Die Deutschen. Wo liegt das Problem? — Andreas Durisch in FACTS
Im Editorial zur letzten FACTS Ausgabe schreibt der Chefredaktor Andreas Durisch über die Deutschen in der Schweiz:
„Die Deutschen. Wo liegt das Problem? Wir bewundern ihre Dichter, wir achten ihre Denker.“
Und schon geht das Problem los. Ihre Dichter? Ihre Denker? Sind Goethe, Schiller, Lessing, Fontane, Keller oder Gotthelf nicht als Dichter in der gemeinsamen deutschen Sprache daheim? Gehört Kant, Hegel und Luther den Deutschen und Zwingli oder Calvin den Schweizern? Von Einstein fangen wir lieber gar nicht erst an. Ach ja, und wem gehört eigentlich Hermann Hesse? Der wurde als Deutscher geboren und starb als Schweizer. Etwas, dass Thomas Mann nicht gelang, denn ihn haben die Schweizer zwar als Emigrant geduldet, aber als Bürger nicht gewollt, aus Furcht vor Repressionen durch Nazideutschland. Bleiben wir doch lieber bei der Sprache dieser Dichter, die “gehört” niemanden, die verwendet jeder der kann und will.
„Sie bauen unsere bevorzugten Autos, sie haben eine Bundesliga. Berlin ist hip. Günther Jauch der beste Quizmaster“.
Gefahren wird in der Schweiz alles, auch Renault und Fiat und jede Menge Japaner. Der Automarkt ist international und gleichmässig aufgeteilt in der Schweiz. Auch im Schweizer Fussball wird Geld verdient, und wenn Berlin hip ist, dann ist Zürich angesagt. Und was Günther Jauch angeht, nun, es gibt genügend hochkarätige Schauspieler wie Bruno Ganz oder Showtalente wie Kurt Felix, die da einen gesunden Ausgleich liefern.
„Mal abgesehen vom Streit um die Nordanflüge auf Zürich-Kloten hat sich unser Verhältnis zu den Nachbarn in den letzten zwei Jahrzenten merklich entspannt. Jetzt ist eine neue Konflikzone am Entstehen. Die deutschen Zuwanderer führen inzwischen die Immigrationsstatistik an — vor den Portugiesen und den Ex-Jugoslawen. Allein im Jahr 2005 zogen gut 20 000 Menschen au dem grossen Kanton in die Schweiz.“
Tschuldigung, ist das mit dem „grossen Kanton“ eigentlich noch ein Witz in der Schweiz oder bereits eine Tatsache, ein feststehende Redewendung, die man ohne mit der Wimper zu zucken von sich gibt? Für mich ist es ein Selbstläufer wie die berüchtigte Steigerung bei „in keinster Weise“, von der jeder weiss, dass sie falsch ist, die aber durch andauerndes Wiederholen irgendwann im Duden als korrekt aufgeführt sein wird.
„Ein Problem? Ein Vorteil! Wir sprechen die gleiche Sprache, wir haben einen ähnlichen Charakter“
Diesen letzten Satz muss ich mir noch mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Die „gleiche“ Sprache ist noch lange nicht die „selbe“. Ja, es “gleicht” sich ein bisschen, was wir sprechen. Und auch „ähnlich“ lässt viel Spielraum für eigenständige Ausformungen. Wir wollen doch fürs Protokoll festhalten, dass Deutsch eine Fremdsprache ist und nicht gesprochen sondern nur geschrieben wird in der Schweiz, hat man uns jedenfalls oft genug versichert, irgendwann müssen wir auch ja auch anfangen es zu glauben.
„Gerade deshalb sind die Deutschen zu unangenehmen Konkurrenten im eigenen Land geworden, die sich um die gleichen Jobs bewerben wie wir“.
Noch einmal Tschuldigung: Wer bewirbt sich denn da von den Schweizern auf diese Stellen? Da ist doch niemand, der sich bewirbt, sonst hätten die Pflegedienstleitungen der Schweizer Spitäler oder die Besetzungskommission für eine Professorenstelle an der ETH doch schon längst den hochqualifizierten Schweizer Bewerber eingestellt, oder habe ich da was falsch verstanden. Und wenn die Pflegekräfte nicht aus Deutschland oder anderen EU-Staaten kämen, dann würden eben Betten im Spital stillgelegt, so einfach ist das. Eine eingeschränkte medizinische Grundversorgung hiesse das im Klartext.
„Gut qualifiziert, aber günstiger als Arbeitskraft“.
Ein Klischee, das durch häufiges Wiederholen nicht wahrer wird. Als ob Deutsche Job-Bewerber nicht bereits lange wissen würden, was sie hier am Schweizer Markt wert sind. Der Markt reguliert den Preis. Das ist bei den Stellen genauso wie bei jeder anderen Ware oder Dienstleistung. Wenn es einen Mangel an guten Fachkräften gibt, dann wird mehr gezahlt, gibt es denn nicht mehr, dann gehen die Gehälter runter.
„Da wird der Deutsche, den wir als Individuum durchaus mögen, zum Teutonen, der schneller und präziser spricht, angriffiger debattiert. Das nervt. Denn wir mögen es auf keinen Fall, wenn Deutsche den Ton angeben. Das ist in Mallorca so und jetzt bei uns zu Hause erst recht“.
Seltsamer Weise werden von grossen Firmen gern Deutsche Kaderkräfte als „Drahtbesen“ eingestellt, um auszukehren, um unbequeme Entlassungen vorzunehmen, um quasi die „Drecksarbeit“ bei den notwendigen „Umstrukturierungen“ durchzuführen. Da nervt es nicht, wenn ein Deutscher „den Ton angibt“. Auch Herr Mörgeli äusserte im Club den Verdacht, dass Deutsche hier gern auch im Vereinsleben anfangen das Heft in die Hand zu nehmen etc. Möchte wirklich wissen, in welchen Vereinen er verkehrt. Die meisten Deutschen in der Schweiz arbeiten brav, verhalten sich angepasst, freuen sich über das schöne Land und den guten Verdienst, hoffen darauf, auch mal Schweizer kennenzulernen, und haben nach einer 42.5 Stundenwoche garantiert anderes zu tun als sich um den Posten des zweiten Vorsitzenden oder das Amt des Kassenwarts in einem Schweizer Gesangsverein zu streiten.
Apropos Mallorca: Ballermänner sind kein spezifisch deutsches Phänomen, die kommen gleichfalls aus Belgien, England, Holland oder Skandinavien. Vielleicht mischt sich ja auch der eine oder andere Schweizer unter das Volk am Strand von Mallorca um mal richtig die Sau rauszulassen? Ich kenne Zürcher, die gern mal am Wochenende nach Hamburg fliegen und dann auf der Reeperbahn kein Auge zu machen von Freitag bis Sonntag. Billigflieger machen es möglich. Zu Zeiten der Weltmeisterschaft in Deutschland waren die Unterschiede zwischen den grölenden und „tonangebenden“ Fans aller Nationen jedenfalls äusserst „fliessend“, kühl und blond, meist mit Schaumkrone auf der Tulpe.
Vielleicht besucht Herr Durisch ja demnächst mal im Urlaub die Deutschen in der Provence oder in der Toskana, um dort bei einem Gläschen Pastis oder Chianti darüber zu philosophieren, welche Ferienhäuser dort den Schweizern, Engländern oder Deutschen gehören.
Robert Gernhardt schrieb:
Deutscher im Ausland
Ach nein, ich bin keiner von denen, die kreischend
das breite Gesäss in in den Korbsessel donnern,
mit lautem Organ „Bringse birra“ verlangen
und dann damit prahlen, wie hart doch die Mark sei.Ach ja, ich bin einer von jenen, die leidend
verkniffenen Arschs am Prosecco-Kelch nippen,
stets in der Furcht, es könnt jemand denken:
Der da! Gehört nicht auch der da zu denen?(Quelle: Gedichte Reim und Zeit, Reclam 2001, S. 54)
February 8th, 2007 at 10:30 am
Das liebe Vereinswesen der Schweiz - Wirkt auf mich wenig attraktiv, gerade weil es so viele kleine Vereine mit so vielen Hierarchien gibt. Stattdessen fidnet man mich eher auf meist über das Internet organisierte Veranstaltungen fachlicher “Communities” - Oft in Deutschland oder Österreich, und ich bin oft genug der einzige aus der Schweiz (und dann muss ich noch Aufklären, dass ich eigentlich Deutscher bin). Ein bekanntes und Themenunabhängiges Phänomen bei solchen Veranstaltungen (z.B. Oldtimertreffen, berufsbezogene Treffen usw.).
February 8th, 2007 at 10:37 am
guten morgen,
ich finde - als schweizer - die bezeichnung “grosser Kanton” für Deutschland eine eher abschätzige Bezeichnung. Oder ich benutze die bezeichnung nur im abschätzigen sinn. Iast für mich genau gleich, wie wenn ich für amerika “auf der anderen Seite des Teichs” verwende.
gruss
February 8th, 2007 at 10:40 am
schöner Aufsatz, Herr Wiese. Gut formuliert und griffig, ausser Herrn Gernhardt hätte das wohl kaum einer besser hinbekommen.
Allerdings stimme ich der ein oder anderen Schweizer Stimme zu, die aus deinem “Ton” ein wenig Genervtheit heraushört und die wohlwollendere Berichterstattung aus der Anfangszeit vermisst.
February 8th, 2007 at 10:41 am
Und dann gewinnen die Deutschen auch noch 3:1.
Pfui wie arrogant!
Sorry, das musste nach sechs Wochen emotionalen Entzugs während der WM im letzten Jahr sein.
February 8th, 2007 at 10:43 am
zum Grossen Kanton: Journalisten sind natürlich bestrebt, besonders in entsprechenden Texten, Wiederholungen von „Deutschland“ zu vermeiden. So wird mit diesem Begriff abgewechselt. Ich würde mal sagen, diese ursprünglich nur im Grenzgebiet gebrauchte Wendung (der grosse Kanton im Norden) hat sich unterdessen so etabliert, dass man für niemanden in der Schweiz mehr Anführungszeichen oder Erklärungen anfügen muss.
