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Fremdgeld lautet die Devise — (K)ein Lehnwort in der Schweiz

  • Geldwechseln am SBB Schalter
  • Neulich wollte ich an einem SBB Verkaufsschalter, der immer noch nicht „Ticket-Point“ heisst, auch wenn es dort „domestic“ Fahrkarten Billets zu kaufen gibt (vgl. Blogwiese), ein paar britische Pfund kaufen. Das ist praktisch, dass die SBB auch diesen Geldwechselservice anbietet. Grossbritannien gehört noch nicht zur Euro-Zone, und ohne Pfund kann man da nichts wuchern lassen. Also fragte ich die freundliche Schweizerin am Schalter: „Kann ich bei Ihnen auch Devisen kaufen?“ Sie wusste nicht, was ich meinte, bis ich von „ausländischer Währung“ sprach. „Das heisst in der Schweiz ‚Fremdgeld‘“. Ach so. Wieder was gelernt.

    Devisen kaufen
    (Foto: Als Devisen noch in DM gehandelt wurden…)

  • La trousse de toilette n’est point nécessaire
  • Und sowas passiert im Bankenland Schweiz, in welchem sowohl englische als auch französische Wörter zur Umgangssprache gehören: „Neccessaire“ (ohne „accent aigu“, wie bei „Velo“) sagt man hier fein gebildet statt schnöde „Kulturbeutel“ (obwohl das bei den Franzosen eine „trousse de toilette“ ist), und „Trottoir“ statt „Bürgersteig“, aber der Schlussverkauf, das sind „les soldes“ in der Westschweiz.

  • Kaufen Sie Devisen?
  • Nur bei den Devisen, da lautet die Devise „Fremdgeld“. Klingt ein bisschen wie „Fremdgehen“. Der Beispielsatz „Kaufen Sie Devisen?“ fand sich 4‘100 Mal bei Google-DE, und über 200 000 Mal bei Google-DE, was natürlich von vielen Faktoren mitbestimmt wird und keine echte statistische Aussagekraft besitzt.

    Auf Englisch heissen Devisen „Foreign Currencies“, nur die Franzosen sagen auch „les devises“, was man auf Deutsch auch hübsch als „Sorten“ übersetzen kann. Ein echtes französisches Lehnwort also, das in Deutschland erhalten blieb und in der Schweiz nicht verwendet wird? Ich mag es kaum glauben. Werde mal morgen den freundlichen Mitreisenden in der S-Bahn fragen, ob er weiss, was „Devisen“ sind. Gut sortiert, natürlich.

    

    28 Responses to “Fremdgeld lautet die Devise — (K)ein Lehnwort in der Schweiz”

    1. Brun(o)egg Says:

      Das mit den Fremdsprachen ist schon eine verflixte Sache. Ich wundere mich auch immer wieder, dass während des Ausverkaufs, – so hiess das früher -, immer wieder italienisches Salz verkauft wird: SALE

    2. Mare Says:

      Wenn ich genügend Geld wechsle, kriege ich aber den günstigeren Devisenkurs zum Wechsel.

    3. Danido Says:

      Ne, also Fremdgeld habe ich in der Schweiz noch nie gehört. Manchmal wird wohl ein Deutscher veräppelt:-)

    4. alex Says:

      Als ehemalige Bankkauffrau kann ich dazu nur anmerken, dass in D der Fachjargon „Sorten“ als Bezeichnung benutzt, spreche ich mit Nicht-bÄnkern darüber, wissen die auch nicht, was ich meine.

      Vermutlich ist das mit dem „Fremdgeld“ in der Schweiz ähnlich? Ich meine, GAA und KAD versteht ja auch keiner… also Fachsprache eben.

    5. Marroni Says:

      Jens, die wollte Dich wohl verscheissern. Wobei: Devisen wird eigentlich nur für Buchgeld verwendet, in den Zeitungen findest Du den „Notenkurs“ und den „Devisenkurs“. Also in Horgen am schöönä Zürisee, beim Bahnhof See, da klappt das.

    6. Mario II. Says:

      @ Brun(o)egg

      Da war doch eine ähnliche Sache mit diesen falsch gedruckten PEACE-Flaggen…

    7. Guggeere Says:

      @ Brun(o)egg
      Was da verkauft wird, ist kein italienisches Salz.
      Weil während jener Aktion, die früher Ausverkauf hiess, minderwertige Ware verramscht wird, sich die Ladenbesitzer deswegen schämen und peinliche Tatsachen auf Französisch viel eleganter daherkommen, bedient man sich eines Wortes aus der westlichen Nachbarsprache. Beim SALE wird also schmutziges Zeug verkauft.
      Selbstverständlich ist der frankophone Detailhandel in der genau gleichen Situation. Dementsprechend sind, wie jedermann weiss, Warenhäuser in Frankreich und der Westschweiz zur Ausverkaufszeit mit riesigen bunten Flaggen und Plakaten dekoriert, auf denen «Dirt» bzw. «Dreck» steht.

