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Wohnen in der Schweiz — Beim Auszug brauchen Sie eine gute Haftpflichtversicherung

(reload vom 8.7.06)

  • Zügelmänner aus dem Deutschen
  • Wir hatten schon früher darüber berichtet, dass die Schweizer nicht gern „umziehen“, sondern lieber „zügeln“ (vgl. Blogwiese ), ganz ohne reflexives „sich“ davor. Die starken Zügelmänner helfen ihnen dabei, vorausgesetzt, sie verdienen auch genug und können sich die Dienstleistung eines Zügelunternehmens wirklich leisten. Die sind nämlich schweineteuer, wegen — Sie wissen schon — hohes Lohnniveau und Top-Qualität der Arbeitsleistung in der Schweiz und so. Im grenznahen Gebiet, also bis weit in den Kanton Zürich, Aargau, Thurgau hinein, sind auch jede Menge Umzugsunternehmer aus „dem Deutschen“ unterwegs.

  • Die drei grossen Umzugstermine in der Schweiz
  • Die Schweizer ziehen nicht oft um, genauer gesagt nur an drei Stichtagen im Jahr. Zum 1. Januar, zum 1. April und zum 1. Oktober. Nur jeweils zu Beginn eines Quartals ist in vielen Mietverhältnissen eine Kündigung regulär möglich. Warum nicht auch im Juli? Nun, da haben die Hausverwaltungen meistens Urlaub und es ist eh viel zu heiss für eine Wohnungsabnahme mit Protokoll schreiben etc.

    In Deutschland übernehmen Sie beim Einzug eine Wohnung entweder frisch renoviert oder in einem „abgewohnten“ Zustand. Ist sie frisch renoviert worden, dann müssen Sie vor dem Auszug dafür sorgen, dass die Wohnung genauso aussieht wie sie übernommen wurde. Das können Sie selbst übernehmen, oder einen Fachmann beauftragen, der nicht einfach zu bekommen ist, sofern sie jemand günstigen suchen, trotz hoher Arbeitslosigkeit.

  • Marktnische „Wohnungen renovieren“?
  • Tapezierer und Maler, die auf freiberuflicher Basis in Deutschland versuchen, diese Marktlücke zu schliessen, müssen sich davor hüten, allzu stark durch Werbung und Anzeigen auf sich aufmerksam zu machen. Bislang kam es schnell zu einer Abmahnung durch die zuständige Handwerkskammer oder Innung. Einfach eine Dienstleistung wie Malerarbeiten anbieten, ohne dafür einen Meisterbrief zu besitzen, geht nämlich nicht in Deutschland. Trotz „Ich-AG“ und Suche nach alternativen Dienstleistungsmodellen. Die Ich-AG ist mittlerweile schon wieder Geschichte.

  • Keine Tapeten in der Schweiz?
  • Übernehmen Sie die Wohnung hingegen ohne Renovierung, dann können Sie tun und lassen, wozu Sie Lust haben: Nochmals streichen oder sogar tapezieren. Tapeten scheint man in der Schweiz nicht zu kennen, wir haben jedenfalls in diversen Mietwohnungen noch keine gesehen. Immer nur Rauputz statt Raufaser. Aber vielleicht waren wir noch einfach noch nicht in einer genügend grossen Anzahl von Wohnungen? Wir kommen ja kaum nach mit den Besichtigungstermine, bei der horrend hohen Zahl an Einladungen von Privatpersonen, die man als Zugezogener in der Schweiz täglich beantworten muss. Falls Sie als Deutscher zugezogen sind, können Sie Ihren Tapetentisch und den Quast für den Kleister gleich in den Keller räumen beim Einzug, Sie werden ihn nicht brauchen.

  • Das Land der Liegenschaftsverwaltungen
  • In der Schweiz ist häufig eine Haus- oder Liegenschaftsverwaltung, die den Eigentümer vor den Mietern vertritt, dafür verantwortlich, dass die Wohnung bei der Übergabe in perfektem Zustand ist. Wenn Sie wieder ausziehen nach ein paar Jahren, müssen sie lediglich für grosse Schäden wie Löcher in der Wand, Einbau eines Whirlpools im Wohnzimmer, eines Hundezwingers für den Deutschen Schäferhund im Kinderzimmer etc, aufkommen. Denn dafür können Sie haftbar gemacht werden. Darum ist eine Haftpflichtversicherung ein guter Schutz. Mieterschutzverbände bieten für wenig Geld pro Jahr diese Leistung zusätzlich an.

  • Warum gibt es so viele Wohnungen in der Schweiz?
  • In der Schweiz gibt es das System der Pensionskassen, die irgendwo hin müssen mit den vielen angesparten Geldern für die Altersvorsorge. Da ist jede Menge Kapital vorhanden, das zugleich sicher und Gewinn bringend angelegt werden muss. Diese Pensionskassen investieren gern in Wohnungen, welche erst nach 1-2 Jahren Leerstand wirklich Gewinne abzuwerfen brauchen. Darum wird gebaut wie verrückt, obwohl schon an vielen Orten ein hoher Leerstand zu verzeichnen ist. Was heisst „hoher Leerstand“? Vielleicht 400 Wohnungen in einer Stadt mit 20.000 Einwohnern? Für deutsche Zuzügler aus den überfüllten Städten wie Stuttgart, München oder Frankfurt sind das traumhafte Zustände. In Stuttgart heissen diese Menschen übrigens „Neigschmeckte“. So heissen sie auch noch, wenn sie in der dritten Generation dort leben.

    Die Zahl der freien Wohnungen nimmt in konzentrischen Kreisen um Zentren wie Zürich, Bern oder Basel zu. Faustregel hierbei: Mit jeder Minute Fahrzeit weiter weg von der Innenstadt nimmt das Wohnungsangebot an bezahlbaren Wohnungen zu, und steigen gleichzeitig die Abo-Kosten für das Monatsbillet der SBB.

  • Kaution geschenkt oder 1-2 Monate umsonst wohnen
  • Durch das momentane Überangebot an Wohnungen reagiert der Markt mit aggressiven Massnahmen auf die geringe Zahl der Wohnungssuchenden. Zum Teil wird Neumietern sogar die Kaution geschenkt, wenn sie mindestens für zwei Jahre einen Vertrag eingehen, oder sie können 1-2 Monate vor dem eigentlichen Vertragsbeginn in die neue Wohnung einziehen

  • Miete per Einzahlungsschein bezahlen
  • Ungewohnt für Deutsche ist es, dass man nicht gleich mit dem Mietvertrag eine Einzugsermächtigung für den „Mietzins“ unterschreiben muss. Man bekommt dafür von der Verwaltung einen Stapel rosa Einzahlungsscheine in die Hand gedrückt, mit denen dies ein Mal pro Monat auf der Post eingezahlt werden kann. Oder Sie füllen einen virtuellen rosa Einzahlungsschein im Internet aus. Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung sind zwar möglich aber eher unüblich bei den Schweizern. Sie kontrollieren gern selbst, wohin das Geld jeden Monat fliesst. Ein typischer Deutscher lässt Strom, Wasser, Miete, Telefon, Lebensversicherung etc. alles automatisch abbuchen. Das ist so üblich in Deutschland. Für das richtige „Schweiz-Feeling“ reiht man sich am Monatsende ein in die Schlange der Wartenden bei der Post (vgl. Blogwiese)

    

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