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Schlangestehen bei der Post am Monatsende — Die Kontonummer wird nicht preisgegeben!

(reload vom 09.09.05)

  • Gehen Sie auch zur Post am Monatsende?
  • Die Schweizer sind ein sehr geselliges Völkchen und gern beieinander. Am liebsten treffen sie sich regelmässig in der Warteschlange vor dem Postschalter am Monatsende. Es gehört zum Schweizer Lebensgefühl, dort mit Bargeld alle anfallenden (Schweizerdeutsch „allfälligen“) Rechnungen zu bezahlen und sich beim Warten die Zeit mit Diskussion darüber zu vertreiben, wie teuer wieder alles geworden ist. Der letzte Satz war glatt gelogen: Es wird niemals diskutiert oder lamentiert dort. Es wird stoisch geschwiegen und gewartet, dass man endlich dran kommt. Das allerdings mit einem gewissen Leidensgenuss. Wie sonst ist es zu erklären, dass viele Schweizer diese Qual jeden Monat wieder über sich ergehen lassen? Zur Abwechslung lässt man sich auch mal gern von einem Trickbetrüger ausrauben (siehe unten).
    Die Post hat Monitore aufgestellt mit einem Unterhaltungsprogramm, um das Warten zu versüssen. Schokoriegel und Bonbons kann man sich auch kaufen in der Halle vor den Postschaltern. Vielleicht kommen ja deswegen die Schweizer immer wieder?

  • Ihre Kontonummer will niemand haben
  • Bankkunde zu sein in der Schweiz ist ein völlig anderes Gefühl als in Deutschland. Es beginnt mit der Tatsache, dass solch vertraute Daten wie Kontonummer und Bankleitzahl (über die in Deutschland jede Bank eindeutig identifiziert wird, wie Strasse, Hausnummer und Postleitzahl einer Personenanschrift) plötzlich keine Rolle mehr spielen. Man lernt schnell, dass diese Nummern nicht wichtig sind, und wenn überhaupt nur die internationale IBAN Nummer etwas zählt (falls man Zahlungsverkehr mit Deutschland abwickeln möchte).

    In der Schweiz will niemand ihre Kontonummer wissen. Sie wird geheim gehalten, sie brauchen sie nicht preis zu geben. In Deutschland bekommt man keinen Mietvertrag, keinen Telefonanschluss, keinen Stromanschluss , keine Versicherung und kein Zeitungsabonnement, wenn man nicht seine Kontonummer mit Bankleitzahl angibt, und einem automatischen Lastschriftverfahren (Abbuchung) zustimmt. Das hat zur Folge, das der typische Deutsche bei 10-20 Kontobewegungen monatlich gar nicht mehr so genau weiss, was das denn alles im Einzelnen ist, es geht automatisch von seinem Konto ab.

    Natürlich ist es auch in Deutschland möglich, Telefon und Strom per Rechnung zu bezahlen, aber niemand nimmt freiwillig diesen mühseligen Weg auf sich, wenn doch so einfach abgebucht werden kann. Ehrlich gesagt, die meisten Deutschen haben noch nie darüber nachgedacht, dass es auch anders gehen könnte als per Abbuchung. Das ist einfach so, und es funktioniert meistens prima. Bei Fehlbuchungen kann ich mir ja von meiner Bank die Kohle zurückholen lassen, was horrende Strafgebühren für den Fehlbucher zur Folge hat.

  • Rosa oder rote Einzahlscheine?
  • In der Schweiz bekommt man dafür rosa Einzahlsscheine (sind die wirklich rosa? Oder doch eher rot?) zusammen mit der Rechnung vorausgefüllt zugeschickt, um diese Dinge ganz diskret über die eigene Bank oder noch besser über die Post abwickeln zu können. Und das ist für Deutsche gleich auch das grösste Paradoxon: Die grosse Schweizer Post, das wichtigste Geldinstitut für alle Zahlungsangelegenheit, ist nicht einmal ein Bank. Eine solche will sie werden, und kämpft momentan verbissen darum, von den Kreditinstituten in der Schweiz anerkannt zu werden.

