Wenn der Jöö-Effekt versagt — Ressentiments gegenüber Schweizer
Wir möchten heute von Franzi erzählen. Franzi stammt aus der Schweiz und lebt in Berlin. Sie bemüht sich sehr, ein fehlerloses und akzentfreies Hochdeutsch zu sprechen um nicht als Schweizerin erkannt zu werden, doch gerade diese „Hyperkorrektheit“, das Fehlen von Verschleifungen, die makellose Verwendung von Perfekt und Genitiv verrät sie als Schweizerin.
Franzi hat das nicht immer so toll erlebt, wenn Sie als Schweizerin in Berlin erkannt wurde. Sie musste sich des Öfteren ziemlich harsche Vorwürfe anhören. „Wie, Sie kommen aus der Schweiz und arbeiten jetzt in Deutschland?“ Im Kopf geht der Satz dann weiter mit „… und nehmen hier einem Deutschen den Job weg, wo es doch wirklich genug Jobs in der Schweiz gibt.“
Mehrfach muss sie sich rechtfertigen und erklären, dass nicht alle Schweizer automatisch sehr wohlhabend sind, nur weil sie aus der Schweiz kommen. Ausserdem wurde ihr vorgeworfen, mit dafür verantwortlich zu sein, dass Deutsche wie Boris Becker oder Michael Schumacher in die Schweiz vor den hohen deutschen Steuern geflohen sind. Ja tatsächlich, das bekam sie von, sagen wir „einfachen deutschen Gemütern“ das ein oder andere Mal zu hören. So von einem Handwerker, den sie in ihre Wohnung bestellt hatte, um etwas zu reparieren. Da war nichts mehr zu spüren von „ach die Schweizer, wie süss und niedlich“, das waren blanke Eifersucht und Neid, aber auch starke Vorwürfe konnte sie herauszuhören. Wir hatten sie schon früher gewarnt, auf keinen Fall Michael Schumacher oder Boris Becker in die Schweiz einzuladen. Jetzt war es passiert, sie sind einfach geblieben. Und Franzi hatte Schuld.
Die Deutschen lieben die Schweiz und die Schweizer, sagt man und wir haben neulich noch darüber geschrieben. Dass dies bei weitem nicht für alle Deutsche gilt, erzählte uns Franzi aus Berlin. Den Vorwurf der „Rosinenpicker“ bekam sie genauso zu hören wie die „persönliche Schuld am Bankengeheimnis“ und am „Geldwaschplatz Schweiz“. War waren gelinde gesagt ziemlich erstaunt, für das die arme Franzi in Berlin alles verantwortlich ist. Aber irgendeiner muss ja schuld sein, warum also nicht sie.
Sie hat auch bisher noch nicht positiv ihren Schweizer Akzent einsetzen können, im Gegenteil. Weil sie auch für den Rundfunk arbeitet, musste sie oft gegen das Vorurteil ankämpfen, dass sie als Schweizerin ja unmöglich auf Deutsch Reportagen machen könnte. Von einem Meteo-Hochdeutsch eines Herrn Kachelmann oder der perfekten Schauspielerstimme eines Bruno Ganz‘ schienen die Leute beim Radio in Berlin bisher weniger gehört zu haben. Emil Steinberger und sein Pseudo-Schweizer-Hochdeutsch ist nach wie vor in alle Köpfen fest verankert, wenn man versucht, sich die Aussprache von Schweizern vorzustellen.
Kürzlich erzählte uns ein Bekannter aus Deutschland, dass er beschlossen habe, aus Prinzip auf dem Weg von Süddeutschland in die Provence nicht mehr durch die Schweiz zu fahren, weil seine Ressentiments und Hassgefühle gegenüber der Schweiz einfach zu stark geworden sind. Er mag diesen Hort der Kapitalflucht und Rosinenpicker nicht mehr besuchen. Wir waren baff. Bis jetzt gingen wir immer nur von dieser permanenten „Wir lieben die Schweiz“ Haltung der Deutschen aus. Es gibt also doch auch andere Sichtweisen der Schweiz. Ob die Holsteinische Schweiz und die Sächsische Schweiz auch unter diesen Kollektivbann unseres Bekannten fällt, das haben wir uns nicht mehr getraut zu fragen, bei so viel feiner Fähigkeit zur Differenzierung.
October 3rd, 2006 at 6:30 am
arme frau das.
aber dieses mal völlig ausser acht gelassen, jeder schweizer könnte theoretisch sauber deutsch sprechen wenn sie nur dieses chchch weglassen würden und wenn man es zugleich noch unterlässt jeden einzelnen wortlaut mit dem mund übertirieben zu formen, ja dann könnte das schon gehen.
ist doch immer das selbe lied, der schweizet hört sich sche**** an wenn er deutsch sprechen will und umgekhert ist es genau so schlimm.
mir tut dieses vermurkste zwangsdeutsch aus schweizer munde in den ohren weh das es bei vielen eine art hintergrundbotschaft zu entahlten scheint, die da währe “icch chomme überigens aus der schwaiz”
in diesem sinne
mfg reinhart
October 3rd, 2006 at 7:49 am
Lieber Jens,
ich bräuchte eigentlich die Taste für das Cédille (und lös das über die Rechtschreibkorrektur). Zum Glück brauche ich es im Gegensatz zu Dir für das Wort Provence nicht (und schreib aus Faulheit provenzalisch auf deutsch).
Gruß Peter
October 3rd, 2006 at 8:31 am
@reinhart
Es stimmt schlicht nicht, dass die Schweizerin oder der Schweizer perfektes Hochdeutsch sprechen könnte, wenn er wollte.
Erstens exisitiert hier ein verschweizerischtes Hochdeutsch. Z.B. “ich bin gar noch nicht fertig” anstatt “ich bin noch gar nicht fertig” oder z.b. “parkieren” statt “parken”, etc. Diese Formulierungen kann man als Schweizer nicht einfach ablegen, weil man häufig gar nicht bemerkt, dass es sie gibt.
Zweitens gibt es nun mal die Betonung des “e”s, das vielen Schweizern von Haus aus schwer fällt. (Und nicht nur das kratzende “ch”.) Z.b. bei “Pferd”: Schweizer sagen da gerne “Pfärd”.
Ist das verwunderlich? Wohl kaum. Die wenigen Male, wo eine Schweizerin oder ein Schweizer Hochdeutsch sprechen muss (z.B. in der Schule) bei einem Lehrer der im Deutschen genauso inkompetent ist, schult eben nicht genügend die Aussprache. Zum Glück ist perfekte ausgesprochenes Hochdeutsch auch völlig unnötig, solange man nicht irgendwelche Dokumentarfilme vertonen muss.
