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Licht an, Licht aus — Autofahren mit Licht in der Schweiz

  • Licht an, Licht aus
  • Wer in die Schweiz zieht oder als Tourist in der Schweiz unterwegs ist bemerkt es schnell auf den Strassen: Hier fährt man gern mit Licht, auch am Tage. Was wir in Deutschland nur als Vorschrift für Motorradfahrer (Schweizerdeutsch „Töfffahrer“, mit drei „f“) kannten, um deren Verkehrssicherheit und Erkennungsrate zu steigern, ist in der Schweiz Usus auch für jeden motorisierten Verkehrsteilnehmer. Zum einen ist es ein ein Stück weit Faulheit, denn in manchen Gegenden oder auf bestimmten Strecken kommt man vor lauter Unterführungen, Tunneln, Galerien etc. gar nicht immer dazu, das Licht ständig wieder auszuschalten, so oft wie es angeschaltet werden muss. Natürlich sind all diese Tunnel und Strecken mit „Deckel“ oben drauf auch am Tag gut ausgeleuchtet, aber es erhöht die Verkehrssicherheit, hier das Licht angeschaltet zu lassen.

  • FLT ist kein Kürzel für einen Flughafen
  • So wunderte es uns nicht, dass „Fahren mit Licht am Tag“, kurz „FLT“ in der Schweiz gesetzlich verankert wurde:

    Ab Januar 2002 wird die Verkehrsregeln-Verordnung (Art. 31 Abs. 5) um eine neue Soll-Vorschrift ergänzt, wonach alle Motorfahrzeuge auch am Tag das Licht einschalten sollen: “Fahren mit Licht am Tag” (FLT). Ziel ist, zunächst auf freiwilliger Basis, später verpflichtend, dass nur beleuchtete Fahrzeuge unterwegs sind. Begründet wird die Massnahme mit der Erhöhung der Verkehrssicherheit.
    (Quelle: fussverkehr.ch)

    Diese Regelung hat von Seiten der organisierten Fussgänger der Schweiz keine Gegenliebe gefunden, sie sehen die schwächsten Verkehrsteilnehmer hier im grossen Nachteil:

    Mehr Schaden als Nutzen für die Fussgängerinnen und Fussgänger
    Fussverkehr Schweiz hat die begründete Vermutung, dass FLT den zu Fuss Gehenden mehr schadet als nützt: Fahrzeug Lenkende beachten andere Fahrzeuge mit Lichtern stärker als die zu Fuss Gehenden. Unbeleuchtete verschwinden im “Lichtermeer”. Die Summe aller Wahrnehmungen im Verkehr wird durch FLT nicht erhöht, das heisst die Wahrnehmung der Fussgänger durch die Autofahrer wird insgesamt schlechter.
    (Quelle: fussverkehr.ch)

    Da hilft nur eins: Beleuchtung auch für Fussgänger vorschreiben!

  • Boom boom, out goes the light in England
  • Dies ist ein alter Blues-Song der amerikanischen Blueslegende Little Walter, der von von etlichen Musikern nachgespielt. Hier gibt es ein Hörbeispiel.

    Wir mussten an diesen Song denken, als wir in diesem Sommer mit dem Auto in England unterwegs waren. Hier herrscht die Devise, dass das Fernlicht nur in tiefster Nacht angeschaltet werden braucht. Der britische Autofahrer fährt ohne Licht, auch durch sämtliche Tunnel. Solche Tunnel führen in England nicht durch die spärlich vorhandenen Berge, sondern sie unterqueren die zahlreichen Buchten, Flüsse und „mouthes“ von Flüssen. Tunnel unter der Themse, Tunnel unter dem Mersey bei Liverpool, Tunnel unter den Tyne bei Newcastle, Tunnel und dem Hull bei Kingston. Meistens kosten diese Tunnel 3-6 Franken Mautgebühr und sind nur sparsam beleuchtet, was die britischen Autofahrer aber jetzt nicht dazu veranlasst, ihrerseits ihr Licht anzuschalten.