Eine kleine Nachhilfestunde zum Vereinsleben:
Je nach Vereinsstruktur gibt es im Schweizer Sprachgebrauch verschiedene Wörter, die sicher im ganzen Sprachraum bekannt sind. Allerdings fielen mir bisher jedoch die Nicht-Schweizerischen auf:
Kassenwart = Kassier
Oder besonders im DOK gehört: Buchprüfer = Revisor (Buchprüfung = Rechnungsrevision)
„Chef“ des Vereins = Präsident oder Obmann
Vize-Präsident/-Obmann
Mehrere Beisitzer
Sekretär oder Aktuar (Protokollführer)
Diese Leute sind die Vorstandsmitglieder. Die lassen dann an der Hauptversammlung oder Jahresversammlung über die Berichte gemäss Traktandenliste abstimmen. Sie bestimmen dort über die Höhe des Mitgliederbeitrages/Jahresbeitrages, erwähnen Mutationen des Etats und genehmigen das Budget/den Voranschlag und erteilen, auf Antrag des Revisors, dem Kassier Décharge. Hier habe ich übrigens immer die männliche Form gewählt. So konnte ich meine Unsicherheit beim weiblichen Obmann umfahren. Irgendjemand weiss das sicher.
Die Sammlung ist nicht vollständig. Das mit dem Protokoll, den Mutationen und den Traktanden ist ja schon bekannt.
http://www.blogwiese.ch/archives/7
http://www.blogwiese.ch/archives/103
Hiermit kann ich beweisen, dass Herr Mörgeli zumindest teilweise Unrecht hat. Wenn Jens selbst schon Präsident eines Vereins wäre und dort das Heft/Zepter in die Hand genommen hätte, würde Jens die Ausdrücke kennen und auch verwenden – sogar wenn er dann später mit einer Änderung der Statuten die deutsch-deutschen Ausdrücke eingeführt hätte.
February 8th, 2007 at 10:54 am
Du trägst ja wieder mal dick auf. Wann wirst Du verstehen, dass die Schweiz AUSLAND ist. DU BIST AUSGEWANDERT. DU BIST IM POLITISCHEN SINNE EIN GAST, so wie ich auch.
Komm doch mal runter von der Denkweise dass Deutschland da ist “wo die deutschen Zunge klingt”. Das steckt nämlich hinter Deinen Aussagen. Die ehemalige Wolgaregion, Teile Rumäniens, Nordschleswig, Südtirol; dass ist auch nicht Deutschland. Oder würdest Du bei einem südtiroler Dichter von einem deutschen Dichter reden?
Ich denke mit solchen Äusserungen machst Du Dir unter den Schweizern nicht gerade Freude und auch ich als Deutscher finde sie nervig. Ich will hier als Gast und später als Bürger leben und nicht immer an besitzergreifenden Deutschen wie Dir gemessen werden.
DU MUSST RESPEKTIEREN; DAS DIE SCHWEIZER BEI DENEN DU GAST BIST EBEN SCHWEIZER MUSIKER, SCHWEIZER DICHTER UND SCHWEIZER DENKER HABEN. Das Mass der Dinge bist nicht Du als Gast. Bitte passe Dich hier ein wenig an.
February 8th, 2007 at 11:26 am
@ Stefan R, mit dem 1. Teil bin ich einverstanden, grosser Kanton tönt wirklich nicht gerade sympathisch, aber was an der Aussage “auf der anderen Seite des Teiches” schlimm sein soll begreiff ich nicht wirklich. Da wird ja eher das Meer als die Amerikaner beleidigt oder nicht?
@ Tellerrand, dito. Aber unsere 11 war ja auch nicht gerade überragend… hab mich leider mal wieder ziemlich über die vielen unnötigen Ballverluste aufgeregt, aber naja, haben ja noch ein wenig mehr als ein Jahr Zeit
kommt schon noch!
February 8th, 2007 at 11:27 am
Wunderbar geschrieben. Dennoch ein paar Bemerkungen eines Schweizers. “Der grosse Kanton” ist eine ironische Redewendung in der Schweiz und im Schweizerdeutsch tief verwurzelt. Ich vermute hier ein Zugeständnis nach Schweizer Art, dass wir doch nicht soooo verschieden sind.
Die Bemerkung von Mörgeli hat mich in der Sendung auch stutzig gemacht. Ich kenne in den Vereinen, in denen ich aktiv bin, keine solchen Deutschen. Übrigens, die Sendung hat mir gut gefallen. Ausser, dass das Fernsehen als “Steuergeldverbrennungsmaschine” endlich aufhören soll, immer diese SVP Populisten einzuladen und denen eine Plattform für ihre verdrehten Ansichten zu geben.
Autos: es wird zwar alles mögliche an Marken hier gefahren, aber gewisse deutsche Marken sind auf der Wunschliste eines Schweizers sehr weit oben. Dass Wunsch und Wirklichkeit divergieren, liegt wohl am Preis.
@Andreas: Vereine gehören zu unserer Kultur. Es gibt für alles Vereine. Liegt auch daran, dass ein Vereing gem. ZGB eine juristische Person und sehr einfach zu gründen ist. Wäre mal einen Blogbericht wert.
February 8th, 2007 at 11:47 am
@Phipu: kleine Berichtigung als Präsident eines solchen Vereins. Die Versammlung erteilt dem gesamten Vorstand die Décharge. Sie kann auch Generalversammlung oder Vereinsversammlung genannt werden.
February 8th, 2007 at 12:15 pm
Schöner Artikel Jens!
Hab nur irgendwie das schleichende Gefühl dass mein Ironiemeter (mal wieder) kaputt ist…
War das jetzt so gemeint, oder wird da ironischerweise die Schweizer Seite gewählt?
Anyway, “grosser Kanton” fand ich zu Anfang schmunzelwert, wird jetzt auch mir ein wenig alt.
“Wo sind denn die Schweizer die sich für diese Stellen bewerben?”
Äh, die haben alle schon einen Job, weil wären die Qualifizierten arbeitslos müssten sie fürs RAV (Regionale ArbeitsVermittlung) mindestens ein Bewerbungsbrief pro Tag schreiben, sonst keine Erwerbslosenentschädigung. Tja, und die Unqualifizierten sind eben nicht qualifiziert (oder ungewillt Drinks zu schleppen)…
“Gut qualifiziert, aber günstiger als Arbeitskraft”
Richtiger Konter, höchstens im Baugewerbe stimmt obiges. Alle anderen kriegen denselben Zahltag wie die Eingeborenen.
Zu obig erwähnten unterschwelligen Genervtheit: nix Neues! Schon Lord Frühstückspeck… äh… Bacon hat gesagt: “What a beautiful country, too bad it’s inhabited by the Swiss!”
February 8th, 2007 at 12:21 pm
Drahtbesen….was soll das
ich bin von meiner Firma nicht als Drahtbesen angeworben worden.
Ich habe bei dieser Firma schon in Deutschland gearbeitet, und bin dann gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, auch im Mutterland zu arbeiten.
Ich bin deshalb wenig stolz darauf, von der Firma ins Land eingeladen worden zu sein.
Ich lasse mich auch nicht als Besen missbrauchen. Firmen in denen eine solche Kultur herrscht wären für mich keine Alternative.
Das Vereinsleben der Schweizer, gehört den Schweizer. Ich kann mir nicht vorstellen einem Verein beizutreten, schon alleine deshalb nicht, weil ich kein Vereinsmensch bin.
Wir haben gute Freunde ausserhalb von Vereinen gefunden(es hat elend lange gedauert, und auch nur über die Kinder) seisdrum….
Zum Ballerman muss nichts mehr gesagt werden. Mir Herr Klöpfer gesprochen…..Gàhn…..
Gruss
Maximus
February 8th, 2007 at 12:24 pm
@maximus
Es muss natürlich heissen ” ich bin deshalb ein wenig stolz darauf…..etc
Gruss
Maximus
February 8th, 2007 at 12:24 pm
Nachdem Michael-H. ja das ZGB erwöhnt hat: Da fällt mir ein lustiges Verständigungsproblem wieder ein: meine deutsche Cousine, die in D Jus studiert hat, wollte mir zu Beginn gar nicht glauben, dass man Vereine in der Schweiz nirgendswo eintragen muss (e.V. ).
Als sie dann hörte, dass Vereine im ZGB und nicht im Obligationenrecht geregelt sind und einfach drei Leute am Stammtisch zusammenhocken und einen Verein gründen können und der dann rechtlich existiert, hat sie wirklich gedacht, ich leime sie…
Offenbar muss in D alles auch seine papierene Richtigkeit haben
Würde aber erklären, warum Andreas kaum Schweizer in seinen Internet-Comunuties findet: Es ist schlicht zehnmal einfacher einen Verein zu gründen, als eine Internet-Community aufzubauen. Und wenn man dann international und vernetzt sein will, kann der Verein ja immer noch ein Forum aufschalten.
February 8th, 2007 at 12:29 pm
Zum grossen Kanton:
1. Wenn schon, dann müsste es im Plural heissen, “die grossen Kantone” - ein Großteil der Bundesländer in D-land haben nämlich einzeln schon mehr Einwohner als die gesamte Schweiz.
2. Man stelle sich mal vor, in einem Focus- oder Spiegel-Editorial würde der Chefredakteur (Chefredaktor für alle Schweizer) über die Schweiz als “unsere Brüder aus dem kleinen südlichen Bundesland” schreiben (die großen südlichen Bundesländer wären dann Baden-Württemberg und Bayern mit je fast doppelt so vielen Einwohnern wie die Schweiz…)
Da wäre aber die Empörung in der Schweiz groß und jeder fühlte sich extrem beleidigt ob solch verbaler Eingemeindung von deutscher Seite.
