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Es hat berichtet — In der Schweiz ist immer alles Perfekt

  • SF-Videos gucken macht Spass
  • Das Schweizer Fernsehen bietet einen genialen Service an für alle Menschen, die keine Zeit zum regelmässigen TV-Konsum haben und einen bestimmten Beitrag, eine Serie oder eine Dokumentation ein paar Tage bis Monate nach der Erstausstrahlung anschauen möchten. Auf SF-Videos kann man sich zu ca. 44 verschiedene Sendungen als Real-Stream ansehen. Von der Schweizer Tageschau (noch am gleichen Abend verfügbar) über das Schweizer Pendant zum ZDF Heutejournal, der Nachrichtensendung „10 vor 10“ (wird mit 24 Stunden Verzögerung aufgeschaltet) bis hin zu QUER oder „Lüthi und Blanc“, der Schweizer Schokoladen-Soap-Serie mit der zauberhaften Katharina von Bock, die wir im CLUB kennenlernen durften. Den Real-Player Videostream gibt es je nach Bandbreite wahlweise in 80 kbit/s oder 450 kbit/s Qualität zu sehen. Die Sendungen in diesem Online Archiv sind zum Teil zurück bis ins Jahr 2003 abrufbar.

  • Berichtet wird stets im Perfekt

  • Wer sich dort die Mühe macht und ein paar alte „10 vor 10“ Sendungen anschaut, wird feststellen, dass auch in der hochdeutschen Nachrichtensprache dieser Sendung die Vergangenheit stets nur „perfekt“ abgeschlossen ist.
    Ulrich Tilgner
    (Quelle Foto: ulrich-tilgner.com)

    Wenn wieder einmal der deutsche Journalist Ulrich Tilgner für das Schweizer Fernsehen aus Amman berichtet, folgt als Abschlussatz der Moderatorin „Ulrich Tilgner hat berichtet“.

    Niemals „das war aus Amman Ulrich Tilgner“ oder „es berichtete Ulrich Tilgner“. In der Schweiz herrscht das Perfekt, einfach nur immer die abgeschlossen Vergangenheit, niemals die einfache Vergangenheit Präteritum.

  • An der Verwendung des Perfekts könnt ihr sie erkennen
  • Auch bei Schweizern, die nahezu aktzentfrei flüssiges Hochdeutsch sprechen, ist die regelmässige Verwendung des Perfekts die beste Methode, um sie zu entlarven. Es wird in der Regel perfekt und hyperkorrekt eingesetzt, anders als das Präteritum, von dem viele Schweizer hier im Blog geschrieben haben, dass sie sich bei seiner Verwendung unsicher fühlen, einfach weil es diese Zeit im Hoch- und Höchstalemannischen nicht gibt.

  • Im Alemannischen gibt es das Präteritum nicht
  • Wir lernen bei Wikipedia über die Zeiten im Alemannischen:

    Wie in allen süddeutschen Dialekten gibt es auch im Alemannischen kein Präteritum. Stattdessen wird stets das Perfekt verwendet. Zum Ausdruck der Vorvergangenheit dient das doppelte Perfekt, beispielsweise i ha’s gmacht gha ‹ich habe es gemacht gehabt (ich hatte es gemacht)›.
    (Quelle: Wikipedia)

    Um es ganz deutlich zu sagen: Die Verwendung des Perfekts in einer Sendung wie „10 vor 10“ ist nicht falsch (und wir haben da auch nix dran zu nörgeln, bevor jetzt dieser Einwurf kommt 😉 ), sondern einfach für standarddeutsche Zuschauer oder Zuhörer ungewohnt und auffällig regelmässig. Es ist jedesmal wie ein radikaler Abschluss eines Teils der Sendung. „Er hat berichtet“, danach muss jetzt etwas Neues kommen. Eine künstliche Überleitung ist nun nicht mehr möglich. Die Kunst der fingierten und gesuchten Überleitung von einem Thema zum nächsten ist sowieso nicht jedermanns Sache. Dann doch lieber die radikale Thema-Wechsel-Methode der berühmten Monthy Python Truppe: „And now for something completely different!

  • Was machen die Deutschen anders bei den Vergangenheitsformen?
  • Sie sprechen abwechselnd im Perfekt, Präteritum oder auch ganz dramatisch im „gelebten“ Präsens, je nachdem was am einfachsten für sie ist, gemäss dem Gesetz der „Ökonomie der Sprache“.

