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Für die Messe bitte zu Tisch — Tischmessen in der Schweiz

  • Wissen Sie, was eine Tischmesse ist?
  • Zunächst mal sicherlich eine absolut typisch Schweizerische Angelegenheit, wie der Link-Vergleich zwischen Google-Deutschland mit 248 Treffern und Google-Schweiz mit 903 Treffern belegt.

    Für uns alte Protestanten aus dem Norden hat „Messe“ immer was mit der katholischen Kirche zu tun:

    Heilige Messe ist der in der römisch-katholischen und vielen von ihr abstammenden Kirchen gebräuchliche Name für den die Wortverkündigung und Eucharistiefeier umfassenden Gottesdienst (Quelle Wiki).

    Aber seit wir im Süden leben, lernten wir, dass der „Messeplatz“ in Freiburg im Breisgau nicht für Gottesdienste sondern für die „Herbstmesse“ = ein Volksfest mit Kirmes (=Kirchen-Messe) genutzt wird. Eine Messe ist natürlich auch eine Verkaufsveranstaltung, kennt jeder von der „Leipziger Messe“.

    Und wie passt das alles mit Tisch zusammen? Das Verlesen der Messe bei Tisch durch strenggläubige katholische Schweizer? So eine Art geistliches Wort vor dem zu Tisch gehen? Oder feiert man eine Art Mini-Kirmes bei Tisch? Es gibt ja auch „Tischfeuerwerk“, warum sollte eine Tischkirmes dann nicht auch möglich sein? Weit gefehlt! Wir finden die Antwort auf der Homepage der TischmesseSchweiz.

  • Was ist eine Tischmesse?
  • Die TischmesseSchweiz ist ein Kontakt- und Informationsforum für Unternehmen aus allen Branchen. Als interaktive Business-to-Business Verkaufs- und Präsentationsplattform eröffnet sie innovativen Unternehmen neue Kontakte und Geschäftsmöglichkeiten. Im benachbarten Ausland bewähren sich Tischmessen als wirtschaftliches Instrument für den Aufbau und zur Erweiterung des Netzwerkes seit Jahren. Auf einem oder mehreren genormten Tischen präsentieren die Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen und profitieren dadurch von geringen Kosten und einem minimalen Aufwand.
    Quelle:

    So kann das dann aussehen:
    Die Messe am Tisch ist eine Tischmesse
    Es braucht wenig Platz, ist billig, und man lernt sich kennen dabei. Das muss eine echte Schweizer Erfindung sein, vor allem die Sache mit dem geringen Platzbedarf. Also können Sie ruhig alle nach Jona kommen, Sie müssen nicht katholisch sein und voll wird es sicher nicht dort. Wir sagen dann: „Bitte zu Tisch!“
    Tages-Anzeiger vom 14.01.06 S. 17

    Ach übrigens, wenn wir grade schon beim Thema „Tisch“ sind: Wussten Sie schon, wie die Schweizer für „den Tisch decken“ sagen? Steht sogar im Duden:

    tischen (sw. V.; hat) [zu Tisch] (veraltet, noch schweiz.):
    den Tisch für das Essen vorbereiten, decken:

    Und wieder haben wir es Schwarz auf Weiss im Duden: „Veraltet, noch schweizerisch„. Während der restliche Deutsche Sprachraum dieses Wort nicht mehr kennt, es veraltet ist, wird es in der Schweiz noch verwendet. Lang lebe der konservative Sprachgebrauch der Schweizer!

    

    9 Responses to “Für die Messe bitte zu Tisch — Tischmessen in der Schweiz”

    1. blah Says:

      Hallo
      bei uns (im Kt. Bern) is es normal „aufzutischen“ (den Tisch zu decken also was ist daran veraltet??

      Gute Seite macht immer wieder Spass

      mfg

    2. Administrator Says:

      @blah
      Das reine Verb „tischen“ gilt im Deutschen Sprachraum als veraltet, die Wendung „den Tisch decken“ ist gebräuchlicher.
      „Auftischen“ wird meistens übertragen verwendet: „Was willst Du uns da wieder für eine komische Geschichte auftischen“.

