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Das Aufgebot ganz ohne Braut und Bräutigam

  • Das Aufgebot ganz ohne Braut und Bräutigam
  • Wir erwähnten im Zusammenhang mit dem Zahnarztbericht (vgl. Blogwiese), dass die freundliche Sprechstundenhilfe uns am Ende der Behandlung fragte:

    „Sollen wir sie wieder aufbieten?“

    Uns fiel dabei sofort auf, dass das hübsche Verb „jemanden aufbieten“ im Hochdeutschen nicht gebräuchlich ist. Man würde sagen. „Sollen wir Sie wieder anrufen?“ oder „benachrichtigen“, vielleicht, wenn es ganz förmlich zugeht, würde man noch sagen: „Sollen wir Sie einbestellen?“.

  • Das Aufgebot ist nur für die Hochzeit und für die letzte Schlacht
  • Das Wort „Aufgebot“ und das „Aufgebot bestellen“ gibt es in Deutschland nur im Zusammenhang mit einer Hochzeit. Die Verlobten gehen zum Standesamt (nachdem sie sich vorher dafür telefonisch einen Termin haben geben lassen), bringen alle erforderlichen Unterlagen mit (Geburtsurkunden, Personalausweis etc.) und besprechen die geplante standesamtliche Trauung, den Termin etc. Anschliessend wurde in früheren Zeiten die persönlichen Daten in einem Schaukasten am Rathaus ausgehängt:

    „Peter Meier und Gabi Müller wollen am x.x.xx heiraten.“

    Das war gedacht als eine Gelegenheit für eventuell noch vorhandene Rest-Ehepartner der beiden Brautleute öffentlich Einspruch gegen die geplante Eheschliessung zu erheben.

    Leider wurden diese öffentlichen Daten gern von Werbefirmen missbraucht, um am Tag der Hochzeit oder kurz davor mit massig Werbung bei den Brautleuten aufzutauchen. Werbung für Möbel, für Babynahrung, für Hochzeitsreisen etc. Auch jede Menge Gratispackungen gab es dabei abzustauben, und manchmal sogar ein kostenloses, durch Werbepartner gesponsertes Kochbuch für die „junge Ehe“.

  • Das Aufgebot im Militär
  • Feldherren zogen mit dem „letzten Aufgebot“ in die Schlacht, wenn alle anderen Soldaten schon tot waren.

    Schauen wir mal, ob der Duden die Schweizer Bedeutung von „aufbieten“ für „jemanden einbestellen“ kennt:

    auf|bie|ten (st. V.; hat) [mhd. ūfbieten = (zeigend) in die Höhe heben]:
    1. einsetzen, zusammenraffen, aufwenden:
    alle Kräfte, seinen Einfluss, seine ganze Überredungskunst aufbieten.,
    um jmdn. zu überzeugen.
    2. zur Erledigung einer Aufgabe aufrufen, für die Erledigung einer Aufgabe einsetzen:
    Militär, Polizei aufbieten.; alle verfügbaren Kräfte waren zum Einsatz aufgeboten; Soldaten a. (veraltet; einberufen); hätte er den Jungen als Zeugen der Anklage aufgeboten (Ziegler, Labyrinth 310); die aufgebotenen Streitkräfte.
    3. (früher) die beabsichtigte Eheschließung eines Paares öffentlich bekannt geben, verkünden (um mögliche Ehehindernisse zu ermitteln): es wurden gleichzeitig fünf Paare aufgeboten.

    Haben Sie „mhd ūfbieten“ verstanden? Das steht für „Mittelhochdeutsch“, also die Sprache von 1170 im Süden Deutschlands. Schon damals sagte man „ūfbieten“, wie im Alemannischen Sprachraum heute noch. Sprache kann hier im Süden ziemlich konservativ sein, im Sinne von den Lautstand „bewahrend“.

    Vielleicht passt Bedeutung 2. am besten: „zu Erledigung einer Aufgabe aufrufen“.

