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Homestory, oder: Wie wir wirklich unsere Wohnung fanden

  • Schnapp Dir die Wohnung
  • Der Blick hat gestern mit seiner Story „Vermieter bevorzugen Deutsche“ mal wieder mächtig für Stimmung im Land gesorgt und zur allgemeinen Völkerverständigung beigetragen. Nun schnappen also die Deutschen den Schweizern die attraktiven Wohnungen rund um Zürich weg, heisst es. So so. Die von mir wiedergegebenen Aussagen waren leider nicht ganz vollständig, war ja auch nicht viel Platz im Blatt bzw. im Internet, darum jetzt die Homestory, oder „Wie wir wirklich unsere Wohnung fanden

    Deutscher Pinscher Rumo
    [Der Hund (links im Bild) ist ein Deutscher Pinscher mit Schweizer Stammbaum]

  • Drei Monate Leerstand
  • Ich suchte im Sommer 2000 im Internet nach einer 4.5 Zimmer Wohnung in Parterre, da wir eine Katze haben die gern draussen unterwegs ist. Als Wohnort gab ich „Bülach“ und „Uster“ ein, denn beides liegt laut SBB-Fahrplan ca. 15 Minuten von Zürich entfernt. Es fanden sich je vier Angebote, das macht acht Angebote für Wohnungen um die 2‘000 Franken. Nach ein paar Minuten am Telefon hatte ich vier Besuchstermine in Bülach vereinbart. Nach Uster fuhr ich dann überhaupt nicht mehr. Die Wohnung, die wir dann nahmen, stand seit 3 Monaten leer. Eine weitere Wohnung im Haus stand noch länger leer. Auch heute noch gibt es in Bülach ein paar hundert leerstehende Wohnungen, die nur darauf warten, dass Deutsche sie „wegschnappen“ können. Warum Schweizer da nicht einziehen? Keine Ahnung, das Angebot ist einfach zu gross.

  • Mit Maklern leben
  • In Deutschen Städten wie Stuttgart oder München ist der Wohnungsmarkt leergefegt. Ein Cousin von mir schlief fast 6 Monate bei einem Kumpel auf der Luftmatratze, bevor er eine Wohnung weit draussen in einem Vorort von München fand. Um überhaupt eine Wohnung zu finden, bleibt oft nur die Möglichkeit, sich einem Makler auszuliefern. Der kassierte dann, wenn man Glück hat und wirklich einen Mietvertrag bekommt, 1-2 Monatsmieten Provision für seine aufwändigen Vermittlungsdienste, d. h. die 30 Minuten Arbeit, die er beim Vorführen der Wohnung hatte.

  • Ohne Bewilligung gibt es keine Wohnung
  • Darum fand ich die Situation in der Schweiz „paradiesisch“. Von den 4 Wohnungen, die ich gesehen hatte, wären mir leider 3 verwehrt geblieben, weil ich zu dem damaligen Zeitpunkt
    a) keine Betreibungsauskunft besass und
    b) noch keine gültige Aufenthaltsbewilligung vorweisen konnte.
    Wir waren ja noch gar nicht in die Schweiz gezogen, sondern ich hatte die Suche von Deutschland aus gestartet. Natürlich ist die Wohnungssuche im Zentrum von Zürich sehr viel schwieriger. Wir wollten zuerst nach Wallisellen, doch dort wurde vor acht Jahren auch nur Mist angeboten: Wohnungen an lauten Strassen, entweder zu klein und total „abgewohnt“. Was sich seit damals geändert hat ist sicherlich die Tatsache, dass man von deutschen Mietern, die erst aus Deutschland herziehen, keine Betreibungsauskunft mehr verlangt. Die Verwaltungen haben gelernt was eine Schufa-Selbstauskunft ist.

  • Machen die Deutschen die Preise kaputt?
  • Ob Deutsche wirklich freiwillig mehr zahlen würden? Durch das Internet ist die Marktsituation sehr überschaubar. Sowohl was das Lohnniveau angeht, als auch wie hoch die Miete für ein Objekt im Vergleich sein darf, kann man so leicht herausfinden. Wer lässt sich schon gern abzocken. In Bülach führte das Überangebot sogar dazu, dass man 1-3 Monatsmieten geschenkt bekommt, wenn man einen längeren Vertrag abschliesst. Alles eine Sache von Angebot und Nachfrage. Bei Immoscout24.ch werden z. B. gerade 17 Objekte Typ „4.5 Zimmerwohnung in Bülach“ angeboten. Preislich finden sich Wohnungen von 1’585 CHF bis 3’325 CHF. Schnappt sie Euch, Schweizer! Sonst ist Schnappi wieder schneller:

    

    13 Responses to “Homestory, oder: Wie wir wirklich unsere Wohnung fanden”

    1. Honigbaerli Says:

      Lieber Jens,
      ja der Blick ist die etwas abgeschwächte form der deutschen Bild..grosse worte schlecht recherschierte Artikel um im kleinen Volk stimmung zu machen!
      also ein sturm im wasserglas der vergeht wieder!