    Momentan ist die Post noch der besagte beliebte Treffpunkt der Schweizer am Monatsende: Man trifft sich in der Schlange vor den Schaltern, mit einem stapel rosa Einzahlungsscheine in der Hand, um seine Miete, seinen Strom, das Telefon, Internet und alle anderen regelmässigen Kosten zu bezahlen. Natürlich in Cash, durch Einzahlung. Sonst müsste man ja seine Kontonummer preisgeben, oder doch auf eine dieser ominösen Abbuchugsanträge eingehen, die ständig ins Haus geflattert kommen.

    Der Schweizer liebt seine Anonymität in Sachen Bankangelegenheit, und sogar der Krankenversicherungsbeitrag wird per Einzahlungsschein bezahlt, obwohl die Versicherung natürlich sehr wohl weiss, wohin sie die Rückerstattungen überweisen soll. So weit geht es noch nicht, dass dafür nur Verrechnungsschecks verschickt werden. Einen solchen habe ich in der Schweiz noch nie gesehen.

  • Treffpunkt auch für Trickdiebe
  • Schlangestehen zu Monatsende gehen die Leute dann mit zig Tausend Franken los, um alles zu bezahlen, und sind beliebtes Opfer von Trickdieben in der Schalterhalle, die z. B. 100 CHF zu Boden fallen lassen, und wenn sich das Opfer bückt, mit dessen Geldumschlag, der schon bereitliegt, plötzlich verschwinden.

    Banking in der Schweiz ist natürlich durch die starke Verbreitung des Internets via Kabelanschluss auch „electronical banking„, und auch hier ist manches anders als in Deutschland: PIN-Nummern von Online-Konten und EC-Karten sind grundsätzlich sechsstellig, und nicht nur vierstellig wie in Deutschland. Zu Zeiten, als man in Deutschland noch mit lax verschlüsselten HTTPS Seiten online ging, gab es hier bereits verschlüsselten Java-Code für den Kontozugang, der selbstverständlich über SSL-Verschlüsselung, mit einer spezielle Zugangsnummer PLUS geheimes Passwort PLUS einer TAN-Streichlistennummer authentifiziert werden muss. Nach wenigen Minuten ohne Aktivität wird man rausgeworfen, und ordentlich abmelden muss man sich auch im Browser, sonst meckert der Server beim nächsten Mal.

    Pin-Nummern von EC-Karten kann man im übrigen an jedem Bankautomat sofort ändern, auch das habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Leider führt dass dann dazu, das manche Leute die Nummer 123456 oder 888888 verwenden, wirklich schwierig zu merken.

    Bei der Deutschen Postbank Online (das ist wirklich eine Bank in Deutschland!) reicht die Eingabe der Kontonummer (die auf jedem Briefpapier zu finden ist) und einer nur 4stelligen Geheimzahl. Danach wird mit schlichtem SSL/HTTPS verschlüsselt. Kein Wunder, dass dieses Institut immer wieder Ziel von „Phishing„-Angriffen wird, bei solch laxen Sicherheitsvorkehrungen.

    Noch ein paar Unterschiede, an die man sich erst gewöhnen muss:

  • Sie wollen also einen Dispokredit haben?
  • Einen automatischen Dispo-Kredit in 2-3 facher Höhe des monatlichen Gehaltseingangs bekommt man in Deutschland grundsätzlich nach 3 Monaten von seiner Bank geschaltet. Wenn man ein bisschen bettelt, sind da schnell 10.000 Euro „Konsumenten-Dispo-Kredit“ möglich. Die hohe Anzahl von verschuldeten Privathaushalten in Deutschland ist die Folge. Versuchen Sie dies mal in der Schweiz bei ihrem Geldinstitut als Privatkunde, der nicht mit 200.000 CHF Einlage daherkommt:
    „Sie wollen einen Überziehungskredit? Wären für den Anfang 1.000 CHF ausreichend? Aber bitte immer bald zurückzahlen!“

    Lächerlich ist da, einfach lächerlich, wenn man deutsche Konditionen gewohnt ist. Aber auch sehr weise, denn so verhindert der Staat die rasche und hoffnungslose Überschuldung seiner Bürger. Hat man dann vielleicht 150 CHF Dispo-Kredit tatsächlich über 6 Wochen in Anspruch genommen, ohne das Konto aktiv aufzufüllen, so hagelt es schriftliche Ermahnungen von Seiten des Geldinstituts, immer von zwei Leuten unterschrieben. Die Schweizer Bank macht sich Sorgen, wo das Geld bleibt, anstatt sich darüber zu freuen, dass sie prima Überziehungszinsen in Rechnung stellen kann. Paradox.