    (2. Teil morgen: Wenn das VBS aufbietet, sollte Ihr Tenü stimmen)

    

    11 Responses to “Das Aufgebot ganz ohne Braut und Bräutigam”

    1. geissenpeter Says:

      Är isch vom Amt ufbotte gsy, am Fritig vor de Nüne,
      by Schtraf, im Unterlassigsfall, im Houptgebäud, Block zwo,
      Im Büro 146 persönlich go z’erschiine,
      Und isch zum Houptiigang am Halbi Nüüni inecho.

      Vom Iigang, d’Schtäge uf, und de nach rächts het är sech gwändet,
      isch dür’ne länge Gang, de wider rächts und de graduus,
      de zrügg, und wider links, bis wo der Korridor het gändet,
      de wider zrügg und gradus – witer meh und meh konfus.

      I sött doch – het er dür die lääre Gäng grüeft – vor de Nüne,
      by Schtrof im Ungerlassigsfall im Houptgebäud Block Zwo,
      im Büro 146 persönlech ga erschiine
      und dür die lääre Gäng do het me s’Echo ghört derfo.

      Hie bin’i – het är dänkt – scho gsy, nei dert bim Egge chumme
      ni veillecht wider… nei s’isch s’isch anders – warum geit’s jetz da,
      i ha doch gmeint… aha.. jetz no dert vorne einisch ume,
      was isch de das, da geits… jetz weis i nümme won’i schtah.

      Und dä wo isch ufbotte gsy am Fritig vor de Nüne,
      by Schtrof im Ungerlassigsfall im Houptgebäud Block Zwo,
      im Büro 146 persönlech ga z’erschiine,
      isch immer witergloffe und isch nie meh ume cho.

      Mani Matter

    2. viking Says:

      Jens, beim Zahnarzt kommt doch wohl nur die 1. Bedeutung zum Zug:
      alle Kräfte/seinen Einfluss aufbieten, damit ich mich nochmals in seine Praxis bzw. seinen Stuhl begebe 🙂

    3. Markus M. Says:

      Lieber Jens,

      ezählen Sie doch bitte etwas über Deutschland, denn Themen über die Schweiz ist…..nun ja……mehr als uninteressant – und unwichtig für die EU.

      Vielen Dank,
      Markus M.

    4. Administrator Says:

      @Markus M.
      Zum Thema Deutschland und EU verweise ich auf diese Links:
      http://www.google.ch/search?hl=de&q=deutschland+eu&meta=
      Das Thema der Blogwiese ist „Als Deutscher in der Schweiz“, und nicht „Als Deutscher in Deutschland“. Darum erzähle ich von der Schweiz, und nicht von der EU. Wenn Sie diese Themen uninteressant finden, wie gesagt: Einfach oben auf den Link klicken, da gibt es ganz tolle und interessante Themen zu Deutschland zu lesen.

      Ob die Schweiz wirklich so unwichtig für die EU ist, wage ich zu bezweifeln. Wo soll denn dann die Toblerone herkommen bzw. wohin sollen die EU Bürger dann ihre Gelder transferieren, wenn es die Schweiz nicht mehr gäbe?

    5. doofi Says:

      genau: ich glaube auch, dass die EU bald der Schweiz beitritt. Ob nun wegen der Toblerone oder wegen des guten Schweizer Weins ist doch egal. Und was macht ihr dann?

    6. Markus M. Says:

      Lieber Jens,

      wozu sich die Mühe machen, die Schweiz wird es eh bald nicht mehr geben – EU und SP sei gedankt!? *g*

      Jedenfalls können wir durch die Offnung der Grenzen uns selbst schützen, denn wir sind 80 Millionen, die Schweizer hingegen gerade mal 5 Millionen – eine automatische Auflösung – beispielsweise Tilgung – des Schweizers ist nur noch eine Frage von Zeit.

      Oder planen Sie zufällig ein Buch über die Chronik des Schweizers, gemäss 1291-2006 !?!? *g*

      Mit freundlichem Gruss,
      Markus M.