    Die Sprache folgt,“ so [Dudenchefs Günther] Drosdowski (…), „dem Gesetz der Ökonomie, indem sie mit einem Minimum von geistigem Aufwand ein Maximum kommunikativer Wirkung erzielt.
    (Quelle: sprach-werner.info )

    Häufig wird das zusammengesetzte Perfekt nicht in allen Bestandteilen deutlich betont sondern verschliffen und genuschelt. Aus „das habe ich gesagt“ wird dann „das hab‘ ich gesagt“. Aus „hast Du das verstanden“ wird „hasse das verstanden“ oder „hass‘ das verstanden?“, je nach Herkunft und Dialektregion des hochdeutschen Sprechers.

    (zweiter Teil Morgen:
    „Sie sprechen jetzt Hochdeutsch, Herr Mörgeli“ — Über die Soziolekte „Oxford English“ und „Hochdeutsch“)

    

    33 Responses to “Es hat berichtet — In der Schweiz ist immer alles Perfekt”

    1. Christian Says:

      @Jens: Natürlich hast du Recht: Da die Schweizer aus dem Dialekt kein Präteritum kennen, neigen sie dazu, das Perfekt in der Standardsprache zu oft zu gebrauchen.

      Aber: Das von dir vermisste Präteritum in einem Abspannsatz à la „Ulrich Tilgner berichtete aus Amman“ scheint mir mit den üblichen Regeln der deutschen Grammatik nicht vereinbar: Einzeltatsachen in der Vergangenheit werden doch im konstatierenden Perfekt dargelegt. Sagt dein deutsches Sprachgefühl bei einem einzelnen Satz etwa im Präteritum: „gestern schlief ich schlecht“, wenn nachher nichts mehr kommt?

      Richtig ist, dass diese Regel nicht gilt, wenn es sich um das Verb „sein“ handelt. Die Mutter fragt den Sohn: „Wo warst (!) du? Wir haben ein paar Mal nach dir gerufen.“

      Und: Dass das Präteritum im Dialekt untergegangen ist, gilt nicht nur bei den Alemannen, sondern in allen Dialekten südlich der Mainlinie. Allerdings haben die meistens noch das Präteritum „war“ behalten; die Alemannen verzichten sogar darauf.

    2. Nightflyer Says:

      Er ist gekommen, er hat gesehen und er hat gesiegt!

    3. mare Says:

      Laut Grammatikduden hat Perfekt ein „doppeltes Gesicht“: „Das Geschehen wird zwar der Vergangenheit zugeordnet, der gegenwartsbezug bleibt jedoch insofern erhalten, als die Orientierungszeit mit dem Jetzt identifiziert wird“. Das hiesse dann aber doch, dass das Perfekt eben nicht eine abgeschlossene Handlung beschreibt, und dass man davon ausgehend durchaus weiterfahren kann mit den Nachrichten und auch direkt überleiten kann.

    4. Administrator Says:

      @mare
      @christian
      Ohne zu Wissen, ob ihr Schweizer seid finde ich es faszinierend, wie analytisch ihr an dieses Vergangenheiten-Gebrauchsproblem herangeht. Als Deutscher „Muttersprachler“ macht man sich da selten Gedanken drüber. Es es typisch für jemanden, der eine Sprache als Fremdsprache gelernt hat, dass er so etwas wie die Zeiten viel genauer reflektiert einsetzt, und weniger „nach Gefühl“. Gefühl kommt aus dem Bauch und geht auch schon mal schief. Da hilft selten ein Grammatikduden.

    5. sylv Says:

      es stimmt was du da schreibst!!
      Meine mittlere Tochter ( 10.5) ist gerade daran das Präteritum zu lernen in der Schule,ich dachte ja immer das meine Hauchdeutschkenntnisse eben nicht nur ein Hauch sind,aber zugegeben ich komme regelmässig ins Schwitzen, wenn ich ihr bei den Aufgaben helfen muss,und dass sie Mühe hat das Ganze zu kapieren ist mir ein Zeichen, dass es damit zusammenhängen könnte, dass wir diese Form im Schweizerdeutschen eben nicht kennen und brauchen.

    6. bigblue Says:

      BTW: Bei Monty Python heisst es „And now FOR something completely different“!

