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Lebensmüde benutzen bitte den Zebrastreifen — Die Schweizer im Verkehr

  • Blogwiese auf RTL
  • Die Blogwiese wurde gestern in der Sendung in der Grossen RTL Reportage „Schmerzlich Willkommen“ erwähnt. Wer die Sendung verpasst hat kann sie hier noch ansehen. Es geht in einer Szene um die Gefährlichkeit des Schweizer Fussgängerstreifens. Die Situation hat sich sicherlicher in den letzten 10 Jahren verbessert. Der nachfolgende Blog-Eintrag ist von 2005. Aber immer noch vergeht keine Woche in der wir nicht von schweren Unfällen an Schweizer Zebrastreifen Fussgängerstreifen lesen. Natürlich ist der folgende Blogbeitrag satirisch gemeint. Der wahre Kern jedoch bleibt, dass man gut beraten ist, in der Schweiz an einem Zebrastreifen deutliches Handzeichen zu geben, und nicht einfach loszulaufen.

  • Gefährliche Zebrastreifen
  • Wenn Sie als Deutscher in der Schweiz zum ersten Mal zu Fuss unterwegs sind, dann hüten Sie sich vor der Benutzung eines Zebrastreifens. Sie sind in der Schweiz gelb und nicht weiss wie in Deutschland, und es gibt einen weiteren grossen Unterschied zu Deutschland: Die Autos haben immer Vorfahrt. So kommt es einem jedenfalls vor, wenn man hoffnungsvoll am Strassenrand steht und darauf wartet, dass mal jemand anhält. Die Zebrastreifen erfüllen in der Schweiz drei Funktionen:

    1. Sie sind die Lösung für das Überalterungsproblem.

    2. Sie helfen mit, die Pensionskassen zu entlasten.

    3. Sie sind Auslöser von Auffahrunfällen, falls ein Deutscher Autofahrer (Schweizerdeutsch: „Der Lenker“) mal wieder auf die abstruse Idee kommen sollte, hier einfach anzuhalten um die Fussgänger hinüber zu lassen.

  • Zebrastreifen in Deutschland
  • Deutsche Schulkinder bekommen in der 1. Grundschulklasse (Schweizerdeutsch: „Primarschulklasse“) in der Verkehrserziehung von einem freundlichen Polizisten drei Dinge beigebracht:

    1. Die Polizei ist Dein Freund und Helfer (für Schweizer Leser: Kein Witz, das lernt man wirklich so in Deutschland).

    2. Auf einem Zebrastreifen kannst Du unbesorgt die Strasse überqueren, die Autos halten immer an.

    3. Falls 2 nicht funktioniert, rufe 1 herbei. Die Nummer lautet 110 (polizeilicher Notruf in Deutschland, und nicht 117 wie in der Schweiz)

    Autos haben immer Vorfahrt hier

    In der Fahrschule in Deutschland kriegt man vom Fahrlehrer eingetrichtert: „Wenn Du an einem Zebrastreifen nicht anhältst, bist Du den Lappen sofort wieder los“. Stoppzeichen, Rote Ampel und Zebrastreifen sind die drei Orte, an denen man immer stehen bleiben muss, sonst ist man in der Fahrprüfung sofort durchgefallen. Denn überall wartet die Polizei (dein Freund und Helfer), die nur darauf lauert, dir eine Strafe (Schweizerdeutsch: „Busse“) und ein paar Punkte in Flensburg, der zentralen Verkehrssünderdatei der Deutschen, aufzubrummen.

  • Halten Sie am Zebrastreifen und erleben Sie echte Dankbarkeit
  • Also bleibt der Deutsche lieber einmal zu viel als einmal zu wenig am Zebrastreifen stehen und fällt damit in der Schweiz permanent negativ auf. Dem deutschen „Lenker“ (das ist der Mann am Steuer, nicht am Lenker) fällt gleichzeitig auf, wie überglücklich und dankbar die Fussgänger auf Schweizer Zebrastreifen reagieren, wenn man anhält und sie über Strasse gehen lässt. Sie rechnen nicht mit soviel Freundlichkeit. Es ist ein antrainiertes Verhalten bei den Deutschen, jahrelange Kampagnen des ADACs (Deutscher Automobilclub) und der Polizei mit dem Slogan „Hallo Partner! Danke Schön!“ zeigen hier Wirkung.

  • Warum halten so wenig Schweizer am Zebrastreifen?
  • Ganz einfach: Bis vor ca. 6 Jahren war es keine Pflicht für die Autofahrer, hier zu halten, sondern nur ein Gebot der Höflichkeit. Danach wurden die Bestimmungen geändert (Schweizerdeutsch: „sie änderten„, das Wörtchen „sich“ muss bei der Überquerung des Rheins verloren gegangen sein. In der Schweizer ändert sich folglich nie etwas, hier ändern die Dinge selbst). Aber erst die Fahranfänger aus den letzten 6 Jahren habe diese neue Regelung wirklich lernen müssen.