  • Kreditkarte für alle
  • Geändert hat sich dies erst, als COOP mit der SuperCard und die Migros mit der BudgetCard zwei kostenlose Kreditkarten auf den Schweizer Geldmarkt brachten, die nebenbei auch gehörigen Überziehungskredit bieten. Wer also einen festen Wohnsitz mit B-Bewilligung in der Schweiz hat, bekommt so locker einen gehörigen Kreditrahmen von den beiden Unternehmen eingeräumt. Die „Einladung zur Selbstverschuldung“, wie sie in Deutschland bei jeder Bank üblich war, hat also auch die Schweiz erreicht.

  • Zahlungsziel 30 Tage
  • Zahlen muss man seine normalen Rechnungen übrigens grundsätzlich erst nach 30 Tagen, das ist in der Schweiz so üblich. Wenn jemand kürzere Fristen verlangt, gilt er als misstrauisch und nicht den Schweizer Konventionen folgend.

    Nach4 Monaten Strombezug vom Stromlieferanten EKZ gibt es die erste Rechnung. Die ist dann für die ersten 3 Monate, und man braucht sie wiederum erst in 30 Tagen zu bezahlen. Alles klar? Wer eine Website anmietet, bekommt sie bei fast allen Provider binnen (Schweizerdeutsch „innert“) weniger Stunden freigeschaltet, mit vollem Zugriff, und eine Rechnung erfolgt nach 1-2 Wochen, mit aufgedrucktem Zahlungsziel von 30 Tagen, was sonst.

    Sind sie nicht grosszügig und geduldig, die Schweizer?

    

    14 Responses to “Schlangestehen bei der Post am Monatsende — Die Kontonummer wird nicht preisgegeben!”

    1. solar Says:

      Kann vielleicht da mal jemand Bank- und Geldgeschäftskundiger überprüfen, ob das alles hieb- und stichfest stimmt, was Blogwiese hier geschrieben hat? Ich war damals noch nicht so lange dabei und glaubte noch, in diesem Blog stimme immer alles. Jedenfalls legte ich damals vertrauensselig einen Ausdruck davon ins Mäppchen „Rund ums Geld“ für den Fall, dass ich mir einmal in ferner Zukunft auch die Mühen von E-Banking antue (wo man all die Zahlen und Formulare ein- und ausfüllen muss und sich ums Gottsärdewille nicht verlugen und nicht vertippen darf).

      Mir war vorher nämlich z.B. noch nicht einmal aufgefallen, dass es rosa und orange Einzahlungsscheine gibt und diese unterschiedliche Bedeutungen haben. Und von der EBAN-Nummer hatte ich damals hier erstmals etwas vernommen (seither aber solche tatsächlich gebraucht!). Man sieht also: Das zeitraubende Hobby Blogwiese hat durchaus positive Seiten: Man kann etwas lernen. Aber eben, es muss stimmen, was man lernt. Ist Blogwiese unfehlbar genug?

      Neben dem Lernen neuer Inhalte ist auch – bei häufiger Beteiligung – der Auffrischungseffekt bei der Addition über den Zehnerschritt nicht zu unterschätzen. Ich kanns endlich wieder!

    2. Simone Says:

      Warum die Scheine ausgerechnet rosa und orange sein müssen, ist mir ein Rätsel. Löst man seine Überweisungen per Online-Banking, sind die Scheine auf dem Schirm je nach Lichteinfall kaum zu unterscheiden.

      Ich bekam meine Kreditkarte auch ohne B-Bewilligung nur mit dem Antrag auf L (dauert ja in Zeiten deutscher Überflutung gerne mal länger) und mit einer Kopie des Arbeitsvertrags im Anhang des Faxes (insgesamt 9 Seiten).

    3. Enk Says:

      Nachdem ich auch ziemlich schockiert war über die recht rückständigen Schweizer Banken mit Papier-Überweisungen und horrenden Gebühren, gibt es mittlerweile eine ganz nette Innovation von der Postfinance, die es so in Deutschland meines Wissens nicht gibt: Die E-Rechnung. Das ist quasi ein Lastschriftverfahren mit Bestätigung des Kunden. Die Rechnung z.B. vom Stromanbieter erscheint automatisch im Online-Banking des Kunden, der dann mit drei Mausklicks die Zahlung auslösen kann. Fand ich ne ganz gute Kombination aus Komfort und Sicherheit

    4. mare Says:

      Im grossen und Ganzen stimmt es schon, aber es gibt ja noch ein Postscheckkonto, das kann man selber ausfüllen zu Hause und wirft dann einfach den Zahlungsauftrag samt den Schecks in den nächsten Kasten.