    7. Chlöpf'n'Tätsch Says:

      @Nightflyer

      :oD

      Stell mir das so vor während der Latein-Stunde:

      „Juli Cäsar, übr de Gallisch Chrieg:

      I bi cho, I ha gseh, I ha gsiegt (gunne?)“

      Latinisch mol ganz andersch!

    8. Ingo Says:

      @Jens:
      Es heisst „And now _for_ something completely different.“

      Ein Korinthenkacker 😉

      [Antwort Admin: Warum war ich mir im Vorfeld schon so sicher, dass das Zitat nicht korrekt ist 🙂 Danke für den Hinweis, zu lange nicht mehr MP geschaut…. ]

    9. Totom Says:

      Sorry, wenn ich genau diesen Blogeintrag missbrauche, um mal eine Beobachtung vom WE loszuwerden. Ich habe aber in diesem Blog schon oft ein ganz bestimmtes Klischee gehört, dass ich mal erzählen möchte.

      Mein Mann und ich (beides Deutsche) waren in den Bergen, steigen in den an der Endstation noch leeren Skibus zur Gondelstation und stellen uns an die Kasse. Wir stellen uns etwas schräg an, damit wir die Preisliste gleichzeitig studieren können (es steht nur ein Paar vor uns), wir warten aber eindeutig darauf, an die Reihe zu kommen. Plötzlich stellt sich eine Frau neben uns und geht dann noch einen Schritt nach vorne. Daraufhin meine ich ‚Hoppla, da standen wir.‘ Sie meint, ihre Tochter habe die ganze Zeit da gestanden, für die sie jetzt einspringe. Ich: ‚Bis eben standen nur wir da.‘ Dann schreit sie auf einmal, um Zustimmung bei den mittlerweile anderen Wartenden zu erheischen: ‚Typisch Deutsch, die drängeln sich immer vor! Schon beim Einstiegen in den Bus haben Sie gedrängelt!“ (Die Dame war eine Station NACH uns in den Bus gestiegen).

      Fazit (dieses offenen Rassismus): Die Schweizer basteln sich ihre Vorurteile gegen die Deutschen selbst (daher der Begriff ‚Vorurteil‘).

      Ich habe leider schon einige solcher Erlebnisse in der Schweiz machen müssen. Am schlimmsten fand ich noch, dass es mir nicht erlaubt ist, in den städtischen(!) Zürcher Segelverein einzutreten mit der Begründung, der sei halt nur für Alteingesessene!

      Mein Mann und ich sind mit neutraler bis positiver (aufgrund von Selbstdarstellungen der Schweiz) Grundeinstellung hierher gekommen. Zugezogen übrigens aus den USA, in denen wir nie angefeindet wurden und wo solche Diskriminierungen per Gesetz verboten sind.
      Mittlerweile bin ich in einigen Punkten zu der Deutschen geworden, wie sie die Schweizer kritisieren aber eben selbst dafür sorgen, dass viele Deutsche genau diese Einstellung bekommen: Eine, die die Schweiz sehr kritisch sieht (man nennt das auch selffulfilling prophecy).

    10. Tellerrand Says:

      @ Totom

      Meine Frau und ich haben in den vergangenen 8 Jahren hier in der Schweiz immer wieder Erfahrungen gemacht, wie jene, die Sie hier beschreiben. Man wird zur Projektionsfläche von Klischées. Alle glauben zu wissen wie die Deutschen sind und dann muss man im Einzelfall auch nicht mehr so genau hinschauen.

      Wie haben inzwischen einige wenige Schweizer Freunde und auch aus dem Arbeitsleben weiss ich, dass nicht alle Schweizer so grob vereinfachend denken. Aber ich muss gestehen: von dem für das Land positiv eingenommen deutschen Gast, der vor acht Jahren in die Schweiz kam, ist auch bei mir nicht mehr viel geblieben.

      Perfekt und Präteritum hin oder her.

    11. neuromat Says:

      Umgangssprachlich benutzen die meisten das Perfekt als Vergangenheitsform. Ich glaube nicht, dass man einen Schweizer daran erkennen kann.
      Ich habe fertig.

    12. hogelgogel Says:

      @Totom

      Geschichte mit dem Bus: Ja, es gibt auch doofe Schweizer.

