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Wenn Du nie was ausgibst, kannst Du nie was sparen — Schnäppchenjagd à la Suisse

  • Wo wir richtig sparen lernten
  • Den Deutschen in der Schweiz eilt der Ruf voraus, ständig übers Geld zu reden, sich darüber zu beschweren, wie teuer hierzulande alles ist und wie viel günstiger doch ein Einkauf bei Aldi im benachbarten Deutschland käme. „Schnäppchenjagen“ sei eine besonders deutsche Leidenschaft, von der die Schweizer noch weit entfernt sind, und „Geiz ist geil“ sei als Werbespruch für diese Mentalität eine typisch Manifestation. Nun, die wahren Schnäppchenjäger, die dazu auch noch rechnen können, leben aber in der Schweiz. Neulich waren wir bei Coop in Bachenbülach einkaufen und erhielten an der Kasse einen Gutschein, für den auch im Internet geworben wird:

    3 Rappen pro Liter sparen
    (Quelle: Coop)

  • 3 Rappen Rabatt pro Liter Benzin & Diesel
  • Da kann man echt nicht meckern. Flugs warten wir bis unser Auto dringend vollgetankt werden muss und fahren los zu Coop, diesen Gutschein einzulösen. Einmal volltanken bedeutet bei unserem Auto die stattliche Zahl von 35 Litern Benzin. 35 x 3 Rappen = 105 Rappen gespart! Das sind ein Schweizer Franken und 5 Rappen Reingewinn! Nur leider mussten wir, um bei Coop einkaufen zu können und diesen Gutschein zu erhalten, erst mal auf den gebührenpflichtigen Parkplatz fahren. Dort kostet 1 Franken pro Stunde, echt billig. So blieben uns immer noch 5 Rappen, die wir gespart haben.

    Bei einem richtig grossen Auto, wie wir es nicht haben aber viele Schweizer es fahren, wäre diese Rechnung natürlich gaaanz anders ausgefallen. Gehen wir mal von einem 70 Liter Tank aus, dann würde einmal Volltanken mit einem satten Rabatt von 2.10 Franken zu Buche schlagen! Abzüglich der 100 Rappen für den Parkplatz bleiben dann 1.10 Franken Reingewinn. Nicht schlecht.

    Was kann man eigentlich bei Coop für 1.10 Franken kaufen? Auf der aktuellen Schnäppchenliste

    Schnaeppchenliste Coop
    (Quelle: Coop)

    sind als günstigste Produkte Eisbergsalat für 1.30 Fr. und „Pariserbrot“ für 1.30 statt 1.60 Franken zu haben. Müssen wir eben schnell die gekauften 35 Liter Benzin mit dem Auto verfahren und erneut tanken, dann würde uns mit dem nächsten nächsten Rabatt das Geld gutgeschrieben. Denn wenn wir nie was ausgeben, können wir auch nie was sparen, so einfach ist das.

    

    25 Responses to “Wenn Du nie was ausgibst, kannst Du nie was sparen — Schnäppchenjagd à la Suisse”

    1. Thomas Says:

      Ich finde es mittlerweile sowieso tragisch, inwiefern der Begriff „Sparen“ sich innerhalb von gut 25 Jahren gewandelt hat.
      War es früher ein Synonym von „Geld nicht ausgeben“, so ist es heute Synonym für „2 für 1“. Nach dem Motto: ich kaufe den Fernseher mit 20 % Rabatt und krieg dazu noch 3 Monate Teleclub. Ich spare also.
      Kein Wunder sind heute viele Jugendliche verschuldet…

    2. Der stahlzarte Teutone Says:

      @Admin
      Hattest Du eigentlich schon mal über das „Pariserbrot“ etwas geschrieben? Das hatte mich doch tatsächlich aus den Latschen gehauen, weil das doch eigentlich „Baguette“ heisst (in Deutschland ;-)), und ich immer dem Vorurteil nachgegangen bin, die Schweizer hätten die „richtigeren“ Fremdwörter…

    3. Barbarella Says:

      Mein Tipp:

      Mit dem Fahrrad zu Coop fahren!

