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Der Ärger eines Deutschschweizers über Meteo im Dialekt

  • Mailbox in der Weltwoche
  • Der Chefredaktor von Le Matin, der zweitgrössten Tageszeitung der Französischen Schweiz, Peter Rothenbühler, schreibt in der Rubrik „Mailbox“ der Weltwoche Nr. 15.06 auf Seite 26 unter dem Titel „Lieber Thomas Bucheli“:

    Glaub mir, was jetzt kommt, ist nicht einfach ein Röstigraben-Reflex. Nein, mein Ärger ist der Ärger eines Deutschschweizers. Ich kann es nicht fassen, mit welcher Argumentation ihr Leutschenbacher den Entscheid rechtfertigt, «Meteo» im Dialekt zu moderieren. Die Argumente sind schlicht falsch und zeugen von einer Mentalität, die ich als provinziell und fremdenfeindlich qualifizieren würde.

    Der Ärger eines Deutschschweizers, der als Jurassier auch auf Französisch zu schreiben versteht, zielt besonders auf die Verwendung von „Schweizerdeutsch“:

    Euer Kundendienst sagt, die Landessprache der deutschsprachigen Schweiz sei Schweizerdeutsch. Stimmt nicht: In der Bundesverfassung heisst es «Deutsch». Schweizerdeutsch gibt’s gar nicht! Es gibt, meteorologisch gesagt, nur einen Dialektpflotsch, also eine Unzahl durcheinander geschüttelter Dialekte, die niemand korrekt ausspricht. (…)

    Peter Rothenbühler versucht im letzten Teil seines offenen Briefes dann zu ergründen, was die Ursachen für die Dialektverwendung sein könnten:

    Nun, ich habe mich gefragt, warum dieses Festklammern am Dialekt gerade jetzt kommt, wo vom peinlichen Versagen der kleinen Schweizer im Deutschunterricht die Rede ist. Und fand eine unangenehme Erklärung: In Zürich gibt es eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit gegenüber den massenhaft zuwandernden Deutschen.

    „Massenhaft“ ist relativ, denn wie wir von Patrick Rohr in der Sendung QUER gelernt haben, leben derzeit gerade 148.000 Deutsche in der Schweiz, von denen nur knapp 100.000 hier auch arbeiten.

    Mit ihrem geschliffenen Mundwerk werden sie von vielen als Bedrohung für das dialektplätschernde bluemente Trögli empfunden. Das ist es, was euch zum regressiven Einbunkern im Réduit der Babysprache treibt: alter Deutschenhass, verbunden mit sprachlichem Minderwertigkeitskomplex.

    Wir sollten doch mal wieder zum feinen Schleifpapier und zum Schwingschleifer greifen, um an unserem Mundwerk herumzuschleifen. Und was das „dialektplätschernde bluemente Trögli“ angeht, wie könnten wir dem je mit einem Schwingschleifer zu nahe treten wollen?
    Hier ein geschliffenes Exemplar von roth-holz.ch
    Blumentrog ohne Schwingschleifer
    Es erfreut doch unser Auge und unsere Ohren, sowie alle sonstigen Sinne ganz phänomenal!

    Ich kann nur sagen: Wer in die Minderwertigkeit flüchtet, wird den Komplex nicht los. Schick deine Moderatoren in den Migros-Sprachkurs. Und schafft beim Wetter wieder Klarheit: deutsch und deutlich.

    Rothenbühler sagt leider nicht, ob die Moderatoren im Migros-Sprachkurs nun Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch lernen sollen. Die Migros-Klubschule bietet übrigens auch Arabisch, Chinesisch und Russisch an. Das wären doch mal interessante Sprachen für eine Meteo-Moderation!

    Wir hatten das Thema schon in der Frühzeit der Blogwiese am Beispiel „Wetterbericht auf Tele Züri“ mit der wunderbaren Jeannette Eggenschwiler besprochen. Für uns Deutsche ist diese Sendung Kult, denn nirgends können wir unser Hörverständnis und langsam auch die aktive Betonung von „Räge“ und „Näbel“ besser üben als beim „Zuelose“ von Frau Eggenschwiler. Da kommt uns das Angebot von «Meteo» des Schweizer Fernsehens gerade zupass, auch wenn wir mit den dort gebotenen „Dialektpflotsch“ mehr Schwierigkeiten haben.