      Geschichte mit dem Segelverein:
      In der Schweiz kann, soviel ich weiss, ein Verein nicht gezwungen werden, jemanden aufzunehmen. Es gibt u. a. Vereine, die keine Frauen aufnehmen und eben auch solche, die keine Leute aufnehmen, die noch nicht seit sieben Generationen das Stadtzürcher Bürgerrecht besitzen und obendrein von mindestens zwei Mitgliedern empfohlen werden. Wer so etwas persönlich nimmt, ist selbst Schuld.

      Wäre den Vereinen diese Diskriminierung nicht gestattet, so würden halt die Leute sich gruppieren, ohne ihre Gruppe „Verein“ zu nennen.

      Sehr subtil ist es auch, keine Diskriminierung in den Vereinsstatuten zuzulassen, dafür eine Eintrittsgebühr von Fr. 30’000.- zu erheben.

    13. Andrea Says:

      Aber ich merke schon, dass ich (Muttersprache Schweizerdeutsch)diesbezüglich ein Handicap habe. In jeder Sprache, die ich lerne, habe ich Mühe mit den Vergangenheitsformen, weil ich aus meiner Muttersprache nur das Perfekt und kein Präteritum kenne. Nicht mal auf Deutsch kann ich das Präteritum wirklich richtig anwenden.

    14. Totom Says:

      @hogelgogle

      Nunja wegen des persönlich Nehmens: Ich bin es gewohnt, dass wenn etwas städtisch ist, dass es dann für die Allgemeinheit da ist. Ob das in der
      Schweiz auch gilt, habe ich nicht recherchiert, da bin ich zugegebenermaßen einfach davon ausgegangen. Ebenfalls bin ich davon ausgegangen, dass städtische Einrichtungen von Steuergeldern subventioniert werden. Die zahlen wir eben auch und das nicht zu knapp.

      Übrigens bin ich auch schon von staatlichen Einrichtungen bei der Jobsuche abgelehnt worden, mit dem Hinweis auf meine Nationalität. Bei diesen Jobs ging es wohlgemerkt um nichts, was die Schweizer Staatsbürgerschaft erfordert und auch nicht das Schweizerdeutsche. Im Gegenteil, ‚einwandfreies Hochdeutsch‘ war erwünscht. Dann abgelehnt zu werden, nicht aufgrund meiner Qualifikation, sondern wegen meines Passes, das habe ich in der Tat persönlich genommen. Dass man es mir gar so offen sagte, hat mich erschrocken. Wohlwollenderweise könnt man das als Ehrlichkeit auslegen. Mich beschlich aber eher das Gefühl, dass eine solche Begründung offenbar völlig salonfähig ist und auch in gebildeten und wie gesagt staatlichen Kreisen unterstützt wird.

    15. Michael-H. Says:

      @Totom: „städtisch“ bedeutet hier nicht automatisch mit Steuergelder subventioniert. Vereine sind allesamt private Organisationen. „Städtisch, Schweizerisch etc.“ kann im Namen jedoch auftauchen. Subventionen werden sehr selten an Vereine bezahlt. Und dann meistens mit Auflagen zum Angebot. Ich habe noch nie gehört, dass ein Verein Mitglieder aufnehmen muss.

      Das Präteritum habe ich auch erst beim Englisch-lernen kapiert. Das war dann der dritte Versuch (1. Deutsch, 2. Französisch). Mit der Grammatik haben wir Deutsch-Schweizer wirklich unsere Mühe.

    16. Christian Says:

      @Totom:
      Dass die meisten/alle städtischen Segelvereine hermetisch abgeschlossene Gesellschaften sind, ist allgemein bekannt. Vor nicht allzu langer Zeit stand eine ähnliche Geschichte in einer eher bürgerlichen Zeitung (nicht 20Sekunden). Auch Juden haben zu diesen erlauchten Vereinen keinen Zutritt, du bist also in bester Gesellschaft.
      Ich hab mir die Szene vor 2 Jahren näher angesehen und war aber sehr schnell von selber wieder draußen: Eine solche Ansammlung von verbissenen unsozialen Rüpeln, die ihre Geschäftspraktiken in der Freizeit fortsetzen, brauche ich nun wirklich nicht. Als ich das einem Vorstandsmitglied sagte, meinte die Dame: Ja, so sei es halt mit den Anfängern, die würden erstmal kräftig gedeckelt.

