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Wer schaut zum Kind — Kind und Karriere vertragen sich schlecht in der Schweiz

  • Wer schaut zum Kind
  • Die Weltwoche Nr. 17.06 bringt einen hochinteressanten Artikel von Markus Schneider zu der Frage, warum in der Schweiz das Wirtschaftswachstum so schwach ist: Weil zu wenige Frauen aktiv sind:

    Zwar arbeiten 81,3 Prozent der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren, fast so viele wie in Schweden oder Dänemark. Aber es gibt eine grosse Einschränkung: Die meisten Schweizer Frauen arbeiten nur Teilzeit. Haben sie Kinder, hat nur noch eine von vier einen vollen Job.
    (Quelle: Weltwoche 17.06, S.9)

    Der Artikel ist mit einem Foto bebildert, dass die Professorin Monika Bütler bei einer Vorlesung zum Thema „Home Economics“ zeigt. Deutlich zu sehen ist die Überschrift des aktuellen Präsentation. „Wer schaut zum Kind“.

  • Zum oder nach dem Kind schauen?
  • Nun, wir sind es gewohnt, Fernsehen zu schauen, oder mal nach dem Essen zu schauen. ob es nicht anbrennt oder überkocht. Auch zum Kind schauen wir kurz, wenn es nach uns ruft und wir die Augen von der Zeitungslektüre lösen müssen, um unseren Blick in seine Richtung zu lenken. Gemeint ist mit „Wer schaut zum Kind“ natürlich die Frage, wer sich um das Kind in einer Familie kümmert, wer die Erziehung und Betreuung übernimmt. Die Schweizer Variante „zum Kind schauen“ im Sinne von „das Kind betreuen“ war uns neu. Wir kannten bisher nur „Wer schaut nach dem Kind“.

  • Die Betreuungskosten sind vom Einkommen abhängig
  • Die Mutter von zwei Kindern erklärte, warum Frauen immer öfter kein Kind haben wollen oder im Maximum eines, dann aber meistens nur halb arbeiten. «Weil sich Arbeiten nicht lohnt — und ein zweites Kind noch weniger.» Schuld daran sind die Tarife der Kinderkrippen und Kinderhorte. Diese Tarife sind vom Einkommen der Eltern abhängig. — mit grotesken Auswirkungen auf die Frauen: «Für nicht-arbeitende Mütter sind sie am günstigsten», rechnet die Ökonomin Bütler akribisch nach. Steigere die Frau ihr Arbeitspensum, steige das Einkommen — und parallel dazu der Tarif für die Kinderbetreuung. Arbeiten Mann und Frau voll, wächst das Einkommen so stark, das meist der Maximaltarif gilt: Pro Kind und Tag macht das gut und gerne 100 Franken.
    (Quelle: Weltwoche 17.06 S.9)

    Bei durchschnittlich 20 Arbeitstagen im Monat macht das für ein Kind locker 2000 Franken Betreuungskosten aus, die erstmal verdient und versteuert sein wollen.

    Kein Wunder also, dass in der Schweiz die Unterstützung durch freundlichen Kinderfrauen aus der Nachbarschaft, privaten Kindergruppen und vor allem durch „das Grosi“ besonders gross und oft die einzige Möglichkeit ist. Wenn der normale Kindergarten für Kinder erst ab 5 Jahre geöffnet ist und dann auch nur für wenige Stunden am Tag, mal früh und mal spät, ist das keine Kinderbetreuung, die Vollzeit-Berufstätigkeit einer Mutter zulassen würde.

    Frau Bütler schreibt in ihrer Einleitung:

    Eine Familie mit 2 kleinen Kindern bezahlt für zwei Krippenplätze in den meisten schweizerischen Städten rund 50’000 Franken für eine vollzeitliche Betreuung, oder 10’000 Franken für einen Krippentag pro Woche. Für die Zweitverdienerin einer nicht subventionsberechtigten Familie lohnt sich daher die Erwerbstätigkeit erst, wenn der Nettolohn einer Vollzeitanstellung nach Steuern und anderen Berufsauslagen mindestens 50’000 Sfr. beträgt. Konkret heisst dies, dass es sich in der Regel zum Beispiel für gut ausgebildete Informatikerinnen und Lehrerinnen finanziell nicht auszahlt, zu arbeiten. Die Betreuung durch eine Tagesmutter reduziert zwar den Betrag um circa einen Viertel, viel attraktiver ist deswegen die Erwerbstätigkeit nicht, selbst wenn diese eigentlich gewollt ist.
    (Quelle: vwa.unisg.ch)