    

    32 Responses to “Der Ärger eines Deutschschweizers über Meteo im Dialekt”

    1. nchenga Says:

      yep, Meteo ist „die“ Kult-Sendung für Deutsche!

    2. tr Says:

      Na ja, mit Rothenbühlers Beschreibung der Dialekte kann ich wenig anfangen. Womit ich jedoch mit ihm einig bin, ist dass die Wettervorhersagen auf Schweizerdeutsch peinlich sind und von Arroganz gepaart mit einem Minderwertigkeitskomplex zeugen. Wir sind immerhin ein Land mit hohem Tourismusanteil und mehrsprachig noch dazu. Da dürfte man sich schon die Mühe geben, bei einer wichtigen Informationssendung Schriftdeutsch zu sprechen. Selbstverständlich in der schweizerischen Varietät.

    3. Administrator Says:

      @nchenga
      Ich finde Tele-Züri Meteo Kult, aber bei Meteo auf SF muss ich „erst noch“ was verstehen, bevor ich es finde…

    4. transalpin Says:

      Danke, Jens, für diese Veranschaulichung eines «plätschernden Blumentröglis»! So farbig funkelt der Rohdiamant Thomas Bucheli auch nach dem Schleifkurs nicht.

      Vielleicht interessiert dich der Blogeintrag von Ueli Haldimann, Chefredaktor des Schweizerdeutschen Fernsehens. Ironischerweise bezeichnet er die deutsche Sprache als «zum Teil auch missverständlich», und tritt sogleich den Beweis an:

      Ausdrücke wie «Regenschauer», «anhaltende Niederschläge» oder auch «Aufhellungen» können im Dialekt viel treffender beschrieben werden. … Wir sagen «es hudlet», «es chuutet», «es strääzt» oder «es chunnd ganz schöön cho schütte». Und es gibt viele regionale Ausdrücke; zum Beispiel sagen die Berner «es strubuusset».

      Viel Spass beim Blumen giessen!

    5. Markus M. Says:

      Die Schweiz stürzt sich selbst immer mehr ins Chaos, einfach herrlich. In Zürich zum Beispiel werden Autos in Brand gesetzt und den Rechtsradikallen in die Schuhe geschoben – und die Medien verbreiten diese Nachricht ziemlich gut, nämlich für eine grenzenlose und antipatriotische Schweiz.

      Früher oder später werden wir die Oberhand über die Schweiz gewinnen, dann wird dieses Land unser sein – es lebe Neudeutschland.

      Markus.

    6. Administrator Says:

      Kalle sollte seine Schuhe lieber wieder ausleeren, sonst kann er schlecht einwandern… and please: Don’t feed the Troll

    7. Mikki Studer Says:

      Meteo im Dialekt ist doch nur ein Symptom für das Versagen des Schweizer Fernsehens. Man zieht zwar fleissig Gebühren ein für einen so genannten „service public“ (auf deutsch: Subventionsfresser), doch man liefert den Einschaltquoten zuliebe nur Kommerz, deren Konzepte man sich im Ausland einkauft. Damit man das trotzdem als service public verkaufen kann, ist’s einfach auf schweizerdeutsch (vgl. Musicstar, Traumjob usw.).
      Meteo hat ja in den letzten Jahren kaum was richtig gemacht (Moderatorenauswahl, Dachwahl) – jetzt versucht man’s mit Dialektduselei!

    8. Johanna Says:

      Abgesehen von Rothenbühlers zum Teil berechtigten Kritik an Buchelis zum Teil etwas konstruierter Argumentation: Wer leidet genau unter einem „sprachlichen Minderwertigkeitskomplex“ (Zitat Rothenbühler)? Der, dem seine Muttersprache peinlich ist oder der, der zu ihr steht (und sie spricht, wenn es möglich ist), weil er stolz darauf ist?

      Glaubt der Chefredaktor von Le Matin, er müsse in seiner Position im Chor (einiger weniger Welschen) mitsingen: „[mit weinerlich beleidigtem Unterton und trotzigem Stampfen mit dem Fuss] Warum schikaniert Ihr Deutschschweizer uns Welsche immer, indem Ihr nicht die Standardsprache benutzt!?“.