    5. Sandra-Lia Says:

      Nun, in der Schweiz ist es auch verhältnismässig einfach ,sein Geld wieder einzutreiben. Man kann ja jeden und jedes Betreiben.. In de erfordert dies schon sehr viel mehr..

      Aber abgesehen davon finde ich die Deutsche Moral von 14 Tagen einfach nur schäbig. Schliesslich kommt der Lohn halt nur einmal pro Monat, und das ist selten dann, wenn sich die Servicewüsten in DE dazu entschliessen, von einem Geld zu wollen.

    6. otto-vonhintenwievonvorn Says:

      Natürlich dürfen die Bereitschaft zu geduldigem Verhalten bei unseren Schweizer Nachbarn nicht überschätzen. Meine Gattin und ich reisen jährlich an die erholsame Nordsee und treffen dort in schöner Regelmässigkeit auf Touristen aus der Schweiz, die vor allem aus der Region um Basel und Zürich stammen. Von denen können wir nun nicht behaupten, dass es sich um besonders geduldige Zeitgenossen handelt. Nach norddeutschem Empfinden sind es manchmal sogar eher quarrige Italiener mit einer eigentümlichem Unruhe und Nervosität, die nicht so recht zum bekannten Image des ruhigen und gelassenen Bergvolkes, welches überwiegend in Tälern lebt, passen will.

      Nun zum Thema: Wer eine Rechnung erhalten hat, der soll diese doch auch bezahlen und doch auch rasch und korrekt, dann ist die Sache erledigt. So haben wir es bei den von Hintens immer gehalten und sind gut damit gefahren.

      Unklar ist mir, wie man ein Postscheckkonto selbst ausfüllen kann und in welchen Kasten man es nachher einwirft.

    7. mare Says:

      @otto-vonhintenwievonvorn
      Richtig, man kann den Scheck des kontos ausfüllen, das ganze mit den Einzahlungsscheinen in einen Umschlag stecken und in den Briefkasten werfen. Hab mich wohl allzu kurz gefasst.

    8. Flaneur Says:

      Wieso eigentlich „Schlangestehen“?

      Ich war zwar früher auch monatsendlich regelmässig bei der Post, aber egal wo – Schlangestehen musste ich noch nie. Nein, hier wird ordentlich eine Wartenummer aus dem Automaten an der Eingangstüre gezogen. Ganz wie auf dem guten alten Arbeitsamt in Deutschland, oder bei anderen langsam mahlenden Behörden.

      Hat aber seine Vorteile… Da kann man sich gemütlich hinsetzen, die neuesten Errungenschaften der Mobiltelefonindustrie in der Vitrine anschauen, Zeitung lesen, etc… bis man an anhand der Wartenummer an den Schalter bestellt wird.

      Und man kann der Schweizerischen Post wirklich keine langsam mahlenden Mühlen vorhalten kann. Das mit der Unterscheidung in A- und B-Post kann, will und werde ich zwar niemals verstehen (die logischste Erklärung ist für mich noch, dass die günstigeren Briefe künstlich zurückgehalten werden… da kann man immer noch ein paar Rappen zusätzlich einnehmen…), und auch die Unterscheidung der verschiedenen Überweisungsdetails (roter Einzahlungsschein, oranger Einzahlungsschein, IBAN, SWIFT, Clearing-Nummer, etc…) mutet etwas gewöhnungsbedürftig an…

      Aber schnell scheinen sie dann, die Geldtransaktionen.

      4 Uhr morgens: Online-Bestellung.

      4:05 Uhr morgens:
      Online das Geld aufs Postkonto überwiesen.
      Vorauskasse natürlich, da die Kreditkarten-Gebühren ja bei vielen Händlern horrend teuer scheinen.

      9:59 Uhr: Versandbestätigung des Händlers.
      Rekordverdächtig.

      Geht das wirklich so schnell mit den Postkonten?

