Selbstverständliche Beherrschung von Dialekt und Hochsprache — Im Tessin kein Problem
Das „Forum Helveticum“ tagte am 14.02.07 und publizierte anschliessend eine Reihe von Vorschläge, die wir hier diskutieren möchten:
Hochdeutsch darf keine “Fremdsprache” mehr sein
Die vermehrte Präsenz von Mundart auf allen Gesellschaftsebenen hat sich in den letzten Jahrzehnten auf Kosten des Hochdeutschen durchgesetzt. Die erhöhte mangelnde Kompetenz der Hochsprache erschwert den Kontakt sowohl zum deutschsprachigen Raum als auch mit den anderen Sprachregionen der Schweiz. Ziel muss sein, dass Deutschschweizer Hochdeutsch nicht mehr als “Fremdsprache” empfinden. Als Beispiel einer selbstverständlichen Beherrschung von Dialekt und Hochsprache wird die Lage in der italienischen Schweiz genannt.
(Quelle: sprachkreis-deutsch.ch)
Es muss „Ziel sein, dass Deutschschweizer Hochdeutsch nicht mehr als ‚Fremdsprache‘ empfinden“. Ist das jetzt der kategorische Imperativ? Die selbsterfüllende Prophezeiung? Wie oft haben wir von Schweizern gehört, dass für sie Hochdeutsche „eine Fremdsprache“ sei, und wie oft haben wir schon versucht ihnen ihre zweite Muttersprache als natürliche Verkehrssprache näher zu bringen.

(Der Fluss “Il Ticino” gab dem Kanton seinen Namen)
Besonders interessant finden wir das zitierte Beispiel „Tessin“. Dort sind die eigenen Dialekte auch weit entfernt von dem in Italien gesprochenen Standard-Italienisch:
Ein Grossteil der Bevölkerung spricht lokale Dialekte, die zur lombardischen Dialektengruppe gehören. Da die Dialekte aus der Lombardei (inklusive Italienische Schweiz), dem Piemont, Ligurien und Emilia-Romagna, einen gallischen Hintergrund besitzen, ist es nicht erstaunlich, dass sehr viele Tessiner Wörter dem Französischen ähneln, und auch nasale Laute sowie ‘ö’ und ‘ü’ vorkommen. Im Tessiner Dialekt heisst es z.B.: „un om al gheva dü fiöö“, auf Standard-Italienisch würde man sagen: „un uomo aveva due figli“ (ein Mann hatte zwei Söhne). „Herz“ heisst im Dialekt „cör“ , ähnlich wie das französische „coeur“ [kœr] und nicht wie das italienische „cuore“ [kwɔre]. (…)
(Quelle: Wikipedia)
Also gibt es auch in der italienischen Schweiz eine Diglossie, gesprochener Dialekt neben geschriebener Standardsprache, dem Standard-Italienischen. Italienisch wird als Verkehrssprache und niemals als „Fremdsprache“ empfunden, wie das Hochdeutsche in der Deutschschweiz. Niemand hat ein Problem damit, im Gespräch mit nicht Einheimischen auf Italienisch zu sprechen und es wird von den vielen Gastarbeitern aus Italien auch nicht verlangt, dass sie sich doch bitte im Gebrauch eines Tessiner Dialekts üben möchten.
Wir fragten den Tessiner Journalisten Franco Valchera, der für das „Radiotelevisione svizzera di lingua italiana“, kurz „TSI“ aus der deutschsprachigen Schweiz berichtet, wie das Verhältnis der Tessiner zum „Standard-Italienischen“ sei, ob ähnlich belastet wie das der Deutschschweizer zum Hochdeutschen.
Er erzählte uns, dass für die meisten Tessiner, wenn sie nicht der älteren Generation angehören oder in abgelegenen Tälern und Dörfern wohnen, Dialekt kaum mehr Teil der Alltagssprache sei. Die Wortmelodie unterscheidet sich und die Aussprache, geschrieben wird aber immer auf Standard-Italienisch, niemals auf Dialekt, auch nicht in den SMS.
Die Tessiner wurden auf diesem Blog bisher viel zu wenig thematisiert. Im Kanton Tessin leben laut Wikipedia 306′846 Einwohner, das entspricht 4,3 % der Schweizer Gesamtbevölkerung. Das Tessin wird ständig nur unter „ferner liefen“ angeführt. Während sich die Westschweiz gelegentlich Gehör verschafft, auch in den Medien der Deutschschweiz, kann das Tessin froh sein, wenn tatsächlich an diesen Teil der Schweiz gedacht wird. Uns ist bereits früher aufgefallen (vgl. Blogwiese), dass beispielsweise die Webseite von Eidgenössischen Einrichtungen wie die Münze, swissmint.ch, nur auf Deutsch, Französisch und Englisch existieren. Fehlanzeige für Italienisch:

(Quelle Foto: swissmint.ch)
Nur einzelne Sachtexte sind dort auf Italienisch übersetzt als PDFs herunterladbar.
Da es im Tessin nur eine kleine Universität mit 1800 Studenten gibt, die zudem 2400 Franken pro Semester kostet, stehen die Tessiner Maturanden (mit “d” wie in “Randgruppe”), so heissen die nicht ganz unreifen Abiturienten in der Schweiz, vor der Wahl, ob sie Französisch lernen und in Lausanne studieren oder nach Zürich gehen, dort Deutsch lernen und studieren. Wer z. B. Tierarzt werden möchte, dem bleibt nur die Option Bern (70 Plätze) oder Zürich (80 Plätze), denn nur dort ist ein Studium der Veterinärmedizin möglich.
Ein eigener Fernsehsender für nur 956 Tausend Zuschauer
Interessant ist ein Zahlenvergleich der Leistungen des Deutschschweizer Senders SF und des italienischen TSI, veröffentlicht unter unserer Lieblingswebadresse srgssrideesuisse.ch. Irgendwie treibt uns dieser tolle Name immer ein „Lächeln“ auf die Lippen.
(vgl. Blogwiese)
Demnach produziert TSI mit 1‘028 Mitarbeitern für 202 Mill. Franken 3273 Stunden Eigenproduktionen. SF brauchte nur 831 Mitarbeiter aber 509 Mill. Franken für 3038 Stunden. Wenn man bedenkt, dass TSI mit seinem ersten Programm bis zu 183‘000 Menschen erreicht, und SF1 aber 2‘8 Millionen Zuschauer, kostet folglich das Programm pro Zuschauer und Jahr im Tessin 1′103 Franken, in der deutschsprachigen Schweiz nur 180 Franken.
Was folgern wir sonst noch daraus? Dass die Löhne in Zürich höher sein müssen als im Tessin wenn 200 Angestellte weniger 300 Mill. Franken mehr verbraten? Oder dass die Menschen im Tessin fleissiger arbeiten um 200 Stunden mehr zu produzieren? Wir werden uns hüten vor solchen nicht belegbaren Schlussfolgerungen! Was die Zuschauer angeht, da nehmen wir an, dass ganz Norditalien TSI guckt, weil ständig der Anblick von blonden langbeinigen “Silicon Valley Donne” nicht zum Aushalten ist.
Was wir von Freunden und Bekannten aus dem Tessin immer wieder erzählt bekommen, ist ihre Frustration darüber, dass sie mit ihren mühsam gelernten Hochdeutsch in der Deutschschweiz nicht weit kommen. Sie müssen mehrfach darauf bestehen, eine Antwort auf Hochdeutsch zu erhalten, bzw. beginnen nach einiger Zeit wie viele Romands mit dem Studium der Schweizerdeutschen Alltagssprache in der Migros-Clubschule.
Anderseits erzählte mir ein Italiener in Bülach, dass er im Alltag praktisch ohne Deutschkenntnisse auskommt. In der Migros geht er an die Kasse, an der eine Italienerin sitzt. Gleiches gilt beim Besuch der Kantonalbank oder bei einem Behördengang. Im Kanton Zürich ist die Gruppe der eingewanderten Italiener so gross, dass das praktisch immer einen Vertreter der ersten oder zweiten Generation in jedem Geschäft oder bei jeder Behörde zu finden ist. Irgendwo müssen sie ja untergekommen sein, die 300‘000 Italiener in der Schweiz.
March 1st, 2007 at 12:45 am
Bei nationalen Meetings sprechen wir in meinem Umfeld immer Englisch. So verstehen wir uns bestens! Englisch kann jeder! Das ist die Lingua Franca.
Ich finde es weiterhin wichtig, dass Deutschschweizer und Tessiner auch Französisch obligatorisch in der Schule lernen. Das ist dann die zweite Sprache, in der wir in unserem Land zusammen kommunizieren können, wenn das Englisch mal nicht adäquat sein sollte.
