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Ist die Rüebli-RS eine militärische Ausbildung im Aargau?

  • Was haben Rekruten mit Rüben zu tun?
  • Sprachliche Zeichen haben Bedeutung. Sie geben die „aussersprachliche Wirklichkeit“ wieder. Wer das sprachliche Zeichen nicht nur lesen sondern auch verstehen will, muss die dazu passende aussersprachliche Wirklichkeit kennen. Sonst versteht er nichts. Diese Erfahrung machten wir bei der Lektüre des Tages-Anzeigers vom 03.07.07, S. 1:

    Wieder Rüebli-RS für Mittelschüler
    Zürich. – Die populäre dreiwöchige Rüebli-RS für Mittelschüler wird im Kanton Zürich wieder eingeführt. Mit 112:34 Stimmen hob der Kantonsrat gestern einen Sparbeschluss des Regierungsrates auf, der die Haushaltskurse abgeschafft hatte. Auslöser für den Entscheid war die Volksinitiative «Ja zur Husi». Das Kantonsparlament hat dem Begehren überraschend zugestimmt. Da es sich bei der Initiative um einen ausformulierten Gesetzesentwurf handelt, wird er ohne Urnenabstimmung in Kraft gesetzt. So sieht es die neue Kantonsverfassung vor. Möglich ist aber, dass in den nächsten sechzig Tagen das Referendum ergriffen wird. Die FDP prüft dies. Dass sie einen Volksentscheid erzwingt, ist aber eher unwahrscheinlich
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

  • Nicht im Aargau, wo gibt es denn sonst noch Rüebli?
  • Wir haben in der Zwischenzeit gelernt, dass mit „Rüebli“ ein landwirtschaftliches Produkt gemeint sind, die „gelben Rüben“ aka Karotten aka Mohrrüben oder Möhrchen. Die wachsen vor allem im Kanton Aargau, weswegen dieser für seine Rüeblitorte bekannt ist und auch den Decknamen „Rüebliland“ führt.

    RS“ hingegen, auch das haben wir begriffen, steht für „Rekruten-Schule“ und ist eine streng geheime militärische Abkürzung, ähnlich wie „WK“ – Wander-Klassenreise oder Wahl-Kreis. Doch das ist noch lange nicht alles Unerklärliche in diesem Artikel. Es geht dann noch um die „Husi“, von der wir meinen zu wissen, dass es nicht die „Hausaufgaben“ sein können, denn das sind ja schon die „Ufzgi“ oder „Uffszgi“die sich nicht „Auf Ski“ durch den Wintern bewegen (vgl. Blogwiese). „Husi“ müsste laut Kontext ein „Haushaltskurs“ sein. Kein Re-Kurs, kein Abendkurs oder Sprachkurs, nein, ein „Haushaltskurs“. In Deutschland auch bekannt unter dem längeren Formulierung „Einführung in die Hauswirtschaftslehre“.

  • Gemüse rüsten in der RS
  • Doch zurück zur Rüebli-RS. Was hat Hauswirtschaften mit Karotten und der Rekrutenschule zu tun? Der Zusammenhang ist einfach als gedacht, doch ich musste erst den freundlichen Nachbarn aus der S-Bahn fragen, der es mir dann plausibel erklärte: Was macht man mit „Rüebli“ bevor man sie kochen kann? Putzen, genau, in der Schweiz wird das allerdings militärisch ausgedrückt: „rüsten“. Nicht auf- oder abrüsten, sondern Gemüse wird gerüstet, ohne Entrüstung.

    Es geht um Kochkurse für Mittelschüler, die eidgenössisch organisiert lernen sollen, wie man Gemüse putzt, und zwar zwangsweise, dazu verdonnert wie die Rekruten in der Rekrutenschule. Daher die hübsche Bezeichnung „Rüebli-RS“. Nicht ganz billig, diese Wiedereinführung der abgeschafften Kochkurse, wie wir im Tagesanzeiger lesen:

    Die Wiedereinführung der «Husi» ist teuer. Laut Berechnungen der Bildungsdirektion ist mit einmaligen Kosten von rund 11 Millionen Franken zu rechnen. In den Kurszentren müssen beispielsweise bereits verkaufte Geräte und Materialien wieder beschafft werden. Dazu sind die Zentren in Bülach und Weesen noch vermietet und müssen gekündigt werden. Zudem müssen die eingesparten jährlichen Betriebskosten von 4,2 Millionen Franken wieder budgetiert werden. Wann die ersten Mittelschüler in die Rüebli-RS einrücken können, ist noch offen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