    17. Maximus Says:

      @Totom:

      >Ich bin es gewohnt, dass wenn etwas städtisch ist,
      > dass es dann für die Allgemeinheit da ist.

      Meinst Du etwa diesen elitären Segelklub hier: http://www.zuercher-segelclub.ch/ZSC_Willkommen.cfm ? Bei diesem hier würde ich aufgrund der Homepage-Infos nicht einmal ein Beitrittsgesuch stellen. Da ist Papst-Werden ja noch einfacher 🙂

      Na ich hoffe wohl, dass die Stadt Zürich doch nicht etwa mit unseren Steuergeldern Segelklubs betreibt… Auch wenn ein solcher städtisch heissen soll, bedeutet das nicht, dass dieser der Stadt gehört, sondern dass es ein Klub von Stadtzürcher Mitgliedern ist und nicht von Land-Zürchern…

      Auf Ablehnung zu stossen ist natürlich hart und tut weh. Das ist aber für die Mehrheit, die auf eine Minderheit stösst, immer gleich. Wenn ein Arbeitgeber in Basel die Wahl hat zwischen einem echten Basler und einem zugereisten Zürcher gleicher Qualifikation, dann hat letzterer die schlechteren Karten, denn mit seiner Zürischnurre gilt er automatisch als arroganter Schnellschwätzer. (Dies soll hier nicht eine Entschuldigung darstellen für erlittenes Unrecht in der Schweiz, sondern als Erklärungsversuch dienen, wie schnell man bei uns – wie anderswo – mit solchen Problemen konfrontiert wird).

    18. Tellerrand Says:

      @ Maximus

      Ich glaube aus meiner eigenen 32-jährigen Deutschlanderfahrung sagen zu können, dass das Diskriminieren vom Menschen anderer Herkunft in Deutschland nicht ganz so kleinteilig betrieben wird, wie in der Schweiz. Liegt vielleicht am mangelnden Überblick der diskriminierenden Akteure – Deutschland ist schlicht ein bisschen grösser und nur wenige kennen das ganze Land so gut, dass bis auf die Gemeindeebene runter diskriminiert wird 😉

      Ich wurde zum Beispiel aufgrund meiner norddeutschen Herkunft in Schwaben (es ist die Gegend um Stuttgart gemeint) ziemlich einhellig als „Fischkopf“ tituliert, was dort jedem Hamburger, Bremer, Kieler oder Rostocker hätte passieren können. Ein Blick auf die Landkarte verrät, dass das von diesen Städten begrenzte Gebiet einiges grösser ist als die Deutschschweiz.

      In Deutschland wird einfach mit grösserer Kelle diskriminiert. Jawoll!

      [Anmerkung Admin: Zum Thema „grosse Kelle“ siehe hier]

    19. hogelgogel Says:

      @ Totom:

      Das Missverständnis mit den Vereinen bzw. öffentlichen Einrichtungen hat Michael-H. ja nun geklärt. Bleibt noch das mit den Jobs bei staatlichen Einrichtungen: Es würde mich generell interessieren, in welchen Ländern man als Ausländer zu welchen Jobs beim Staat zugelassen ist. Ich kann mir vorstellen, dass die Schweiz nicht unbedingt so schlecht dasteht. Vielleicht gibt es ja auch staatliche Einrichtungen, die unter schweizerischer „Kontrolle“ bleiben wollen und so etwas wie eine Maximalquote für Ausländer haben. Jedenfalls sind auch die Personalverantwortlichen beim Staat Menschen die mehr oder weniger ausländerfeindlich sein können, ob in der Schweiz oder anderswo.

    20. Brun(o)egg Says:

      @ otom

      Du reagierst genauso wie es erwartet und vorausgesetzt wird. Die Deutschen!
      Einfach darüber stehen, abtropfen lassen. Solche wie die am Skilift gibts überall.
      Und versuch mal in England in einen Golf – oder Tennisclub zu kommen?!
      Nehme an es gibt auch in Deutschland Clubs in denen Du als Normalsterbliche/r nicht rein kommst.

      Frage: Was willst Du in einem so elitären Zirkel? Ist doch meistens stinklangweilig?!

