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Worüber die Schweizer lieber schweigen — Sind Sie auch vermöglich?

  • Ich mag mich nicht erinnern
  • Mögen Sie sich noch erinnern? Oder lieber doch nicht? Neulich hatten wir es hier auf der Blogwiese vom „magst Du Dich erinnern?“ und kamen zu dem Schluss, dass es hier weniger um „mögen“ im Sinne von „etwas gern tun“ als um die Kurzfassung von „vermögen“ = „in der Lage sein etwas zu tun“ ging.
    Doch dieses hübsche Wort beinhaltet noch eine weitere Bedeutung als Adjektiv, die uns bisher fremd war, und auf die wir erst durch eine Leserin der Blogwiese gestossen wurden: „vermöglich sein“.
    So fanden wir in der NZZ:

    «Erben? Ich habe einen wertvollen Schrank und die schöne Bibliothek meines Vaters geerbt. Beides halte ich in Ehren. Dann hat mir ein väterlicher Freund, der recht vermöglich war, testamentarisch zwei Bilder vermacht.
    (Quelle: nzzfolio.ch)

    Unser Duden nennt es eindeutig „schweizerisch“:

    1. vermöglich ( landsch. und schweiz. für wohlhabend)
    (Quelle: duden.de)

  • Vermögliche Menschen gibt es auch in Österreich
  • Wir fanden einen Beleg für das Wort auf einer Österreichischen Webseite, die die Geschichte des Wiener Praters erzählt:

    Der Kaiser fragte, was er für eine Entschädigung begehre. „Ich bin selbst vermöglich„, antwortete der Bürger, „und verlange bloß, daß der Übermütige einen derben Denkzettel in öffentlicher Beschämung erhalte, damit andere seinesgleichen den Bürger besser schonen.“
    (Quelle: prater.at)

    Wahrscheinlich war mit „landschaftlich“ die Wiener Luft gemeint.
    Doch das Wort wird offenbar auch als Variante zu „wohlmöglich“ verwendet:

    Wenn Du die Dinge jetzt überstürzt, wirst du sie vermöglich vergraulen.
    (Quelle: f24.parsimony.net)

  • Was heisst „vermöglich“ sonst noch?
  • Dann doch lieber Gotthelf:

    Das ist ein eigen Kapitel über diese Krankheit, die alle mehr oder weniger ergreift, die zu einigen eigenen Kronen kommen und denen der Gedanke geboren worden ist, vermöglich zu werden.
    (Quelle: Jeremias Gotthelf – Wie Uli der Knecht glücklich wird / 11. Kapitel – 1)

    Das Wort überlebte offensichtlich in der Bedeutung „vermögend sein“ am besten in der Schweiz. Bei Grimm Grimm steht es noch so erklärt:

    VERMÖGLICH, adj. fähig fertig zu bringen, zu vollenden. in der ältern sprache nicht nachgewiesen, jedoch in den frühesten zeiten des nhd. nicht selten vorkömmlich. (…)
    active bedeutung ‚der etwas vermag‘, daher körperlich kräftig, rüstig: die schwarze nieszwurz soll nur allein starken und vermöglichen personen eingegeben werden. TABERNAEMONT. kräuterb. 1099; es war unmöglich genug, vermögliche säugammen für ihn auszzutreten, inn betrachtung der groszen quantität milch, so zu seiner narung auffgieng. Garg. 210 (1590). übertragen auf dinge und zustände: der mensch war gemacht mit gsundem und vermöglichem leibe.
    (Quelle: Grimms Wörterbuch)

    Genug der Wortgrübelei. Wir vermögen uns über vermögliche Menschen und deren Vermöglichkeit unmöglich weiter Gedanken zu machen.

