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Schweizerdeutsch für Fortgeschrittene (Teil 7) — Schwarzräumen

(reload vom 4.12.05)
Wir kennen „schwarzsehen“, wenn jemand die Zukunft nicht sehr optimistisch beurteilt oder wenn er ohne die GEZ-Gebühren zu bezahlen, einfach das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm konsumiert. Die deutsche „Gebühren-Einzugs-Zentrale“ sind Sie durch ihren Umzug in die Schweiz zwar los geworden, jetzt lauert dafür der freundlichen Herr von der „BILLAG“ im Hauseingang und wartet nur darauf, ihnen ein Anmeldeformular für die Programme der Schweizer Rundfunkanstalten in die Hand drücken zu können. Ob BILLAG von „BILLIG fernsehen“ oder doch von „BIsschen ILLegal“ fernsehen kommt, konnten wir noch nicht ganz klären, jedenfalls ein hübscher und bedeutungsschwangerer Name.

Ausserdem kennen wir „schwarzfahren“, wenn man ohne gültigen Fahrausweis unterwegs ist, und „schwarz ärgern“ kann man sich sicherlich auch. Das Wort „schwarzarbeiten“ haben wir jedoch noch nie gehört.

  • Was heisst „schwarzräumen“?
  • Aber was ist „schwarzräumen“? Vielleicht die illegale Räumung einer nicht angemeldeten Demo durch die Polizei? Sozusagen illegal mal illegal = legal? Oder geht es um die Räumung einer Wohnung, die ohne Licht von statten geht?

    Weit gefehlt: Hier müssen wir uns der Sprache mit Logik und Antithese nähern. Was ist das Gegenteil von Schwarz? Ich weiss: Weiss! Und was ist im Winter weiss? Richtig: Der Schnee. Und der fiel im Februar 2005 ungewöhnlich oft und viel in der Schweiz, dummerweise nicht nur auf die Skipisten sondern auch auf die Strassen des Kantons Zürich. Und was fordert der mündige Steuerzahler, der seinen „Steuerfuss“ stets zu hoch ansieht, obwohl er nur ein Mal (!) im Jahr Steuern zahlen muss:

    Schwarzräumen bitte sehr! Die kantonalen Schneeräumedienste sollen die Strasse so rechtzeitig und gründlich vom Schnee befreien, so dass sie morgens um 7.00 Uhr, wenn der Zürcher zur Arbeit pendelt, nicht mehr weiss sind, sondern schwarz.
    Ich weiss, hier wurde noch nicht schwarz geräumt:
    Hier wurde noch nicht schwarz geräumt
    Foto von Bloggingtom

  • Prinzip der Gegenteilslogik: Saurer statt süsser Sprudel
  • Diese Gegenteilslogik findet sich in Süddeutschland auch bei der Bezeichnung von Mineralwasser. Wir wissen ja bereits, dass die deutsche Bezeichnung „Sprudel“ bei den Schweizern eher Assoziationen wie „Sprudelbad“ und „Wellness-Kur“ auslösen. Wie nennt man nun in Süddeutschland ein Mineralwasser „ohne Geschmack“? Also etwas, was „nicht-süss“ ist? Genau: Was nicht süss ist, ist eben „sauer“, darum heisst das hier „saurer Sprudel“, auch wenn es nicht im entferntesten nach sauren Gurken schmeckt.

    

    17 Responses to “Schweizerdeutsch für Fortgeschrittene (Teil 7) — Schwarzräumen”

    1. Stephan Marti Says:

      Hallo Jens

      äs «Glürliwasser» chönnt o es Minerauwasser si – aber eines mit Frucht- oder ähnlichen Zusätzen …

      http://finanzblog.kaywa.com

    2. Opossum Says:

      Aber Hallo – da ist jemand wohl eindeutig schon zu lange von heimischen Gefilden weg … „schwarzräumen“ ist, wenn ich mich recht erinnere, auch in Deutschland ein gängiger Begriff für, eben, schwarzräumen. Aber diese Erinnerung ist erstens schon etwas älter und stammt zweitens aus den wilden Gebieten nördlich des Main.

      Grüsse, Uli

    3. Brun(o)egg Says:

      Ganz heikle Geschichte mit dem Schwarzräumen. Könnte von der SVP sein.

    4. Thomas Says:

      Die Billag ist ein Tochterunternehmen der Swisscom. Und da auch hierzulande der durch BWL- und Marketingleute (mit)verursachte Englischwahn Einzug gehalten hat, denke ich, dass der Namen sich aus ‚bill‘ (oder vom Verb ‚to bill‘) und ‚AG‘ zusammensetzt.
      Man könnte es auch Rechnungs- oder InkassoAG nennen.
      Aber das tönt dann halt nicht so ‚cool‘.