Hingegen macht es wirklich keinen Sinn mehr, dass die Romands und die Tessiner obligatorisch Deutsch lernen. Das ist dann wie erwähnt nur frustrierend für diejenigen, die Deutsch in erster Linie gelernt haben, um mit den Deutschschweizern zu kommunizieren. Natürlich können sie es weiterhin als Freifach lernen, wie Spanisch oder Russisch - aber nur für diejenigen, die sich dafür auch wirklich interessieren.
Die Vorschläge dieser Tagung zielen ein wenig an der Realität vorbei. Aus der einfachen und berechtigten Fragestellung wie wir in unserem Land in Zukunft am besten miteinander kommunizieren sollen, machen sie ein sprachtotalitaristisches “Umerziehungsprogramm”.
March 1st, 2007 at 12:46 am
Ich finde es selbst verständlich, dass wenn jemand ein “Fremdsprachler” ist, mit diesem quasi Hochdeutsch gesprochen wird.
Ich finde die Ideale Kommunikation, zwischen Schweizern -da alle eine weitere Landessprache in der Schule lernen mussten- sollte sowieso wie folgt ablaufen, jeder spricht seine “Hochsprache” und der andere Antwortet in seine ” Hochsprache” da der Passive Wortschatz viel umfänglicher ist als der aktive.
Als Anmerkung neben bei:
Im Wallis, wo die deutsch Sprachigen in der Minderheit sind - 1/3 Wallisertitsch vs. 2/3 französisch- verhält es sich gerade Umgekehrt.
Wenn man als Bürger mit der Verwaltung in Sion/Sitten z tun hat ist man gut Beraten wenn man einiger Massen französisch kann, denn viele Bedienstete erwarten Französisch ob wohl auch sie Deutsch verstünden.
Ich denke das dies völlig Natürlich ist das man mit einem Fremdsprachigen zumindest versucht Hochdeutsch zu sprechen, aber leider ist dieses nicht ganz Perfekt.
Aber mann kann ja nach Fragen falls etwas nicht verstanden wurde,
oder man wechselt gleich ins Englische wie die immer öfter in Gesamtschweizerischen Vereinen bei GVs (Generalversammlung = Jahresversammlung) bzw. DV (Delegiertenversammlungen) praktiziert wird
March 1st, 2007 at 1:04 am
Tut zwar nicht viel zur Sache, aber es sind Maturanden, nicht Maturanten;-). Sorry, bin trotz ausländischen Eltern ein richtig Schweizerischer “Tüpflischiisser” geworden.
Die Tessiner, die in anderen Kantonen, insbesondere in der Deutschschweiz, studieren, bewundere ich übrigens zutiefst. Was ich da von manchen an Fleiss und Disziplin gesehen habe, war beeindruckend. Hätte ich mich nur halb so sehr angestrengt, ich wäre erstens schon längst fertig mit dem Studium und hätte zweitens wesentlich präsentablere Noten…
[Anmerkung Admin:
Danke für den Hinweis. Wenn “Randen” eine Gemüsesorte ist, dann sind “Matur Randen” demzufolge auch “Reifes Gemüse”?
Habe es korrigiert, Danke!]
March 1st, 2007 at 7:07 am
mit der fünften Landessprache dem Englischen: das ist eine dieser Riesenmythen. Eine meiner Phontypistinnen sagte mir einmal: “Weisst Du, wir sprechen ja besser Englisch als Deutsch” Ich dachte wow, und diktierte ihr einige englische Briefe. Diese habe ich dann alle selbst schreiben können. Warum dürfen Sie raten. Keine der Damen konnte auch nur ansatzweise ausreichend Englisch, es war mit Französich genau gleich und jetzt das Beste: Viele von ihnen schimpften über die Arbeitskollegen, die ihre Briefe im Dialekt diktierten, damit die Schreibkraft, dass dann in Standarddeutsch übertrug.
Meine nicht massgebende Anmerkung zum Tessin: Nach der Schlacht von Sempach (meine österreichischen Blog-Kollegen verzeihen mir die Erwähnung) hatten die Schweizer noch eine zweite kriegerische Auseinandersetzung, die nicht jedes Jahr weiter gefeiert wird: Die Schlacht gegen - soweit ich weiss - Karl V. (?) dem Burgunder und gewannen diese zur allgemeinen Ueberraschung. Das heutige Tessin sind die Reste der damaligen durch Landaufteilung einverleibten Kriegsbeute. Mag sein dass der unfreiwillige Beitritt hier eine Rolle spielt..
March 1st, 2007 at 8:32 am
Ich finde es etwas eigenartig, wenn hier immer wieder behauptet wird, Englisch ist DIE gemeinsame Sprache, die alle in der Schweiz lebenden Menschen beherrschen und die zur allgemeinen Verständigung beiträgt.
Denn Englisch muss man ja nicht lernen, das fliegt einem einfach so zu. Man hört es ja täglich im Radio, an GVs und DVs, TV, …
@Giacometti
Und warum sollen die Deutschschweizer eigentlich noch Französisch lernen?
Damit die Romands kein Deutsch mehr lernen müssen?
@Romeo
“Ich finde es selbst verständlich,
dass wenn jemand ein “Fremdsprachler” ist,
mit diesem quasi Hochdeutsch gesprochen wird.”
Wie erkenne ich einen “Fremdsprachler”? An seiner Hautfarbe, oder an seiner Nase?
Adolf Muschg hat in der Sendung “Der Club” auf SF1 (s.a.:http://www.blogwiese.ch/archives/521) ja behauptet, wenn seine Frau (eine Japanerin - Merke: nicht Asiatin) auf schweizer Strassen etwas auf Hochdeutsch fragt, dann wird ihr oft in Englisch geantwortet. Soviel zur gemeinsamen Sprache!
March 1st, 2007 at 8:40 am
Die gnadenlose Handhabung des sog. “Deutsch” von Deutschschweizern im Tessin gegenüber der einheimischen Bevölkerung ist mir in peinlicher Erinnerung. Aus der eigenen Familie.
Meine Frau sprach an der Schifflände in Locarno eine ältere Verkäuferin am Kiosk flott in Baseldytsch an. Der hilflose und fragende Blick dieser Frau verriet mir: No comprende oder so ähnlich. Erst als ich meine Frau etwas deutlich aufforderte, doch gefälligst in vernünftigem Deutsch zu sprechen, hellte sich das Gesicht dieser Frau auf. Der so vorgetragene Wunsch wurde verstanden.
Wenige Tage später beklagte sich der Tourismusdirektor des Tessin im Fernsehen darüber, daß die Deutschschweizer die Tessiner rücksichtslos mit ihrem unverständlichen Deutsch traktierten. Er bat darum, es doch mal der Fairness halber mit Hochdeutsch zu probieren. Das nämlich, würden die Tessiner in der Schule lernen.
Meine Frau reagierte darauf reumütig. Niemals wieder haben wir im Tessin die Leute mit einem Dialekt beglückt. Verständigung ist schön.
March 1st, 2007 at 8:50 am
at Anna:
Das ist auch sehr eigenartig. Wir Österreicher sagen MaturanTen - warum einmal D und einmal T verwendet wird weiss ich auch nicht….
at neuromat:
Im Geschichtsunterricht in der Schule haben wir von diesen “Problemen” mit der Schweiz (Tell und Co.) nie gehört. Es gab für uns in der Geschichte ganz andere Probleme, die somit die Schweiz eigentlich nie vorkamen liessen (ausser dass sie Legionäre in Europa stellten und die umstrittene Rolle im 2.Weltkrieg). Sonst ging es um die Preussen, Napoleon, die Türken, die Italiener, die Weltkriege - also Ereignisse die das Land existentiell bedrohten. Und ob da im damals grossen Kaiserreich die paar Kantone nun dabei sind oder nicht spielte wohl keine existentielle Rolle für den Weiterbestand von Wien und der KuK Länder 
Ich verzeih Dir
Aber Spass beiseite: Ist eigentlich schade dass man sowenig über den Nachbarn im Schulwesen (aber auch allgemein in Medien etc) hört. Nochdazu wo es ein Nachbar ist der kulturell, landschaftlich und von den Interessen her doch viele Gemeinsamkeiten aufweist. Aber so weiss man halt nicht viel voneinander: vielleicht ändert die EM etwas sich endlich gegenseitig vorzustellen. Sonst ist halt immer Schweiz=kein Urlaubsland, haben wir auch alles; teuer; Nummernkonten; Rosinenpicker; etc - also die üblichen Stereotypen die auch umgekehrt wohl auch gelten. Soe dass Österreich schon am Balkan liegt, wir alles ungenau machen, nicht so schlau sind etc…
Schweizer haben mir das gleiche über Österreich im Schulunterreicht gesagt: Null komma Josef. Ich denke es sind einfach jeweils zu kleine Nachbarländer um im Konzert der “Grossen” (I, D, F, etc) mithalten zu können. Ausserdem: Soviel uns verbindet, soviel trennt uns dann halt auch. Unsere Aussenministerien war früher Botschafterin in Bern. Sie hat einmal gesagt dass Ö und CH eigentlich wie Brüder sein könnten (Transitprobleme, kleine Märkte,…) und sie sitzen im gleichen Boot, nur leider Rücken an Rücken und rudern auseinander. So ist es leider wirklich oft (politisch, nicht aber zwischenmenschlich: denn meine Frau (CH) und ich rudern dann doch in die gleiche Richtung (meistens
).