  • Pilatus zu Pfannen — Ent-rüstet das Gemüse!
  • 11 Millionen plus 4,2 Millionen, das sind 15,2 Millionen Franken. Was kostet eigentlich eine Pilatus PC-21? Das neue Flugzeug der Schweizer Luftwaffe wird mit einem Preis von 115 Millionen Franken für 6 Maschinen angegeben, also ein zum Stückpreis von ca. 19 Millionen (Quelle Wikipedia). Reicht für ein paar Rüebli-RS, würde ich sagen. Und hat ja, wie dargelegt, auch mit „rüsten“ zu tun. Aus den Aluminium-Bauteilen lassen sich sicher klasse Kochtöpfe herstellen, und eine feste Teflonschicht für die Pfannenböden findet sich bestimmt irgendwo beim Düsenantrieb.

    Pilatus ist ein Berg bei Luzern
    (Quelle Foto: switzerland-tours.ch)

  • Wie der Pilatus zu seinem Namen kam
  • Pilatus ist, für nicht in der Schweiz Wohnende, der bekannte Ort, zu dem man läuft, wenn man von „Pontius zu Pilatus“ unterwegs ist. Hübsch ist die Geschichte, wie der heutige Berg bei Luzern zu seinem Namen kam:

    Er verdankt diesen Namen dem Statthalter Roms in Jerusalem, Pontius Pilatus, der sich bekanntlich sehr zwielichtig für die Unschuld Jesu (in der christl. Überlieferung) eingesetzt habe. Der Sage nach fand er im inzwischen verlandeten Gipfelsee (dem Pilatussee bei der Oberalp) seine letzte Ruhestätte. Überall, wo man seine Leiche zuvor bestatten wollte, traten heftige Stürme auf. Deshalb wurde ein hoher Berg wie der Frakmont ausgewählt, auf dem ohnehin fortwährend Unwetter toben. An jedem Karfreitag soll der römische Statthalter von Judäa aus seinem nassen Grab steigen und in vollem Ornat zu Gericht sitzen. Bis ins 16. Jahrhundert hatte der Stadtrat von Luzern das Besteigen des Berges unter Androhung von Strafen verboten. Pilatus sollte im Gipfelsee nicht gestört – und keine Unwetter heraufbeschworen – werden. Aber wehe, wenn es jemand wagte, etwa durch den Wurf eines Steines in das stille Wässerchen, den Pilatusgeist zu erzürnen. Dann habe es furchtbare Unwetterschläge mit schweren Verwüstungen bis nach Kriens hinunter abgesetzt.
    (Quelle: Wikipedia)

    Sie müssen jetzt nicht meinen, die Pilatus PC-21 Flugzeuge fliegen nur bei Unwetter. Sie stürzen auch nicht so häufig ab wie ihre Namensvetter. Genauer gesagt ist erst eins von den Dingern durch menschliches Versagen abgestürzt, was man von PCs nicht behaupten kann. Die Flugzeuge heissen so, weil sie von einer echten urschweizerischen Firma mit dem innerschweizer Namen „Pilatus Aircraft“ gebaut werden.

    

    16 Responses to “Ist die Rüebli-RS eine militärische Ausbildung im Aargau?”

    1. viking Says:

      Husi ist ganz einfach die Huswirtschaftsschuel (Hauswirtschaftsschule) oder Huswirtschaftsunterricht.
      Wie den Medienzitaten zu entnehmen ist, geht es bei der Wiedereinführung der Rüebli-RS um Mittelschüler des Kantons Zürich. Also um Schüler der Kantonsschulen. Darum werden die Schüler nicht eidgenössisch organisert irgendwelche Rüebli rüsten. Das Bildungswesen ist (wie in D Ländersache) hier Kantonsangelegenheit.

    2. solar Says:

      Früher mussten die Mittelschülerinnen obligatorisch mit rund 17 Jahren in den Sommerferien 4 Wochen in die Rüebli-RS oder – häufiger gesagt – ins „Obli“ (weils obligatorisch war). Drei Wochen mussten sie von ihren fünfwöchigen Sommerferien drangeben, die erste Woche war die letzte Vorferienwoche, die ihnen „geschenkt“ wurde.