    2. Cocomere Says:

      Was für Bülach stimmt, trifft nicht unbedingt auf den Rest des Kantones und schon gar nicht auf die Stadt zu. Zudem ist es auch nicht dasselbe, ob man eine 4 1/2-Zimmerwohnung oder was kleineres sucht. Wieviele 2-Zimmerwonhungen unter Fr. 1000.- im Kreis 1 bis 8 findet man auf dem Internet oder in Inseraten? Wohl fast gar nichts mehr! Die Preise sind enorm gestiegen. Was der Markt da anrichtet, ist schlecht für das soziale Gefüge in der Stadt, der Run auf Notwohnung scheint ungebremst:
      http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/zuerich/856992.html
      Eigentlich sollten die geldgierigen Hausbesitzer, Vermieter und Immobilieninvestoren den Schaden zahlen, der die Allgemeinheit da übernehmen muss.

    3. Markus Says:

      Tja, das ist schon lustig. Etwa alle Schaltjahre kaufe ich den Blick (gestern wegen dem Panini-Hetli für meinen Sohn). Und da lächelt mir frühmorgens der Herr Wiese entgegen…. ;-). Im Gegensatz zum Blick lese ich diesen witzigen Blog nämlich täglich.

    4. Roland Says:

      …der Herr Wiese ist diese Woche eh omnipräsent! Anfang Woche im Schweizer Fernsehen, Mitte Woche im Blick und tagtäglich im Internet!
      Es kommt mir beinahe so vor als ob ich Sie schon lange und gut kenne!

      Übrigens: Heute brachte der BLICK die Leserkommentare bezüglich des gestrigen Artikels. Mann – da haben einige wieder echten Schrott geschrieben wie z.B. Grazielle aus Emmen welche glaubt, dass die Wohnungsmiete vom Arbeitgeber der Deutschen bezahlt werde!!! (Jaja sicher – und das gesparte Mietgeld wird den verwandten nach Deutschland geschickt, damit auch die bald in die Schweiz auswandern können). Oder noch besser – Floh aus Zürich der/die sich sicher ist, dass die ach so armen Schweizer bald gar keine Wohnung mehr finden und deshalb nach Deutschland auswandern, denn dort seien die Wohnungen sowieso günstiger und die Leute freundlicher!!! (Ah ja? Bis heute dachte ich immer, die Deutschen seien laut und arrogant!)
      Echt – manchmal schäm’ich mich beinahe Schweizer zu sein!
      Gruss, Roland

    5. Dirtbag Says:

      Ach Jens… das wär jetzt nich nötig gewesen 😀 Darf doch jeder mal was vergessen!

      Also nochmals von vorn 😉

      @ Roland, ja es ist wirklich traurig wenn man die comments zum Artikel ein wenig durchschaut… haut einem aus den Socken, Schuhe und beinahe aus dem Rest der Kleider :S Bleibt aber die Angst, dass jetzt eine SVP-Kuhherde („Sorry Vürd Pizza“-Kuhherde – Pizza wird sonst auch Kuhfladen gennant und ja ich weiss, dass es „fürd“ heissen müsste, aber hey es passt grad so schön :D) einen vereinigten Ansturm auf die Blogwiese unternimmt, nachdem sie aus dem Blick von deren Existenz erfahren hat!

      @ admin, wie wäre es mit einem Ticker der die geblockten svp-zitate zählt? (vorausgesetzt ich behalte mit meiner „Pizza-Wetter-Prognose“ recht :D)

    6. Simone Says:

      @Roland:
      Mit den dargestellten Vorurteilen wurde ich auch schon konfrontiert. Mit 2 Uniabschlüssen und Berufserfahrung verdiente ich anfangs weniger, als eine einheimische Büroplinse in meinem Bekanntenkreis, die mich wegen eines jeden Zweizeilers, den sie per E-Mail verfassen musste, anrief und fragte: „Wie sagt man dem, wie schreibt man?“ In unserer Firma stellt man solche Leute zwar nicht an, aber ausserhalb gibt es sie. Jedenfalls, Vertreter dieses Schlages spekulierten bei Apéro schon öfter darüber, wohin ich denn meine Millionen schaffen würde. Es müsse sich um sehr hohe Summen handeln, da ich ja nicht tagtäglich mit ihnen beim Apéro versacke.
      @Jens:
      Ich kenne den Teufelskreis bei der Wohnungssuche. Ein Antrag auf GEFTA-Bewilligung sollte in Verbindung mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag jedoch als Referenz ausreichen.