Schönen Tag
Peter
March 1st, 2007 at 9:15 am
Lieber Jens,
die Diskussion über die Einführung eines Sprachstandards ist so alt wie - ich nehme an wie die Reiselust der Menschen. Dass diese Diskussion nun in der Schweiz aufflammt ist sicher ein Artefakt der gegenläufigen Entwicklungen nicht nur der Schweiz sondern der Welt.
Unstrittig und daher ja auch in Deutschland so gefördert ist es, dass die Verwendung eines Sprachstandards das Verständnis fördert. Damit eine Regierung Gesetze und Erlasse innerhalb eines Landes verständlich formulieren kann, damit ich in einer Behörde Gehör finde usw. ist es vorteilhaft, einen Standard einzuhalten. Dialekte (die übrigens viel feiner aufteilen - ein echter Dialektsprecher erkennt den Dialektsprecher aus dem ANDEREN Dorf oder Stadtteil) vermitteln Gruppenzugehörigkeit und wo es keine Dialekte gibt, werden Soziolekte eingeführt (Fachsprachen, Jugensprachen, Gangsprachen etc.).
In Zeiten der Globalisierung suchen wir Heimat in verschiedenen Bereichen unsere Sprache bietet sich an. Und so finden wir uns einerseits mit der Herausforderung konfrontiert, mit Fremden kommunizieren zu müssen (pro Standard) und andererseits dem Bedürfnis, uns in der weiten Welt nicht zu verlieren (pro Dialekt). Und jeder Dialektsprecher kennt das angenehme Gefühl in seiner Heimat sofort als zugehöriger erkannt zu werden. Das sofortige “hier bin ich zu Hause” Gefühl des Nordeutschen an der Waterkant unterscheidet sich nicht vom Berner oder Baseler.
Es gibt eben keine einfache Lösung (nobody told you, its going to be easy) ausser der, eben beides zu sprechen. Und - zur allerseitigen Beruhigung - ich kenne viele Schweizer und keinen einzigen, der nicht hervorragendes Deutsch spräche und der sich nicht auch in Deutschland hervorragend zu verständigen wüsste. Und es soll kein Schweizer glauben ein bayrisches, berliner, friesisches, sächsisches, rheinländisches Kind hätte es in der Schule leichter (warum schreibt man die Jans mit G und nicht mit Jott?).
Ich freue mich, wenn ich einen Dialekt höre, den ich nicht verstehe, so sehr wie ich mich an einer Fremdsprache freue, die ich nicht verstehe und deren Klänge mir fremd sind. Und zur Not haben wir alle Gesten, Hände und Füsse um uns zu verständigen - das klappt schon. Kopf hoch!
March 1st, 2007 at 9:26 am
Das ist eine interessant Parallele, die mit dem Tessin (wir sagen übrigens eher DAS Tessin). Das zeigt doch sehr deutlich, dass Sprachen nicht nur anhand von morphologischen und syntaktischen Kriterien definiert werden können, sondern immer auch die Haltung der Sprecher berücksichtigt werden muss.
An der Uni Zürich ist es übrigens keinesfalls so, dass man mit Hochdeutsch nicht weit kommt. Es ist selbstverständlich, dass Hochdeutsch gesprochen wird, wenn jemand fremdsprachiges dabei ist - auch in der Mensa und anderen “Freizeitkontexten”.
Ich finde Romeos Vorschlag sehr gut, dass jeder mindestens Passivkenntnisse in einer anderen Landessprache hat. Ab einem gewissen Bildungsniveau sollte man das erwarten können. Ich war tatsächlich auch schon an Veranstaltungen, wo das voraus gesetzt wurde.
Das mit dem Englisch ist tatsächlich ein Mythos. Und eben auch wieder ein Beispiel, wie sehr die Einstellung zu einer Sprache eine Rolle spielt. In der Schweiz finden alle Englisch toll und “cool” und sind daher auch gerne bereit, es zu sprechen. In anderen Teilen der Welt wird durchaus kontrovers diskutiert, ob wirklich Englisch die Lingua Franca sein muss. Man spricht von Sprachimperialismus, und tatsächlich ist in vielen Ländern Englisch die Amtssprache, weil sie mal Kolonien waren. Eine bessere Lösung habe ich auch nicht parat, ich wollte nur verdeutlichen, dass auch der Fall Englisch nicht ganz so einfach ist. Und die Inflation des (falschen) Englisch in allen möglichen Kontexten (events, die in locations stattfinden; Leute, die “Wii-Län” zum drahtlosen Surfen benutzen, etc. ), geht mir schon etwas auf den Wecker - als äusserst anglophile Anglistikstudentin, wohlgemerkt!
@Peter: MaturanDen kommt vom lateinischen Gerundiv “Reifende”. Eigentlich müssten diejenigen, die den Abschluss bereits haben, “Maturi” und Maturae” heissen. MaturanTen ist vermutlich die Anpassung der Schreibweise an eine etwas andere Aussprache. (Angabe ohne Gewähr, mein Lateinunterricht liegt nun doch schon einge ganze Weile zurück)
March 1st, 2007 at 9:27 am
@bobsmile
nicht am aussehen, aber nach einigen Worten merkt man schon ob jemand nicht (Hoch)-deutscher
Muttersprachler ist, andere Betonung und gegebenenfalls Akzent
March 1st, 2007 at 9:54 am
@ KR
Einverstanden, aber: Dann erwarte ich auch, dass Tessiner mir gegenüber in Schriftitalienisch sprechen.
Als Beispiel: Na süm ticines = Noi siamo Ticinesi oder bon len = bouona legno.
Ich bin ja gerne Zücchin (Zuchetti, Schimpfname für Deutschschweizer) aber verstehn möcht ich es schon.
Bei se wai: Ich liebe das Tessin und seine Leute.
March 1st, 2007 at 10:06 am
Mir geht da etwas durch den Kopf: Sprecht doch als Deutsche mal in Eurem Dialekt hier in der Schweiz?! Hessisch, fränkisch, Berliner Schnauze, Bayrisch, usw. Könnte sein, dass die Akzeptanz grösser ist im privaten Bereich?!
Ausser Platt, das wäre aussen vor zu lassen. Ihr werdet sonst mit einem Holländer verwechselt. Wäre kontraproduktiv.
March 1st, 2007 at 10:50 am
Die Deutschschweizer haben automatisch passiv Kenntnis vom Hochdeutschen. Dies wird auch immer so bleiben. Grund: Deutschschweizer schauen regelmässig deutsches Fernsehen. Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum ich seit Kleinkind problemlos Hochdeutsch verstehe. Als Kind in Deutschland habe ich das Gegenüber immer verstanden. Es hat mich einfach nie verstanden, da ich damals nie auf die Idee gekommen bin, dass ich ja mit Dialekt geantwortet habe. Denn Dialekt gab es für mich als kleines Kind noch gar nicht.
March 1st, 2007 at 10:59 am
Zitat “Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt”.
Mit Schweizerdeutsch allein kommt man heute nicht sehr weit. FAKT!
Ein bisschen spanisch, ein bisschen russisch, ein bisschen griechisch, ausreichend deutsch, ausreichend französich und vorzugsweise, sehr gut englisch. Man sollte die Sprache der Kunden sprechen können. Für Deutschschweizer heisst dass, unbedingt muss man hochdeutsch & englisch gut können resp. in diesen Sprachen verhandeln können, zudem
die Sprachen der Lieferanten - ausreichend französich, sowie ein bisschen russisch, spanisch, griechisch (schadet auch nicht).
Ich hab’s einmal auch mit japanisch probiert, da asiastische Sprachen ganz anders sind, und das stimmt.
March 1st, 2007 at 11:49 am
@Brun(o)egg,
aber sicher doch! Ich spreche nicht italienisch, verstehe aber manches. Meine Schwiegermutter spricht’s perfekt. Und der wurde noch nie etwas im Tessin dialekt-italienisch entgegnet. Auf Hochsprache wird halt in der Regel mit Hochsprache reagiert. Eine Frage der Höflichkeit - wie ich meine.
Die Anregung über die Verwendung des eigenen (gerade präferierten) Dialekts in der Schweiz ist garnicht so schlecht. Zumal es da eine gewisse Automatik gibt, wenn allerseits Dialekt gesprochen wird. Ich hab’s schon öfter (Frankforterisch) praktiziert. Und oh Wunder: Es wurde problemlos verstanden.