@Jens
Hoffentlich haben die Deutschen nicht alle das “Ich liebe die Schweiz”-Syndrom. Das wäre ziemlich eigenartig, nicht? Das ist genau das gleiche, wie wenn alle Schweizer dei Deutschen nicht zum aushalten sondern zum rauswerfen finden würden oder alle Europäer die Amerikaner hassen würden. So gleichgeschaltet sind die Völker, Gruppierungen und Nationen zum Glück nicht.
October 3rd, 2006 at 9:24 am
“Wenn Schweizer Deutschen den Job wegnehmen”
Da werden doch Erinnerungen wach, wie oft habe ich das in den alten Bundesländern gehört, man muss nur das Wort Schweizer mit Ossis tauschen.
Dein Bekannter, kann es zufällig sein, dass er ein “kleines bisschen” Neidisch ist?
. Solche Erbsenzähler brauchts hier nicht, oder doch?.
Was solls…, je weniger die Schweiz als Transitland genutzt wird, um so besser, ich sage schon mal Danke.
Das Bankgeheimnis der Schweiz ist mir in übrigen sehr wichtig, ich habe keine Lust, dass jeder beliebiger MA einer Behörde meine Kontendetails bei diversen Banken abfragen kann, es ist doch nicht das Problem der Schweizer, dass solche Stasi-Methoden in Deutschland eingeführt worden sind.
Geiz ist Geil und Neid ist schon eine bescheuerte Kombination.
October 3rd, 2006 at 10:11 am
Die etwas einfältige Haltung, aus Prinzip nicht mehr durch die Schweiz zu fahren, kann ich nur begrüssen. Jeder nicht vorhandene Verkehr hilft Staus und lokale Umweltverschmutzung vermeiden (Der Wind, der Abgaswolken transportiert, schert sich natürlich um Landesgrenzen, das weiss ich auch).
Lange hörte man auch viel über die unsere Frechheit, überhaupt eine Autobahngebühr eingeführt zu haben; die Autobahnvignette. (Gültig ein Jahr, diesen Umstand unbedingt verschweigen.) Die kostete 1985 CHF 30.-, also etwa DEM 37,-/heute CHF 40.-, etwa EUR 26,-. Dass Italien und Frankreich damals schon lange viel höhere Autobahngebühren hatten, wurde jeweils mit keinem Wort erwähnt. Erstaunlicherweise sind diese Kritiken seit dem österreichischen Pickerl verstummt. Dass jeweils in der Schweiz lieber zweimal pro Durchfahrt statt nur einmal getankt wurde, wegen der verhältnismässig günstigen Benzinpreise, habe ich jedoch nie als Vorwurf entgegen genommen. Die Deutschen, die also aus Prinzip die Schweiz umfahren, fügen uns natürlich einen grossen volkswirtschaftlichen Schaden zu. (Hätten die denn sonst überhaupt auf der Durchreise etwas gekauft, da in der Schweiz alles so sauteuer zu sein hat?) Heute nimmt die Billigfliegerei diesen Kritikern ein wenig den Wind aus den Segeln – bzw. Flügeln oder Pneus.
Leider werden auf diesem Blog nicht viele Betroffene antworten können. Aber ich glaube, die armen Luxemburger und die bedauernswerten Österreicher werden auch dauernd persönlich wegen des Bankgeheimnisses in ihren Ländern angegriffen. Sollte ich richtig informiert sein, haben diese Länder auch eine solche Einrichtung im Geldwesen. Ist es die Mitgliedshaft in der EU oder die mindere Wichtigkeit der Finanzplätze, die solche Kritiken wenigstens nicht bis in die Schweiz vordringen lässt?
Ergänzend zu Peter
Jens, Kennst du das „ca-ce-ci-co-cu“? [ka-ssö-ssi-ko-kü]. (Auswendig lernen). Das ist das Einmaleins der lateinischen Sprachen. Vereinfacht erklärt: Ohne Zusatzzeichen oder –Buchstaben werden die c- und g-Laute analog „cacecicocu“ ausgesprochen. Sollte es anders klingen: Zeichen setzen! Beispiel: „Provence“ aber „provençal“ – c nur wegen ç nicht wie in „calories“ ausgesprochen. (Peter: Cédille bei Tastatureinstellung „Schweiz“ über der Zahl 4) oder „guerrier“, g nur wegen u ausgesprochen wie bei „garer“ gegenüber „gérant“.
[Antwort Admin: Jetzt fahre ich 25 Jahre in die Provence in die Ferien, und wenn ich den Namen im Blog erwähne, flutscht er mit einem ç durch. So was von peinlich…. einfach zu oft provençal,e geschrieben und “Le Provençal” gelesen (Käseblatt in Apt)]
October 3rd, 2006 at 10:19 am
@renegade:
Das Problem ist doch, dass in der Region Berlin die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch ist. Da fällt es leicht solche Töne zu hören. Umgekehrt gibt es derartige Aussagen auch in der Schweiz (z.B. Gesundheitswesen, etc.)
Was in Deutschland dazu kommt, ist das Auftreten eines Herrn Ackermann, der aus unternehmerischer Sicht durchaus Recht haben mag, aber von Kommunikation offensichtlich keine Ahnung hat. So Jemand schadet dem Bild der Schweiz und der Schweizer weit mehr als jeder andere.
Was das so hoch geschätzte Schweizer Bankgeheimnis angeht, so hat es für in der Schweiz lebende nur geringe Bedeutung. Wenn die Schweizer Finanzbehörden den Verdacht haben, dass etwas mit den Angaben nicht stimmt, ist es ein Leichtes eine Anfangsverdacht auf Steuerhinterziehung (Ordnungswidrigkeit) ins einen Verdacht auf Steuerbetrug (Straftat) umzuwandeln. Damit müssen auch die Schweizer Banken die Daten herausgeben.
Das Problem ist die, durchaus vorhandene, “Rosinenpickerei” der Schweiz, nur die Vorteile, aber ja keinen Nachteil.
October 3rd, 2006 at 11:03 am
Wer ist eigentlich diese ominöse Franzi ? Quelle ?
Existiert sie vielleicht gar nur in den Gedanken des Autors ?
Die Abkürzung von Franziska ist jedenfalls (in der Schweiz) Fränzi und nicht Franzi.
[Anmerkung Admin: Die Abkürzung ist meine Erfindung, um den wahren Vornamen zu tarnen. Wie sie wirklich mit Vornamen heisst, wird nicht verraten, denn die Frau will unerkannt bleiben. Ich nenne sie halt Franzi, mache haber gern auch ein Fränzi draus, wenn Du das schöner findest.