      Die Mittelschülerinnen, die im Gegensatz zu andern Mädchen nicht schon in der Volksoberstufe oder in anschliessenden „Sechswochenkursen“ (wahlweise auch in einem Husi-Jahreskurs) dafür ausgebildet wurden, wurden also dank ihrer Intelligenz in nur gerade 4 statt 6 Wochen zu tüchtigen Hausfrauen ausgebildet. Denn auch Akademikerinnen sollen ihrem Mann dereinst ein angenehmes Nest bieten können!

      Die Klassenkameraden hingegen hatten entweder normal Ferien oder machten sich allenfalls bei Bauern im Landdienst nützlich. Sie hatten dafür gut 2 bis 3 Jahre später ungleich viel länger in die militärische Rekrutenschule (RS) zu gehen (früher 17 lange Wochen, später immer kürzer). Die Rüebli-RS bzw. das Obli war der milde weibliche Gegenpart, der allerdings je nach Lehrkräften spannend oder halt sehr öde sein konnte.

      Noch 1967 lernte ich dort Herrenhemdenkragen wenden oder neu überziehen mit einem Stoffstück aus dem „Hemdenstock“ (das untere Ende des hinten längeren Hemdrückens, der sowieso in die Hose gesteckt wird und wo ein andersfarbiges Ersatzstück eingesetzt werden konnte, ohne dass man dies von aussen sah).
      Oder Leintücher wenden: in der Mitte längs entzweischneiden und umgekehrt wieder zusammennähen. So war der noch starke äussere Rand neu zusammen mit einer Längsnaht (!!) dort, wo man immer lag, und der davon „blöd“ (= dünn) gewordene ehemalige Mittelteil für den Rand noch stark genug. Das war noch Recycling!

      Heute fehlt aber vielen jungen Männern und Frauen ganz allgemeines Haushaltwissen (z.B. Materialkunde, die man fürs Waschen und Fleckenentfernen braucht). Oder wie man nachhaltig umgeht mit unseren Ressourcen. Auch wie und warum man sich gesund ernähren kann, ist angesichts der Trennung von Produktione und Konsumation oft unbekannt. Darum ist das Wiedereinführen der Rüebli-RS und generell des Haushaltsunterrichts nach neuen Methoden und mit neuen Inhalten sehr gut eingesetztes Geld, das noch mehr einspart!

      @Jens: Meines Wissens heisst es „Ufzgi“.

    3. Nessi Says:

      das die Rüebli RS wieder eingeführt wird, erstaunt doch sehr, zumal sie seit eh und je höchst unbeliebt war.

      @admin

      nebenbei bemerkt: es heisst Uffszgi….weich ausgesprochen 😉 wie Chindsgi.

    4. Administrator Says:

      @Nessi @Solar
      Klasse, wie Ihr Euch wieder einig seit, wie Ufzgi-Uffszgi geschrieben wird 🙂

      Danke für den Hinweis! Werde es gleich korrigieren.

    5. Nessi Says:

      🙂 ich würde sagen solar hat recht…..Ufzgi….hab mich von deiner schreibweise irritieren lassen 🙂

    6. Brun(o)egg Says:

      Die Wiedereinführung der Rüebli RS kann im Sinne von ausgewogener Ernährung, – Trend Slow Food -, nur positiv beurteilt werden.
      Bis jetzt reichte ein Tageskurs:
      Was ist ein Dosenöffner und wie „händelt“ man das Dings?
      Wie bediene ich GPS, zwecks schnellster Erreichung des nächsten „Megg-Donalds“?
      Was essen wir wenn der Dosenöffner kaputt ist und die Chips alle?

    7. Anne Says:

      A propos WK:
      Weiss nicht, ob das mit der „Wander-Klassenreise“ im Spass gemeint war, oder nicht.
      Jedenfalls heisst WK im Militärjargon: Wiederholungskurs, der nach der RS anfallende, alljährlich wiederkehrende bis zum x..ten Lebensjahr obligatorische.

      [Anmerkung Admin:
      Antwort auf Deine Frage: Ja.]