March 1st, 2007 at 12:07 pm
@ Brun(o)egg
@ KR
Humorvoll gemeint:
danke für die diskriminierende Einschränkung “mä aul soolich Platt” betreffend. Mit einem Holländer würde ich sicher nicht verwechselt.
Einen Bayern, der “gnadenlos” seinen Dialekt spricht würden Sie nicht verstehen. Ich habe das Gefühl hier liegt die gleiche Sprachverwechslung vor, denen sonst die Deutschen aufgesessen waren, dass sie glauben, sie verstünden Schwyzertütsch, wenn Emil im deutschen Fernsehen auftrat und er dort mit verstärktem Akzent, so tönte, wie der Deutsche sich das bei einem Schweizer vorstellte.
Der Vorschlag ist aber nicht schlecht: Liebe Schweizer redet Schweizerdeutsch aber lasst den Dialekt aussen vor.
March 1st, 2007 at 12:26 pm
@ Bruno, KR, Neuromat bzgl. “eigener” Dialekt
Hab ich ja schon vorgestern gesagt bzw. vorgeschlagen, Saarländisch versteht man hier auch (natürlich nicht die Extremform, die z.B. meine Grossmutter spricht). Die Südwestdeutschen (Saarland, Rheinland-Pfalz, (Süd-)Hessen, BaWü) sind wohl generell im Vorteil, die meisten anderen Dialekte sind aber für schweizer Ohren schwierig zu verstehen…
March 1st, 2007 at 1:16 pm
Ist irgendwie im falschen Zusammenhang gelandet… Also nochmal im richtigen:
Die Idee, dass jeder Schweizer mindestens eine weitere Landessprache
sprechen und verstehen können soll, ist ja aller Ehren wert. Aber mal ehrlich: wie oft treffen denn Romands und Tessiner und Deutschschweizer wirklich auf- und kommunizieren unmittelbar miteinander?
Mein Eindruck ist - horribile dictu-, dass da drei (ja ich habe auch schon von der Existenz des Retoromanischen gehört) voneinander ziemlich unabhängige, aufs jeweilige Sprachgebiet ausgerichetete Kulturkreise ihr Dasein unter dem Dach einer Nation pflegen und die Kommunikation zwischen ihnen im Wesentlichen medial geschieht. Vom jeweils anderen Landesteil und der gemeinsamen Politik wissen die Schweizer aus Zeitung, Funk und Fernsehen. Und die Medien sind innerhalb ihres Sprachraumes ziemlich hermetisch. Ich habe jedenfalls noch nicht allzu oft Tessiner oder Romands im Zischtigs Club (ja ich weiss, dass der heute nur noch Club heisst) gesehen. TSI und TSR schaue ich kaum, aber ich vermute da verhält es sich ähnlich.
Alle Schweizer wollen (mehr oder weniger) Schweizer sein und bleiben. Dieses Wollen ist das vereinende Glied. Miteinander reden tut man deshalb nicht unbedingt.
March 1st, 2007 at 1:17 pm
@neuromat,
*lach* denn sollt wi mol met de Sprak Sleern feuern… dat versteit de nich.
Man muß sich ja nicht nur auf einen Dialekt beschränken. Es gibt derer viele, die man auch sprechen kann.
March 1st, 2007 at 1:19 pm
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Einfache Mathematik ist schon was schweres, oder??
—
PS:
ROFL, ich habe grade gestern versucht mein Abendessen (+Nachtisch, +Bettlektüre) auf kurpfälzerisch zusammenzubekommen. Hätte ich nicht jeweils beim dritten Versuch (von selbst!) auf Hochdeutsch umgeschaltet, hätte ich hungrig ins Bett müssen. Keiner der drei Verkäufer hat es über sich gebracht, nach Hochdeutsch zu fragen, mehr als ein verständnisloser Gesichtsausdruck und eine Art “bitte?”/”häh?” war nicht drin.
March 1st, 2007 at 1:30 pm
Noch etwas zum “Platt”:
Auch Deutsche haben das Gefühl, sie verstünden Platt, wenn sie im Fernsehen eine Aufführung des Ohnsorgtheaters sehen. Dabei hören sie lediglich die entschärfte Form des Hamburger “missingsch”. Beim Platt würden den meisten Hören und Sehen vergehen.
March 1st, 2007 at 1:42 pm
@neuromat
ich denke deutsche aus dem “Alemannischen Sprachen Raum” können ihr Dialekt ohne irgendwelche Anpassungen sprechen.
Und bei den anderen Dialekten gilt:
Man ist nur zu faul um richtig/grau zuzuhören. Des weiteren kann man immer noch zurückfragen falls etwas nicht versanden wurde
Des weiteren sind auch Deutsche Dialekte welche französische Wörter enthalten nicht all zu weit vom Schweizerdeutschen Dialekten entfernet.
Wenn ich zum Beispiel auf Br den “Nockelberg ?” oder sonst welche Dialektsendungen sehe versteh ich praktisch alles, möglicher weise einige “altertümlichen” Wörter welche keinen direkten Bezug zum Deutschen oder einer romanischen Sprache haben.
Wenn ich sage im Üüstag fliegend wieder d’ Pfyfölter umä
werden mich auch viele Schweizer ausserhalb des Wallis nicht verstehen. Alternative: Im Üüstag fliegend wieder die Schmerterlingä um här
March 1st, 2007 at 1:50 pm
@Beechbone
Wenn ich fragen darf, was und wo hast du bestellt ?
March 1st, 2007 at 2:00 pm
@ Micha
Die Schweizer haben nicht passiv Kenntniss von der “Schriftsprache”. Wir haben Hoch-(!)-Deutsch in der Schule. Betonung auf Hoch. Tönt nach Besser und Luther.
Wie wärs wenn jeder D hier den ersten Satz seiner jeweiligen Replik das Thema betreffend in seinem Dialekt schreibt?
@ Franz. jetztete muesch aber der Finfer use näh, gopferglemmi!
March 1st, 2007 at 3:46 pm
Bezueglich Englisch. Gut, es mag sein, dass nicht alle Sekretärinnen die Sprache fliessend beherrschen - vor allem diejenigen, die noch kein Englisch in der Primarschule hatten, und das ist zur Zeit noch klar die
Mehrheit. Aber in vielen Organisationen, Institutionen und Anlässen ist Englisch wirklich die selbstverständliche Verkehrssprache auf nationaler Ebene.
Mein Vorschlag wäre aber, dass wir Französisch zur alleinigen Amtssprache machen. Es hat keinen Sinn, Deutsch als wichtigste Amtssprache des Landes beizubehalten, wenn es niemand mehr
als Muttersprache spricht. Für die Romands hingegen hat das Standard-Französisch einen ganz anderen Stellenwert. Ähnlich wäre es für
die Tessiner, die dann nicht obligatorisch Französisch UND Deutsch lernen müssten - und daher die Freiheit und Zeit in der Schule hätten,
noch eine andere Fremdsprache zu lernen. Für die Deutschschweizer hätte es auch viele Vorteile. Französisch liegt uns von der Melodik her eher näher als Hochdeutsch. Zudem benützen wir im Schweizerdeutsch viele Französische Wörter. Und die Motivation, Französisch RICHTIG zu lernen, wäre dann viel grösser, was unserer Sprachkompetenz nur gut tun würde. Die Beziehung zu Deutschland und zum Deutschen Sprachraum würden nicht verschwinden. Sie würden im Gegenteil eher wieder besser werden. Die Deutschschweizer würden sich aber noch stärker als heute auch mit dem französisch-sprachigen Raum auseinandersetzen und würden sich in beiden Welten gleichzeitig
bewegen - zusätzlich zur Schweizerischen und Anglophonen.
Wenn ein Kind in die Schule kommt, dann hat es schon vor Schulbeginn einiges gelernt im Leben - unter anderem eine “Mutter”-Sprache. In der Schule sollte nun das Kind zusätzliche Dinge lernen, zum Beispiel eine Standardsprache. Das ist gut. Das Bestreben hingegen, dem Kind seine Muttersprache geradezu “abzugewöhnen” und es diesbezüglich “umzuerziehen” ist ein totalitaristischer Impuls. Es ist das Bild eines Staates, dessen Aufgabe es ist, die “minderwertige” Kultur der Menschen in eine “höherwertige” umzuformen.
Zum Tessin (@ KR & neuromat): Wenn es Deutschschweizer gibt, die
(oh Schande!) im Tessin automatisch Schweizerdeutsch sprechen, dann hat das wohl in erster Linie mit der (wohl nicht bös gemeinten) fehlenden
sprachlichen Sensibilität dieser Leute zu tun, und weniger mit der Geschichte des Tessins. Schon im 13.Jahrhundert hatte das Tessin und
vor allem die Leventina relativ enge, wenn auch informelle Beziehungen mit der Innerschweiz, vor allem mit Uri. Sie waren Brüder im Geiste. Was sie zusätzlich zum Gotthardpass und der vergleichbaren gesellschaftlichen Struktur einigte, war der Kampf gegen äussere Feinde. So entstand die Eidgenossenschaft zu Beginn als Zweckgemeinschaft. Die “Urkantone” kämpften gegen die Habsburger, die Tessiner gegen den Erzherzog von Mailand und die Berner gegen die Burgunder. Die Eidgenossen kamen aber nicht nur den Leventinern zu Hilfe, sie beteiligten sich in dieser Frühphase ihrer Existenz auch
an der Machtpolitik rund um Mailand, bis sie durch Faktoren wie die Reformation und Reisläuferei an Einfluss verloren. Aus der Not
wurde später eine Tugend: die Neutralität.
