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Was treiben die Schweizer in der Freizeit? — Sie verscharren Hunde

  • Was treiben die Schweizer in der Freizeit?
  • Sie treffen sich alle „im Ausgang“, als wären sie bei der Feuerwehr und müssten die Brandschutzverordnung auf allen angezeigten Fluchtwegen kontrollieren. Sie gehen Billard spielen, oder Golf, alles Tätigkeiten, bei denen etwas „eingelocht“ wird. In Deutschland wird man „eingelocht“, wenn einen die Polizei ins Kittchen steckt (das ist nicht die falsch geschriebene Englische Küche, sondern ein Knast)

  • Hund verscharren als Zeitvertreib
  • Oder sie gehen gemeinsam einen Hund verscharren: „Hundsverlochete“ heisst diese Veranstaltung.
    Was ist das nun wieder für ein merkwürdiges Ding?

    Hundsverlochete„, so bezeichnet man im Berndeutsch eine Veranstaltung, deren Anlass, der „reason why“ des Besuchs uneinsichtig ist. Man kam halt wieder einmal zusammen, sprach, ass und trank etwas zusammen, ging dann wieder nach Hause. Und erinnerte sich nie wieder an den Anlass. Wenn man als Unternehmung einen Anlass plant, so sollte das Ziel sein, dass dieser auf keinen Fall als „Hundsverlochete“ in Erinnerung bleibt bzw. eben nicht bleibt (Quelle)

    Da werden die Basler sich freuen, dass dieser Ausdruck als „Berndeutsch“ bezeichnet wird. Aber Hunde, die es zu beerdigen gilt, gibt es wohl in Basel genau wie in Bern. Ursprünglich kommt der Ausdruck nämlich von „verlochen“ = etwas in einem Loch verscharren, also geht es hier um ein Ereignis, das so unwichtig ist wie die Beerdigung eines Hundes?

    Dieses rituelle Hundeverscharren findet so regelmässig statt, dass man dafür schon eine Website einrichten musste: http://www.hundsverlochete.ch

    Bei den häufigen „Verlochungen“ muss natürlich immer wieder darüber berichtet werden, zum Beispiel in der Basler Zeitung. Die Berichte darüber sind so zahlreich geworden, dass sich ein Leser darüber schon im Internet-Forum der Zeitung beschwert hat:

    Also meine Bitte, keine Berichte über jede «Hundsverlochete» (Quelle)

    Nun, der Anlass ist sehr beliebt, und jeder bringt dann bestimmt auch seinen Spaten mit, um allzeit parat zu sein, bei der nächsten „Hundsverlochete“.

    Wissen die 14 % Leser aus Deutschland jetzt, was eine Hundsverlochete eigentlich ist? Dann nichts wie hin…

    

    7 Responses to “Was treiben die Schweizer in der Freizeit? — Sie verscharren Hunde”

    1. anna Says:

      Mit Hundsverlocheten hat man als Rheintalerin viel Erfahrung (bitte liebe rheintaler blogwiese-Leser nicht sauer sein;-)). Besonders als Jugendliche(r) ohne Führerschein bleibt einem an den Wochenenden oft nicht viel weiteres übrig, als das Festzelt des aktuellen Grümpelturniers zu besuchen, wo dann an den Festbänken (sind die in Deutschland auch so beliebt wie bei uns?) (trink)freudig zum „Anton aus Tirol“ geschunkelt wird. Mit Live-Band natürlich. Zum Glück sind diese Zeiten mittlerweile wenigstens zum Teil vorbei, da ich ja mittlerweile in der Metropole St. Gallen wohne und so eloquente Anlässe wie die Olma regelmässig besuchen darf (und das auch ausgiebig tue);-). Weiterhin ins Rheintal locken aber natürlich nach wie vor hochkarätige Anlässe wie die Altstätter Fasnacht (Festzelt, Festbänke UND „Guggen“) und die Rhema!:-)

    2. ella Says:

      Eine Hundsverlochete kann für Städter eine willkommene Abwechslung darstellen! So trifft man nicht selten an einer Hundsverlochete (zum Beispiel im schönen Emmental oder auch im Oberaargau) scharenweise Städter an, die sich mit Stilettos durch das unwegsame, sumpfige Festgelände kämpfen und sich auf den hölzernen Festbänken den
      Satin-Minirock plus Edelstrumpfhose ruinieren, weil sie von den edlen Clubs, Bars und Lounges in der Stadt genug haben.

      Also, Jens, Hunde verscharren lohnt sich und im Nachhinein erinnert (und/oder interessiert) sich keiner mehr, wie lange du nackt auf den Tischen getanzt hast :)!

    3. Honk Says:

      Ich würd die „Hundsverlocheten“ im Emmental nicht „Hundsverlocheten“ nennen, man trifft immer wieder interessante Leute und so langweillig ist das im Emmental gar nicht. Ich find das gemütlich an den schönen „Chäferfeschtli“ an einem warmen Sommerabend in irgend nem kleinen Dorf, wenn dich dann jemand fragt wo du am Wochenende warst und du antwortest mit: „Am Mirchu-Fescht“ ist immer wieder schön zu hören: „He? Woisch d das widr?“

    4. wert Says:

      @anna

      führerschein wird nich immer benötigt ostwind abo und kollegen in st. gallen (bei denen man notfalls pennen kann) haben den gleichen effekt 😉

      grüsse aus widnau

    5. anna Says:

      @wert
      ja, weisst du, als wir 16 waren war unsere welt halt noch nicht so gross (das ostwind gab’s auch noch nicht, nur gleis7). wenn nicht grade rhema oder lochfest oder moschtifäscht o.ä. war, war halt das „halli galli“ unser zweites zu hause. unser heimweg war auch immer schön selbstmörderisch, zwei mit dem fahrrad, die sich an einen mit mofa gehängt haben, alle drei natürlich schön blau…;-) ach, die guten alten zeiten…

    6. Stryke Says:

      Im Graubünden gibt es die dubiosen „Hundesverlocheten“ wie Disco-Laax, Disco-Filisur, etc. irgendwie müssen sich die Bergler dort etwas fürs Wochenende einfallen lassen oder man geht auf ein Mäiensääs und bechert dort schön viel. Obwohl im Winter in den Skiorten noch viel Après-Ski gefeiert werden kann.

    7. viking Says:

      Bei uns gibt es auch den Spruch „Der/Die geht auch an jede Hundsverlochete“ (im Sinne von Popelveranstaltung).

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