Die echte Franzi/Fränzi wird sich vielleicht noch selbst melden, warten wir’s ab.]
October 3rd, 2006 at 11:05 am
Als Deutscher kennt man das ja schon lange, wird man doch gerne für die ersten beiden Weltkriege verantwortlich gemacht. Und Amerikaner im Ausland wollte ich zu Zeit bestimmt nicht sein.
October 3rd, 2006 at 11:08 am
@reinhart
Ich stimme Micha zu und möchte noch etwas anmerken. Neben dem e etc. welches wie gerne durch ein ä ersetzen gibt es noch die Betonung. Wir betonen den ersten Umlaut, Hochdeutsch aber den zweiten. Das ist gar nicht so einfach reinzukriegen (zum Beispiel im Wort von Hotel oder Büro).
Was den Schweizer in Deutschland angeht. Ich bin sehr oft in Deutschland (meine Partnerin lebt da). Bis jetzt wurde ich nie schief angeschaut oder angemacht. Aber das kann vielleicht an der lockeren rheinischen Art liegen.
Ich denke, dass die Akzeptanz der Schweizer bei den Deutschen sich mit der der Deutschen bei den Schweizern wohl in etwa die Waage hält. Daran wird sich wohl nie etwas ändern.
Wie sagt der Bayer: It’s nice to be a “preiss” but it’s higher to be a “bayer”.
)
(Anm. ich weiss, dass das Englisch so nicht korrekt ist, der Satz stammt nicht von mir
Die Vorurteile sind ja schon in Deutschland zwischen den Länder da. Wie hier auch zwischen den Kantonen.
Das sollte man alles nicht zu ernst nehmen und mit einem Schmunzeln drüber wegsehen.
October 3rd, 2006 at 11:13 am
Das Bankgeheimnis ist ja auch für die Schweizer Steuerbehörden ein Hindernis und es wurde mit der Verrechnungssteuer elegant gelöst. Diese Lösung wurde auch den Deutschen angeboten, aber aus irgendeinem Grund wollen die Jungs lieber auf dem Bankgeheimnis herumhacken. Bringt wahrscheinlich mehr Wähler. Wenn man nun aus Deutschland hört, dass jeder Sachbearbeiter im öffentlichen Dienst die gesamte finanzielle Situation anschauen kann kommt mir doch einiges ziemlich falsch vor.
“Rosinenpickerei”: Klar will ich als Schweizer nur die Vorteile… Geiz ist halt eben doch geil…
October 3rd, 2006 at 11:20 am
Ich kenne auch viele Landsleute oder höre oft davon dass Österreicher aus Prinzip (”arrogante, selbstherrliche, selbsteingeredete Unschuldsinsel, nehmen uns den Goldosterhasen weg - Rosinenpicker - Schweizer und wenn es nicht anders geht und ich durch CH muss dann zahle absichtlich nur mit Euro bei den Käsemachern”) nicht durch die Schweiz fahren wenn es in Richtung Frankreich geht. Und diese Meinungen sind sicher nicht mehrheitstauglich aber man hört sie. Abermeist kommt die Schweiz einfach nicht in der Tagespolitik oder Alltagsgesprächen vor, ist halt ein zu kleines Land mit weniger Berührungspunkte als mit Deutschland oder Italien und ohne Belangen innerhalb der EU.
zu den happigen Sprüchen oben: Naja, nicht alle denken so und oft ist es auch das Nicht-kennen des Nachbarlandes. Viele die dann hier sind sehen dass das Bild dass oft nach aussen getragen wird, nicht dem entspricht dass man dann selber bei einer Reise feststellt.
Peter
October 3rd, 2006 at 11:29 am
Das Bankgeheimnis gilt für Schweizer erst, wenn man 10 oder mehr Millionen auf dem Konto hat. Darunter ist es wie in anderen Ländern. Ganz krass wird es, wenn man stirbt. Man ist noch nicht mal kalt, da geht der Staat schon nachschauen, ob die Erben möglicherwiese etwas unterschlagen könnten.
Da aber die meisten Leute eh kaum etwas auf dem Konto haben, spielt das Bankgeheimnis eh keine Rolle für sie.
October 3rd, 2006 at 11:39 am
ich habe schon so extrem viel schweizer perfekt deutsch sprechen gehört. meist natürlich leute in gehobenen positionen die das mussten. da gab es keine fehler……
schweizer sind also wie tojotas… nichts ist unmöglich
October 3rd, 2006 at 11:43 am
@Gerald
Die Töne die du ansprichst, werden nicht nur in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit gepoltert. Ich habe da meine Erfahrungen sammeln müssen, in der Schweiz ist mir diese Form noch nicht begegnet.
Ja und der Herr Ackermann, der ist evtl. schon zu lange in Deutschland
. Die Pauschalisierungen diesbzgl. interessieren mich eigentlich nicht. Die Deutschen Manager verschenken dafür ihre Werke und Patente, damit die Asiaten die ungemütliche Arbeit übernehmen.
Was das Bankgeheimnis angeht so sprichst du einen Punkt an, der den Unterschied macht: Wenn die Finanzbehörden einen Verdacht haben. In Deutschland bist du grundsätzlich verdächtig. Was das für Auswüchse hat, ist erstaunlich.
October 3rd, 2006 at 12:01 pm
Uebrigens:
Wer wirklich jede Fremdsprache (und bitte ehrlich sein) akzentfrei spricht, werfe den ersten Stein!
Also wenn ich gewisse Deutsche französisch, englisch oder gar italienisch sprechen höre, kräuselt sich mir das Zahnfleisch…
Und jeder Bayer kann gestochenes Bühnendeutsch, aber sicher…
PS: Ich mag jene aus Bayern durchaus und habe selber einen grauslichen accent fédéral…
October 3rd, 2006 at 12:28 pm
@ reinhard
Du hast vollkommen recht. Es gibt genügend Schweizer, von denen man in Deutschland gar nicht weiss, dass sie Schweizer sind.
October 3rd, 2006 at 12:30 pm
@ micha
In der Schweiz ist ein Pferd
‘es Ross oder Rössli’
‘e Mähre’
manchmal auch gehört eher abschätzend ‘ e Goul’
und für die ganz Kleinen ‘ es Hügogo’
grüessli
sylv
October 3rd, 2006 at 1:16 pm
@Videoman: das stimmt nicht. Das Bankgeheimnis gilt, unabhängig der Höhe des Vermögens. Der Staat kann nur mittels Gerichtsbeschluss das Bankgeheimnis aushebeln. Die meisten Steuerbehörden verlangen ganz einfach entweder einen Beleg (Kontoauszug, Saldobeleg z.B. Säule 3b für den Abzug etc.) und drohen mit der Aufrechnung in der Steuererklärung. Wenn die Steuerbehörden beim Steuerpflichtigen nach Unterlagen fragen, dann hat diese Situation nichts mit dem Bankgeheimnis zu tun.