Wie das Tessin zur Eidgenossenschaft kam:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ennetbirgische_Feldzüge
Die Tessiner, vor allem diejenigen im Sopra Ceneri, haben mit der Innerschweiz sicher viel mehr gemeinsam, als beispielsweise mit
Genf. Die Tessiner und die Innerschweizer sind Nachbarn, Bergler, Katholiken, haben den gleichen Unabhängigkeitsdrang, unterstützen
denselben Eishockeyverein (Ambri-Piotta), haben eine gemeinsame Rockband (Gotthard), und stimmen bei Abstimmungen meist ähnlich.
[Anmerkung Admin:
Zu Deinem Vorschlag mit Französisch: Praktisch machst Du damit aus der Schweiz ein zweites Elsass bzw. Luxemburg]
March 1st, 2007 at 3:54 pm
@beechbone
du wersch doch wohl kä grumbeer-supp bstellt hawwe?
zu dem vorschlag, einfach dialekt zu reden. für mich ist das garnicht einfach, sobald ich zu weit von meinem heimatort weg bin, und ich weiss, dass dort niemand meinen dialekt spricht, wechsele ich automatisch ins hochdeutsche und selbst nach aufforderung kann ich keinen richtigen dialekt sprechen, denn im hinterkopf läuft immer ein programm, dass aufpasst, dass ich eine sprache benutze, die von meinem gegenüber verstanden wird.
so wird meistens nur ein ganz leicht abgewandeltes hochdeutsch draus. schade eigentlich?
March 1st, 2007 at 4:03 pm
@brun(o)egg
moh joh, datt kinnte ma schunn mache, ich wääset awwa net ob datt ebbes bringe wierd, weil schwätze unn schreiwe is joh emohl net ähn unn dattselwe. Kääh Ahnung ob unn wie de datt doh jetz verstehscht, ett is awwa imma äähfacha, wenn de die Leit ahnoch schwätze heerscht. Ett wird dann besunnersch schwer, wenn ganz anna werter met dazwische kumme, so wie Grumbeersupp unn Faasekichelcher. Unn irjendwie isset gar net so äähfach uff Dialekt se schreiwe. Alla dann, dir Leit, ich muss dann emohl nommoh ebbes schaffe…
March 1st, 2007 at 4:14 pm
Noch etwas zum letzten Abschnitt über die Italiener, die 30 Jahre in der Schweiz leben können, ohne die lokale Sprache zu lernen (gilt auch für französisch in der Romandie).
Dieses Phänomen ist tatsächlich bei den Italienern besonders ausgeprägt. Ich führe das zu einem grossen Teil auch auf die Einkaufszentren zurück. Zu der Hochblüte der italienischen Einwanderungszeit gab es schon viele Selbstbedienungsläden, mit in der Schweiz sehr praktischen dreisprachigen Verpackungen. Da konnte man auch mit italienischem Lesen überleben, sogar wenn an der Kasse niemand italienisch sprach (wäre beim Tante-Emma-Laden schwieriger). In der EU kamen die acht- oder ähnlich vielsprachigen Verpackungen erst Jahre später auf.
Leute aus z.B. dem Kosovo, Sri Lanka oder Polen sind entweder ohne Bekannte aus ihrer Community viel eher verloren oder lernen einfach durch Zwang viel schneller die „Gastlandsprache“.
Dennoch haben nicht nur die Italiener in der Deutschschweiz eine Gemeinschaft mit vielen Beispielen an mangelnder Integration. Das gibt es in vielen Regionen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es selbst jahrelang im Tessin residierende Deutschschweizer und Deutsche gibt, die immer noch überall als erste Frage „parla tedesco?“ (sprechen Sie Deutsch?) stellen (wenn überhaupt auf Italienisch), oder Angestellte bei internationalen Organisationen – immerhin meistens Studienabgänger – in Genf, die dank des grossartigen englischsprachigen Umfeldes auch nach Jahren nur den Satz „parlez-vous anglais?“ (Sprechen Sie Englisch?) auf Französisch können.
March 1st, 2007 at 4:15 pm
@giacometti
ich würde die Idee nicht gerade so radikal umsetzen, aber bei der diskussion von früh Englisch vs. Französisch werde doch ein gut schweizerischer Kompromiss folgender:
Aber das man ab der 1 Primarklasse, Nebenfächer wie Turnunterricht, Musik, usw. in einer anderen Landessprache erteilt.
http://publicrelations.unibe.ch/unipress/heft101/beitrag11.html
Von Vorteil und Erfolgsversprechend wäre natürlich das die Lehrpersonen dieser Fächer (quasi) Muttersprachler wären
March 1st, 2007 at 4:43 pm
@ giacometti
wie auch immer, es handelt sich um territoriale Eroberungen, wobei eine weiter Expansion schliesslich durch die militärische Niederlage von Marignano 1515 nicht mehr zustande kam und mit Frankreich 1516 ein “ewiger Friede” geschlossen wurde. Schlussendlich sind diese historischen Betrachtungen natürlich mühsam; es kann der Hinweis nicht ausbleiben, dasa die Entwicklung der Eidgenossenschaft sich im Rahmen des Heiligen Römischen Reiches ….. vollzogen hatte … bereits damals lehnten die Schweizer schon eine einheitliche Reischssteuer ab (Nachtigall ick hör dir trappsen) und die heutige Nordschweiz war ein Teil des Stammesherzogtums Schwaben, die Stadt Zürich einer der wichtigsten schwäbischen Vororte (mir relativ schnurz)
nur:
es wird doch eigentlich deutlich, dass es lediglich immer wieder um eine Ablehnung und Ausgrenzung von allem und (jedem?) geht, was mit “Deutsch” zu tun hat.
Das Tessin hat seine Dialekte und keine Probleme mit der Amtssprache Italienisch.
Die Romands haben ihre Dialekte und kein Problem mit der Amtssprache Französisch (vielleicht gelegentlich mit einigen Franzosen)
Die Deutschschweizer haben ihre Dialekte und ihre Amtssprache … das soll dann französisch sein?
Also bitte, die Dialekte in allen Ehren, aber die reichen heute einfach nicht mehr hin. Aber allem zum Trotz bei jeder Gelegenheit soll es halt so funktionieren, geht aber nicht, siehe oben zum Beispiel den Beitrag von Fiona.
Es läuft bei allem auf diese abgrundtiefe Abneigung hinaus, Hochdeutsch das ist dann für das, was sachlich ist ohne Seele, hochoffiziell und dann wird das (Zitat eines Schweizer) ” so abstossend ge radebrecht, dass alle gleich lieber Primitivenglisch quasseln als anständiges Deutsch. Es ist grauenhaft. Mehr als das, es ist ein nationales Debakel.”
Und hier sind die Ticinos wieder einm,al lockerer und selbtsicher, frei von diesen unseligen uebertriebenen Animositaeten. Da frage ich mich wo die heraufbeschworenen Aehnlichkeiten auf der Strecke geblieben sind.
March 1st, 2007 at 5:26 pm
Die einzigen Tessinerinnen die ich kenne sind Mele Winiger und Nella Martinetti. Und zumindescht d’Mele hett ja recht e Züri-Schnurre.
Irgendwie kenne ich aber gar keine Tessiner mit denen ich Hauchdeutsch sprechen könnte. Ist das wohl Wassen in den Lago Maggi-ore getragen, dass die Tessiner auch Hauchdeutsch lernen. Mit wem sprechen die denn das? Mit den deutschen Touristen?
March 1st, 2007 at 5:39 pm
1. Wenn man so genau sein will von wegen Italienischer Schweiz: Territorial gesehen ist sie nicht nur auf das Tessin beschränkt, sondern geht auch noch ins Bündnerland über. TSI ist somit auch für nicht-Tessiner sowie alle italienischsprachigen im Rest der Schweiz. (Genaueres kann man bei “SRG idée suisse” nachlesen.)
2. Hochdeutsch eine Fremdsprache? Blödsinn, ist es doch für die meisten Deutschschweizer nicht. Auch wenn man Fehler macht oder einen Akzent hat, heisst das nicht, dass es nicht eine variante unserer Muttersprache ist. Fehler machen ja auch Leute, die meinen gutes Hochdeutsch zu sprechen, es reicht eine Fernsehstation wie RTL oder Pro7 einzuschalten.
