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Wenn gestandene Mannsbilder zu Vögelchen werden — „Ins Näscht“

  • Wenn Männer zu Vögelchen werden
  • Vor kurzen sagte uns ein Schweizer Freund am Abend, als es etwas später geworden war: „Ich ga hai ins Näscht„. Das machte uns dann doch stutzig. Der Kerl war 190 cm gross und wog an die 100 Kg, wie soll der sich in ein „Näscht“ legen? Er meinte freilich sein „Bettchen“, sorry, sein Bett, denn die Verkleinerungsform ist hier wirklich nicht mehr angebracht.

  • Nestbau in der Schweiz

  • Die Schweizer sind noch im „Näscht“ am Morgen, wenn wir sie zu früh anrufen (also vor 6.00 Uhr), sie bleiben am Sonntag gern länger „im Näscht„, und sie kehren am Abend zurück „ins Näscht„. Googel-Schweiz verzeichnet 388 Beispiele.

  • Nestbau auch in Süddeutschland und im Elsass

  • Es geht also zu wie bei den Vögeln. Ein Schelm, wer die Wörtchen „bei“ und „den“ zum Wort „beim“ zusammenzieht. Nestbau und Nestpflege sind mächtig angesagt unter den Schweizern. Aber nicht nur dort, auch unsere Deutschen Freunde aus dem schwäbisch-alemanischen Sprachraum reden ständig vom „Nescht“, dann aber mit „e“.
    „Ins Nescht“ bei Google

    Nestbau bei Vögeln:
    Ins Nest, Näscht oder Nescht

    Im Wikiwörterbuch findet sich zu Nest auch noch die militärische Bedeutung:

    Aus Wiktionary – dem freien Wikiwörterbuch
    [1] Die Stätte der Aufziehung und der Wohnort bestimmter Tiere (zB: Vögel)
    [2] Die übertragene Bedeutung der Wohnstätte als Zufluchtsort, ein Ort der Geborgenheit
    [3] Umgangssprachlich für Stellung in militärischen Belangen. (Quelle:)

    Ob es also etwas mit „Stellung“ zu tun hat, dass die Schweizer gern ins Nest schlüpfen? Als Erinnerung an ihre MG-Nest-Zeit während der letzten Reserveübung? Egal, wir gehen jetzt auch ins Näscht und machens wie die Vögel.

    

    2 Responses to “Wenn gestandene Mannsbilder zu Vögelchen werden — „Ins Näscht“”

    1. Weiacher Geschichte(n) Says:

      Das muss einen nicht wirklich wundern. Die Schweiz war und ist ja seit langem eine Art Widerstands-Nest. Gegen was auch immer. Und dazu haben die Deutschen im 2. Weltkrieg mit Sprüchen wie „Die Schweiz, das kleine Stachelschwein, das nehmen wir auf dem Rückzug ein“ aktiv beigetragen. Fragen Sie die „PNOS, die „Schweizer Demokraten“, die „Schweizerzeit“ oder die „SVP“ – die leben noch heute davon.

      Und im übrigen gibt es da auch noch eine Reihe mittlerweile auch alter Büchlein mit dem Titel „Alte Nester“:
      – Binder, G.: Kaiserstuhl. Alte Nester ; Band 3, Bändchen 15 / Orell Füssli’s Wanderbilder; No. 369. Zürich, 1914.
      – Binder, G.: Regensberg (Kanton Zürich). Alte Nester ; Band 2, Bändchen 12 / Orell Füssli’s Wanderbilder; No. 346. Zürich, 1914.

      (Gottlieb Binder war ein sehr aktiver Hobbyhistoriker – hat 1939 u.a. eine „Geschichte der Gemeinde Stadel im einstigen Neuamt“ herausgegeben.)

    2. myl Says:

      Dazu gibts den Begriff „Fägnäschte“, im Sinne von „im Nest herumfegen“. Dies bedeutet, „sich im Schlaf unruhig hin und her bewegen“. Kann man bei Kindern sehen, welche sich damit beruhigen.

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