      Standardsprache ?! Bei diesem Wort (im Zusammenhang mit Schweizer Dialekt) stellen sich bei mir sowieso sofort alle Nackenhaare borstig gegen den Strich. Ich spreche nicht Dialekt, weil ich es nicht anders kann oder weil ich jemanden damit schikanieren will, sondern weil das meine Muttersprache ist. Ich „träume Berndeutsch“, meine ganze Gefühlswelt läuft in Berndeutsch ab. Schweizer Dialekte sind kein vermeidbares Übel. So sprechen die meisten Einheimischen in der Deutschschweiz nun mal.

      Die unterschiedlichen Dialekte in der Schweiz (und ebenso die allfällige Fremdsprache meines jeweiligen Gegenübers) sind für mich eine Herausforderung, aber vor allem Anlass zur Freude (Freude an der Sprache) und zu Diskussionen (über unterschiedliche Aussprache und Wendungen) und nur selten ein Hindernis oder gar Ärgernis.

      Die Schweizer Dialekte sind (wie jede Sprache) mit Emotionen verbunden: Vorurteile (z.B. „Zürcher vs. Basler“), die je nach Anlass für liebenswürdigen Spott oder für Provokationen hervorgeholt werden, Erinnerungen (Bündner Dialekt = Skiferien, Walliser = Militärdienst…, Basler = Schnitzelbänke, Zürcher = Schweizer Fernsehen ausser Meteo) usw.

      Wenn man, z.B. aus beruflichen Gründen, für längere Zeit in ein anderes Dialektgebiet wechselt, kann man an sich selbst und an den Reaktionen der Umwelt beobachten, wie sich die eigene Sprache langsam ändert. Man kann auch versuchen, die Motivation zu ergründen, warum man die „Transformation“ fördert oder eben gerade zu verhindern versucht (was auf Dauer kaum möglich ist). Aus solchen Situationen ergibt sich die von Rothenbühler spöttisch „Dialektpflotsch“ genannte langsame Durchmischung der Schweizer Dialekte. Vielleicht entsteht daraus wirklich irgendwann mal eine Schweizer Standardsprache, in 700 Jahren oder so…

      Um von einem Nicht-Dialekt-Sprechenden besser verstanden zu werden, bin ich gerne bereit, Schriftdeutsch zu sprechen. Und es ist mir nicht peinlich, dass es nur Schriftdeutsch ist. Die meisten Gegenüber haben damit auch keine Probleme. Sie wissen spätestens dann, dass ich Schweizerin bin. Ich habe überhaupt keine Ambitionen, als Deutsche durchzugehen, indem ich meine Sprache „standardisiere“ (Schweizer Schauspieler, die in Deutschland auf Jobsuche sind, haben da eine ganz andere Motivation).

      Wenn es meine Fremdsprachenkenntnisse erlauben, werde ich diese normalerweise auch anwenden, sobald ich erkenne, dass es meinem jeweiligen Gegenüber lieber ist. Das ist höflich und erleichtert die Kommunikation…. Es stört mich aber meist auch nicht, wenn das Umgekehrte nicht passiert. Fremdsprachenkenntnisse sind nicht für alle Menschen (Länder, Kulturen) gleich wichtig. Und ob man bereit ist, seine nie ganz perfekten Fremdsprachkenntnisse allfälligem versteckten oder offenen Spott preiszugeben, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, auch bei mir. Mit Fremdenfeindlichkeit oder gar Deutschenhass (Zitat Rothenbühler) hat das aber überhaupt nichts zu tun.