    21. bigolino Says:

      @tomtom, @hogelgogle

      Ich weiss, hier sollte es eigentlich um den „Perfektionismus“ der Deutschschweizer gehen, aber ich muss jetzt doch noch mal kurz was zu euch sagen. Ich finde, wir neu zugezogenen Deutschen haben es in der Deutschschweiz doch vergleichsweise einfach. Wir können uns wehren, vom Selbstverständnis her und von der Sprache. Das ist es ja gerade, was die Deutschschweizer so nervt. Mein Schwiegervater ist bereits in den 50er Jahren aus Italien in die Deutschschweiz gezogen, und noch heute ist einer seiner Lieblingssätze: “ Das werde ich den Schweizern nie verzeihen, was die mir angetan haben“. Die Kinder dieser Einwanderergeneration wiederum waren dann bereits in der Schule den üblichen Anfeindungen ausgesetzt, mussten still sein und durften nicht auffallen. Die tragen bis heute ihr „Trauma“ mit sich rum und bekommen die Megakrise, wenn sie bemerken, dass es mit ihren eigenen Kindern auch schon losgeht. Wir, im fortgeschrittenen Alter Zugewanderten, haben immerhin die Chance, das alles als gefestigte Perönlichkeiten über uns ergehen zu lassen.

    22. Bine Says:

      Was ist denn „kleine Kelle“ daran, wenn ein Schweizer sagt: Die Deutschen drängeln immer vor, und wieso große Kelle, wenn ein Schwabe einen Norddeutschen einen Fischkopp nennt? Das versteh ich nicht soooo ganz. Und das hat nichts mit meiner Identität als Fischkopf zu tun.

      Genauso wie es in der Schweiz Menschen gibt, die behaupten würden, die Deutschen sind unhöflich, drängeln sich immer vor oder kratzen sich in der Öffentlichkeit am Sack oder so, gibt es in Deutschland Menschen, die behaupten, Türken stinken, Polen klauen, Ossis sind blöde und Schweizer verklemmte Bergbauern.

      Dümmer geht immer und überall.

      (Ich mach mir jetzt nach der Lektüre auch Mut, weil ich demnächst ja mal wieder die Schweiz heimsuchen will. Die alten verklemmten Bergbauern da 🙂 ).

      Ach so, Jens, und für übermorgen bitte noch Lorios zweiten Futur bei Sonnenaufgang bitte. Dankeschön.

    23. Branitar Says:

      Hmm also zumindest in Norddeutschland ist das Perfekt (und das Plusquamperfekt) in der Umgangssprache wesentlich weiter verbreitet als das Präteritum, man könnte auch sagen, dass das Präteritum gar nicht gebraucht wird.

      Allerdings leben zumindest im Nordosten auch einige Schweizer 😉

      So lautet dort nämlich die alte Berufsbezeichnung für Leute, die im Kuhstall arbeiten und insbesondere das Melken der Kühe betreiben 😉

    24. Totom Says:

      Oh, das habe ich nicht gewusst, die hiesige Bedeutung von ’städtisch‘, dass es nicht zwingend von der Stadt sein muss. Interessant, danke für die Aufklärung. Na gut, da muss ich wirklich nicht Mitglied sein.

      Das Unternehmen war übrigens nicht staatlich, sondern lediglich vom Staat finanziert.

      Aber, da habt ihr recht, abtropfen lassen. (Ohne Job habe ich da viel Zeit dazu ;-))

      @bigolino
      Ja, stimmt, ich bin erwachsen und kann mir meine Bekannten aussuchen – und da habe ich auch schon sehr viele nette Schweizer getroffen. Im persönlichen Gespräch ist so etwas ja meistens nett.

      Aber auch ich habe Angst meiner Kinder wegen. Ich weiß nicht, wie ich es verkraften werde, wenn sie mal vom Kindergarten oder so heim kommen werden und mich fragen, warum sie Nazis seien (Berichte von Kolleginnen)

    25. SoWhat Says:

      arme deutsche… wenn ihr solch eine tortur über euch ergehen lassen müsst und so schlimm disdkriminiert werdet – was hält euch dann noch hier?