      Wow – wie schnell lässt sich der Gewinn ins Unermessliche steigern *juhu*

      Einziger Wermutstropfen: Der Tank wird nicht so schnell leer :/

    4. Leffty Fast Says:

      Aber Herr Wiese, jetzt sind sie schon so lange hier und haben die (Schweizer-) Welt doch so wenig studiert. 😉

      Der echte Schweizer hat einen Haufen Kollegen, nicht zu verwechseln mit Freunden. Da die meisten Schweizer eh drei Autos haben und der Reto dem Urs alles gleich verzählt. Kommen mindestens 10 Kollegen zusammen à 3 Autos, plus den eigenen 3 macht zusammen ca. 33 Autos. Die stehen hier doch alle nur so rum. Der Erfindungsreichtum schafft noch mindestens 33 Reservekanister à 10 Liter. Da sowieso gehobene Klassen gefahren werden, kann man flux mit 80 Liter Tankinhalt rechnen. Uuups jetzt wirds schwierig. 33 x 80 Liter = 2640 Liter plus die 10 x 33 = 330 Liter sind 2970 Liter à 3 Rappen, ist 8910 Rappen oder 89.10 Franken, ähh richtig? Da der clevere Schweizer dem VCS ein Schnippchen schlägt, parkiert er eh nicht auf dem Coop-Parkplatz, sondern auf des Nachbarn Grundstück. Da zahlt er den 1 Franken nicht. Und jetzt kommts. überhaupt warum sollte er denn im Coop einkaufen, wo es da so teuer ist, wenn man bei Aldi oder Lidl, just kurz über die Grenze, viel billiger kaufen kann und erst noch die Deutsche Mehrwertsteuer (20%) zurück bekommt und die Einfuhrumsatzsteuer (7.6 % bis 100 CHF/Person) spart. Vorausgesetzt man hat genug Kollegen die mitmachen, kann man eine Grillierabend schon mal damit finanzieren. Oderrrrrr?

      a liäbs grüssli

      [Antwort Admin: Danke für die schöne Erklärung, jetzt habe ich es verstanden!
      Zum Thema „Kollegen“ siehe hier http://www.blogwiese.ch/archives/278 ]

    5. monalieschen Says:

      Das kennen wir doch aus SWR3!

      Brauchst du Kaffee Automaten, brauchst du?

      Was soll ich mit Kaffe Automaten?

      Ja wenn du nie was ausgibst, kannst du auch nie was sparen!

      (Was habt ihr denn für ein Auto? Die Kleinausgabe vom Smart?)
      Viele Liebe Grüße,
      monalieschen

      [Antwort Admin: Was Du mit Kaffe Automaten sollst? Na, da kannst Du Cola mit mixen…
      Auto siehe hier http://www.blogwiese.ch/archives/341 ]

    6. Nessi Says:

      diese art des „sparens“ macht natürlich nur sinn, wenn man sowieso da hingeht zum einkaufen.
      im beispiel von Thomas: wenn man einen fernseher kaufen will und dann dazu noch etwas extra bekommt, hat man wirklich gespart. natürlich nicht wenn man den ferseher kauft weil man dazu noch etwas bekommt.
      da brauchts blos gesunden menschenverstand.

    7. Copulus Says:

      Die coolen Superpunkte hast du jetzt völlig ausser Acht gelassen.
      Wenn du jede Woche deinen Einkauf bei Coop machst und so unter dem Jahr 52 Fr. fürs parkieren ausgiebst, hast du sicher genügend Punkte für eine Gartenlaterne oder einen Korkenzieher.
      Nicht zu vergessen sind die zusätzlichen Trophy-Klebepunkte mit denen du einfach so nebenbei den Haushalt mit neuen Reisekoffer, Gläser oder wie wärs mit wieder mal neuen Pfannen (?) bestückst.

    8. Thomas Says:

      @Nessi:
      Herrgott NEIN! Wenn du für 1350 Fr. statt 1700.- einen Fernseher kaufst hast du NICHT 350.00 Fr gespart sondern 1350.- Franken ausgegeben.
      Schau mal auf deinem Konto nach, wie das vor und nach dem Fernseherkauf aussieht wenn du mirs nicht glaubst. Wenn du danach – wider erwarten – 350.- mehr auf dem Konto hast, dann sags. Dann fang ich sofort auch an, auf diese Weise zu sparen.
      Aber eigentlich ist deine Bemerkung der beste Beweis für die ‚Spar‘-Schizophrenie.
      PS und Sinn ‚macht‘ es schon gar nicht…

    9. J.K. Says:

      @Lefty, ist der Freibetrag nicht 300 CHF pro Person? Aber ALDI gibt es bald an jeder Ecke in der Schweiz, da spart man sich das Benzin…Aua wie Deutsch…

      Ansonsten glaube ich, dass die viele Schweizer Schnäppchen geflissentlich verschweigen, wie heisst das Wasser predigen und Wein geniessen? Aber es gibt Ausnahmen, ein „Arbeits“kollege erzählt regelmässig von Schnäppchen, das letzte Mal war es der Hochdruckreiniger mit Kärcherpatent (also is auch Kärcher drin).