October 3rd, 2006 at 1:37 pm
Jens,
ich glaube, das Problem ist - wenn überhaupt - ein Grossstadtproblem, Berlin noch dazu, o
Osten, hohe Arbeitslosigkeit, klar dass da negative Erfahrungen gemacht werden können.
Zwischen 1990 und 2000 lebte ich mit meiner damaligen schweizer Freundin (heute Frau) in Franken. Nie, wirklich nie bekam sie ein negatives Wort zu hören, nur positives, was oftmals auch sehr anstrengend sein kann…. Man freute sich eigentlich egal wo sie auftauchte, an ihrem Hochdeutsch.
Es ist heute immer noch so, wenn du mit Schweizer Nummernschild auftauchst, wird für dich Platz gemacht, du darfst aus der Parklücke sofort raus etc.etc….der Schweizeffekt lebt also weiter…. in der fränkischen Schweiz ist die Welt eben noch in Ordnung.
Und ausserdem, selbstverständlich gibt es Schweizer, die perfekt Hochdeutsch sprechen, gerade Schauspieler wie z.b. in der Serie “Sturm der Liebe”, Susanne Huber oder auch Gregory B. Waldis sprechen lupenreines und völlig akzentfreies Hochdeutsch.
.
Warum auch nicht, wenn Deutsche perfekt Schwiitzerdütsch sprechen, kann ich das umgekehrt doch auch verlangen
Also, Franzi soll es nicht persönlich nehmen, Dummschwätzer gibt es überall, verallgemeinern würde ich das nun wirklich nicht.
October 3rd, 2006 at 2:35 pm
Seit ich in Deutschland wohne (gut zwei Jahre) habe ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht bzgl. meiner Herkunft. Wie Franzi auch, habe ich ab und zu erstaunte Blicke geerntet. Was die Leute dann tatsächlich denken, weiss ich natürlich nicht …
Neulich hat mir ein eher naiver Bankberater gestanden, er würde sofort in die Schweiz ziehen wenn er die Möglichkeit hätte, schliesslich zahle man dort keine Steuern usw. Ich habe ihm gesagt, dass die Tür offen steht und er die Möglichkeit ja hat. Darauf hat er mich nur ungläubig angeschaut.
Was mein Hochdeutsch angeht: Das ist mit Sicherheit nicht perfekt, ich muss aber sagen, dass ich mich nicht sonderlich bemühe ein sauberes Bühnendeutsch zu sprechen. Die meisten Leute fragen dann ob ich Holländer oder Engländer sei, auf die Schweiz kommen die wenigsten. Ab und zu steht das Südtirol noch zur Auswahl.
Seit kurzem ist mein h1b-Visa für die USA durch, so dass es mir sowieso egal ist wer die Schweiz weshalb umfährt und was die Deutschen über die Schweizer denken und umgekehrt, denn 2007 heisst es good bye germany, good bye switzerland
, Aufbruch in ein Land, wo es nur Parallelgesellschaften gibt, wo es egal ist wer woher kommt, wo Toleranz noch gelebt wird, wo Lebensqualität mehr bedeutet als polierte Randsteine und die Bürger nicht vom Ökofaschismus und Abfalltrennungswahn der grünen Elite terrorisiert werden.
October 3rd, 2006 at 3:58 pm
@ Johnny
“Aufbruch in ein Land, wo es nur Parallelgesellschaften gibt, wo es egal ist wer woher kommt, wo Toleranz noch gelebt wird, (…)”
Dann nehme ich an, du bist weder scharz, noch eine Frau, noch schwul und würdest auch nicht demokratisch wählen. Toleranz gibt es in der USA vorallem für republikanisch wählende, zu einer christlichen (Sekte) Gruppierung angehörige Mittelschichtler mit einem benzinsaufenden SUV. Bist du dagegen anders geartet, hast du es echt schwer. Evtl. kannst du ja dann nur noch, wenn du überhaupt beim sonntäglichen Gottesdienst aufgenommen wirst, den ja 70% der Amerikaner brav besuchen, ein wenig positives Licht auf dich werfen lassen.
Dir und deinen weissen Sochen wünsche ich viel Spass dort drüben. Und evtl. kommst du ja trotzdem in deiner Woche Ferien (falls du überhaupt hast) zurück nach Europa.
October 3rd, 2006 at 4:03 pm
@johnny,
woher kommst du denn aus der Schweiz, dass die Leute dich beim Hochdeutsch reden für einen Holländer oder sogar Engländer halten????
Gratuliere zu deinem h1b-Visa, vergiss aber nicht, dass es noch nicht die Green Card ist und es sein kann, dass du in ein paar Jahren wieder vor der Schweizer Türmatte stehst! Ich lebe schon seit Jahren im Ausland (nicht Deutschland) und obwohl ich nicht unbedingt daran denke in the near future in die Schweiz zurückzugehen, muss ich schon sagen, dass das “Bünzlitum” manchmal auch Vorteile hat!!
October 3rd, 2006 at 4:50 pm
Naja, Tschuldigung mal… die “Deutschen ” selbst haben ja wohl auch so manche Mühe mit ihrer Sprache!
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/pisaplus/488266/
Zudem: Wir Schweizer “wollen oder müssen” hier in der Schweiz ja gar kein Hochdeutsch srechen, sondern Schriftdeutsch.
Sogar unsere Tagesschaumoderatorinnen sprechen ja “absichtlich” kein reines Hochdeutsch, sondern eben das sogenannte Schriftdeutsch.
Es gibt genügend Schauspielerinnen ( Mia Aegerter zB), denen man das Schweizerdeutsche nicht anhört.
October 3rd, 2006 at 5:26 pm
@Ellen
In meinem Posting beschreibe ich, dass Franzi dadurch auffiel, dass sie zu korrekt Deutsch spricht. Rückschluss: Die Deutschen sprechen keine korrektes Deutsch. Das ist mein Reden seit langem auf der Blogwiese. Hochdeutsch ist eine Utopie, es gibt keinen dialektfreien Raum in Deutschland. “So sprechen wie die Deutschen” heisst nicht Hochdeutsch sprechen, sondern auch mal zu nuscheln, zu verschleifen, einfach lebendige Alltagssprache, nichts Abgelesenes.