February 8th, 2007 at 12:35 pm
@Frank
wie peinlich. deine ausführungen zeigen nur, dass du nicht kapierst um was es geht. natürlich gibt es einen gemeinsamen sprachraum. nirgends in dem beitrag ist davon die rede, dass dieser gemeinsame raum “deutschland” ist. ich glaube, da fehlt dir einfach eine idee was sprache und was linguistische feinheiten bedeuten. musst du schon wieder mit dieser gast-geschichte kommen? ist denn englischsprachige musik, die hier im radio kommt auch nur zu gast bei uns?
natürlich gibt es einen gewissen lokal-patriotismus, auch was bücher oder musik betrifft. aber: wer ACDC-Musik mag, denkt nicht drüber er nach dass das Englisch nun australisch ist und nicht aus GB oder USA.
und deine Frage: ja, ich würde einen südtiroler Dichter, der auf Deutsch vielleicht nicht als Deutschen Dichter, sein Werk aber sicher als Deutsche Literatur bezeichnen.
February 8th, 2007 at 1:16 pm
@Frank:
Ich weiß nicht, wie gut Du Dich im Internet auskennst. Daher der Hinweis: Text in Großbuchstaben gilt als Geschrei und damit als unhöflich. Ach nein, Du bist ja Deutscher. Dann ist das für Dich vermutlich Deine normale Lautstärke.
Aber zum Glück kommen die meisten Schreihälse hier nur genau einmal vorbei (nämlich dann, wenn sie Jens im Fernsehen gesehen haben) und gehen dann woanders weitertrollen.
Noch was zum Populisten Mörgeli: mir ist seine unterwürfig-duckmäuserische Art aufgefallen. Das ist für mich ungewohnt: deutsche Politiker wirken immer sehr überzeugt von sich, während Mörgelis Stimme, Mimik und Gestik für mich Unsicherheit ausdrückten.
Coolman hat recht: Jens’ Artikel ist schon recht bitter. Aber er kann halt auch nicht immer gute Laune haben. Er hat ja angedeutet, daß er zuletzt nicht nur zustimmende Emails erhalten hat.
February 8th, 2007 at 1:55 pm
@Thomas W.: “1. Wenn schon, dann müsste es im Plural..” Das ist doch haargenau das, was der Spruch andeuten will. Nicht differenziert (der grosse…), aber doch dazugehörend (Kanton) obwohl sie ca. 10x mal mehr sind.
Für mich wirkt der Spruch eher als Ausdruck einer Hassliebe als wirkliche Beleidigung.
February 8th, 2007 at 2:27 pm
Haben Sie sich schon mal gefragt, was der Schweizer eigentlich wirklich meint, wenn er immer und immer wieder darauf hinweist, dass Zuwanderer bloss “Gaststatus” besitzen und sich entsprechend “benehmen” sollten?
Eigentlich ist die Antwort einfach. Auf Grund der Herkunft aus dem ehemaligen Armenhaus Europas und geprägt durch ein Überleben in einem Gebiet dass z.B. für die Landwirtschaft schon immer viele Widrigkeiten geboten hat, haben die “echten” Schweizer (nicht die, die vor zwei Jahren per Schnellbleiche einen roten Pass erhalten haben) ein überdurchschnittliches Gespür - aber auch Verlangen - nach LOYALITÄT entwickelt. Es gibt Menschen, die man als “loyal zur Schweiz und zu den Schweizern” erachtet - diese akzeptiert man geradezu im Eiltempo als neue Mitbürger, als zusätzliche “Schweizer” - und dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob der Zuzüger wirklich bereits den Pass besitzt, Hauptsache, sein Herz und sein ganzes Inneres steht zur Schweiz. Alle anderen akzeptiert und toleriert man höchstens aus Gründen des Nutzens für die Schweiz oder aus purem Anstand als “Gäste” - die sich aber bitte nicht anmassen sollen, mit den “loyalen Schweizern” über die Geschicke der Schweiz (oder auch nur schon eines kleinen Vereins) mitreden zu wollen.
Dass z.B. die Verhandlungen mit Deutschland über die beispiellose Schikaniererei der Anflugbeschränkungen ausgerechnet durch ein Bundes-Departement mit so vielen deutschen Kaderleuten zu soo erbärmlichen Resultaten führen, legt den Verdacht nahe, dass sich eben diese Deutschen NICHT loyal zur Schweiz und zum Wohle dieses Landes verhalten - und zementiert damit die Vorbehalte der Schweizer Bevölkerung.
Fragen Sie sich doch mal ehrlich, für wen ihr Herz im Zweifelsfall denn nun schlägt - wem haben Sie gestern Abend beim Fussballspiel die Daumen gedrückt, der Schweiz oder eben doch Deutschland? Wem würden sie in einem echten Konflikt beistehen, bei einem wirtschaftlichen, politischen oder gar militärischen Streit? Wären Sie wirklich aus vollster Überzeugung auf der Seite der Schweiz? Wenn Sie diese Fragen im Sinne der Schweiz beantworten können, sollten Sie sich schon längst nicht mehr in der Gastrolle fühlen - vermittelt Ihnen Ihr Umfeld dennoch diese Distanziertheit, braucht es bloss ein eindeutigeres Zur-Schweiz-stehen für eine Verbesserung. Schlägt aber Ihr Herz weiterhin für Deutschland, wird Ihr CH-Umfeld das garantiert spüren, und so gehören Sie wie auch jeder andere Zugewanderte in die Gruppe der “anstandshalber Tolerierten” - welchen Grund gibt es für die Schweizer, potentielle “Risikofaktoren” wirklich und ernsthaft in ihrer Mitte aufzunehmen?
Sehen Sie sich die ganze Sache mal durch die Brille des Loyalitäts-Bedürfnisses an - und Sie werden feststellen, wie leicht z.B. die Unmuts-Reaktion der Schweizer auf den nicht vorhandenen Einbürgerungswunsch eines Deutschen im Film plötzlich zu verstehen ist - und wie es plötzlich noch bei ganz anderen Themen wie Schuppen von den Augen fällt. Es geht nicht um Arroganz der Schweizer, die glauben würden, jeder müsste doch eigentlich den roten Pass wollen, sondern um schlichtes und blankes Misstrauen - wer nicht Position beziehen will, wird Argwohn ernten und simpel als “nicht loyal” behandelt.
Die Schweizer nehmen jeden “neuen Mitstreiter” gerne und mit offenen Armen in ihrer Mitte auf - solange sie denn auch glauben, dass sich der Zuwanderer für die Schweiz (und nur für die Schweiz) einsetzen will - für Scheinloyalität haben wir über die Jahrhunderte hinweg ein wirklich feines Gespür und eine intensive Abneigung entwickelt.
Nicht zuletzt gehört auch dazu, die Sprache ehrlich annehmen zu wollen. Für viele Deutsche ist es soo unheimlich bequem - man geht ins Ausland und braucht nicht einmal eine andere Sprache zu sprechen, stimmt’s? Obwohl die Schweizer schon anstandshalber die hochdeutsche Sprache akzeptieren, würde der Wille, Schweizerdeutsch nicht nur passiv zu verstehen, sondern gar aktiv zu sprechen versuchen, als erster kleiner Schritt eines Loyalitätsbeweises gewertet - sich möglichst in deutscher Sprache und in deutschen Wertvorstellungen zu bewegen, zementiert umgekehrt wieder das Klischee vom “tolerierten Gast” mit “reduzierten Rechten” - CH-Pass hin oder her.
Und noch was zum Auftreten von Frau Katharina von Bock im SF-”Club”: Fast genauso wie die Schweizer Loyalität suchen, verlangen sie Respekt und Anstand von Ihren Gästen. Während der Schweizer gemäss Regeln der Erziehung und des Anstands versucht, jeden Gesprächsteilnehmer stets zu Ende sprechen zu lassen, gehört es in Deutschland wohl im Zuge der Ellenbogen-Gesellschaft zum Normallfall, seinem Gegenspieler dauernd ins Wort zu fallen - was für uns Schweizer bloss wieder das Fehlen eines Integrationswillen auf Mentalitätsebene unterstreicht.
Wer partout Deutscher bleiben will, kann kein Schweizer sein - so einfach ist das.
Ronny
February 8th, 2007 at 2:30 pm
naja, also das FACTS gibt’s nun schon viele Jahre und ich frage mich immer noch, was die Idee dieser Publikation eigentlich sein soll - es geht wohl darum, möglichst viele Seiten mit Nichtssagendem zu füllen - vielleicht gilt das ja als avantgardistisch??
…kenn mich da nicht so aus….
Zu den “geschlossenen Abteilungen in Spitaelern” - ich finde diese Aussage genau so grobschlächtig wie “die Deutschen nehmen uns den Job weg”.
Die Wirtschaft ist eben nicht ein Kuchen von einer bestimmten fixen Grösse, sondern ein höchst dynamisches Gebilde - eher so etwas wie ein Hefeteig. Wenn Arbeitskräfte ins Land kommen, dann werden im Land Arbeitskräfte frei, die neue Branchen, neue Produkte oder neue Technologien entwickeln können. Die Wirtschaft wächst mit den zusätzlichen Arbeitskräften - vorausgesetzt, es besteht ein flexibler Arbeitsmarkt.
Genauso unsinnig ist es aber zu sagen, ohne die Deutschen wäre die medizinische Grundversorgung nicht gewährleistet. Natürlich, rein hypothetisch, wenn aus irgendeinem Grund von einem Tag auf den anderen alle Deutschen das Land verlassen würden, hätten wir ein Problem. Dies gilt aber auch für den Fall, dass alle Homosexuellen, alle ZSC-Fans, alle Dunkelhäutigen oder alle EVP-Wähler das Land von einem Tag auf den anderen verlassen würden.
Eine kontinuierliche Abwanderung der Deutschen (im gleichen Rahmen wie es heute eine Zuwanderung gibt) würde hingegen dazu führen, dass diese Jobs von Österreichern oder Italienern übernommen und wohl auch wieder mehr Schweizer in diesen Bereichen ausgebildet würden. Das sind alles kurzfristige Momentaufnahmen. Vor ein paar Jahren sprach man nämlich noch von einer “Ärzteschwemme” (gemeint waren Schweizer Ärzte!!) und man hat die Anzahl Studienplätze im Medizinischen Bereich reduziert: http://www.parliament.ch/dL/D/Pressemitteilungen/00_02/PM03_03_02_00_D.htm
February 8th, 2007 at 2:32 pm
Jetzt sitze ich hier mit zusammengekniffenem Arsch und tue das, was von meiner kulturellen Herkunft erwartet wird: ich denke nach. Und wie ich so denke und denke, denke ich, dass Herr Wiese vielleicht doch ein wenig zu provokant wird. Vielleicht steigen ihm auch seine Fernsehauftritte zu Kopf.
