Wie man den Schweizer am „Detail“ erkennen kann

März 3rd, 2009

(reload vom 3.04.06)

  • Was alles ein „Detail“ ist in der Schweiz
  • Bei Goggle-Schweiz finden wir 47 Belege für „Das ist ein Detail“. Die Schweizer lieben das Detail. Dieses eigentlich aus dem Französischen stammende Wörtchen hat in der Schweiz einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Was heisst es eigentlich genau? Fragen wir dazu den Duden:

    De|tail, das; -s, -s [frz. détail, zu: détailler = abteilen, in Einzelteile zerlegen,
    zu: tailler, Taille] (bildungsspr.): Einzelheit:
    ein unwichtiges, wesentliches Detail; Ein interessantes Detail
    (Quelle: duden.de)

    Die Aufzählung von Verwendungsbeispielen ersparen ich uns, das wäre nämlich nur ein Detail. Wichtig scheint uns der Zusatz „bildungssprachlich“. Das ist vielleicht im Gemeindeutschen so, wenn jemand nicht „Einzelheit“ sondern „Detail“ sagt. Anders hingegen in der Schweiz. Hier können Sie den perfekt Hochdeutsch sprechenden Schweizer unweigerlich an der Formulierung „das ist jetzt ein Detail“ entlarven. Auch im Dialekt sehr häufig: „Das isch jetzt es detail“.

    Details gibt es in vielen Varianten in der Schweiz. So in der „Detailberatung“, wie die Beratung der Einzelheiten einer Vorlage im Parlament nach der Eintretensdebatte genannt wird.

    „Das Parlament beschloss, auf die Vorlage einzutreten. Eines wurde aber klar: In der Detailberatung wird die Vorlage arg zerzaust werden“
    (Quelle: Blick 10.3.94 S. 2, nach Variantenwörterbuch des Deutschen S.176-177)

    Dann fanden wir noch das „Detailgeschäft“, welches in Deutschland ein „Einzelhandelsgeschäft“ ist, dort arbeitet ein „Detaillist“ oder eine „Detaillistin“, die wir in Deutschland als „Einzelhändler“ bezeichnen.

    Bei welcher Bestellart erhält die Detaillistin sofort eine Kommissionskopie vom Lieferanten?
    (Quelle: Betriebskunde Verkaufspersonal 2000, nach Variantenwörterbuch S. 177)

    Verkaufen diese netten Menschen nun Ware direkt an den Endverbraucher, sprechen wir in der Schweiz nicht vom „Einzelverkauf“, sondern vom „Detailverkauf“.

  • Vorsicht vor ironischen Schweizern
  • Sie merken schon, da können wir in der Schweiz ganz schön „ins Detail“ gehen, wenn wir alle Einzelheiten aufzählen. Was uns ausserdem noch auffiel, ist die häufige ironische Verwendung dieser Formulierung, wenn jemand einen ganz schlimmen Fehler bemerkt hat. Jawohl, auch zur Ironie sind sie fähig, die Schweizer! Was für ungeübte deutsche Ohren besonders schwer zu verstehen ist. Gerade der Satz: „Das isch jetzt es Detail“ ist meistens ein Hinweis dafür, dass hier in den meisten Fällen soeben von einem gar nicht so unwichtigen Umstand abgelenkt, dass hier die Fakten klammheimlich „unter den Teppich gekehrt“ werden sollen. Gekehrt, und nicht gewischt wohlgemerkt. Aber das ist wieder ein anderes Thema…

    Was die Schweizer nicht gern essen — Eine „mastige“ Sauce

    März 2nd, 2009

    (reload vom 2.4.06)

  • Eine mastige Sauce
  • Wir finden im Tages-Anzeiger vom 04.02.06 in einem Artikel von Monique Rijks

    „Was machen Leute ab 45, die ein Gegenüber suchen?
    Fein essen. Kontaktinserate sind gespickt mit dieser Formulierung“

    Das Thema kommt uns irgendwie bekannt vor. Hatten wir nicht neulich erst festgestellt, das die Schweizer grundsätzlich immer nur „etwas Feines Znacht“ essen? (vgl. Blogwiese)
    Egal. In dem ausgezeichneten Artikel findet sich ein Adjektiv, das wir bisher noch nicht kannten: Die „mastige“ Sauce
    Die mastige Sauce

  • Was heisst den hier „mastig“?
  • Google-Schweiz hat dafür immerhin 10´800 Belege:
    In allen dreht es sich ums Essen und Trinken:

    mastig körperreich, fett
    (Quelle: wine-online.ch)

    Oder über Bier:

    Hopfenperle ist extrem mastig, willst du es verkaufen geht nix weg.
    (Quelle: skilled.ch)

    Auch bei einer Nachspeise kann es stören:

    Einzig die Schoggimousse mit Caramelschaum geriet zu mastig und zu süss
    (Quelle: zueritipp.ch)

    Das Wort ist alt, denn schon Grimms Wörterbuch zitiert zwei Bedeutungen:

    MASTIG, adj. mit einem mast versehen, vgl. dreimastig, einmastig, hochmastig.
    MASTIG, adj. wie mast, feiszt, fett: mastig, schweinfeiszt,
    (Quelle: Grimms Wörterbuch)

    Ausserdem finden wir noch einen Ort, der so heisst:

    Mastig (Mostek) liegt in der Tschechischen Republik, am Rande des Riesengebirges, etwa zwei Autostunden nordöstlich von Prag.
    (Quelle: meer-fritz.de)

    Sogar der alte Goethe verwendete es in der „Italienischen Reise“:

    Am Meere habe ich auch verschiedene Pflanzen gefunden, deren ähnlicher Charakter mir ihre Eigenschaften näher kennen ließ; sie sind alle zugleich mastig und streng, saftig und zäh, und es ist offenbar, daß das alte Salz des Sandbodens, mehr aber die salzige Luft ihnen diese Eigenschaften gibt;
    (Quelle: textlog.de)

    Unser Duden bringt es auf den Punkt, sagt aber gleichzeitig, dass dieses Adjektiv „landschaftlich“ sei. Welche Landschaft er damit wohl meint? Den Süden? Die Schweiz?

    mastig (Adj.) (landsch.):
    a) (von Menschen) fett, dick;
    b) (von Speisen) fett [u. reichlich], schwer verdaulich:
    ein -es Essen; die Speisen hier sind zu m.;
    c) (von bestimmten Pflanzen, Wiesen o. Ä.) feucht, fett, üppig:
    -e Wiesen; das Gras ist sehr m.
    (Quelle: duden.de)

    Wir fassen zusammen: Fettes Essen, gemästete Schweine, guter Wein, feuchtes Grass, aber auch ein Dreimaster und ein Ort in der Tschechischen Republik, alle können sie „mastig“ sein, und wir müssen erst in die Schweiz fahren und den Tages-Anzeiger lesen, um das zu erfahren. Wunderbar.