October 3rd, 2006 at 5:31 pm
Kann mir bitte jemand den Unterschied Schriftdeutsch und Hochdeutsch erklären? In meiner österr.Schulzeit sprach man immer nur vom Hochdeutsch. Was ist Schriftdeutsch? Diesen Ausdruck kann ich nicht so ganz zuordnen. Oder meinen Österreicher mit Hochdeutsch das Deutsch dass man hier Schriftdeutsch nennt (unter der Annahme man meint dass Hochdeutsch die gesprochene Sprache im Norden der Bundesrepublik ist, während Schriftdeutsch das geschrieben reine standardisierte Deutsch ist (was in Österreich Hochdeutsch genannt wird, in Aufsätzen, briefen, Nachrichten etc verwendet wird)…)
Wäre nett wenn mich jemand aufklärt….. (hört sich ja an wie: wie war das mitden Bienen und den Blüten…).
Peter
October 3rd, 2006 at 6:23 pm
Ich bin Franke und wenn bei uns jemand sauber Hochdeutsch spricht ist er in der Regel kein Deutscher. Bei uns wird fränkischer Dialekt oder Hochdeutsch mit fränkischen Aktzent gesprochen. Wir können zwar fast alle sauber Hochdeutsch, was aber in der Regel nur für Ausländer rausgeholt wird die selber Deutsch lernen mussten z.B. Polen (die würden uns ja sonst nicht verstehen). Gäste aus anderen Teilen Deutschlands z.B. Hamburger reden mit ihrem eigenen Lokalen Dialekt oder Hochdeutsch mit Aktzent.
Ich persönlich finde es gut wenn Schweizer bei uns ihren schweizer Aktzent hören lassen. Denn seine Herkunft mit zwanghaften Hochdeutsch (wozu überhaupt) zu verschleiern klappt in den meisten Fällen eh nicht.
Servus
October 3rd, 2006 at 9:27 pm
@Peter
Schriftdeutsch: Ein geschriebenes Deutsch, welches seine Eigenheiten hat. Z.B. grammatikalische Formulierungen, die niemand sprechen würde. Z.B. er wird nach Hause gegangen sein … In der Schweiz herrscht ein anderes Schriftdeutsch, welches aber per Duden korrekt ist. Es ist z.B. durchaus erlaubt zu schreiben: Das Parlament ist auf die Vorlage eingetreten. Die Deutschen sehen dann Parlamentarier vor dem gesitigen Auge, die auf eine Vorlage mit den Füssen herumtrampeln. Oder eben z.b. “die Spargel” als Einzahl und “die Spargeln” als Mehrzahl. (Hochdeutsch: “der Spargel” Einzahl und “die Spargel” Mehrzahl.) Der Tagi und die NZZ schreiben deshalb ein eigenes verschweizerischtes Schriftdeutsch.
Hochdeutsch: Hochdeutsch ist eine künstliche Hochsprache (Standardsprache). Eigentlich reden nur die Hannover ein fast perfektes Hochdeutsch.
Aber eines muss man sich mal klar machen: warum wird “ch” z.B. nicht gekratzt sondern nur gehaucht? Gibt es ein physikalisches Gesetz, warum das eine richtig und das andere falsch ist? Oder ein biologisches? Weshalb ist ein gehauchtes dem gekratzten vorzuziehen? Der Witz ist eben, dass man mal definiert hat, was als die korrekte Aussprache und Betonung für das Deutsche ganz generell gilt. Müsste aber eigentlich nicht sein … Im deutschen (geographischen) Sprachraum gibts einige Lautverschiebungen. Z.b. t zu s (”wat is dat?” statt “was ist das?”) Oder k zu ch in das “der könig” zu “de chönig”. Irgendwann musste man sich halt für die Bildung einer Hochsprache auf eine Betonung festlegen.
[Anmerkung Admin: Das Thema “Wo sprechen die Deutschen eigentlich Hochdeutsch” und was ist “Bühnensprache” wurde auf der Blogwiese bereits behandelt und findet sich hier]
October 3rd, 2006 at 10:10 pm
An Peter
Das mit den Bienen und Blüten ist gar nicht so weit gefehlt. Du trittst mit deiner (berechtigten!) Frage in ein Wespennest. Die stechenden Kommentare werden aber erst losgelassen, nachdem sich jemand an die Antwort auf diese Frage wagt. Das Thema ist kompliziert, und jeder Hobby- und professionelle Sprachforscher hat eine andere Definition. Du wirst sehen, was noch alles für Antworten auftauchen. Ich verstecke mich deshalb erst mal hinter Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schriftsprache
http://de.wikipedia.org/wiki/Schriftdeutsch
http://de.wikipedia.org/wiki/Standarddeutsch
October 3rd, 2006 at 11:16 pm
“… Michael Schumacher oder Boris Becker in die Schweiz einzuladen. Jetzt war es passiert, sie sind einfach geblieben. Und Franzi HATTE Schuld.”
Für mich als Schweizerin müsste es heissen: “Und Fränzi WAR schuld (daran)” oder seltener “Und Fränzi trug die Schuld daran.”
Sorry, sollte natürlich Franzi heissen, aber tönt eben für SchweizerInnen recht unschweizerisch.
So oder so, schon im nächsten Abschnitt schreibst Du, Jens: “Aber irgendeiner muss ja Schuld SEIN, warum also nicht sie.”
Verwendest Du für Schuld (das wohl zudem mindestens mit sein klein geschrieben werden sollte) mal mit HABEN und mal mit SEIN?
October 4th, 2006 at 1:31 am
@Phipu+Peter: Ui, sich hinter der anerkannt seriösen Wikipedia verstecken…!
Also: Das “Hochdeutsch”, also die nicht allzu deutlich durch Dialekte beeinflusste Sprache, nennt man in der Schweiz üblicherweise “Schriftdeutsch”. Das kommt daher, dass es in der Schweiz ganz ungewöhnlich ist, diese Sprachform in spontaner mündlicher Rede zu gebrauchen: Ungeachtet ihrer sozialen Herkunft reden alle Menschen zunächst einmal Dialekt miteinander, sogar sog. “Respektspersonen” (Lehrer, Politiker, Beamte, Bankdirektoren, Pfarrer usw.). Das Schriftdeutsch wird hauptsächlich geschrieben, darum der Name.
Außerdem sind viele Leute der Ansicht, das “Hoch-” in Hochdeutsch drücke einen besseren Grad von Deutsch aus; weil sie aber nicht der Meinung sind, dass der Dialekt minderwertig ist, wird dann statt “Hochdeutsch” lieber “Schriftdeutsch” gesagt.
In der Wissenschaft hat sich in letzter Zeit statt des missverständlichen “Hochdeutsch” der Begriff “Standarddeutsch” durchgesetzt.