      Ich habe selten Gelegenheit, „Meteo im Dialekt“ zu sehen. Meist muss ich mich mit Teletext begnügen. Ich finde aber sowohl den Ort „bei Wind und Wetter auf dem Dach eines Hochhauses“ als auch die verschiedenen Dialekte der Akteure originell und sympathisch. Und die Diskussionen darum herum sind auch ganz interessant …

      Ich glaube nicht, dass Rothenbühler das bergige (nicht nur Deutsch-)Schweizer Sprach-Terrain für die „massenhaft zuwandernden Deutschen“ (Zitat Rothenbühler) einebnen muss. Für sie ist der Dialekt (oder eine der anderen Landessprachen) nur eines der Hindernisse, die sie zu überwinden haben. Angesichts der Beiträge in diesem Blog und der Kommentare dazu, stehe ich mit dieser Meinung offensichtlich auch nicht alleine da 🙂

    9. Andre Says:

      Von mir aus sollen die Wetterfrösche doch quarken wie sie wollen…

      Ich werde nachwievor meine Arbeitskollegen nicht darum bitten, Schriftdeutsch mit mir zu sprechen, wenns nicht unbedingt sein muß.
      Mir sagt auch keiner: „Kannste mal dein Ruhrpott-Berlinern seinlassen ?!“

      Peter Rothenbühler argumentiert zu Gunsten eines sehr wichtigen Wirtschaftszweiges, dem Tourismus der Schweiz.

      Aber gravierender ist doch:
      Die schützende, wirklich nur auf den Vorteil der Schweiz bedachte Politik der Regierung, schreckt auf Dauer private Kunden aus dem €land ab. Der andere Tourismusfaktor ist natürlich der WK zum Euro.

      Zusätzlich:
      Wenn es so patriotisch zugeht, daß man schon von nationalistisch sprechen kann, (SVP-Blogs) fühlt man sich sehr schnell unwohl als Ausländer. Am liebsten möchten diese Damen und Herren nur noch Menschen wie Schumacher und Netzer, Schröder, Udo Jürgens etc, wegen ihrer Steuergelder, willkommen heißen und ggf. einbürgern.
      Schön opportunistisch aber keine liberale Innenpolitik.

      Fazit für mich:
      Für Ausländer ist es, hier wie überall, doch klüger, sich auf freundliche und kritische, aber dadurch schmeichelhafte Art und Weise,
      (Blogwiese.ch) den hiesigen Gebräuchen zu nähern.

      Den krassen slang verbieten kann euch doch keiner!!! bei mädels jedenfalls tönts gut.
      🙂

      Was ist eigentlich mit der klapperdürren Wetterfee Tamara Sedmark vonne SAT1 Nachrichten?
      Nachdem sie sich für FHM oder Maxim freigemacht hat, habe ich die nichtmehr das Wetter moderieren sehen.

    10. Andre Says:

      http://www.blogwiese.ch

    11. Jannis Says:

      Dass Rothenbühler den „wehleidigen Welschen“ spielt, ist zur Genüge bekannt. Den Gebrauch des muttersprachlichen Dialektes als Fremdenfeindlichkeit und als Äusserung des Fremdenhasses zu bezeichnen, ist eine Frechheit. Doch haben wir uns an die besserwisserischen Belehrungen von R. schon lange gewöhnt und nehemn ihn schon lange nicht mehr für voll.
      Dennoch bin ich mit seiner Ansicht betreffend „Meteo“ im SF voll einverstanden. Herr Bucheli sollte da dringend über die Bücher gehen und sich nicht als Dialektapostel, sondern als Meteorologe betätigen. Ob vom Dach oder aus dem Studio ist Ansichtssache und mir egal.
      Übrigens, ist Euch schon aufgefallen, dass 9 von 10 TV- oder Radiosprecher das Wort Meteorologe falsch als „Metrologe“ aussprechen ?

    12. Fiona Says:

      Die Bauern in der Deutschschweiz mögen den Wetterbericht lieber auf Schwyzertütsch, oder? Für diejenige die keine Mundart verstehen, gibt’s die schöne Landkarte mit Grafiken auf dem Bildschirm, oder?

    13. Gerald Says:

      @ Fiona: Was soll so ein Unsinn? Die Sprache in der Deutschschweiz ist Deutsch (Art. 4 der Schweizer Verfassung) nicht irgend ein Dialekt. Es gibt kein „Hochschweizerdeutsch“. Weder jeder Deutschschweizer, geschweige denn ein nicht Deutschschweizer versteht jede Form der schweizerdeutschen Mundart.