    Hier die Tunnelausfahrt des Mersey-Tunnels bei Liverpool.
    Mersey Tunnel ohne Licht
    Von sechs Fahrzeugen haben drei kein Licht an, ein Mini fährt mit Standlicht, und nur die Volvos fahren mit Licht, denn bei denen schaltet es sich automatisch ohne Zutun des Fahrers ein.

    Schilder, wie wir sie aus Deutschland oder der Schweiz kennen, die einen dazu auffordern, das Licht an oder auszuschalten, sucht man vergebens.

  • Für die Briten bedeutet mit Standlicht fahren Strom sparen
  • Wenn es ganz arg wird mit Nebel, Sprühregen oder der Abenddämmerung, schaltet der ein oder andere dann beherzt sein Standlicht ein. Muss reichen, solange man die Stossstange des voraus fahrenden Autos noch erkennen kann. Zum Ausgleich wird das so gesparte Benzin dann verpulvert, wenn auch bei Stillstand des Fahrzeugs während einer Pause der Motor laufen gelassen wird. Dabei kostet der Liter Benzin in Grossbritannien fast ein Pfund, d. h. 2.33 CHF

  • Licht aus, Spot an
  • In Deutschland haben wir das „FLT“ noch nicht erlebt, aber es wird sicherlich auch dort kommen. Dann heisst es auch dort: „Licht aus, womm, Spot an, jaaa!“. Die älteren Leser werden diesen Satz aus der Deutschen Fernsehgeschichte kennen, er wurde von Ilja Richter in der Kultsendung „Disco“ (lief von 1971-82) geprägt:

    Alle vier Wochen lockte die Sendung die deutsche Jugend vor die Bildschirme. Seine Sprüche („Licht aus, womm, Spot an, ja …“) sind zu geflügelten Worten geworden. Disco erreichte Traumeinschaltquoten. Wegen des großen Erfolgs kam die Sendung bald ins Abendprogramm. Das Außergewöhnliche an der Sendung war, dass Interpreten völlig unterschiedlicher Musikrichtungen (Schlager, Pop, Rock) nacheinander auftraten. Aufgelockert wurde das Programm von Einspielungen vorher aufgezeichneter Sketche, in denen Ilja Richter zusammen mit einem prominenten Gast auftrat. Während seiner Disco-Zeit hatte Ilja eine mehrjährige, vor der Öffentlichkeit verborgene Liebesbeziehung zu der Sängerin Marianne Rosenberg.
    (Quelle Wikipedia)

    Ilja Richter damals:
    Ilja Richter früher
    und heute:
    Ilja Richter heute
    (Quelle Foto: daserste.de)

    

    16 Responses to “Licht an, Licht aus — Autofahren mit Licht in der Schweiz”

    1. Videoman Says:

      In den nächsten Jahren wird in der Schweiz Pflicht sein, immer mit Licht zu fahren. Man kann sein Fahrzeug umrüsten, dass es immer mit Licht fährt.
      Neue Motorräder haben das fest eingebaut. Meine neue Vespa hat gar keinen Knopf mehr um das Licht ABzuschalten.

    2. Stefan Says:

      „und nur die Volvos fahren mit Licht, denn bei denen schaltet es sich automatisch ohne Zutun des Fahrers ein.“

      Erstaunt es dich? Schliesslich ist ein Volvo ein schwedisches Fahrzeug und in Schweden ist das Fahren mit licht am tag bereits seit Jahren (wenn nicht jahrzehnten) pflicht.

    3. Andreas Says:

      > Man kann sein Fahrzeug umrüsten, dass es immer mit Licht fährt.

      Das sagst du so. Bei meinem 22 Jahre alten Auto geht es nicht so einfach ( Klappscheinwerfer )

      Mit dem Auto davor bin ich auch in Deutschland tagsüber bei Licht gefahren. Das Auto war faszinierenderweise ohne Licht unsichtbar. Muss am Natoolivmetallic gelegen haben. Mein jetziges Auto ist allerdings in so einem auffälligen Rot lackiert, dass ich auch ohne Licht in der Schweiz noch nie Übersehen (also z.B. Vorfahrt genommen o.äh. ) wurde. Auf diesem Bild sind sie beide zu sehen (ja rechts ist auch ein Auto 😉 ): http://blogs.dotnetgerman.com/ecandmore/content/binary/Porsch944NissanP10.jpg