October 4th, 2006 at 1:34 am
Meiner Meinung nach liegt das Problem darin, dass die Deutschen im Grunde so gut wie gar nichts über die Schweiz wissen. Alles was sie von der Schweiz zu wissen glauben sind Klischees – meist die übelsten und abgedroschensten. Danach sind die Schweizer ein langsames Bergvolk, stehen putzig auf der Alm rum, verstecken in ihren Bunkern ganz viel Schwarzgeld und sprechen dabei komisch. Sympathien und Antipathien der Deutschen gründen immer irgendwie auf diesen Klischeebildern. Vermutlich gibt es ein kein Nachbarland der Deutschen, über das sie in Wahrheit so unglaublich wenig wissen. Sie wissen nichts über Politik und über die realen Verhältnisse dort, sie pflegen das Bild der Schweiz als kurioses Phantasia. Sowohl die übertriebene Liebe zur Schweiz als auch die Abneigung (Stichwort: “Nummernköntli”) würden bestimmt relativiert, wenn die reale Schweiz mal zur Kenntnis genommen würde und nicht immer nur diese nicht existierende Klischeeschweiz. Aber dagegen anzukämpfen ist illusorisch, die Schweiz wird für Deutsche immer nur eine Projektionsfläche bleiben.
October 4th, 2006 at 6:11 am
@Solar
man kann Schuld haben und an einer Sache schuld sein. Letzteres wird klein geschrieben. Dass ich es falsch schriebe zeigt einmal mehr, wie klasse perfekt poliert Hochdeutsch wir Deutschen alle sprechen und schreiben können.
Danke für den Hinweis. Ich kann keine Belege finden, dass die Verwendung von “Schuld tragen” oder “Schuld haben” oder “schuld sein” in irgendeiner Form typisch Deutsch oder typisch Schweizerisch ist. Alles einfach nur mögliche Varianten. Für jeden Hinweis auf Rechtschreibfehler bin ich weiterhin dankbar. Gruss, Jens
October 4th, 2006 at 8:46 am
interessanter Thread!
Ich komme ja auch aus Berlin & lebe jetzt in Basel.In Berlin habe ich ja auch meine Schweizer Frau kennengelernt,die dort 6 Jahre gelebt hat & sie könnte auch einiges über die Berliner erzählen.Dieses freche,ahnungslose Stadtvölkchen,die sich für den Mittelpunkt der Welt halten & in Wirklichkeit so wenig wissen ,was ausserhalb von Berlin passiert.
Dies habe ich u.a. gemerkt als ich in Berlin ein Mineralwasser bestellen wollte,ich aber schon zuviel die schweizer Betonung angenommen hatte & man mich nicht mehr verstanden hatte.Erst als ich die abnormale Betonung wieder drauf hatte ging alles problemlos.Also Mineraaaalwasser.
Meine Frau hat mir auch ihre anfänglichenen Probleme erzählt z.b. als sie in Berlin versuchte ein Fixleintuch zu kaufen,unmöglich.
Da muss man schon den Kasernenmentalitätsknopf auf -on- schalten & alles geht einfacher.
Wie “schön” kann Hochdeutsch sein,z.b beim Satz.:”Auf dem Bürgersteig liegt ein Spannbettlaken”.
Gruss,Mike
October 4th, 2006 at 8:57 am
@micha
“zu einer christlichen (Sekte) Gruppierung angehörige Mittelschichtler mit einem benzinsaufenden SUV.”
Genau da ist der Unterschied zum alten Europa. In USA gibt es keine Vorwürfe wenn ich mit einem SUV durch die Landschaft fahre. Hier versucht man mir andauernd ein schlechtes Gewissen zu machen weil ich mit einem Ford Explorer unterwegs bin. Ich hingegen kann nicht verstehen wie man sich freiwillig in einen europäischen Kleinwagen zwängt, aber hey, jeder wie er will.
Jeder soll sich das Auto kaufen, das ihm gefällt, jeder soll die Kirche besuchen die ihm zusagt, jeder soll seine Kinder in die Schule schicken die er gut findet.
Schule ist ein gutes Stichwort.
Ich und meine Frau könnten uns natürlich mit dem System in Deutschland oder der Schweiz gut arrangieren, wir haben gute Jobs, meine Frau einen praktisch unkündbaren Beamtenposten, wir würden es hier zu relativem Wohlstand bringen.
Aber was ist mit meinen Töchtern ? Die müssten in eine deutsche staatliche Schule, den rot-grünen Lehrern ausgeliefert bis sie eines Tages an Kyoto glauben, bis sie eines Tages während der Unterrichtszeit mit den Lehrern gegen Bush demonstrieren.
Leider gibt es in Deutschland und der Schweiz fast keine Privatschulen, der deutsche Staat vergibt äusserst ungern und nur nach sehr kompliziertem bürokratischen Aufwand Lizenzen für Privatschulen und kontrolliert auch darin sehr genau, was gelehrt wird.
Tja, zwischen Europäern und Amerikanern gibt es eben einen himmelweiten Unterschied in der Auffassung von Freiheit.
@öfpubätzgi
ich bin in Uschter (im Kanton Züri) aufgewachsen. Lebe aber schon seit Jahren nicht mehr dort .
Das h1b ist jetzt der erste Schritt bevor wir legal permanent resident werden. Wenn ich einen guten Job mache, wird der Arbeitgeber die green card beantragen
October 4th, 2006 at 9:28 am
believe me lieber Johnny, auch du glaubst irgendwann mal an Kyoto!
October 4th, 2006 at 11:44 am
@Johnny
Die USA sind wirklich ein Phänomen. Zur Zeit liefern sie wieder naturwissenschaftliche Nobelpreisträger im Dutzend, gleichzeitig lese ich, dass die Kreativisten im Vormarsch sind, und dass diese absurde Pseudowissenschaft sogar an den Universitäten gelehrt wird (wie bei uns neuerdings die sog. Komplementärmedizin).
Der Rahmen der “Freiheit” ist sehr weit gesteckt und beinhaltet offenbar auch die Freiheit ein Trottel zu sein und ein söttiger zu bleiben.
October 4th, 2006 at 1:15 pm
Berliner hassen alles andere und jeden anderen und machen den Rest der Welt grundsätzlich für ihre oft hausgemachten Probleme verantwortlich. Die stänkern Münchner genauso an wie Hamburger. Nur New Yorker und Londoner akzeptieren sie gerade so, denn sie glauben ja, in der selben Liga zu spielen wie diese Metropolen.