      @Jannis: Selbst wenn er wehleidigt täte, hat er trozdem recht. In Mundart gesprochene Nachrichten und Wetterberichte können gerne im Programm von Regionalsendern wie Telezüri oder Telebaern ihren Platz finden, in den überregionalen Sendern haben sie nichts zu suchen.

    14. Christian Says:

      @Gerald:
      Bitte doch ernst zu bleiben und nicht die Frage der Sprachform des Wetterberichts mit der Bundesverfassung lösen zu wollen *kopfschüttel*… Aber wenn wir schon dabei sind: Allerdings ist „Deutsch“ eine der Schweizer Landessprachen, nur: Darunter ist nicht zwangsläufig die Standardsprache (womöglich in Bühnenaussprache) zu verstehen, sondern die deutsche Sprache als sog. Diasystem in all ihren verschiedenen Ausprägungen. Also sind auch die schweizerdeutschen Dialekte natürlich Deutsch. Im Übrigen: Selbst wenn hier ein Verfassungsbruch vorläge, gäbe es in der Schweiz keine Institution, bei der du dich beklagen könntest, denn ein Verfassungsgericht („da-geh-ich-bis-nach-Karlsruhe-für“) kennt man hier nicht.
      Und mit der Verständlichkeit ist das ja auch so eine Sache. Ich weiß nicht, wieviele Normal-Deutschschweizer einen in Standardsprache verfassten Text verstehen – bzw. wieviele überhaupt irgendeinen Text verstehen: Wenn meine Nachbarin im Wetterbericht hört „im Tessin Nordföhn“, sagt sie: „Aha. Föhn schon wieder. Drum tut mir der Kopf weh.“ Dabei meint sie den typischen Südföhn, der in Zürich allerdings Kopfschmerzen auslöst. Die hört also gar nicht genau hin, gleichgültig, ob die Wetterfeen Hauchdeutsch oder den Dialekt von Hinter-Zäziwil reden.

    15. Fiona Says:

      @ Gerald. Meinen Sie, Schwyzertütusch auf TV (insb. beim Wetterbericht) sei verfassungwidrig :-)? Eher wird die Mundart bald von Unesco als Kulturgut der Schweiz unter Schutz gestellt werden. Deutsch ist in der Schweiz eine (von drei) Amtsprache (Romansch nicht mehr, oder? Seit wann?)

      Es ist wirklich schwierig wenn man in der Romandie für einige Zeit lebt,
      z.B. in la „République et Canton de Genève“ (sic – auf dem Briefkopf der Steuerbehörden usw). Was soll das heissen – „République“? – folie de grandeur seitens der Genfer?

      Fionn

    16. legal_alien Says:

      @Christian
      ich glaube hier wollte Gerald nicht das (nicht vorhandene) Bundesverfassungsgericht anrufen, sondern einfach mal deutlich machen das sich die Deutschschweiz selbst festgelegt hat welche Sprache sie spricht. Eben Deutsch. Niemand hat sie dazu gezwungen, und wenn ma das eben nicht mehr will, sollte man es einfach ändern ?
      Mein Vorschlag ma braucht einfach nur das Wort „nicht“ einzufügen, das trifft die Gemütslage m.E. am Besten.
      Dann heist es in der Verfassung “ Die Sprache der Deutschschweiz ist nicht deutsch “
      😉

    17. Administrator Says:

      @Fiona
      In Deutschland gibt es ein Bundesland Bayern, dass sich selbst „Freistaat“ nennt. Da muss man einfach drüber stehen…

      Gruss, Jens

    18. Christian Says:

      @Fiona: Alle französischsprachigen Kantone mit Ausnahme des ehemaligen Untertanenlandes der Waadt heißen offiziell „République et Canton de…“ Das hat für einmal nichts mit der französischen Großmannssucht zu tun, sondern damit, dass es im 19. Jh. auch einen Kanton gab, der zugleich (preußisches) Fürstentum war: Neuenburg. Die „République“ diente also der Abgrenzung. Und im Übrigen stimmt das ja auch: Diese Kantone haben ja eine republikanische Staatsform.

      @legal alien: Nochmals: Das in der Verfassung erwähnte „Deutsch“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass man sich darunter nur Hochdeutsch vorzustellen hat. Das ist ein (deutscher?) Irrglaube.