  • Vermögliche Landsauger in Bern
  • Zum Abschluss ein Ausschnitt aus einem wunderbaren Artikel über die Geschichte des Strafvollzugs in Bern, genauer gesagt über das „Schallenwerk“ genannte Zuchthaus:

    Mit dem um 1615 errichteten Zuchthaus zeichnete sich zwar kein Durchbruch im Sinne einer humaneren Justiz ab, aber es gab doch erste Ansätze zu einer etwas verständnisvolleren Haltung gegenüber Tätern, denen nur leichtere Vergehen zur Last gelegt wurden. Neu war vor allem der Versuch, die Häftlinge durch Arbeit und geistlichen Zuspruch zu bessern und sie wieder gemeinschaftsfähig zu machen. Dabei wurde allerdings nach wie vor nicht zimperlich vorgegangen, sondern gemäss den Richtlinien des Rats gehandelt: «(Im Zuchthaus) sollen solche arbeitsfähige, muthwillige, vermöglich fremde und einheimische Landsauger und andere Malefikanten, denen man eben nicht an das Leben greifen kann, zur Arbeit angefesselt, und ihnen dadurch der Rücken weich und gleitig gemacht worden, in der Hoffnung, dass vermittelst dieser schweren und harten Disciplin und Züchtigung Jedermann sich abschrecken lasse und sich ehrlicher Begangenheit und Arbeit befleissen werde.»
    (Quelle: g26.ch)

    Praktisch eingesetzt wurden diese dann in der Strassenreinigung, die bitter notwendig war. Denn während man Rücken „gleitig“ machen wollte, waren die Strassen bereits „gleitig“ genug, auf Grund der dort ausgeleerten Nachttöpfe etc. Die hiessen damals allerdings garantiert „Pot de chambre“, so nahe am Röstigraben, denn das klingt feiner und stinkt gleich ein bisschen weniger.

    Nachttopf mit cooler Inschrift
    (Quelle: freilichtmuseum.de)

    Wir weisen besonders auf die hübsche Inschrift: „Drum drücket und drängend mit aller Kraft für die notleidende Landwirtschaft“. Denn merke: „Urin ist ein Wertstoff“! Mehr zu diesem Thema hier und hier.

    

    31 Responses to “Worüber die Schweizer lieber schweigen — Sind Sie auch vermöglich?”

    1. DaniDo Says:

      Vermöglich – bis jetzt nie gehört, das ist jetzt wohl etwas gar zu (k)alter Kaffee…

      gleitig ist dagegen ein schönes Schweizerdeutsches Wort…es heisst schnell, als Adverb. Beispiel: „Das hämmer gleitig könne erledige…mir sin scho am 2 wider fertig gsi.“
      ist allerdings in meiner Erfahrung eher im Wortschatz von älteren Menschen zu finden.

    2. .d. Says:

      „Vermöglich“ kannte ich bisher auch noch nicht. Wird also vermutlich wie so einige andere Wörter auch eher früher als später aussterben.

      „Gleitig“ kenne ich allerdings, zumindest passiv, ziemlich gut. Wie in vorigem Kommentar schon geschrieben wurde bedeutet es „schnell“. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es auch eher bereits veraltet ist, oder ob es hier regional starke Unterschiede gibt. Zur Umgangssprache der jüngeren Stadtluzerner gehört es auf jeden Fall nicht mehr.

    3. lamiacucina Says:

      man hält es nicht für möglich: „für möglich“ wird in der schweizerischen Umgangssprache von Jungen zu vermöglich (fürmöglich) zusammengeschweisst.

    4. Phipu Says:

      Im Berndeutsch ist das Wort „gleitig“ für „schnell“ auch heute noch oft zu hören. Der Sinn von „gelenkig“ (z.B. Rücken) war mir bisher nicht bekannt. Dass sich dieses Wort besonders im Raum Bern ansiedelt, belegt auch Grimms Wörterbuch http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GG18654 , stammen doch die meisten Hinweise auf diesen Ausdruck von Jeremias Gotthelf.

      Das mit dem „Pot de chambre“ ist tatsächlich richtig vermutet. Der heisst (oder hiess) offenbar bis in den süddeutschen Raum „Pottschamber“ oder „Bottschamber“. Siehe überall hier:
      http://www.ghshauseniw.de/jphebel/olschowka/w%C3%B6bu_schrd_alem_n.htm

      http://www.badische-seiten.de/alemannisch/lexikon.php?le=3228

      http://www.deutsche-wein-strasse.de/Die_Pfalz/Pfaelzer_Woerterbuch/body_pfaelzer_woerterbuch.html

      Heute braucht man höchstens noch Plastik-Artikel (Hafe, Häfi, etc.) für Kinder, die unterdessen auch viel ergonomischer aussehen… (also die Töpfe/Hafen meine ich).

