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Was ist schweizerisch? — In Subtexten kommunizieren

  • Was ist schweizerisch? — Ein Szene von Laura de Weck
  • Kennen Sie Laura de Weck? Es ist die begabte Tochter des Publizisten Roger de Weck, der für Die Zeit aus der Schweiz berichtet. Sie lebt als Autorin und Schauspielerin in Hamburg und erlebt, wie einst unser Freund Geissenpeter in seinem leider zu früh beendeten Blog „Heidis Welt„, sehr deutlich am eigenen Leib, was „schweizerisch“ sein bedeutet. Die folgende kleine Szene stammt aus einem Beitrag der NZZ vom 13.09.08. Über ihre damalige Situation in Hamburg schrieb sie:

    Seit Jahresfrist lebe ich in Deutschland, nie war ich so schweizerisch.
    In Deutschland bin ich keine Fremde. Ich mag die Deutschen. Wir haben ähnliche Handlungsweisen, Sehnsüchte, Ziele – Ängste. Wir haben nicht dieselbe, aber immerhin die gleiche Sprache. Doch in diesem Zwischenraum liegt der Unterschied.

    Dank den Schweizer Eigenschaften (Höflichkeit, Konfliktscheu, Zurückhaltung, Unsicherheit, Verniedlichung) werden wir in nonverbaler Kommunikation intensiver trainiert als Deutsche. Wir sind geschult darin, Aussagen nicht als solche hinzunehmen, sondern beispielsweise die Länge einer Pause zwischen zwei Sätzen zu bemessen oder einen stehengebliebenen Halbsatz weiter zu denken. Im Entschlüsseln der Subtexte sind wir professionell.
    (Quelle: NZZ-Online)

    Laura de Weck
    (Quelle Foto: sutter-management.de)

  • Subtexte entschlüsseln will gelernt sein!
  • Was für eine neue Erkenntnis! Der Schweizer sagt das eine und meint etwas ganz anderes. Sagst du nur einen Halbsatz, so hat das eine Bedeutung. Schweizer sind permanent mit der Interpretation des vom anderen Gesagten beschäftigt. Doch wie entschlüsselte man non-verbale Kommunikation am Telefon, wenn man seinen Gesprächspartner gar nicht sehen kann? Laura de Weck führt aus:

    Unterhält sich ein Schweizer mit mir, ruft mein Schweizhirn die Frage ab: Was will er damit eigentlich sagen? In Deutschland darf ich diese Frage ausschalten, mein Gegenüber sagt mir genau das, was er sagt.

    Da ist sie wieder, die berühmte deutsche „Direktheit“. „Mein Gegenüber sagt mir genau das, was sagt“. Schweizer in Deutschland lernen das rasch, für Deutsche in der Schweiz ist das erlernen der Subtext-Interpretation oft etwas schwieriger.

  • Was Frau Tschudi an der Tür sagt und meint
  • Im gleichen NZZ Beitrag schildert Laura de Weck nun eine Kommunikationssituation zwischen Schweizern und einem Deutschen. Es treten auf: Adrian, Tim, Frau Tschudi, Corina, Frau Tschudis Tochter. Tim ist Deutscher, die anderen nicht.

    Es klingelt in Tims und Adrians WG, vor der Tür steht Frau Tschudi.

    Frau Tschudi:

    Grüezi, guete Morge, hoi zäme.
    Ich bin d Nachbarin vo dobe, Tschudi isch min Name, bin d Mueter vo de Corina.
    Mir händ eus ja au scho mal gsee, i de Wöschchuchi . . .

    Uf jede Fall . . . hoff ich, dass ich nöd störe?
    Söll ich spöter nomal cho?
    Han ich Si echt bi öppisem unterbroche?
    Da bin i froo. Nöd, dass ich Si . . .

    Uf jede Fall . . .
    Gesterd zaabig . . .