    8. sylv Says:

      Ich hatte das Glück um die Rüebli RS herumzukommen weil ich eine Hauswirtschaftschule besuchte:) hehehe war viel spannender.
      Nein, im Ernst es schaudert mich ( oder heisst das mir?) wenn ich sehe wie die Generation die circa 15 Jahre jünger ist als ich KEINE Ahnung mehr hat über Lebensmittel und vom Kochen und sogar das Teewasser anbrennen lassen würde.Was natürlich ein klitzekleines bisschen übertrieben ist aber gar nicht so weit weg von der Wahrheit!

      ich bin voll dafür das die Rüebli Rs wiedereingeführt wird und zwar SCHWEIZWEIT!

    9. viking Says:

      @Brun(o)egg
      Seit wann benötigt man für Mikrowellenverpackungen Dosenöffner? 😉

    10. Selma Says:

      @Brun(o)egg/solar: Da ist leider was dran. Aber ob man sich in der „Husi“ wirklich zu ausgewogener Ernährung und ressourcenschonendem Alltagsleben bekehren lässt?

      Ein paar Wochen lang kochen und bügeln, ts ts. Ich hatte noch 4 Jahre Handarbeit („Handsgi“; sogar 1 Jahr weniger als obligatorisch gewesen wäre, weil ich Latein genommen habe), während die Jungs selbstverständlich ins Werken gingen, ein Jahr Kochschule (auch schon mal liebevoll als „Chotzi“ bezeichnet…) – jeweils 4h pro Woche – und musste 2(?) Wochen in den Landdienst. Das alles übrigens in den 90-er Jahren, also noch nicht allzu lange her. Vielleicht, weil ich im Rüebliland aufgewachsen bin?

      Ich bin übrigens auch der Meinung, dass man „Ufzgi“ sagt.

    11. Thomas Says:

      An der Solothurner Kanti heisst das Ding übrigens ‚Röschti-Tech‘.
      Auf jeden Fall ist die WIedereinführung zu begrüssen, Haushalten hat ja so was von einem schlechten Ruf und kaum einer kanns mehr richtig.

    12. Brun(o)egg Says:

      @selma

      Obs was nützt ist fraglich. Aber immerhin hat man (frau) nachher doch das Wissen, dass es noch eine kulinarische Welt jenseits Bratwurst und Pommes gibt.
      Und Landdienst, – ich hab ihn in den 50er Jahren genossen, meine Töchter in den 80ern-, halte ich für eine hervorragende Sache. Man schätzt dann die geheizte Toilette zuhause, statt dem Kalten Loch mit Brett und das Frühstück um halb 7, nachdem man um 5h aus den Federn musste.

    13. mare Says:

      Bei uns war’s ebenfalls so (in den Sechzigerjahren), dass wir bis zur Matur wöchentlich 4 Stunden Haushaltsunterricht hatten, eingeschlossen neben Kochen und Obst und Gemüse einmachen auch flicken, bügeln, reinigen, Flecken entfernen und – was mir persönlich am meisten genützt hat – auch Krankenpflege und Erste Hilfe. Wir nannten alles zusammen „Röschti-Tech“.

    14. Laura Says:

      Hallo zusammen,
      ich muss euch widersprechen. Ich bin jetzt 23, bin in Zürich aufgewachsen und ins Gymi gegangen. Für mich war die Husi mit die beste Zeit des Gymnasiums, darin stimmen mir die meisten Gleichaltrigen auch zu. Also: ich bin für alle kommenden Generationen froh, dass sie diese super 3 Wochen wieder geniessen dürfen!

    15. Gubrist retour Says:

      Bisschen viel Wind für einen 3-wöchigen Maturandenkurs, nicht?
      Ob Landes- oder Züriweit.

      Als Nicht-Maturand hatte ich in den 90ern auch solchen Gugus zu absolvieren, in der 8 Klasse. Hauswirtschaftslehre nannte sich dieses umfassende Programm. Das Highlight war jeweils den ICETEA anzurühren. Meist gabs ein Dessert, einmal aber auch ein Toast Hawai. Danke nochmals für die umfassende Ausbildung in jenseits von Bratwurst essen…
      Lustig wars sicher, aber soviel und sowenig wird die 3-wöchige Rüebli-RS auch bringen.

    16. Brun(o)egg Says:

      @ Gubrist retour

      Icetea anrühren? Da frag ich mich doch, was ihr da für eine ausgelutschte Husi-Schnurpfi-Tante erwischt habt?
      Aber genau darum gehts, bei der Wiedereinführung der Husi. Wenns die nicht mehr können, wer dann?
      Frah Deine Grossmutter. Die weiss noch wies geht.

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