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Bitte nicht streicheln — Die PET-Flasche in Deutschland und in der Schweiz

  • What’s your favourite pet?
  • Ein „pet“ ist ein Schmusetier, ein Haustier, das gestreichelt werden will, denn „to pet“ bedeutet „streicheln“, auch wenn das die meisten nur vom Petting kennen.

    Als Anfang der 90er die Deutsche Getränkeindustrie immer mehr Mineralwassersorten und Softdrinks in leichten, und pfandfreien Plastikflaschen auf den Markt brachte, beschloss das damals noch nicht so lange existierende Bundesumweltministerium , welches 1986 wenige Wochen nach der Tschernobyl Katastrophe gegründet worden war, unter Klaus Töpfer (CDU) per Gesetz die Notbremse zu ziehen. PET-Flaschen wurden in Deutschland mit Stichtag 1.8.1988 verboten, oder besser gesagt: Sie durften nur noch mit einem Pfand-Rückgabesystem ausgestattet auf den Markt gebracht werden. Ich hatte damals einen Ferienjob bei einem Getränkegrosshändler und fand es faszinierend zu beobachten, wie von einem Tag auf den anderen sämtliche EVIAN und VITEL Plastikflaschen aus den Hochregallagern verschwanden und der dadurch freiwerdende Platz mit Anbietern gefüllt wurde, die ihre Abfüllung auf Glasflaschen oder TETRA-Pack umgestellt hatten.

  • Recycling in der Schweiz seit 1990
  • In der Schweiz ging man 1990 einen anderen Weg. Es wurde eine Recycling-Gesellschaft gegründet, und fortan standen an allen Abgabestellen von PET-Flaschen spezielle Sammelbehälter, mit denen eine Rücklaufquote von knapp unter den gesetzlich angestrebten 75% erreicht werden konnte. Seit kurzen ist auch der Discounter DENNER dabei, nicht ganz freiwillig, denn eigentlich ist Denner „sonst nicht Mitglied irgend eines Vereins“ :

    Bisher gab es für den Discounter keinen Grund, beim Recyclingverein mitzumachen. Denn die Mitgliedschaft beim Recyclingverein ist teuer. Seine Mitglieder bezahlen vier Rappen pro verkaufte Pet-Flasche –unabhängig von ihrem Fassungsvermögen. (…)
    Die Gebühr gilt als Rettungsanker des Staates, wenn die Rücklaufquote der Pet-Flaschen schweizweit nicht konstant über 75 Prozent liegt. Bisher vertrat der Recyclingvereint 85 Prozent des Getränkemarktes und erreichte nur knapp die kritische 75-Prozent-Marke.
    (Quelle Tages-Anzeiger vom 26-07-06)

    Wir fragen uns natürlich, wie man pro Pet-Flasche 4 Rappen abdrücken kann, wenn die kleinste Münze ein Fünfrappenstück ist. Gar nicht wahr, noch gibt es das „Einrappenstück“.
    Einrappenstück
    (Quelle Foto: swissmint.ch)

  • Einrappenstück im Portemonnaie
  • Falls Sie das noch nie gesehen haben, bitten Sie einfach mal ein paar Schweizer darum, in ihre Geldbörse schauen zu dürfen. Die meisten haben garantiert ein Einrappenstück darin, als Glücksbringer. In der aufgeklärten Schweiz, der Heimat von Zwinglis und Calvin, ist man nämlich garantiert absolut nicht abergläubisch.

  • Pfandsystem für PET-Flaschen
  • Erst die Regierungskoalition von Rot-Grün etablierte per Gesetz das PET-Flaschen Pfandsystem. Der grüne Umweltminister Jürgen Trettin „exekutierte“ die vom CDU Mann Klaus Töpfer erfundene und in die Wege geleitete „Dosenpfand-Verordnung“. Neben der Legalisierung der Homoehe war das einer der Meilensteine der Rot-Grünen Koalition, während der Reformstau im Land von Tag zu Tag länger wurde.

    Petflasche aus Petflaschen
    Petflasche aus lauter Petflaschen — Foto von Roland Zumbühl, Arlesheim
    (Quelle: picswiss.ch)

  • Warum PET in Deutschland nicht recycelt wird
  • Wird es schon, allerdings nur zu 30%. Der Rest geht nach China.