    Also, ich finds ja schön, wänn Si mängisch es Fescht mached. Ich han ja Freud, wänn Si öppis zum Fiire händ. Das macht ja au Spass. Mini Tochter häts ja au lustig gfunde bi Ine . . . Aber es isch eifach echli lut gsi . . .
    also d Musig . . .
    Spöter au . . . Aber da chömmer es anders Mal drüber . . .?
    Also, wänn sie villicht so lieb sind, s nächscht Mal e chli liisliger z si, wär ich scho no froo.

    Da händ Si ja au öppis devo. So luuti Musig sött ja ungsund sii für d Oore.
    Will ich han ja alles usprobiert gha: Fenschter zue, Oropax und so wiiter. Si känned das ja.
    Mir isch jetzt eifach nüd mee iigfalle, was ich chönt mache zum chöne ischlafe . . . Uf jede Fall . . .

    Herzliche Dank.
    Danke villmal.
    Adieu, ade.

    Es isch so en schööne Taag dusse, eifach herrlich.
    Frau Tschudi ab.
    Tim: Was hat die gesagt? Hab kein Wort verstanden.

    Verstanden haben die meisten deutschen Leserinnen und Leser der Blogwiese die Ansage von Frau Tschudi sicherlich. Aber sind sie auch in der Lage, die Subtexte richtig zu interpretieren? „Verstehen Sie Schweizerdeutsch? Begreifen Sie es auch?“, wie Ursus & Nadeschkin fragen würden. Die Interpretation erfolgt sofort:

    Adrian:
    Das war Corinas Mutter, sie heisst Frau Tschudi, sie meint, wir sollten uns diesen Namen verdammt gut merken, weil wir noch öfters mit ihr zu tun haben werden, besonders wegen der herumliegenden Wäsche in der Waschküche. Sie sagt, dass sie überhaupt kein Verständnis für unsere Partys hat, weil wir ohne besonderen Grund wie Geburtstag oder Neujahr feiern. Dass wir keine Musik mehr laufen lassen sollten, ansonsten sie die Polizei ruft. Solltest du es aber nochmals wagen, ihre Tochter anzufassen und nach der Party so laut mit ihr zu vögeln, würde sie dich verprügeln.
    Ach ja.
    Und dann sagte sie noch, sie fände es unmöglich, dass wir bei dem Sommerwetter drinnen rumgammeln, und dass wir uns wenigstens jetzt aus der Wohnung verdrücken sollten.

    Diese wunderbare Szene hat noch einen zweiten Teil:

    Es klingelt erneut, Tim verschwindet, Adrian öffnet die Tür. Corina:
    Sorry, dass ich stööre.
    Isch ächt de Tim da?
    Adrian: Nei, sorry, dä isch grad nöd dihei. Corina:
    Nöd?

    Aha.

    Janu.

    Ich versuechs eifach wider.
    Adrian: Easy. Corina: Tschau. Adrian: Tschau. Corina ab. Tim: War das Corina? Adrian: Ja. Tim: Was sagte sie? Adrian:
    Dass sie mir nicht glaubt, du seist nicht da, aber dass sie dich trotzdem liebt.

    Zugegeben, die Szene ist sehr witzig und etwas überspitzt. Dennoch halten wir sie für absolut realistisch und dem Alltag entnommen. Schweizerdeutsch zu verstehen ist lernbar für Deutsche in der Schweiz. Schweizerdeutsch richtig zu interpretieren dauert etwas länger.

  • Deutsche reden direkt, ohne Subtext
  • Die Walliser Sängerin Stefanie Heinzmann wurde vom Pendlerblatt 20Minuten gefragt, was sie an den Deutschen so mag. „Die sind ehrlicher„, antwortete sie sofort, wenn es um die direkte und sofortige Beurteilung ihrer Musik geht. Die Interpretation von Subtexten fällt auch nicht allen Schweizern leicht. Schlussfrage: Wo kann man sich eigentlich eine Interpretationshilfe für Schweizer Subtexte besorgen?