    9. Flaneur Says:

      PS:

      Wenn ich mal nach Deutschland fahre, begrüsst mich mit schöner Zuverlässigkeit eine Schlange von mindestens einem Dutzend Leuten, fein aufgereiht in der Postfiliale.

      Immer.

      Am späten Nachmittag oder Samstags auch gewöhnlich durch den Schalterraum bis zur Eingangstüre.

      Da weiß ich dann, dass ich „endlich wieder in Deutschland“ angekommen bin.

    10. ch.atzefrey Says:

      Also bei mir geht das so: Ich gehe mit den Einzahlungsscheinen und dem gelben Quittungsbüchlein auf der Post einzahlen. Da bekomme ich immer gür jeden Einzahlungsschein einen Stempel und den genauen Betrag in ein Feldchen. So habe ich immer alles beieinander und die Übersicht.

      Zuerst muss ich Geld haben. Dem Bancomaten traue ich nicht recht. Es heisst doch immer, da seien Kameras darin versteckt, die meinen Code filmen. Darum stehe ich lieber zuerst geduldig an in der Bank. Der Herr Göldi ist ein ganz Netter. Er zeigt mir immer, wo ich unterschreiben muss und gibt mir dann die Noten. Meistens bleibt dann gar nicht mehr so viel übrig von der Rente. Alles wird ja immer teurer.

      Früher war da noch die kleine Post mit der Frau Zahler und dem Herrn Frank, aber die haben die von Bern ja vor ein paar Jahren einfach zugemacht. Jetzt muss ich mit dem vielen Geld viel weiter gehen. Aber ich halte meine Tasche immer ganz fest und schaue mich auch immer nach allen Seiten um, ob keine Maskierten kommen.

      In der Post muss ich einen Knopf drücken, damit ich eine Art Lösli bekomme. Da wird nämlich ausgelost, wer an welchen Schalter soll. Jetzt warte ich also und schaue immer auf die Tafel mit den roten Nummern. Ich muss genau schauen, wo ich stehenbleibe. Überall stehen ja Vitrinen, die die Sicht auf die Nummernaufruftafel verdecken. Schade. Ich brauche nämlich kein Mobiltelefon. Das kostet doch viel zu viel. Damit zu telefonieren, meine ich, denn man bekäme sie wohl recht billig, manchmal für einen Franken. Aber immer wieder lese ich von den riesigen Schulden der Jugendlichen, alles wegen dem Handy.

      Sowieso würde ich es nicht richtig handhaben können. Mit den Gichtknoten an den Fingern und dem Zittern träfe ich diese kleinen Knöpfchen kaum. Also meine Freundin, die Olga, die hat zwar eins, aber sie will es nur im Notfall brauchen. Aber immer, wenn der Notfall kommt, hat sie es gerade auf dem Buffet zuhause. Ich glaube, die weiss sowieso gar nicht mehr, wo sie es anstellen müsste. Darum kaufe ich auch lieber keins.

      Auch die Augenbinden für den tiefen Schlaf im Flieger, die Faltbecher und andern ungeheuer praktischen Reisesachen in den Vitrinen brauche ich nicht. Ich gehe jedes Jahr einmal mit der Olga ins Toggenburg in ein kleines Hotel. Da gehen wir mit dem Zug und ich brauche keine Schlafbrille.

      Jetzt ist schon die 74 auf der Tafel, und ich habe die 76. Hoffentlich komme ich nicht an Schalter 2. Die Schalterangestellte hat ja überall so Ringe im Gesicht, oder silberne Bölleli. Aber an Schalter 3 möchte ich auch nicht, weil ich die Frau dort schon mal gesehen habe mit einem grossen Hund. Als der einen Dreck aufs Trottoir machte, ist sie einfach weitergegangen, als hätte sie nichts gemerkt. Nicht einmal ein Säcklein hatte sie.

      Ich habe Glück. Ich komme zum herzigen blonden Fräulein. Und auch mein Geld ist noch da. Alles! Aber herrje! Jetzt habe ich das gelbe Quittungsbüchlein zuhause auf dem Buffet vergessen!