    10. Todo Says:

      @Thomas
      Du hast absolut recht. Das ist leider genau das, was viele Leute heute nicht (mehr) begreifen (wollen?).

      Ich habe hier vor einiger Zeit mal etwas dazu geschrieben (Tipps 1-3).

    11. nadjagn Says:

      @Thomas: Noch nie was von Budgetierung gehört?

      1. Geplanten Fernsehkauf Anfang Jahr ins Budget aufnehmen: Voraussichtliche Ausgaben CHF 1700.–

      2. Superneuen Fernseher kaufen, dabei aber nur CHF 1350.– statt der geplanten CHF 1700.– ausgeben (weil SonderSPARangebot)

      3. Ende Jahr Abrechnung machen, dabei CHF 350.– weniger Ausgaben als geplant = CHF 350.– mehr Gewinn als geplant = CHF 350.– mehr fürs SPARkonto…

      Na wenn das nicht gespart ist, dann weiss ich auch nicht 😉

    12. myl Says:

      @nessi und thomas:

      Kommt noch dazu, dass man sich dann nicht nur „unnötigerweise“ auf einen Fernseher eingelassen hat, sondern nach Ablauf der 3 Gratismonate Teleclub dazu verleiten lässt, das Abo weiterlaufenzulassen, und ob man denn da die 350.– „gespart“ hat….?!?!?

    13. Thomas Says:

      Ich weiss, es ist schwer zu verstehen: sparen heisst Konsumverzicht.
      Was du hast ist ein Budgetüberschuss. Diesen kannst du aber sparen.
      Aber eigentlich ists mir egal, spart nur weiter auf eure art…

    14. Frank Says:

      Und was machen die, die kein Teleclub wolen? Richtig: sie bezahlen den Rabatt für die andern mit.

    15. hawyli Says:

      Der echte Schweizer plant dies so:
      Einkauf nach Schema, das heisst Einkaufstag – Einkaufsladen – in Abwechslung geplant.
      Einkaufsliste schreiben (und zu Hause vergessen)…
      Ladenwahl nach Arbeitsweg, bzw. Route wird voraus bedacht.
      Coop gewählt der keine Parktaxe verlangt 😉
      Gutschein ins Auto legen und bei Routen und Tankplanung beachten,
      1.05 Franken zuhause ins Kässeli werfen, dieses Geld wird für grössere Anschaffungen gespart.
      Fernseher schon 1.05 angespart :-))
      Zum Schnäppchen würde sich ein Schweizer nie bekennen. Dies war gute Planung unter Einbezug der Ressourcen, die uns die Umwelt bereithält!
      lg

    16. Chimaera Says:

      Auch mein erster Gedanke war: „Da hörtz jemandzuviele SWR3 Comix“

    17. Christian (der Andere) Says:

      @Thomas: Deine Argumentation ist nur sinnig, wenn du den Fernseher nicht gerade nur deshalb kaufst, weil du 350 Sfr sparst, sondern weil dein alter defekt ist.

    18. AnFra Says:

      Sind „Schnäppchenjäger“ gar Heckenschützen(Sniper)?

      Wenn man den Schnäppchenjäger etymologisch untersucht, wird einem sofort klar, warum vielen Menschen diese Schnäppchenhascher oft ärgerlich finden.
      Denn diese Jäger der verlorenen Schätze sind auf der Pirsch mit einer Armbrust! Es taucht natürlich sofort die Frage auf, ob diese Jägerwaffe eigentlich nicht etwa typisch helvetisches sei!
      Der Begriff „schnappen“ kann in o.g. Zusammenhang auch aus abschnappen (losdrücken) einer Armbrust abgeleitet werden.
      Ein Oberheckenschütze soll ein gewisser Wilhelm Tell gewesen sein. Er habe durch ein Schnäppchen seinen Sohn gerettet. Den letzten Beweis muss man darin sehen, dass er nach dem Volltreffer beim Vogt Gessler gegen alles Reichsmäßige zur Schnäppchenjagt aufgerufen habe.
      Die alten Heckenschützen haben später immer die alten ausrangierten Waffen benutzt. In der Zeit nach ca. 1850 wurden von den Freischärlern dann die Büchsen mit dem nun alten Schnapphahn verwendet. Diese mussten am Schnappschloss (Steinschloss) gespannt werden. Das „schnappt“ dann ein.
      Solcherart eingeschnappte Leute sollte man bei der Schnäppchenjagt gar nicht reizen, denn sie können zu Snipern mutieren. Wehe, wenn einem schweizer Schnäppchenjäger bei der Kaufhauspirsch ein unkundiger Deutscher in die Quere kommt.