October 4th, 2006 at 1:25 pm
@Johnny
Ist gut, wenn du zurecht ein schlechtes Gewissen hast. Es gibt da evtl. noch andere Menschen nach dir, die auch gerne eine intakte Umwelt haben. Ebenso gibt es viele, die haben kein Geld für einen SUV, würden sich aber eher was zu essen kaufen als ein Luxusprodukt. Die Toleranz hört dann auf, wenn dein Verhalten für viele andere schädlich ist. SUV sind absolut Schwachsinn. Sie sind 1. unnötig, denn auch andere Wagen befördern. 2. meistens ökologisch bedenklich, da sie wie die meisten Autos mit einer Person besetzt sind.
Wenn du ein schlechtes Gewissen hast, dann zu recht! Denn dieses Gewissen sagt dir nichts anderes, als du eigentlich ein egoistisches, verwöhntes Erste-Welt-Kind bist, welches nichts dafür kann, dass es im paradisischen Westen aufgewachsen bist und nichts dafür geleistet hast, dass es hier so viel Wohlstand gibt, aber schmarotzermässig alles für sich beansprucht und es ihm scheissegal ist, was nach ihm kommt.
Pack dein “hei, toleriert mein Auto” ein und geh in die USA, die ja soooo vorbildlich ist in jeder Beziehung. Vermissen tun wir dich hier sicher nicht.
October 4th, 2006 at 2:43 pm
Auch wenn es in diesem Blog eigentlich um Deutsch-Schweizer “Unterschiede” geht, hier noch ein Link zu diesen ach so tollen USA…
http://video.google.de/videoplay?docid=-7859909765349743827&q=loosechange
October 4th, 2006 at 2:52 pm
Traurig, diese deutsche Verlierermentalität. Schlusslicht in Europa und jetzt sollen die Schweizer daran Schuld sein?!
October 4th, 2006 at 3:18 pm
@Robert
hast Du das Posting nicht gelesen? Nicht die Schweizer sind schuld, nein nur Franzi hat Schuld. Habe ich doch deutlich zum Ausdruck gebracht, oder?
October 4th, 2006 at 4:28 pm
Johnny sei Dank! Endlich haben Schweizer und Deutsche einen gemeinsamen Nenner gefunden. Lasst uns nur mal für einen Moment das gegenseitige Übereinander herziehen vergessen und alle kräftig über die Amerikaner schimpfen. Gründe finden sich auf jeden Fall genug…und morgen geht’s normal weiter
October 4th, 2006 at 5:39 pm
@Robert:
Wenn es beim Verlieren um das Wirtschaftswachstum geht, so hat Deutschland immerhin noch ein größeres als die Schweiz, ätsch!
Solltes Du den Export meinen, so ist Deutschland ebenfalls noch immer Exportweltmeister.
Und was die Arbeitslosigkeit betrifft: die liegt im Großraum München derzeit bei rund 5.8 Prozent, mit fallender Tenzenz. Und da passt bereits die halbe Schweiz rein.
Oder meinst Du den Rivella-Konsum pro Kopf? Da trinke ich schon fleißig mit, um Deutschland auch dort nach vorne zu bringen…
October 4th, 2006 at 6:20 pm
….. ach gottchen, der alte “streit” was denn nun schrift- und was denn hochdeutsch sein soll…..
….. da fällt mir spontan ein witz ein…..:
….. streiten sich ein engländer, ein franzos’ und ein bayer in welcher sprache der grösste unterschied von der geschriebenen zur gesprochenen sprache finden lässt…..
….. sagt der engländer…..:
….. “geschrieben wird’s m - o - n - e - y, gesprochen aber monni“…..
….. darauf der franzos’…..:
….. “geschrieben wird’s b - o - r - d - e - a - u - x, gesprochen aber bordoo“…..
….. der bayer grinst und sagt…..:
….. “ha, des is’ fei gar nix, schreiben’s tua ma wie bitte?, sagen’s tua ma aber hä?“…..
*grin*
October 4th, 2006 at 8:41 pm
Na gut, das hat jetzt mit dem Ursprungsthema nichts mehr zu tun, aber eine vernünftige Diskussion ist anscheinend ohnehin nicht möglich. Der eine glaubt an Verschwörungstheorien zu 9/11 während mich der andere für Hungersnöte verantwortlich macht weil ich einen SUV besitze. Antiamerikaner und Gutmenschen eben, wie sie im Bilderbuch stehen.
October 4th, 2006 at 8:47 pm
@ Tito
genau meine Meinung
October 5th, 2006 at 4:30 pm
FRÄNZI nicht franzi müsstest doch wissen, beschäftigst dich doch dauernd mit diesen kleinen feinen unterschieden.
ausserdem: man will in berlin nicht nicht als schweizer erkannt werden, sondern sich nicht so bauernmässig wie die bayern anhören.
October 5th, 2006 at 4:36 pm
@moffi
Die Antwort auf die Franzi — Fränzi Frage hatte ich hier schon gegeben:
http://www.blogwiese.ch/archives/422#comment-10943
Gruss, Jens
October 6th, 2006 at 10:26 am
@moffi:
Ditte is wa foll waa. Icke sach imma, in Barlin da spechen wa ordentlich, nich so wat die ollen Bayan-Bauarn so fürn Zeugs redn tun. In Barlin, da is richtich krass proll, nich so bayern-bauer, dit kannste echt glooben!
Wobei: am liebsten Berlinern mittlerweile die zahlreichen zugezogenen Schwaben in Berlin rum. Ich hingegen kanns zugegebenermaßen nicht wirklich, nur mein Burder hat es richtig druff, nach neun Jahren Berlin…
October 6th, 2006 at 1:01 pm
@Thomas W.
Ja genau!
@Administrator
Es heisst fränzi und nicht franzi…war keine frage
October 6th, 2006 at 1:07 pm
hallo zusammen, ich bin die franzi um welche es sich da oben handelt. es ist mir so peinlich meinen echten namen zu nennen weil die ganze situation überhaupt so peinlich ist.
1. ich habe nie etwas von diesem ausdruck rosenpicker erwähnt. habe ich noch nie gehört. das mit der geldwäsche hingegen stimmt.
2. ich bin jetzt geheilt und spreche meinen akzent ohne mich zu schämen.
3. vielen dank an euch alle und eure inspirativen meinungen zu dieser sache. es hat mir echt geholfen.
liebe grüsse
eure
franzi(pseudonym)
[Anmerkung Admin:
Die wirklich echte Franzi hat sich gerade per Mail bei mir gemeldet, sie ist nicht DIESE Franzi, aber ich fand die Idee trotzdem nett. Oder habe ich mit zwei Franzis gesprochen? Also: DIESE Franzi ist ein fake, die echte Franzi liest mit hat aber noch nicht kommentiert]
October 6th, 2006 at 2:02 pm
@moffi
Es ist ein Pseudonym, schau mal den Kommentar unter deinem Kommentar an, und das Pseudonym ist “Franzi” und nicht “Fränzi”…
Falls ich mal wieder einer Fränzi in der Schweiz begegne, werde ich deinen Tipp beherzigen, vielen Dank!