    4. sylv Says:

      Licht aus…… Spot an………….Danke für den Trip down memory lane! Disco war DER Höhepunkt in meinem Teenagerleben:) wehe dem der es wagte mich beim anschmachten der Bay City Rollers zu stören:)

    5. Johanna Says:

      Eines der Argumente auf der von Jens zitierten Webseite (Quelle: fussverkehr.ch) *gegen* FLT ist, dass „Fussgänger, die sich dank der Beleuchtung der Fahrzeuge noch vorsichtiger verhalten, deshalb in ihrer Mobilität eingeschränkt werden“, d.h. wenn sie ein FLT-Fahrzeug kommen sehen, warten sie länger, als wenn das Fahrzeug nicht beleuchtet wäre. Ich werde wohl noch eine Weile über dieses Argument nachdenken müssen, bis ich mich in die seltsamen Gedankengänge des Autors hineingefühlt habe…..

      Aufgrund meiner eigenen Erfahrung bin der Ansicht, dass beleuchtete Fahrzeuge tagsüber wirklich mehr Aufmerksamkeit von den anderen Verkehrsteilnehmern erhalten, was für mich ein *positiver* Effekt ist. Je früher man einen anderen Verkehrsteilnehmer sieht, desto mehr Zeit hat man, um sich auf ihn einzustellen.

      Ich fahre deshalb auch tagsüber mit Licht, ausser ich vergesse es, was immer seltener passiert. Bei meinem Fahrzeug war das Problem, dass es über keinen Buzzer oder eine andere aufmerksamkeitserregende Vorrichtung verfügte, die mich automatisch dazu gebracht hätte, das Licht beim Verlassen des Fahrzeuges auch wieder *auszuschalten*. Weil ich mich kenne bzw. weiss, dass ich pro Woche 7x mit leerer Batterie dagestanden wäre, begann ich mit FLT erst, nachdem ich mein Fahrzeug mit einem kleinen Buzzer hatte nachrüsten lassen. Der macht einen Riesenlärm, wenn ich die Fahrzeugtüre öffne, während das Licht noch brennt. Das wirkt und war gar nicht so teuer.

    6. viking Says:

      Zumindest in Norddeutschland wird auch seit einigen Jahren auf Hinweistafeln für FLT „geworben“.

    7. Branitar Says:

      In Deutschland ist Dauerlicht ab 2007 (glaube ich) bei Neuwagen Pflicht, man kann es also gar nicht mehr ausschalten, ausser man stellt den Motor ab.
      Ich sehe das nicht ganz so gern, da dadurch Motorradfahrer, die ja ohnehin schon gern übersehen werden, noch mehr gefährdet werden, da deren Licht durch den Gewöhnungseffekt wieder weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht, ihre Geschwindigkeit (die sich beim Auto ja anhand des wachsenden „Abstands“ der beiden Lichter gut erahnen lässt) also mit höherer Wahrscheinlichkeit falsch eingeschätzt werden wird.

    8. Phipu Says:

      In den USA fuhr ich mal einen Cadillac (der müsste heute etwa 20jährig sein), dessen Licht sich bei „genügend Dunkelheit“ automatisch ein- und danach – wenn der Sensor wieder „genügend Helligkeit“ erfasste – automatisch ausschaltete. So ging bei jeder Walddurchfahrt nach einigen Sekunden das Licht an, und wenige Sekunden nach dem Wald wieder aus. (Die einigen Sekunden Übergangszeit sind natürlich absichtlich, damit nicht bei jeder kurzfristig blendenden Lichtquelle das Licht ausgeht.) Ich fand damals diesen technischen Schnickschnack recht praktisch – so wie alle elektrischen Spielereien toll sind, solange sie einwandfrei funktionieren. Ob man ein solches Fahrzeug auf FLT umrüsten könnte, weiss ich allerdings nicht.

