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Die fünf Fettnäpfe, in die Sie als Deutscher in der Schweiz nicht hineintappen sollten

  • Fettnapf oder „faux pas“?
  • Falls Sie als Deutscher neu in die Schweiz kommen, gibt es eine paar Fettnäpfchen, vor denen Sie sich in acht nehmen sollten, damit Sie da nicht gleich hinein tappen. Sagte ich „Fettnäpfchen“? Schon falsch: In der Schweiz würde man eher von einem „faux pas“ sprechen, denn Sie begehen können. Einen „falsus passus“ oder falschen Schritt, wie der lateinversierte Frankreichkenner sagen würde. Die Deutschschweizer lieben ihre Landsleute von der anderen Seite des Röschtigrabens so sehr, dass sie bei jeder Gelegenheit deren Sprache üben und pflegen. Sie werden sich noch umschauen, wieviel Französisch Sie hier in kürzester Zeit automatisch lernen können. Beim „Merci vielmals“ geht es los, bei „excusez“ geht es weiter und bei der Frage nach der Plastiktüte, die in der Schweiz grundsätzlich als „sac“ im Idiom der Westschweiz bezeichnet wird, hört es noch lange nicht auf. Le „sac-à-dos“ ist darum auch kein Fluch, wie „Heilands-sak-rament“ in Oberschwaben, sondern einfach nur ein Rucksack in der Westschweiz. Et ceci n’est pas un Witz. Auch die Ostschweiz färbt sprachlich ab in der Westschweiz.

  • Fettnapf Nummer 1: Am Telefon nicht in die Luft gehen
  • Falls Sie mit einem Schweizer telefonieren, excusez, wir meinten natürlich: „Falls Ihnen ein Schweizer ein Telefon gibt“, dann sollten Sie dieses nicht „fortrühren“, unter langsamen Kreisbewegungen in den Abguss, sondern beantworten. So wie sie auch den „Beantworter“ benutzen, falls Ihr Schweizer „Kollege“, also Freund und nicht Arbeitskollege, nicht daheim ist und Sie ihm auf selbigen sprechen müssen. Ist er jedoch daheim und geht kurz weg vom Telefon, dann wird er Sie bei seiner Rückkehr fragen: „Bist Du noch da?“, und dann wäre es ganz falsch zu antworten: „Nein, ich bin geplatzt“, oder „das weiss ich gar nicht, Moment, ich schaue kurz nach. Kannst Du schnell warten?“. Da wären wir schon mitten drin im Dilemma: Sie warten so schnell Sie können, und es ist immer einfach nicht schnell genug für die Schweiz.

  • Fettnapf Nummer 2: Alle Inlaut-Is in Zür-i-ch vermeiden
  • Sprechen Sie niemals vom Züricher See oder Züricher Geschnetzelten. Das ist verboten und wird mit vielsagendem Schweigen bestraft. Nur Gottfried Kellers Verleger durfte seine Novellensammlung die „Züricher Novellen“ nennen. Heute würde der bekannteste aller Schweizer Dichter glatt des Landes verwiesen für diesen Fehler. „Glatt“ verwiesen passt „in dem Fall“ extrem gut, denn dort an „der Glatt“ wuchs er einst auf, der Gottfried Keller, bei seinem Onkel in „Glattfelden“. Eine glatte Sache, nicht wahr?

  • Fettnapf Nummer 3: Sie meinen, Emils Schwiizertüütsch gut zu verstehen
  • Erwähnen Sie niemals in Anwesenheit von Schweizern, dass Sie deren Schwiizertütsch recht gut verstehen während die Schweizer die ganze Zeit nur auf ihrem bestens hochpolierten Hochdeutsch mit Ihnen gesprochen haben. Passiert jedem Deutschen, der neu in die Schweiz kommt, am Anfang.