March 1st, 2007 at 6:11 pm
@Romeo
Wenn ich zum Beispiel auf Br den “Nockelberg ?” oder sonst welche Dialektsendungen sehe versteh ich praktisch alles….
Das liegt daran, dass in der Sendung hochdeutsch gesprochen wird mit bayerischen Einschlag.
. Ich glaube, wenn ein Niederbayer oder ein Oberpfälzer richtig losredet, ist es für nicht Ortsansässige ein “Schock”.
Eben vergleichbar mit richtigem Plattdeutsch, weit mehr als nur ein gewöhnlicher Dialekt.
March 1st, 2007 at 6:15 pm
Hm… also im Sottoceneri, dem südlichen Teil des Tessins, vor allem in der Gegend um Lugano rum, reden wirklich nur noch die wenigsten Dialekt. Allerdings wird von einem Einheimischen erwartet dass er zumindest einige Grundbegriffe versteht (”komm mal her = vegn scià chi” oder änliches)… Andererseits würde ich einfach mal anfügen dass es, vorwiegend im Sopraceneri (Bellinzona, Locarno und in den Tälern) auch unter der jüngeren Generation doch noch einige gibt die zuhause “Dialett” reden und im Standard-Italienisch einige mühe bekunden (vor allem wenn es um Verbformen geht). Da können Jahre an der scuola media auch nicht helfen.
Was das Studium angeht: nun, ein Hinderniss welches einem Tessiner in den Weg gelegt wird ist meiner Ansicht nach, eine erhebliche Schwierigkeit dabei sich ins sozialen Leben einer Deutschschweizerischen Stadt einzufügen, wenn er nicht Dialekt spricht. Da bleiben die meisten doch in ihrem Tessinergrüppli und fahren jedes Wochenende wieder zum Ausgehen ins Tessin. Und verpassen dabei die Basler Fasnacht (und die Schnitzelbängg… ‘S isch halt esoo…) Aber auch Baseldytsch ist lernbar! ;o)
Chris (Deutsch-Tessiner Emigrant in Basel… oder so ähnlich)
March 1st, 2007 at 6:28 pm
ach ja, dies noch… Der Hautunterschied zwischen Tessinern und Deutschschwiezern liegt wohl darin, dass man auch dann ein Tessiner sein kann wenn man kein Wort Dialekt spricht. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird eher durch gemeinsame Erfahrungen als durch Sprache vermittelt. Also, ob man jetzt Lugano oder Ambri-Fan ist und welche Musikbands man hört
Ps: ehm, Gotthard locken leider schon länger niemanden von hinter dem Sofa hervor.. echte Tessiner Szenekenner würden da eher Davide van de Sfroos - zwar aus dem grenznahen Porlezza in Italien, aber eigentlich schon lang von den Tessinern adoptiert - Vad Vuc oder die Vomitiors (die sich selber als Folk-Grott Punk bezeichnen) nennen.. Letztere sind vielleicht nicht gerade allerbester Musikgeschmack, aber die kennt im Tessin wirklich jedes Kind.
)
March 1st, 2007 at 6:49 pm
@giacometti: “Französisch liegt uns von der Melodik her eher näher als Hochdeutsch”
Please explain…
“Zudem benützen wir im Schweizerdeutsch viele Französische Wörter”
Ich behaupte mal ganz kühn, dass wir im SchweizerDEUTSCHEN mehr deutsche als französische Wörter benutzen.
“Es hat keinen Sinn, Deutsch als wichtigste Amtssprache des Landes beizubehalten, wenn es niemand mehr
als Muttersprache spricht”
Hübsche Übertreibung. Ich betone zwar selbst immer, dass es sich in der Schweiz um eine Diglossie handelt, aber Du vergisst ein wichtiges Detail: Schweizerdeutsch ist nicht standardisiert. Geschrieben wird immer noch Hochdeutsch, weshalb alle Deutschschweizer diese Sprache auch beherrschen. Sie fühlen sich lediglich nicht sehr wohl in deren Gebrauch in bestimmten Kontexten. Da dürfte Französich keine Abhilfe schaffen. Das ist nämlich eine echte Fremdsprache. Ich finde es ziemlich rückschrittlich, einem Dialekt (der sich zugegebenermassen bereits weit von seiner “Muttersprache” entfernt hat) jegliche Ähnlichkeit zu seiner Ursprungssprache abzusprechen, mit dieser Begründung die Schriftsprache abzuschaffen, um dann eine Fremsprache als Amtssprache einzuführen, die nicht mal zum gleichen Sprachzweig gehört.
“Die Deutschschweizer würden sich aber noch stärker als heute auch mit dem französisch-sprachigen Raum auseinandersetzen und würden sich in beiden Welten gleichzeitig
bewegen - zusätzlich zur Schweizerischen und Anglophonen”
Interessant: Anglophone Welt = USA, GB, Australien, Neuseeland, um die wichtigsten zu nennen. Im Gegensatz dazu: Schweizerische Welt (nicht deutschsprachige Welt) - hm…. Frag’ mal einen Schotten, was er mit einem Engländer gemein hat (sogar dasselbe Land), oder einen Australier, ob er sich als Amerikaner sieht… Man müsste vielleicht mal wieder erwähnen, dass wir uns auf einer Mikroebene bewegen, wenn wir hier eifrig Unterschiede zwischen Deutschen und Schweizern diskutieren…
March 1st, 2007 at 7:43 pm
@ romeo
;-) Vorschlag für einen Stundenplan
Turnen, sorry physical education: im Englischen, (english or american spotter)
Religion: vielleicht italienisch oder lateinisch, hebräisch ging doch auch noch
Mathematik: ganz klar griechisch
Malen, Handwerken: Französisch
Die Pausen in Schwyzertütsch, allenfalls noch Schwiizerdütsch
Biologie: ohne Sprache
Physik, Chemie und allgemeine Grundlagen des Bombenbaus: arabisch
und Deutsch, ach ja Deutsch könnte man doch vielleicht auf Schwedisch unterrichten.
March 1st, 2007 at 8:10 pm
@neuromat: In den Pausen wird Schwizerisch gesprochen - der obsolete Name Schwizerdütsch erweckt den Anschein, diese Sprache sei eng mit dem Deutschen verwandt.
Ui, hani do jetz grad Dütsch gschribe??
March 1st, 2007 at 8:12 pm
D e r Tessin = Gewässer,
D a s Tessin = Kanton.
Grüsse,
t
[Anmerkung Admin:
Aha! Jetzt reden wir nur noch über “das Kanton Tessin”, oder doch lieber über “den Kanton Tessin”? ]
March 1st, 2007 at 8:39 pm
@selma ua
Woher kommt eigentlich immer die Idee, Hochalemannisch, also Schweizerdeutsch, habe sich aus der Ursprungssprache hochdeutsch entwickelt? Das stimmt nun einfach nicht! Die Entwicklung seit Martin Luther ging doch eher andersrum!
Im übrigen können die Schweizer schon hochdeutsch, nur genieren sie sich eben, es zu sprechen. Sie haben Angst davor ausgelacht zu werden und wenn ich an meine Kinder denke, die im Gymnasium von einem Lehrer aus Deutschland in Deutsch unterrichtet worden sind, kann ich das nachfühlen. Der - ich kann es nicht anders sagen - machte nun wirklich die Schüler, die nicht hannoversch sprachen, richtig fertig.
March 1st, 2007 at 9:05 pm
Hallo,
das Problem bei giacometti ist, dass er offensichtlich alles durch Abgrenzung definieren will. Vorgestern war es die Kultur, heute ist es die Sprache.
Meiner Überzeugung nach ist es falsch wenn sich eine Gruppe durch Unterschiede gegenüber anderen definiert. Ich finde es ist wesentlich angenehmer wenn sich die Gruppe über Gemeinsamkeiten untereinander bestimmt. Wenn man Gemeinsamkeiten sucht, ist es viel einfacher, nicht zur Gruppe gehörende zu akzeptieren und vor allem zu respektieren.
Wie gerade wir Deutsche aus unserer Geschichte wissen, ist der Weg von “die sind anders als wir” zu “wir sind besser als die” sehr kurz. Was in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in Mitteleuropa passiert ist, darf sich nie wiederholen.
March 1st, 2007 at 9:57 pm
@Gerald
Es spielt jedoch absolut keine Rolle, was du angenehmer findest oder nicht.
Kultur kann sich schlichtweg nur über Unterschiede definieren. Gibt es keine Unterschiede zwischen den Kulturen, dann gäbe es keine italienische oder deutsche Kultur, sondern eine globaler Einheitsbrei.
Du kannst ja schon versuchen über Gemeinsamkeit darauf hinzuweisen, dass z.B. Deutschweizer jeden Tag eins jodeln. Aber die Italiener machen das halt nicht, womit wir schon wieder bei den Unterschieden sind.