    Als Lösung aus diesem Dilemma schlagen Credit-Suisse-Ökonominnen eine neue Familienpolitik vor:

    Der Staat dürfe nicht länger die Plätze für jene Frauen verbilligen, die am wenigsten Geld verdienen. Sondern umgekehrt: Er müsse jene Paare belohnen, die möglichst viel arbeiten wollen. Diese Paare sollen neu Betreuungsgutschriften erhalten, damit der Tarif in der Krippe auf etwa fünfzig Franken pro Tag sinke.
    (Quelle: Weltwoche Nr. 17.06)

  • Wohnen Sie auch wirklich in der Schweiz?
  • Die ganze Studie gibt es hier: emagazine.credit-suisse.com
    Falls Sie diese Studie runterladen wollen, dann schauen Sie bitte zunächst in Ihren Pass, ob Sie auch wirklich Schweizer sind bzw. mindestens in der Schweiz wohnen. Sonst geht das Runterladen eines Dokuments der Credit-Suisse nämlich leider rein rechtlich nicht. Sorry, aber die Schweiz ist nicht in der EU, und es gibt auch kein Auslieferungsabkommen, und überhaupt, wo kämen wir da hin, wenn jetzt schon Informationen einfach so über die Grenze nach Europa fliessen würden… ach, Sie haben da doch bestimmt Verständnis für, oder? Falls Sie auf den Link klicken sollten, können Sie dies hier lesen:

    Wichtiger Rechtlicher Hinweis
    Insbesondere aus rechtlichen und regulatorischen Gründen sind gewisse Webinhalte der Credit Suisse nicht für alle Besucher zugänglich.
    Durch Klicken auf „Ja“ bestätigen Sie, Ihren Wohnsitz in der Schweiz zu haben. Sollten Sie Ihren Wohnsitz nicht in der Schweiz haben, so klicken Sie bitte auf „Nein“. Sie haben in diesem Fall keinen Zugang zu den nachfolgenden Inhalten.
    (Quelle: )

    Also wissen Sie jetzt, ob sie „Ja“ oder „Nein“ anklicken müssen? Dann vielleicht doch erst nochmal in den Pass schauen. Die Site wartet schnell so lange auf Sie, kein Problem, Sie wissen ja schon: Im „schnellen Warten“ sind die Schweizer Weltmeister, nur nicht in der Kinderbetreuung.

    Falls Sie nun Flora Bartolini heissen und die Schwiegermutter von Berlusconi sind, dann dürfen Sie selbstverständlich klicken und weiterlesen. Sie haben ja erst neulich Ihre Schriften nach S-chanf ins Engadin verlegt, dort also folglich auch ihren Wohnsitz. Das ist gut so. Sehen Sie, es muss alles seine rechtliche Ordnung haben hier.

    Die Credit-Suisse sagt sich bestimmt: Wo kämen wir da hin als Bank, wenn wir es bei unseren Kunden erlauben würden, Schriftstücke und sonstiges „Gedrucktes“ illegal über die Grenze zu transportieren. Da machen wir beim Transportweg „Internet“ keine Ausnahme.

    

    22 Responses to “Wer schaut zum Kind — Kind und Karriere vertragen sich schlecht in der Schweiz”

    1. Martin Says:

      Mit Kindern sollte es wie mit den Haustieren sein. Man braucht genug Platz, Zeit und Geld um sie „artgerecht“ zu halten.

    2. Fiona Says:

      Markus Schneider soll es wissen – in der Schweiz gehen mehr Frauen einer Arbeit nach als irgendwo sonst in Europa (ausser Skandinavien).

      Und zweitens, eine Wachstumsrate in der Schweiz von ca. 2 Prozent is hervorragend. Die Schweiz ist ein hoch entwickeltes Land und deshalb ist jedes zusätzliches Wachstumsinkrement nur schwer zu erringen.
      Die Schweiz ist eher eine „steady-state-Wirtschaft“ – it devlops and increases its BIP by using and allocating resources in new ways.