      Wenn jemand vermöglich ist, und dies auch weiss und zeigt, kann diese Person andere möglicherweise „von oben herab“ behandeln. Auf Französisch sagt man zu so jemand hochnäsigem: „il/elle pète plus haut que son cul“ (er/sie furzt höher als sein/ihr Hintern). Wie für so jemanden ein ergonomischer Nachthafen aussehen soll, vermag ich mir nicht vorzustellen.

    5. Daniel Goldberg Says:

      Kannte ich jetzt in dieser Form auch nicht. Man lernt nie aus. Werde mal morgen meinen CHef fragen ob er „vermöglich“ sei 🙂

    6. mare Says:

      Wieder einmal Wilhelm Busch (1832 – 1908) in seiner Knopp-Trilogie:

      Unvermutet, wie zumeist,
      Kommt die Tante zugereist.
      Herzlich hat man sie geküßt,
      Weil sie sehr vermöglich ist.

      Busch stammte aus der Nähe von Hannover, also muss im 19. Jahrhundert dort das Wort auch noch gebräuchlich gewesen sein.

    7. Thomas Says:

      gleitig ist in Zürich, wo sich viele Grosskantönler niederlassen,tasächlich nicht wirklich im Gebrauch. Ich als Solothurner führe es auch eher passiv im Wortschatz, ich verwender mehr ‚hurtig‘.

      Was mich aber wirklich seit langem interessiert: Wie würde die Blogwiese aussehen, von Jens vor 70 Jahren in die CH gezügelt wäre. Was heute als ‚Dialekt‘ oder ‚Mudnart‘ beziechnet wird ist ja schon extrem unterschiedlich zu meiner Kindheitssprache anno 1980 und der Wortschatz hat sich extrem gewandetl. Wer braucht heute noch Bummi,Biecht,Hungg,Miessch,Hurt,Himmugügeli,Hoschtet, etc.

    8. myl Says:

      „vermöglich“ kenne ich nun gar nicht – ich hätte „vermögend“ gesagt.
      Und auch „wohlmöglich“ ist mir so geschrieben nicht geläufig, nur getrennt geschrieben (und das noch vor dem neuen deutschen Rechtschreibungs-hin und her). Dann gibt es da noch „womöglich“, aber das ist etwas anderes…

    9. sylv Says:

      Was eventuell auch noch in diese Reihe fallen würde/höntte, wäre ‚gmögig‘ Berndeutsch um eine einem angenehme Person zu beschreiben,die ist dann reich an guten Eigenschaften aber nicht an Geld:)

    10. sumo Says:

      Ich kenne vermöglich auch nur als Variation zu „für möglich“. Ansonsten würde man bei uns wohl „vermögend“ sagen. Und @Thomas: Ich wüsste nicht wie ich ein Himugüegi anders nennen sollte als eben ein Himugüegi 🙂 (Wie heissen Marienkäfer im Rest der Schweiz?)

    11. sylv Says:

      @thomas

      ich brauche noch alle diese Wörter und noch viele mehr und lege auch Wert darauf,dass meine drei Kinder soviel wie möglich dieser Wörter bracuhen und verstehen!!
      und für die dies interressiert:

      Biecht= rauhreif,gefrorener Tau
      Hungg = Honig
      Miessch = Moos
      Hurt=hölzernes Gemüse und Früchte Kellerregal
      Himmugügeli = Marienkäfer
      Hoschtet = Weide mit Hochstammbäumen/Obstgarten beim Bauernhof

      Bummi,nur da muss ich passen:) isch das es Hummeli ?

    12. mare Says:

      @thomas
      eine „Hurd“ und auch eine „Hoschtet“ sind eigentlich genau definierte Begriffe, wie willst du denen sonst sagen? „Hurde“ ist im Duden und „Hofstatt“ auch. „Biecht“ kenne ich ebenfalls, „Miesch“ auch, ebenso wie „Hungg“. „Bumi“ ist wohl eher im Leberberg üblich, ich glaube nicht, dass es im ganzen Kanton so heisst für „güetzi“ oder „chrömli“.

