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Z wie Zürich — Sagen Sie bloss nie „Züricher“ zu den Zürchern

(reload vom 15.12.05)

  • Der Zorn der Zürcher über ein ignorantes „i“
  • Wir erhielten Post von einem Leser der Blogwiese:

    Wahrscheinlich wird Ihr Blog auch von vielen in der Schweiz lebenden Deutschen gelesen. Bitte nennen Sie die Einwohner des Kantons Zürich „Zürcher“ und nicht Züricher. Die Deutschen sollten sich das wirklich mal merken. Ihr nennt uns immer so!

    Nun, wer auf der Blogwiese einfach mal nach „Züricher“ und „Zürcher“ sucht, wird feststellen, dass sich für letzteres ein paar, für ersteres aber nur einen einzigen Verweis findet, und der hat es in sich:
    Der grosse Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller, den wir sehr schätzen, nannte seine berühmte Novellensammlung „Züricher Novellen“, mit einem deutlichen „i“ nach dem r (siehe hier:)

    Der Leser schrieb weiter:

    Das stelle ich fest, wenn ich verschiedene Kommunikationsplattformen (Blogs, Foren, Gästebücher, etc.) besuche. Google findet schon 766’000 Einträge des Begriffs Züricher, obwohl die Einwohner definitiv nicht so genannt werden.

    Vielleicht können wir die Zürcher ein wenig trösten mit der Bemerkung, dass auch die Einwohner des Badenerlandes nicht immer mit Badener sondern fälschlich als „Badenser“ bezeichnet werden:

    Die Grenze zwischen Schwäbisch und Badisch
    Wer die Pforzheimer und ihre Sprache als schwäbisch bezeichnet könnte böse Blicke und Worte provozieren, deshalb: Pforzheimer sind Badener ( Badenser gilt als Schimpfwort!). Doch ebenso Vorsicht: Wer in einen Ort nach Süden, also Birkenfeld oder Unterreichenbach oder nach Osten also Heimsheim fährt und die Leute dort als Badener einstuft, hat sich ebenfalls in eine unangenehme Situation gebracht: die Leute dort sind nämlich schon Schwaben! (Quelle zur Zeit leider offline)

    Wir lernen: Die sprechen alle Hochdeutsch, die Deutschen, und mit Dialekten haben sie sowieso nie irgendwelche Meinungsverschiedenheiten:

    Was sind eigentlich alles Schwaben ?
    Das ist eine sehr berechtigte Frage. Geht man einmal nach Baden, kann man gelegentlich den Spruch hören: „Mir sin koi Schwobe, mir sin Badner.“ Oder in der Schweiz, da kann man hören, wie über die „chaibe Schwoba“ geschimpft wird. (Quelle)

    Doch zurück zu den echten und berechtigten Sprachsorgen der Zürcher:
    Der Wegfall des „i“ in „Züricher“ im geschriebenen Eigennamen und im Adjektiv ist historisch noch nicht so wahnsinnig alt, und es dauert eine Weile, bis sich das überall durchsetzt.

    Bis dahin dürfen die falsch benannten Zürcher zu jedem Deutschen „Deutschländer“ sagen, wenn der nicht aufhört „Züricher“ zu sagen, das gleicht sich dann hoffentlich aus und sorgt auf jeden Fall für Stimmung und Völkerverständigung.

    Denken wir lieber an was deftig Leckeres: Ein genüsslich betontes und in die Länge gezogenes „Zü-ri-cher Ge-schnet-zel-tes“ zergeht doch viel besser auf der Zunge, macht uns eher lustig „gluschtig“, als ein kurz gebelltes „Zürcher Geschnetzeltes„, oder?

    Der Duden sagt klar und deutlich dazu:

    „Züricher, in der Schweiz nur Zürcher. “
    „züricherisch, in der Schweiz nur zürcherisch“

    Also wollen wir ausserhalb der Schweiz das „i“ tolerieren und es innerhalb der Schweiz dudengemäss bekämpfen!

    Der Duden ist übrigens sonst oft auf der Seite der Schweiz, wir haben viele Wörter im Duden entdeckt, von denen wir nicht wussten, dass sie auch zur Deutschen Sprache gehören, und speziell durch die Schweiz beigetragen wurden. Schade, dass der Band „Duden „Wie sagt man in der Schweiz“, von Kurt Meyer“ nicht mehr lieferbar ist. Bei Amazon.de warten bereits vier Käufer darauf, dass jemand sein Exemplar verkaufen möchte. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. (Nachtrag: Es gibt nun wieder einen Duden zum „Schweizerhochdeutsch“, siehe hier)

    Vielleicht ist es auch nicht schade, vielleicht ist es gut so. Denn der Duden gilt als Standardwerk für die Deutsche Sprache in Deutschland, Österreich UND die Schweiz. Es sind so viele echt Schweizer Ausdrücke darin zu finden, da braucht es keinen „Duden Schweiz“ mehr.

    Es sind bestimmt nicht nur die Dialektwörter, die Schweizerdeutsch ausmachen, sondern für uns vor allem die kleinen Redewendungen und Wörter, die im restlichen Deutschen Sprachraum nicht existieren oder anders verwendet werden, und die unsere Sprache so stark bereichern und interessant machen, wie z. B. „nicht draus kommen“ oder „der Zapfenzieher“.

    

    7 Responses to “Z wie Zürich — Sagen Sie bloss nie „Züricher“ zu den Zürchern”

    1. Brun(o)egg Says:

      Man sollte auch nie Baseler sagen, genausowenig man Münchener sagt.

    2. Scharada Says:

      Das Wörterbuch “ So sagen wir in der Schweiz“ von Kurt Meyer gibt es sehr wohl noch bei Amazon und co., nur steht kein Duden drauf.

    3. Smilla Says:

      Naja, beim ersten Mal kann man es verzeihen, auch das gesprochene „s“ bei „Migros“. Wenn Leute mehrere Jahre hier gelebt haben und immer noch von „Zürichern“ sprechen und in der Migros mit s einkaufen gehen, tun mir meine deutschen Ohren mittlerweile gewaltig weh.

    4. Petersen Says:

      Gegenfrage: „Münchner“ oder „MünchEner“?

    5. willi Says:

      Also wenn ich die neuesten Meldungen zu innovativen Parkhäusern in Zürich lese, http://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/11494363 dann finde ich schon, dass man die Zürcher künftig auch Züricher oder Deppen nennen darf. Allein aufgrund der Tatsache, dass so etwas toleriert wird.

      Gibt es in der Schweiz eigentlich auch einen Straftabestand wie Wucher, den man ahnden kann?

    6. Christian Ziegler Says:

      Die Züricher in Kellers Werken stammen vermutlich nicht von ihm selbst (obwohl Keller die deutsche Kultur sehr schätzte und damit auch die schweizerischen Ableger meinte). Praktisch alle Bücher Kellers erschienen in ihrem Erstausgaben in deutschen Verlagen und wurden auch in Deutschland gedruckt. Dort wurden die Manuskripte „verdeutscht“.
      Übrigens ging es Jeremias Gotthelf ähnlich. Die Erstausgabe von „Ueli der Knecht“ erschien 1846 im Verlag Julius Springer, Berlin. Das „schweizerische Hochdeutsch“ schien dem Verleger für die Leser nicht zumutbar. Die „echte“ Gotthelfsprache findet sich eigentlich erst in der während des Weltkriegs in der Schweiz veröffentlichten Gutenbergausgabe.

    7. Chrugel Says:

      Es geht auch noch kürzer: „Züri-Gschnätzlets“

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