      Tagesmütter sind in der Deutschschweiz sehr gefragt; das Grosi selbstverständlich auch. Kinderbetreuung muss immer m.M.n. auf Gemeindeebene organisiert werden – nur so ist ein Maximum an Flexibilität zu gewährleisten – und einen entsprechenden Auftrag dem SRK resp./bzw.
      dem Spitex erteilen.

      Uebrigens, wer ist heute „Mutter der Nation“ (seit Ruth Dreifuss nicht mehr da ist); wer macht die Lobbyarbeit und setzt sich für Frauen mit kleinen Kindern in der Schweiz ein?

      P.S. @ Jens. Auch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in Deutschland will wissen wo der online Besucher seinen Wohnsitz hat.

      Fionn

    3. Christian Says:

      „nach S-chanf ins Tessin“?

      S-chanf liegt im Engadin und das Engadin liegt immer noch in Graubünden. 1x in Erdkunde nachsitzen!

    4. Katrin Says:

      „Sie haben ja erst neulich Ihre Schriften nach S-chanf ins Tessin verlegt, dort also folglich auch ihren Wohnsitz“ – S-chanf liegt immer noch im Engadin, das zu Graubuenden gehoert. Genauer im Unterengadin, das Tessin ist weit entfernt…

    5. Mannoman Says:

      Sicher richtig. Allerdings muss man dazu sagen, dass in Deutschland trotz vielen billigen Kitas die Geburtenrate und das Wachstum noch deutlich niedriger sind.

    6. Branitar Says:

      Und ich dachte, dass Kinder zu haben in Deutschland schon ein Problem wäre….

    7. Administrator Says:

      @Christian und Katrin
      Danke für den Hinweis. Ich hatte so fest Berlusconi und Italien im Kopf, dass ich den Ort etwas näher an die Grenze zu Italien verlegte… sorry, ist schon korrigiert!

    8. Phipu Says:

      Noch ein Tüpflischiisser-Kommentar:
      S-chanf ist sehr nahe an der italienischen Grenze (nur ca. 10 km Luftlinie). Aber „die cheibe Bärge“ stehen halt im Weg, um „geradeaus hinüberzulaufen“.

      Die Einwohnerin von S-chanf, Frau Bartolini, braucht u.a. wegen dieser Berge mit öffentlichem Verkehr dennoch im schnellsten Fall 7 Std. 14 Min. zu ihrer Zweitresidenz in Bologna (wenn sie dort „zum“ Schwiegersohn Silvio schauen will). Für andere Schweizer Einwohner ist das Ferienziel S-Chanf 3 Std. 28 Min.entfernt. Beispiel ab Bülach.

      Lageplan hier.

    9. kwyjibo Says:

      Ich denke, es wird mehrheitlich „gesellschaftlich verlangt“, dass die Mutter zum Kind schaut. So à là: „Was, die Mutter arbeitet, statt zu Hause zu sein! Was für eine Rabenmutter.“

      Anders in Spanien. Da sagen die Leute: „Was, dein Kind ist älter als 6 Monate und noch nicht in einer Krippe? Das Kind wird ja asozial!“

    10. Mikki Studer Says:

      Nun, die Credit-Suisse lässt liebend gerne alle Erdenbürger ihre interessanten Berichte herunterladen (schlussendlich wurden sie auch dazu erstellt). Leider ist sowohl in der EU als auch in den USA der Verklagungswahn enorm angestiegen – und so genannt konsumentenfreundliche Richter lassen diese auch noch zu. Bevor sich die Credit-Suisse also für die Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten, der politischen Einflussnahme oder der Darstellung von falschen Sachverhalten vor einem EU-Gericht verantworten muss, sperrt sie lieber das entsprechende Dokument…

    11. Videoman Says:

      Das ganze Sytem in der Schweiz ist aufgebaut, dass die Frau zu hause bleibt und sich um die Kinder kümmert, während der Mann arbeitet und Geld verdient.

    12. Administrator Says:

      @Phipu
      Kein Problem, der Schwiegervater hat 14 Milliarden auf der hohen Kante. Ziemlich genausoviel wie die UBS im letzten Jahr Reingewinn machte.

