http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB . Sogar dort steht nun in Duden-Manier „… heute für gemein gilt. ADELUNG nimmt dabei überall ’niedrige sprecharten‘ an. So noch heute das Vieh einthun, in den Stall bringen; die Gänslin einthun. ZINKGR. 2, 79; einen Dieb einthun, gefangen nehmen;“

      Was hier also mit „noch heute“ bezeichnet wird, betrifft das 19. Jh. Das soll aber nicht heissen, dass es im Dialekt nicht überlebt haben darf.

      Kurz, Ich bezweifle, dass Jens obigen Satz im Zoo gehört hat, denn dort sind die animalen Rasen-„Mäh“-er schon eingetan. Auf einer Weide passt dieser Satz eher, wo der Befehlsempfänger die Schafe in das Gehege oder in den Stall eintun soll.

      Auf Berndeutsch gibt es einen Ausdruck mit „iitue“ (eintun) für „Meinung sagen“. Aber es will mir beim besten Willen nicht mehr einfallen, worum es geht. Z.B.: „We dä mir no einisch derewäg a Charre fahrt, tue-n-i-n-em …de scho ii!“ (wenn der mich nochmals derart anfährt, werde ich ihm meine Meinung schon sagen). Wer kann meine Gedächtnislücke füllen helfen?

    12. g.feikt Says:

      @tellerrand

      Ja, da liegst Du ganz richtig. Logopädie, die sich wissenschaftlich fundiert mit der Entstehung, Diagnose und Therapierung von Schluck-, Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen befasst, sollte unbedingt und ausschliesslich in deutscher Standardsprache erfolgen.

      Schliesslich ist hinlänglich bekannt und wird von Deutschen immer wieder bekräftigt, dass allemannische Dialekte, wie etwa Schweizer Mundart-Dialekte reines Gebrabbel sind. Nie wird jemand in der Lage sein, Schweizerdeutsch für die Vermittlung von sinnvollen Inhalten zu verwenden. Diese Aneineinanderreihung von Guttural- und Knacklauten – von manchen irrtümlich als Sprache bezeichnet – kann gearade mal ausreichen, um eine Röschti oder ein Bier zu bestellen. Wehr Dich nur, aber bleib in Deinem Teller!

    13. neuromat Says:

      @ Phipu

      „Tu ma dat Mäh ei“ ist natürlich dringend logopädischer aber auch psychoanalytischer Behandlung bedürftig. Es handelt sich hier um Kindersprache eines Erwachsenen, der ein Alter erreicht, in welchem er nun selbst wieder regrediert. Das Kind soll also das Schaf str“ei“cheln, oder eben ei machen, wie so gesagt wird.

      Zu mehr reciht gerade doie zeit nicht

    14. Tellerrand Says:

      @ g.feikt

      Hä? Da hat wohl einer etwas völlig in den falschen Hals bekommen. Habe ich mit irgendeinem Wort gesagt, Schweizerdeutsch sei intellektuell minderwertig oder etwas in der Art, was diesen Erguss rechtfertigt?

      Zur Abkühlung noch ein bisschen Hintergrundinfo: Besagter Sohn ist sechs, geistig behindert und spricht bisher kaum. Da meine Frau und ich Deutsche sind und folglich mit unserem Sohn Hochdeutsch sprechen, wollte ich anregen, dass die Logopädin die Sprach- und Sprechübungen in Hochdeutsch macht, um es nicht noch komplizierter zu machen, als es ohnehin ist.

      Ich war übrigens wirklich als ich hierher kam tatsächlich ziemlich erstaunt, dass in der Schweiz auch an Universitäten Mundart gesprochen wird, da Dialekte in Seminaren und Vorlesungen an Deutschen Unis ziemlich undenkbar sind.

      Ich hatte und habe (obwohl es häufig die Sprache der Anfeindung ist) nichts gegen Schweizerdeutsch. Manchmal – sicher nicht wenn ich wieder einmal belehrt werde, ich habe mich unterzuordnen – finde ich es sogar schön. Blumen sind auch schön und trotzdem bleib ich lieber was ich bin.

    15. g.feikt Says:

      @tellerrand

      Dass Ihr gefragt habt, ob es für Euren behinderten und doch noch recht kleinen Sohn gefragt habt, ob eine Therapie in der Mutter-/vatersprache niocht einfacher wäre, kann ich problemlos nachvollziehen. Hätte ich vermutlich auch getan.

      Allergisch hat mich der folgende Satz gemacht:

      „Bevor ich in die Schweiz kam, ging in meiner grenzenlosen Unwissenheit selbstverständlich davon aus, dass das eine Wissenschaft ist und dass folglich die Anwendung derselben in der Standardsprache erfolgt.“

      Ich denke, unterdessen hast Du aber begriffen, dass deutsche Standardsprache in keiner einzigen Situation in der Schweiz unter Deutschschweizern mündlich angewendet wird. Mündliche Standandsprache wird nur gesprochen, wenn man mit anderssprachigen Anwesenden rechnen muss. Aus Anstand, damit diese eine Verständnischance haben.