      @Administrator: Vergiss bitte den Freistaat Sachsen und den Freistaat Thüringen nicht! Die haben sich euch mittlerweile angeschlossen; vielleicht ist diese frohe Kunde noch nicht bis in die Schweizer Emigration gelangt…

    19. Branitar Says:

      „Freistaat“ ist eigentlich nur ein anderes (eingedeutschtes) Wort für Republik, deutet alsi auf die Regierungsform hin. „Freistaaten“ haben als Bundesländer aber keine Sonderstellung.

      Siehe auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Freistaat

    20. Gerald Says:

      @Christian: Mir ist durchaus bewusst, dass das Bundesgericht der Schweiz nicht die gleiche Bedeutung hat wie das Deutsche Bundesverfassungsgericht. Hätte es sie, wäre die steuerliche Benachteiligung verheirateter Paare gegenüber sog. „Konkubinatspaaren“ schon längst behoben, bzw. sämtliche Steuerbescheide seit dem ersten Urteil über die Verfassungswidrigkeit der bestehenden Regelung vorläufig.

      Ausserdem hat Deutsch nunmal eine Standardform, das Hochdeutsche. Schweizerdeutsch, als eine Sprache, die dem Deutschen zugeordnet ist, hat diese Standardform nicht.

      Was die Verständlichkeit betrifft: Jeder Deutschschweizer ist gezwungen die Schriftform des Hochdeutschen zu verstehen, ansonsten wäre er/sie weder in der Lage Zeitung zu lesen, noch (viel wichtiger) die Abstimmungsunterlagen, die mehrmals im Jahr ins Haus flattern, zu verstehen.

      @Fiona:
      „Art. 4 Landessprachen
      Die Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
      Stand am 31. Januar 2006“

      Selbstverständlich ist Mundart im TV nicht verfassungswidrig. Die Schweiz kennt diverse Dialektformen des Schwyzertütuschen, wie auch Deutschland die verschiedensten Dialekte hat. Aber kein TV- oder Radiosender, der nicht nur regionale Bedeutung hat, käme auf die Idee Nachrichten und/oder Wetter in Dialekt zu präsentieren. Es ist ein klares Zeichen von Höflichkeit, wenn eine Sprache verwendet wird, die von allen verstanden wird. Die Argumentation, diejenigen, die die Sprache nicht verstehen, würden ja die Bilder verstehen, ist ziemlich schwach. Wäre dem so, bräuchte man ja überhaupt keine gesprochenen Wetterberichte mehr, jeder könnte sich ja über die Bilder informieren.

      Was die Namesgebung der einzelnen Schweizer Kantone betrifft: die Schweiz ist kein Bundesstaat wie Deutschland, Frankreich, Östereich oder andere. Sie ist eher mit einem Staatenbund wie die USA zu vergleichen. Theoretisch hat jeder der einzelnen Kantone eine eigene Aussenpolitik.

    21. Fiona Says:

      @ Christian – danke! Sehr interessant, ton éclaircissement!

      Auch der Kanton Waadt nennt sich „Le Pays de Vaud“ ! Und weiss du, dass es 42 (zwei und vierzig) „Châteaux viticoles du Pays de Vaud“ gibt?

      ISBN 2-8265-1083-5
      Editions 24 heures Lausanne 1990 (reimpression 1991)

      Also, weshalb nach Frankreich fahren – es gibt dutzende Schweizer Châteaux, die in der ROmanndie, ausgezeichneten Weine produzieren!

      Fiona

    22. viking Says:

      @Gerald
      Wenn schon korrigieren, dann bitte korrekt. Fiona hat von drei Amtssprachen gesprochen und damit hat sie nicht ganz unrecht:
      Im Artikel 70 heisst es: „Die Amtssprachen des Bundes sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch das Rätoromanische Amtssprache des Bundes.“
      Landessprachen gibt es vier.
      Der passende Link dazu: http://www.schweiz.ch/swiss-language.asp und
      http://www.admin.ch/ch/d/sr/101/a70.html