      „Fritz, könntest Du schon mal tischen, wir wollen gleich znacht essen“
      Diesen Satz würdest Du so nur (auf Schwiizerdütsch) in der Schweiz hören.

      Gruss, Jens

    3. Jürg Says:

      Lieber Jens

      Ich wohne nicht allzu weit weg von dir und das Wort tischen ist bei uns absolut gebräuchlich. Wenn ich den Kids rufe heisst es dann „Chinde chömed er go tische“ Kinder kommt ich den Tisch decken.

      Gruss
      Jürg
      der sich hier immer köstlich amüssiert

    4. Mänu Says:

      Übrigens „äs het mi tischet!“ bedeuted (zumindest im Bärnerdialekt) soviel wie; ich bin grausam auf die Schnauze gefallen.
      Oder „hesch es tischelet?“ wird gebraucht um zu fragen ob man etwas sortiert hat, z.B. Wäsche nach Art (Socken zu Socken, etc…).

    5. viking Says:

      @Jürg
      […Wenn ich den Kids rufe heisst es dann “Chinde chömed er go tische” Kinder kommt ich den Tisch decken.
      Wenn ich den Kids rufe heisst es dann “Chinde chömed er go tische” Kinder kommt ich den Tisch decken…]
      Was bei uns aber leider nicht immer den gewünschten Effekt hat 😉

      Gruss
      Bruno

    6. ichbins Says:

      Hallo Jens

      Zu deinem Kommentar.
      Oft und gerne wird gesagt, dass die Schweizer nur ein Dialekt sprechen würden und keine eigene Sprache – ob das nun so stimmt oder nicht möchte ich nicht diskutieren.
      Aber wenn du diese Aussage unterstützt, solltest du die Schweiz auch zum Deutschen Sprachraum zählen und dann wäre die Aussage „tischen gilt im deutschen Sprachraum als veraltet“ falsch, dann wären es „…in den meisten Teilen…“ 😉

    7. Phipu Says:

      Mir fällt bei Jürgs Beispiel wieder die Verwendung des auf diesen Seiten bereits diskutierte „Doppel-Kommen“ bzw. „Doppel-Gehen“ auf. Nach meinem Sprachgefühl würde ich also aus dem Küchenfenster Richtung Spielwiese rufen: „Chinder, chömed er cho tische?“. (wörtlich: … kommt ihr kommen…). Bin ich allerdings mit den Kindern draussen auf dem Spielplatz und ich schicke sie in die Küche, sage ich „Chinder gönd er go tische?“ (… geht ihr gehen…). In gewissen Dialekten (z.B. ZH) gibt es sogar eine weitere Multiplizierung: „ … chömet er choge …“ (… kommt ihr kommen gehen …) oder „… gönd er goge …“ (… geht ihr gehen gehen …).

      Es gibt übrigens auch die doppelte Verneinung. Besonders ältere Leute sagen noch: „Mir hät niemert nüt gsäit“ (= wörtlich: mir hat niemand nichts gesagt, sinngemäss: ich wurde nicht informiert). Mathematisch analysiert ergibt dieses Beispiel wieder einen positiven Sinn. Wenn niemand nichts gesagt hat, haben also alle wenigstens etwas gesagt.

      Mänus Beispiel vom berndeutschen „tischele“ ( = sortieren) gibt es in einigen Dialekten als „büschele“. Hat weder mit Tisch noch mit Busch zu tun. Nun, was verstehen Deutsche wohl besser; ein Dialekt-Verb oder eines auf -ieren (sortieren)? Siehe http://www.blogwiese.ch/archives/155 oder gibt es das ganze noch auf richtig Hochseutsch?

    8. Gizmo Says:

      veraltet, noch schweiz.

      Na das erklärt so einiges.. Ich verstehe….

    9. Gizmo Says:

      geht ihr gehen gehen

      kann man das noch erweitern? die Bayrische dreifache verneinung ist schon einsame klasse, aber das hier schlägt alles…

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