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Die Schweizer sind lernfähig — Die Brandkatastrophe im Gotthard-Tunnel

Deutsch ist die Katastrophensprache
Die Schweizer Radiosender schalten bei wichtigen Verkehrsmeldungen sofort um auf Hochdeutsch, die erwählte Sprache für alle Katastrophenmeldungen. Das ist gut so, denn nur so können die Sender sicher sein, in der Schweiz auch wirklich alle Touristen auf der Autobahn von Basel nach Chiasso zu erreichen. So wurde auch die Sperrung des Gotthard-Tunnels via Radio auf Hochdeutsch verkündet:

  • Brandkatastrophe im Gotthard-Tunnel
  • Im Oktober 2001 ereignete sich eine Brandkatastrophe im Gotthard.
    Feuer im Gotthard
    Kurze Zeit später passierte eine Unfall auf der Ausweichroute über den St. Bernadino. Die Folge: Die Schweiz war dicht. Ein einziger Stau von Nord bis Süd, von Basel bis zum Gotthard. In Basel wurden keine LKWs mehr ins Land gelassen.

  • Hochexplosive Tunneldecke
  • Der Tunnel war bis Weihnachten gesperrt, dann wurde er zunächst nur für PKWs geöffnet. Bei der Begutachtung der Brandkatastrophe fiel den Verantwortlichen ein, dass ja in der Tunneldecke in gewissen Abständen Sprengstoff gelagert ist, so wie in jedem Schweizer Tunnel und in jeder Brücke, um sie im Verteidigungsfall schnell für einen Feind unpassierbar machen zu können.

  • Keinen Sprengstoff mehr in den Tunnel
  • Es wird beschlossen, den Sprengstoff nach der Reparatur des Tunnels nicht mehr dort zu deponieren:

    Am Montag bestätigte der Schweizer Militärsprecher Urs Caduff, was bislang als Gerücht die Runde machte: Im Gotthard ist Sprengstoff in den Fels eingegossen. Aus Gründen der Landesverteidigung „sichert“ die Schweiz strategische Verkehrsachsen mit Sprengstoff. Die Ladungen sind so angebracht, dass die Bauwerke zusammenfallen. Vor einigen Wochen aber soll Generalstabschef Hans−Ulrich Scherrer die Entladung der Sprengkörper angeordnet haben. Bei der Wiederöffnung, ließ die Armee verlauten, werde es im Gotthardtunnel keinen Sprengstoff mehr geben.
    (Quelle: Die Zeit 25/2001)

    Die Schweizer sind ein lernfähiges Völkchen. Kurze Zeit später begannen die Basler darüber nachzudenken, wie das eigentlich mit dem Sprengstoff in ihren Rheinbrücken bestellt sei. Man munkelte, dass auch hier der Sprengstoff entfernt werden sollte.
    Brücke in Basel
    Doch es stellte sich heraus, dass dies unmöglich ist, weil die Behälter tief im Inneren der Brücke in den Beton eingegossen wurden und nicht mehr ohne Abriss der ganzen Brücke zu entfernen sind.

  • Brücken werden solide gebaut in der Schweiz
  • Ein Schweizer Strassenbau-Ingenieur erzählte uns einmal, dass in seinem Kanton einst eine Brücke umsonst gebaut worden war. Sie stand eine Weile einfach so rum auf der grünen Wiese und wurde nicht mehr gebraucht. So etwas kommt in Deutschland öfters mal vor, wenn sich die Planung ändert oder das Geld für einen Strassenbau nicht mehr reicht. Also beschloss man, mit diesem Prunkstück etwas Sinnvolles anzustellen, sozusagen „im Namen der Wissenschaft“, und es auf Belastbarkeit zu testen. Es wurde das Doppelte an Masse draufgepackt, als zulässig war. Nichts passierte, die Brücke hielt. Die dreifache Masse, nichts geschah. Erst bei der 4-fachen Belastung bekam die Brücke langsam Risse. Man hat sie nur mit viel Aufwand wieder einreissen können. Soviel also zur soliden Bauweise der Schweizer Ingenieure.

    Wir fragten uns damals, warum sie nicht einfach den versteckten Sprengstoff in der Brücke gezündet haben, um zu testen, ob das Bauwerk dann wirklich in sich zusammenfällt. Jedenfalls verstehen wir jetzt, warum die Bezeichnung „Ingenieur“ ursprünglich „Kriegsbaumeister“ bedeutet:

    In|ge|ni|eur [], der; -s, -e
    [älter nur in der Bed. „Kriegsbaumeister“, frz. ingénieur, zu lat. ingenium, Ingenium]:
    (Quelle: Der Duden)

    

    6 Responses to “Die Schweizer sind lernfähig — Die Brandkatastrophe im Gotthard-Tunnel”

    1. Cruschti Says:

      Auch die Schweizer Strommasten sind angeblich stabiler als die unseres nördlichen Nachbarn *FG*.

    2. blah Says:

      hallo
      naja nicht alles ist so stabil z.B. der Lawinentunnel irgend in einem Tal im Kt bern der wiedergeschlossen werden musste weil er den Schneemassen auf dem Tunnel nicht standhielt ;p

    3. eggestei Says:

      ähem… der erwähnte Lawinenschutztunnel (Mitholztunnel) auf der Kantonsstrasse Frutigen – Kandersteg musst im Juli 2004 geschlossen werden 😉 nichts mit Schneemassen. Über dem Tunnel wurde Bauschutt der Neat abgelagert, der Tunnel wurde dann geschlossen, weil Verschiebungen und Risse festgestellt wurden.
      Siehs so, auch wenn nicht alles stabil ist, es ist sauber überwacht und wird entdeckt bevors zu schlimmerem kommt.

    4. Daniel Says:

      Die Schlussfolgerungen sind ähnlich wie beim Thema „Luftschutzräume“… die Schweiz ist für die Landesverteidigung gerüstet… LOL

    5. Gizmo Says:

      ich bin davon überzeugt das die Schweiz einem Angriff genauso lange wiederstehen würde wie ein angriff auf deutschland, obwohl sie viel kleiner ist…

      (also 2 stunden) aber ob dafür der aufwand lohnt die tunnel und brücken zu sprengen? das sollten doch die a und h waffen locker selber erledigen…???

    6. chrigel Says:

      Ist schon dumm wenn man Brücken und Tunnels sprengt und der Feind dann mit Flugzeugen kommt….

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