Gruss, Jens
October 6th, 2006 at 2:09 pm
@Administrator
ja, aber…
October 6th, 2006 at 2:57 pm
Auf Anraten Jens’ und damit die Geschichte ein Happy End findet: ich bin die von Jens zitierte “Franzi”, wohne freiwillig und äußerst gerne in Berlin und abgesehen von den Ausnahmen (ich wiederhole: es handelt sich um AUSNAHMEN), die mir hier bis jetzt über den Weg gelaufen sind und diese oder jene Bemerkung von Bankgehiemnis bis Boris Becker fallen lassen haben, sind die Leute hier in Ordnung. Die Mentalität ist eine andere als in der Schweiz, oder in Italien, in Grönland oder auf Tonga, aber alles im grünen Bereich. Die Geschichte, die Jens zitiert, habe ich tatsächlich so oder ähnlich erzählt, wahrscheinlich um Jens einen Blick andersrum zu geben. So enfach ist das. Und wie gesagt: ganz so düster, wie das in Jens’ Text klingt, ist das Leben hier nicht, ich fühle mich auch in keinster Weise als Opfer. Musste beim Lesen des Blogs schmunzeln.
Berliner Grüße,
Franziska
October 6th, 2006 at 3:24 pm
Als Schweizer, der seit gut einem Jahr in Deutschland (NRW) arbeitet, kann ich Franzis Erlebnisse insofern bestätigen, als dass man als von den Hiesigen automatisch als steinreich angesehen wird - einfach, weil man aus der Schweiz kommt. Da hilft es wenig, schlunzige Kleidung zu tragen, in einer kartongrossen Wohnung zu leben und mit einem ehemals grauen Fahrrad unterwegs zu sein - dann bin ich halt ein Krösus, der die Kohle gut versteckt. Es bringt auch nichts, darauf hinzuweisen, dass auch in der Schweiz die Strassen nicht mit Gold gepflastert sind, der Mythos von den unermesslichen Goldreserven und dem “Züricher Paradeplatz” (”Wenn schon Berner Bundesplatz” korrigiere ich jeweils resigniert) hält sich zäh und unerbittlich. Ein wenig nervig ist auch, dass man ständig erklären muss, weshalb man denn nicht in der Schweiz geblieben sei - ganz so, als sei man ein Engel und habe sich freiwillig entschieden, in der Hölle zu arbeiten. Habe es bisher noch nicht geschafft, meine Arbeitskollegen davon zu überzeugen, dass ich hier ziemlich genau die gleiche Lebensqualität habe wie in der Heimat; das nimmt man mir hier schlicht nicht ab, obwohl es sich bei meinen Kontakten zumeist um alles andere als schlichte Gemüter handelt (mit Verlaub).
Im Übrigen hatte ich aber wegen meiner Herkunft noch nie Probleme, im Gegenteil - habe immer noch den Eindruck, dass man als Schweizer in Deutschland spürbar freundlicher behandelt wird als umgekehrt.
October 6th, 2006 at 4:33 pm
Wo kommen denn immer die ganzen Heini s her, die immer und überall alles verbessern und koregieren müssen - ohne Bezug zum Kontext des Beitrages.
Vermutlich sind das im Berufsleben Beamte…. die sonst keinen anderen Weg finden um eine Aussage/Meinung, die Ihnen nich passt zu entwerten.
Vielleicht sollten diese es mal mit nachdenken, und Stellung beziehen versuchen. Dann könnte ma auch was mit anfangen.
October 6th, 2006 at 11:13 pm
@ Johnny
Man kann sich auch standhaft weigern, klüger zu werden. Ich habe dich nicht für Hungersnöte verantwortlich gemacht, sondern dir aufgezeigt, dass du verwöhnt bist. Anders lassen sich SUV nämlich nicht rechtfertigen. Oder für was brauchst du wirklich einen SUV und keinen normalen PKW? Aber bitte Gründe, die zeigen, dass ein SUV absolut viel notwendiger und wichtiger ist, als ein herkömmlicher PKW.
October 7th, 2006 at 6:52 pm
in deutschland ist ein SUV ein spielzeug zur neurotischen selbstbestätigung.
schweizer sind nicht ganz so autogeil wie die deutschen /italiener.
hier(CH) ist ein SUV nur ein “rammlergöppel”
schöeni
October 7th, 2006 at 10:36 pm
@Urs
oder Prollkarre
October 8th, 2006 at 11:33 am
Zu SUV gäbe es noch Dutzende von Namen. Z.B.
Vorstadt-Schützenpanzer (aus einem Sketch - Lorenz Kaiser, Viktor Giaccobo? – weiss nicht mehr)
Meine Bezeichnung: Egoistenklotz
October 8th, 2006 at 2:00 pm
Gibt eigentlich nur zwei vernünftige(?) Gründe für einen “Ziegelstein”:
1. Anhängelast
2. Geländegängigkeit (in Westeuropa aber eher selten…. sehr selten!)
October 9th, 2006 at 2:12 pm
Blogwiese inspiriert einmal mehr:
http://zueri-berlin.blogspot.com/2006/10/wie-deutsche-ber-die-schweiz-denken.html
January 18th, 2007 at 12:58 am
Es gibt in Deutschland so viele regionale Akzente und Dialekte, da können sich nur wenige von uns, vor allem im Süden nicht, was drauf einbilden, dass sie akzentfreier als die Schweizer sprächen. Außerdem kann ein leichter Tonfall auch sehr charmant sein, zum Beispiel bei Carolin Reiber, oder - wenn auch viel stärker, beim ehemaligen deutschen Arbeitsminister Blüm. Der Mann ist immerhin promovierter Germanist und hat den Rüsselsheimer Tonfall nie ablegen können - also, wer auch immer Euch/uns wegen unseres Tonfalls neckt, wir sind in bester Gesellschaft. Letztendlich zählt doch der Inhalt einer Aussage.
Ich muss mal ein bisschen grummeln: Die Software hier ließe sich noch sehr verbessern: man sollte sich mit seinen Kommentaren direkt an einen bestimmten anderen anhängen können. So muss man sich durch alle Kommentare lesen und äußert sich erst ganz am Schluss. Je größer das Interesse, je länger der Diskussionsfaden, desto schwerer der Überblick.