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Dialekt ist Privatsache in Deutschland

  • Die Amstsprache Deutsch wird in der Verfassung nicht erwähnt
  • Während in der Schweizer Bundesverfassung im Artikel 4 die Landessprachen festgelegt wurden:

    Die Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
    (Quelle: admin.ch)

    wird dies in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland nicht einmal erwähnt:

    Deutsch ist einzige Amtssprache Deutschlands auf gesamtstaatlicher Ebene, was so selbstverständlich ist, dass die Verfassung auf die ausdrückliche Feststellung verzichtet.
    (Quelle: Variantenwörterbuch S. XLII)

  • Welche Minderheiten sind in Deutschland anerkannt?
  • Darüber hinaus gibt es in Deutschland offiziell anerkannte Minderheiten mit eigenen Sprachen:
    Die Sorben (auch Wenden), ein westslawischesn Volk mit 60.000 aktiven Sprecher.
    Die Friesen im Norden mit 10.000 Sprechern
    Die Dänen an der Grenze zu Dänemark mit 50.000 Sprechern. Dort ist Dänisch in einigen Orten auch Schulsprache
    Die Sinti und Roma sprechen „Romani“ mit bis zu 50.000 Sprechern.
    Und dann wäre da noch das Plattdeutsche, offiziell als „Niederdeutsch“ bezeichnet:

    Seit 1999 ist auch Niederdeutsch — die Gruppe der niederdeutschen Dialekte, die über keine eigene Standardsprache verfügt — Als Minderheitssprache anerkannt. Damit gilt Niederdeutsch im Grunde als gesonderte, nicht zum eigentlichen Deutsch (»Hochdeutsch«) gehörende Sprache und ist auch in der Charta für Regional- und Minderheitensprachen der Europäischen Union und des Europarats als solche ausgewiesen.
    (Quelle: Variantenwörterbuch S. XLIV)

  • Die Stellung der Standardsprache in Deutschland
  • In Deutschland ist die Standardsprache allgemein die normale Form öffentlicher Rede und schriftlicher Texte, zumindest der Sach- und Fachtexte.

    Das ist in der Schweiz und in Österreich sicherlich nicht anders. Wobei die Fachsprache in manchen Forschungsdisziplinen mittlerweile fast nur noch Englisch ist. Wer in der Medizin etwas publiziert und auch gelesen werden will, muss auf Englisch publizieren.

    Der Dialekt (die Mundart) bleibt mündlich weitgehend beschränkt auf die Privatsphäre und die nicht-öffentliche Kommunikation am Arbeitsplatz, ferner auf das so genannte Volkstheater auf der Bühne und im Rundfunk sowie schriftlich auf bestimmte Formen belletristischer Literatur (Dialektdichtung)
    (Variantenwörterbuch S. XLIV-XLV)

  • Wer liest schon Dialektdichtung?
  • Dialektdichtung findet in Deutschland bestimmt den gleichen reissenden Absatz wie in der Schweiz. Es ist ein Nischenprodukt, schön zum Verschenken. Der „Kleine Prinz“ wurde allerdings in Deutschland noch nicht auf Schwäbisch oder Hessisch übersetzt. Vielleicht kommt das ja demnächst. Schliesslich gibt es auch schon mehrere Bände von Asterix auf Schwäbisch.

    Das erwähnte „Volkstheater“ bezeichnet Spielstätten wie das „Ohnsorg-Theater“ in Hamburg oder das Volkstheater Millowitsch in Köln, die beide zum Grossteil nur „gemässigte“ Mundartaufführungen bringen, speziell wenn sie im Deutschen Fernsehen für ein bundesweites Publikum ausgestrahlt werden.