  • Fettnapf Nummer 4: Eine Tür zufallen lassen, wenn in 15 Meter Entfernung noch ein Schweizer naht
  • Ganz schlechtes Verhalten. Gehen Sie durch eine Tür, dann schauen Sie sich bitte drei mal um ob auch wirklich niemand naht, der auch durch diese Tür möchte, bevor Sie diese Tür hinter sich zufallen lassen. Besonders schwierig ist das bei einer Drehtür. Halten Sie die doch einfach offen für den nächsten Schweizer, der Ihnen auf dem Fusse folgt!

  • Fettnapf Nummer 5: „Was für ein hübscher Dialekt hier in der Schweiz!“
  • Vergessen Sie alles, was man ihnen je über Mundarten und Dialekte erzählt hat. Es stimmt nicht, bezogen auf die Sprache der Schweizer. Die Schweizer sprechen eine Sprache, mehr noch, eine eigene Sprache, mehr noch, eine „richtige“ eigene Sprache. Sie haben nur noch keine eigene Bezeichnung dafür. Die Bezeichnung „Schweizerdeutsch“ erinnert ja schon wieder ganz fatal an diese andere Sprache, die die Schweizer eben nicht sprechen, sondern nur schreiben, denn sie reden ja „ihre“ Sprache, die eine Sprache und auf gar keinen Fall, unter keinen Umständen, auch nicht in der grössten Not als „Dialekt“ bezeichnet werden darf. Haben Sie das verstanden? Begreifen Sie es auch?

    Ja, schon, aber jetzt sind sie „sprachlos“. Woran erkennt man, dass eine Sprache richtig und eigen ist? Ganz einfach: An den für sie vorhandenen Lehrwerken und Grammatiken. Davon gibt es einige für das Schwiizertüütsche. Folglich ist es eine richtige Sprache. Ein Wörterbuch für die Sprache der Schweizer gibt es auch, es gehört hier zur wichtigsten Grundausstattung jedes Deutschen in der Schweiz. Nehmen Sie also am besten gleich einen Kredit auf, kaufen sie sich eine Schubkarre oder einen Leiterwagen, gehen Sie in die nächste Buchhandlung und erstehen Sie das Schweizer „Idiotikon“. Sie brauchen sich nicht wie ein Idiot fühlen, wenn sie danach fragen. Idiotisch ist das Ding ganz bestimmt nicht, sondern eher schwer. Ziemlich schwer, weil bedeutungsgeladen und verantwortungsschwer:

    Ein Idiotikon (griech. Idio, Eigenes; Ausdruck, Begriff, Mundart) ist ein Wörterbuch, das mundartliche, dialektale, soziolektale oder fachsprachliche Ausdrücke erläutert. (auch Regionalismenwörterbuch)
    (Quelle: Wiki)

    Die Schweizer versuchen seit 1862, dieses Wörterbuch zu erstellen. Denn was man aufschreibt, vergisst man nicht:

    Am Ursprung des Idiotikons stand die Angst vor dem Sprachverlust. Friedrich Staub, der erste Chefredaktor des Idiotikons, befürchtete 1862, die schweizerdeutsche Mundart würde vom Hochdeutschen verdrängt. Die Korrespondenten begannen damals, „unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes“, Mundartausdrücke aus Stadt, Land und Bergtälern zusammenzutragen. Systematisch wurden auch die Mundartliteratur bereits vorhandener Dialektwörterbücher, Chroniken, Rechtsprotokolle, Arznei- und Rezeptbücher und religiöse Schriften im Idiotikon erfasst.
    (Quelle: swissinfo.org)

    Ich vergass zu erwähnen, dass Sie zuvor noch eine Zeitmaschine kaufen sollten um in die Zukunft zu reisen. Denn momentan ist das Idiotikon leider noch nicht lieferbar. Der aktuelle Stand sind 15 Bände. Bei gleichbleibender echt schweizerisch-gründlichen Herausgabegeschwindigkeit von 9.6 Jahren pro Band müssten Sie im Jahr 2026 die Gesamtausgabe erwerben können. Sie können also ruhig schon mal anfangen mit sparen.