Der mittlerweile schon so oft erwähnte Herr Mörgeli, der aufgrund der Haarpracht schon verballhornt wurde, hatte aus meiner Sicht nicht ganz Unrecht. Ein Teil der eingewanderten Deutschen hat mit den Füssen abgestimmt. Das ist richtig. Von mir kann ich sagen, dass ich mich auch ganz bewusst von lauten, drängelnden Landsleuten getrennt habe, wie sicherlich viele andere auch. Und bei denen, die jetzt nachkommen, habe ich auch oft die Befürchtung, dass es die sind, die auch aus meiner Sicht besser in Deutschland bleiben sollten.
Das bedeutet allerdings wiederum nicht, dass globale Abqualifizierungen wie „der Pole der Schweiz“ und das „ist genetisch“ bedingt wie sie leider von einigen Schweizern hier geblogt wurden akzeptiert werden können. Nur denke ich für derartige Einlassungen gibt es andere Möglichkeiten, zum Beispiel der der Prüfung, inwieweit hier nicht bereits etwas wie Volksverhetzung vorliegt. Und nachdem nun der Denkteil erledigt ist folgt wie könnte es anders sein der dichterische – der allerdings in Mundart
Dat kläine Wörtschen ,,Häimot”
Erklengt wie Melodie,
On böß du en der Fremde,
Verjetzt du sie jo nie.
Mag dech de Welt ouch locken,
Dat äine eß jeweß,
Dat nix su schön dobutten
Wie dinne Häimot es.
On lewst du jrute Johren
En wieder Fern bejlöckt,
Et kohmen secher Tieden,
Wo dech dat Häimwieh dröckt.
February 8th, 2007 at 2:42 pm
Schon Herr Goethe sagte: “Am Sonntag ist die Schweiz eine einzige Festwirtschaft”. Und das geht nicht ohne Vereine. (Bin auch Präs. eines Kulturkreises).
@ Maximua Take it easy. Und schmeiss die raus die es nicht bringen. Nationalität egal.
@coolman Deine Replik auf Frank: Total uncool.
@ Jens Wiese. Mach weiter, aber eher als Moderator, denn als Betroffener?! OK?
February 8th, 2007 at 2:50 pm
@Thomas W.
Zum grossen Kanton:
(Siehe dazu auch den Kommentar von Michael-H.).
Nimm das Ganze nicht so ernst, diese Bezeichnung für Deutschland gibt’s hier in der Schweiz schon lange und ist auch nicht bös gemeint. Im Gegenteil. das ganze wird meist mit einem Augenzwinkern gesagt und zeigt eigentlich ja nur, dass die Schweizer gegenüber Deutschland eben doch nicht so abgeneigt sind und Deutschland symbolisch sogar in die Schweiz ‘einbürgern’.
Und noch was kleines zum Thema Fussball:
Ich glaube, fast jedes Land hat einen Lieblingsfeind im Fussball, die Holländern haben’s ja in Deutschland auch nicht grad leicht, wenn sogar bei Spielen, bei denen sie gar nicht dabei sind, von den deutschen Fans gegen sie gesungen wird (ohne Holland fahren wir nach Berlin etc… ).
February 8th, 2007 at 2:59 pm
@Ronny:
Als loyale Schweizerin fällt mir dazu nur eins ein: “so e chääs!”… Was soll das ganze bitte mit Loyalität zu tun haben? Sind jetzt plötzlich alle Einwanderer, die ihr Heimatland lieben, in der Schweiz nicht mehr erwünscht oder was? Ich kann also gut damit leben, wenn sich die Deutschen über einen Sieg ihrer Fussballmanschaft freuen und das auch als Schweizerin. Und noch kur zur frasu von Bock: sie hat wenigstens auf die ihr gestellten fragen geantwortet und nicht nach SVP Manier die Frage ignoriert und irgendwelche Hetzreden vom Stapel los gelassen.
February 8th, 2007 at 3:22 pm
Was Ronny verlangt, ist Assimilation. Ich verstehe unter “weltoffen” etwas anderes. Ronny verlangt, daß jeder Einwanderer seine Herkunft und Vergangenheit verleugnet, ihr abschwört. “Ich habe nichts gegen Ausländer, solange sie wie Schweizer aussehen/denken/reden.” Na toll.
Ach, und da Ronny ja so genau weiß, was “die Schweizer” wollen, ist auch endlich die Gretchenfrage beantwortet: Ja, die Deutschen sollen Schweizerdeutsch lernen und sprechen. Danke Ronny, jetzt wissen wir es endlich!
February 8th, 2007 at 3:42 pm
@ Ronny
Sie wollen also wissen was “der Schweizer” wirklich denkt und meint. Das finde ich ziemlich anmassend von Ihnen. Ihr Eintrag wiederspiegelt IHRE ganz persönliche Meinung, aber niemals die Meinung DER Schweizer bzw. aller Schweizer.
Ich bin auch Schweizer und teile Ihre Einschätzungen z.B. ganz und gar nicht.
February 8th, 2007 at 3:45 pm
Ich möchte mal was zum “Grossen Kanton” loswerden.
Also nicht zu Deutschland sondern zu dem Spruch.
Bevor ich hier auf der Blogwiese gelandet war, ist mir dieser Spruch noch nie untergekommen. Ich weiss ja das Du, Jens, des öfteren mal ein Wörterbuch oder Spruch/Zitat-Büchlein wälzt.
Aber bloss weil es da steht, mag mich erinnern das es ein Büchlein mit anscheinend Typischen Zürcher Sprüchen sein soll, muss es noch lange nicht heissen dass der auch tatsächlich genutzt wird. Ich hab schon in Luzern, Basel, Lausanne, Genf, Bern gelebt gewohnt und gearbeitet. Ich habe diesen Spruch aber noch nie gehört daran hat sich auch nichts verändert als ich nach Zürich gezogen bin.
Durch Deinen häufigen gebrauch ist dieser Spruch in meinen Augen erst so richtig Salonfähig geworden, also hier in der Blogwiese und den Themenverwandten Beiträgen der Medien die Dich als Quelle nehmen.
Das ist wie mit der Jugendsprache da sagt mal einer was und bald schon ist das in aller Munde, je nach Peer-Group schneller oder langsamer.
Zudem sehe ich in dem Spruch eher etwas Selbst-Zynisches.
Klar wer nicht über sich selber lachen kann wird den Spruch sicher auch nicht Zynisch benutzen^^
February 8th, 2007 at 3:54 pm
an Thomas W.
Sorry, aber in der Schweiz brauchen und kennen wir halt einfach den Ausdruck im Sinne eines einzelnen Kantons; das ist eben unterdessen eine art fixe Redewendung geworden. Also Entschuldigung, im Namen der anonymen Erfinder dieses Ausdrucks, dass das mathematisch und auf politischer Abstufung nicht richtig ist, aber die Redewendung ist eben so.
Dass die Schweiz damit Deutschland als einen einzigen Kanton annektieren würde, ist etwa so ernst gemeint, wie dass die Schweiz mit einem EU-Beitritt wartet, bis die EU schweizkompatibel ist.
Im gebrauchten Zusammenhang wirft man damit alle Deutschen in einen Topf. Wer dann etwas bereist ist, oder viele Deutsche persönlich kennt, weiss natürlich, dass auch in diesem Land nicht alles Eintopf ist.
Meine Vermutung ist, dass dieser Ausdruck erfunden wurde, um in Hördistanz über anwesende Deutsche zu sprechen (z.B. im Restaurant: „Gsesch die det äne am andere Tisch? Die sind us em grosse Kanton“). Würde man „Dütschi“ oder „us em Dütsche“ sagen, würden die Tuschelopfer wahrscheinlich aufhorchen. Da über andere lästern nicht gerade die feine Art ist, kann es durchaus sein, dass einige diesen Ausdruck mit etwas negativem verbinden.
Von „gross“ reden kann in den meisten mir bekannten Sprachen sehr positiv aufgefasst werden (grosszügig, grossartig, grosse Leistung). Bei „klein“ wird die Abwehrhaltung automatisch provoziert (kleinkariert, kleinlich). Also könnten die Deutschen nach deinem Vorschlag, wenn es nur nach mir ginge, ohne Weiteres vom „südlichsten Bundesland“ sprechen. Da würde ich nur schmunzeln darüber. Es wäre nämlich etwa so tierisch ernst und politisch korrekt gemeint, wie der „grosse Kanton“.
Die Franzosen (die sich selbst früher „la grande Nation“ [die grosse Nation] nannten) sagen eben zu den Schweizern, auch wenn es eigentlich nicht bösartig gemeint ist, immer wieder „les petits Suisses“ (die kleinen Schweizer). Das hingegen nervt auf die Dauer, weil man eben nicht für voll genommen wird.
Ich glaube, du hast deinen Kommentar sicher voller Ironie und Witz geschrieben, die ich auf die Kürze nicht ausmachen konnte. Deshalb nimm meine Erläuterungen einfach als Wissensergänzung, falls ich etwas drin haben sollte, das du tatsächlich zuvor nicht wusstest. Ausserdem sehe ich eben, dass vieles meiner Aussagen schon in unterdessen aufgeschalteten Kommentaren gesagt wurde. Mich reut es aber, alles wieder zu löschen.
February 8th, 2007 at 3:57 pm
@Maya, @Holger:
Niemals würde ich “Assimilation” oder gar “Verleugnung der Herkunft” verlangen - ich habe bloss versucht zu erklären, was in den Köpfen vieler argwöhnischer, misstrauischer Schweizer vorgeht - und dass häufig “Befremden” fäschlicherweise als “Arroganz” ausgelegt wird. Jeder darf seine Heimatliebe und eine Loyalität seinem Herkunftsland gegenüber behalten - er soll sich aber dann auch nicht darüber nerven, dass man ihn nicht gleich willkommen heisst wie jemanden, der sich loyal zur Schweiz stellt.