  • Dialekt ist Privatsache in Deutschland
  • Bemerkenswert scheint uns der erste Satz dieses Zitats aus dem Variantenwörterbuch: „Der Dialekt (die Mundart) bleibt mündlich weitgehend beschränkt auf die Privatsphäre und die nicht-öffentliche Kommunikation am Arbeitsplatz.“

    Diese Erfahrung musste der Blogger „Geissenpeter“ in Deutschland machen:

    Eine andere Freundin von mir spricht mit charmantem schwäbischem Einschlag. Ich weiß, dass sie in ihrer Familie Dialekt redet. Als ich sie aber neulich mit ihrem Bruder zusammen traf, sprachen die beiden beharrlich Hochdeutsch miteinander. Später konnte ich sie belauschen, ihr Dialekt klang lustig, aber als sie bemerkte, dass ich zuhöre, warf sie mir einen strengen Blick zu.
    (Quelle: Heidiswelt 11.11.2005)

    Wie kommt es zu dieser Situation? Warum ist Dialekt Privatsache in Deutschland und wird nicht automatisch in der Öffentlichkeit gesprochen? Das Variantenwörterbuch meint:

    Die Standardsprache ist Lehrziel und Unterrichtssprache in den Schulen. Der Dialekt dient in den Schulen nur als Hilfsmittel, um den Dialekt sprechenden Kindern den Übergang zur Standardsprache zu erleichtern.

    Und wir können davon ausgehen, das Grundschulkinder im Südschwarzwald in der ersten Klasse noch genauso Alemannisch sprechen wie die Primarschüler in der benachbarten Schweiz.

    Damit hängt es zusammen, dass die erkennbar unzureichende Beherrschung der Standardsprache bei Erwachsenen oft als Zeichen mangelnder Bildung gilt. Aus diesem Grunde meiden die »höheren«, bildungsorientierten Sozialschichten das ausgeprägte Dialektsprechen sogar in der Privatsphäre. Es gibt also Unterschiede im Gebrauch von Dialekt und Standardsprache zwischen den sozialen Schichten. Dieser Schichtenunterschied ist allerdings nicht ohne weiteres erkennbar, denn er wird überlagert von der situationsspezifischen Variation. Alle Schichten tendieren in der Öffentlichkeit eher zur Standardsprache und in der Privatsphäre eher zum Dialekt. Die Variationsbreite zwischen Dialekt und Standardsprache ist jedoch bei den Sozialschichten unterschiedlich. Ausserdem wird auf dem Land mehr Dialekt gesprochen als in der Stadt.
    (Variantenwörterbuch S. XLV)

    Vereinfacht gesagt: Auf dem Marktplatz spricht auch die Bürgermeisterfrau den örtlichen Dialekt mit der Marktfrau. Sie wechselt ganz einfach den „Soziolekt“. Genauso handelt der Lehrer, wenn er zum Fussballspiel in Gelsenkirchen „auf Schalke“ geht.

  • Wamama und hatata
  • Er schaltet um auf „Ruhrpott-Deutsch“, um bei den Fans nicht ausgegrenzt zu werden, wenn die sich nach dem Spiel erzählen: „Wamama auf Schalke, hatata jerechnet“ (=waren wir mal auf Schalke, hat das da geregnet). Mit dem Regen auf Schalke ist aber heutzutage sowieso Schluss, denn die neue „Veltins-Arena“ (Name einer Biermarke) hat ein Dach, weswegen der Rasen nach jedem Spiel zur Erholung nach aussen gefahren werden muss:

    Die VELTINS-Arena setzt Maßstäbe. Und das in vielerlei Hinsicht: Sie ist das erste Stadion in Deutschland, das komplett privatwirtschaftlich finanziert worden ist. Für das 186 Mio. Euro Projekt wurde kein Cent an öffentlichen Geldern verwendet. Herausragend ist zudem ihre Technik: Das herausfahrbare Rasenfeld, das verschließbare Dach, die verschiebbare Südtribüne und der überdimensionale Videowürfel unter dem Arena-Dach sind die technischen Highlights in der Multifunktionsarena.
    (Quelle: veltins-arena.de)

    Doch zurück zur wichtigsten Aussage aus dem Variantenwörterbuch: „Damit hängt zusammen, dass die erkennbar unzureichende Beherrschung der Standardsprache bei Erwachsenen oft als Zeichen mangelnder Bildung gilt„.