    Mit 15 Bänden und über 130’000 Stichwörtern ist das Schweizerdeutsche Wörterbuch schon vor seinem Abschluss das umfangreichste Regionalwörterbuch im deutschen Sprachraum. Es dokumentiert die deutsche Sprache in der Schweiz vom Spätmittelalter bis ins 21. Jahrhundert, die älteren Sprachstufen genauso wie die lebendige Mundart. Da der Grundstock des Mundartmaterials in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dank der Mitarbeit von gegen 400 Korrespondenten zusammengekommen ist, kann das Werk sonst kaum beschriebene und heute weitgehend verschwundene Bereiche der sprachlichen, geistigen und materiellen Kultur dieser Zeit besonders gut dokumentieren.
    (Quelle: sagw.ch)

    Vielleicht erleben Sie ja tatsächlich noch die Fertigstellung dieses Werkes ? Gut Ding will Weile haben.

    P.S.: Wir haben zwar schon die fünf Fettnäpfchen erläutert, ein sechstes wollen wir daber dennoch hinzufügen: Erwähnen Sie unter gar keinen Umständen, dass irgendetwas in Deutschland auch nicht schlecht ist. Das kommt gar nicht gut an. Sie sind hier im Land der besten Waschmaschinen, der besten Schokolade, der besten Demokratie, der besten Taschenmesser, der besten Käsesorten, der besten Biochemie, der besten Fussballer… na, Sie wissen jetzt sicherlich schon selbst weiter, einfach immer „der besten …“ davor setzen.

    

    32 Responses to “Die fünf Fettnäpfe, in die Sie als Deutscher in der Schweiz nicht hineintappen sollten”

    1. Lüku Says:

      Ich weiss auch nicht, wieso wir in der Schule noch Französisch lernen müssen. Das können wir ja schon.
      Um noch ein paar Beispiele anzufügen (zumindest in Bern gebräuchliche):
      Vorwiegend junge Schweizer sprechen oft von ‚Per‘ und ‚Mer‘, wenn’s um die Ernährer geht (von ‚père‘ und ‚mère‘). Ein Feuerzeug wurde früher auch ‚Pöteterli‘ genannt (von ‚peut-être‘ = vielleicht, weil das Gerät eben nur peut-être funktionierte. Die Grussformel ‚Sälüüü‘ ist sehr in, kommt natürlich von ’salut‘. ‚Pardon‘ ist auch hier eine Alternative zu ‚exgüse‘. Und will man eine unbekannte Person auf sich aufmerksam machen ohne ihr ‚exgüse‘ nachzurufen, ist ‚Monsieur‘ bzw. ‚Madame‘ eine akzeptable Möglichkeit (‚Frau’/’Herr‘ ohne Namen klingt doch ziemlich merkwürdig und ‚meine Dame’/’mein Herr‘ wirkt auch etwas fehl am Platz.).
      Die Liste könnte man wohl beliebig verlängern.

    2. transalpin Says:

      Im süddeutschen Sprachraum beschränkt sich der Tütenbegriff auf konische Behälter, wie etwa die Schultüte. Kommt ja von «tuten». Stimmt es, dass in Norddeutschland die Eistüte «Hörnchen» heisst? Angeblich bezeichnen die Romands ihre Einkaufstasche lieber als «cornet» statt als «sachet».

    3. Daniel Says:

      zu Fettnapf Nr. 4

      Bei dir tönt das so, als würde man immer eine halbe stunde an jeder Türe beim aufhalten vertrödeln. Dies ist aber nicht so!
      Wenn du beim nächsten Mal durch eine Tür gehts und zurückschaust ob da noch jemand kommt, dann schätze die Zeit die der nachfolgende braucht um bis zur Türe zu kommen. Es ist ja nur unhöflich die Türe nicht aufzuhalten, wenn diesem die Türe vor der Nase zugeht. Reicht die Zeit aber aus, dass die Türe von alleine wieder ins Schloss fallen kann, dann brauchst du nicht aufzuhalten.