    13. mare Says:

      @thomas
      Soeben im Etymologiewörterbuch entdeckt: „Miesmuschel“ kommt von „Mies“/“Miesch“, das ist die ältere Bezeichnung für „Moos“.

    14. Nessi Says:

      @sumo

      ich weiss nicht wie euer „himugüegi“ im rest der schweiz heisst, aber in züri sagen wir „mariechäferli“.

      auch das wort „vermöglich“ gebrauche ich in keiner dieser bedeutungen. habs auch nie aus anderem munde gehört. wir sagen dazu „vermögend“ oder „riich“

    15. neuromat Says:

      Wenn ich mich erst jetzt einschalte lag das wieder am Puntenöri des Nachbarn, der seinen Hund wieder haben wollte. Ich war aber mit dem Pudel noch nicht ganz über alle Platten. Mare sehr schöner Hinweis mit dem Gedicht von Willi Busch. Bei der Gelegenheit: Es wird hier immer wieder Hannover als die Wiege des unverfälschten Hochdeutsch hingestellt. Ich halte das für nicht zutreffend, da in dieser Region früher ausgeprägt Dialekt gesprochen wurde. Lieber sumo, wenn Du möchtest darfst Du auch Herrgottschäferli zum Marienkäfer sagen.

      Dann zu einem Gefühl tiefster Verunsicherung. Ich bin nochmals über den Blog mit dem „sich erinnern möge“ . Ich finde den Eintrag mit dem Hinweis auf vermöge im Sinne von vermöglich sein nicht so ganz. Neuromat schreibt etwas in dieser Richtung, aber der schreibt viel, wenn der Tag lang ist und wäre also keine Leserin. Oder war die OP doch schon.

      Psychologisch wesentlich interessanter erscheint mir jedoch die Verknüpfung der Themen „vermöglech“, was wohlhabend bedeutet, nicht einfach nur reich mit dem „gleitig“. Hier tut sich doch die Frage auf, wie komme ich möglichst gleitig dazu hablech zu sein. Hablech heisst auch vermöglech. Häbig bedeutet geizig und häb-chläb mit knapper Not. Die Deutschen dürfen also nicht ins Stottern geraten. Was will uns das sagen: Nichts. Ausser dass von häb-chläb, bin ich häbig, es zum hablech zumindest sprachlich nicht weit ist. Es ist also noch alles drin.

      Jetzt kommen die Landjäger, nicht die, die wir zur Brotzeit nehmen, sondern die, die nachfragen, ob der Nachbar jetzt seinen Pudi wieder haben kann. Mein Gott Pudi oder Pudel, diese Feinheiten der Sprache, jetzt werden die Herrschaften doch etwas handgreiflicher, ich fürchte der nächste Comment kommt ussem Schallewärch. Hoffentlich darf ich wenigsten s eigene Häfi mitnehmen.

    16. Phipu Says:

      Thomas, Sylv und Mare:
      „Bummi“ ist wie schon gesagt ein „Chrömli/Guetsli/Güetzi/Bisquit/Keks“. Meine Grossmutter (in Rüttenen, Leberberg aufgewachsen) hat das noch gebraucht. Meine Eltern (Stadt Solothurn) sagten gewöhnlich schon „Bisggui“

      Sumo:
      Ein „Marienkäfer/Himugüegeli“ ist auch ein „Muettergottes-Chäferli“ (eben wegen „Maria“).

    17. Thomas Says:

      bummi ist in der tat selten
      Ging mir nicht um eine vollständige Aufzählung sonder mehr um Beispiele.
      Ich finds halt schon etwas schad, dass wenn ich Erdbeeren esse und ich Nidle dazu wünsche, ein komischer Blick folgt

    18. neuromat Says:

      @ phipu

      also von Rüttenen nach Solothurn lässt sich doch rüberspucken. Woher kommt dieser Unterschied. Ich hoffe die Grosi hat nicht „Bümi“ gesagt. Guetsli denke ich wird am meisten gebraucht.

      @ Thomas

      da würde ich aber auch komisch gucken. Nimm doch besser Schlagrahm, die geschwungeni nydle. Nydle meint auch die Haut der gekochten Milch.