  • Die Ursache der „Arroganz“ der Deutschen
  • Und das ist genau die Ursache für den Vorwurf von Arroganz, mit dem sich die Deutschen in der Schweiz immer wieder konfrontiert sehen. Sie bringen diese Erfahrung „Dialekt ist Zeichen mangelnde Bildung“, die ihnen in den Deutschen Schulen von den Lehrern permanent eingebläut wurde, mit in die Schweiz und übertragen sie auf die neue, nicht-kompatible Situation. Ich habe selbst erlebt, wie Schüler eines Gymnasiums im Hochschwarzwald nach 11 Jahren Schullaufbahn fest davon überzeugt waren, dass ihr Dialekt als „hinterwälderisch“ gilt und im Schulunterricht absolut fehl am Platz ist. Wer 11 Jahre den Lehrer „Lehrersprech“, also Hochdeutsch hat reden hören, der fängt an, von der gesellschaftlichen Minderwertigkeit seiner Mundart überzeugt zu sein. Die Folge ist eine andersartige Diglossie, als wir sie von der Schweiz kennen. Dialekt wird daheim gesprochen, und mit den Freunden, Hochdeutsch dann in allen „öffentlichen“ Situationen.

  • Weg mit dem Jööö-Effekt
  • Wer mit dieser Erfahrung in Deutschland aufwuchs, der braucht eine Weile, bis er den Stellenwert von Dialekt in der Schweiz nachvollziehen kann, bis sich dieser „Jööö-Effekt“ abbaut. Aber irgendwann stellt sich dann bei jedem Deutschen die Erkenntnis ein, dass Dialekt in der Schweiz nicht ein Soziolekt ist und hat auch nicht unmittelbar etwas mit mangelnder Bildung zu tun.

    

    21 Responses to “Dialekt ist Privatsache in Deutschland”

    1. gemini Says:

      Hallo,

      ich schreibe hier zum ersten Mal einen Beitrag und gratuliere zu dem hervorragenden Blog.

      Aber mir geht der so genannte „Jöö-Effekt“ wirklich auf die Nerven. Ich bin als Deutsche oft in der Schweiz, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich einer Schweizerin oder einem Schweizer über den Kopf streicheln und „Jöö“ sagen möchte. Ich finde den Dialekt nicht niedlich, sondern er gehört für mich zur Schweiz, wie der Käse oder die Kühe auf der Alm. Es gibt manche witzige Auseindandersetzungen über die Unterschiede zwischen Hochdeutsch und Schweizerdeutsch, aber das finde ich immer sehr belebend.

      Viele Grüße Gemini

    2. su Says:

      Liebe Gemini,

      vielleicht erlebst du das als Deutsche in der Schweiz nicht so. Aber ich als Schweizerin in Deutschland kann den Jö-Effekt nur bestätigen. Ich versuche mich anzustrengen und meine Holprigkeit und meine gerollten R’s möglichst zu verstecken. Was mir aber kaum wirkungsvoll gelingt. Meine Arbeitskollegen versuchen mich auch davon abzuhalten…. weil es für sie niedlich und nach Urlaub klingt.
      Ob ich vom „Jö-Effekt“ profitiere weiß ich nicht, aber die Möglichkeit besteht. Trotzdem hat es frappante Nachteile, wenn ich wo was bestelle muss ich mindestens 2x sagen was ich will, und wenn ich irgendwo meinen Mund aufmache dann werde ich sofort erkannt und auffällig – anonym bleiben kann man mit diesem Jö-Deutsch sicherlich nicht.

    3. Videoman Says:

      Das problem könnte man umgehen, in dem man den Deutschen beibringen müsste, dass Schweizer deutsch kann Dialekt von Deutsch ist, sondern einen eigene Sprache.

    4. sylvie Says:

      Deine Erklärung im Zusammenhang vom Dialekt-/Hochsprachegebrauch mit dem Bildungstand/-unterschied ist sehr gut und es hat viel Wahres daran!