      Gruss
      Bruno

    23. Christian Says:

      @Gerald: Du gehst von der Annahme aus, dass jeder, der in der Schule Deutsch gelernt hat, automatisch in der Lage ist, deutsche Texte bzw. mündliche Äußerungen mittleren Schwierigkeitsgrades zu verstehen. Das trifft aber eben nicht zu (und nicht bloß in der CH). Wir halbwegs Litterierten machen uns wohl gar keinen Begriff davon, welchen Bahnhof gewisse Leute mitkriegen, wenn man Deutsch zu ihnen spricht. Insofern ist auch Standarddeutsch also keine Garantie für Verständnis. Gerade das berühmte Abstimmungsbüchlein ist ein treffendes Beispiel: Das ist für Leute ohne politisches Grundwissen + -Interesse (also für die meisten…) zu hoch – was dann aber doch manche nicht daran hindert, „aus dem Bauch“ heraus eine Entscheidung nach einfachen Grundmustern zu treffen.

    24. Johanna Says:

      Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern … dasselbe gilt wohl meist auch für ein Blog. Trotzdem möchte ich zu meinem (laaangen) Kommentar noch ein P.S. hinzufügen, mit dem Risiko, dass es niemand mehr sieht 🙂

      P.S.:

      „Babysprache“ hat Rothenbühler den Dialekt genannt. Er kann dabei nicht die übliche Definition von Babysprache gemeint haben (vereinfachte Sprache, um einem Kind das Verstehen zu erleichtern), er lehnt ja „Dialekt Meteo“ ab, weil es unverständlich sei. Ich nehme deshalb an, dass er den Dialekt „Babysprache“ nennt, um dessen Minderwertigkeit (Unvollkommenheit, Unangemessenheit) gegenüber „richtigem Deutsch“ zu unterstreichen.

      „Babysprache“ opportun oder nicht?
      —————————————–
      Das letzte Mal, als ich darüber nachdachte, ob Dialekt opportun ist oder nicht, war bei der Formulierung einer Todesanzeige. Wenn man in einer Todesanzeige Dialekt benutzt (z.B. ein Gedicht), verstösst man gegen Traditionen („Das tut man nicht. Das gehört sich nicht. Die Verwandten / Bekannten / Nachbarn werden die Nase rümpfen. Man wird im Dorf darüber tuscheln.“ usw.). Wir haben es dann trotzdem getan. Zum Verstorbenen hätte nichts anderes so gut gepasst und uns sprach es aus der Seele:

      S’stoht alles no am alte Platz
      und doch isch d’Stube leer,
      wie wenn am heiterhelle Tag
      d’Sunne verlosche wär.
      (Sophie Hämmerli-Marti).

      Schnitzelbänke, künftig in „gutem Deutsch“ statt in „Babysprache“?
      —————–

      Wenn d ummeluegsch, denn frogsch dy scho – wasch loos mit unsre Junge?
      Die reede nur per Deelifon – und das mit brochner Zunge.
      Im Kindsgy isch jetz Hochdütsch Pflicht, soo kunnts dängg noo dy noo,
      ass kuum me ein vo unsre Kids ka Schnitzelbängg verstoo.
      (Blauäugige)

      An Grugge und im Byschama gsehsch ain s Spital verloo.
      Dä Gligglig het grad letschti Nacht zwai neyi Ärm bikoo.
      Für s rächti Bai, wo jetz no fäält, het iin dr Doggter gschiggt,
      denn s wärde Zeeche, Fiess und Bai nur no in Ziiri gfliggt.
      (Schnaabelwetzer)

      Um ihr Lääbe schwimmt in New Orleans e Frau
      In London do wiird d U-Baan grad zur Lyycheschau
      In Kaschmir grabt e Mamme under iirem Huus nach iire Seen
      Und Basel isch wäg dääne Plastikstüehl nit scheen.
      (Dootebainli)

      ————–
      Johanna

    25. feusl Says:

      Interessant ist ja Rothenbühlers Begründung. Dialekt ist auf dem Vormarsch zur Abgrenzung von Deutschland. Gewagt aber ganz sicher nicht hundertpro falsch…

    26. fdl Says:

      Interessant ist auch die Begründung der Instanz welche die Beschwerde gegen Meteo abgewiesen hat: Meteo sei keine Informationssendung.
      Jetzt weiss ich auch wieso ich danach zwar wusste wie die Damen angezogen waren aber nicht wie das Wetter wird.