    8. Simone Says:

      „Fremdgeld“ hat natürlich die Betonung auf der ersten Silbe. Das hast Du vergessen zu erwähnen, Jens!

    9. Schoggistaengel Says:

      Und Simone mit langem i gerne, gelle ? ^^

    10. Thomas Says:

      Stellt sich mir die Frage: Weshalb hast die nicht gefragt, ob du hier englische Pfund kaufen kannst?
      Ich würde übrigens den Begriff Devisen in die Börsen- und Händlerecke verbannen. Du glaubst gar nicht, wieviele Leute den Devisenkurs in der Zeitung lesen und dann denken, dies sei der Wechselkurs für das Notengeld am Bankschalter.

      [Anmerkung Admin: Weil ich die Rückfrage „Pfund Äpfel oder Pfund Birnen?“ vermeiden wollte 🙂 Nee, hast schon recht, werde ich beim nächsten Mal sicher anders fragen. ]

    11. AnFra Says:

      Habe in meinen alten Schul- und Studienunterlagen schnell nachgeschaut. Da hats mich geschüttelt. Sind doch die „Sorten“ tatsächlich ein Bestandteil der „Devisen“. Definition von Devisen = u. a. im Inland Konten mit fremder Währung, ausländische Wertpapiere und das besagte „fremdländische Bargeld“ als „Sorten“.

      Bei der Bezeichnung „Fremdgeld“ gilt in D für solcherart bezeichnete Geld ein anderer Sinninhalt, was z. B. ein Anwalt bei Dienstleistungen für andere Dritte aus seinem eigenen Konto in deren Auftrag erhält, deponiert und ggfls weiter transferiert, also „Geld zu treuen Händen“.
      Habe in der CH den Begriff „Fremdgeld“ im Sinne der fremdländischen Sorten auch schon mal gehört und gelesen. Siehe: SBB Change Geldwechsel: http://mct.sbb.ch/mct/change
      Es könnte sein: Hier sind die Begriffe Sorten und Fremdgeld wohl etwas durcheinander geraten.

      Der Begriff „Sorten“ hat seinen Sinninhalt sicherlich richtig, denn er kann vom ital. „sorta“ für Güte- bzw. Qualitätsklasse abgeleitet werden. „Sorta“ selbst scheint aus frz. „sorte“ für „Qualität“ und dieses aus lat. „sors“ für „Los / Weise“ abgeleitet zu sein. Mit dem „sortieren“ auf der ital. Basis „sortire“ und dem lat. „sortiri“ ist das „auslosen, herausziehen, entnehmen“ gemeint.
      Ein verwandtschaftliche Beziehung besteht auch zur „Serie“, welche für lat. „series“ für „Reichenfolge, verknüpfen, fügen“ steht.
      Auch der Begriff „Sorge“ lässt sich aus dem lat. „sors“ ableiten. Die Urquelle ist im indoeurop. „ser / sor“ zu finden.

      Auf mittelalt. Bildnissen kann man öfters bei Bänkern, Geldwechslern, Wucherern und Hazardeuren an deren Banktischen die Gelder zu Haufen „sortiert“, d.h. zu den jeweils passenden Geldqualitäten gehäuften Geldstücke / Geldsorten, sehen.
      Aus aktuellem Anlass kann man problemlos nun die Reihenfolge der Berufsbezeichnungen wechseln.

      Meine wilde Ableitung passend zum aktuellen Finanztheater lautet deshalb als eine mögliche Hilfsthese: Für „Sorge“ kann man sicherlich die gemeinsame urabstammende Ableitung indogerm. „ser / sor“ aus „dem Sortieren, dem Service und der Sorge “ nehmen, wie es derzeitig auf der Finanzbühne abläuft.

      Die alten Götter haben es immer gewusst: „Hast Du Sorten, hast Du Sorgen“.

    12. dampfnudle Says:

      Die Devise meines Sohnes lautet: „Ehe ich unverhofft geerbt oder im Lotto gewonnen habe, kümmere ich mich nicht um Devisen. Diesen Frust erspare ich mir!“
      Die Devise meines Vaters lautet: „Je mehr einer hat, je mehr ist er wert.“
      Meine Devise lautet: „Ein paar Begriffe aus der Finanzwelt zu kennen, kann nicht schaden, aber meine Welt ists nicht.“

      Andere Beispiele: „Unter der Devise trotzte die kleine Firma den fiesen Machenschaften der Konkurrenz.“
      „Im Lager waren gemäss der Devise des Lehrers keine elektronischen Geräte im Einsatz.“

      „Devise wird auch für Anweisung, Order, Befehl, Motto, Leitspruch, Grundsatz etc. verwendet.

    13. Simone Says:

      @Schoggistaengel:
      Das ist so 🙂

      Hab mir übrigens auch schon gefragt, warum der Ausländerausweis nicht „Fremdenbewilligung“ oder „Fremden-ID“ heisst…

    14. neuromat Says:

      Kann ich bei Ihnen auch Devisen kaufen?