    

    16 Responses to “Was ist schweizerisch? — In Subtexten kommunizieren”

    1. swambo Says:

      It`s not a bug, it`s a feature…. Schon Microsoft konnte so Unzulänglichkeiten in ihren Produkten umdeuten. Genauso macht es der Autor.
      Die Kehrseite dieser „Subtexte“ sind allerdings äusserst fragwürdig. Die Kommunikation ist häufig zu non-verbal. Post-its an der Tür, Problemeskalation via Dritte und bewusste üble Nachrede sind Handlungsweisen, die auch die Schweizer stören dürften……

    2. neuromat Says:

      „sind Garant fuer ein langes Leben in der Schweiz. Sonst kann es schon mal vorkommen, dass man, bei allzu direkter «Direktheit», irgendwo aufgeschlitzt in der Rhone umhertreibt“

      ……..

    3. AnFra Says:

      Ohne Worte!

      http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Ich-kam-mir-vor-wie-ein-Alien/story/23170830

    4. Egon Says:

      ein Highlight Herr Wiese, eine absolute Perle. Nicht die Dame, sondern Ihr heutiger Blog.

      Bis anhin wussten wir, dass es Schweizer Schokolade gibt, im Fernsehen hören wir, dass es nicht nur eine Mitteleuropäische sondern auch eine Schweizer Zeit gibt. Die Menschen hier reden zwar Deutsch, aber eben Schweizer Deutsch. Als in München drei Schläger aus Helvetien auffielen, fiel mit ihnen ein Bemühen auf, festzustellen, ob es sich wirklich um Schweizer Schweizer handelte. Findet ein Film, den mittlerwiel ganz Europa als dritte Wiederholung geshen hat, seinen Weg zu uns Eidgenossen, dann handelt es sich um eine Schweizer Premiere. Und nun, nun erfahren wir, Schweizer haben ein Schweizer Hirn.

      Und endlich. Endlich sagt man uns, warum Schweizer so langsam reden. Es sind die Pausen, mit denen die Eidgenossen sprechen. Denn offenbar reden diese Schweizer gar nicht, haben dies aber nachher so nicht gesagt und sich im Fall auch selber gar nicht verstanden und denken den ganzen Tag darüber nach, warum dies nur so ist.

      Ja, da hat man es wirklich nicht leicht.

      Es gibt Menschen, die mühen sich Jahre ihres Lebens „nonverbale Kommunikation“ zu verstehen. Schweizer brauchen dies nicht. Höflichkeit, Konfliktscheu, Zurückhaltung, Unsicherheit und Verniedlichung – dann geht das ganz von alleine. Oder vielleicht auch nicht. Das spielt keine Rolle. Hauptsache wir glauben, dass es so ist. Schliesslich glauben wir auch alle, dass wir 1291 gegründet wurden, dass Wilhelm Tell lebte und unsere Schweizer Kreditanstalt glaubte sogar, dass sie nie einen Kunden namens Kurt Herrmann hatte.

      Wir sind höflich, scheuen Konflikte und halten uns zurück:

      http://www.youtube.com/watch?v=IUXB_5Ylfp4&feature=related

      nein, wir sind eigentlich höflich und halten uns zurück. Unsere Secondos bereiten Fragen in Mundart vor und sind sich gewohnt, wenn sie selber frech werden, doppelt zurückzugeben.

      http://www.youtube.com/watch?v=ZgTddlfYc-k&feature=related

      Ja, wir glauben uns das alles tatsächlich jeden Tag aufs Neue. Weil wir so unsicher sind, deswegen beherrschen wir die nonverbale Kommunikation so perfekt. Sollte das dann nicht eigentlich dazu führen, dass wir nicht mehr unsicher sind.

      Warum ist das so, dass wir uns das ständig fragen müssen, warum das jetzt so ist und wie das jetzt wohl gemeint ist. Und wenn wir da soviel trainierter sind als die Deutschen, ach, wir sind ja sowieso trainierter als alle anderen, warum verstehen wir dann Ironie nicht – ah tut das jetzt wieder weh.

      Der Vater der Dame schrieb einmal als Chefredaktor im „Tages Anzeiger“, es für die Schweiz, also die Schweizer Schweiz höchste Zeit „von ihrem vorsätzlichen Unwissen Abschied zu nehmen“. Warum schweizert jetzt seine Tochter so munter weiter.