      Was kostet noch mal so ein 10 Km langer Tunnel durch die Alpen?
      Würde das ausreichen?

      Gruss, Jens

    13. Administrator Says:

      @Videoman
      und genau darin steckt das Problem für die Wirtschaft. Es gibt wunderbar produktive und hochquafizierte Fachfrauen, die ihre Produktivität nicht einbringen können, weil sie zum Kinderhüten abgestellt werden.

      Sie sind nicht oder nicht gleichwertig auf allen Posten durch Männer ersetzbar. Das ist es, was den volkswirtschaftlichen Schaden dabei auslöst, um warum die diskutierten Alternativen irgendwann aus rein wirtschaftlicher Notwendigkeit realisiert werden müssen.

    14. Alex Brunner Says:

      Die Behauptung, dass die Frauen schuld an dem schwachen Wirtschaftswachstum seinen, ist eine Scheinbehauptung. Nach dieser Argumentation müssten jährlich immer mehr Leute arbeiten, damit sich das Wirtschaftswachstum steigern könnte. Das ist schlicht und einfach unmöglich, weil irgendwann theoretisch mehr Leute arbeiten müssten als überhaupt vorhanden sind!

      Der Tagesanzeigers schreibt am 10.08.2005, dass das Bundesamt für Polizei schätzt, dass die Wirtschaftskriminalität in der Schweiz rund vier Prozent des Bruttoinlandproduktes schwäche, was in Franken ausgedrückt rund 17 Milliarden ausmache! In diesen Zahlen ist jedoch die Behördenkriminalität noch gar nicht berücksichtigt, die jährlich ebenfalls mehrere Milliarden beträgt:

      Wirtschaftskriminalität nimmt zu
      Gemäss einer Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG wurden rund drei Viertel der Schweizer Unternehmen schon Opfer von Betrügereien, Korruption oder Datendiebstahl. Der jährliche Schaden geht in die Milliarden. In früheren Hochrechnungen schätzte die KPMG, dass rund zwei Drittel der Unternehmen in der Schweiz bereits mindestens einmal Opfer von wirtschaftskriminellen Handlungen wurden. Gemäss einer in diesem Sommer durchgeführten Umfrage sind es aber mehr. 73 Prozent der befragten 250 Schweizer Firmen wurden bereits von Mitarbeitern oder externen Personen in irgendeiner Art und Weise betrogen, bestohlen oder bestochen.
      (Quelle: Tages-Anzeiger vom 10.08.05)

      Nachdem nachgewiesen ist, dass die Behörden diese Kriminalität mit strategischer Weitsicht still und heimlich geplant und umgesetzt haben, so wurde dies auch kaum bemerkt, erst recht wenn stereotyp behauptet wird, die Schweiz sei ein Rechtsstaat. Inzwischen ist beweisen, dass die Schweiz kein Rechtsstaat ist und sie willentlich Recht bricht!

      Den Kurznachweis finden sie in der hier „Die Entstehung der helvetischen Justizwillkür„. Die Grundlagen basieren auf offiziellen Amtsdokumenten.

      Das Wirtschaftswachstum wäre demnach theoretisch vorhanden, doch es wird durch kriminelle Elemente vorsätzlich geschwächt. Es ist daher gar nicht nötig, wenn Frauen mehr arbeiten müssen! Sie sollen durchaus zuhause bleichen, denn Ende Monat bleicht unter diesen Umständen trotzdem nicht mehr übrig.

      PS: Es ist übrigens nicht so, dass ich die Frauen aus der Arbeitswelt verbannen möchte, sondern lediglich die Folge der aufgegriffenen Argumente.
      Es könnten geradeso gut auch die Männer sein. In diesem Zusammenhang würde ich Ihnen auch das Buch „Wer regiert die Welt?“ empfehlen. Im letzten Kapitel finden Sie sämtliche Massnahmen global aufgelistet, die in der Schweiz in grossen Teilen bereits umgesetzt sind oder bereits in Umsetzung sind.