    Aber was schreibe ich hier eigentlich die ganze Zeit über von „Zebrastreifen“, wenn die Dinger in der Schweiz doch einfach „Fussgängerstreifen“ heissen. Warum eigentlich? Wahrscheinlich fallen die Zebras in der Schweiz unter den Artenschutz, anders als die Fussgänger, mit denen darf man offensichtlich alles machen, auch in Streifen zerlegen.

    

    17 Responses to “Lebensmüde benutzen bitte den Zebrastreifen — Die Schweizer im Verkehr”

    1. exilant Says:

      hmm, also ich bin ja auch schon ein paar jahre hier und die sache mit dem zebrastreifen empfinde ich gerade andersherum. hier wird schon eine vollbremsung hingelegt, sobald man sich nur dem streifen nähert…oder ist das in basel anders als in züri?

    2. Sprachnarr Says:

      Das war ja wohl versteckte Werbung in eigener Sache…! Was Sie im erwähnten RTL-Film schildern, mag für Sie zutreffend sein, allgemein gültig ist es aber beileibe nicht. Machen Sie es doch, wie es einst Ulli Wickert in Paris für die ARD gezeigt hat: Man schaue einfach in die dem Verkehr entgegengesetzte Richtung und betrete dann die Strasse. Sie werden mit tödlicher Sicherheit dabei nicht überfahren 🙂 Das Türe-Aufhalten ist genau so wenig ein allgemein übliches schweizerisches Verhalten – auf jeden Fall und ganz sicher nicht auf der Herren-Toilette. Achtung: Vielleicht hielt Ihnen einer die Tür auf, der eine Auge auf Sie geworfen hatte! 🙂

    3. hp Says:

      Auch hierzulande droht dem „Fussgängerstreifen“ das Aus. Weil er männlich ist und das (vorwiegend mit Linksdrall versehene) Büro für Gleichstellung den „Zebrastreifen“ einführen will. Das ist jedoch mit allerlei Geburtswehen verbunden weil es eben keine gelbgestreiften Zebras gibt…

    4. Brun(o)egg Says:

      Ich bin der Meinung, dass die Zebras endlich gelbe Streifen bekommen sollten. Wofür zahlen wir den alle diese Entwicklungsgelder?! Hä? Würde dann unsern Freunden im Norden sicher leichter fallen den Streifen zu übernehmen.

      @ Sprachnarr.
      Genau. Ich bleibe als autofahrender Fussgänger den Autofahrern gegenüber rücksichtvoll. Vor allem beim betreten der gelbgestreiften Zebras.

    5. rp Says:

      das Anhalten funktioniert meiner Erfahrung nach ganz gut. Was für deutsche Einwanderer aber viel wichtiger zu wissen ist: falls es am Fussgängerstreifen eine Ampel hat, gilt die Ampel.

    6. Eric Says:

      Wenn ich mir das Posting so durchlese, frage ich mich, ob Sie wirklich in der Schweiz leben – wenn ja – dann sind Sie mindestens mental noch nicht angekommen – leider! Dazu kommt, dass Sie auf wunderbare Weise, genau die Dinge die uns Schweizer an den Deutschen stören, zwischen den Zeilen unbewusst durchblicken lassen. Klasse! Ich bin auch Auswanderer, lebe seit über 5 Jahren in Südostasien und auch hier, sind die Deutschen, bei den Asiaten unbeliebt und dafür können wir Schweizer – mindestens hier – nichts!
      Ich habe in der Schweiz seit der Schulzeit immer diverse deutsche Freunde gehabt und hier in SOA fast nur, aber die Deutschen sind halt meist anders, deutlich anders. PS: Ich habe nichts gegen Deutsche, meine Mutter hat noch einen Pass vom grossen Kanton – trotzdem bin ich lieber ein bünzliger Schweizer!

    7. tobi Says:

      Bei den Streifen in der Schweiz ist mir aufgefallen, dass viele nicht durch Schilder signalisiert sind. Bei Dunkelheit und Nässe ist das nicht ungefährlich, weil für den Autofahrer erst spät zu erkennen – speziell auch, wenn man ortsunkundig ist. Ich bin kein Freund vom Schilderwald, aber mit dem Vortritt für Fussgänger wäre aus Sicherheitsgründen vielleicht auch eine durchgängige Beschilderung nachdenkenswert gewesen.

    8. Lexi Says:

      Ich habe die Sendung gestern als Schweizerin auch gesehen und war ehrlich gesagt etwas geschockt, als was wir Schweizer dargestellt wurden. Kalt, herzlos und diskriminierend gegenüber den Deutschen.
      Wenn ich als Deutsche den Betrag gesehen hätte, ich würde niemals in die Schweiz kommen!
      Sicher gibt es solche Schweizer und ja, wir sind sicher nicht wie die Deutschen, was ja auch gut ist, jedes Land hat eine eigene Tradition und was ist den falsch daran diese zu wahren?