    7. Widi Says:

      Hmm, wenn die EU nun der Schweiz beiträte, dann gäbe das ja als 27. Kanton (resp. 24., wenn man die Halbkantone wirklich nur halb zählt) auch 2 Ständeräte. Aber im Nationalrat wären sie dann ziemlich übervertreten – müsste man die Verfassung anpassen, oder wie? 😉

    8. Martin Says:

      @Markus M.:
      Hmm… allein die Tatsache, dass du der Schweiz mal eben ein Drittel ihrer Einwohner rauben willst, wirft – egal ob du nun schlecht recherchiert hast oder bewusst provozieren willst – leider kein gutes Licht darauf, wie ernstzunehmend und aussagekräftig deine Postings sind…
      Lehn dich doch einmal entspannt zurück und iss eine Toblerone. 😉

    9. Phipu Says:

      An Markus M.
      Wieso diesen Blog regelmässig lesen und für den Autor sowie für die Leser gelinde gesagt „unpassende“ Kommentare schreiben, wenn doch alles so uninteressant und belanglos sein soll? Zum (was) provozieren? Ich habe da wohl eine Episode verpasst. Deine Meinung, die Schweiz gebe es nicht, ist nicht neu; und provoziert schon seit 1992. Ben Vautier (Schweizer! Künstler) malte auf eine schwarze Tafel den weissen Text: „la Suisse n’existe pas“ (die Schweiz existiert nicht) http://www.deutsche-bank-kunst.com/art/2003/15/d/1/ . Selbstzweifel braucht man uns nicht noch auszulösen, die gibt’s schon.

      Ebenfalls so um 1992 geschahen folgende weltpolitisch wichtigere Dinge: Jugoslawien begann, „nicht mehr zu existieren“ und die Schweizer Bevölkerung lehnte den Beitritt zum EWR ab. Dieser war halt damals einfach noch nicht schweiztauglich. Widis Meinung geht auch in diese Richtung. Unterdessen ist die EU sogar slowenientauglich geworden. (Smileys müssen selbst gesetzt werden)

      Und jetzt die für dich so schmerzhafte Neuigkeit: Die Schweiz – und ihre über 7 Mio. Einwohner http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/international/laenderportraets/schweiz/blank/kennzahlen.html existiert seither immer noch. Diese Einwohnerzahl beinhaltet übrigens Französisch-, Italienisch-, Romanisch- und eingewanderte Hochdeutsch-Sprachige. Einige davon haben sogar soviel Phantasie und Recherchen-Ausdauer, um Blogeinträge zu einem täglich anderen Thema zu schreiben. Sie sind ausserdem so tolerant, dass sie sogar Kommentare aufschalten, die gar nichts mit ihren Blogthemen zu tun haben. Wie zum Beispiel diesen hier.

      an Jens
      Lob an dich steht im vorangehenden Abschnitt.

    10. Lars Says:

      Hallöchen!!!

      Ich stimme Ihnen vollkommen zu.
      Diese Seite ist echt KLASSE und super interessant. Ich werde zukünftig öfter reinschauen und Euch bei meinen Freunden weiterempfehlen
      Da ich „bald“ eine Internetseite zum Thema Hochzeitsreisen eröffnen möchte, würde ich mich freuen, wenn ich hier in diesem Gästebuch einen Link zu meiner neuen Homepage hinterlassen darf.
      Hochzeitsreisen

      Natürlich würde ich mich auch über Eure Meinung zu meiner Seite freuen.

      Es grüßt Euch der Lars aus Hamburg

    11. Gizmo Says:

      Was wäre denn eigentlich so schlimm daran wenn es die Schweiz nicht mehr gäbe? (oder Deutschland oder Frankreich, oder Dänemark?)

      Interessant ist doch das seitdem die Briten (auch gerne Engländer genannt) der EU angehören, die Waliser und Schotten an eigenständigkeit gewonnen haben. Waren sie bisher von London aus regiert haben sie nun eigene Parlamente. Vielleicht löst sich das schweizer Trauma ja dadurch in wohlgefallen auf wenn sie sich nicht mehr krampfhaft abgrenzen müssen. villeicht entspannen sie sich ja und gehen nicht mehr zum lachen in den Keller?

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