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Nicht popeln oder poppen sondern pöpperlen — Neue alte Schweizer Verben

  • Es pöpperlet
  • Wir fanden im Fachblatt für angewandte Schweizer Onomatopoesie, dem Tages-Anzeiger vom 03.04.06 auf Seite 50 in der Kritik zum Theaterprojekt „Blaiberg und Sweetheart19“, vorgetragen von der Gruppe „Rimini Protokoll“ diesen Passus:

    Dazu pöpperlet der Technotrack „Brutalga Square“ von DJ Koze.

    Es pöpperlet

    Auch diesmal musste unser freundliches Gegenüber im der S-Bahn nicht lange nachdenken, um uns das Wort erklären zu können. „Pöpperlet“ hat ganz und gar nichts mit „poppen“ zu tun, im Sinne von „miteinander schlafen“. Oder doch?

    Es scheint da vielleicht sogar einen Zusammenhang zu geben, denn „poppen“ heisst eigentlich „sich schnell hin u. her bewegen“, und das wird beim „leisen Klopfen“ mit dem Finger auch getan.

    Der Duden meint dazu:

    poppen (sw. V.; hat) [zu landsch. poppern = sich schnell hin u. her bewegen od. zu landsch. poppeln (wohl zu Puppe) = ins Bett legen] (landsch. derb): mit jmdm. Geschlechtsverkehr haben.

    Natürlich gibt es noch die Varianten „es poppt“, die sich von der Pop-Kultur ableitet:

    poppen : (regional ugs.)
    hervorragend u. effektvoll, wirkungsvoll od. beeindruckend sein; z. B. die Sache poppt.

    Doch zurück zum freundlichen Gegenüber in der S-Bahn. Diesmal wurde mir erklärt, dass „pöpperlen“ in der Schweiz einfach nur „leise klopfen“ bedeutet. Und in diesem Sinn findet sich der Begriff gleich 427 Mal bei Google-Schweiz.

    Sogar das alte Wörterbuch der Gebrüder GRIMM kann etwas mit dem Verb anfangen:

    PÖPPERLEN, verb. wiederholt und leise poppern (1) SCHM.2 1, 400. STALDER 1, 204:er pöpperlet am lädemli. HEBEL (1843) 1, 134, s. GÖTHE 33, 175;
    er (der spatz) pöpperlet am fenster a,
    und bettelt um e stückli brot.
    vor einer stunde pöpperlet sie ans fenster, wie ich vorübergeh, und winkt mir hinauf. AUERBACH ges. schriften 16, 19.
    (Quelle: Grimms Wörterbuch)

    Der alemannische Dichter Hebel und sogar Göthe (mit „ö“) werden zitiert

    Ob nun das Wort ein Beispiel für Onomatopöie, Onomatopiie oder Onomatopoesie, der „Lautmalerei“ ist, in dem hier das leise Klopfgeräusch als Naturlaut nachgeahmt wird, oder ob es wirklich vom schnellen „hin und her bewegen“ des Fingers kommt, wie der Duden vermutet, lässt sich bestimmt nicht mehr ganz genau klären. Wir finden es toll, dass selbst neumodische Technotracks von DJ Koze in der Schweiz leise „pöpperlen“, als wäre hier die Zeit seit Johann Peter Hebel stehen geblieben.

    

    4 Responses to “Nicht popeln oder poppen sondern pöpperlen — Neue alte Schweizer Verben”

    1. sylvie Says:

      ‚töpperle‘ heisst im berndeutschen das gleiche,’pöpperle‘ wird auch gebraucht hier:)

      und ‚töpperle‘ kann hier auch für etwas im Zusammenhang mit Tupperware stehen

    2. Krusenstern Says:

      Ob „pöpperlen“ oder „Maiensäss“ – als Papierlischweizer mit (bisher) fremdsprachiger Ehefrau amüsiere ich mich köstlich über jeden Beitrag von mir. Wollte nur mal sagen, dass ich die Blogwiese deshalb in meine Linkliste aufgenommen habe. Ehre, wem Ehre gebührt!

      Grischa

    3. sirdir Says:

      oder auch ‚dopple’…

    4. Julia Feuerstein Says:

      Da pöpperlet mein Herz höher ;-)… ich bin in der Schweiz geboren habe aber einen deutschen Pass, so habe ich von meinen Eltern vieles aus Deutschland und der Schweiz gelernt.

      Meine Mutter sagte immer: die Schweiz ist das einzige Land in dem man im Park den Rasen in den 60ern nicht betreten durfte… damit alles sauber bleibt!

      Weiter so! Kommt zu den Favoriten!

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