      Haben doch seinerzeit die Berner Patrizier bewusst französisch untereinander gesprochen um ja nicht etwa in den gleichen Topf wie der Pöbel geworfen zu werden und sich signifikant abzugrenzen als etwas ‚Mehbessers‘.

      Ich kann mir vorstellen das es im Basler Daig ( Basler Patrizier) dasselbe war.

      grüessli

    5. Gusti Brösmeli Says:

      Als Prediger und Lehrer bist du leider nur halb so gut wie als schalkhafter Beobachter.
      Back to the roots, please!

    6. peter Says:

      …wobei ja bereits der Käse und die Kühe auf der Alp (!) nicht viel mehr als ein (mehr oder minder) nettes Klischee sind… 😉

      Dass die Trennung zwischen Standardsprache und Dialekt in Deutschland so strikte ist, war mir neu. Kann es sein, dass das im Süden (also im alemannischen Sprachraum) nicht so krass ist?

    7. Christian Says:

      Bravo Jens! Deine heutige Glosse gehört in jeden Reiseführer.

      Beifügen kann man noch, dass heute in Deutschland (und Österreich, die schließen sich sowieso immer gerne Deutschland an…) viele Eltern ihren Kindern den Lebensweg erleichtern wollen, indem sie ihnen den Dialekt gar nicht mehr beibringen. So kommt es, dass von meinen Coucousinen und Coucousins (den Kindern meiner Cousinen und Cousins, auch so ein Helvetismus) dort schon vor der Einschulung keiner mehr Dialekt spricht; auch im tiefsten Bayern klingt es dann eher wie in Hannover.

    8. Geissenpeter Says:

      Ich würde einzig bezweifeln, dass Dialektliteratur in Deutschland den gleichen reißenden Absatz findet wie in der Schweiz – dass ein Buch wie „Dr chly Prinz“ während Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste steht und dass mehr Exemplare verkauft werden als vom neuen „Harry Potter“ zeigt das Ausmaß der Dialektbegeisterung in der Schweiz. In Deutschland sind Asterixbände auf Hessisch oder Ähnliches doch eher ein Minderheitenvergnügen.

    9. Wurmpie Says:

      Hi,

      auch ich bin ein Neuling im Beitrag-schreiben, obwohl ich Dein Blog öfters mal besuche.

      Super Beitrag heute!! Mein Freund (Saarländer) und ich (Zürcherin) diskutieren immer wieder über den unterschiedlichen Stellenwert der Dialekte in der Schweiz und in Deutschland. Für mich ist es immer noch befremdend, dass zwei Saarländer zum Beispiel am Arbeitsplatz Hochdeutsch reden (müssen), obwohl es beiden deutlich einfacher fallen würde, sich in ihrem Dialekt zu unterhalten. Aber ich kann schon verstehen, dass, wenn dies jahrelang gepredigt wird, die Deutschen ihre Dialekte als minderwertig betrachten. Und genau dieses Verstecken des Dialektes, dieses aufgezwungene, „korrekte“ Hochdeutsch, wirkt auf uns Schweizer so gekünstelt, abgehoben und – eben – arrogant.
      Also, hier eine message an alle Deutschen in der Schweiz: Eure Dialekte sind genauso „herzig“ („jöö“) wie unsere 😉 versteckt sie nicht!!

      Viele Grüsse, Wurmpie

    10. Administrator Says:

      @Geissenpeter
      Das Thema „Wie gut verkauft sich Dialekt-Dichtung“ muss noch weiter vertieft werden. Ich hatte den Satz eigentlich ironisch gemeint: Kein Mensch liest wirklich Dialekt Gedichte von Johann Peter Hebel etc, und das ist bei Werken wie der „Kleine Prinz“ in der Schweiz tatsächlich anders. Beginnende Hollandisierung im 3. Stadium, würde ich sagen.
      Asterix auf Schwäbisch ist hingegen wirklich nur was für Liebhaber, da gebe ich Dir recht.