      So einfach ist (aus meiner Sicht) die „Knigge“-Regel für Türaufhalter…

      Gruss
      Daniel

    4. Björn Says:

      In Basel wird eine Einkaufstüte aus „Gugge“ bezeichnet. Nicht zu verwechseln mit der Guggemusig. Auch nicht zu verwechseln mit einer „Guuge“, welche hingegen entweder ein Musikinstrument oder etwas selbstgedrehtes mit nicht nur Tabak drin sein kann.

    5. monoblog Says:

      wir haben in der schweiz auch die besten deutschen „über-die-schweiz-blogger“

    6. Dominik Says:

      Jo, ein Sack (das Ding das man beim Einkaufen kriegt) ist in der Romandie ein cornet, „le sac“ ist eher der Rucksack oder eine stabile Tasche (also etwas, das man dauerhaft z.B. für den Transport von Unterlagen benutzt). Eine Papiertasche (Migros/Coop etc) ist übrigens „un cabas“.

    7. sylvie Says:

      Zu Fettnapf 5

      hmm,also mit dem Oberbegriff SCHWEIZERDEUTSCH habe ich so meine Mühe,denn was gemeinhin als Schweizerdeutsch bezeichnet wird, oder gar an der Migros Klubschule gelehrt wird, ist mehrheitlich Ostschweizer Dialekt:(
      Als Bärner Modi gefällt mir das natürlich nicht 😉 mach mal die Probe aufs Exempel und kauf Kinderkassetten oder Filme die mit ‚Schweizerdeutsch‘ angeschrieben sind.
      Dank zuviel Kasperlikassettenkonsum,konnten meine Töchter ein zeitlang fast akzentfrei Züridüütsch……

    8. Dorin Says:

      „(Quelle: Wiki)“… gibt’s denn nur ein Wiki, quasi _das_ Wiki? Gemeint ist wohl die Wikipedia.

    9. Beta Says:

      Es gibt einen guten Grund, warum die Schweiz keine Sprache, sondern nur Dialekte hat: Eine Sprache ist definiert als ein Dialekt plus Armee und Flotte. Die Schweiz hat zwar eine Armee, aber keine Flotte, ergo kann sie auch keine eigene Sprache haben. Die Bundesverfassung zählt allerdings das Deutsche als eine der Landessprachen auf. In diesem Sinne hat die Schweiz dann doch eine Sprache, allerdings eine, die niemand freiwillig spricht.

    10. Simon Says:

      Na sylvie, dafür habt ihr Berner den Mundartrock, der eigentlich fast gleichbedeutend mit Bernerrock ist. Und der „schweizerdeutsche“ Asterix kommt auch aus Kleinbernum … oder so 😉

      Übrigens war meine schweizerdeutsche Lieblingskassette zu Kinderzeiten der „Schellenursli“ – natürlich stilecht im Bündner Dialekt gesprochen. Das sollte man dann aber nicht als „ostschweizer Dialekt“ bezeichnen, will man keine Haue kriegen. Dito bei Zürichdeutsch, übrigens…

    11. Peter Gloor Says:

      Lüku
      Monsieur! wäre ja noch höflich, doch bei uns haben z.B. die Kassiererinnen in den Supermärkten die schlechte Angewohnheit, dir „Hallo!“ nachzurufen, wenn du etwas vergessen hast. Ich finde dies absolut unhöflich, aber Migros und Coop anscheinend nicht.
      „Hallo, Sie!“ ist auch nicht schöner.
      Da sind mir die Amerikaner lieber (aber nur da), wenn sie „Sir“ oder „Madam“ rufen.

    12. Fiona Says:

      @ Lüku. Hier noch einige Beispiele: Retourbillet, Retourgeld, Retourspiel, pressiert, Visagiste, plafonieren, Poschettli, Kravatte, Couvert, Coiffeur.