    19. DaWoidda Says:

      Griaß Di, Phipu!

      Sehr schön, Deine Ausführungen zum Botschamperl alias Nachthaferl und dessen anatomische Erfordernisse für Höherfurzende.

      In Bayern kennen wir das Botschamperl übrigens auch noch als Bezeichnung für ein sehr kleines Segelboot.

      Ahoi
      DaWoidda vo Mingga

    20. mare Says:

      @neuromat und @ Thomas
      Zwischen Rüttenen und Solothurn ist ein Wald, der trennt. Nein, im Ernst: Die Stadt Solothurn spricht anders als der sie umgebende Bezirk Leberberg und jemand aus Grenchen wieder anders als jemand von Flumenthal. Bumi sagt man in Langendorf, Oberdorf, Rüttenen, aber eben nicht in Solothurn.

      Nidle versteht man hier, aber wie oft passiert es mir, dass ich „Hamme“ sage und die schweizerische Bedienung weiss nicht, was ich will.

    21. Brun(o)egg Says:

      Das Schallenwerk? Muss ein Schreibfehler sein. Nach J.P.Hebel ist’s der Schellenwerker. (Hand und Fussschellen)
      „Lueg Müetterli, wär isch im Mond?“
      „He, gsehsch denn nit e Maa!“
      …..

      „Muess, schällewerke dört“.

      Habs leider nicht mehr ganz präsent.

    22. Tellerrand Says:

      @ Thomas

      Wenn der gute Herr Wiese vor siebzig Jahren in die Schweiz gekommen wäre, hätte er vermutlich eine Situation vorgefunden, in der Mundart und Dialekt auf dem Weg zum Soziolekt waren. Eine Schweizer Standarddeutsch-Variante war nämlich zwischen WK I und II, natürlich vor allem in den Städten, dabei mehr als nur Fuss zu fassen. Erst die Erfahrungen des WK II und die Greueltaten der Nazis haben dann das Hochdeutsche derart desavouiert, dass es noch heute für Schweizer praktisch undenkbar ist, sich untereinander in dieser Sprache zu unterhalten.

    23. Thomas Says:

      do bini jo schön i fettnampf trampet.
      Item.
      Was ich eigentlich nur in Grundzügen antönen wollte: Der Wortschatz in der Mundart ist stark abnehmend. Ersetzt werden Wörter meistens durch eingeschweizerte Hochdeutsche Begriffe.
      Beispiel: Einige von Euch => einigi vo euch. Das ist nicht Mundart, wird aber verwendet.
      @Mare: du musst den Hamme eben im Bernbiet bestellen, dort ist er eh am Besten 🙂
      @Neuromat: Schlagrahm, gschwungni nydle, ok. Was die ‚Haut‘ der Milch angeht: Also für mich ist die Haut der Milch generell die Nydle. Holst beim Bauer diie Milch, und dann trennst das obere Milchfett ab => Nydle, oder eben ‚Sahne‘. Lecker. (extra für Jens gebraucht 🙂 )
      @Tellerrand: die 70 Jahre waren einfach so in den Raum posaunt. Ging mir nur um die zeitliche sprachliche Änderung. Ob es wirklich nur an den Nazis liegt/lag, da bin ich überfragt.

    24. Thomas Says:

      @Neuromat: Noch was zu Solothurn und Rüttenen: In der Steingrube gibt es Häuser, dort sitztst du beim Geschäft machen mit dem Füdi in Rüttenen und mit den Füssen in Solothurn, da die Gemeindegrenze grad durchs Haus geht. Bin aber nicht sicher, ob sie in den letzten 15 Jahren die Grenze mal bereinigt haben.

    25. neuromat Says:

      @ Thomas

      Gröl! 🙂

      Ansonsten kein Fettnapf! Deine Bemühungen um den Wortschatz ob Dialekt oder Schriftdeutsch sind aus meiner Sicht wirklich wertvoll. Vor geraumer Zeit lernte ich einen Lehrer aus dem tiefsten Emmental kennen, der fördert beide Varianten, sowohl Schriftdeutsch wie Dialekt (und den richtig). Es hat manchmal schon eine gewisse Komik, wenn man gefragt wird, ob man Dialekt verstünde und dann anschliessend jedes dritte Wort „äxtreem“ lautet. Vor einiger Zeit wurde hier im Blog ja auch diskutiert, dass diese Frage „manchmal nervt“, nach zahlreichen Antwortvarianten, versuche ich es häufiger mit „nach all den Jahren wahrscheinlich besser als Schriftdeutsch“. So kommt man eigentlich schnell ins Gespräch.