    11. Andreas Says:

      Videoman Says:

      May 3rd, 2006 at 8:02 am
      Das problem könnte man umgehen, in dem man den Deutschen beibringen müsste, dass Schweizer deutsch kann Dialekt von Deutsch ist, sondern einen eigene Sprache.

      Sprechen die Voralberger und Südbadener neuerdings Schweizerisch?

    12. Administrator Says:

      @Andreas
      Was ist Sprache? Hier ein Artikel aus Wiki:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Sprache
      Es gibt zahlreiche weitere Diskussionen. Wie die Blogwiese aufzeigen soll, gibt es nicht „Deutsch“ vs „Dialekt“, sondern es gibt Varianten des Deutschen. Es gibt ein „Standarddeutsch“, das von allen verstanden wird, und dann ein paar Varianten, die nur in bestimmten Gebieten gebräuchlich sind. Aufgezeigt im oft zitierten „Variantenwörterbuch“.
      Es hat nichts mit Bewertung zu tun, wenn wir Schweizerdeutsch als Variante des Deutschen bezeichnen, genauer gesagt als „Hoch und/oder Höchst-Alemanisch“ (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Höchstalemannisch)

      Was ist eine „eigene Sprache“? Wie grenzt sich Sprache von anderen Sprachen ab? Die Übergänge sind fliessend, auch zwischen Fremdsprachen. Soziolekte, Dialekte, wir sind alle mehrsprachig.
      Und das ist gut so…

    13. Administrator Says:

      @Gusti Brösmeli
      „Als Prediger und Lehrer bist du leider nur halb so gut wie als schalkhafter Beobachter. Back to the roots, please! “
      Da ich keine multiple Persönlichkeit bin, kann ich den Prediger und Lehrer leider schlecht vom Beobachter trennen. Ich würde gern weiter von den Wurzeln erzählen, nur — wie erwähnt — auch ein „Jöö-Effekt“ kann sich abstumpfen und neue möchte ich mir nicht einfach ausdenken. Sachlichkeit ist auch mal ganz angenehm.

      Also schreibe ich lieber wieder eine neue Predigt. Kannst ja solange ein Nickerchen machen in der letzten Bank der Kirche, oder Viktor Giaccobo im Zirkus Knie derweil live erleben.

    14. Branitar Says:

      Ich arbeite als Norddeutscher in einer hessischen Firma mit Hessen, Bayern, Saarländern, Niedersachsen, Pfälzern usw. zusammen, die ich kaum (oder gar nicht) verstehen würde, wenn sie Dialekt sprächen. Die Dialekte hier unterscheiden sich eben nicht nur wie der Zürcher Dialekt vom Berner Dialekt, sonder eher wie Deutsch von Französisch oder Italienisch (vielleicht nicht ganz zutreffend, aber die Richtung stimmt). Hochdeutsch ermöglicht erst die Kommunikation und wurde sicher auch deshalb zur „Hauptsprache“ gemacht, um ein Zusammenghörigkeitsgefühl zu erzeugen. Vor 140 Jahren bestand Deutschland immerhin noch aus unzähligen kleinen Nationalstaaten, die sich nicht immer sehr freundlich gesinnt waren. Und wenn man jemanden nicht versteht, neigt man schneller dazu, sich abzugrenzen….

    15. Christian Says:

      @Jens: Schweizerdeutsch ist *nicht* Höchstalemannisch; nur ein Teil der Dialekte der deutschen Schweiz gehört zu dieser Gruppe; die meisten anderen sind „hochalemannisch“.

    16. Stefan Says:

      @branitar:
      bist du dir sicher, dass sich die deutschen dialekte mehr voneinander unterscheiden als die schweizer? ich glaube nicht. Denn wenn z.b. ein walliser will, dass man ihn nicht versteht verstärkt er einfach den dialekt, so stark bis er nicht mehr verstanden wird. Dasselbe gilt für alle anderen Dialekte.

      Gruss

    17. Jannis Says:

      @Jens: Ein ausgezeichneter Text. Er bringt es auf den Punkt.

