-->

Zwei Langenscheidt-Wörterbücher speziell für Schweizer

  • Ein Schweizer Wörterbuch bei Langenscheidt
  • Neulich entdeckte ich in einer Schweizer Buchhandlung zwei neu erschienene, spezielle Wörterbuchausgaben „Französisch-Schweizerdeutsch“ und „Englisch-Schweizerdeutsch“, erschienen bei Langenscheidt.

    Schweizer Wörterbuch Französisch bei Langenscheidt

    Na klasse, endlich kann ich die Schweizer Spezialwörter nachschlagen, die ich bis lang auf Englisch oder Französisch nicht wusste. Mal schauen, was „Betreibungsauskunft“ und „Betreibungsbeamter“ auf Englisch heisst. Doch ich finde nur „etwas betreiben“ = to drive something. Auch im Französischen Wörterbuch werden nur die standardsprachlichen Begriffe: „Der Betrieb“, oder „ein Unternehmen betreiben“, aber ich finde nichts im Sinne von „jemanden betreiben“.

    Schweizer Wörterbuch Englisch

  • Wer vernimmt die Vernehmlassung?
  • Vielleicht doch zu speziell. Versuchen wir es mal mit „die Vernehmlassung“. Dieses einzigartige Schweizerwort muss in der Berner Bundesversammlung während der „Session“ sicher täglich zu vernehmen sein. Wenn das nun ein Westschweizer nachschlagen möchte, und er greift zur Langenscheidt Spezialausgabe für die Schweiz?

    Es findet sich „jemanden vernehmen“ (was in der Schweiz „einvernehmen“ heisst) und „die Vernehmung“, aber nix von „Vernehmlassung“. Und das in einem Spezialwörterbuch mit 130.000 Stichwörtern, über das es bei Amazon.de heisst:

    Völlige Neuentwicklung: berücksichtigt die Sprachgepflogenheiten in der Schweiz und die neueste deutsche Rechtschreibung. Rund 130.000 Stichwörter und Wendungen auf der Basis des Taschenwörterbuchs Englisch. Hunderte von Info-Fenstern zu Wortschatz, Grammatik und Landeskunde.
    (Quelle: amazon.de)

  • Und wer geht über Bord?
  • Dritter Versuch, sowohl im Englischen als auch im Französischen Wörterbuch schlage ich „Bord“ nach. Klar, das „Bücherbord“, und auch „an Bord gehen“ finden sich sofort, aber die spezifisch Schweizerische Bedeutung „Bord“ = „Böschung, Abhang“? Keine Chance. Dabei ist die sogar im Duden verzeichnet.

  • Das Schweizerkreuz verkauft auch Wörterbücher
  • Vielleicht hat man die Schweizer Flagge auf den Deckel geklebt, um so Kunden in der Schweiz besonders anzusprechen? Ich konnte jedenfalls bis auf das Schweizerkreuz nix spezifisch Schweizerisches in diesen beiden Wörterbüchern finden. Enttäuschend. Langenscheidt ist übrigens ein Verlag in Deutschland. Wahrscheinlich haben sie einfach nur den Schweizer Markt entdeckt.

    

    12 Responses to “Zwei Langenscheidt-Wörterbücher speziell für Schweizer”

    1. Phipu Says:

      Ich vermute, dass der unterste Abschnitt des Blogeintrags zutrifft. Eine Schweizerflagge (wenn auch rechteckig und nicht in ihrer offiziellen quadratischen Form) auf einem deutschen Produkt zieht die Blicke aus diesem bauchnabelfixierten Land mit einem dennoch nicht vernachlässigbaren Marktpotential automatisch an. So kann man mit recht wenig Kostenaufwand zumindest oberflächlich, bis das Buch mal gekauft ist, darüber hinwegtäuschen, dass der Inhalt die deutsche Brille anbehielt. Noch bevor ich selbst überhaupt dieses Buch in die Finger genommen hätte, ist mir ein solches Detail aufgefallen: Es habe „130 Punkt 000 Stichwörter“. In den allermeisten Ländern heisst das tatsächlich „130 Tausend“. In der Schweiz trennt man so aber Franken von Rappen. (Wobei dann hinten nur noch zwei Rappenstellen bleiben. Wenn es drei Stellen dahinter hat, schaffen wir das Umdenken auf „ausländisch“ nach einer Sekunde Verzögerung natürlich schon). Für andere Tausender- und Millionenabgrenzungen gibt es Hochkommas und Leerschläge.

      Gewisse Firmen haben das Marktpotential des südlichen Nachbarlandes schon lange vor Langenscheidts Entscheid* erkannt, mit mehr oder weniger auffälligen Anzeichen (zugegeben, alles Details, die unsereins aber auffallen), die auf den deutschen Mutterhaus-Standort verweisen:

      http://www1.westfalia-versand.ch/ (Diese Alpenindianer sollen ruhig sz lesen, und die Preise in Euro und Mark hatten auch immer ein Komma als Trennzeichen – Punktschluss! Und schaut mal, wie viele Deppenleerzeichen** wir hinkriegen, das schafft ihr auch noch nicht so gut wie wir)

      http://www.tchibo.ch (recht gut gelungen, aber die Telefonnummern gruppieren wir, wie wir wollen)

      http://www.conrad.ch (whow, wir haben sogar ans Französisch gedacht! Ach, ihr seid scharf auf „Swiss made“? wir bleiben stolz auf unsere Made-in-Germany-Produkte)

      Vielleicht kennt ihr noch mehr solche Beispiele.