    15. Mikki Studer Says:

      @Jens-Rainer: Nun, deine Argumentation zielt an der Sache vorbei. Karrierefrauen verdienen in der Schweiz genug, um sich eine Kindertagesstätte leisten zu können (es ist nur eine Frage der Verteilung: Soll sie’s über höhere Steuern oder direkt bezahlen?).
      Ihre Motivation für oder gegen Karriere ist meist nicht finanziell begründet (2000 Franken sind doch Peanuts, wenn die Frau 8’000 Fr./Monat verdient).
      Du zielst aber auf Frauen ab, die sowenig verdienen, dass sie sich eine Kindertagesstätte nicht leisten können/wollen. Ob diese Frauen als Karrierefrauen bezeichnet werden können, bezweifle ich stark. Es ist sogar ökonomisch widersinnig, staatlich Tagesstätten zu fördern, welche mehr kosten als die Frau verdient.
      Daher sind Teilzeitstellen optimal: Der Mehrzahl der Nicht-Karrierefrauen ermöglichen sie ein flexibles und relativ hohes Einkommen ohne den Staat zu belasten. Ein solches System funktioniert natürlich nur in einem flexiblen Arbeitsmarkt.
      Aber, dass die Deutschen die ökonomische Funktion von Anreizsystemen noch nie wirklich begriffen haben, zeigen Hartz IV, Riester-Rente und weitere Flops ;-).

    16. Administrator Says:

      @Mikki
      Zunächst mal Danke für die Blumen, aber es ist nicht meine Argumentation, ich habe da nur zitiert aus der Studie von Frau Bütler.
      Ich ziele auch nicht auf irgendwas ab, sondern ich referiere die Argumentation: Je mehr eine Frau verdient weil sie hoch qualifiziert ist, desto schwieriger wird es ihr gemacht, in der Wirtschaft tätig zu sein. Ich weiss nicht wo Du in dem Artikel gelesen hast:

      „Du zielst aber auf Frauen ab, die sowenig verdienen, dass sie sich eine Kindertagesstätte nicht leisten können/wollen. Ob diese Frauen als Karrierefrauen bezeichnet werden können, bezweifle ich stark. Es ist sogar ökonomisch widersinnig, staatlich Tagesstätten zu fördern, welche mehr kosten als die Frau verdient.“

      Das ist selbstverständlich unsinnig. Aber dass gut ausgebildete Frauen vom Arbeitsmarkt, der diese Kräfte dringend braucht, ferngehalten werden und ihr Engagement mit höheren Kosten, je mehr sie verdienen, bestraft werden, das ist die Kernaussage der zitierten Studien. Es käme für den Staat billiger, dort zu investieren um das Knowhow dieser Fachfrauen richtig abschöpfen zu können. Die verdienen dann mehr, zahlen wieder mehr Steuern, können wieder mehr ausgeben etc.. so wie es in der Credit-Suisse Studie vorgerechnet wird.
      Ausserdem würde sich ein neuer Markt für Kinderbetreuung auftun, der wieder Arbeitsplätze schafft etc.

    17. Mikki Studer Says:

      Nun, ich habe die Studie (sie ist schliesslich von der selben Uni ;-)) gelesen und komme zu einem anderen Schluss wie du.
      Ihre Aussage ist, dass Frauen kein Interesse an Vollzeitstellen haben, da die Tagesstätte lohnabhängig bezahlt werden muss. Ihre Forderung ist daher, Kindertagesstätten nicht sozial zu gestalten (Wenigverdiener bezahlen weniger), sondern nur nach den tatsächlichen Kosten. Sie fordert also, dass der Staat sich zurückzieht und eben keine Lenkung vornimmt – dies widerspricht damit der skandinavischen Doktrin.

    18. widi Says:

      Ich finde eh, wenn man schon Kinder haben will, dann soll auch ein Elternteil (zumindest mehrheitlich) zu Hause bleiben.

      Nicht unbedingt die Frau (wobei ich immer noch glaube, in den ersten Lebensjahren kann niemand eine anwesende Mutter ersetzen), aber doch möglichst viel.

      Hingegen finde ich Blockzeiten an Schulen/Kindergärten gut, wo ein Kind dann den ganzen Vormittag ist, was dann dem entsprechenden Elternteil erlaubt, halbtags zu arbeiten.