      Ich kanns mir kaum vorstellen, dass ein Romand während einer Conversation hin und wieder ein deutsches Wort (geschweige denn ein schwyzerdeutsches) benutzen würde – als Beweis dafür, dass er der (schweizer)deutschen Sprache mächtig sei 🙂

      Fiona

    13. meckermann Says:

      Als Deutscher, der seit mehr als 40 Jahren in der Schweiz lebt, könnte ich Deiner Liste viele Punkte hinzufügen…

    14. Branitar Says:

      Eine Sprache, sie zu knechten, sie alle zu finden,
      Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden….

      😉

    15. sylvie Says:

      Simon du hast absolut recht:)

      ‚Bärner Rock‘ und ‚Louenesee‘ von Span sind natürlich DIE Hymnen:) die jedes Kind kennen sollte, plus alles von Polo National,Züri West, Patent Ochsner etc etc

      Ich hätte mich etwas besser ausdrücken sollen betreffend Dialekt,natürlich meinte ich die Züüritüütsch eingefärbte Mogelpackung namens Schweizer Deutsch, was für mich als Bärner Modi eben ein Affront ist!

    16. Johanna Says:

      ich hoffe, dass kein Deutscher diesen Fettnapf-Blogeintrag liest, bevor er in die Schweiz kommt …

      …. über wen sollten wir (Eingeweihte) uns denn künftig amüsieren oder ärgern, wenn sich niemand mehr (ohne gleich vorne weg perfekt zu sein) an unserer Sprache und unseren anderen Besonder(lichk)heiten versuchen muss, dabei mehr oder weniger erfolgreich ist oder gar komplett scheitert, das Ganze mal mühsam, arrogant, schikanös findet und dann wieder ob einem kleineren oder grösseren Erfolgserlebnis fast platzt vor Freude und Stolz und vielleicht sogar beschliesst, seine Erlebnisse in einem Blog zu veröffentlichen

      und

      … an wem sollten wir uns den künftig messen, um uns unserer Einzigartigkeit und den paradiesischen Zuständen in unserem Land bewusst zu bleiben ?!

      😉 😉 😉 😉

    17. Juana Says:

      Bitte füge noch weitere Punkte hinzu Meckermann.
      Bin gespannt !

    18. Jürg Says:

      @Betta
      leider bist du nicht richtig informiert die Schweizerarmee hat wohl eine Hochseeflotte
      siehehier http://www.swiss-ships.ch/

    19. Phipu Says:

      „Erwähnen Sie unter gar keinen Umständen, dass irgendetwas in Deutschland auch nicht schlecht ist. Das kommt gar nicht gut an.“

      Kein Wunder kommt das nicht gut an. Komplimente werden in der Schweiz nämlich kaum gemacht. Andere Emotionen fallen übrigens auch weniger heftig aus als z.B. in Deutschland. In einem Brief an eine Firma, in der man ihre Leistung lobt, ist: CH: „das war wirklich nicht schlecht!“ gleichbedeutend mit D: „das war verdammt gut!“ oder D: „… eine klasse Leistung!“. Folglich wird „auch nicht schlecht in Deutschland“ bereits als „echt toll“ eingestuft. Und das klingt nach Eigenlob – oder wenigstens Lob des eigenen Landes – und Eigenlob stinkt! (Lernen die Kinder von ihren Eltern. Als Erwachsene muss man dann plötzlich in Bewerbungsgesprächen Werbung für sich selbst machen können).

      Weil Eigenlob nicht anerkannt ist, wird zwar selten vom „besten …“ gesprochen, aber daran glauben tun wir dennoch. Deshalb könnten Schweizer gekränkt sein, wenn ein Ahnungsloser den Wert der besten Ware nicht respektiert, obwohl der „Fettnäpflitrampi“ dieses Attribut ja gar nie hören oder lesen konnte … (Denkpause empfohlen)

    20. Lüku Says:

      @ Peter Gloor:
      Da fällt mir noch was schöneres ein: In Bern hört man als Anrede auch oft nur das Wort ‚dir‘ (= ‚Sie‘). „Dir, chöit dir mir säge…“

    21. Branitar Says:

      @Jürg
      Beta meinte wohl eher die militärische Flotte… 😉

    22. Ursocello Says:

      Ist das jetzt nicht langsam einfach nur noch Recycling?
      Oder was steht in dem EIntrag, was nicht schon früher mehrfach von dir geschrieben wurde?