      Aber so sind wir, wir lieben uns nicht, und unsere Kinder auch nicht. Und wenn die Spass beim Vögeln haben … Aber da chömmer es anders Mal drüber … biederes Schweizertum. Das Gespräch oben, fand im Fall drei Monate nach dem Fest statt. Vier Wochen darauf schrieb Frau Tschudi einen Zettel und hing diesen in die Waschkueche und zeigte sich enttäuscht von dem Gespräch.

      Alles ist eine Art von Reflex bei uns. Der Schweizer Reflex. Wir fühlen, dass wir auf uns selbst bezogen funktionieren. Und darum sprechen wir auch deren Halbsätze zu Ende, so dass sie in unser offiziöses Schweizerbild passen.

      Damit sind wir zufrieden. Eine integrale Kritik ist tabu – darum vermeiden bereits im Ansatz jegliches, was unsere Selbstgenügsamkeit stören würde und legen einen Schutzwall um unser Denken, damit es uns nie zum Ziel führt. Wir denken uns das, was andere sagen und nicht sagen und nur wir verstehen diese Form der Kommunikation.

    5. Ric Says:

      Nicht „Deutsche“, Norddeutsche. In Bayern sind diese ebenso unbeliebt und ecken schnell an für diese Direktheit. Wobei es hier weniger die Direktheit ist, also die Haltung die Dinge beim Namen zu nennen. Das ist wohl eher Geschmackssache, da gibt es immer solche und solche Leute. Aber dass viele Dinge überhaupt gesagt werden. Eine Begrüßung wie „Du hast aber zugenommen!“ ist für Norddeutsche scheinbar normal (um hier mal einen Irrtum aufzukären, „Nord“ meine ich geographisch – aus der nördlichen Hälfte der Bundesrepublik! Nicht Hamburg+Vororte!). Und dann ist es ein Unterschied ob man zB sagt „Gib mir bitte den Stift!“ oder „Könntest du mir bitte den Stift geben?“ – erstere Version ist eher das was ein Norddeutscher benutzen würde. Der Unterschied geht über Inversion hinaus.

      Es stört also nicht dass sie nicht auf diese indirekte Art kommunizieren sondern dass sie zum einen Dinge sagen die keiner wissen will und zum anderen die Art in der sie Dinge sagen. Der „Ton“, wie man sagt.

    6. Egon Says:

      Red koan Schmarrn und Schleich Di. Glump, verregds is des mit fui zfui gfui. I hätt gean an Obazdn und an Russ und K ö n t e s t d u m i r bitte das bayrische Biergartengericht reichen 🙂 🙂 🙂

      Also I, I sog’s hoit, wia’s is un mia san mia und köine ami. Dees Englisch is a komische Sproach:

      I hoast Ei, Ei hoast Egg,
      Egg hoast koana
      und koana host nobody

    7. swambo Says:

      @Ric

      Meine persönlichen Erfahrungen decken sich nicht mit Deinen. Aus meiner Zeit in HH ist mir eher die Variante 2 in Erinnerung, aus meiner Zeit in Coburg eher erstere. Die von Dir angesprochene Begrüssung habe ich auch so nie erlebt. Wenn, dann fallen solchen „Begrüssungen“ mehr in die Kategorie Liebesbeweis (s.O.) und sollten nicht allzu ernst genommen werden.

      P.S. Wo ist denn bei Dir die Grenze zu ziehen zwischen Gut und Schlecht? Franken gut, Thüringen schlecht? Saarland gut, NRW schlecht?

    8. swambo Says:

      ach ja noch eins: die von Dir angesprochenen inhaltsschwachen Vielredner sind ja eher im Süden zu finden. Im Norden ist man da schon sparsamer mit Bussi-Bussi-Geplapper. DAS will schliesslich wirklich niemand hören..

    9. Guggeere Says:

      «Dank den Schweizer Eigenschaften (Höflichkeit, Konfliktscheu, Zurückhaltung, Unsicherheit, Verniedlichung) werden wir in nonverbaler Kommunikation intensiver trainiert als Deutsche. […] Im Entschlüsseln der Subtexte sind wir professionell.»