    7. AnFra Says:

      @Jens

      Erbitte Informationen über euren deutschen Pinscher:

      Wo, wann, warum, durch wen und wie wurde er eingebürgert? Auch muss beantwortet werden, ob es stimmt:
      Laut Fama wurden die württembergischen Vorfahren der deutschen Familie Blocher gleichzeitig mit den streunenden Vorfahren des deutschen Pinschers Schweizer eingebürget.
      Wurde diese Einbürgerung mit Geld (Frage: Wie viel, welcher Rabatt und Skonto) oder mit Hundefutter bezahlt?
      Frisst er nur Schweizerfutter oder gar minderwertiges aus dem EU-Raum importiertes?
      Welche Schulungskurse für zugewanderten Streuner wurden zwecks richtiger Kehllautbetonung beim Bellen besucht?

      Du siehst: Fragen über Fragen, die ungelöst einer lebenswichtiger Erörterung in der Homestory harren.

    8. Flaneur Says:

      Meine Güte, wirklich!

      Gerade schalte ich rein zufällig (!) den mein Fernsehen, um eine morgige Sendung zur Aufnahme programmieren. Und wer scheint mir da wieder entgegen..? Der Berufsdeutsche wieder… Gerade wird die Doku „Die Deutschen kommen“ wiederholt. Bemerkenswert oder schon beängstigend, diese Medienpräsenz?

      [Anmerkung Admin: Für die Doku hat Pino Aschwanden 2 Stunden Interviews bei uns gedreht, genommen hat er davon nur einen Satz 🙂
      Ich würde sagen: Bemerkenswert, wie man um 04:01 Uhr noch TV gucken kann, oder spinnt meine Server-Uhr?
      Das mit der Medienpräsenz ist einfach zu erklären. Journalisten sind sehr bequem. Sie googeln „Deutsche in der Schweiz“, landen auf der Blogwiese und suchen dann nicht gross weiter. ]

    9. Cocomere Says:

      Journalisten…
      …sind bequem. Sie wollen einfach den Berufsdeutschen!
      Bequemer wäre an den HB, an die Bahnhofstrasse, in den Globus, ins Sihlcity, ins Unispital etc. zu gehen.

    10. Brun(o)egg Says:

      Regt euch nicht auf. Die Dummen die jeden Käse glauben und kommentieren, sterben nie aus. Schliesslich haben wir ja 30% SVP Wähler, nicht wahr?!

    11. Kreis7 Says:

      Ähm, ja, lieber Herr Wiese und was soll ich denn im „fernen“ Bülach? Bin in meiner Gegend prima verwurzelt und verspüre sehr wenig Lust ihr Nachbar zu werden. Sorry. Wie unmöglich es in meinem Kreis eine bezahlbare Wohnung und einen freien Parkplatz in der blauen Zone zu finden habe ich bereits früher schon einmal erwähnt.

      Bereits vor zwei, drei Jahren, als einige Bekannte sich Wohnungen im Kreis 8 anschauten kam der Spruch auf: „Wänn du sie (d’Wohnig) nöd nimmsch – nimmt sie än Dütschä…“. Bin erstaunt wie spät der Blick dieses Thema aufwärmt und breittritt.

      @Simone
      Erfahrungsgemäss eignen sich Uni-Abschlüsse, seien sie in der Schweiz oder sonst wo erworben worden, nur sehr schlecht fähige von unfähigen Mitarbeitern zu unterscheiden. Selbst Arbeitserfahrung kann als Auswahlkriterium versagen. Wenn sich nämlich deine erwähnte „Büroplinse“ einen neuen Job sucht, wird der neue Arbeitgeber nichts von ihren Defiziten erfahren, bis sie eingestellt ist und auf der Matte steht.
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man für die geleistete Arbeit und nicht für Uni-Abschlüsse Lohn bezieht.

    12. Helza Says:

      Ach Götterchen, wer will den schon in Büüli wohnen! Deshalb herrscht dort keine Wohnungsnot, auch in Uster, Fällanden, Volketswil und wie die netten Bünzlilandgemeinden alle heissen nicht. Zürichberg, Seefeld, Goldküste sind die places to be. Dort schnappen einem aber heute eher die Russen die begehrten und teuren Lokalitäten weg.

    13. D Says:

      In Bülach will auch jetzt keiner Wohnung. Schon in den zweistelligen Kreisen von Zürich findet man immer noch gute und bezahlbare Wohnungen. Wer mal richtig Probleme will eine preiswerte Wohnung zu finden sollte mal in Zone 1-4 in London suchen …

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