    Christoph Goldbeck beschreibt auf quarks.de , wie die PET Flaschen aus Deutschland Rohstoff für Fleece-Jacken aus China werden:

    Ungefähr 800 Millionen PET-Flaschen (1,5 l, 1 l und 0,5 l) sind pro Jahr in Deutschland im Umlauf. Eine gigantische Zahl. Seit der Einführung des Pflichtpfandes auf bestimmte Einweg-Getränkeverpackungen am 01.01.2003 sind die Umlaufmengen sprungartig gestiegen. Seit diesem Stichtag recycelte das „duale System“ rund 99 % der gesammelten PET-Flaschen. Das waren vor der Einführung des Pflichtpfandes knapp die Hälfte aller PET-Flaschen. Seit Anfang 2003 nehmen etwa 70 % der deutschen PET-Flaschen allerdings einen ganz anderen Weg.
    (…)
    Der größte Anteil der hier zurückgegebenen PET-Flaschen tritt eine lange Reise an. Etwa 500 Mio. PETs gehen jährlich nach China. Die chinesische Industrie wächst schnell und die Nachfrage nach Kunststoffen ist immens hoch. Deshalb importiert China diese aus dem Ausland. Für die Discounter, wie Plus, Aldi, Lidl & Co., in Deutschland eine wahre Goldgrube. Während sie von einem deutschen „Recycler“ bis zu 250 Euro pro Tonne bekommen können, zahlen die Chinesen bis zu 400 Euro pro Tonne PET.
    (…)
    Kommen die PETs, schon zerkleinert und schadstofffrei, in China an, werden sie auch hier gereinigt und nach Farben aussortiert. Die weißen Flakes werden chemisch bearbeitet, geschmolzen und zu Textilfasern verarbeitet. Bunte Flakes dienen eher als Füllstoff für Teddybären oder werden zu Folien. Die aus den weißen Flakes gewonnenen Textilfasern finden sich hier in Deutschland in fast jedem „Kleidergeschäft“ wieder, als Innenfutter von Sakkos, T-Shirts oder als teure „Fleece-Pullis“.
    (Quelle: quarks.de)

    

    5 Responses to “Bitte nicht streicheln — Die PET-Flasche in Deutschland und in der Schweiz”

    1. Sven S. Says:

      Zum Thema einen Rappenstück: Bei uns in der Nähe, hatte der Coop zum Jubiläum ein Glücksrad aufgestellt. Es gabe keine NIeten, sondern fast nur „einräppler“.

    2. Stefan Says:

      PET heisst übrigens nicht Poly-Ethylen-Terephtalat, wie es in der Kunstoff-Fachliteratur genannt wird, sondern ganz simpel: Poly-Einsetzbare Trinkflasche.
      Gruss

    3. Phipu Says:

      Hiess PET nicht in Deutschland noch vor wenigen Jahren „Prings ins Einkaufsgeschäft Tsurück“ (Früher musste man doch in Deutschland Gebinde mit Depot (D: Pfand) im gleichen Geschäft zurückbringen, wo es gekauft worden war, und zwar mit Kassenzettel – Da war in Bahnhofskiosken oder Autobahnraststätten die Rücklaufquote sicher recht gering).

    4. Res Says:

      ..im übrigen gabs (oder gibts?) in der Schweiz au noch den etwas unbekanteren 2 Räppler….

    5. Gery us büüli. Says:

      1. gibts seit 2006 das Einrappenstück nicht mehr.
      2. gibts seit 1974 auch das Zweirappenstück nicht mehr.
      3. werden trotzdem die Saldi noch immer Rappengenau abgerechnet und dann kaufmännisch gerundet.
      4. Als wir Schweizer das unsinnige Depotsystem (Pfand) auflösten, wurde es in Deutschland eingeführt. Früher wurde auf den Glasflaschen ein Depot erhoben, und fast 90% des Altglases wurde recyclet. Als die PET- Flaschen kamen, wurden die Glasflaschen „überflüssig“ und es entstand das PET-Recycling. http://www.pet-recycling.ch/

      Leider hat das ganze auch eine Kehrseite.
      Infolge weniger Glasflaschen im Verkauf und demzufolge auch im Recycling waren die 3 grossen Glashütten der Vetropack nicht mehr ausgelastet. Und so wurden sie eine nach der anderen geschlossen. Auch in Bülach, wo früher weltberühmtes Glas hergestellt wurde. Jeder kennt die Einmachgläser aus dem letzten Jahrhundert.

      Heute gibt es nur noch eine Glashütte in der Schweiz. siehe http://www.vetropack.ch

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