      Seit wann gehen wir Deutsche so Geld wechseln. Etwas weniger assimilert ist alles viel leichter:

      Ich kriech dann mal ein paar Britische Pfund. Kannste gleich vom Konto wechnehmen.

      ansonsten kenne ich d Wiesen nur in Zusammenhang mit dem Oktoberfest.

    15. Brun(o)egg Says:

      @neuromat

      gröööhhl!

    16. Brun(o)egg Says:

      @ Marioo II

      Ja OK. Aber mindestens heisst piiiss und patschee das Gleiche. Oder hab ich da etwas verpasst? (Hirn)

    17. Brun(o)egg Says:

      @ Guggere

      Klär mich auf! Im Welschland DIRT?

    18. lis Says:

      Also wegen des Neccessaires und des Trottoirs musst Du nun wirklich nicht in die Schweiz. Ich bin in Baden aufgewachsen, da hiess das schon immer so. „Gehweg“, „Bürgersteig“ und den „Kulturbeutel“ (der ja eher ein „Zivilisationsbeutel“ ist, wenn man das sonst übliche Verständnis von „Kultur“ berücksichtigt) hab ich erst in der Schule kennengelernt. Ein Umstellung auf Schweizer Gewohnheiten war da nicht nötig. „Wollen Sie Fremdgeld?“, hab ich aber in der Schweiz in 35 Jahren nie gehört.

    19. neuromat Says:

      @ lis

      was heisst hier „Wollen Sie fremdgehen?“ habe ich in der Schweiz noch nie .. Au Mist, sehe gerade, hab mich verlesen, nehme den Eintrag zurück

    20. Mario II. Says:

      @ Brun(o)egg

      Doch, doch, hast schon recht.
      Doch während für Englisch peace=Frieden und pace=Schritt gilt, heisst auf Italienisch pace=Frieden und peace=überhauptnichts.
      Oder genau umgekehrt. Ich bin verwirrt…

    21. Guggeere Says:

      @ Brun(o)egg
      Wir Deutschsprachigen sind ja so was von weltoffen und übernehmen noch so gerne überflüssige Wörter aus anderen Sprachen. So auch das französische «sale» (schmutzig), mit dem erfolgreich Kunden angelockt werden, die zu Ausverkaufszeiten in den Warenhäusern jeden Schmutz kaufen, solange er eine noble fremdsprachige Etikette trägt.
      Geht man davon aus, dass alle Menschen gleich sind, verhalten sich die Romands und die Franzosen nicht anders. Sie werden während des Ausverkaufs geradezu magisch von billigem Dreck angezogen, sobald er unter einem schmissigen, fremdländisch klingenden Schlagwort angeboten wird. Im französischen Sprachgebiet wäre das nicht «sale», sondern «dirt» oder eben «Dreck».
      Oder irre ich mich etwa?

    22. Brun(o)egg Says:

      @ guggere

      Ja klar. Hätt ich selber drauf kommen können.
      Hauptsache: Geiz ist geil oder so.

    23. Brun(o)egg Says:

      @ Mario II

      So ist es. Fass Dich Du hast auf jeden Fall recht.

    24. cocomere Says:

      „Kulturbeutel“ (hässliches Wort, nicht?) heisst auf Französisch: Trousse de toilette aber man kann auch auf Französisch Nécessaire sagen. Das wurde nicht von den Deutschschweizern erfunden! Das findet man sogar in jedem guten Dictionnaire.

      [Anmerkung Admin: Stimmt schon, da darf man auch sagen. Auch „Regisseur“ darf man im Frankreich sagen, selbst wenn das ein „Metteur en scène“ ist, das sehen die Franzmannen nicht so eng. Nur beim „Friseur“ flippen sie ein bisschen aus vor Freude. ich persönlich denke bei „Necessaire“ (ohne Accent in der Schweiz!) immer an ein schickes Maniküre-Set mit Diamantfeile und so.]

    25. Philosolver Says:

      @ein Zuercher
      Nur mal so ne Frage: Ist Dein echter Name zufällig Trollplonk?

    26. Bense Says:

      Ich komm ja aus ner ähnlichen Ecke wie du, und „Necessaire“ kannte ich trotz Franze-Unterricht als „Nagel-Set“…

    27. Peach Says:

      @Philosolver
      Meinst Du jetzt den „Trollplonk“ der sich auch in den Foren eines Verlages in der norddeutschen Tiefebene rumreibt?

    28. Philosolver Says:

      @Peaches

      Ich meinte eigentlich ob der Zuercher eine Kreuzung aus einem
      Troll (http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)) und einem „Plonk“ ist.
      Plonk steht dabei für Plonk für „please leave our newsgroup, kid“ oder
      „politeness limit overrun, no kisses“ 🙂

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