Unterschiede können etwas sehr positives sein, solange sie nicht wertend sind.
Und nur weil die Deutschen dabei schlechte Erfahrungen gemacht haben, heisst es noch lange nicht, dass Unterschiede schlichtwegs zu ignorieren sind. Solange nicht Tausende von Menschen auf Befehl irgendeinem dahergelaufenen Österreicher gleichzeitig die Hand entgegenstrecken, bin ich froh über die Pflege von kulturellen Unterschieden.
March 1st, 2007 at 9:57 pm
@ Administrator:
Nein Jens, wir sagen ja auch d a s Wallis, aber d e r Kanton Wallis. Wir fahren ins Tessin, nicht aber in den Tessin, sonst lauften wir Gefahr, zu ertrinken; oder ins Wallis, in die Waadt oder ins Waadtland. Auch heisst es etwa d a s Graubünden…
Gruss
t
[Antwort Admin: Überredet. Aber wer sagt jetzt bei Wikipedia Bescheid?]
March 1st, 2007 at 10:04 pm
ganz ehrlich, ihr spinnt doch alle.
ja, macht es doch so, wie giacometti vorschlägt. macht französich zu eurer amtssprache, weil es ja dem deutschschweizer SOOOO viel näher ist als das Deutsche.
recht so, dann gerät die Schweiz global gesehen so richtig ins Hintertreffen. das würde ich mittlerweile echt befürworten.
[Anmerkund Admin: Nein, finde ich nicht. Wenn die Schweiz Französisch zur Amtssprache macht, dann wird praktisch das Elsass ein bisschen weiter nach Süden ausgedehtn, bis nach Italien, sonst passiert nix.]
March 1st, 2007 at 10:37 pm
@ Jens:
Soll sich doch ein Tessiner mit Wicki und den Starken Männern herumprügeln!
Gechrruhsame Nacht, frei nach UW!
t
March 1st, 2007 at 10:58 pm
@ Tischplatte, Deiner Reaktion nach bist Du wohl auch giacometti.
Genauso wenig spielt es eine Rolle was Du angenehmer findest.
Was Du sagst ist Deine Ansicht, nicht meine. Ist es richtig nur weil Du es sagst? Wohl kaum. Ist meine Ansicht richtig? Kann sein, kann auch nicht sein. Ausgrenzung von anderen ist grundsätzlich falsch.
Die sind anders! -> wir sind besser -> wir sind überlegen -> Die anderen sind weniger wert als wir -> Die anderen sind Nichts wert!
Wenn Du das so willst — ich nicht. NIE WIEDER. Niemand ist besser als der andere. Keine Kultur ist einer anderen überlegen.
March 1st, 2007 at 11:00 pm
— Hallo Admin Jens, bitte “halbleeres”, vorgängiges Posting löschen, danke! —
(Zitat Romeo)
“Wenn ich zum Beispiel auf Br den “Nockelberg ?” oder sonst welche Dialektsendungen sehe versteh ich praktisch alles….”
[…]
(Antwort Chrigel)
“Das liegt daran, dass in der Sendung hochdeutsch gesprochen wird mit bayerischen Einschlag.”
[…]
Aha das hatten wir doch schon mal weiter oben!
-> Der Emileffekt, nur einfach umgekehrt.
;-)
March 1st, 2007 at 11:15 pm
@bobsmile
ja ist scho güet, aber ich denke wenn man sich anstrengen würde wird man sicher einiges Verstehen, auch wenn die Betonung und Sprachmelodie ziemlich weit vom Standard-Deutsch entfernet ist.
Ich habe ja das beispiel mit dem Schmetterling bereits erörtert. Meiner Meinung muss man ja nicht alles so sehr verbissen sehen äh hören bzw. sprechen
March 1st, 2007 at 11:50 pm
Siehst Du Jens, da liegt das Problem. In der Romandie und im Tessin ist der Dialekt vor die Hunde gegangen. Es wäre schade, wenn es der alemannischen Schweiz auch so gehen würde. Die Versuche, den Dialekt ins Private zu verbannen, führen letztlich in diese Richtung. Von daher hat die Ablehnung des Hochdeutschen gar nicht so viel mit den Deutschen zu tun….
Grüsse
Peter
March 2nd, 2007 at 8:27 am
@mare: Ist mir schon klar, dass Schweizerdeutsch nicht vom heutigen Hochdeutsch kommt. Ich hatte es etwas lax geschrieben. Natürlich müsste man korrekterweise sagen, dass beide gemeinsame Wurzeln haben. Und die liegen jedenfalls noch nicht sooo weit zurück. Um Gemeinsamkeiten zwischen Schweizerdeutsch und Französisch zu finden, muss man auf die Ebene der indoeuropäischen Sprachfamilie zurückgehen. Um Gemeinsamkeiten zwischen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch zu finden, gerade mal bis zum Mittelhochdeutschen.
March 2nd, 2007 at 12:11 pm
Dass ich echtes, saftiges bayrisch nicht verstehen würde ist mit auch klar. Schliesslich wird das ja in einer Comedy Sendung ( Die Humoristen) selbst für Bayern in Normalbayrisch übersetzt. Macht doch Spass oder?
@ titos
Ich habs gelesen und habs auch, - mit Mühe - kapiert. Smile. Nur den Dialekt (Region) hab ich nicht rausgefunden.
Jemand hat da als Amtssprache franz. für die ganze Schweiz vorgeschlagen: Bitte nicht!!!! Wenn ich da an das franz. von Asolf Ogi udn ein paaar andern denke, - Betonung, Diktion - läuft’s mir kalt den Buckeln runter.
Eine schöen Mischung von Dialekt und gleichzeitigem switchen zwischen zwei Sprachen, findet man in Elsass. Leider nur noch bei alten Leuten.
“Bonjour, der Herr, hänner scho recuperiert?” (Guten T,ag,….. haben sie sich schon erholt?) oder
“Schampediss (Jeanpierre) hesch s’Leschüme (Legume, Gemüse) schom im Schardängli ( Jardin, Garten) gholt?”
March 2nd, 2007 at 11:30 pm
@ titos
@ Brun(o)egg
Ich tippe auf Rheinhessen. Grumbeersupp ist Kartoffelsuppe.
March 3rd, 2007 at 1:34 pm
@Brun(o)egg:
In Köln hat man auch kräftig französich eingeklöscht - so nennt man den Stadtteil mit den meisten Studenten “Kwartier Lateng”, Bajasch für Gepäck, Parraplü (Regenschirm), Pasoläh (Sonnenschirm), Mösch (Spatz), Explezeer (Streit), Trottoir, etc.
March 3rd, 2007 at 2:43 pm
Gerald:
Es ist Pfälzer Dialekt
Sehr schön am “alla” zu verwenden. Bei Pälzern ist immer zu vermuten, dass die in Wirklichkeit verkappte Muslime sind bei der inflationären Verwendung des Wortes “alla”…
March 3rd, 2007 at 7:51 pm
@dominik:
“alla” wird aber auch in (Mittel-)Baden sehr gerne verwendet, wie man an den Lallers erkennen kann, die zweifellos eine badische Familie sind.
March 3rd, 2007 at 11:22 pm
@ peterle
Waren das nicht die Fallers?
“Alla” ist auch in Rheinhessen im Gebrauch.
March 4th, 2007 at 11:01 am
@gerald
Nein, ich meine schon die Lallers. Das war mal eine SWF3-Verarsche von den Fallers. (”Trinke mer oiner? - Alla guud!”)
March 4th, 2007 at 12:07 pm
@ peterle
Hast recht. Als Du SWF3 erwähnt hast, viel es mir wieder ein.
March 5th, 2007 at 8:32 am
@ alle Dialektschreiber: ich hans Gfühl, es chunnt druff aa, öb mer öpper kännt, wo de entsprächendi Dialekt ret, seg das persönlich, oder us de Mediä - dänn isch es nöd schwirig, dä Dialäkt z’läsä, will mer än “im Ohr” hätt.
@ admin: ja, Elsass oder Luxemburg sind wohl gute Vergleiche - nur hat die Deutschschweiz bedeutend mehr Einwohner als diese Gebiete und im Vergleich mit dem Elsass auch mehr politische Autonomie, und damit mehr Möglichkeiten zur Entfaltung der Sprache.