      Merke:

      Kommt ein Deutscher vollgepackt,
      ist der Schweizer eingeschnappt,
      wird zum helvetschen Schnäppchenjäger,
      und der Deutsche braucht nen Pfleger.

    19. Nessi Says:

      @Thomas
      du hast mich völlig missverstanden.
      ich meine……..wenn der ferseher (oder was auch immer) kaputt ist, und du brauchst einen neuen, und dann kaufst du ihn wos billiger ist, dann hast du doch gespart……weil du ihn ja sowiso kauftst. natürlich nicht, wenn du den ferseher kaufst *weil* es rabatt oder sonstwas gibt……logisch. (ob nun einen ferseher sinnvoll findest oder nicht, sei dahingestellt)

    20. Ostwestfale Says:

      @Thomas
      Was Du meinst nennst sich Einsparen (beim Rabatt) und Ansparen (beim “Geld nicht ausgeben”).

    21. Thomas Says:

      Eure Rabättchenjagd (einsparung nach Ostwestfale) wird erst dann zum sparen, wenn ihr die 350.- Franken, die es das Gerät billiger gibt, auf ein Sparkonto legt und nicht anrührt.
      Lernt man doch als Kind: Geld geht ins Kässeli, wo mans eben nicht anrühren kann => Konsumverzicht => Sparen.
      Ende des Volkswirtschaftskurses.
      Dass diese Diskussion stattfindet, zeigt doch das Problem. Die Gehirnwäsche funktioniert bei vielen hier.
      @Nessi: Sparen und weniger Geld ausgeben ist NICHT dasselbe. Deshalb die Missverständnisse. Wenn dein Gerät defekt ist und du findest du brauchst ein neues: Dann kaufst du ein heruntergeschriebenes Gerät: da sparst du nichts, du gibst aus. Es findet kein Sparen statt. Du gibts lediglich weniger Geld aus. Das hat mit Sparen aber nichts zu tun. Sparen wird aber heute so verstanden. Und genau darauf wollte ich hinaus.

    22. Nessi Says:

      @Thomas

      ich hab dich schon verstanden. allerdings frage ich mich, warum dir das sparen so wichtig ist?? ich weiss nicht wies bei dir ist……aber mein leben kostet nun mal geld, es gibt (fast) nirgends etwas gratis.
      und ehrlich gesagt, habe ich keine lust wie Franz von Assisi zu leben.
      ergo….wenn ich den betrag X weniger für etwas ausgebe als vorgesehen, dann kann ich mir dafür etwas gönnen, worauf ich sonst verzichtet hätte. für mich ist das allemal ein gewinn, und ich freue mich über die unverhoffte zugabe. (oder ich lege es auf die hohe kante für ferien oder so)
      ob nun sparen wie du sagst „konsumverzicht“ nötig, sinnvoll, wichtig oder was auch immer ist, darüber könnten wir eine lange diskusion eröffnen, das hängt von der persönlichen lebensphilosophie ab.

    23. Thomas Says:

      bin weder Sparfetischist noch Geizknäpper und gebe durchaus Geld aus. Aber ich nenn das nie ’sparen‘
      Mir ging es wirklich nur um die Begriffänderung und die Selbsttäuschung die stattfindet, wenn es um den Begriff ’sparen‘ geht. Ziemlich nüchtern sprachwissenschaftlich, eine Begriffswandlung. Deshalb reit ich so drauf rum. Es ist – so finde ich – eben auch interessant im Zusammenhang mit den Daten, die da immer wieder erhoben werden.
      Geld ausgeben ist völlig ok, aber das ’sparen‘ zu nennen finde ich einfach grotesk. Ich will doch nicht Moralapostel spielen…
      ..und was Geld ausgeben anbelangt. mein Finger will immer ‚buy‘ klicken beim neuen MacBookPro.. auch nicht wirklich sparen 🙂

    24. Denier Says:

      Zum Thema Sparen hat sich seinerzeit Erich Kästner ganz dezidiert geäussert:
      „Uns erfreut das blosse Sparen.
      Geld persönlich macht nicht froh.
      Regelmässig nach paar Jahren
      klaut ihr’s uns ja sowieso.“
      Aus „Gesang zwischen den Stühlen“. Das Gedicht heisst „Auf einer kleinen Bank vor einer grossen Bank“
      1931

    25. wolfi Says:

      den coop gutschein kann man sich übrigens auch im internet ausdrucken, hat man immer einen dabei ;-).

      http://www.coop-mineraloel.ch/index.htm

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