    11. otto-vonhintenwievonvorn Says:

      Werter ch.atzefrey

      Vermutlich werden da eine ganze Reihe von Lesern sich köstlich über Ihren Beitrag amüsiert haben – aus reiner Schadenfreude. Aber fühlen Sie sich meiner Solidarität versichert. Auch ich litt unter ganz ähnlichen Symptomen der Vergesslichkeit und ich meine nicht nur den Geburtstag meiner Frau, Hochzeitstag, Telefonnummer meiner ungarischen Physiotherapeutin und ähnliches, nein den gesamten Inhalt geliebter Fernsehsendungen, wie Musik ist Trumpf und der Goldene Schuss, vermochte ich nicht mehr zu erinnern.

      Ändern Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten: Dreimal täglich Vita buerlecithin plus Vitamine Saft, sibirischen Ginseng und Sonnenhut zur Nervenstärkung und Breitwegerich- und Flohsamen zum regelmässigen Abführen.

      Und gehen Sie nicht auf die Post, gehen Sie lieber in den Puff. Früher konnte man dort auch eine Nummer ziehen und dann eine schieben. Sprachlich hat hier zumindest einiges überdauert. Nehmen Sie vorher (!) Eumel Bull Kraft Dragees und reicht dies nicht, dann lassen Sie es uns via Blog wissen. Herr Wiese wird umgehend eine Packung Aktiv Erection System zugesandt bekommen, um diese anstandsgemäss und ordentlich verpackt weiter zu leiten.

      Und heiraten Sie Olga, das bringt Leben in die Beziehung und Sie haben jemanden, der für Sie zur Post gehen kann. Ziehen Sie lieber eine Nummer für die Blonde hinter dem Schalter und trinken Sie regelmässig ein Glas Wodka, so wie ich ab 22:00 auch mal eins zuviel. P(r) ost!

      Was will man eigentlich in Deutschland auf einer Post? Hier gibt es keine Nummern. Und ausser nicht zustellbaren eingeschriebenen Briefen auch nichts anderes und wenn man seine Rechnungen sofort bezahlt, dann kriegt man auch diese eingeschriebenen Briefe nicht oder hat zumindest keine Angst vor dem Briefträger und tritt ihm mutig wie einem pamplonischen Stier entgegen und packt ihn bei den Epauletten. Vielleicht ist es aber auch eine Briefträgerin, sehen Sie dann brauchen Sie doch ein Handy, damit Sie den Termin mit der ungarischen Physiotherapeutin verschieben können; denn ihre Olga wird jeden Abend die Wahlwieder-holungstaste an Ihrem Festnetzapparat drücken und diese neumodischen Apparate, speichern ganze Kompanien von Anrufen. Früher hat das alles noch die Post gemacht.

      Sehen Sie, ich muss schon wieder Schluss machen, trotz Goldrute und Sägepalme treibt es mich wieder an einen stillen Ort. Hoffentlich knall ich jetzt nicht auf die Fresse nach dem Wodka.

    12. Kreis 7 Says:

      Schlange stehen für Zahlungen tun doch nur Grossmütter, meine ist 80, und, sorry, Idioten!
      Ich halte es mit Rechnungen so, dass ich für wiederkehrende Zahlungen LSV habe oder sollte mal ein Einzahlungsschein reinflattern, ich diesen subito per e-Banking erfasse und brav auf den Zahlungstermin (ja, genau, Rechnungsdatum plus 30 Tage) valutieren. Geht zwei Minuten. Im Übrigen können E-Rechnungen auch bei der UBS bezahlt werden, macht nur niemand.
      Dispokredite gab es bis vor ein paar Jahren sehr generös und mit einigen Ausfällen. Der Gesetzgeber war auch lange Zeit gegen ungedeckte Überzugslimiten. Ergo gibt’s nun die GE Moneybank, Cash-now, einige Kantonalbanken und wie erwähnt Coop, Migros etc., die völlig überteuerte Kredite gewähren. Wer braucht dies schon? Eine klassische Schweizer Tugend ist (war?!?), dass man nur das Geld ausgibt, welches man auch besitzt. Ausnahmen sind für ein Haus, Geschäft oder die Ausbildung.

    13. ch.atzefrey Says:

      Sehr geehrter Herr – äääh, wie heissen sie jetzt schon wieder? – ach ja, von Hinten

      Ich liege unterm Tisch, tränenüberströööö…

    14. Füppi Says:

      Automatisches Lastschriftverfahren gibt’s auch schon längst bei der Schweizer Post. Kannst so die Wohnungsmiete usw. abbuchen lassen.

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