      Juhui, wir sind also ein Volk von feinsinnigen Literaturkritikern und tiefgründigen Seelenforschern… Auf den ersten Blick macht Laura de Weck uns Eidgenossen fast besoffen mit ihren Komplimenten. Dann aber festigt sich mein Verdacht, das alles könne nur ironisch gemeint sein. Etwa so, wie man jemandem, der soeben den grösstmöglichen Schwachsinn von sich gegeben hat, auf die Schulter klopft und sagt: «Wahnsinn! Wusste gar nicht, dass du sooo intelligent bist!»

      (Ich habe soeben die mir aus Gründen der nationalen Herkunft apriorisch gegebene Professionalität angewendet, die obigen Zeilen – inkl. Subtext – entschlüsselt und bin zum Resultat gekommen, dass Laura de Weck da entweder einen klischeebeladenen nationalistischen Quatsch oder etwas ganz schön Subversives geschrieben hat.)

    10. Brun(o)egg Says:

      Subversion, Image, Clichées und Vorurteile können nie ironisch sein.

    11. Marroni Says:

      Da kommt mir doch der uralte Basler Witz in den Sinn: Merian fragt Sarasin „ Sii, hänn sii auu scho POP Muusigg ghèèrt?“ Da Antwortet Sarasin „ Ghèèrt schoo, nitt gloostet“ Von wegen zwischen den Zeilen sprechen. Weiss echt nicht, wie man das jetzt ordnungsgemäss übersetzten müsste.

      [Antwort Admin: „Gehört habe ich das schon. Aber wissen sie, wenn ich was Blödes höre, denk ich einfach nich hin… “ , so vielleicht? ;-)]

    12. AnFra Says:

      Wenn man die beiden Blogschreiben vom 02.11.2009 und vom 03.11.2009 genau untersucht, kann man ohne große Anstrengung zwischen den Zeilen herauslesen: Was ist schweizerisch? Das Placebo!

      Nun, ob dies vom Jens in diesem zwischenzeiligen Zusammenhang lanciert wurde oder ob es nur ein unbewusster Zufall ist, soll hier nicht untersucht werden. Aber es erscheint aus der außerschweizerischen Sicht im ersten Moment recht schlüssig. Sigi F. hätte sicher seine reine Freude. Wieder so ein Maleficium.

      Man sitzt mit gewissen Schweizern zusammen, beschreibt Geräte, Anlagen oder technische Lösungen, mach als Deutscher in langsamer, bedächtiger und konzentrierter Zunge seine Klimmzüge, wartet auf die entscheidende Aussage, aber dann ….. Ein Schweigen, Nachdenken, Rumhirnen, oft ein sinusartige Schwingen der Sprache, sogar des gesamten Körpers und eventuell der Hände.
      Nun beginnt das sog. „Schweizerritual“. Eine für etliche Deutsche nicht nachvollziehbarer Vorgang, den man den Schweizern lassen sollte und auch muss, damit diese ihre noch auszureifenden Überlegungen, Nachfragen, Irritationen und Ungläubigkeiten verarbeitet, einordnen, geglättet und dann über die Lippen führen.
      Und hier ist für die „schnellen“ Deutschen oft die Hürde, nicht wie erwartet im technischen oder wirtschaftlichen Bereich, denn eine falsch interpretierte und unrichtig beantwortete Antwort, es reicht auch ein ungeschickter Zucker am Mundwinkel und das ganze Ding ist gelaufen. Habe erlebt, wie deutsche Anbieter, nur weil diese an der „falschen“ (weil zwischen den Zeilen versteckte Frage) Stelle kurz unbedächtig aufgelacht haben.
      Dieses Phänomen im Schweizerhirn hat sich mir nach vielen Jahren der Geschäftsbeziehungen immer noch nicht zu Gänze erschlossen. Hege aber den Verdacht, das hier ein gewisser „Placebo-Effekt“ wirkt.
      Dies scheint sich etwas zu bestätigen, da im Schweizeralltag in den verschiedensten Wirkebenen sich langsam der zum Placebo konträre „Nocebo-Effekt“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Nocebo-Effekt )einzuschleichen scheint. Z.B. der Dauerstreit wg. Steuerbetrügereien mit den Nachbarländern, Fluglärm sowie Libyen und dem Bundesclown Hansi-Rudolfo mit seinen bunten Placebo-Seifenblasen und sehr viel mehr.