      Was die Zebrastreifen (im übrigen bei uns sowohl als Fussgänger- wie auch als Zebrastreifen bekannt) betrifft, so musste ich noch nie die Hand raus halten um über einen eben solchen zu gehen…!
      Kleine Anmerkung noch; So schlecht, wie das Leben hier und die Schweizer dargestellt wurde, kann es doch gar nicht sein oder? Oder warum kommen dann so viele zu uns um hier zu leben?
      Lg von einer Schweizerin, die sehr viele deutsche Freunde hat^^

    9. CMD Says:

      Durch Zufall hatte ich gestern Abend die erwaehnte Sendung auf RTL gesehen und war doch etwas erstaunt! Ich hatte es bis anhin imme anders erlebt und meine Kinder koennten es bestaetigen, zumindest in Zuerich wird jede und jeder ( inkl. mir selbst) sofort stehenbleiben wenn eine Person am Fussgaengerstreifen gesichtet wird. Vortritt hatte meines Wissens nach der Fussgaenger schon immer, allerdings musste er sich mittels Handzeichen bemerkbar machen.

    10. ostnomade Says:

      … zumindest zwischen Olten, Luzern und Bern stehen die Autos, sobald der Fussgänger auch nur die Fusspitze hebt.

      Die Sendung bei RTL? Die Schweiz ist ein anderes Land, kein Bundesland. Wer in der Schweiz leben will, darf sich ein wenig umstellen. Die deutsche Sprache verschleiert nur ein wenig. Wem es nicht gefällt- der Weg nach Norden ist immer offen.
      Gruss aus Moskau!

    11. Peter Says:

      Ich bin Velofahrer, habe weder Fahrausweis noch Auto, aber ich sehe hier wirklich kein Problem. Ich finde die aktuelle Regelung nicht sehr sinnvoll. Als Fussgänger kann ich doch auch am Zebrastreifen ein paar Sekunden warten, bis eine Lücke frei wird, das erspart unnötiges Bremsen und wieder anfahren und so wird Energie gespart und die Umwelt geschont. Die meisten Autos halten, wenn ich an einem Zebrastreifen stehe, es sind etwa 3/4. Wenn ich in der Rush Hour zu lange warten muss, was eher selten vorkommt, dann ist es doch ganz einfach: Hand raus, und das nächste Auto stoppt. Garantiert.

    12. AnFra Says:

      @Eric

      Sie, Eric, sagen Sie mal, sind Sie mal auf einem Fußgängerüberweg in SOA von einer Rikscha überfahren worden?

    13. Phipu Says:

      An RP

      Deutsche wissen im Gegensatz zu Schweizern schon, dass es technisch und moralisch völlig unmöglich ist, bei Rot über den Fussgängerstreifen zu gehen. So steht es zumindest hier http://www.blogwiese.ch/archives/533

    14. helveticus Says:

      @Eric
      die schlimmsten Bünzlischweinzer sind immer die Zugewanderten, die Eingeheirateten und Sonstige , die nicht ohne eigenes zutun (Geburt etc) Schweinzer geworden sind oder es unbedingt werden wollen. Als müssten sie durch ihr extremes Verhalten die nicht durch Geburt erlangt Staatszugehörigkeit kompensieren. Ein unerträglicher Zustand und für einem vom deutschen Blut abstammendem Einwanderer typisch.
      Im guter alter Tradition zu Blocherchen Vorfahren

    15. rosszero Says:

      Ich kann die Wahrnehmung des „Freiwilds“ auf dem Fussgängerstreifen so gar nicht unterschreiben – die Einführung einer deutlich hohen Busse für das Nicht-Anhalten am gelb-gestreiften Ueberweg hat eher zur Leichtsinnigkeit der Fussgänger beigetragen, die dann schnell mal ne 180-Grad-Drehung aus der Bewegung geradeaus heraus auf den Streifen vollführen, was ich als immer wieder sehr gefährlich empfinde. Deswegen haben auch fast alle innerstädtisch fahrenden Lenker in der Schweiz hellseherische Fähigkeiten entwickelt und bremsen lieber schon mal vor so nem Streifen, egal ob der Fussgänger dort ansteht oder nur in der Nähe dessen weilt ( sehr beliebt ist der Schwatz in der Nähe oder am Streifen – vielleicht ist das ja lustig, ohne Ueberquer-Absicht, PW-Lenker zum anhalten zu bringen … )

      Positiv ist auf jedenfall – man bekommt ein dankendes Handzeichen fürs Anhalten ( in sagen wir mal 80% der Fälle ) und das ist doch eine nette Geste für das gegenseitige Rücksichtnehmen.

    16. Eva Says:

      RTL-Die grosse Reportage? Wirklich? Das ist doch Bildungsfernsehen pur.
      Was da drinnen ist, muss einfach wahr sein. Auch wenn es stink einfach erlogen wurde.
      Im Vorspann gab es einen Deutschen, der sich mit einem Autolenker angelegt hat. Bestimmt gestellt, oder zumindest übertrieben.

      Bezüglich des Zebrastreifens: mir geht das genauso, wenn ich schon Anstalten mache in zu überqueren, halten die Autofahrer an. Das ist in der Stadt so und auf dem „Land“. Sogar die Welchen halten an. (und die fahren – sagen wir mal – etwas anders)

    17. Leni Says:

      Ich wäre auch eher für einen Bienen-, Wespen- oder Hummelstreifen in der Schweiz.

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