@ romeo: ja, das finde ich eine gute Sache
@ neuromat: “die Dialekte…reichen heute einfach nicht mehr hin”: das ist eine seltsame Aussage! Es hat immer Sprachen mit grösserem oder kleinerem Verbreitungs- und Differenzierungsgrad gegeben. Und Sprachen sind dynamisch - die einen nehmen an Bedeutung zu, die anderen ab. Schweizerdeutsch hat in seiner Bedeutung in den letzten 100 Jahren klar zugenommen - und wird weiter an Bedeutung zunehmen. Es ist eine moderne Alltagssprache. Wer Schweizerdeutsch
spricht denkt nicht an die Vergangenheit, sondern an die Gegenwart und die Zukunft. Zwischen Schweizerdeutsch und Dialekten, die in bestimmten Regionen nur noch von alten Menschen gesprochen werden, liegen Welten. Die politische Situation spielt eine wichtige Rolle. Je grösser die politische Unabhängigkeit einer Region, desto grösser sind die Entwicklungschancen ihrer Sprache. Es gibt viele Leute, die sagen, “Schweizerdeutsch” gibt es nicht. Ich habe das selbst auch lange so gesagt. Aber wenn ich’s mir richtig überlege, muss ich sagen, das ist nicht ganz richtig. Schweizerdeutsch ist das, was gesprochen wird, wenn ein Oberwalliser und ein St.Galler miteinander sprechen - oder was im Radio und Fernsehen gesprochen wird, damit es von allen Deutschschweizern verstanden wird. Jeder hat dabei seinen gewissen Akzent und einige Spezialwörter mit im Gepäck, die über seine Herkunft Auskunft geben, genau wie beim Hochdeutschen oder Global English. Schweizerdeutsch unterscheidet sich klar von Hochdeutsch, mit dem es aber eng verwandt ist. Die Entwicklung des Schweizerdeutschen kann übrigens auch einen positiven Einfluss auf die Literatur in Alemannischen Dialekten ausserhalb der Schweiz haben.
Ich finde es ziemlich anmassend, dass Sie sich über die Sprachpräferenzen von Deutschschweizern mokieren. Man kann ja durchaus unterschiedlicher Meinung über allgemeine Themen wie zum Beispiel die Geschichte sein. Aber jemandem vorwerfen, er spreche die falsche Sprache, das geht einfach gopferdelli nicht! Wenn ich sage, ich liebe Anna, dann entgegnen Sie mir doch auch nicht “Das stimmt nicht!” oder “Anna zu lieben, ist falsch!”. Meine persönliche Ausdrucksweise und
meine Gefühle sind so wie sie sind. Amen. Ich mache Ihnen diesbezüglich auch keine Vorschriften. Nehmen Sie die fehlende Liebe der Deutsch-Schweizer zum Hochdeutsch also nicht persönlich.
Dass die Deutschschweizer “lockerer” wären, wenn sie Hochdeutsch sprechen würden, wage ich jetzt mal stark zu bezweifeln.
Nein, nein, die eigene Sprache tut den Deutschschweizern sehr gut - vor allem für ihre “Lockerheit”.
)) Klar, geht diese etwas verloren, in dem Moment, wo wir Hochdeutsch sprechen müssen - aber das wird nicht nur von uns, sondern auch beispielsweise von Jamaicanern so empfunden, die doch als “Meister der Lockerheit” gelten. Ausserdem macht es wohl schon einen Unterschied, dass das Tessin rund 300′000 Einwohner und keine Grossstadt hat - die Deutschschweiz hingegen hat mehr Einwohner als
Norwegen, und etwa gleich viele wie Dänemark oder Finnland - und im Gegensatz zum Tessin auch ein paar grössere Zentren - zum Beispiel die Agglomeration Zürich mit rund 1 Mio Einwohnern.
Zum Zeitpunkt der Gründung der Eidgenossenschaft war Zürich übrigens bereits nicht mehr mit dem Herzogtum Schwaben verbunden.
@ Selma - zur Melodik: Schweizerdeutsch ist viel stärker eine “singende” Sprache mit weichen Konsonanten. Wo haben Sie gelesen, dass ich dem Deutschen JEGLICHE Ähnlichkeit abspreche. Um Himmels willen! Natürlich liegt Schweizerdeutsch bezüglich Wortschatz dem Hochdeutsch viel näher. Aber das Französische ist uns auch nicht fremd. Die Sprachen sind lebendig. Die Schemas der verschiedenen Sprachfamilien aus den Lehrbüchern können nur ein paar wenige rudimentäre
Und es macht absolut keinen Sinn, dass ein ganzes Land eine Sprache als sogenannte Landessprache obligatorisch in der Schule lernt, die keiner mehr im Alltag verwendet. Es ist eher bald einmal rückständig, dass Deutsch in unserer Bundesverfassung noch als
Tendenzen des Mainstreams erklären. Die Realität ist und war viel komplexer. Die vielen aus dem Französischen stammenden Wörter im Schweizerdeutsch (vor allem Berndeutsch) stammen jedenfalls nicht von den Indogermanen.
Landessprache aufgeführt ist. Sie haben Recht: Schweizerdeutsch ist noch nicht standardisiert. Das ist aber nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist. Wie gesagt: wie können wir es rechtfertigen, dass die Welschen und Tessiner weiterhin obligatorisch Deutsch lernen sollen?
Dass die nationale Amtssprache nicht mit allen lokalen Sprachen eng verwandt ist, ist in grossen Teilen dieser Erde völlig normal. Ganz abgesehen davon, dass Französisch schon heute eine nationale Amtssprache ist, und ab und zu versucht sogar schon heute ein Deutschschweizer Parlamentarier im Bundeshaus sein Votum auf Französisch abzugeben.
Jeder bewegt sich auch lokal, nicht nur global. Die Schotten in Schottland, die Australier in Australien und die Schweizer in der Schweiz. Die Australier oder die Holländer sagen auch ohne Hemmungen, dass sie eine eigene Kultur haben. Weshalb sollen das die Schweizer nicht dürfen?
@ Totom - ja, die Franzosen sind mit ihrem provinziellen Französisch natürlich weltweit sehr ins Hintertreffen geraten, genauso wie die Holländer mit ihrem provinziellen Holländisch, oder die Singapurer mit ihrem provinziellen Malaysisch….
- man sieht also, wer nicht Deutsch als Amtssprache hat, gerät automatisch ins Hintertreffen….
@ Gerald - ich bin nicht Tischplatte - Ihre Interpretationen von anderen Texten sind aber ziemlich abenteuerlich
- wären Sie Franzose oder auch Engländer, würden Sie nicht behaupten, die Forderung nach einer alleinigen Amtssprache Französisch in der Schweiz sei eine Abgrenzung - es ist immer eine Frage der Perspektive
March 5th, 2007 at 6:54 pm
@ giacometti
“Ihre Interpretationen von anderen Texten sind aber ziemlich abenteuerlich” - bitte belegen.
Wäre ich Franzose oder Engländer würde ich es genauso sehen. Die Idee in der Schweiz Französisch als alleinige Amtssprache einzuführen ist verschiedenes:
1. Abgrenzung gegenüber der Deutschen Sprache, die auch eine ganze Reihe von Lehnwörter aus dem Französischen kennt.
2. Eine Zumutung den ca. 80% der Schweizer Wohnbevölkerung gegenüber deren Muttersprache nicht Französisch ist. Und hat damit absolut keine Chance in einer Volksabstimmung. Eine entsprechende Regelung wäre eine Diskriminierung dieser 80%.
Aufteilung der Schweiz nach Sprache gem. www.swissworld.org (Stand 2002)
60,3 % Deutsch
20,4 % Französisch
6,5 % Italienisch
0,5 % Rätoromanisch
9 % Andere
http://www.swissworld.org/xobix_media/images/sis/2005/sisimg20050224_5559886_0.gif
Die von Ihnen erwähnten Abgeordneten sprechen Französisch um die, noch immer, bestehenden Grenzen innerhalb der Schweiz zu verringern (Röstigraben, etc.)
April 16th, 2008 at 8:26 am
Fakt ist: Tessiner sprechen ein schön, gepflegt und flüssig Italienisch, was man immer wieder feststellen kann, wenn Radio oder TV “Leute von der Strasse” interviewen. Im umgekehrten Fall kommt in der Deutschschweiz meistens nur ein mit viel ähm und hm gespickter Stottersatz aus dem Mund der Befragten. Weil man hier im Tessin vom Kindergarten an Italienisch spricht und den Dialekt zuhause pflegt. Deshalb können wir nach Italien reisen, ohne dass man uns belustigt wahrnimmt. Dass das Tessiner Schulsystem vielen Systemen in der Deutschschweiz überlegen ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass wir nach Genf die zweithöchste Maturitätsquote der Schweiz haben. Die Maturitätsprüfungen sind eidgenössisch, nicht kantonal geregelt. Und Tessiner, die studieren wollen, können dies dank ihren Sprachkenntnissen problemlos überall tun. Hier lernen die Kinder ab der 3. Klasse Französisch, ab der 5. Deusch und ab der 6. oder 7. Englisch. So einfach wäre das. Aber nein, in der Deutschschweiz lernt man noch Dialekt, dann irgendwann einmal Hochdeutsch und über Frühfranzösisch oder Englisch diskutiert man seit Jahren. Mit dem Resultat, dass man sich als Deutschschweizer überall in der Welt belächeln lassen muss.