Wer Deutscher sein will, kann es hier in der Schweiz ein Leben lang sein - bloss das Quängeln, man werde von den Schweizern zuwenig geliebt, geht dann halt mächtig auf den Sack. Gerade am Beispiel unserer Direkten Demokratie wird die Zurückhaltung doch offensichtlich erklärbar - wieso soll jemandem der CH-Pass und damit die Teilnahme an Abstimmungen gewährt werden, solange ein hohes Risiko besteht, dass sich der Betreffende bei der erstbesten Konflikt-Situation gegen die Schweiz und stattdessen zu seinem Herkunftsland stellen wird?
Auch muss niemand Schweizerdeutsch lernen, nein. Wer aber z.B. in Mexiko kein Spanisch spricht, wird dort immer “Ausländer” bleiben. Während das aber für Mexiko jedem Zuwanderer einleuchtet (man ist ja nicht doof, oder?), gibt man sich soo überrascht, wenn der Schweizer den fehlenden SprachWILLEN (nicht die mangelnde Fähigkeit) als mangelnden Willen zur Schweiz interpretiert.
Zu viele Leute sind hierher gezogen, die von Anfang an nie ernsthaft im Sinn hatten, Schweizer werden zu wollen - aber sich nun darüber beklagen, nicht als Schweizer behandelt, geliebt und gehätschelt zu werden. Toll.
February 8th, 2007 at 4:01 pm
@coolmann: Ach hör doch auf solch einen QUrak zu reden. In Deutschland werden ständig kulturelle Herkunft und Nationalität vermischt. Ein deutscher Dichter ist ein Dichter aus Deutschland. Natürlich sind schweizer Dichter deutschprachige Dichter, aber eben keine “deutschen” Dichter.
“Noch einmal Tschuldigung: Wer bewirbt sich denn da von den Schweizern auf diese Stellen? Da ist doch niemand, der sich bewirbt, sonst hätten die Pflegedienstleitungen der Schweizer Spitäler ”
Das nenne ich unverbesserlich! Die Schweizer sind sich sicher nicht zu fein für solche Stellen. Vielleicht sind die Konditionen einfach zu schlecht? Und vielleicht würden bessere Konditionen geboten werden, wenn man eben noch den Inländervorrang in der Schweiz hätte. Wenn ich aus einem deutschen Krankenhaus komme ist die Schweiz ja schon an sich ein Paradies. Dann noch der höhere Lohn… logisch kommen da viele aus Deutschland. Das ist wie bei Polen oder Türken in Deutschland: Man verbessert sich; Deutsche würden aber zu den gebotenen Konditionen gar nicht arbeiten (z.B. Spargelstechen in Brandenburg). Hast Du das wirklich noch nicht mitbekommen Jens?
February 8th, 2007 at 4:28 pm
jetzt muss ich mich doch noch mal melden weil mich der beitrag von ronny mächtig aufregt.
ich muss doch nicht meine heimat und meine gefühle verleugnen, die ich in mir trage.
stell dir vor, ich bin sowohl ein fan der deutschen als auch der schweizer nati, im zweifelsfall freu ich mich dann mit den besseren, das war gestern leicht zu erraten.
was du für ein sprachenproblem hast, verstehe ich auch nicht. ich spreche neben akzentfreiem deutsch und schwyzerdütsch auch noch englisch und leidlich französich, all diese sprachen werden auch in der schweiz verstanden, deiner meinung nach ist aber der indische wissenschaftlier bei der abb, der sich hier nur auf englisch verständlich macht, genauso wie ein deutscher, der von geburt an eben nicht schwyzerdütsch spricht, nur anstandshalber tolieriert.
was für verblendede ansichten trägst du in dir? warst du eigentlich jemals ausserhalb der schweiz, beruflich oder privat? ich glaube kaum.
der gipfel der anmassung ist aber folgendes
“.. alle anderen akzeptiert und toleriert man höchstens aus gründen des nutzens für die schweiz oder aus purem anstand als “gäste” - die sich aber bitte nicht anmassen sollen, mit den “loyalen schweizern” über die geschicke der schweiz (oder auch nur schon eines kleinen vereins) mitreden zu wollen.“
ich hoffe, dass du in deinem verein, welcher wohl nur aus „loyalen schweizern“ besteht, glücklich bist.
und dann noch
„wer partout deutscher bleiben will, kann kein schweizer sein - so einfach ist das.“
auch das ist falsch, siehe hier
http://www.bern.diplo.de/Vertretung/bern/de/formulare/download__merkblatt__beibehaltung,property=Daten.pdf
machts gut, hoffe, ab dem sommer gehts wieder friedlicher zu.
gruss
wolfi
February 8th, 2007 at 4:35 pm
Ich möchte daran erinnern. das wir die Top-Jobs an Schweizer vergeben, siehe Josef (Vicktory) Ackermann (Deutsche Bank Chef). OK, auch den miesesten Job haben wir an die Schweiz vergeben (Senatsbaudirektorin von Berlin), an Frau Lüscher.
February 8th, 2007 at 4:39 pm
Ich muß darauf hinweisen, daß Frank nicht gleich Frank ist, und der Frank, der hier normalerweise schreibt, nicht der ist, der oben unter Frank einen Kommentar abgegeben hat.
@Jens: kann man hier nicht evtl. accounts einrichten?
[Anmerkung Admin: Nein, aber man kann z. B. den Nachnamen hinzufügen, oder zumindest einen Buchstaben davon. “FrankO” oder so.
]
February 8th, 2007 at 4:40 pm
Ronny, Du wiederholst das gleiche mit anderen Worten. Für Dich gibt es nur Schweizer, die mitreden dürfen, und Gäste, die die Klappe zu halten haben. Schade, daß Du so schwarz-weiß siehst.
An anderer Stelle erwähnte jemand, daß wir Deutschen von den Ausländern doch im Grunde dasselbe verlangen. Das stimmt nicht so ganz. “Wir” legen vor allem Wert darauf, daß Zuwanderer unsere sogenannte “freiheitlich-demokratische Grundordnung” akzeptieren. Leute wie Herr Kaplan in Köln, die aus Deutschland einen islamischen Staat machen woll(t)en, bekommen ein Problem. Aber wenn hier z.B. ein Italiener nach einem WM-Halbfinale laut “Italia!” gröhlt, dann sage ich nicht zu ihm: “Du bist hier nur Gast.” Noch interessanter war die Situation 2002, als Deutschland und Türkei in den Halbfinals standen. Da hatten wir uns nach den gewonnenen Viertelfinals gegenseitig beglückwünscht und auf ein Finale Deutschland-Türkei gehofft! Ja, Ronny, sowas soll’s geben!
February 8th, 2007 at 4:43 pm
Zum “Grossen Kanton”: Die Wendung ist Jahrzehnte alt und leicht ironisch bis familiär. Kein Grund, daran herumzumäkeln oder sich in Spitzfindigkeiten zu ergehen, dass es “GroßE KantonE” heißen müsste.
Ach ja, und wo wir schon bei den Spitzfindigkeiten sind: Auch Jens’ Bemerkung über dasselbe, das nicht das gleiche sei, ist ein sprachpflegerischer Ladenhüter, der krampfhaft versucht, eine künstlich geschaffene Unterscheidung, die offensichtlich außer ein paar Bildungsbürgern kein Mensch benötigt, am Leben zu erhalten.
February 8th, 2007 at 4:47 pm
@ Rony,
was machen Sie bloß mit so einem wie ich?
Als sog. Doppelbürger (CH/D) habe ich sogar in der deutschen Luftwaffe (GAF) gedient. In einer ausländischen Macht! Ich wähle in beiden (!) Staaten. Graust es Ihnen?
Bei der Augustfeier (so in BS anwesend) singe ich den Schweizerpsalm mit. Kennen Sie den Text? Viele der Bekannten und Freunde in BS kennen ihn nicht. Das ist peinlich.
Welches Maß an Loyalität vermuten Sie bei mir und den anderen?
February 8th, 2007 at 4:51 pm
@ phipu
>>Dass die Schweiz damit Deutschland als einen einzigen Kanton annektieren würde, ist etwa so ernst gemeint, wie dass die Schweiz mit einem EU-Beitritt wartet, bis die EU schweizkompatibel ist.
February 8th, 2007 at 5:24 pm
Heute in der NZZ: http://www.nzz.ch/2007/02/08/il/articleEWHJO.html
Ich zitiere:
“Den einen der «grosse Kanton», den andern die «grosse Nation»
Auch die Welschschweizer hadern mit ihren Nachbarn
Wie Deutschschweizer mit den Deutschen, so haben manche Romands ihre liebe Mühe mit den von ihnen als «arrogant» titulierten Franzosen. Seit im französischen Wahlkampf bissige Worte über die Schweiz fielen, wird in den welschen Medien zurückgegeben.”
February 8th, 2007 at 6:34 pm
@Wolfi, @KR:
Tatsächlich habe ich ungefähr zwei Drittel der letzten zwanzig Jahre in verschiedenen Ländern Europas und Amerikas gelebt. Ich fühle mich in Wien genauso zu Hause wie in Nizza, liebe Argentinien genauso wie Mexico oder die USA, und vielleicht die Hälfte meiner Freunde stammt aus den verschiedensten Ländern dieses Planeten - ganz abgesehen davon ist meine Verlobte eine waschechte Münchnerin - soviel zu “auch mal ausserhalb des Landes?”
Eines haben aber all diese Aufenthalte gemein: ich habe bestimmt nirgends versucht, mich “Schwiizerdüütsch” parlierend durchzuschlagen, und ich habe niemals irgendwo versucht “Little Switzerland” einzurichten - stets habe ich versucht, mich als GAST in einem anderen Land zu benehmen und deren Sitten und Gebräuche nach bestem Wissen und Gewissen zu würdigen.