    27. Rolf Says:

      Um die Sendung Meteo der SRG zu verstehen, braucht es keine grossen Sprachkenntnisse, denn etwa die Hälfte aller Wörter besteht auch „richtig“. Alles ist dort richtig, nie etwas falsch. Dann und wann gibt es noch eine Richtung.

    28. Mark Says:

      Warum blicken wir nicht einmal hinüber in die andere Alpenrepublik, nach Österreich. Hier spricht fast jeder seinen Dialekt und ist stolz auf seine regionale Verwurzelung in Tirol, Kärnten usw. Dennoch käme niemand auch nur auf die Idee, im Radio, Fernsehen oder bei öffentlichen Anlässen kein Hochdeutsch zu reden.
      In der Deutschschweiz besteht das latente Risiko, dass sich das Land langsam aus dem deutschen Kulturkreis entfernt. Immer mehr Jugendliche sind unfähig, sich der Hochsprache in Wort und Schrift zu bedienen. Wer kennte heute noch Meyer, Frisch Dürrenmatt u.a., hätten sie ihre Werke in Dialekt geschrieben…

    29. Mischa Says:

      Die Schweiz ein Bundesstaat ? Wohl kaum – wir sind ein Staatenbund und damit nicht wie Deutschland oder die USA ein Bundesstaat. Etwas die Geschichte eines Landes zu kennen bevor man in ein Land emigriert, wäre hilfreich….

    30. Rolf Says:

      Liebe Schweizer Nachbarn,

      soweit ich weiß gehören eure Dialekte zum Hochdeutschen, im Gegensatz zum Mittel- und Niederdeutschen. In der Geschichte der deutschen Sprache sind die Neuerungen auch immer von Süden (den Hochländern) nach Norden gewandert. Einige eurer Tal-Dialekte werden sogar manchmal zum „Höchstdeutschen“ gerechnet.

      Auch gibt es keine „deutsche“ Region die ursprünglich Schriftdeutsch sprach, die Sprache entstand als Kompromiss mehrer Dialekte für Bibel, Verwaltung und Theater.

      Euren Abgrenzungsbestrebungen kann also nun viel logischer enstprochen werden, wenn wir „Sauschwaben“ uns nun wieder mehr der niederdeutschen Literatursprache zuwenden und uns so unseren Holländischen Nachbarn annähern. Ich persönlich würde das Hessische bevorzugen… mal schauen.

      A la prochaine
      Rolf

    31. sirdir Says:

      Ich verstehe einfach nicht, warum von Deutschschweizern immer verlangt wird, sie sollen Deutsch sprechen statt Dialekt. Ich weiss nicht wie’s die Welschen oder die Tessiner handhaben, aber in meinem Empfinden ist Deutsch eine Fremdsprache. Ich verstehe sie zwar seit meiner frühsten Kindheit, das sprechen hat damals jedoch schon nicht so toll geklappt. Das war dann einfach Dialekt ‚verhauchdeutscht‘. Klar, in der Schule lernt man’s dann, aber es bleibt eine Fremdsprache. Dass man jetzt wegen Deutschen oder anderen Ausländern nicht Deutsch sprechen will ist ja wohl ein Witz – wenn die nicht da wären, warum sollte man überhaupt darüber diskutieren, ob man die CH-Deutschen Fernsehsendungen in einer Fremdsprache moderieren soll?

    32. Hans Engel Says:

      Mein Vorschlag wäre: Hochdeutsch (für alle Romands, Tessiner, Kosmopoliten und Touristen) und/oder Untertitelung auf Teletext (auf Hochdeutsch, Französisch, Italienisch, Englisch oder Rumantsch) nur schon mal der Forderung der Gehörlosen endlich nachzukommen!
      Es gibt nun mal praktisch keine Möglichkeiten (im Ausland) Schweizerdeutsch zu lernen, also kapseln wir uns sprachlich (und somit auch kulturell) selber ab, wenn wir so stark auf das Lokalkolorit beharren.
      Wetter ist so etwas Kulturneutrales, über das man auf jeden Fall in einer allgemeinverständlichen Sprache berichten soll!

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