    26. franz Says:

      @ Brun(o)egg
      Man könnte es gar nicht besser ausdrücken

      @Tomtom
      Liebe deutsche Mitbürger, nun reisst euch aber ein bisschen zusammen und hört mit der Jammerei auf. Wo bleibt da euer Selbstbewusstsein?
      Sehr geehrte Frau Tomtom
      Wenn Sie sich von einer blöden Kuh an der Liftstation ausmanöverieren lassen dann sind Sie selber schuld und passieren kann Ihnen das überall auf der Welt. Das nächste Mal wehren Sie sich gefälligst und verurteilen nicht gleich die ganzen Schweizer als Rassisten nur weil Sie sich nicht durchsetzen können.
      Der Rest ihres Berichtes besteht aus Missverständnissen die sich leicht aus der Welt hätte schaffen lassen wenn Sie sich nur ein bisschen angestrengt hätten.
      Das ein städischer Segelclub nicht von der Stadt subventioniert wird scheint mir logisch und ich bin überzeugt das deutsche Städte auch keine Segelclubs subventionieren. Hätten Sie nachgefragt hätte man sie sicher aufgeklärt.
      Sicherlich hat es da auch meterlange Wartelisten für Neuaufnahmen gegeben.
      Sie könnten aber mal vergleichsweise versuchen bei „der Wappen von Bremen e.V.“ (Segelklub in Deutschland) eine Mitgliedschaft zu erlangen. Ich würde Ihnen aber abraten, sind lauter hirnamputierte Akademiker die sich von ihrem Skipper den ganzen Tag zusammenscheissen lassen ohne sich zu wehren. Da geht es zu wie im dritten Reich und ich bin mir nicht sicher ob in irgendeinem Spind noch ein Bild von Adolf hängt. (Das sollte ein Witz sein, bitte nicht falsch verstehen)
      Ihr Verweis auf ihre Steuerzahlung ist lächerlich. Jeder in der Schweiz zahlt Steuern ob es ihm passt oder nicht. Die Höhe richtet sich bekannterweise nach dem erwirtschafteten Einkommen ausser man ist ein Megareicher mit Steuerabkommen. Dürfte in Deutschland auch so sein.
      Das Sie bei ihrer staatlichen Jobsuche abgelehnt wurden ist logisch und einfach zu erklären.
      Wie Sie sicherlich wissen bestehen zwischen der Schweiz und der EU bilaterale Verträge betr.der Personenfreizügigkeit. (siehe z.B. http://www.awa.bs.ch/pers-inhalte.htm). Ich vermute sie sind dem befristeten Inländervorrang zum Opfer gefallen und nicht der Farbe ihres Passes. Der befristete Inländervorrang besagt das bei gleicher Qualifikation der Schweizer vorgezogen werden muss. Das hat sich meines Wissens aber in der Zwischenzeit erledigt.
      Hätten Sie nachgefragt wären Sie sicher informiert worden.
      Auch in der Schweiz ist Diskriminierung strafbar im Vergleich zu den USA mussten wir aber nicht erst eine Menge Indianer umbringen. Apropos ist in den USA Diskriminierung an der Tagesordnung (s. Afroamerikaner, usw).
      Abschliessend könnte man nun die Frage stellen wer nun Vorurteile hat, Sie oder die Schweizer.
      Sehr geehrte Frau Tomtom
      Ein bisschen anstrengen müssen Sie sich schon es hat niemand an der Grenze gewartet um ihnen die Hände unter die Füsse zu legen.

      Und jetzt kommen sie auch noch mit ihren Kindern und der Nazischeisse. Ich glaub ich muss gleich kotzen. Man kann Sie wirklich nicht ernst nehmen.

    27. bobsmile Says:

      @SoWhat
      Bravo, gut gebrüllt!
      Solche polemischen und – äh, „disdkriminierenden“ Zwischenrufe lockern die sachlichen Diskussion jeweils etwas auf und zeigen, dass diese Meinungsplattform wirklich allen Geschöpfen offen steht.

    28. Maximus Says:

      @Admin
      Ich distanziere mich von diesem Beitrag

      Maximus Says:

      February 20th, 2007 at 1:45 pm
      @Totom:

      >Ich bin es gewohnt, dass wenn etwas städtisch ist,
      > dass es dann für die Allgemeinheit da ist.