    23. Harry R. Says:

      @Phipu
      Sie haben das mal wieder sehr gut beobachtet, dass man in der Schweiz mit Emotionen eher hinterm Berg hält. Da ich beruflich ständig zwischen Deutschland und der Schweiz hin und her pendel, kenne ich die Besonderheiten der Schweizer immmer besser, natürlich auch durch die Blogwiese.
      Auf die Empfehlung von Jens, in diesem Blog habe ich schon dreimal die Gelegenheit gehabt, ins Schauspielhaus in Zürich zu gehen, ich kann die Erfahrungen die Jens dort in punkto Applaus gemacht hat nur bestätigen.
      Es wird nach einer spannenden, unterhaltenden, ergreifenden Aufführung einfach brav geklatscht um sich dann sehr schnell wieder erheben zu können. Dass die Schauspieler in der Vorführung ihr Bestes gegeben haben, das wird gar nicht honoriert.
      Aber auch im ganz normalen Leben werden in der Schweiz viel weniger Komplimente gemacht. Zurückhaltung ist alles, nur nicht auffallen. Doch ich habe auch noch nie so oft den Satz gehört, dass die Faust im Sack geballt ist. Gut verborgen, im Hosensack gibt es sie doch die Emotionen.
      Man kann doch ruhig mal sehen, dass man sich freut, dass es einem gut gefallen hat, warum soll man das nicht auch zeigen und sagen können?

    24. Dr. Schmidt Says:

      Je mehr ich diese Artikel und dazugehörigen Kommentare lese, desto mehr wird klar, das die Schweiz ein Volk von Eigenbrötlern ist. Hallo, schon im 21. Jahrhundert angekommen?

    25. Marco Says:

      Bitte noch mehr Punkte. Habe es wirklich gut gefunden. Stimme Dr. Schmidt zu.

    26. Urs von T. Says:

      @ Dr.Schmidt@Marco
      ihr resumee ist falsch.
      die schweizer sind halt die schweizer.
      derartige eigenarten sind auch von den Österreichern zu vermelden.
      oder glauben sie,dass nach nur 40 jahren sozialismus sich in ostdeutschland keine eigentümlichkeiten entwickelt haben?
      die westdeutschen haben leider viele eigenschaften durch den krieg und die zwänge des damit verbundenen neuanfangs aufgeben müssen.wir sind dagegen zu sehr veramerikanisiert-das ist zu bedauern.

    27. Kisii Says:

      @ Urs von T.
      „wir sind dagegen zu sehr veramerikanisiert“: da haben’s die Deutschen echt besser: die Amerikaner haben 1989 nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags ihre Besetzung zusammen mit den anderen drei Mächten dort aufgegeben – es bleiben also nur noch Irak und Schweiz besetzt!

    28. Ingo Says:

      Ergänzung zu Fettnapf Nr.2:
      Alle Binnen-Es in Bas-e-l vermeiden!
      Genauso schlimm. Wohnte mal ein paar Wochen mit einem Basler in Frankfurt in der Nähe des BasEler Platzes. Steter Quell des Ärgers am Morgen 😉

    29. KEGK Says:

      Aber die entsprechenden Gegenreaktionen u. Wirrungen mit Schweizern „zu Besuch bei den Teutonen“. hat auch so seinen Reiz:
      Frage meiner schweizer Reisegefährtin an einen Ureinwohner der Ostseeküste, „Welche Sprachen sprecht Ihr den hier alle?“
      Antwort: „3, Plattdütsch, Hochdütsch, un über de anner Lüt!“, und obwohl die Norddeutschen für Schweizer angeblich nicht zu verstehen seien, hatte Frau Schweizer überhaupt keine Verstehensschwirigkeiten „…ganz genauso wie bei uns in der Schweiz“ sinnierte sie…..
      Es lässt hoffen.
      Langsam werden wir offen.
      Nur Mut.