      Hoffen wir, dass in der überarbeiteten Ausgabe dieses Langenscheidt-Wörterbuchs wenigstens ein paar Internetseiten konsultiert werden, die sogar ohne „’s Füdle“ aus der wohligen Wärme des deutschen Verlagshauses zu „lüpfen“, und das Steuerfeindesgebiet bereisen zu müssen, konsultiert werden können. Ich denke dabei an:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetismus
      http://www.blogwiese.ch/inhaltsverzeichnis/

      * Jens, im Abschnitt mit „Vernehmlassung“ hast du Langenscheid ohne dt geschrieben. Der Langenscheid hat mit dem Entscheid nichts zu tun.

      ** siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Leerzeichen_in_Komposita

    2. Eidgenosss Says:

      Warscheinlich haben sie in allen Worten mit dem scharfen s (das komische Ding das die Deutschen immer benutzen) durch ein ss ersetzt. Und schon wars schweizerisch

      [Anmerkung Admin: Das muss es sein! Auf die Schreibweise von „ss“ hatte ich gar nicht geachtet. ]

    3. Egon Says:

      eines nimmt doch Wunder bei der ganzen „Schweizmeierei“. Nein nicht die Frage ob bei Damen ueber 60 die Schweizer Inkontinenz eine andere wäre, sondern der Umstand, dass Schweizer den Schweizerinnen und umgekehrt nicht trauen, also sich nicht trauen. Da ist das plötzlich Schluss mit der Schweizerei.

      Aber vielleicht sind das ja Schweizer Kubanerinnen und Schweizer Thailänderinnen auf der einen Schweizer und Schweizer Italiener auf der anderen Schweizer Seite. Und das „nota bene“ schweizweit.

    4. Chrigel Says:

      Schon, dass Sie die Vernehmlassung erwähnen. http://de.wikipedia.org/wiki/Vernehmlassung

      Es ist für mich als Schweizer völlig unverständlich, dass es die Vernehmlassung nicht überall auf der Welt gibt.

      [Anmerkung Admin: Ich denke, es gibt ähnliches in anderen Ländern, in Deutschland geht ein Gesetz in die „erste“, „zweite“ oder „dritte Lesung“, und es werden „Anhörungen“ veranstaltet. Ein Politikwissenschaftler muss erklären, worin die genauen Unterschiede bestehen. Oder halt ein Anfra.. ]

    5. Egon Says:

      die neuen Beispiele heissen ALDI und Lidl

      ALDI heisst natürlich ALDI SUISSE und das auch noch dauerhaft „günstig“. Ja auch andere sehen auf Euren Bauchnabel und sehen in diesem die Bauchnabelfixierung. Nicht vergessen die gekünstelte Italianita, demnächst wahrscheinlich Aldilianita – da bleiben COOP und Migros derzeit nur die Erzfeinde (fussballerisch) und das kommt einem doch spanisch vor

    6. Simone Says:

      @Egon:
      Bei Lidl war ich hierzulande noch nicht. Aber bei Aldi unterscheidet sich das Sortiment stark vom deutschen. Von daher wundere ich mich, dass der Name „Aldi“ überhaupt verwendet wird.

    7. Brenno Says:

      Von wegen sprachlichen Eigenheiten des Schweizerdeutschen in französischer Übersetzung: Auf den Langenscheidt Verlag können wir in diesem Falle gut verzichten. Erschöpfende und höchst kompetente Auskunft darüber gibt der Fichier français, eine Schöpfung der französischsprachigen Übersetzer in der Bundesverwaltung. Urprünglich, wie der Name sagt, eine Kartei, seit etlichen Jahren eine Datenbank. Was sich nicht geändert hat, ist die laufende Weiterentwicklung. Neugierig: http://www.fichier-francais.ch/ (der Zugang zur der eigentlichen Sammlung ist Passwortgeschützt)

    8. Egon Says:

      @ Simone

      es heisst ja auch ALL DIE SUISSE (,die gesagt haben, sie wuerden dort nie einkaufen…)

    9. cocomere Says:

      Ich kann auf dem Buchdeckel kein „Schweizerdeutsch“ ausmachen. Sehe nur „Deutsch-Französisch/Französich-Deutsch“ etc.
      Die Aufschrift „Schweizer Wörterbuch“ und die Schweizer Flagge sind wahrscheinlich marketingtechnische Massnahmen. Schliesslich verdienen viele (aussländische) Verlage (wie auch Markenartikelhersteller…) mit überhöhten Preisen in der Schweiz ganz gutes Geld.

    10. Guggeere Says:

      Es gibt je einen Englisch-Langenscheidt für Schweizer, für Geschäftsleute und für Schüler. Gemäss den Verkaufsstrategen des Verlags brauchen also Schweizer Geschäftsleute in Ausbildung drei verschiedene Langenscheidt.

      Manchmal verwende ich ein Langenscheidt-Power-Wörterbuch (steht so auf dem Buchdeckel). Nach dem Öffnen des Buches schwappt mir jeweils eine enorme Welle Power entgegen, und ich fühle mich viel, viel stärker. Nach einigem Herumblättern merke ich, dass Langenscheidt das gesuchte Wort nicht im Sortiment hat, und muss den drei Kilo schweren Larousse-Dictionnaire holen. Dabei hilft mir immerhin der zuvor gewonnene Power aus dem Langenscheidt.

    11. Stereotypdeutscher Says:

      @cocomere:

      Überhöhte Preise? Offenbar nicht, sonst würden den Produkte nicht gekauft werden, oder liegt es vielleicht an der schweizerischen Bauchnabelfixiertheit, wie Phipu so trefflich formulierte?

    12. Stereotypdeutscher Says:

      @Phipu:

      Es ist genau das d’rin, was d’rauf steht, ein Dictionary Deutsch – Englisch, Englisch – Deutsch, nicht Schweizerdeutsch – Englisch …

    Leave a Reply