      Man möchte in angemessener Zeit nach seinem in placido dargebrachten Placement im Schweizergesicht des Gegenüber ein placet Signal zum wohlwollenden Plazet hören, aber man muss sich noch durch den Dschungel mit dem Placebo zum Placitum kämpfen. (Alles in der CH aufgeschnappt!)

      Nachtrag:
      Wenn DAS geschafft wurde, wird der Auftrag öfters mit einer größeren Tatkraft und Sicherheit durchgezogen, als z. B. in D, A oder I !!! 😉

    13. swambo Says:

      Ich muss dem Zuercher recht geben. Das bajuwarisch-helvetische Bauchgefühl SCHEINT den Norddeutschen tatsächlich abzugehen. Von einer schweizer Warte auf jeden Fall.
      Aber: Nur weil man etwas nicht wahrnehmen kann, heisst das nicht, dass es nicht vorhanden wäre. Der Zuercher scheint mir, entgegen aller Beteuerungen kein besonderer Experte für das „norddeutsche“ zu sein…..

    14. Forentourist Says:

      Interessante Beobachtungen.
      Für Copeland und Griggs waren 1986 die Deutsch-Schweizer noch das Extrembeispiel einer „Low Context Culture“ (vor den gewöhnlichen „Thoitschen“), d.h. einer Kultur, in der relativ wenige unausgesprochene Regeln gelten. Im Gegensatz etwa zu Japanern und Chinesen, die viele Dinge eher andeuten als aussprechen.
      Siehe: http://books.google.ca/books?id=_YD4vsPU4U0C&pg=PA197&lpg=PA197&dq=high+context+low+context+spectrum&source=bl&ots=zLWnvbdR3z&sig=IMHvay47RS17GPV3bCfxbG_Jjuw&hl=en&ei=5gg5Sp31Bobc-Qa7i9nLAw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1|L.#v=onepage&q=high%20context%20low%20context%20spectrum&f=false

    15. Simone Says:

      Phämonenal! Trotzdem, wenn diese Satire dem Wunschbild der Schweizer entsprechen soll, dann sicher nicht flächendeckend und generationsübergreifend. Denn, Corina ist ja die Tochter von Frau Tschudi, der Meisterin der Subtexte. Wie war es nun mit der Kommunikation zwischen Corina und Tim am Vorabend? Entweder spielte sich selbige auschließlich auf der nonverbalen Ebene ab oder Corina agiert mittlerweile ohne Subtexte. Es wurde deutlich, dass Tim kein Schweizerdeutsch versteht. Trotzdem ist es zwischen Corina und ihm zu irgendwas gekommen. Entsprechend muss sich Corina aus dem Schweizerischen Sprachmuster gelöst haben, sonst wäre es ja nicht zu einer Situation gekommen, die Frau Tschudi nervös gemacht hat.
      Mich würde interessieren, wie es mit Corina und Tim weitergeht.

    16. Markus Sorg Says:

      Als Berner Oberländer in Zürich habe ich z.T. mehr innerschweizerische Unterschiede erlebt als in meiner Zeit in Köln und nun Barcelona. Durfte man im Berner Oberland keinesfalls offen das soeben Verspiesene vor dem Koch oder der Köchin kritisieren denn loben, habe ich anfangs in Zürich nach Kommentären von eigeladenen Eingeborenen („Maaarkus, das isch jetzt wüüürklich äääifach spitzemässig fäin xyy, e waari Delikatesse!!!!“) oft gedacht: ‚Uiuiui, was habe ich denn jetzt falsch gemacht‘.

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