    26. solar Says:

      Wow, die vielen SolothurnerInnen, die da mitmischeln! Könnt Ihr mir vielleicht sagen, was „höumig“ – oder heisst es „höubig“ – bedeutet. Am Windschärme (=Windschutz)?

      Die „Sibepünkt“ heissen im nördlichen Kanton Zürich „Anketierli“, sonst in Zürich „Mariiä-Chäferli“.

      „Gleitig“ betrachtete ich schon als kind (50er-/60er-Jahre als eher veraltet.

      Mein Glarner Grossvater sagte für „gleitig“ bzw. schnell/rasch „weidli 2, ab er woher er das hatte, weiss ich nicht. Immerhin heisst es im Kinderlied:
      „Chumm weidli, mis Chindli, chumm mit mer in Wald,
      mer sueched det Beeri und finded si bald … etc.

      Ich würde nie „vermöglich“, sondern „vermögend“ sagen.

      oder eher „dä oder die vermags (halt)!“

      Wenn jemand unerwartet viel Geld verputzt, fragt man: „Vermagsch es?“ oder „Isch bi Dir de Wohlschtand uusproche?“

      Zu „Miesch“ für Moos: In Zürich sagt man dem Messing „s Mösch“. Als Kind musste ich oft die Messingtürfalle und die Schlossumrahmung der Haustüre putzen, „s Mösch butze“. „Däm mues i emal s Mösch butze“ wird zudem auch als Synonym für „de Töff erchlääre“ (das Motorrad erklären) gebraucht: jemandem meine Meinung deutsch und deutlich klar machen.

      Schlechtes Messing setzt vielleicht Grünspan, quasi Moos, an. Kommt das Mösch auch von Moos?

    27. Thomas Says:

      @Solar
      es heisst ‚hüumig‘, weiter Richtung Bern wohl mehr richtung ‚höumig‘. An der Hüumi sein bedeutet im Windschatten zu sein. zB im Gartenrestaurant kannst du um die Ecke hinters haus gehen, um an der Hüumi zu sein. Seit ich hier im Osten wohne merk ich, dass hier hüumi teils wie ’schärme‘ gebraucht wird. Schärme ist aber (für mich) ganz klar Schutz vor Regen, und nicht vor Wind.
      MAnchmal sagt man auch Hüumi für Windstile Lagen im SOmmer
      Sagst du wirklich vermögend? das würdest du sicher schreiben, aber wenn man reich ist in der schweiz sagt man entweder nichts 🙂 oder ‚me heds‘.

      [Anmerkung Admin: Man sollte echt überall in der Schweiz kleine Schilder aufstellen, ab wo man wie sagt, damit da niemand durcheinander kommt. Man, ist das kompliziert!]

    28. Thomas Says:

      @Jens: Ja ja, so sind sie die Bergler. Vor 30 Jahren waren die Pendlereien weniger und die Ortsansässigkeit definitiver. Heute ists viel mehr vermischt. Ich muss meinen wunderschönen ( 🙂 ) Solothurner Dialekt im feindlichen Zwingliland auch pflegen. Trotzdem finden alle, ich sei ein Berner… ist noch lustig….
      Du hasts aber leicht: sprich einfach dein Deutsch dann biste überall ‚der Deutsche‘ ;.)

    29. Fäbu Says:

      vermöglich? so ein Unsinn? habe ich noch nie gehört, auf Schweizerdeutsch sagt man auch vermögend

    30. Fäbu Says:

      nach so ein Unsinn kommt natürlich ein !

    31. Tom Says:

      …also meine Grossmutter, eine alteingesessene Stadtzüricherin, hat von den Reichen immer gesagt sie seien „hablich“ (und einige waren sogar „bsunders hablich“, aber „vermöglich“ hab‘ ich auch noch nie gehört

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