      Dass man wirtschaftliche Kriterien wichtiger erachtet als Gesellschaftliche ist die Krankheit unserer heutigen Ökonomie und meines Erachtens mit ein Grund für viele unserer Gesellschaftlichen Probleme.
      -> Die Wirtschaft vergisst, dass sie letztendlich auf einer Gesellschaft beruht, resp. von ihr lebt. Wenn die Wirtschaft Raubbau an der Gesellschaft betreibt (und wie ich das sehe, tut sie das), sägt sie schliesslich am Ast, wo sie draufsitzt.

      Die hier dirkutierte Frage sollte nicht eine finanzielle sein, sondern eine geselslchaftliche…

      Gruss
      Widi

    19. feusl Says:

      Manueller rackback auf:

      Krippenfinanzierung: stossender Anstoss ohne Erfolg

    20. Olga Says:

      Schade, das Thema scheint hier kein grosses Interesse zu erwecken. Zeitungen werden geradezu überflutet mit Leserbriefen, sobald es um Kinderkrippen oder Tagesschulen geht. Sind die meisten Blogger kinderlos oder hat noch niemand unter den erzkonservativen Vorstellungen mancher Schweizer gelitten?

    21. Stefan Says:

      Warum warten bis die Politiker etwas tun? Familien können sich selber besser helfen!
      Seit Beginn dieses Jahres wurde eine neue Site für Familien, die auf der Suche nach einer Betreuung für ihre Kinder sind eröffnet. Das Hauptziel, das die Seite verfolgt, ist es, Familien die Gelegenheit zu geben, sich einfacher zu finden, wenn sie Betreuung für ihre Kinder suchen. In kleinen Dörfern funktioniert das meistens, aber sobald man mal neu in einer Gegend ist, hat man es schwer. Dabei würden gerne Mütter oder Väter andere Kinder bei sich aufnehmen, wenn sie dafür die eigenen ab und zu Gleichgesinnten bringen könnten.
      Das Prinzip ist ganz einfach: Eltern die auf der Suche nach einer gelegentlichen Betreuung für ihre Kinder sind können sich dort registrieren und so ganz einfach eine Betreuung die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist suchen und finden, d.h. dass z.B. ein Kind an einem gewissen Tag nach der Schule zu einer Familie geht und die Kinder der andern Familie an einem bestimmten Tag zur andern. Aber auch Familien die nur eine Betreuung suchen oder nur eine Betreuung anbieten wollen sind willkommen!
      Der ganze Service ist für Private kostenlos! Auf die Seite kommt ihr über folgenden Link: http://www.zeitfuerkinder.ch/index.php

    22. Sébastien Bourquin Says:

      Die Forderung nach mehr Kinderbetreuungsplätzen ist durchaus legitim, in der Schweiz gibt es definitiv zu wenig davon, was sich in der tiefen Geburtsquote niederschlägt. Doch weshalb soll die Kinderbetreuung denn zu Vollzeit Dritten anvertraut werden? Viele Familien wären froh, wenn sie teilzeit arbeiten und somit die Kinderbetreuung zwischen Mann und Frau gerecht teilen könnten. Denn die meisten Familien kämen mit 140% Stellenprozenten aus und hätten genug Geld, um eine Familie mit zwei oder mehr Kindern zu ernähren, wenn sie denn für mindestens zwei Tage pro Woche ihre Kinder extern betreuen könnte.

      Deshalb wäre es meiner Meinung nach sinnvoller, wenn die Wirtschaft viel mehr Teilzeitstellen schaffen und den Vätern und Müttern ermöglichen würde, einem Beruf nachzugehen und sich ihren Kindern zwei bis drei Tage pro Woche anzunehmen.

      Ich habe ein Konzept erarbeitet, welches Anreize für die Wirtschaft schafft, Teilzeitstellen anzubieten und Familientarife für die externe Kinderbetreuung vorschlägt, welche abhängig vom Zweiteinkommen und nur marginal höher für zwei und mehr Kinder sind.

      Dieses Arbeitspapier ist auf meinem Blog unter http://www.sebastien-bourquin.ch/img/APE_Sebastien%Bourquin.pdf (in französisch) aufgeschaltet.

      Es dient als Beitrag für die aktuelle Diskussion um die Kinderbetreuungsgutscheine, welche SP, FDP und CVP in Gang gebracht haben.

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