    30. Markus Says:

      zu Fettnapf Nr.3:

      Alle Schweizer die ich als Deutscher getroffen habe (und das waren schon so einige!) und bei denen ich gemerkt habe, das sie sich mit Hochdeutsch schwer tuen, habe ich gesagt redet ruhig Schwyzerdütsch mit mir. Die haben mich alle sofort sympathischer gefunden und sich gefreut. Ich kann da überhaupt nicht zustimmen. Auch bei meinen Arbeitskollegen kommt es besser an wenn sie mit mir Schwyzerdütsch reden als mit Hochdeutsch (dessen alle sehr gut mächtig sind)

    31. Markus Says:

      Dr. Schmidt scheint auch ein typischs Beispiel dafür zu sein, wie viele Schweizer Akademiker den „den Deutschen“ sehen: Sobald er irgendeinen Titel sein eigen nennen kann, lässt er keine Gelegenheit ungenutzt, sich mit diesem zu schmücken (böse Zungen behaupten: sich wichtig zu machen), was ihn natürlich (hier) besonders sympahtisch macht.
      In Deutschland scheinen Titel/Ränge/Hierarchiestufen etwas gössere Bedeutung zu haben als in der Schweiz.
      Gemäss deutschen Kommilitonen soll es in Deutschland noch Dozenten geben, die sich mit „Herr/Frau Professor“ ansprechen lassen, was hier gänzlich undenkbar wäre. Hier werden – vielleicht mit Ausnahme des Militärs – auf Tilel in der Ansprache verzichtet.
      Mir ist aufgefallen, dass auch die deutschen Medien anders damit umgehen. Bei einem Interview zum Thema Klimaerwärmung zum Beispiel wird im deutschen Fernsehen eingeblendet: „Prof. Dr. Muster, Leiter Klimaforschung UNI X“. Das schweizer-Äquivalentz dazu wäre ungefähr: „Peter Muster, Klimaforscher“.
      Das Phänomen lässt sich auch in Gesundheitssendungen beobachten, wo (z.T. „hochrangige“) Ärzte interviewt werden.

    32. Allmechtna Says:

      ‚SCHWEIZERDEUTSCH‘.

      Wie hasse ich dieses Wort.
      Sylvie hat so recht.

      Zunächst einmal gibt es einen winzigen Unterschied zwischen Schwiizertütsch und Schwyzerdütsch. Letzteres mit Y gehört NUR in den Kanton SchwYz. 🙂 MIR kommt es aber so vor, als würden 9 von 10 Deutsche diesen Begriff 100% synonym verwenden; das wäre natürlich nicht im Sinne des Erfinders.

      Ich ignoriere geflissentlich das (angebliche) Fettnäpfchen No. 5 und sage weiterhin:

      „Schweizer Mundart“.

      Ausserdem klingt das -art wie frz. l’art, die Kunst :))) Ich liebe dieses deutsche Wort „Mundart“. Das Fremdwort Diale*kt* tönt schon durch das harte *kt* eher unangenehm. So mechanisch, wie das Prospekt (gemeint ist das Fachwort aus der Baukunst), Viadukt, Katarakt.

      *ABER*
      Das ist 100x besser als „Schweizerdeutsch“ zu sagen, denn: welches „Schweizerdeutsch“ denn? Baseldüütsch? Luzernerisch? Bündnerisch? Nidwalden? Appenzellerisch? Bärndytsch? Züridütsch?

      Verwendet der Deutsche „Schweizerdeutsch“, dann passiert nämlich das Unvermeidbare: er hält alles in der Deutschschweiz gesprochene für „Schweizerdeutsch“ und denkt irrigerweise, alle sprächen mit derselben Färbung und Wortschatz. AU SECOURS!

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