      Neulich war ich mit einer deutschen Reisegruppe 3 Wochen unterwegs. Selbstverständlich unterhielt man sich in der Hochsprache, denn die Leute kamen aus allen möglichen Gegenden des deutschen Sprachraums. Mit einer Ausnahme: Ein Herr sprach ausschliesslich Köllsch. Er war sehr schwer verständlich und ich empfand sein Verhalten als unhöflich.

      Zum Thema Dialektdichtung:
      Ich kam in den Besitz von 14 Bänden (=45cm) des schaffhauser Mundartdichters Albert Bächtold und habe die meisten auch gelesen. Dabei habe ich eine erstaunliche Beobachtung gemacht. Nach einer Einleszeit von 10 Seiten stellte ich fest, dass ich den Text wesentlich schneller lesen konnte als hochdeutsche Texte! Wohl deswegen, weil die Sprache Bächtolds eben meinem eigenen Bodenseedialekt viel näher steht als die angelernte Schriftsprache.
      Ganz anders verhielt es sich bei einer andern Perle der schweizer Mundartdichtung: „Homer Bärndütsch“, die Odyssee von Albert Meyer. Das ist für mich nicht lesbar, das musste ich mir von einem Berner vorlesen lassen. es war eine Riesenvergnügen.
      Und da gibt es noch den „Ali Baba“ Basedytsch. Zum Tränenlachen!
      Ein Versuch kann lohnend sein.

    18. gemini Says:

      Hallo,

      liebe Su,

      wenn ich in der Schweiz bin, bliebe ich als Deutsche auch nicht unerkannt, erlebe aber nicht immer so aufmunternde Reaktionen;-).

      Mir geht es auch so, dass ich dass Schweizerdeutsche gerne höre, aber es führt bei mir nicht zu einer „Verniedlichung“ der Person.

      Lieber Peter,

      ich habe bewusst diese Klischees gewählt, weil ich ja auch nicht frei vom Klischeedenken bin. Übrigens habe ich noch überlegt, ob ich Alm oder Alp schreiben soll (im Heidibuch steht ja auch Alp :-))). Aber Alm hörte sich für mein Sprachgefüh gängiger an…..

      Ich lasse mich aber gerne belehren, also die „die Kühe auf der Alp.

      Viele Grüße

      Gemini

    19. Branitar Says:

      @Stefan
      Ja, ziemlich sicher. Plattdeutsch ist, wie Jens schon angemerkt hat, als eigene Sprache anerkannt, und das nicht ohne Grund.
      Plattdeutsch und andere deutsche Dialekte/Sprachen unterscheiden sich zum Teil sogar in der Grammatik, da Nordeutschland mehrere Male über längere Zeiträume von den Dänen und Schweden besetzt war, was auch Einfluss auf die Sprache hatte (z.B. bei der Partizipienbildung). Auch hat Plattdeutsch z.b. die zweite Lautverschiebung nicht mitgemacht. Alles in allem ist Plattdeutsch in vielen Sachen dem Englischen oder den Skandinavischen Sprachen ähnlicher als beispielsweise dem Schwäbischen oder Bairischen.

    20. lizamazo Says:

      auch als predigt toll!

    21. Die Pfälzerin Says:

      Soooooo toll Deine Homepag! Bin seit nun 10 Jahren in der Schweiz aber was mich immer wieder nervt ist dass die Schweizer meinen nur SIE alleine hätten ein Defizit Hochdeutsch zu reden (und zu schreiben).
      Ich gebe darum seit 10 Jahren immer wieder Aufklärungsunterricht und erzähle wie schwer es Pfälzer-, Saarländer- und andere Kinder haben, wenn sie in die Schule kommen und plötzlich in die Versuchung kommen ihren Dialekt auch zu schreiben…….Das ist den Schweizern dann ganz was Neues!! Aha-Effekt vorprogrammiert und plötzlich sitzen wir wieder in einem Boot… Die zweite Stufe besteht darin dass ich Pfälzer Dialektausdrücken zum BEsten gebe und wieder herrscht Erstaunen….Einfach herrlich!!

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