      Ich bin nicht sehr überzeugter FLT-Verfechter, da ich auch Töff fahre (im Sinne Branitars Argument). Es würde mir eigentlich schon reichen, wenn alle Arten von Fahrzeugen (Auch Fahrräder! Was können denn die anderen Verkehrsteilnehmer dafür, dass heute nur „halbbatzig“ ausgerüstete MTB oder Rennvelos „in“ sind?) mindestens in den gesetzlich vorgeschriebenen Momenten ihr Licht einschalten würden. Im Strassenverkehrsgesetz (SVG) im Artikel 41 ist es zwar kurz gehalten aber klar genug geregelt. http://www.admin.ch/ch//d/sr/7/741.01.de.pdf#search=%22svg%22
      Ausführlicher in diesem Buch:
      https://www.exlibris.ch/buch.aspx?status=detail&p_id=4371682&t_na=dbs
      (auch bei Strassenverkehrsämtern und Fahrlehrern erhältlich, mindestens wenn man eine Fahrprüfung ablegen will.)

    9. Reto Baumer Says:

      In Östereich ist es seit neuem Obligatorisch auch am Tag mit Licht zu fahren!

    10. aquado Says:

      Ein Hoch auf den unnötigen Spritverbrauch! Wofür soll der Unsinn eigentlich gut sein? Weil da ein Fußgänger weniger überrollt werden würde?? Was ist eigentlich mit den vielen alkoholisierten Fahrern, denen, die immer zu schnell sind und zu dicht auffahren? Das sind die Unfallverursacher. Vielleicht sollten die Fußgänger in Innenstädten bald rote Zipfelmützen tragen, damit sie auch besser erkennbar sind.

    11. Res Says:

      Wie schon erwähnt ist es in Schweden schon seit längerem Pflicht immer mit Licht zu fahren, und die Unfallstatistiken geben ihnen recht.
      Was der zusätzliche Verbrauch betrifft, also bitte, da braucht die Stereoanlage, die Klimaanlage und auch die (teilweise immer eingeschalteten) Heckscheibenheizung wesentlich mehr…

    12. viking Says:

      @Phipu
      PSA (Peugeot, Citroen) hat diesen Lichtautomatik-Sensor bei gewissen Modellen serienmässig eingebaut (z.B. beim Eurovan).
      Prinzipiell finde ich das Teil auch nicht schlecht. Was mich daran stört, ist, dass ich nicht sehe, wann das Licht an ist (z.B. in Waldstücken, die evtl. nicht ganz so dunkel sind, aber die Sicht doch nicht optimal).

    13. Urs von T. Says:

      -in ganz skandinavien ist es sowieso mehr dunkel als hell.
      -die autoindustrie freut´s, die spart einen schalter und relais.
      -FTL als pflicht ist pure spritverschwendung,
      -lichtsensoren sind optimal

    14. Highvoltage Says:

      Bei unserem Benz gibts am Lichtschalter ne „Automatik-Position“, das finde ich am praktikabelsten.
      So hat man die Wahl.

      Stimmts eigentlich, das man in Österreich jetzt zum Velo und Motorradfahren ne Pudelmütze tragen muss…?

      Die hätten da nen Test gemacht und nen Helm und eine Pudelmütze von der Inntal-Brücke geworfen.

      Und die Mütze ist dabei heil geblieben, der Helm hingegen nicht 🙂

    15. sirdir Says:

      Ein guter Kompromiss wären ja die ‚daytime running lights‘ oder wie sie heissen gewesen, wie sie viele (alle?) US Fahrzeuge haben.

    16. moe Says:

      Bei uns in Österreich ist seit November 2005 Lichtpflicht. Wir Österreicher sind damit aber nicht sonderlich zufrieden, da die Unfallzahlen trotz Licht am Tag unaufhaltsam angestiegen sind. Mehr als 70% der Autofahrer wollen laut mehrerer Befragungen die Abschaffung, der neue Verkehrsminister ist auch eher skeptisch.

      Derzeit wird Licht am Tag evaluiert! Möglicherweise soll im Herbst die Lichtpflicht wieder abgeschafft werden.

      Ich bin auch der Ansicht, dass Licht bei strahlendem Sonnenschein nichts bringt, außer Mehrverbrauch und Kosten.

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