      Aber unter Deutschschweizern wird jedes erdenkliche Thema in vollwertigem Schweizerdeutsch abgehandelt. Selbst Kant oder Herzchirurgie oder Quantenphysik. Damit sei nicht gesagt, dass dann vor lauter Fachausdrücken auch jeder andere Mundartsprechende alles wirklich versteht. Versteht sich ja. 😉

    16. Neuromat Says:

      @ g.feikt

      na ja, mit Verlaub, fragt sich manchmal nur wie …

      und … es ist auch nicht zutreffend …

      und …. bei der Ueberfremdung, die hier so grässlich wütet, kann man, nein muss man statistisch davon ausgehen, dass sobald mehr als vier Anwesende in der Schweiz beisammen sind aus Anstand, damit der fünfte rein rechnerisch ein Ausländer eine Verständnischance hat 😉

      und wirklich mal zum Mitschreiben: Für die allermeisten einigermassen in Sprachen bewanderten deutschen Einwanderer ist dieser Dialekt kein grösseres Problem. Wir haben unsere Freude daran, wenn der St. Gallener den Berner nicht versteht, es aber ja nicht zugeben mag.

      Med de Amtssprook sech afhaspeln … wer sik gern sülm snacken hört un de ok glieks överal mitbackt, wenn anner sik wat to vertelln hebbt, snackt no de Snuut, ob der blarrt, bedibbert oder anballert, aber ob de Hochscool dumm Tüch moken, dat kannst mi glöven, heff ik erstmol geel snackt, wat anners gifft dat nich, un de spraak un de Amtssprook dörf nich koppheister gohn…

      per altre informazioni su la lingua e el dialetto di lingua tedesca del Nord:

      http://www.radiobremen.de/online/platt/kurs/

    17. Schnägge Says:

      @Neuromat: Statistisch gesehen. Wenn man zu den 20 Prozent Ausländern noch die 30 Prozent französisch- und italienischsprachigen Schweizer dazurechnet, dürfte man statistisch gesehen überall da nicht Schweizerdeutsch reden, wo sich mehr als eine Person auf einmal versammelt…
      (PS: Ich hoffe, ich bin bei dir nicht schon wieder im amerikanisichen Büchsenfleisch gelandet. ;-))

      @Tellerrand: Wahrscheinlich wäre es für den Kleinen gar nicht mal das Schlechteste, wenn er auch Schweizerdeutsch lernt, soweit das möglich ist, damit die Sprache in der Schule nicht zu einer zusätzlichen Ausgrenzungshürde wird.

    18. Marroni Says:

      @ Raphael: Ja, richtig! An alle hier, die Stimm und Wahlrecht im Kanton Zürich besitzen: Der Maurer würde Ständerat, was passiert dann?‘ Richtig SCHLÜER rutscht in den Nationalrat! Der ist sowas vom letzten Jahrtausend, das glaubt gar keiner… der wollte doch die Deutschen mit scharfer Munition aus der Schweiz raustreiben! Da wähle ich als CVP Mitflied und ehemaliger „Landesringler“ Diener, dann wird Thomas Weibel Nationalrat, so ist das! Gruss.

    19. Phipu Says:

      Ich habe einen Teil meiner Diglossie (oder vielleicht kann man das einfache Vergesslichkeit nennen) selbst kuriert. In meiner Gedächtnislücke geht es um: „die Hühner eintun“ (BE: „d’Hüehner iitue“).

    20. RevierBorusse Says:

      @ g.feikt :

      „Wehr Dich nur, aber bleib in Deinem Teller!“

      Danke für diesen Spruch ! Ganz wunderbar !
      Darf ich Sie darum bitten, den in Zukunft benutzen zu dürfen ?

      (Sie haben damit wirklich den heutigen Abend gerettet!)

      Herzlichste Grüße aus Doatmund, auss’m Pott !

      (Hönnsema eem: Dassedat nich vagessen (!): Das „U“ zwischn Konsonantn ist ein wiäklich rundes, aber schon fast geschlossenes „U“ ! Wie in „Muss“, Kuh“, „Doatmund“, „Ja, und?“, „Bus“)

    21. Ruhrcacher Says:

      Rapperswil, Kanton St. Gallen. Schweiz.
      Unser Touristengrüppchen wird abends von einer enthusiastischen (?!) Schweizerin im derbsten Switzerdütsch angesprochen. Was wir verstehen: Rein gar nichts.
      Das sah man wohl auch unseren Gesichtern an. Sie also „Do you speak… „, welche Landsmänner wir wohl seien wusste sie dann auch nicht so recht.
      Wir ergänzten wie aus einem Munde nur „…Hochdeutsch?!“ Dann klappte es auch 🙂

      Mensch, da lob ich mir mein Ruhrpott, da verstehse die Leute immer auch wenn die auch kein deutsch sprechen 😉

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