Gerade KR wird mit seinem Post leider wieder einmal einem alten Vorurteil den Deutschen gegenüber gerecht, nämlich dauernd und unüberlegt von sich auf andere zu schliessen. Ich habe von Deutschen gesprochen, die darüber jammern, zuwenig Freundschaft von den Schweizern zu erfahren - die umgekehrt aber auch partout Deutsche innerhalb der Schweiz sein wollen. Ergeht es Ihnen denn tatsächlich so, KR? Fühlen sie sich wirklich so ungeliebt hier? Oder doch eher “integriert”? Falls letzeres, war mein Post schlicht nicht an jemanden wie Sie gerichtet.
Ich weiss von Deutschen hierzulande, die es, Zitat “geil finden an einem Ort mit höherem Einkommen arbeiten zu können und dafür keine bisschen Deutsch-Sein aufgeben zu müssen”, zitat Ende. Ich kann nur wiederholen: auch all diese Leute sind selbstverständlich wirklich willkommen - aber halt “nur” als Gäste.
February 8th, 2007 at 7:15 pm
Michael B. schrieb:
Würde aber erklären, warum Andreas kaum Schweizer in seinen Internet-Comunuties findet: Es ist schlicht zehnmal einfacher einen Verein zu gründen, als eine Internet-Community aufzubauen. Und wenn man dann international und vernetzt sein will, kann der Verein ja immer noch ein Forum aufschalten.
—-
So ist es ja nicht. Solange es sich auf das Internet beschränkt, sind oft viele Schweizer engagiert dabei. Aber sobald es 8evt. sogar länger) weg von Zuhause gehen sollte, werden sie scheinbar sehr vorsichtig. Die .Net German Community veranstaltet z.B. regelmässig Events, meist in Österreich. Es ging 4 Jahre, bevor die ersten Schweizer dabei waren.
February 8th, 2007 at 7:48 pm
Peter von Matt, emeritierter Professor für deutsche Literatur an der Universität Zürich, hat sich im Tagesanzeiger vom 7.Februar 07 über “Animositäten im Verhältnis Schweiz-Deutschland” geäussert. (Kann es leider nicht verlinken, ist aber lesenswert. Titel: Berlin ist das Mekka der Schweizer Künstler.)
Er meint: “Das angebliche Problem ist ein Medienprodukt. Einer übernimmt es vom andern um es nicht dem Dritten zu überlassen, und schon ist es ein Hype.
Zum “typischen Deutschen” sagt er: “Das Elend beginnt genau bei der Konstruktion von Typen… von jedem Land existiert seit Jahrhunderten ein Negativklischee… Nur ein Hohlkopf projiziert solche Negativklischees auf das konkrete Gegenüber. Und in der Schweiz bilden die Hohlköpfe immer noch die deutliche Minderheit. Man hat aber gelegentlich den Eindruck, sie seien das umworbene Zielpublikum der Medien.”
Zu den angeblichen Komplexen der Schweizer gegenüber den Deutschen: “Es gibt ein Phänomen, das man kennen muss. In Deutschland gehört zum Sozialverhalten, dass man sich rasch und deutlich positioniert und die eigene Präsenz markiert… In der Schweiz gilt die Regel: Warte, bis du gefragt wirst. Das sind unterschiedliche, aber wertneutrale Haltungen. So wie die Deutschen ein Telefon knapp abschliessen, die Schweizer aber dreimal hintereinander Adieu sagen. Da kommt es dann schon vor dass man falsche Schlüsse auf den Charakter zieht.”
February 8th, 2007 at 7:55 pm
@admin: nachträgliche gratulation zu deinem letzten fernseh-auftritt. ich nehme an, dass du jetzt als frischgebackener cerverlat-prominenter uns auf dem laufenden hältst, wenn die homestory mit sofa-bild in der schweizer illustrierten erscheint.
nur kurz zur verwirrung um die dichter. wir halten das hier in etwa so wie mit der fussball-nationalmannschaft. es ist nicht so wichtig, welche sprache jemand spricht. wenn er für die schweiz spielt und die tore schiesst, dann ist er ein schweizer.
mit den dichtern ist das ähnlich…
man kann das kritisieren, aber nicht wirklich ändern. und zuletzt: beim fussball störts ja auch niemanden…
February 8th, 2007 at 8:22 pm
Frage an KR bzgl. der doppelten Staatsbürgerschaft.
Es gibt ja viele potentielle Interessenkonflikte wenn man mehrere Staatsangehörigkeiten hat.
z.B.: die deutsche Regierung hat ein grosses Interesse daran, dass der Flughafen Zürich nicht über deutschem Gebiet angeflogen wird. Die Schweiz hat ein grosses Interesse am Gegenteil.
Nun gibt es in beiden Ländern Politiker die sich mit diesem Programm zur Wahl stellen.
Der Herr KR darf nun in beiden Ländern wählen. Wählen Sie in der Schweiz gegen die deutschen Interessen? und in Deutschland gegen die Schweizer Interessen? Können Sie immer solche Interessen trennen?
February 8th, 2007 at 9:31 pm
achja: ich bin ein Schweizer der in Deutschland lebt und ich betrachte mich hier als Gast. Auch wenn ich hier Steuern zahle (jaja, seit 1. Januar zusätzlich noch die sogenannte Reichensteuer
) meide ich Politik, Tabus und versuche möglichst keine Deutschen mit irgendwelchen Reizthemen zu verletzen. Dies ist für ein multinationales Betriebsklima sowieso notwendig und wir machen das den Leuten auch immer vor Entsendungen klar, aber ich handhabe das auch im privaten Umfeld so und fahre sehr gut.
February 8th, 2007 at 10:01 pm
das thema ist langsam wirklich zum kotzen. an die teutonen: mir doch egal, wer mich leiden kann und wer nicht. viel feind viel ehr würd ich mal sagen. und die schweizer scheinen es auch kaum mehr ertragen zu können, seht ma hier: http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/schweiz/717511.html
ich finde einfach alle klasse, so gar dich eidgenoss (du bist nämlich total putzig, knuddelig und niedlich und auch total süss).
February 8th, 2007 at 10:26 pm
Ich möchte hier kurz ein Zitat anbringen, das hat mal ein guter Freund gesagt, ob der es wiederum von irgendwo hat weiss ich nicht:
“Ich hasse Vorurteile den sie befreien vom Denken. Ich kann mit Vorurteilen jeden in ein Schublade stecken ohne mich mit seiner Person als solches auseinanderzusetzen. Das Vorurteil befreit vom Denken deshalb hasse ich Vorurteile. Denn bis jetzt war ich immer Stolz darauf Rational und Logisch zu denken, ich habe auch nicht vor das in Zukunft zu ändern.”
@Ronny
Woher kommt Deine verklärte Hystorische begründung? Wann wurden “die SChweizer” entäuscht und betrogen? Ich möchte das Du Deine “Tatsachen” freilegst. Bis jetzt warst Du nur am pauschalisieren. Illoyalität so ein Blödsinn, in der heutigen Welt, und auch vergangenen, gibt es nichts gefährlicheres als als Kleinstaatliches denken.
February 8th, 2007 at 11:04 pm
10 Gründe wieso wir die Deutschen (als Gruppe) in der Schweiz nicht mögen:
1. Schiere Masse: In gewissen Kreisen (alles Zürich) wie IT, Banken, Spital machen Deutsche inzwischen bald die Mehrheit aus.
2. Anbiederung: Es geht uns auf den Wecker immer anhören zu müssen wie “nett” und “niedlich” doch hier alles ist - und erst alles noch viel besser als in Deutschland ist. Wir kennen dieses “Geheimnis” schon lange und sind nicht erpicht darauf es mit halb Teutonia zu teilen.
3. Gastronomischer Einfluss (siehe auch 7): Die Italiener haben uns Pasta und Gelati gebraucht, die Türken den Kebap … und die Deutschen?
4. “Nicht wegen den Fränkli” - alle Deutsche die ich kenne sind natürlich nicht wegen den (mehr) Fränkli hier. Nein, nein, sondern weil sie die Schweizer Kultur und Berge etc. besonders lieben. Unter dem Strich bliebe sogar weniger übrig als in Deutshlang (scharfer Kontrast zu Punkt 5)
5. “Aldi-Mentalität” - Es war genau die Stärke der Schweiz nicht immer einfach das Billigste zu wollen sondern für bessere Ökologie, Qualität auch mal tiefer in die Tasche zu greifen. Welchen Mehrwert habe ich nun von der Verschandelung durch Aldi, Lidl und Co? Mehr Fränkli für den teuren BMW?
6. Verdrängung auf dem Arbeitsmarkt: Sicher haben wir ein Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, aber wer wird bei 2 gleich qualifizierten Bewerbern angestellt: Der hochdeutsch parlierende Deutsche oder der Schweizer?
7. Kultureller Einfluss: Migranten aus dem Mittelmeerraum brachten uns Dolce fare niente oder Siesta, gute Musik und schöne Mädchen. Und die Deutschen? Preussicher Drill und … (kenne gerade keine Deutsche Ikone).
8. Als grosser Nachbar sicher auch ein Stück weit ein Spiegel unser eigenen schlechten Eigenschaften: Autogeil, Einfamilienhausbünzlis, verbissen und schlechte Lovers
9. Sprache: Schweizer sind sprachlich begabt und wenden lieber ihre Englisch-, Französisch oder Spanischkentnisse an. Immer Hochdeutsch quatschen zu müssen ist langweilig und bringt uns nicht weiter.
10. “Geliebt werden wollen Komplex”: Die ganze Diskussion zeigt es. Ihr verdient mehr Kohle als in Deutschland, seid in einer “herzigen” Landschaft und jetzt verlangt ihr auch noch dass ihr vollständig akzeptiert werdet. Wird so nicht passieren. Take it or leave it.