      Dies ist kein Beitrag von mir
      Korrekturgruss
      Maximus

    29. Heidi Says:

      @tomtom
      zum teil kann ich deinen frust verstehen, muss aber teilweise auch franz Recht geben. Blöde Kommentare sollte man entweder gedanklich gleich spülen, oder aber den Mut haben, zurückzugeben
      @franz von wegen nazi-scheiss: doch doch, sowas gibts. habs bei meinem halbbruder (mutter deutsche, vater schweizer) erlebt: der kam als 7jähriger von der schule nach hause und hat gefragt, was er mit hitler zu tun hat. ist zwar schon eine weile her, aber trotzdem. und was die salonfähigkeit von rassismus betrifft. Die kann ich aus eigener erfahrung bestätigen. ich habe als reaktion auf zeitungsartikel von mir rassistische briefe und anrufe bekommen, nicht anonym. jetzt habe ich aber genug gejammert, sonst gehe ich dir mit dem geplärre noch auf die nerven und deine nerven wollen wir gerne schonen, damit wir noch mehr von dir lesen können….

    30. Bola Says:

      @ Tomtom und @All
      Das, was du erfahren hat ist sicherlich unschoen. Jedoch, ich weiss ich bin ja hier der Anbiederer hoch was weiss ich, finde ich es weit gefehlt, dies als Rassimus zu bezeichnen. Denn Deutsch und Schweizer, sollten in Teilen noch so deutliche Unterschiede sein, sind doch wohl von gleicher Rasse oder taeusche ich mich dar. Das ist allenfalls diskriminierend und bei diesem Thema sollten wir doch besser die USA rauslassen, das ist ja wohl allgemein bekannt, was da lauft.
      Die Missverstaendnisse, die aufgrund der Sprache, bzw. Dialekt, herruehren, sind ja teils recht lustig, wenn man erkennt, der Gund liegt in der Sprache und nicht in der Haltung. Die Schweizer haben aus meiner Erfahrung viel Humor diesbezueglich, besonders die juengere Generation. Wie ueberall auf der Welt, gibt es die ewig Gestrigen, an denen sollte man sich nicht stossen.
      Zu Arbeitsplaetzen, Vereinen, etc.:
      Jedem Arbeitgeber steht es frei, wen er einstellen moechte. Der oder die das Gefuehl hat, man wuerde wegen der Herkunft diskriminiert, sollte nicht zoegern, entsprechende Schritte einzuleiten. Es muss einfach nur bewiesen werden koennen (das ist manchmal schwer), ansonsten geht der Schuss nach Hinten los.

      Schweizer hassen die Deutschen nicht, sondern kommen mit ihnen zum Grossenteil recht gut aus. Ihnen geht einfach so eine gewisse Art auf den Geist, welche sich bei einigen meiner Landsleute nicht in Abrede stellen laesst. Und es wird auch kein ganzer Volksstamm stigmatisiert.

      Ansonsten, sind die Beitraege interessant hier.

      Gruesse Bola

    31. franz Says:

      @Heidi
      Für das Danebengreifen im Ton (an anderer Stelle), Sorry kommt nicht wieder vor. Du hast scheinbar den Falschen Knopf gedrückt.

      Ich würde mal bezweifeln dass der Kontrahent deines Halbbruders gewusst hat wovon er redet.
      Auf die Gefahr hin das ich naiv bin würde ich trotzdem behaupten dass Rassismus doch hoffentlich nicht an der Tagesordnung ist.
      Bei dir mach ich mir da gar keine Sorgen, mir scheint du seiest ziemlich wehrhaft und nicht auf’s Maul gefallen.

      (Mein Vater Südtiroler, Mutter Schweizerin) Auch ich wurde manchmal mit „Lederhosentschingg“ betitelt, geschab aber mehr als selten und ich habe das auch in den wenigsten Fällen als bösartig empfunden.

    32. Kelevra Says:

      @ Christian

      Du meinst das aber nicht im Ernst, das Juden der Eintritt in ein Segelclub offiziell mit dieser Begründung verweigert wurde!?!?!?!?!?!?

    33. Kelevra Says:

      @ Tellerrand

      Naja sowas gibt es ja überall und man nennt es soviel ich weiß „Lokalpatriotismus“ und nicht Diskriminierung.
      Düsseldorfer und Mönchengladbacher können Kölner z.B. nicht ausstehen, aber das gehört an den linken Niederrhein und nicht her 😉
      Ich selbst wurde nicht in Deutschland geboren und lebe dort seit meinem 9 Lebensjahr. Inzwischen habe ich seit 12 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft.
      Aus meiner Erfahrung kann ich nicht bestätigen, dass Ausländer in Deutschland diskriminiert werden. Um ehrlich zu sein kam ich mir dort nie wie ein Fremder vor. Jetzt schon garnicht mehr.

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