      [Anmerkung Admin: Vergleich zum Thema http://www.blogwiese.ch/archives/251 ]

    5. Simone Says:

      Meine Oma wohnt auf der Schwäbischen Alb und geht bei der Benennung alkoholfreier Getränke so vor:
      Es gibt süssen, sauren und gelben Sprudel sowie Wasser ohne Kohlensäure.

    6. Ostwestfale Says:

      Christian schrieb:
      „(Es gibt bei uns keine Rundfunkanstalten, bei uns darf Funk auch gerade gesendet werden)“

      Und wie nennt man dann den Richtfunk in der Schweiz?

      (D: Rundfunk wird rundherum um die Antenne, also in alle Richtungen, abgestrahlt, ergo-> Rundfunk. Richtfunk hingegen wird mit speziellen Antennen zielgerichtet auf einen bestimmten Empfänger gesendet, ergo-> Richtfunk.)

    7. cocomere Says:

      Im Sauerwasser (oder -Sprudel) hat es Kohlen S Ä U R E !

    8. marco Says:

      Wieso heisst es dann nicht Säurewasser?

    9. Neuromat Says:

      Bin gerade erst aus Liechtenstein zurück und war sicherlich ziemlichen Richtfunk ausgesetzt. Das war natürlich vorhersehbar

      wenn:

      Schwarz Schilling, von 1982 bis 1992 Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen war,

      dass der dann Vorbildfunktion bis zum letzten Winkel hat.

      Klaus Zumwinkel, Träger des Grossen Bundesverdienstkreuzes, Manager des Jahres 2003, Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen, der hat seine Weste schwarz geräumt, kein weisser Fleck (Makel) mehr. So mancher schwarze Schilling soll jetzt da in Liechtenstein entdeckt worden sein. Es lassen sich also auch Steuern schwarz räumen, auch der Begriff schwarzer Steuerfuss bekommt da eine ganz neue Bedeutung.

      Wieso stellt hier eigentlich jemand seine Comments immer zuerst mit einem Salutschiessen ein. Werden wir jetzt auch machen, wenn sie aus Deutschland kommen, die Fahnder. Erste Gerüchte zu Schweizer Verwicklungen sind ja schon im Gange … wohl auch betreffend den Hinweis, wobei sicher davon auszugehen ist, dass diese Geld auf einem Nummerkonto landet – schwarz geräumt . Kann einem schon sauer aufstossen.

    10. AnFra Says:

      @marco

      Säurewasser gibt es in der Auto-Batterie.
      In Deutschland gibt es „Säurewasser“ zum Trinken als „Säuerling und Sauerbrunnen“!
      Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliches_Mineralwasser

    11. Gery us büüli. Says:

      also bei mir ist „Sprudel“ immer noch Blööterliwasser. Wegen den schönen Luftblasen der Kohlensäure.. 🙂

    12. Helena Says:

      Mich würde vielmehr interessieren, warum in Deutschland von stillem und – man höre und staune – LAUTEM Mineralwasser die Rede ist?
      Haben auf unserem Condor-Flug ganz schön geschaut, als die Flugbegleitung fragte, ob wir stilles oder lautes Wasser wollen. Hätten ehrlich gesagt fast gelacht, ich habe das da zum ersten Mal gehört.

    13. cocomere Says:

      @marco
      Weil man wohl annimmt, dass Säure sauer ist.

    14. Mare Says:

      @Helena: Hast du schon gehört, wie die Kohlesäurebläschen im Glas klingen? Man hört’s wirklich, aber grade „laut“ sind sie nicht.

    15. shittel Says:

      der begriff schwarzräumen muss in deutschland ebenfalls – wenn wohl auch nicht sonderlich – bekannt sein:
      in einer sendung von ‚genial daneben‘ (das deutsche original, nicht die unlustige schweizer kopie) wurde nach diesem begriff gefragt – von einem deutschen zuschauer, wohlgemerkt.

    16. Stella Says:

      Schwarzarbeiten? natürlich gibt es das! Augen auf und die schwarzen Plakate mit der orangefarbenen Schrift genauer studieren! Da geht es ganz konkret um Schwarzarbeit. Ist übrigens strafbar.

    17. Adrian Says:

      @shittel: Hah, wusst ich’s doch, dass ich das Wort im deutschen Fernsehen schon vor langer Zeit zum ersten Mal gehört habe. Also nix Schweizerdeutsches. Schwarzräumen klingt auch so gar nicht schweizerisch. Im übrigen ist „pfade“ das richtige Schweizer Wort dafür.

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