[Anmerkung Admin:
]
zu 5. Geh mal am Samstag nach Jestetten auf den Aldi-Parkplatz und suche die Deutschen Autos, die dort nach dem Billigsten streben… es gibt sie nicht. Alles 100% in Schweizerhand, von den Autokennzeichen her
zu 7. Gut, also dann werden wir den Mozart, Beethoven, Bach, Händel, die Bierbraukunst, das Brotbacken, aber auch Claudia Schiffer, Heide Klumb und unseren Hübschling Boris Becker bitten, alle das Land Richtung Norden zu verlassen. Von den vielen Firmengründern, die aus Deutschland in die Schweiz einwanderten, will ich gar nicht erst anfangen. Deutsche Kultur? Die gibt es nicht. Ach, sollen wir den Schiller dalassen oder lieber auch gleich einpacken?
zu 10. Das lass mal ruhig den “Jens Wiese Komplex” sein, wie sich im CLUB rausstellte, dachte da Katharina von Bock ganz anders drüber. ]
February 8th, 2007 at 11:10 pm
Der “Böse” heisst ab jetzt Frank2 und wird seinem Landsmann “Herrn Wiese” unter diesem Namen weiter auf die Füsse treten.
February 8th, 2007 at 11:17 pm
@ Johnny
Wie Sie bekunden, leben Sie als Schweizer in Deutschland. Dann sind Sie sicher mit den politischen Möglichkeiten der jeweiligen Staatsbürger und seiner Mitbestimmungsrechte vertraut.
Da frage ich mich schon, wie Sie darauf kommen können, mich in der Situation zu sehen, über die Verhandlungen der deutschen Bundesregierung mit dem Schweizer Bundesrat abstimmen zu können. Dabei ist es völlig unerheblich, wie und ob ich dem Flughafen Zürich wohlgesonnen bin. Mir steht eine politische Entscheidung und Abstimmung darüber, als deutscher Staatsbürger nach dem Grundgesetz und der Wahlgesetzgebung schlicht nicht zu.
Sollte dagegen in der Schweiz das Volk über einen etwaigen Staatsvertrag mit Deutschland in obiger Sache zur Urne gerufen werden, würde ich selbstverständlich für die Interessen Zürichs stimmen.
Sie sehen also, daß in diesem Falle keine von Ihnen befürchtete Problematik entstehen kann. Abgesehen davon, würde/werde ich immer in Abwägung beider Interessen stimmen; zugunsten des geringsten Nachteils einer der Parteien. Des weiteren hat das Bundesland in welchem ich wohne, keine Grenze zur Schweiz, so daß Lokalprobleme für mein Wahlverhalten eh‘ keine Rolle spielen (können).
February 8th, 2007 at 11:38 pm
Noch eines Johnny:
Meine Interessens- oder gar Loyalitätskonflikte halten sich gegenüber beiden meiner Länder in engen Grenzen. Ich finde beide Fahnen schön. Gleichzeitig mag ich Wappen und Fahnen meiner Stadt und meines Bundeslandes und ebenso die von BS. Gelegentlich ziehe ich die auch auf.
Ich singe beide Hymnen im jeweiligen Land mit gleicher Überzeugung. In Deutschland fehlen mir meine gewohnten politischen Rechte als Bürger. Das macht mich manchmal wütend. Dennoch habe ich Deutschland in Zeiten des schlimmsten kalten Krieges als Soldat gedient, obwohl es für mich in der Schweiz per Umzug bequemer gewesen wäre.
Ich hatte dort einen Kammeraden, der auch Doppelbürger (F/D) war. Überzeugter Franzose in deutscher Uniform, mit Verve “Einigkeit und Recht und Freiheit” singend. Wir hatten keine Probleme.
February 9th, 2007 at 9:40 am
@ Tell:
es tut mir wirklich leid, dass die deutschen Lover es Dir nicht richtig besorgt haben…
February 9th, 2007 at 10:11 am
@Maya, @Christian, @Phipu und @alle anderen Großkantons-Poster:
Nein, ich störe mich nicht an dieser Redewendung. Als Deutscher finde ich sie nett und habe diese Bezeichnung nie negativ wahrgenommen. Und so geht es wohl der Mehrzahl der Deutschen, so sie den Begriff überhaupt kennt. Es war pure Ironie.
Ich wollte nur mal den Schweizern den Spiegel vorhalten - denn umgekehrt wären die Schweizer sicher empört, weil sie sich annektiert fühlen würden, wenn man die Schweiz als “kleines südliches Bundesland” bezeichnen würde, und viele fühlen sich ja schon durch deutsche Aussagen vom “gemeinsamen deutschsprachigen Kulturraum” in ihrer Identität bedroht.
Deutsche hingegen haben nicht solche Animositäten und empfinden die Bezeichnung “großer Kanton” einfach witzig, originell, vielleicht sogar manche, die die Schweizer Hassliebe für Deutsche nicht kennen, als schmeichelhaft und würden zustimmen.
Denn in der Tat, abseits von allen Unterschieden, die selbst innerhalb von Deutschland graduell auch Norddeutschen in Bayern oder Rheinländern in Sachsen auffallen: Deutsche und Schweizer sind vielleicht in einigen Dingen unterschiedlicher als manche Deutsche denken, aber sich ähnlicher als viele Schweizer dies wahrhaben wollen. Und auch wenn ein Deutschschweizer lieber gerne mit den lockeren Südländern verwandt wäre, so ähnelt er eher den nördlichen Schwaben und Badnern als irgend einem anderen Nachbarvolk. Übrigens auch in dem deutschen Wunsch, sich selbst eher als nördlichen Italiener zu sehen und espressoschlürfend im Februar im Strassencafe zu hocken (wie hier in München) und bloss zu betonen, dass man nichts mit den unzivilisierten Germanenhorden zu tun hat, die Mallorca verwüsten. Und jetzt steinigt mich dafür…
P.S.: Liebe Schweizer, Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr mich manchen Schweizer Reisegruppen, die in München grölend von Bierkeller zu Bierkeller ziehen, mich an Deutsche auf Mallorca erinnern.
February 9th, 2007 at 10:23 am
Tell,
der name sagt schon alles, erweise mir doch bitte einen gefallen;
kriech wieder unter deinen stein von dem du hervorgekommen bist und bleib dort weitere 700 jahre.
(manchmal muss man feuer mit feuer bekämpfen)
February 9th, 2007 at 3:56 pm
facts: ein produkt, dass ich schon lange als überflüssig betrachte. platitüden, platidüden, ein bischen provokation, ein bischen aufspringen auf
fahrende züge.
February 9th, 2007 at 4:45 pm
@Tell
du verdankst deine exsistens einem deutschen , oder glaubst du immer noch es hätte dich wirklich gegeben, du kunstfigur.
Gruss Maximus
February 9th, 2007 at 5:23 pm
Hallo!
Ich lese immer wieder, dass die bürgerlichen Rechte in Deutschland so miserabel wären. Es bestreitet keiner, dass ihr in der Schweiz eine sehr gute Möglichkeiten habt. Dass es sie aber nicht in Deutschland gibt, ist falsch, zumindest in NRW.
Wenn man hier wirklich mitreden möchte, dann tritt man einer Partei bei und beteiligt sich daran, die Leitlinien festzulegen.Engagierte Leute sind auf allen Ebenen gesucht. Dafür muss man sich mal mit seinen grundliegenden Vorstellungen außeinander setzen.
Es gibt inzwischen fast keine Stadt mehr, in der nicht auch neue, von den bekannteren Parteien unabhängige Wählergemeinschaften in den Stadträten gut vertreten sind.
Man bekommt dann immer noch keine Briefchen nach Hause geschickt, hat aber auch weit mehr Möglichkeiten wirklich Entscheidungen von Anfang an mit zu beeinflussen.
Da ich zu weit nördlich wohne, als dass mich das Grenzproblem mit dem Flughafen wirklich interessiert, fände ich es auch völlig übertrieben ein paar Millionen Briefe zu verschicken, wozu dann nördlich von der Region eh keiner wählen würde. Ich empfände das als pure Geldverschwendung und würde lautstark protestieren.
Außerdem gibt es auf kommunaler Ebene die Möglichkeit Entscheidungen des Rates per Bürgerentscheid zu kippen. Davon wird zwar selten Gebrauch gemacht, aber es kommt vor. Wenn man sich aber zu sehr über Dinge ärgert, muss man sich auch informieren und selber aktiv werden. Es gibt die Möglichkeiten teilzunehmen am bürgerlichen Leben. Meistens scheitert das am mangelnden Interesse. Also: Wenn ihr in Deutschland mehr Mitspracherechte wollt, dann nutzt die Möglichkeiten, engagiert euch und sitzt nicht im Sessel und meckert darüber!
February 9th, 2007 at 5:47 pm
@KR
Nicht, den Text des Schweizerpsalms nicht zu kennen, ist peinlich; der Text selbst ist peinlich.
February 9th, 2007 at 8:42 pm
@KR
Anscheinend haben Sie Leseschwierigkeiten, deshalb kann ich auf Ihren Beitrag leider nicht antworten.
February 10th, 2007 at 11:02 am
@den Autor: Sehr guter Artikel, auch ich hatte durchaus Probleme, den roten Faden im Leitartikel von Facts zu erkennen und bin der Meinung, dass es diesem Magazin des öfteren an seriöser Recherche fehlt. Da werden doch viele Klischees bedient im Sinne höherer Auflagen.
@alle: Alle Achtung, hier geht es zur Zeit aber hoch her… Ein wenig weniger Aggressivität wäre vielleicht auch angebracht, vor allem, da meiner Meinung nach im Alltagsleben die Konfrontationen zwischen Schweizern und Deutschen wesentlich harmloser ausfallen, wenn sie überhaupt spürbar sind. Aber ich finde es sehr gut, wie sich hier alle, egal welche Nationalität sie haben, engagieren.
@Ronny: Ich weiss, dass Du in Wirklichkeit Christoph Mörgeli heisst… Vollgepumpt mit Klischees und Vorurteilen, Du tust mir wirklich leid. Der böse Deutsche nimmt dem Schweizer alles wertvolle weg, die Story mag wirklich niemand mehr hören.
@Tell: Ja was soll man zu Dir noch sagen: Du toppst ja Deinen Kollegen Mörgeli alias Ronny noch… Also bist Du Christoph Blocher… Klischeebediener, Hetzer, traurig macht mich das… Allein die Aldi / Lidl-Story die Du bringst ist so billig an sich, mein Gott, wir leben in einer Marktwirtschaft, auch in der Schweiz, in der der Kunde entscheidet, das sollte doch auch Dir bekannt sein. Dich zwingt ja niemand, dort einzukaufen und Deine Landsleute werden schon lebenserfahren genug sein, zu entscheiden, welche Produkte sie wünschen und welche nicht.
Ach und übrigens zu Deinem: “für ökologische umweltfreundliche Produkte tiefer in die Tasche greifen”… da fallen mir nur die extrem umweltfreundlichen Produkte wie Porsche Cayenne, VW Touareg, BMW X5 ein, die von den Schweizern so geliebt werden… und für die sie gern tief in die Taschen greifen… warum denn da nicht auch lieber zum Öko-Auto von der Migros greifen, 100% Swiss-made…?
February 10th, 2007 at 2:05 pm
Ich bin ja einer von nicht wenigen Deutschen, die ihrem Heimatland gegenüber durchaus kritisch eingetellt sind. In meiner Jugend war ich sogar zeitweise dem irrigen Glauben verfallen, Deutschland wäre wohl das schlimmste Land, in dem man aufwachsen könne.
Bei Fussballspielen war mir eigentlich egal wer gewinnt, Hauptsache es war kurzweilig. Jetzt bin ich seit sechs Jahren in der Schweiz und was haben die Schweizer aus mir gemacht? Einen Patrioten. Immerhin, würde mein Vater jetzt sagen. Aber ist das Sinn der Sache?
Auf der anderen Seite erlebe ich hier eingefleischte SP-Wähler, die zu SVP-Funktionären mutieren, wenn ich einmal kurz “Bankgeheimnis” sage. Und so werfen wir gemeinsam unsere hehren Ansprüche über Bord und das Schiff versinkt in der Niederungen der Reaktion.
February 11th, 2007 at 10:33 am
“Anscheinend haben Sie Leseschwierigkeiten, deshalb kann ich auf Ihren Beitrag leider nicht antworten.”
@Johnny:
Es kann auch sein, daß Sie Schwierigkeiten haben sich klarer auszudrücken. Wenn ich das richtig sehe, haben Sie bei mir (oder in gleich gelagerten Fällen) Probleme mit der Loyalität zu einem oder beiden Staat(en) vermutet oder befürchtet. Wenn’s nicht so war, vergessen Sie’s halt.
February 11th, 2007 at 2:06 pm
Der liebe Herr Wiese, wenn es um sprachliche Nuancen geht, dann beobachtet er immer sehr präzise und beschreibt differenziert. Kommt die Sprache jedoch auf die wirtschaftlichen Folgen der deutschen Zuwanderung, dann wird er plötzlich sehr unspezifisch: Ohne Deutsche läge unser Gesundheitssystem am Boden und die Schweizer bewerben sich halt nicht. Das erste Argument mag noch halbwegs stimmen, aber darf man vom Gesundheitswesen auf die übrige Wirtschaft schliessen? Wohl kaum! Das zweite Argument ist schlicht eine Anmassung!
Tatsache ist, dass trotz Hochkonjunktur die Arbeitslosenzahl in der Schweiz mit beinahe 200′000 Stellensuchenden auf relativ hohem Niveau verharrt. Laut dem Sorgenbarometer ist die grösste Sorge der Schweizer und Schweizerinnen der Arbeitsplatzverlust. Vielleicht sollte man die Zuwanderung aus Deutschland und die geringe Gegenliebe der Schweizer Arbeitnehmer mal vor diesem Vordergrund diskutieren?
February 11th, 2007 at 2:49 pm
@smartsurfer
Ja, genau. Und bitte gleichzeitig alle in Deutschland arbeitende Schweizer zurück in die Schweiz, denn wir haben hier auch Arbeitslosigkeit.
Mann mann mann. Mit dieser Argumentation (”Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg”) darf man in Deutschland nicht ankommen, wenn man ernst genommen werden will. Scheint aber in der Schweiz noch zu ziehen. Ich bin versucht, “Jöö” zu sagen.
February 11th, 2007 at 8:51 pm
@smartsurfer: solange man die Einstellung hört, dass man lieber arbeitslos in Zürich/Basel/Bern sein möchte, als eine Stelle in Scouls/Altdorf/Goms/Sarnen anzunehmen, sollte man die angeblichen Arbeitslosenzahlen nicht zu hoch bewerten.
February 11th, 2007 at 11:04 pm
@Holger
Das kann ich bestätigen, mir hat man auch häufig gesagt, dass man die Türken tausend mal lieber hat als die Ossis und das es die Ossis sind, die einen die Arbeitsplätze wegnehmen.
February 12th, 2007 at 9:14 am
Ich finde smartsufers Ansatz gar nicht so falsch.
Nicht wenige Schweizer haben den Eindruck, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in gewissen Branchen (sicher nicht in allen) mit der “neuen deutschen Welle” verschäft hat. Auch wenn sich dieser Eindruck nicht durch Zahlen belegen lässt, bleibt häufig ein ungutes Gefühl. Das kann doch durchaus ein Grund für die geringe Gegenliebe den Deutschen gegenüber sein.
Beispiel:
In vielen Bars im Kreis 4 und 5 in Zürich, in denen vor wenigen Jahren noch hauptsächlich Schweizer (viele Studentenjobs) angestellt waren, wird man heute nur noch auf hochdeutsch bedient. Da mach man sich eben seine Gedanken… (was macht das ehemalige schweizer Personal jetzt ? arbeiten die Ossis tatsächlich für Fr. 15.– die Stunde ?).
Vorallem in Branchen ohne Gesamtarbeitsvertrag sind die Löhne unter Druck geraten. Dafür kann man den Deutschen zwar keinen Vorwurf machen, doch kann das durchaus ein Grund für die geringe Gegenliebe sein.
February 12th, 2007 at 9:44 am
“…Die meisten Deutschen in der Schweiz arbeiten brav, verhalten sich angepasst, freuen sich über das schöne Land und den guten Verdienst, hoffen darauf, auch mal Schweizer kennenzulernen…”
Und genau deshalb dürft ihr sehr gerne in die Schweiz kommen… im Gegensatz zu den jüngeren Generationen der 3. Platzierten in der
Immigrationsstatistik!
Danke, Amen und einen guten Start in die Woche ^^
February 12th, 2007 at 10:46 am
Ich bin Deutscher und kenne die Situation nur aus dem deutschen Fernsehen. Ab und zu kommt dort ein Bericht über Deutsche Arbeitnehmer in der Schweiz. Wenn über Deutsche im schweizer Gastgewerbe berichtet wird, dann kommen regelmäßig Interviews mit den (schweizer) Arbeitgebern. Diese sagen, daß sie keine Schweizer finden, die die Arbeit machen wollen (ungünstige Arbeitszeiten/Schichten).
Es wäre interessant, wenn jemand mal die Arbeitslosenzahlen der Schweiz, aufgeschlüsselt nach Branchen, kennen würde…
February 12th, 2007 at 11:00 am
meine deutschen freunde (das sind einige, wohne in züri) verstehen alle mundart. ob die person im gastgewerbe tätig ist oder in ner schweizerischen geldumwälzmaschinerie, das kommunizieren mit ihr ist total locker, wir aus der ch auf ch-deutsch, sie aus d meistens in deutsch.
wenn man dann diese nationalitäten-geschichte in den hintergrund stellt, sieht man schnell, wie nahe man sich eigentlich steht (das gilt auch für alle weiteren nationen, die meinen freundeskreis bereichern)..
für mich als hier lebender ist es einfach wichtig, mich in meiner muttersprache zu verständigen. doch das ist auch gar kein problem…
February 12th, 2007 at 12:08 pm
@Holger
Das Problem der Arbeitslosen in der Schweiz ist wie in Deutschland, Frankreich usw. auch. Es betrifft vorwiegend die Personen mit einer geringen Qualifikation. Wer sich regelmässig weiterbildet ist in der Regel recht gut auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln.
Wenn du in Deutschland bist, kannst du mir sicherlich noch sagen, ob die von mir erwähnten Sprüche immer noch so im Umlauf sind?
@Jean
Das es hier Deutsche geben soll, die für CHF 15 ackern, kann ich mir nicht so richtig vorstellen (ausgenommen die Montage-Arbeiter im Rahmen der Entsendng aus Deutschland und Österreich - da gab es schon Fälle).
Im Netz gibt es genügend Communities die eigentlich das übliche Gehalt der Schweiz diskutieren.
Ich habe auch schon eine Situation erlebt, in der ein Schweizer in einer Thalia-Buchhandlung in Bern stand und sich weigerte den Schweizer Buchpreis zu bezahlen, weil der Laden gerade durch eine Deutsche Firma umgebaut wurde.
Aber es liegt natürlich in der Natur des Menschen erst einmal die Schuld bei jemand anderen zu suchen.
February 12th, 2007 at 1:57 pm
@renegade
Ich stimme Dir zu: Arbeitslosigkeit betritt vor allem Niedrig-Qualifizierte. Die betreffenden Jobs werden entweder wegrationalisiert oder wandern in Niedriglohnländer ab.
“Lieber die Türken als die Ossis” habe ich in Deutschland noch nie gehört. Ich kenne niemanden, der ernsthafte Vorurteile gegenüber Ossis hat. Ich wohne im Westen; und die Ossis, die hierher kommen, sind motiviert. Das zeigt ja schon die Tatsache, daß sie sich in _ganz_ Deutschland nach Jobs umschauen.
Türken (Ausländer) und Ossis machen sich bei uns eigentlich keine Konkurrenz. Die Ossis sind besser qualifiziert. Das ist in Deutschland leider anders als in der Schweiz: nach Deutschland kommen niedrig qualifizierte Ausländer, während es in der Schweiz höher Qualifizierte (siehe Jens
sind.
April 23rd, 2007 at 4:13 pm
@Christian: An dir ist anscheinend ein Sprachästhet verloren gegangen. Spitzfindig sind allenfalls Diejenigen, welche die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz gerne überbetonen möchten, dabei allerdings nur auf die Schweizer-Andersartigkeit abziehlen. Anscheinend hast du Analogie von dem Satz “Das gleiche ist nicht das Selbe” und Hochdeutsch / Schweizerdeutsch nicht verstanden.